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Simcha Malin (*19.04.1924, Lodz)

Signatur
01180/sdje/0072
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Tel Aviv, den 25. November 2013
Dauer
02:05:04
Interviewter
Simcha Malin
Interviewer
Martin Hölzl , Daniel Baranowski
Kamera, Licht und Ton
Lennart Bohne
Teilnehmer am Gespräch
Ruth Malin
Redaktion
Martin Hölzl
Transkription
Ruth Preusse

Seine Kindheit verbrachte Simcha Malin in Palästina und Polen. In Lodz erlebte er die deutsche Besatzung und musste im Ghetto Zwangsarbeit leisten. Zusammen mit seinem Bruder überlebte er die Haft in Auschwitz. Nach der Befreiung ging er nach Israel und lehrte Hebräisch für Einwanderer. Simcha Malin wurde 1924 in eine angesehene jüdische Familie in Lodz geboren, seine Mutter arbeitete als Näherin, der Vater als Textilkaufmann. Im gleichen Jahr wanderte die Familie nach Palästina aus, musste aber 1929 wegen wirtschaftlicher Sorgen wieder nach Polen zurückkehren. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und Errichtung eines Ghettos bestimmten fortan Zwangsarbeit, Hunger und Krankheiten den Alltag der Juden in Lodz. Im August 1944 wurde Simcha Malin mit seiner Mutter und zwei Geschwistern nach Auschwitz-Birkenau deportiert, die Mutter wurde noch am gleichen Tag ermordet. Zusammen mit seinem Bruder gelang es ihm, zu einem Arbeitseinsatz in der Nähe von Dachau eingesetzt zu werden und so den Holocaust zu überleben. Nach der Befreiung endete ein Versuch, illegal nach Palästina einzuwandern, mit einer zweijährigen Internierung in einem britischen Lager auf Zypern. 1949 erreichte er endlich Israel und arbeitete zunächst in einem Kibbuz, wo er seine Ehefrau Ruth kennenlernte. Das Paar zog nach Tel Aviv und Simcha Malin studierte in Jerusalem Hebräisch, um später selbst die Sprache zu unterrichten. Zum Zeitpunkt des Interviews war er 89 Jahre alt.

Vorkontakte

Erstkontakt über seinen Schwager Zwi Steinitz; üblicher Schriftverkehr, Anruf vor Israelfahrt, Vorgespräch einen Tag vor dem Interview in seiner Wohnung, anwesend seine Frau und ein Pfleger/Haushaltshilfe

Bedingungen

insgesamt gute Bedingungen im Wohnzimmer von SM; manchmal Ergänzungen durch die anwesende Ehefrau Ruth

Gruppensituation

MH, DB, LB Kamera, im Hintergrund Ruth Malin und ein Pfleger

Unterbrechungen

zwei wie vereinbart nach jeweils 45 Minuten, eine zusätzliche wegen Telefonklingeln

Protokoll

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Berlin), intern

Eindrücke

sehr freundliche Atmosphäre, SM wirkte entspannt; wurde aber mit der Dauer des Interviews sehr müde; konnte trotz seiner Beeinträchtigung durch Schlaganfall und sein hohes Alter sehr gut sprechen und erzählte insgesamt sehr chronologisch; Ehefrau Ruth griff insofern in das Interview ein, dass sie SM bei Sprachproblemen Hebräisch/Deutsch half und manchmal Begebenheiten ergänzte, aber auch wollte, dass SM bestimmte Begebenheiten im Interview sagt, z.B. die Rolle von Rumkowski im Getto Litzmannstadt

Martin Hölzl

[0:00] heute ist der 25ste November 2013 wir sind zu Gast bei Simcha Malin in Ramat Aviv in Israel wir führen ein Interview für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mein Name ist Martin Hölzl ich führe das

[0:19]  Interview zusammen mit Daniel Baranowski zuständig für Kamera und Ton ist Lennart Bohne [Schnitt]

[0:26]  

Simcha Malin

[0:29] also ich sollte jetzt bereit sein dann geht es los das rote Licht hat sich angezunden also das heißt dass man kann mich schon hören gut ich bin ich sollte geben ein Durchschnitt von mein Leben bis zu der Krieg wahrscheinlich kürz und was es ist dazu erzählen

[0:54]  soll ich erzählen ich weiß noch nicht was wirklich soll erzählt werden also Sie werden es später ruhig herausschneiden was nicht wichtig ist also ich bin in eine wie soll ich sagen die Familie von meiner Mutters Seite war eine   st- eine Familie aus Lodz

[1:21]  Lodz war immer eine große Stadt die zweite Stadt in Polen jüdische Stadt in Polen und äh beschäftigt hat sich die Stadt fast ganz in mit äh Textilien das heißt man hat äh   die Wolle gemacht ge- gespinnt äh gespannt die Wolle und das hat man später

[1:52]  weiter geschickt für Stoffe   und aber die Familie von meinem von meinem Vat- von meine Großvaterseit war eine fromme und mein Großvater war ein sehr angesehener Jude warum ? weil er hat sich beschäftigt mit äh Vorbereiten rituelles Fleisch das heißt

[2:20] mit  er war ein Schochet Schochet ist der Mann der das Schnei- der Vorberei- der eigentlich weiß der rituell dass die   die Kühe zum Schlachten er war bei ganz weit in sein Stellung und er war wenn ich habe jemanden zu meiner Zeit und auch später gesagt

[2:50] »ich  bin ein Enkelsohn von Avraham Jitzchack äh Hendlisz« haben alle gewusst und das war sehr be- bekoved   bekhavod sagt man in Jiddisch das heißt mit Ehre und äh   mein Vater hat sich alleine mit äh Manuf- mit äh Manufer- ha- Manufakture äh beschäftigt er

[3:24] hat äh   man musste doch die Wolle bringen die Wolle hat man gebracht aus Australien und auch aus Argentinien und äh   wir haben nicht weit von Lodz war ein kleines Stadt der ist noch heute da aber ohne Juden und die Juden haben sich fast alle beschäftigt

[3:49]  mit äh um die Wolle man hat die Wolle gebracht nach äh Polen und man hat sie vorbereitet zum Waschen das heißt Waschen es war nicht genug Wasser da war ein kleiner äh Strom dort hat man sie eingeweicht als erste und die ganze Gegend hat gestunken [lacht]

[4:18]  von die Wolle und wir Kinder durften nicht reingehen in dem Wasser weil es war sehr unangenehm dorten aber später   später hat man (davon) für dem Parnossa gehabt Parnossa Sie kennen das Wort Parnossa ? der Parnossa heißt alles was man braucht für n Le-

[4:45]  für das Leben das heißt das Wichtigste da hat man immer gesagt »gesund und parnossa« die zwei Sachen soll jemand haben dann ist es in Ordnung er soll sein gesund und er soll haben sein Unternehmer wie sagt man auf Deutsch ? die Aus- für die Ausgaben

[5:06] was  man braucht das Geld und äh   und außerdem hat mein von mein Vaters Seite haben sie gehabt das Städtchen hat geheißen Stryków (__) es steht heute auch   wenn es dorten immer war ein bisschen Land dort und und äh man ist im Sommer ist man weggefahren

[5:34] auf  Erholung   und äh   das Leben war ganz ruhig vieles hat man nich gemacht die Kinder waren sehr frei wir haben es ganz schön gehabt dorten weil die waren nicht beschränkt es war kein Verkehr es war überhaupt keine Wägen äh   wenn es hat geregnet im

[6:03] Winter  dann durften wir nicht die Straße könnte dann könnte man nicht die Straße durchgehen so viel äh   (merde)   so viel   Erde und alles war dort und wir haben in die Schule normal in die Schule eine kurze Zeit bin ich zusätzlich auch gegangen in eine

[6:30] jüdische  Schule die heißt Cheder Zimmer   dorten war ein Lehrer von diese ganz alte Zeiten welcher hat auch ein Keitsch- ein nicht kein Stock oder ein Stock mit ein Stückchen Leder angebinden gehabt und die Kinder mussten in die genau lernen äh das Lesen

[6:59] und Schreiben  nicht nur Lesen   und äh wir waren wir sind immer im Sommer weggefahren

[7:08] so war es auch äh am Angang wenn wir haben die N- die Nachrichten gehört was tut sich nicht weit von Polen man hat ausgesiedelt die Juden aus Polen die sind aus die sind

[7:28] rausgefahren  nach Deutschland eigentlich und die waren die die   die keine sie haben keine Bürgerschaft geha- Bürgersrecht gehabt hat man das ein Jahr vor dem zwei Jahre vor dem Krieg hat man die Juden einfach genommen und geschickt an die Grenze nach Zbąszyń

[8:01] Zbąszyń  war die Grenze Polen und (in) Deutschland und man hat sie einfach rausgeschissen rausgestoßen und wir waren das war dort und alles was es war war weit da war schon die was hat sich getun seit äh 34 35 in Deutschland man hat gehört aber es war

[8:34] doch so ganz weit  man hat auch kein Begriff gehabt wie kurz ist alles wie schnell kann man von die alle Seiten rüberfahren und alles tun was es hat sich getun oh und 39 38 sind wir rausgefahren wie immer auf Erholung und wir sind zurück Ende   fast am September

[9:04] und dann hat  mer gesagt man sollt sich vorbereiten vielleicht wird etwas etwas passieren sollen wir ja Graben Graben bauen hat man auf dem Hof haben alle geholfen bisschen aus (zäunen) zu verstecken sich in der Graben na selbstverständlich der Krieg ist

[9:28] ganz ausgeb-  der ist ausgebrochen am ersten September und das geht das ist sehr schnell vorbei und da waren sie schon die Deutschen in in de- in Lodz in der Stadt   und gleich hat man gehört was tut sich man hat die   die Leu- Juden waren leicht zu erkennen

[9:57] weil sie haben  fast alle Bärte wie mein Großvater und dann hat man sie auf der Straßen gehabt und man hat ausge- es hat schon angefangen   nicht ganz gefährlich aber schlagen hat man schon man hat die Bärte ge- rausgeschnitten und   und äh ah es war

[10:28] noch immer zu  Hause halb normal   wir haben zu essen noch gehabt und langsam langsam ist auch gekommen der Winter und dann war es auch sehr kalt in die Häuser wir haben keine Heizung gehabt und   wir haben alles mögliches gemacht wie natürlich  

Daniel Baranowski

[10:56] wo haben Sie denn äh gewohnt in Lodz ? 

Simcha Malin

[11:01] wir haben so wir sind ja gekommen m- di- mein Vater war in ein Wohlstand muss ich sagen hat eine Wohnung in eine von die Hauptstraßen und äh   wir haben eine ganz schöne Wohnung so eine Drei- Dreizimmerwohnung und es war ein Eingang für ein sehr schöner

[11:28]  Eingang und ein Kücheneingang das war für die für die Hilfe und für die Sachen die sind da reingekommen und wir haben gewohnt so dass wir könnten überall zu Fuß äh kommen außerdem da waren noch keine Autos nicht viele Autos in der äh in der Stadt

[11:54]  wir haben eine gehabt eine Kutsche so eine gewisse Kutsche das hat geheißen Doroschka das heißt mit mit diese Wagen hat ein Pferd gehabt auch der ist rumgefahren überall und wir sind gegangen in die Schule alle vier   meine Schwester die älteste war

[12:22]  schon dann beim Krü- Krieger- Kriegausbruch wie alt war sie sie war sechs Jahre älter als ich ich war 24 geboren und sie war 18 geboren also die hat in ein Hochschule in ein G- so genannte Gymnasium geheißen   in eine jüdisches war eine jüdische Schül-

[12:53]  Schüle und äh   sie war auch sehr begabt also sie hat   nur ein Mädelschule war das und außerdem wirk- äh älter bisschen sind schon in eine zionistische Bewegung Mitglieder gegangen sind einige gewesen in in Polen u- dieselbe welche existieren heute  

[13:22] aber    bei uns war es vielleicht bisschen stärker weil wir haben hab nicht erzählt noch dass in in die Jahre 24 ist gekommen ein ein sehr   starker gegen jüdische ähm Befehle oder chukim   Ruthi ma se chok ?  

