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Eva Heilbrunn (*03.02.1931, Wien)

Signatur
01154/sdje/0049
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Berlin, den 5. Juli 2012
Dauer
02:05:05
Interviewter
Eva Heilbrunn
Interviewer
Daniel Baranowski , Teresa Schäfer
Teilnehmer am Gespräch
Lennart Bohne
Redaktion
Barbara Kurowska
Transkription
Barbara Kurowska

Die 1931 geborene Eva Heilbrunn widmete das Interview ihrem Kindermädchen Augusta »Teta« Wilaszek. Während der Verfolgung versteckte Teta sie und ihre Schwester an unterschiedlichen Orten im Generalgouvernement und rettete ihnen dadurch das Leben. Eva Heilbrunn wurde als Tochter des jüdischen Ehepaars Lerner in Wien geboren. Bald nach ihrer Geburt zog die Familie zurück ins polnisch-schlesische Bielitz, wo Eva Heilbrunn von der Krankenschwester Augusta Wilaszek betreut wurde. Als ihre jüngere Schwester Tamara geboren wurde, entschied sich Teta, auf Dauer bei der Familie Lerner zu bleiben. Nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 flohen die Lerners ins sowjetisch besetzte Lemberg. Im Sommer 1941 teilte sich die Familie auf: Die Eltern begaben sich auf die Flucht, während Teta die Töchter in ihre Obhut nahm. Zwischen 1942 und 1945 zog Teta mit den beiden Mädchen durch das ganze Generalgouvernement; sie arbeitete als Haushälterin und gab vor, mit ihren unehelichen Kindern unterwegs zu sein. Im Frühjahr 1945 trafen Eva Heilbrunn und ihre Schwester ihren Vater in Kattowitz wieder. Nach dem Krieg lebten sie zunächst erneut in Bielitz. 1949 emigrierten sie nach Brasilien, wo Eva Heilbrunn eine Ausbildung zur Krankenschwester machte. Nach ihrem Abschluss beschloss sie, sich in Israel niederzulassen. Über die Jahre blieb sie mit ihrer Retterin stets in Kontakt und konnte 1997 ihre Auszeichnung als Gerechte unter den Völkern erreichen. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 82 Jahre alt.

Vorkontakte

relativ spontaner Kontakt über Hedwig Brenner; sonst regulärer Ablauf mit telefonischem Vorgespräch und persönlichem Vorgespräch am Vortag

Bedingungen

gut, im OdI; eventuell Störgeräusche durch Mikrofon an der leichten Bluse

Gruppensituation

zwei Interviewer, ein Kameramann (LB)

Unterbrechungen

eine abgesprochene nach 90 Minuten

Protokoll

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Eindrücke

Ich hatte den Eindruck, dass Frau Heilbrunn sehr offen und vertrauensvoll auf uns zugegangen ist und sich auch mit diesem Vertrauen auf das Interview - ihr erstes - eingelassen hat. Sie ist keine routinierte Interviewte, so dass sie sich stark von Assoziationen und spontanen Erinnerungen leiten liess, was ich grundsätzlich sehr "erfrischend" fand. Zwischendurch fand ich die vielen Verwechselungen (mehr noch als die Sprünge) als Zuhörer jedoch etwas frustrierend, da sie es (mir) schwer machten, der Erzählung zu folgen und mich wirklich darauf einzulassen (weil ich im Kopf ständig damit beschäftigt war, das Erzählte zu verstehen und nachvollziehen zu wollen, wo sie gerade ist). Als Interviewer fühlte sich das Interview anders an als die, die ich bisher geführt habe. Dadurch dass die Erfahrung für sie so neu war und niemand genau absehen konnte, wo es hingeht (inhaltlich und emotional), stellte sich ein anderes Gefühl des "sich darauf einlassen müssens" und der Verantwortung ein. Ich war froh, einen zweiten Interviewer an meiner Seite zu haben und hatte das Gefühl, dass wir sowohl als Interviewer als auch insgesamt zu dritt als Team sehr gut zusammengearbeitet haben. Für sie persönlich war das Interview, glaube ich, eine sehr positive Erfahrung, was mich wirklich freut! Für unsere Form der Bearbeitung könnte ich mir vorstellen, dass es einige Herausforderungen birgt.