Ruth Malin

[13:55] Gesetze 

Simcha Malin

[13:59] Gesetze und viele Juden sind dann ausgewandert wo sie könnten also ein Teil könnte die Engländer waren in Palästina und die haben ja erlaubt geben Zertifikaten Visum nach Palästina man musste aber sehr viel bezahlen fast tausend Sterling hat mer bezahlt

[14:21]  für jede Be- Be- äh jede Zertifikat jeder Visum und mein Vater wollte sehr (auswandern) er war hat auch nicht so gerne gehabt seine Beschäftigung und er ist gefahren aber früher wollte er unbedingt nicht mehr keine Händler sein keine Sachen haben mit

[14:51]  handelen kaufen verkaufen dann hat er bei es war eine eine   Organisa- eine Organisation die hat sich beschäftigt mit äh   Hityashvut mit äh     

Ruth Malin

[15:11] settlement 

Simcha Malin

[15:14] ja mit äh   settlements hätt ich ja auch sagen ich suche das Deutsche

Martin Hölzl

[15:20] [gleichzeitig:] Siedlung ? Siedlung ? 

Ruth Malin

[15:23] ja Siedlungen

Simcha Malin

[15:27] [gleichzeitig:] bes- mit besetz- mit bes- mit S- mit Besiedlungen sich in Palästina und dann hat er   dann ist er gefahren nach Jerusalem nicht weit von Jerusalem gibts heute auch ein St- ein Stadt die heißt Motza ganz nah zu Jerusalem in Motza war schon

[15:50]  eine Siedlung fast achtzig Jahre es sollte ja sein   angenommen dass in Motza war der   der Herzl war Besuch   und äh dorten das existierte schon dann achtzig Jahre und er hat ja ge- geglaubt es ist eine gute Idee er hat bekommen ein Haus ein altes Haus und

[16:22]  noch ein Haus und dort hat er eine   gezüchtet Kühe die Kühe hat mer gebracht von Libanon und damit sind auch gekommen Araber von der Umgebung und die haben gearbeitet bei uns und äh mein Vater ist gefahren mit der Milch nach Jerusalem um sie zu bringen

[16:49]  dort und verkaufen und äh so war es mehr weniger in Ordnung   gesund waren sie Parnoss haben sie auch gehat hab schon erklärt was ist die Parnoss und aber wer sehr unzufrieden war von dieser Situation ist meine Mutter sie war von ein Großstadt sie hat

[17:19] die  ganze Familie in Lodz gehabt hat gesagt »was hast du mich hier gebracht zwischen die Araber ich kann die Sprache nicht und ich habe auch nicht hier was zu tun« weil nur es war wenig Siedler waren aber es waren schon und so   und so haben wir   gelebt

[17:48] es war  nicht so schlimm weil   es war ruhig zu dieser Zeit aber Ende nah zu 29 zu 1929 hat sich gehört bisschen Unruhen von die Araber also es waren ja ein gewiss- gewisse ähm Wellen von von Unruhen von die arabische Seite das war der erstens war der ganz

[18:23] bekannte  ist 21 das war in Tel Chai im Norden sind ja befahren die Araber nach äh nach einer Siedlung was heißt Tel Chai und sie haben dorten die jüdische Siedler   äh beseitigt und dann hat man haben die die Araber die waren treu zu uns und haben gesagt

[18:56] zu meiner  Mutter »du besser komm we- weg von hier   weil wir wissen dass die Araber in die Umgebung haben auch die Absicht etwas hier zu machen« und meine Mutter war alleine ich muss noch erzählen dass wir haben gehabt Probleme mit die [lachend:] Kühe

[19:20] das ist ja  wichtig dass die Kühe sind mit einmal krank geworden mit dem wie heißt das ?  

Ruth Malin

[19:28] ist Maul- und Klauenseuche 

Simcha Malin

[19:30] ja   wie Ruthi ?

Daniel Baranowski

[19:33] Maul- und Klauenseuche 

Ruth Malin

[19:39] [gleichzeitig:] Maul- und Klauenseuche 

Simcha Malin

[19:43] ja und also mit einmal waren wir ohne Milch und ohne Kühe also deshalb hat mein Vater gesagt »nu ja Kühe kann man neue bringen aber dazu muss man Geld haben und Geld haben kann ich nur besorgen wenn ich fahre wieder zurück nach Polen nach Lodz und zwischen

[19:57]  meine Freunde dorten werde ich schon (einchevrieren) « ist der weg und das sollte sein auf eine ganz kurze Zeit und die Zeit war nicht so kurz und meine Mutter war alleine am Ende hat sie gesagt »das geht nicht so weiter ich bin hier alleine mit vier Kinder

[20:18]  in ein Lebensgefahr und du bist dorten alleine ohne Familie und du wahrscheinlich hast du auch ein Genuss von dem dass du bist ganz frei« und dann hat sie geschrieben zu ihrem Vater der Vater war inzwischen ist die Mutter gestorben und der Vater hat geheiratet

[20:44]  eine neue bei die rituelle bei die orthodoxe Juden bleibt darf ein Mann nicht alleine bleiben wenn die Frau verstirbt nu dann hat er geheiratet nicht dass er war treu oder untreu das ist so und meine Mutter hat geschrieben zu die zu die Stiefmutter »ich

[21:13] möchte  nach Hause kommen ich es ist hier gefährlich« und sie hat geschrieben ihr als Antwort »ich habe leider kein Platz   eine Frau die so jung ist jünger als ich die und die hat vier Kinder aufzunehmen« und das hat meine Mutter so aufgeregt in Zorn

[21:38] gebracht  »in mein Haus von meinem Vater schreibst du mir es ist kein Platz da ?« und so ohne zu schreiben hat sie ist sie weg von Motza und sie hat gekauft äh Karten über Constanța ist sie ge- gefahren mit ein Schiff und dort weiter nach Hause nach Lodz

[22:06] mit ein  mit ein   Sch- mit ein   Zug und die ist angekommen bis nach Hause und niemand sie hat nicht geschrieben und die ist nach Hause gekommen die gan- zu einer die Straße war ganz entsetzt »die Mania« meine Mutter hat Mania geheißen »Mania ist mit

[22:32] die Kinder  zurück« und äh   mein Vater war nicht in zu Hause überhaupt   und ist nach Hause gekommen hat da hat er gesagt »du bist gekommen hast mir nicht geschrieben du hast ein Fehler gemacht und wirst es bedauern«   und meine Mutter hat gesagt »ich

[22:57] werd das bedauern  es wird sein schwer aber wir werden sein zusammen« nu das erinner ich mich sehr gut weil später wenn es war in Ghetto hat äh hat meine Mutter wenn sie hat sich ja beklagt auf etwas hat mein Vater gesagt »siehst du ich hab dir gesagt

[23:21] du wirst es« er hat  recht gehabt äh »ich hab dir gesagt du wirst bedauern« hat sie es bedauert na das hilft ja gar nicht und so sind wir reingerutscht schon 39sten September ersten September war der Krieg schon da in Polen nach einer Woche war die polnische

[23:48] Armee sozusagen  die waren so stolz die   die Polacken die waren sehr stolz die haben auch eine Armee die haben ein ein (Pferde) ei- ein

Ruth Malin

[24:05] Regiment 

Simcha Malin

[24:08] ein Regiment vor Pferde und die erkennt sollten kämpfen mit die mit die 

Ruth Malin

[24:15] [gleichzeitig:] Truppen Pferdetruppen 

Simcha Malin

[24:18] mit diesem Ausrüstung von die Deutschen selbstverständlich nach einer Woche war sie ist hat vor- Polen verloren den Krieg eigentlich der Krieg hat angefangen in Danzig und äh   es ist wurde außerdem haben sie gesagt »so« Lodz hat gehört zum   zu einem

[24:49]  Teil von Polen die haben die Deutschen vernommen   aber Warschau war frei dann sie haben gesagt dass alle Männer sollen verlassen Lodz und und fahren fliehen heißt nach äh Warschau nu ich war ich bin zu Hause geblieben habe meinen Bruder der war älter

[25:16] zwei  Jahre und mein Vater die sind nach Warschau gerannt zu Fuß allgemein in allgemeinem und das war sehr sehr gefährlich weil die Deutschen sind runter mit die   mit die   äh matosim mit aeroplans und die haben beschossen die Leute die sind auf dem Wege

[25:45] gegangen    na und nach ein Monat ist mein Vater zurückgefahren nach Hause gekommen und dann war noch so eine gewisse Zeit bis Januar vierzig 41 haben sie beschlossen die Deutschen dann zu se- zu schaffen ein Ghetto was ein Ghetto war wir wussten nicht ganz

[26:18] genau aber  wir wussten dass die in äh   Venedig die der Teil von die von die der schönste Platz von der Stadt wo die Juden haben gewohnt das haben sie genannt Ghetto das ist eigentlich das erste Mal dass Begriff Ghetto 14ten Jahren glaube ich war das na

[26:51] ja was haben  dann die Deutschen gemacht die Juden haben sehr schön gewohnt in Lodz haben sie als erste haben sie sie alle raus von die Wohnungen und fast jeder hat gehabt noch jemand verwandt in in ein Teil von Lodz die heißt Bałuty das war ein Arbeitsteil

[27:13] überhaupt  Lodz war ein Arbeiterstadt und es waren ja auch sozialistisch es waren Proletariat war richtige und dann haben wir sind wir Familien sind rein zu Familien es war kein Platz es war sehr schwer   aber in Lodz haben die Deutschen dann äh äh nominiert

[27:47] sie haben  den Posten gegeben da war ein Mann der war ein Leiter von ein Kinder- Kinderheim der hat geheißen   Chaim Rumkowski Chaim Rumkowski der wusste etwas von von Leiten ein großes Betrieb und äh man hat eingeha- man hat so gemacht der ist zusammen

[28:20] mit die Leiter  von den deutsche Leiter von diesem Ghetto und der hat so erklärt und eingeordnet dass jeder eine musste arbeiten also ohne Arbeit hat nicht äh hat nicht existiert wir hatten Zusatz ein Zuteilung von Lebensmitteln bekommen auf Karten und

[28:53] es war selbstverständlich  gleich sehr schwer mit Essen und äh   und das war der Leiter von dem Ghetto der deutsche Leiter war hat geheißen Biebow und wie man annimmt heute und man weiß dass der Biebow wollte sehr sehr bleiben auf diesem Stellung er wollte

[29:24] nicht weggeschickt werden  nach nach Osten hat man ja Arbeit die sollte so genannt werden sehr wichtig für die deutsche Armee hat man   hat man ja gemacht es war s- es war ein Strohressort dann hat man Strohschuhe gemacht dass die Soldaten die waren schon

[29:52] weit in Front in Russland könnten  auf ihre Schuhe noch Strohschuhe anziehen man hat die Wäsche gewaschen ich habe in so einer Wäscherei gearbeitet es waren dort ein paar hundert Menschen und wir haben die Wäsche von die von die Leute in Ghetto abgenommen

[30:16] von die Soldaten hat man abgenommen  gewaschen getrocken und zurückgeschickt   das war unsere Beschäftigung   und so   so habe ich dort nicht so schlecht gearbeitet ich habe ins Büro gearbeitet vorzubereiten alles für die man hat auch die Leute bezahlt also

[30:46] musste man ja genau nachschauen wer  war beschäftigt und wie viel Stunden er hat gearbeitet   von Zeit zu Zeit sind Menschen weggekommen von Ghetto wir wussten nicht ganz genau wohin man hat ja Verschiedenes erzählt die Leute hat man weggenommen eigentlich

[31:10] war waren das die Leute die waren nicht  so fähig zur Arbeit also es war schon so wer hat nicht gearbeitet war in einer Gefahr und äh   und wir haben ja   die Zeit immer weiter gehofft   dass vielleicht wird etwas passieren vielleicht wird jemand zusto- zurückstoßen

[31:45] die äh Deutschen von Polen    aber das ist weiter gegangen eins zwei drei vier vier   Jahre fast fünf Jahre die ganze Zeit hat das gedauert

[32:05]   

Daniel Baranowski

[32:10] waren Sie mit der ganzen Familie im Ghetto ? 

Simcha Malin

[32:13] ja ich war mit meine   mit die K- Schwester Bruder zwei und die Mutter und der Vat- Vater hat Beziehungen gehabt mit verschiedene Kreise man hat ihm immer gesagt dass er soll Arbeit versch- beschaffen ihm und die Mutter hat äh ja die Mutter hat gearbeitet

[32:39]  auch in so eine von die große Ressorten hat man das ge- -nannt waren Schneiderreschort und Strohreschort -ressort und ein Lederressort verschiedene Plätze und äh   wir waren ja wir waren außerdem dass wir immer sind ja viel kranke Leute gewesen es war

[33:09] keine  Hilfe und keine Medikamente und zwischen alle diese Sachen ist mei- auch mein Vater krank geworden wer hatte ein ein Tuberkulose gehabt von diesem schlechten ähm   Ess- Verpflegung hat keine Aussichten gehabt und er wurde auch krank und er war einige

[33:42] Jahre  krank und man ha- könnte nicht äh ihm kaufen und bringen die Medikamente   und äh die junge Leute so zu mein Jahr haben noch gehabt Beschäftigung weil wir haben   in diese jungen Gruppen zionistische haben wir haben wir gelernt wir haben ja   gelesen

[34:17] zus-  manchmal zusammen und Schulen waren auch schon fast nicht aber es war noch immer Menschen haben sogar die Hochschule geendigt   und äh von die ganze Familie hat man immer gehört »der ist nicht mehr da und der ist nicht da« und dann hat man sehr oft

[34:44] sind  die Deutschen rein in Ghetto und haben rausgenommen Leute die waren nicht fähig zu arbeiten die waren Kranke die sind rein in d- in die Spitäler und die Leute rausgenommen die in die Betten gewesen also es war sehr sehr schwer und Hunger war und das

[35:13] war  das Schlimmste man hatte kein anderen Thema gehabt wie das Essen ich weiß ich habe dorten in mein Platz gearbeitet mit noch vier vier oder fünf junge Leute Mädels in mein Alter und der einzige Thema war was kann man noch hier essen ? was soll man noch

[35:41] was  kann man noch hier bekommen zum Essen also hat man ja versucht alle   alle interessante Sache von Kaffee weißt du von dem Kaffee-  

Ruth Malin

[35:56] Grund 

Simcha Malin

[35:59] Grund hat mer gemacht Kuchen und das und das also die die Fakt war dass alle waren wirklich ausgehungert man hat man ist gegangen auf dem Feld Feld wenn zufällig hat etwas gegessen was man kann essen noch hat man gegessen selbstverständlich und so war es

[36:26]  sehr sehr schlimm na viel hat man nicht gewusst und das ist interessant dass das Ghetto Lodzer Ghetto äh gegen von andere Leu- äh Ghettos dass es war Verbindung durch die Stadt   verschiedene Wege und zu bekommen was es tut sich also die Deutschen haben

[37:11]  gleich umgezaunt das Ghetto mit einem mit einem Mau- nicht Mauer nur mit Holz Holz und Stacheldraht es war überhaupt kein Möglichkeit rauszugehen oder etwas zu bekommen etwas zu kaufen draußen   und es sind ja   junge Jungs haben ver- versucht mein Bruder

[37:29]  hat gehabt noch ein noch eine M- noch einer sie waren drei Jungs und die haben dann instruiert ein Radio und das wurde streng verboten und man hat das entdeckt und man hat   geschnappt den (Vidaski) den Mann welcher hat das gemacht und mer hat gesagt »wenn

[37:56]  du dich nicht alleine stellst zum Gericht wird man umbringen so viel und so viel ältere Leute« und am Ende hat er sich wirklich geste- gestellt den und hat ihm getötet und da hat er noch eine Sache gebeten dass sie sollten (mich) wenn der Krieg zu Ende

[38:23]  sollte mein Körper nach Palästina nach Israel bringen und hier begraben und er ist begrabt wirklich bei uns im Friedhof   und   es war sehr sehr schwer mit die Leute sie sind gestorben es war kein man hat sie nicht richtig gekönnt begraben und das ist war

[38:52]  eine sehr schwere Zeit ist schwer ist schwer sich vorzubereiten vorzustellen wie es war   weil trotz allem sie ist die Zeit vorbei und gar nicht ist passiert wir wussten nicht   was es tut sich draußen

[39:18]  

Daniel Baranowski

[39:21] als die ähm ersten Deportationen aus Lodz ähm weggegangen sind und man weiß heute dass sie nach Chełmno ähm gegangen sind haben Sie davon etwas mitbekommen und ähm 

Simcha Malin

[39:34] nein 

Daniel Baranowski

[39:37] wie wurde darüber gesprochen 

Simcha Malin

[39:40] die die welche man hat nach Chełmno genommen d- das ist nicht weit von der Stadt das war aber die erste Zeit das erste   Weg dem ersten Weg wie umzubringen die Leute die haben sie ja in Autos reingestellt in Gas reingelassen aber in die Autos und da wurden

[40:03]  alle gezwungen zu schreiben ein Brief eine Karte nach Hause dass sie sind gut gut angekommen die werden hier eine Arbeit finden und von Ghetto haben sie auch genommen die alle Maschinen raus und da der Biebow hat alles gesagt äh »fährt doch hin ihr werd

[40:29]  dorten Arbeit bekommen« und äh »weil hier sind es sind Arbeitskräften und die hat die Maschine also man wird man euch noch lassen   arbeiten« also wir haben nicht bekommen das war eine ganz Entsetzung also ich weiß nur von mir und mein Bruder wir sind

[40:56]  am Ende nur zwei geblieben Vater ist gestorben die Mutter wurde ausgesiedelt nach Auschwitz die Leute wollten sich nicht stellen die haben ja gesagt ihm »jetzt ist Schluss jetzt muss die sich alle stellen   nach Straßen nach die sind diese Straße und äh

[41:22]  ihr wird noch a- bekommen ein Brot auf dem Weg und Zucker und stellt euch« und wenn das hat nicht geholfen sind sie einfach rein Soldaten   und sind rein in die Häuser und die Leute rausgenommen wer war zu Hause hat man ihm rausgenommen so waren sind sie

[41:48]  zu uns nach Hause meine Mutter war zu Hause und auch meine Schwester war nicht weit und sie hat das gesehen und hat gesagt »ich fahre mit weil ich will nicht die Mutter alleine alleine lassen«   und wir waren ganz naiv wir haben wirklich nicht gewusst wann

[42:13]  wir wenn wir sind nach Hause gekommen von der Arbeit haben wir nur eines gewollt mitzukommen in dem se- in demselben in demselben   äh  

Ruth Malin

[42:29] Transport

Martin Hölzl

[42:33] [gleichzeitig:] Transport 

Simcha Malin

[42:36] Transport Transport da sind wir gegangen zu dem Verantwortliche für diesem Ressort das war Schneiderressort und wir haben gesagt »mach doch tu mir uns eine Gefalligkeit wir sollen mitkommen« na hat er uns geschickt da bin ich dann erst mit meinem Bruder

[42:58]  der war zwei Jahre älter hingefahren und wir sind der Weg alleine war schrecklich man hat uns in in äh Waggonen von Vieh Viehwaggonen und es war kein Wasser und es war gar nichts und der Weg ist nicht so weit von Lodz bis Auschwitz ist vielleicht normalerweise

[43:29]  könnte sein paar Stunden aber wir sind ja sehr lange gefahren es war keine   es war keine Möglichkeit etwas zu trinken etwas   und niemand hat gegeben Wasser auf jeden Fall wir sind am ganz frühen Morgen nach Auschwitz angekommen es war alles es waren keine

[43:58]  Fenster man konnte gar nicht sehen wohin man fährt aber durch gewisse   Sparren in die in dem Holz haben wir gesehen verschiedene komische Leute oder etwas un- äh unnatürlich ich hab gesagt zu meinem Bruder »hör zu vielleicht sind wir schon in Italien

[44:25]  die Leute tragen sicher Kleidung mit (passen) und ganz leicht angezogen« also zu dieser Zeit waren diese Häftlinge die waren schon eine älter- eine   lang- längere Zeit dann haben sie nur gewartet sollen Neue kommen haben sie uns nachgeschrieen [Türklingel]

[44:57]  haben sie am mitgeschr- (__)  

Martin Hölzl

[45:00] Simcha wir [Schnitt]  

Simcha Malin

[45:03] ja also so das ist ja schon bekannt wir sind alle angekommen die Züge sind stehen geblieben und die Leu- die   waren das äh keine Soldaten das waren ja Polizisten »raus raus« alle sind mussten raus und sich stellen Männer zu Männer Frauen zu Frauen und

[45:33]  wir sind in einer Reihe fortgegangen wir wussten nicht was ist der Zweck und warum später auch diese   die Gefangene die alt waren das heißt die waren schon dort eine gewisse gewisse Zeit die sind zugegangen und hat gesa- haben immer wollten irgendwo helfen

[45:59]  haben sie gesagt eine Großmutter mit ein Kind haben sie gesagt »nimm du das Kind und geh weiter lass deine Tochter alleine gehen« und auch haben sie gesagt »wie alt bist du bist du zwölf ? sage du bist 14« und so sie wollten irgendwo die Leute damit

[46:22] helfen  raus   ähm zeigen ein Weg aber »was machst du ? was ist dein Beruf ? hast du ein Beruf ? sage du hast ein Beruf d- etwas so schneidern oder« und   und so sind wir über den Mengele durch   wir wussten nicht woher was bedeutet rechts was links aber später

[46:57] zum  Beispiel in meinem Fall ich wusste sehr froh dass mein Bruder ist mit mir zusammen rechts waren wir rechts aber das war nicht die Ende dann hat man uns ganz nackend ausgezogen und man hat nachgeschaut ob es wir haben nicht irgendwo ein Fehler im Körper  

[47:21] dass  wir sind so gesund   ja so sind wir rein in den Zigeunerlager ein Teil von Auschwitz wo man hat gebracht die Transporten war ein Zigeunerlager der hat so genannt weil man hat dorten hin die Zigeuner gebracht und man hat sie in einer ganz kurze Zeit rausgenommen

[47:48]  und weg sind sie ins Krematorium wahrschei- wahrscheinlich   das war der der diese für die   für die Ruthi ah (gesa hataor)  

Ruth Malin

[48:09]  ken   ah (gesa hataor)  