Daniel Baranowski

[0:00] ähm heute ist der fünfte Juli 2012 wir sind im Ort der Information am Holocaust-Denkmal in Berlin und führen ein Interview mit Eva Heilbrunn

Eva Heilbrunn

[0:09] ja

Daniel Baranowski

[0:11] die aus Haifa nach Berlin gekommen ist   herzlich willkommen

Eva Heilbrunn

[0:14] danke

Daniel Baranowski

[0:16] nochmal ähm ich bin Daniel Baranowski und führ das Interview zusammen mit Teresa Schäfer Lennart Bohne ist für Kamera Licht und Ton zuständig das ist ein Interview für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden

[0:28] Europas   und wird unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes [Schnitt]

[0:33] Frau Heilbrunn ähm vielleicht können Sie uns am Anfang ein bisschen was von Ihren Eltern erzählen   wie hießen Ihre Eltern

Eva Heilbrunn

[0:43] ja   meine

Daniel Baranowski

[0:45] wo kamen sie her

Eva Heilbrunn

[0:47] ich bin in Wien geboren aber nur geboren wir haben in Bielitz gelebt und äh meine E- meine Mutter hieß Elisabeth   Oppenheim und war aus Prag und mein Vater war aus Bielitz und hat äh Fritz Lerner geheißen   und äh ich bin aufgewachsen in Bielitz bis äh

[1:12] 19- äh -39   ich bin ein bisschen in die Schule gegangen das die erste Klasse aber hab schon lesen gelernt viel früher deswegen wir sind spazieren gegangen mit der Teta von der ich dann später erzählen werd und die zu uns gekommen ist mit meiner Geburt  

[1:32] und   in dessen Namen ich das alles erzählen will deswegen weil meiner Ansicht nach hat sie ein sie hat uns gerettet aber das ist nicht alles uns zu retten aber wie sie uns gerettet hatte und wie sie mit uns die das ganze Leben ihr ganzes Leben mit uns war

[1:51]   Fragen

Daniel Baranowski

[1:59] sagen Sie sagen Sie noch mal ähm wann Ihre Eltern geboren sind welche Berufe sie hatten

Eva Heilbrunn

[2:01] ja das kann ich machen meine äh meine Mutter beide haben studiert in Wien meine Mutter war Doktor der Philosophie aber sie hatte viele andere Hobbys wie zum Beispiel sie hatte eine Schule für Kinder die Gemas- die Gemast- Gymnastik machen ich hab kein Bild

[2:26] glaub ich mitgenommen jetzt schade ich werds Ihnen dann schicken wenn Sie wollen wie die Kinder sich auf dem Boden legen und sie richtig äh sie hat das gelernt hat ein Kurs gemacht und hat aufge- deswegen sie hat gesagt dass man muss ein bisschen den Körper

[2:41] und damals in Bielitz das waren alles äh ziemlich reiche Leute und die Kinder sind gefahren in in Autos und sind wenig herumgegangen das hat sie gemacht außerdem hat sie selbst sehr gern getanzt und hat manchmal wirklich mitgetanzt in der im Theater von

[2:59] Bielitz   aber das war nur und das waren nur die Hobbys aber beide hat sie sehr gut gemacht außerdem war sie Doktor der Philosophie sie ist war viel weg von zu Hause und deswegen ja und mein Vater w- äh ist geboren in Bielitz und   äh die Familie hatte einen

[3:21] äh ein Großgeschäft mit Teppichen und äh   alles was man braucht zur Hochzeit wie sagt man das in Deutsch hab ich   wenn man   dem Brautpaar

Teresa Schäfer

[3:36] Aussteuer ?

Eva Heilbrunn

[3:38] Aussteuer und in der oberes war ein Aussteuer es fehlen mir manchmal Worte in Deutsch also das entschuldige ich mich jetzt schon   ähm   und äh sein V- ihr V- sein Vater ist geboren noch vor seiner Geburt und die Mutter war wirklich eine herrliche Großmutter

[3:59] hab ich gehabt die hat das alles weitergeführt mit Hilfe von seiner Schwester die auch in Bielitz mit ihrem Mann und Kindern gelebt hat   und äh er hat sie seine   von Teppichen das war sein sein Studium und auch viele and- andere Sachen mit dem von dem

[4:23] hat er geha- gearbeitet wenn er nicht in der Welt herumgegondelt ist das hat er sehr gern gemacht und äh   war ein s-   sehr offener   guter Mensch wir hatten beide denselben Charakter und haben uns öfters angeschrien aber sonst war alles in Ordnung [lacht]

Daniel Baranowski

[4:41] haben Ihre Eltern Ihnen erzählt wie sie sich kennengelernt haben ?