Simcha Malin

[48:14] ja   also die Zigeuner waren auch in ein Gefahr in dieser Zeit   sind sie weg von Auschwitz und dann war es so die die Verbrechen die in   haben keine Leute gehabt zu arbeiten da sind sie gekommen in die Arbeitslager und die wollten ja Le- Zusatz von Arbeiter

[48:48]  und dann haben sie gesagt »wir brauchen so viel und so viel äh Menschen Mechaniker wir brauchen äh die   äh Elektriz- in de Elel- in der Elektrik zu arbeiten« und mein Bruder hat gelernt Mechaniker in der Stadt noch ich nicht und er hat sich gestellt

[49:15] als  Mechaniker und dann hat man ihm genommen sagt er »wo warst du wo« haben sie ihm ausgefragt sagt er »ich habe gea- gelernt in die und die Schule«   gut haben sie ihm genommen dann haben sie gesagt   äh ausgefragt verschiedene mögliche Frage und sich

[49:45] ver-  zu versichern dass die Leuten sagen da etwas was wahr ist und dann hat man ihm genommen und ich geblieben bin geblieben alleine und das war mir dann sehr schwer weil ich wusste nicht ich hab habe niemand gehabt mehr dorten und zufällig war dorten über

[50:10] die  Drahten es war elektrische Drahten die darf man nicht anrühren waren welche Leute die haben ja keine Kräfte weiter zu machen das und die haben sich auf dem Drahten geworfen und dort war ein ein Le- ein alte Lager und dort hab ich gesehen eine von meine

[50:39] Bekannte  der aus dem kleinen Stadt aus Stryków war und der sagt »Simcha versuche alles zu tun um weg von hier hier nicht zu bleiben« und dann hab ich noch getroffen ein Cousin meiner aus Belgien der war auch dort und das war ja wirklich ganz äh unmögliche

[51:06] Sache  wir hätten das nicht geglaubt dass man trifft sich auf so ein Platz und äh gut nach ha- nach einer gewisse Zeit   ist man gekommen a- aus von Dachau und man hat ge- rausgenommen 150 Jungs die aus Lodz waren und man hat uns genommen und wie sind  wir

[51:40] gekommen   nach Dachau von Dachau hat man uns rausgeschickt bei Dachau waren zehn Lager und das war bei Utting am Ammer- am Ammersee also Utting ist äh nicht weit von Dachau es waren zehn Lager die gehö- angehören Dachau und dorten sind wir angekommen  und

[52:09] außerdem hat man auch 450 genommen aus Litauen alles Juden und äh   wir haben ja Verpflegung bekommen verhältnismäßig mäßig zu dem Ghetto und zu dem zum Auschwitz nicht so schlimm und äh gut so waren wir W- am Winter wir waren wir sind wir sind  fuffzig

[52:45] Leute in ein Baracke die in der Erde war weil wie man die s- (spachtet) die Kartoffel in die Erde so haben wir gelebt gearbeitet haben wir auch nicht so schwer nicht in Fabriken sondern bei Land- bei Landwirtschaft es war nicht so schlimm also es war  auszuhalten

[53:12] und es war keine   keine   es war keine   Vernichtungsplätze dort nur wer krank wurde der war krank dem hat man nich man hat ihn nicht äh   zum Gesundheit gebracht   und so   so ha- ist die Zeit gekommen April es war sehr sehr kalt das   war die größte  Sache

[53:52] die schlimmste Sache es ist äh zufällig oder immer in diese Zeiten Ende April haben wir gehört dass man nimmt man nimmt zusammen die alle KZler die alle Leute auf einen gewissen Platz und die sind gekommen in jedem diesem kleinen Baracke und gesagt  zu

[54:22] dem es war in jeder Baracke war ein Barackenälteste »wen gibst du hieraus wegzuschicken ?« und der war ein ein Vater von meines äh meine   meine Schwester hat gehabt einen einen Freund und der hat gesagt »nein den muss ich haben den muss ich haben«  haben

[54:53] sie mich gelassen und da hab ich gehört später dass die alle sind   wurden nach Kaufering geschickt Kaufering war ein sehr schlimme La- schlimmes (Lager) die Leute haben nicht was zu tun hat man sie einfach malteriert sie malträtiert wie sagt man das ?  von

[55:19] einem Platz zum zweiten geschickt  

Ruth Malin

[55:22] nein nein (ver-)  

Simcha Malin

[55:25] von hier nimm die Steine bringe sie dort von dort nimm die Steine bringe sie zurück verstehst du um die sollen beschäftigt sein und äh dann hat man uns wieder nach Dachau gebracht und von dorten sind wir Ende April 45 hat man uns rausgeschickt auf dem Weg

[55:47]  ich habe bei mir irgendwo aufgeschrieben ganz genau die Plätze wo wir waren die Städtchen und wir sind nicht weit von Bad Tölz angekommen und äh   man ist ge- musste laufen also der Tempo von gehen war schon ganz anders wie früher wir sind alle gegangen

[56:18]  in Holzschuhe mit Holzsohlen der Schnee war noch auf dem Boden es war sehr schwer zu laufen und bei Nacht war kein Platz wo zu liegen draußen sind wir gelegen aber Ende   wirklich wenn Ende April ja man hat schon gehört dass das Bombardieren äh äh von

[56:44] die  äh das waren die Engländer die Engländer in   und wir und da sind war ein Alarm ein Fliegeralarm und wir waren ganz froh wir haben gesagt »es soll schon eine Bombe auf uns fallen einmal wie sollen wir etwas sehen« aber sie sind keine keine Bombe

[57:11] die Amerikaner  und die Engländer haben nicht angerührt die Krematoriums und die Wege   und wir sind ja ganz nah zu   den zweiten April glaub ich dann hat man auch gehört über dem Attentat auf Hitler wann waren diese Attentat ? Anfang Mai ja ?  

Martin Hölzl

[57:40] Juli Juli 1944 

Simcha Malin

[57:43] [gleichzeitig:] ah Juli ? ah wahrscheinlich bin ich mir befreit geworden in sechsten   Mai 

Daniel Baranowski

[57:53] Sie meinen wahrscheinlich den Selbstmord äh von Hitler 

Simcha Malin

[57:57] ja ja 

Martin Hölzl

[58:00] April dreißigster April 

Daniel Baranowski

[58:03] das Attentat war   44 schon wie Martin sagte aber in den Tagen hat Hitler Selbstmord begangen im April 

Simcha Malin

[58:10] ah   ja ? ich hab geglaubt man hat ihn einmal umgebracht und fertig nein so jetzt ist jetzt wurden wir befreit und jetzt haben s- waren wir alle hilfslos man hat gesagt »und was wird jetzt passieren jetzt wissen wir gar nicht was mit uns zu tun« also wir haben

[58:38]  ja abgewartet was und zu dieser Zeit waren auch in die in dem englischen Militär war eine Formation eine Einheit aus Israel sind haben sich äh gestellt junge Leute Männer und die se- haben gesagt »unser Pflicht ist zu kommen in Kontakt mit die befreite

[59:08]  äh Gefangene und wir werden sie versuchen zu bringen nach Palästina« das es war schon hier der der Krieg mit die Palestinian mit den   Araber   und sind auch gekommen versucht einige zu kommen in Kontakt wie Hannah Szenes und noch eine hier Paraschutisten

[59:43]  äh Netzer Sereni und äh   und wir sind in Kontakt und dann hat die die zionistische Organisation hat gesagt »wer hat Familie will ausreisen ist jetzt die Gelegenheit nach England nach Belgien nach Amerika« weiß ich nicht vielleicht auch aber   aber das

[1:00:15]  ist später haben sie gesagt »nein ihr bleibt noch (__) ruhig sitzen« zu uns »wir werden erst nehmen die welche haben die Absicht nicht zu kommen nach Palästina« die wollten ja sich versichern dass die   die die welche wollen aus- rausreisen aus- raus-

[1:00:43]  

Ruth Malin

[1:00:46] ausreisen 

Simcha Malin

[1:00:49] ausreisen die sollen ja herkommen   und die haben ja angefangen mit die Alija Bet Alija Bet hat man genannt die zweite Alija nicht die normale die illegale da haben sie gekauft Schiffe alte Schiffe und von Porte so dass die Engländer wussten nicht ganz genau

[1:01:18]  man ist in allgemeinen ganz kleine Schiffe äh äh weggefahren aus   in verdeckt als Fischer- Fischerschiffe und wir sind bei uns hat sich erst angefangen die Reise wir sind nach Italien über die Alpen sind wir raus in Schn- in Schnee sehr schwer war das

[1:01:52] und  wir mussten alles we- wegwerfen und raufgehen auf den Schiff und wir haben gesagt »das ist doch kein Schiff das ist ein kleines   ein kleines äh Boot wie fährt man mit so ein Schiff über dem Meer vorbei« aber wir sind rauf und wir waren in ein Schiff

[1:02:21] von  400 Tonnage waren wir 1500 Leute und wir sind ja raus von Bari in Italien und so sind wir gefahren bei Tag ist man unter dem Deck und bei Nacht hat man rausgelassen und   und so sind waren wir ganz nah schon   wir haben schon geglaubt jetzt sieht man

[1:02:56] schon  Haifa dem Port von Haifa den Berg von Haifa und äh wir sollen sich vorbereiten nicht nachgeben sich ohne ohne sich zu wehren   nu die sind gekommen Pan York und Pan Crescent zwei unter war schon englische die ganz große von beide Seite und die haben

[1:03:27] ja geschrien  »gibt nach gibt nach sonst werden wir euch unterbringen« und sie haben wir haben schon gehört wie [lacht] unser Schiff kr- kracht schon von dem das war Holz dass sie geht gleich weg und äh   und die sind rauf die Sol- die   äh Soldaten die

[1:03:59] englische und  die haben uns mit Krater mit Gas Gas äh paar Trä-   äh   (__) Gas also wir haben nicht gehabt sich (mit) womit zu kämpfen und dann haben sie uns in Haifa in Haifa war ein ein Waffenstillstand niemand durfte auf der Straße zu gehen und sie

[1:04:34] haben uns rübergetragen  nach in die Schiffe Schiffe und von dorten sind wir gebracht nach Zypern nach   nach dem Lag- das war ein englische Lager und waren dorten Ka- Kasernen aber wenn etwas war gar nicht dort wir haben sich ja wirklich angesehen wie auf

[1:05:11] dem Insel auf diesem   die    wie hat ihr diese Geschichte Ruthi ?  

Ruth Malin

[1:05:21] Robinson Crusoe 

Simcha Malin

[1:05:24] ja wie Robinson Crus- Crusoe wer hat gehabt ab sich etwas hat gehabt ein Kleidung haben wir nicht gehabt haben wir zu- abgeschnitten die   die ohalim die Zelten und genäht sich Hosen und   also wer ein Nadel gehabt und ein Faden vor dem Zelt der war ein reicher

[1:05:54]  Mann und dann war zu dieser Zeit ist gekommen aus I- aus Israel auf Besuch die Ada Maimon Ada Maimon war eine religiöse Frau die hat sehr viel getun für die Leute die brauchen Hilfe und sie hat gesagt »wie kann man das machen dass die Mädels und die

[1:06:21] Jungs  halb nacket drehen sich auf dem Insel« nu gut langsam haben die Engländer gefunden äh Wege zu befreien erst haben sie die Verhei- Verheiratet- mit dem mein Schwager war oder   wenn jemand hat ein Baby bekommen hat man ihm geschickt in Spital in Famagusta

[1:06:54]  und äh   ja das war der Kapi- Kapitel von Zypern nu ja aus Zypern

[1:07:06]  

Daniel Baranowski

[1:07:09] wie lange waren Sie in Zypern ? 

Simcha Malin

[1:07:12] war ich fast zwei Jahre sie wollten auf keinen dann war wenn das 48 ist das Staat angekommen ist schon im Staat Israel da war Druck von die Juden in in Amerika und andere Plätze und da haben die Engländer gesagt gedacht »ja der   der Kampf ist verloren und

[1:07:39]  wir sind ja weg« und wer ist weg ist angekommen wieder nach Haifa und dort sind schon die Militärwagen gestanden und man hat gesagt »jetzt bist du da baruch haba sei gegrüßt jetzt gehst du gleich auf auf dem Auto und du wirst sein Soldat aber wenn jemand

[1:08:09]  geht in ein Kibbuz der an der Grenze w- ist« das hat geheißen Kibbuz Kfar das heißt eine Grenze (in) Kibbuz so war der Kibbuz wo die Ruthi ist angekommen aus Berlin zu ihrem Bruder sie wollte sich auch stellen ins Militär sie hat ja dem die Idee gehabt

[1:08:36]  sie wird kommen und sie wird kämpfen in in (da) und da ist der Bruder gekommen in den Sammellager und gesagt   »du kommst in Kibbuz und d- das ist dein Kampf« und so bin ich auch gekommen in denselben Kibbuz und das war mein Kampf zu dieser Zeit von dort

[1:09:05]  bin ich äh erst weg nach einer gewisse Zeit war es war mir schwer in Kibbuz weil die haben ja   die haben ja   die mussten schwer arbeiten und die haben geglaubt jetzt ist unsere Zeit zu arbeiten und ich die haben der Kibbuz entsteht er ist noch bis heute

[1:09:37] dort  es war ein eine Bau von die Templern und die haben ja die   die das das es sieht so aus wie in Deutschland zu dieser Zeit die Häuser sind einige Kibbuzim da in äh Israel in Jerusalem und und in das da dieses   die Kirya wo heute ist die Siedlung von

[1:10:12] die Regierung  das sind da die schöne kleine Häuser das ist noch von der Zeit von die Templern   und äh hab ich bekommen »hier hast du einen Hammer« haben sie mir gegeben »du musst dieses Mauer zu- rum- rumwerfen« und ich habe so ein schwere Arbeit

[1:10:38] nicht gel- -leistet  hab ich gleich bekommen hier Blasen also es war kein nicht so leicht in Kibbuz und später bittete ich auf dem   auf dem (Feld) zu arbeiten Ruthi kommt jetzt die Zeit zu erzählen wie du hast gearbeitet in die Kartoffel setzen ?  

Ruth Malin

[1:11:08] ach wo na ja wenn du willst 

Simcha Malin

[1:11:13] [lacht] also sie war hat auch keine große Ahnung von Landwirtschaft und zu ihrem besonderen Glück der der An- Verantwortliche auf die Landwirtschaft Arbeit war der Zwi Steinitz und sie man hat ihr gesagt »jetzt hast du Kartoffeln die sind zuschnitten du

[1:11:38]  musst sie reinsetzen in die Erde aber so (___) dass die Augen von die Kartoffel sollen sein nach oben« nu es haben sie es war ein Witz der ganze Kibbuz dass die zwei Mädels [gestikuliert] gegangen sind so mit die Kartoffel [lacht]

Ruth Malin

[1:12:00] [lachend:] wir haben uns sehr gut unterhalten dabei und dann haben wir die Kartoffeln reinge-   wir hatten keine Ahnung von Landwirtschaft 

Simcha Malin

[1:12:10] sie sind trotzdem gewachsen die Kartoffeln 

Ruth Malin

[1:12:13] ja [lacht]  

Simcha Malin

[1:12:16] und an Pause sind wir gelaufen schnell in die   Orangen- äh Plantatione und gepflückt sich A- Orangen haben wir gesagt »was so viel Orangen ges- essen« sag ich »ja   hier ha-« und wir haben zu dieser Zeit war hier eine   eine austerity es war eine Zuteilung

[1:12:39]  von Essen auch in die Kibbuzim aber einige Sachen war genug es war Marmelade war genug und was war noch wa- dass wir haben  

Ruth Malin

[1:12:55] Eier haben wir auch gegessen Eier und (___) dann haben sie immer Suppe gemacht morgens weil wir Kühe hatten Milch 

Simcha Malin

[1:13:03] na ja 

Ruth Malin

[1:13:06] Milch ja 

Simcha Malin

[1:13:09] nu gut 

Daniel Baranowski

[1:13:13] also es war alles neu erstmal im Kibbuz Sie mussten alles neu lernen 

Simcha Malin

[1:13:16] [gleichzeitig:] ja es war neu und es waren viele junge Leute und weiß nicht was es ist geblieben von die I- von die Idee (_)   das soll alles so sein unbeschränkt und alles soll sein je eine soll arbeiten wie viel er kann und soll bekommen was er braucht

[1:13:33]  das war der Motto von Kibbuz man arbeitet wie viel man kann und mer mer bekommt was man braucht also [lacht] die Ruthi hat schon bestimmt das erzählt sie brauchte ein etwas von ihrer Kleidung hat man zu dieser Zeit in der Kleidung etwas anderes gegeben

[1:13:59] sie  hat versucht zu erklären »aber ich habe genug Unterhosen ich möchte ein Brassière«  

Ruth Malin

[1:14:07] ein Büstenhalter 

Simcha Malin

[1:14:10] hat man gesagt »nein das geht nicht jetzt ist die die Zeit   von Brassière aber jetzt ist die Zeit« nu ja aber es waren ja wirklich alles junge Leute 

Ruth Malin

[1:14:22] das war super kommunistisch die ganze Sache das war wirklich idealistisch 

Simcha Malin

[1:14:26] lo shomim otach also die Ruthi hat zugegeb- dass es war wirklich man lebte nach ein Ideal aber man hat nicht die Wirklichkeit se- gesehen äh man wollte nicht so man was man musste d- man musste das selber essen weil es war kein anderes aber kaufen sich

[1:14:55]  etwas was alle andere bekommen das wollte man nicht es ist wirklich langsam langsam ist der Kibbuz sieht heute ganz anders aus der Netzer Sereni  

Daniel Baranowski

[1:15:09] warum wurde der Kibbuz Buchenwald genannt 

Simcha Malin

[1:15:14] ah ja das ist eine große Teil von die Leute von die erste Chaverim von die erste Mitglieder waren in Buchenwald und die haben ja eigentlich die Gründer von dem Kibbuz waren in Buchenwald also beschlossen sie werden dem Namen behalten aber sie sind hier gekommen

[1:15:42]  hat man von die von Israel hat man ihnen gesagt »me- wir werden doch nicht ein Kibbuz« also es gibt ein Kibbuz äh K- äh Kfar Masaryk auf Masaryks Namen oder andere aber Kibbuz Buchenwald ein Namen mit ein Konzentrationslager -lager la- -lager lasst man

[1:16:12]  nicht haben sie ja gesucht einen anderen Namen da war einer von die Paraschutisten der der ist von ein anderen Kibbuz also es war eine Spaltung in in die   kommunistische Organisation es war ein Teil war Mapai Mapai ist mehr rechts und äh ein Teil war Mapam

[1:16:42]  mehr links und Givat Brenner das ist ja ganz berühmter Kibbuz dorten sind gewesen Mapam und die haben ja beschlossen die wollten sich auch teilen sind einige Kibbuzim haben sich geteilt sind sogar Familien weg eine von dort und dann Givat Brenner wollte

[1:17:10] äh  auf dem Namen von eine von die äh Paraschutisten der war ein Italiener Enzo Sereni hat der Kibbuz geheißen haben sie gesagt »wir gehen weg von dem alten Kibbuz und wir gehen wir werden sich anschließen an dem Netzer und wir werden gründen einen

[1:17:38] neuen  Kibbuz« und so sind sie geblieben Netzer Sereni Sereni hat er geheißen er war Enzo Sereni Enzo Sereni war auch ein   Paraschutist so wie die die Hannah Szenes der ist ja runter und die man hat ihm geschnappt bei (noon) er wollte ja Verbindung mit

[1:18:05] die   Partisane  in Ungarn   und äh den- deshalb ist er genannt er ist Enzo Sereni Kibbuz Enzo Sereni und nicht mehr Buchenwald

[1:18:25]  

Daniel Baranowski

[1:18:28] wie lang haben Sie gelebt im Kibbuz ? 

Simcha Malin

[1:18:31] das war fast zwei Jahre   wa- wa- fast zwei Jahre dann bin ich ge- ich hab schon genannt dass ich wollte weiter mich bilden irgendwo viele Jahre sind vorbei den Weg von Lehren Lernen und da ist mir zufällig hab ich erfahren dass in Jerusalem macht man jetzt

[1:18:59]  auf eine besondere Schule für Lehren   die hebräische Sprache schnell weil es sind sehr viele eine ganz große Alija angekommen Einwanderung von fast ein Millionen Menschen weil sie sind gekommen von alle mögliche P- Plätze und sehr viel von Orient von

[1:19:27]  von die Länder äh mediterranean   von Persien von Irak und von andere Länder die Leute sind gekommen ohne eine Sprache die haben keine fremde Sprache Verbindungssprache also da war eine dringend musste me- etwas lernen lehren und da haben sie ge- angenommen

[1:20:03]  das Lernen wird man Hebräisch ja es waren welche die wollen ja Deutsch Deutsch sogar aber in eine eine Idee   sind sehr viel äh Professoren die aus Deutschland gekommen aber am Ende hat man beschlossen ja Hebräisch und wer wird Hebräisch unterrichten

[1:20:29] so  schnell da haben sie geöffnet in Jerusalem eine Beit Midrasch heißt das eine   Beit Midrasch ist eine Schule das war in Talbiya das äh das Haus existiert noch dort haben sie ja gesagt wer wirklich will unternehmen sich diese Arbeit zu machen und er

[1:21:03] glaubt  es wird wird man ihm aufnehmen und da haben wir keine Papiere gehabt eigentlich dann ha- der Leiter war Martin Buber er hat sich er war schon in dem eingewickelt er hat schon noch in Deutschland noch in Skandinavien hat er geöffnet eine Lehrschule

[1:21:33] für Erwachsene    und äh da bin ich [lacht] bin ich angekommen   da sitzt ein älterer Mann sieht vielleicht aus wie mein Großvater hat nur ein längeren Bart gehabt und äh er hat gesagt ich hab ihm gleich gesagt »ich hab unterbrochen mein mein Lernen

[1:22:07] vor fünf Jahre vielleicht  bisschen mehr ich hab in Zypern hab ich noch gelernt«   und äh »warum willst du denn das lernen warum willst du ein Lehrer sein und äh wie- wie viel kannst du Hebräisch« hab ich gesagt »eigentlich ich habe ein Basis weil

[1:22:30] wir haben in Palästina gelebt  aber das war bis sechs Jahre vielleicht hat man noch ein bisschen gesprochen zu Hause aber ich bin ein neuer Einwanderer   bin sicher dass ich verstehe die   die Lage von diese neue Einwanderer und kann auch   das äh richtig

[1:23:01] machen« und so haben sie mir gesagt  »okay du bist angenommen« dort hat man bekommen einen Platz zu wohnen und Verpflegung haben wir auch bekommen einmal ein warmes Essen haben wir bekommen und Frühstück und Mittag und wir haben sehr gute und berühmte

[1:23:28] Lehrer gehabt die waren viel viel zu  hohen Niveau für uns aber da haben sie haben wir doch etwas gemacht in gelernt und da ist gegangen die   am Ende haben wir bekommen eine Diplom und man hat uns einfach geschickt in ein Lager in ein Sammlungslager von

[1:24:04] neue Olim und gesagt »jetzt zeigt doch  was ihr habt gelernt« und da [lacht] das war gar nicht so leicht weil wir haben keine Ahnung wie   wie weiterzubringen wie anzufangen aber   da ist das gegangen man hat von ein gebaut von ein Wort zum zweiten Wort und

[1:24:34] da auch mit Mimik und wir haben   es geschaffen  und da ist entstanden der Ulpan der Ulpan ist eine Schule für für die hebräische Sprache und äh   ich bin geblieben mit diesem Beruf   spätestens haben sehr viel gelernt äh von die deutsche Einwanderer die

[1:25:14] sind gekommen die waren ja beschäftigt sie haben  keine Zeit gehabt zu lernen spätestes bisschen die wirtschaftliche Situation ist besser geworden da sind sie gekommen lernen eigentlich alles nicht so für sich Ruthi hast dorten dieses Buch die der   was

[1:25:37] die (Dorit) hatte gebracht  

Ruth Malin

[1:25:40] ja ja 

Simcha Malin

[1:25:43] liegt auf dem Bett das ist interessant über über die deutsche Ben Yehuda-Straße das ist [lacht] Sie kennen das ? 