Eva Heilbrunn

[4:46] vielleicht ja aber ich hab vergessen

Daniel Baranowski

[4:49] mhm Sie haben Fotos vielleicht zeigen wir die in dem Moment

Eva Heilbrunn

[4:52] ja das ja

Daniel Baranowski

[4:54] und äh mal kurz in die Kamera ähm   von Ihren Eltern

Eva Heilbrunn

[4:58] das ist m- das ist meine Mutter aber das ist schon äh nachdem wir auf an die Fl-   in der Flucht waren   [zeigt im Folgenden die Fotos] ich hab noch andere Bilder von ihr hab ich mitbringen sollen   das ist war mein s- ist war mein Vater   er ist auch gestorben

Daniel Baranowski

[5:23] wie hieß er ?

Eva Heilbrunn

[5:25] Fritz Fritz Lerner   das ist meine Schwester   und das sind die Eltern von meiner Mutter aus Prag mit mir

Teresa Schäfer

[5:43] wo waren die haben die in Prag gelebt ?

Eva Heilbrunn

[5:46] nein ihr ihr Sohn der Bruder von   von meiner Mutter der hat sie herausgenommen   noch zu Zeit es war keine leichte keine leichte Fahrt   hier ist eine ganze Album-Angelegenheit mit mir das ist die Teta die gelernte Schwester aus aus dem Charité-Hospital äh

[6:13] und die hat sich für kleine Kinder war ihr Spezialfach dann ist was da noch   dann sind w- hier sind wir auch mit ihr   dann das hab ich gesagt das hab ich gesagt das hab ich gesagt das ist meine Großmutter   die was das Geschäft geführt hat von meinem

[6:40] Vater die Mutter meines Vaters eine phantastische Frau   die auch mit uns in die Flucht gegangen ist aber zurückgekommen sind weil sie   sicher war dass man alten Frauen nix antun kann   hat genau ein Tag gedauert   so mehr ist nix   da bin ich alles andere

[7:10] bin ich  

Teresa Schäfer

[7:15] Sie haben gesagt der Onkel hat sie rausgenommen wo sind sie hingegangen   die Großeltern und und Ihr und der Bruder

Eva Heilbrunn

[7:24] nein der Bru- der Mann von den Großeltern hat sie aus der Tschechoslowakei nach Israel gel-

Teresa Schäfer

[7:29] nach nach Israel

Eva Heilbrunn

[7:31] nach Israel ja   dasselbe wollte mein Mann auch aus Königsberg machen aber ihm ist es das nicht gelungen gut er war im deu- im er war im   ah das hab ich schon gezeigt ?

Daniel Baranowski

[7:42] mhm

Eva Heilbrunn

[7:44] meine Großmutter ? nein   das war die Großmutter von mir   in Bielitz mit mir   was ist das ah das haben wir schon gehabt nicht ?

Teresa Schäfer

[8:00] mhm

Eva Heilbrunn

[8:02] ja das haben wir schon gehabt   das ist alles glaube ich   die Teta und alles das haben wir schon gehabt nicht ? nein

Daniel Baranowski

[8:13] das können wir nachher ja sonst zeigen wenn wir über sie sprechen

Eva Heilbrunn

[8:15] gut   weiter

Daniel Baranowski

[8:21] ähm   ähm warum sind Sie in Wien geboren   und nicht in Bielitz die Familie hat in Bielitz gelebt äh

Eva Heilbrunn

[8:28] ja die Familie die Familie von meinem   äh von meinem Vater hat gelebt in Bielitz

Daniel Baranowski

[8:32] ja

Eva Heilbrunn

[8:34] sie war aus der aus Tschechoslowakei

Daniel Baranowski

[8:36] mhm

Eva Heilbrunn

[8:38] und ich stell mir vor ich weiß nicht warum aber ich stell mir vor erstens waren sie die haben überlebt den Ersten Weltkrieg und da war das Österreich   und ich glaub auch nicht dass in Bielitz zu der Zeit höhere Schulen waren das ich weiß es nicht aber