Daniel Baranowski

[1:25:53] mhm 

Simcha Malin

[1:25:56] nein ? hat jemand geschrieben ein Buch über die also die hat ich habe wir haben sehr viel von meine Schüler die wurden auch so uns wie unser Familie dann haben sie für uns gesorgt   und äh wir haben geheiratet wir haben kein Bett gehabt erinnerst dich ? kein

[1:26:23]  Tisch kein Sessel also ich war bisschen krank sind gekommen zwei Damen von die deutsche Familie kommen rein haben sich nicht wo hinzusetzen sind sie auf dem Bett gesessen und äh haben gesagt »nu gut so ist das« und nach einer gewisse Zeit   haben wir bekommen

[1:26:52]  einen einen bei den Neu- ein Feier- Feiertag ist gekommen ein Tisch und zwei Sessel ja ?  

Daniel Baranowski

[1:27:04] wo sind Sie denn hingezogen vom Kibbuz aus ? 

Simcha Malin

[1:27:07] von Kibbuz ich bin raus in   nach Jerusalem zu lernen dort und die Ruthi hat eine andere Geschichte sie hat ja wollte auch raus von Kibbuz und sie hat ge- angefangen in ein S- in ein äh   Krankenhaus dort hat man die K- die G- das Essen für die Kinder auch

[1:27:39]  in ein ein äh machane haolim heißt das eine  

Ruth Malin

[1:27:43] Einwanderungslager 

Simcha Malin

[1:27:46] Einwanderungslager hat man gebraucht zu kochen   Essen für die Kinder für die Säuglinge also war sie wo sie später in ein anderen ein Arbeitslager und das war nicht weit von dem Lager wo ich sollte Hebräisch unterrichten und dann sind wir beide zusammen

[1:28:14]  sind wir gegangen auf in eine Wohnung ich hab hier meine Sch- eine von die von die Schwestern die war in Russland die ist gekommen mit ihrem Mann die hat sozusagen   gehat schon   ein bisschen Geld und sie hat sich ein eine Wohnung gemietet und wir haben bei

[1:28:44]  ihnen gelebt in ein Zimmer ja ?  

Ruth Malin

[1:28:48] ohne Tür [lacht]  

Simcha Malin

[1:28:50] ohne [lacht]  

Ruth Malin

[1:28:53] ohne Tür 

Simcha Malin

[1:28:56] ohne Tür haben wir ein eine (Dings aufgehangen)   eine smicha eine Decke 

Ruth Malin

[1:29:03] [gleichzeitig:] Decke 

Simcha Malin

[1:29:06] nu ja 

Martin Hölzl

[1:29:09] Simcha wir machen nochmal eine kurze Pause jetzt sind nochmal 45 Minuten rum 

Simcha Malin

[1:29:13] ja   gut [Schnitt] also wenn es weiter geht dann möchte ich erzählen was jeder der in Ghetto Lodz war hat mitgelebt und das war sehr dramatisch also zu der Zeit das Jahre weiß ich nicht genau aber ist gekommen eine eine   Drang von die Deutschen man soll

[1:29:45]  rauswerfen rausnehmen Leute von Ghetto und dann haben sie gesagt dass   äh weder Kinder bis sieben Jahre oder Erwachsene nach fuffzig sechzig oder siebzig mussen sich stellen zum raus von Ghetto und dann Rumkowski hat zusammengerufen die Leute und hat gesagt

[1:30:23]  »das ist ein Befehl es geht nicht auszumeiden ihr müsst ja gehorsam sein« und äh selbstverständlich die Menschen waren sehr dagegen und wüte- wütig und dann hat er gesagt »tut das zum eurem Guten weil Kinder könnt ihr neue bekommen Hauptsache ihr

[1:30:55]  sollt leben bleiben« und das war die sch- die Zeit hat man geru- genannt Sperre Sperre was ist bedeutet Sperre in Deutsch  

Daniel Baranowski

[1:31:09] das ist 

Martin Hölzl

[1:31:12] das Wort ist genauso Sperre 

Simcha Malin

[1:31:15] ja ? und in dieser Sperre hat man ver- versucht mit Kraft rauszunehmen die Kinder man ist gekommen mit die mit keine Autos mit   mit Wagen und man hat rausgenommen die junge Leute die junge Kinder zum Beispiel auch ältere Leute auch welche die waren nicht so

[1:31:45]  jung die ja schon graue Haare   also da sind sie zu an die Häuser angekommen und wenn sie haben aufgerissen die Tür von dem Haus von die Wohnung und sie haben dort gefunden diese Leute hat man sie einfach weggenommen und weg waren sie und das hat dem Rum-

[1:32:13]  Rumkowski gelass so ein so ein Hass weil man glaubte dass er könnte das vermeiden und dann sagt man andere sagen »nu er k- konnte könnte sein dass er hätt doch die Leute gerettet weil die Russen hätten hätten waren so nah beim Reingehen nach Lodz dass

[1:32:46]  es war überhaupt kein Problem Warschau Lodz ist hundert Kilometer sie er könnte sie könnten das ganz leicht machen« aber was es erweist sich was man weiß heute dass sie haben einen Konflikt mit die Polen gehabt die Ru- Russen die Russen wollten nicht

[1:33:10]  äh die Polen haben gesagt »wir brauchen nicht eure Hilfe wir willen auch nicht dass ihr sollt kommen befreien Warschau Warschau ist unser Hauptstadt wir werden sie befreien« nu haben die Polen gesagt »wenn ihr so stolz sind dann tut das in wir werden

[1:33:35] sich  nicht einmischen« und dann hat es gedauert noch einige Monate in diese Monate bis Ende   bis Warschau wurde festgenommen si- haben die die Deutschen in Lodz gehabt die Zeit alle Leute die verhaftet waren in in Ghetto rauszuschicken nach Auschwitz und

[1:34:09] so haben  sie langsam äh   Tag bei Tag sind die gegangen heute in Lodz ist da gerade kann man sehen Sachen von dieser Zeit ich war vor zehn Jahre in Lodz war ein Treffen und dann haben sie ja gezeigt dem Bahnhof haben sie gemacht als ein Denkmal ist ein Aufschrift

[1:34:43] wohin  sind die Leute geschickt in welche Richtungen in welche Lager raus und äh   man hat kein gutes Wort für ihm obwohl vielleicht hat er richtig ge- ge- geglaubt er kann wirklich etwas machen aber die welche haben ja sind geworden Opfer von diese Sache

[1:35:17] die haben  sehr sehr gehasst und dann wahrscheinlich hat er auch nicht alles gewusst das ist interessant was man erzählt der Rumkowski der war schon nicht kein junger Mann und hat sich eine junge Frau und hat sich so ganz aufgeführt wie ein wie ein König

[1:35:46] er hat ja    rumgefahren in in einer Kutsche   und das er ist angekommen nach Auschwitz da haben die die die Gefangenen die haben von ihm gelitten haben als erste ihm genommen und mit die Kutsche geschickt in Kon- in   in in dem  

Ruth Malin

[1:36:17] Krematerium 

Simcha Malin

[1:36:21] ma ? 

Ruth Malin

[1:36:23] Krematerium 

Simcha Malin

[1:36:26] im Krematorium hat man ihm weggeschickt also man hat keine große   ja 

Martin Hölzl

[1:36:29] ich hab eine Frage zum Alltag im Ghetto hat man eher mit dem jüdischen Ordnungsdienst zu tun gehabt oder mit der deutschen Polizei bei der Bewachung des Ghettos 

Simcha Malin

[1:36:44] nein die Po- Polizei war in Bewachung an die Grenze also man konnte kein Schritt machen aus dem Ghetto raus ohne dass man drüb- können das weiter machen also die Polizei waren Leute die waren auch alleine äh versperrt und die haben ja bekommen verschiedene

[1:37:10]  Güter für dem dass sie haben äh   gemacht die Sachen  

Ruth Malin

[1:37:18] Begünstigung 

Simcha Malin

[1:37:21] ja Begünstigung man hat sie die haben ja verteilt das Essen haben mehr Essen und das aber bewachen nicht es war kein wirklich kein Widerstand außer außer diese Geschichte mit dem Radio was man hat geschnappt die Gruppe von Jungs drei Jungs waren die haben

[1:37:50]  diese Nachrichten gehört weil es war keine Zeitung und keine Kontakt mit kein Platz kein Kontakt weil es war in alle andere Lager Wilna und so hat man gewusst in Warschau hat man auch gewusst was es tut sich   aber in in es war ein großes ein großes Zahl

[1:38:19]  äh von Leute trotzdem es und äh in so ein jüdischen Leben gibts ja Feiertagen und man hat versucht alles zu ha- zu halten   und das das ist alles Ruthi schon hier die Erzählungen glaube ich se maspik und jetzt wenn Sie haben noch etwas zu fragen dann

[1:38:50] bitte  es

[1:38:53]  

Daniel Baranowski

[1:38:56] Sie Sie haben äh erzählt dass Ihr Vater im Ghetto gestorben ist an an der Krankheit können Sie vielleicht kurz sagen was mit den anderen Familienmitgliedern geschehen ist 

Simcha Malin

[1:39:05] eine Familien so   die Ältere   [sucht] das ist nicht wichtig schon wie mein Großvater hat so eine Geschich- Geschichte gehabt wenn man ist in diese Sperre gekommen bei uns auf dem Hof hat er gesagt »ich will nicht mi- dass mir soll mir reinkommen nach

[1:39:37]  Hause ich nehme zwei Stühle und ich stelle das auf dem Hof bis sie werden kommen sie werden mich nehmen dann fahre ich weg« nu und dann sind sie gekommen und der ist der ist geblieben sitzen und seine Frau auch auch meine Großmutter und der Großvater

[1:40:04] die  waren schon ja werk- wirklich nicht jung vielleicht waren sie siebzig o- siebzig  

Daniel Baranowski

[1:40:12] können Sie das einmal ist ein Bild Entschuldigung in die Kamera zeigen ? 