[8:54] es äh ist anzunehmen dass sie deswegen in Wien und außerdem war zu Zei- von dort sind auch die w- die Männer waren dort der V- der V- äh V- der Vater glaub ich ist umgekommen ich bin nicht sicher ich glaub er ist umgekommen aber nein das war v- ja im Krieg

[9:12] oder so was der Vater von meinem Vater   und äh   da hat sich alles abgespielt man ist auch gefahren nach Wien zu   zu vergnügen und auch meine Mutter hat sich entschlossen mich äh in die Welt zu bringen in Wien aber bloß für paar Tage und dann sind wir

[9:32] zurück   nach Bielitz und da war schon von vorher engagiert die Teta eine jung- nicht so junge äh Krankenschwester aus der Charité   die äh   spezialisiert war für kleine Kinder für Babys und das haben sie gebracht für mich und so war ich vom ersten von

[9:57] den ersten Tagen meines Daseins war die Teta sozusagen meine zweite Mutter aber wa- sie war mehr meine erste Mutter jetzt wo ich erwachsen bin deswegen weil sie war bei uns

Teresa Schäfer

[10:10] wie hieß sie eigentlich ?

Eva Heilbrunn

[10:12] Augusta Wilaszek   und sie kam aus äh   aus Kattowitz   und ihre Schwester hat auch geler- war auch Schwester und hat gelernt auch in der Charité und die haben wir gef- mal besucht als wir hier waren im   wo bin ich jetzt in L- (_) weg   wie heißt die Stadt

[10:39] wo ich jetzt bin

Daniel Baranowski

[10:40] Berlin

Teresa Schäfer

[10:42] [gleichzeitig:] Berlin

Eva Heilbrunn

[10:44] Berlin sehen Sie   das Alter und äh Berlin und die haben wir besucht und das war s- sehr unangenehm sie hat uns nicht reingelassen ins Spital und hat auch   sie war auch nicht zufrieden dass die Teta sich mit äh sozusagen jüdischen sie hat das nicht gesagt

[11:01] aber sie war sehr unfreundlich und dass sie   und wir waren paar Minuten bloß mit ihr und sie wurde niemals mehr erwähnt das heißt die Teta hat das mitbekommen ich hab die Augusta Wilaszek Teta genannt das und sie wird in in diesem Interview nur Teta genannt

[11:18] deswegen weil ich hab den Namen das hab ich als ich nicht anders sprechen konnte hab ich und sie gerufen hab ich gesagt »Teta Teta« und so ist sie geblieben Teta   und das erinner ich mich

Daniel Baranowski

[11:31] wann war denn dieser

Eva Heilbrunn

[11:34] das   das war   das war noch wo alles äh s- im Krieg muss das gewesen sein deswegen wir haben sie besucht ich weiß wir haben sie besucht   aber   nein das war anders ich wir haben sie besucht aber ich hab sie besucht mit meinem Mann als ich hier war zu

[12:00] der Zeit wo schon hier noch die Russen waren nicht mit der und sie hat sich fast nicht erk- ja so war es Entschuldigung aber ich hab das äh ich weiß nur dass die Teta schrecklich aufgeregt war von dem was ich ihr erzählt hab aber nicht dass sie mit ihr

[12:14] gesprochen hat sie hat auch ihr geb- geschrieben haben sie sich und scheinbar hat sie dann war w- gesehen was sich da tut und da war sie sehr unfreundlich sie ist kaum sie wollte überhaupt nicht zu uns kommen runterkommen auf die Straße und hat uns auch

[12:29] sehr schnell auf Wiedersehen gesagt hat gesagt sie ist in der Arbeit sie kann uns keine Zeit und weg war sie und dann hat mir die Teta erzählt dass sie sie angerufen hat oder ihr geschrieben hat und die war sehr sehr sehr gegen das dass sie mit uns gewesen

[12:44] ist und jetzt auch noch weiter ist und   sie war scheinbar sie die die Teta hat gesagt man hat sie man hat auch niemals mehr von ihr gehört sie ist auch nicht zum Vater gekommen mehr

Teresa Schäfer

[12:55] haben Sie in Ihrer Familie jüdische Feiertage gefeiert oder Schabbat

Eva Heilbrunn

[13:01] ja bei der ja bei der   Großmutter von meinem Vater [betont:] ja und man ist in die Synagoge gegangen die Kinder haben draußen gespielt so wie hier so wie bei uns in auch hier in in äh äh in der Stadt in   und äh das ist das genau dasselbe auch in Israel  

[13:21] ein Teil bleiben sie drinnen   ich sag nicht von den ganz ganz Frommen die bleiben die ganze Zeit und beten und wie sie aber da gehen die Kinder raus und spielen sich   und klettern

Daniel Baranowski

[13:32] ähm Ihre

Eva Heilbrunn

[13:35] aber alle Fe- alle Feste wurden gefeiert   mein Vater hat auch ge- gefastet zu   wenn man fasten musste   ich hab nie gefastet   und äh   die Te- was komisch war die Teta hat darauf bestanden dass wir mitgehen und dass wir   dieses   da kann ich auch vielleicht

[13:59] das schon sagen was später passiert ist als wir in Kattowitz waren mit ihr oder wollen Sie dass ich das dann später sag

Daniel Baranowski

[14:06] erzählen Sie ruhig

Eva Heilbrunn

[14:08] ja ?

Daniel Baranowski

[14:09] ja

Eva Heilbrunn

[14:11] wir waren doch eine Zeit lang in Kattowitz wo der Bruder von der Teta war und uns äh ich war bei ihm und der Vater der in einem kleinen Ort es hat Ochojetz geheißen war dort war meine Toch- meine Schwester dort die war krank sie hatte Lungenentzündung und

[14:24] die Teta hat sie gepflegt dort aber manchmal bin ich dort auch raufgekommen und die Frau die hat nicht gewusst die Frau vom ihren Bruder hat nicht gewusst dass wir Jüdinnen sind aber sie wird sie hat gesagt wir wurden nicht getauft also ist sie gegangen zum

[14:40] Ra- zum   Priester und was jeden das war herrlich hat mir sehr gut gefallen in der in der Kirche man hat gesungen und alles ich hab doch nix verstanden und äh   und man w- und sie ist gegangen hat gesagt sie w- sie wird organisieren dass man mich äh   wie sagt

[15:02] man das äh zu macht äh   zur Christin macht

Teresa Schäfer

[15:07] tauft

Eva Heilbrunn

[15:09] tauft   [seufzt] Teta hat das erfahren hat getobt und ist runter ge- hat nix gesagt und ist gegangen und ist gegangen und hat mit dem Priester g- äh gesprochen aber wie hat sie das gemacht es gibt doch bei den äh bei den Katholiken dass man spricht mit

[15:28] dem Prie- Priester in einer   er da- und da darf er nicht erzählen was man ihm

Daniel Baranowski

[15:34] [gleichzeitig:] Beichte die Beichte

Eva Heilbrunn

[15:36] die Beichte genau so is -ch und sie ist zur Beichte gegangen was sie nie im Leben noch gemacht hat aber sie hat gewusst was man macht ja weil sie selbst hat an nix geglaubt   und   sie ist gegangen und haben sie ge- und hat ihm gesagt das war ein sehr netter

[15:51] und guter Priester der hundertprozentig ihr Recht gegeben hat sie hat gesagt »die Eva diese f- der taufe-« der konnte ja nicht wissen dass ich äh Jüdin bin »die ist eine Jüdin und ich hab die Kinder genommen das ist auch eine Schwester da ich hab die

[16:08] Kinder Jüdin genommen als sie Jü- Juden waren und ich werde sie zurückgeben als Juden kommt überhaupt nicht in Frage« hat er gesagt »ich hab« hat sich entschuldigt »ich hab das nicht gewusst« und hat dann ge- »was machen wir jetzt mit der Frau von

[16:21] dem Bruder ?« hat er gesagt »überlassen Sie mir das« der Priester und hat gesagt »schau sie ist noch jung soll sie sich ein bisschen reinleben in das Leben hier in und dann werden wir das machen« (falls) sie hat gewusst dass irgendwann werde ich weggehen

[16:36] und w- hat hat nicht und hat sie überzeugt dass es er versteht sie und ich er wird hundertprozentig wird er mich äh taufen aber noch nicht jetzt ich soll aufpa- äh er will mich ein bisschen lehren und alles das was er natürlich nie gemacht hat aber wie

[16:52] die Teta es heißt auch was für ein Mensch sie war [zuckt mit den Schultern]  

[16:59] und äh dort war auch das dort waren wir bis zum Ende des Krieges   der Ende des Krieges haben wir noch die Russen mitbekommen das war auch sch- das war schrecklich   soll ma

[17:13] vielleicht vom Anfang von Krieg anfangen nein ?