Simcha Malin

[1:40:16] ja das ist geht 

Daniel Baranowski

[1:40:19] und dann ruhig weiter erzählen 

Simcha Malin

[1:40:22] [zeigt Foto] ja    

Daniel Baranowski

[1:40:26] das ist der väterlicherseits 

Simcha Malin

[1:40:29] ja 

Daniel Baranowski

[1:40:32] mhm 

Simcha Malin

[1:40:35] ja   mehr habe ich keine Bilder jetzt hab ich so hier reingestellt 

Daniel Baranowski

[1:40:40] entschuldigen Sie ich hab Sie jetzt unterbrochen die sind in dem Hof geblieben ? 

Simcha Malin

[1:40:47] ja bis sie sind gekommen mit die Wagen und aufgenommen die Leute oder von die Wohnungen reingekommen wir alleine sind ja weg auf ein anderen Platz meine Mutter hat man reingestellt in ein in ein Küchensch- äh -schrank und die haben glücklicherweise nicht

[1:41:07]  erwischt dem Platz ist sie geblieben und die ist weg die ist weg nach Auschwitz mehr nicht zurück   und die anderen   auf demselben Hof hat gewohnt ein Onkel mit zwei Kinder die sind auch weg und dann hab ich eine Tante gehabt alle waren zufällig in der

[1:41:39] Ge-  in derselben Haus ich habe eine Kusine in äh Kanada in Toronto und ihre Mutter hat gewohnt auf dem Hof und dort hat man sie auch weggenommen außerdem   außerdem ist so da meine Schwester die älteste die ist gleich 39 die hat gehabt ein ein Freund

[1:42:16] und da  haben sie gesagt »wir bleiben nicht hier hier hier in Lodz wir fahren nach dem Osten« und die sind gefahren sie wollte mit ihm weg meine Mutter hat gesagt »okay fährt euch weg nimmt nimmt etwas mit was ihr kann etwas ein ein Wertsachen und ihr

[1:42:43] kommt nach    Brest Brześć« das ist eine Stadt eine jüdische Stadt in die Grenze von Ukraina und äh dort haben wir gehabt äh sehr fromme Familie und sehr gelehrte meine Mutter hat gesagt »dorten   heiratete zusammen und äh   alles in Ordnung« und weg

[1:43:24] sind sie aber  sind nicht gelungen sie sind auf die Grenze hat man sie der   Mann der sollte sie auf die andere Seite bringen hat hat verraten hat sie gleich gebracht an die Grenze und man hat sie   auseinander gebracht meine Schwester hatte man verhaftet und

[1:43:59] sie ist nach  Sibirien sie hat dorten gearbeitet aber sie hat   sie war geschickt in Nähen also ihr ist das gelungen bis Ende des Kr- bis eine es war eine Abhandlung zwischen die Polen und die Russen hat man die rausgelassen die polnische Birger Bürger befreit

[1:44:33] die hat  man befreit und sie hat äh dann geheiratet hat getroffen ein Mann von uns von unserer Gegend nicht weit von Lodz und die haben ja nicht erlaubt die be- befreite polnische Bürger zu wohnen wo sie wollen man hat sie ja   äh übersiedelt an die deutsche

[1:45:07] an  die Plätze wo die Deutschen haben gelebt und die die hat man weggeschickt und man hat diese polnische Juden oder andere gebracht nach Bydgoszcz nach Zbąszyń nach nach einer Gegend wo wo die Deutschen haben mussten weg   die Deutschen haben nach dem

[1:45:37] Krieg  die Polen weggeschickt und die hat gelebt in in Rust- in Russland dann ist sie gekommen nach Palästina die wusste dass ich bin in da hier und äh   und er hat hier gearbeitete und er hat wie man sagt wie hat man gesagt hier in Israel »wie macht man

[1:46:10] von ein  gr- von ein Million von ein große Million ein kleine Million ? man verliert das Geld was mer bringt und man lasst ein bisschen Geld« und dann hat er hier gelebt in Tel Aviv und ein Teil von die Familie ist auch geblieben in Tel Aviv die sind nicht

[1:46:33] rausgerei-  und äh mein Schwester ist schon tot die ist äh bisschen älter nicht so sehr sechs Jahre war sie älter und der Mann ist früher gestorben und mehr ist keine äh wirklichen (__) viel von die Familie sind keine geblieben  

Ruth Malin

[1:47:01] wie viel sind denn umgekommen ? 

Simcha Malin

[1:47:04] mh ? 

Ruth Malin

[1:47:07] wie viel sind denn umgekommen von der Familie 

Simcha Malin

[1:47:10] ich weiß vielleicht sind fuffzig umgekommen aber nicht mit einmal Ruthi nicht den nicht reingek- nicht gekommen nach Auschwitz oder so mit der Zeit sind 

Ruth Malin

[1:47:25] ja nein aber 

Martin Hölzl

[1:47:28] wie wie war das weitere Schicksal Ihres Bruders ist der auch mit Ihnen ähm auf Zypern inhaftiert gewesen ? 

Simcha Malin

[1:47:36] [gleichzeitig:] ja   in Zypern nein   das ist se u socher se ani lo siparti das hab ich nicht erzählt er ist gekommen wir sind dann illegal mit die Schiffe gekommen nach Palästina und er war auf eine Hachschara in eine von die Kibuzzim von dort hat se

[1:48:00]  hat man sie wegge- weggeschickt und er ist gekommen nicht durch Zypern er ist gekommen nach Palästina hat hier gehabt ein Onkel hat er be- in   in dem Elektrikgesch- elektrischen äh   Gewerk ech omrim  

Ruth Malin

[1:48:24] Reading in Reading (__)  

Simcha Malin

[1:48:31] ja aber 

Ruth Malin

[1:48:35] Elektrizitätsanstalt 

Simcha Malin

[1:48:38] ja und   und außerdem hat man ihm gegeben zu diesem Onkel und die Tante die waren schon wirklich alte Leute   Ruth ?   ja ? äh hat man ihm dort reingesetzt er soll die alte Leute helfen und die wurden irgendwo befreit von diese Hilfe von ihm und   was ist passiert

[1:49:11]  ah mein Bruder war sehr deprimiert er hat die Arbeit äh gehasst ihn hat man gesetzt er war ein Fachmann hat ja wirklich gekönnt leisten etwas Gutes hat man ihm geschickt diese große K- (__)  

Ruth Malin

[1:49:33] Schornstein sagt 

Simcha Malin

[1:49:36] Schorn- sauber zu machen   und das äh da war er so deprimiert dass er es mit sein   Zustand nicht gut herausgekommen man hat versucht wir haben ihm versucht   zu helfen aber das ist nicht gegangen er ist [Telefonklingeln]   [Schnitt] nu ja dann ist er er

[1:50:13]  war in Talbiya Talbiya in Jerusalem ist eine Nervenanstalt er hat ja Hilfe bekommen zu dieser Zeit vielleicht hat man ihm nicht geholfen richtig und er ist äh bekam ein eine kurzen Urlaub von dort nach Hause und dort hat er beschlossen er will nicht weiter

[1:50:43]  leben und weg ist er er hat Selbstmord begangen   so  

Ruth Malin

[1:50:50] er hat sich aufgehangen 

Simcha Malin

[1:50:53] hat sich ein- aufgehangen und schade weil das war bestimmt verbinden mit seine äh   Sachen was er hat mitgemacht ja das ist lang sind schon vier da vier Kinder ja mehr mehr waren nicht 

Ruth Malin

[1:51:17] deine Schwester Simcha 

Simcha Malin

[1:51:21] ah ja eine von meine Schwestern die es war die es war gerade sehr gut sie war in Auschwitz und sie hat dort getroffen jemand der hat ihr geholfen eine ein Sp- Platz zu finden er war der Älteste in ein Lager also es war sehr gut (__) sehr gut also er hatte

[1:51:51]  sie hatte ja zum Essen gehabt und deshalb glaube ich dass ist ein was ist passiert sie ist raus   auf diesem Totenmarsch von Auschwitz die   Deutschen haben die die Leute die letzte welche sind geblieben in Auschwitz versucht raus zu kommen sie sollen nicht

[1:52:21]  bleiben dort und sie ist raus und sie ist nach Bergen-Belsen zu Fuß gelaufen wochenlang sind sie gelaufen und äh   dann waren sie wahrscheinlich kräftiger weißt du vielleicht gesünder dort war eine Epidemie von Typhus typhoid die Le- die Engländer sind

[1:52:53]  gekommen und die haben gar nicht gehabt kein passendes Essen und keine die wussten nicht es war einmal haben wir gesehen einen Film Ruthi erinnerst dich ? da sind die Amerikaner in ger-  

Ruth Malin

[1:53:08] ach ja 

Simcha Malin

[1:53:11] gegangen in den Wald und haben mit einmal sind sie angekommen in ein in ein Lager die wussten gar nicht was das ist und am Ende haben sie auch gar nicht gehabt zu essen die erkrankte erkränkte ja ? 

Ruth Malin

[1:53:31] an Typhus 

Simcha Malin

[1:53:34] Typhus 

Ruth Malin

[1:53:37] [gleichzeitig:] haben sind sie erkrankt 

Simcha Malin

[1:53:40] erkrankt 

Ruth Malin

[1:53:43] hatten nichts zu essen die Silvia ist ja dort befreit worden 

Simcha Malin

[1:53:46] ah ja shama lo shomim Ruthi

Ruth Malin

[1:53:49] lama ata omer 

Simcha Malin

[1:53:52] (ja) lo [lacht] lo (ja)  

Ruth Malin

[1:53:55] aber es gehört dazu 

Simcha Malin

[1:53:58] es gehör- es gehört zu dem Thema da sind viele Menschen umgekommen wenn man nach Bergen-Belsen kommt ich war in Bergen-Belsen nach der Befreiung da steht dorten St- große Steine das soll ein Denkmal »hier sind umgekommen« Massengräber man wu- wusste

[1:54:17]  nicht wo sie zu beerdigen und äh   das ist meine Schwester sie war ist auch weg also eine in Auschwitz und die Mutter in Auschwitz also wir haben schon unsere unser   äh chova  

Ruth Malin

[1:54:40] ja unsere Pflicht erfüllt 

Simcha Malin

[1:54:44] ja mit mit die [lacht] ja 

Ruth Malin

[1:54:48] [lachend:] für die Bereinigung der Menschheit 

Simcha Malin

[1:54:51] nu gut   noch etwas fragen ? 

Daniel Baranowski

[1:54:55] wollen Sie ähm vielleicht einmal die Bilder noch in die Kamera zeigen ? das haben wir ja schon gesehen 

Simcha Malin

[1:55:03] ja 

Daniel Baranowski

[1:55:06] ähm dass man nochmal dass Sie nochmal kurz sagen wer da drauf zu sehen ist ? 

Simcha Malin

[1:55:09] ja wer da dann noch gesehen [zeigt] das ist meine älteste   Schwester als Schülerin in in Hochschule in Lodz   die ist nach Russland weg und die ist sogar nach Palästina weg und das ist meine jüngere Schwester die ist in Bergen-Belsen gestorben verstorben

[1:55:41]  und das ist mein Bruder der ist hier auch als Schüler in einer in die Metallschule   und das ist ein Bild von ihm in ein in ein Bassin in Galie Gil in Ramat Gan das kennen Sie bestimmt nicht wo heute ist der  

Ruth Malin

[1:56:08] [gleichzeitig:] gibt es nicht mehr tachanat rakevet 

Simcha Malin

[1:56:12] ja heute ist der der die Bur- Bursa da wo die hohe Bäu- Gebäude von der von die Bursa   und äh dort war einmal ein Schwimmbassin   und das ist mein eine Tante und ein Onkel die waren zu dieselbe Zeit in Palästina mit uns die ist aber sind hier versto- mit

[1:56:45]  die ganze Familie und dann sind sie hier verstorben also das sind alle was ich hab zufällig so reingestellt mir   und dann werd ich von Ihnen noch nicht vergessen die Telefonnummer von die Karla ja ?

[1:57:07]  

Daniel Baranowski

[1:57:10] ich hab noch eine ähm äh Frage zu Ihrer Geschichte 

Simcha Malin

[1:57:13] ja bevakasha 

Daniel Baranowski

[1:57:16] ähm und zwar nach dem Krieg nach der Befreiung ähm äh sind Sie dann direkt äh über äh Italien ähm äh und mit dem Schiff nach Israel oder sind Sie nochmal zurück nach Lodz 

Simcha Malin

[1:57:29] nein 

Daniel Baranowski

[1:57:33] können Sie über die Zeit vielleicht noch kurz etwas sagen 

Simcha Malin

[1:57:36] [gleichzeitig:] ja ja wir sind alle geblieben in in sitzen und warten es waren solche Lager in die Gegend von Bayern ich war in die Gegend von von   von   von Bayern und da sind gekommen die Cha- die Soldaten die von die Brigade und die haben versucht

[1:58:01]  uns rauszunehmen für diese Auswanderung das hat noch gedauert einige Monate wir sind im Sommer gesessen dorten es waren kei- sehr ein schöne Zeit aber wir wussten nicht was kommt weiter   vor Kontakt hab ich schon gehabt mit meine Familie in Palästina

[1:58:27] in  Israel und wir haben ja bekommen Pakete von von UNRRA   UNRRA ist eine eine   Organisation die hat gehei- die hält immer sogar heute die   Plitim die äh   die Araber die sind in den Lagern   dann haben wir so gehat   [lacht] wir haben so äh   wir haben ja

[1:59:10] versucht  was mehr [lacht] rauszu- rauszubekommen Essen von diese UNRRA also Essen hat man nur gekönnt bekommen wenn jemand   hat äh musste äh und äh bezeichnen dass er ist ein Flüchtling   also mit ein- einmal krieg ich ein Brief äh zu dem Platz wo ich

[1:59:40] war ich  war in   in Feldafing wissen Sie wo das ist ? ja ? dort war ist ein sehr schöne Platz heute und dann haben sie die die (Villot) die Häuser haben sie gegeben auf die Leute die waren frei ohne ohne Platz und dort habe ich waren wir einige Wochen in

[2:00:10] Feldafing  oder in oder was war dort ? ja wir waren in Flak-Kaserne bei München und wir wollten ja bekommen noch noch Essen hat man ja auch gegeben Namen und Adressen irgendwo in München und wir haben bekommen unser eins (ah) manchmal ist es gelungen manchmal

[2:00:43] nicht  also haben wir Pakete bekommen für jemand dem hab ich aufgegeben die Name von meiner Schwester irgendwo in München hab ich eine Straße und dann   ist das angekommen mit sehr sehr viel äh Lebensmittel gehabt aber dann hab ich bekommen einen Brief

[2:01:13] aus Israel  »fahr dort hin dort und dort dorten lebt deine Schwester« dann bin ich hingefahren nach München und hab gesucht es war keine Straße es war keine Schwester ich hab alleine aufgegeben äh Daten was ich haben wollte Essen bekommen und so also

[2:01:38] es hat schon  gedauert ich glaube ich bin erst weg am Mai   am Mai   äh vierzig nein was red ich am Mai äh   Ende des Krieges wann bin ich hier rausge-   ja   wenn bist du angekommen 48 ja ?  

Ruth Malin

[2:02:15] ja 

Simcha Malin

[2:02:24] also ich bin ja   (vier-) ich bin 

Ruth Malin

[2:02:31] 49 weil du bist in Zypern gewesen zwei Jahre 

Simcha Malin

[2:02:42] ja aber raus bin ich aus Deutschland 47 

Ruth Malin

[2:02:47] ja ja 

Simcha Malin

[2:02:51] am Mai 47   und dann hab ich dort schön verbracht ich mache schnell weil es war nicht   es waren auch noch eine Zeitverlust   weil wir haben ja man hat man hat uns geschickt Lehrer aus Israel wir haben ja gelernt ich habe hauptsächlich gelernt Iwrit so ich

[2:03:04]  bin gekommen hab ich keine Schwierig- Schwerigkeiten gehabt ins Universität reinzugehen und äh so so ist die Zeit vorbei also man kann ja sagen dass es sind ja fünf Jahre des Krieges 39 bis 45 und noch die Reise die Reise dieses Wandern von Platz bis

[2:03:37] Platz  

Ruth Malin

[2:03:44] 49 

Simcha Malin

[2:03:49] 49 

Ruth Malin

[2:03:55] bist du 

Simcha Malin

[2:03:59] aus Zypern 

Ruth Malin

[2:04:04] ja aber neunundv- bis fünfundvier- 39 bis 45 Krieg und nach dem Krieg noch v- vier Jahre bis du bist im Kibbuz eingetroffen 

Simcha Malin

[2:04:10] ja 

Ruth Malin

[2:04:14] und dann warst du auch 

Simcha Malin

[2:04:18] was ?   [lacht]  

Ruth Malin

[2:04:23] [lacht]  

Simcha Malin

[2:04:28] die Zeit ist vorbei Ruthi 

Ruth Malin

[2:04:33] ja 

Simcha Malin

[2:04:37] (wir machen noch) meine Herrschaften wenn das etwas rausgekommen davon dann ich bedanke mich sehr für euern Geduld und wir sind ja   äh   wir ich hab ich wünsche Ihnen (für) angenehme äh   und interessante 

Ruth Malin

[2:04:47] Aufenthalt ? 

Simcha Malin

[2:04:52] Aufenthalt nein weitere 

Ruth Malin

[2:04:57] weitere Erforschungen weitere 

Simcha Malin

[2:05:01] ja 

Ruth Malin

[2:05:02] Denkmal Erforschung 

Martin Hölzl

[2:05:02] vielen Dank und vielen Dank für das Interview 

Simcha Malin

[2:05:02] [lacht]  

Datum Ort Text
1924 - 1929 Motza Auswanderung der Familie nach Palästina
ab 1924 Lodz Geburt als jüngstes von vier Kindern
1929 - 1936 Stryków Aufwachsen in einer Kleinstadt in der Nähe von Lodz, Besuch einer polnischen und einer jüdischen Schule
ab 1936 Lodz Umzug der Familie
1940 - 1944 Lodz (Ghetto) erzwungener Umzug der Familie in das Ghetto, Zwangsarbeit
ab 1944 Utting am Ammersee zusammen mit dem Bruder Deportation in ein Nebenlager des KZ Dachau zur Zwangsarbeit
ab 1944 Auschwitz II-Birkenau (Vernichtungslager) Deportation der Familie, Ermordung der Mutter, Einweisung in das »Zigeunerlager«
ab 1945 Bad Tölz nach Todesmarsch Befreiung durch amerikanische Truppen in der Nähe von Bad Tölz
1947 - 1949 Zypern Internierung in einem britischen Lager für illegale jüdische Einwanderer
ab 1947 Haifa Versuch der illegalen Einwanderung nach Israel, das Schiff wird von britischen Soldaten vor Haifa abgefangen
ab 1951 Tel Aviv Heirat mit Ruth Anders
Netzer Sereni (Kibbuz Buchenwald) Arbeit in der Landwirtschaft
Jerusalem Hebräischstudium bei Martin Buber und Gershom Scholem
Israel Arbeit als Hebräischlehrer für Einwanderer
Simcha Malin wurde als jüngstes von vier Kindern am 19. April 1924 in Lodz geboren. Der Vater handelte mit Textilien, die Mutter arbeitete als Näherin. Das Ansehen der Familie gründete sich auch auf den Großvater mütterlicherseits, der als Schochet die wichtige Aufgabe der rituellen Schlachtung ausübte. 1924 wanderte die Familie nach Palästina aus, in der Nähe von Jerusalem begann der Vater mit der Aufzucht von Kühen. Wirtschaftliche Probleme und auch die Gefährdung durch arabische Siedler zwangen die Familie 1929 zur Aufgabe ihrer Pläne und zur Rückkehr nach Polen in die Kleinstadt Stryków.

1936 zog die Familie nach Lodz um und lebte in bescheidenem Wohlstand. Mit dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 gehörten auch die Juden in Lodz schnell zu den ersten Opfern des deutschen Antisemitismus. Im Frühjahr 1940 wurde in der Stadt das erste nationalsozialistische Großghetto eingerichtet, in das alle Juden umziehen mussten. Die ganze Familie Malin hatte Zwangsarbeit zu leisten, Simcha Malin arbeitete unter anderem in einer Wäscherei für deutsche Uniformen und in der Herstellung von Strohschuhen für die Wehrmacht. Arbeit, Hunger und Krankheiten bestimmten den Alltag der Juden im Ghetto.

Am 23. Januar 1943 starb der Vater an den Folgen der Unterernährung und Tuberkulose. Immer wieder versetzten Razzien und Deportationen die Menschen in Angst und Schrecken. Im September 1942 wurden die Großeltern im Vernichtungslager Chelmno ermordet. Als im August 1944 der Befehl zur endgültigen Auflösung des Ghettos erfolgte, wurden die Mutter und eine Schwester in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, die Mutter wurde sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Um bei der Familie zu bleiben, ließen sich Simcha Malin und sein älterer Bruder Nechemia auf die nächste Transportliste setzen und wurden in Auschwitz-Birkenau in das so genannte Zigeunerlager eingewiesen. Nach ungefähr einem Monat nutzten die beiden Brüder einen besonderen Aufruf nach Arbeitskräften, um einem anderen Lager zur Zwangsarbeit zugeteilt zu werden und dadurch ihrer Ermordung zu entkommen. Sie gelangten nach Utting am Ammersee, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau. Beim Herannahen alliierter Truppen wurden die Häftlinge im April 1944 auf einen Todesmarsch in Bayern geschickt, die Befreiung durch amerikanische Soldaten erlebten Simcha und Nechemia Malin in der Gegend um Bad Tölz.

1947 schloss sich Simcha Malin einer Gruppe Holocaustüberlebender an, die versuchte, über Italien mit dem Schiff illegal nach Palästina einzureisen. Kurz vor Haifa wurde ihr Fischerboot von britischen Soldaten, die zu der Zeit die politische Kontrolle in Palästina ausübten und keine weitere Einwanderung zuließen, gestoppt. Es folgte eine zweijährige Internierung in einem britischen Lager auf Zypern. Erst 1949 konnte Simcha Malin in den kurz zuvor gegründeten Staat Israel einwandern. Er lebte und arbeitete im Kibbuz Netzer Sereni, der als Kibbuz Buchenwald nach dem Krieg von Überlebenden gegründet worden war. Dort lernte er auch seine Frau Ruth Anders kennen, das Paar heiratete 1951 und lebte in Tel Aviv. In Jerusalem studierte er Hebräisch bei den bedeutenden Gelehrten Martin Buber sowie Gershom Scholem und wurde Hebräischlehrer für neue Einwanderer. Ab 1967 unterrichtete er auch zusätzlich an der Jerusalemer Universität.

Simcha Malin verlor während des Holocaust einen großen Teil seiner Familie, eine Schwester starb noch bei Kriegsende an Krankheit im Konzentrationslager Bergen-Belsen, sein Bruder Nechemia litt so sehr an den Folgen des nationalsozialistischen Terrors, dass er psychisch erkrankte und sich in Israel das Leben nahm.