Teresa Schäfer

[17:16] mhm

Eva Heilbrunn

[17:18] oder wie ?

Daniel Baranowski

[17:20] mich würde ähm noch äh interessieren wie Sie ähm Teta also wie der Kontakt zu Teta überhaupt zustande gekommen ist kannten sich die Familien vor Ihrer Geburt oder ähm wie wie ist sie zu Ihnen gekommen aus Berlin nach Wien ?

Eva Heilbrunn

[17:32] wir sind gekommen nein sie haben sie die k- die haben uns nicht gekannt

Daniel Baranowski

[17:35] also es gab keine Verbindung zwischen

Eva Heilbrunn

[17:37] [gleichzeitig:] aber sie wusste dass sie arbeitet bei uns sie war die ganze Zeit mit dem mit dem Vater und mit den Schwest- mit den mit ihrer Schwester war sie in Verbindung auch vor dem Krieg bevor wir als ich geboren wurde man hat die haben gewusst dass

[17:50] ich dass sie ist in Bielitz und dass sie arbeitet und mehr haben sie nicht gewusst

Daniel Baranowski

[17:54] äh ich weiß ich glaube wir missverstehen uns ich meine jetzt ähm der Grund warum Teta von Berlin dann äh zu Ihnen gekommen ist

Eva Heilbrunn

[18:02] sie ist nicht von Be- nein die Teta ist zu uns gekommen als Angestellte

Daniel Baranowski

[18:08] ja   als Angestellte

Eva Heilbrunn

[18:10] ja

Daniel Baranowski

[18:12] mhm

Eva Heilbrunn

[18:14] äh nein durch d- v- von von ihr aus die hat nix mit der Familie nachdem sie gelernt hat sie

Daniel Baranowski

[18:17] es gab keine Familie

Eva Heilbrunn

[18:19] kei- sie hatte Verbindung ja aber die Familie waren i- war in Kattowitz und sie hatte sie hat in Bie- das war nicht ihr erster Job ich stell mir vor und ich weiß nicht aber sie hat mir gesagt sie hat schon vorher gearbeitet sie war nicht gera- noch in der

[18:31] sie hat gelernt in der gelernt in der Charité aber sie hat gelei- bei allen möglichen Leuten gelebt

Daniel Baranowski

[18:35] und

Eva Heilbrunn

[18:37] und a- w- aber weil sie mit kleinen Babys da war ist war sie kurz bei allen Menschen deswegen weil dann ist sie immer weggegangen wenn das Baby schon so war dass die Mutter sich auch besser gefühlt hat da war sie Monate sagen wir ein halbes Jahr Maximum

Daniel Baranowski

[18:50] warum ist sie bei Ihnen dann so lange geblieben ?

Eva Heilbrunn

[18:53] sie hat auch gesagt meiner Mutter

Daniel Baranowski

[18:55] mhm

Eva Heilbrunn

[18:57] erstens sie hat sich s- sie waren wurden Freundinnen und sie hat ja auch gesagt »die Eva wird größer und Sie müssen sich darauf vorbereiten dass ich weggehe weil ich hab gelernt für kleine Kinder« und mein- deswegen ist meine Tochter meine Schwester

[19:10] zur Welt gekommen und dann war schon   ist sie schon geblieben   hat schon zwei Kinder und dann war sie auch wirklich sie war viel mit uns weil meine Mutter ist herumgefahren auch wegen f- wegen allen möglichen Sachen von der Arbeit aus und von den äh Kindern

[19:30] ha- hei- von den Kindern die gelernt haben und alles   und sie war das muss ich auch sagen äh eine Sache   meine Mutter ist mal mit meinem Vater weggefahren auf Sonntag   Samstag und sollten Mon- s- Montag zurückkommen Samstag Sonntag und Montag irgendwo z-

[19:51] sich ausruhen   sie ist weggefahren nein sie ist weggefahren Sonntag Samstag Sonntag zu ihrer Familie so war das und meine Mutter die vorher wegfahren wollte zudem hat gesagt sie f- sie wird die nächste Woche fahren diese Woche soll sie fahren   und ich bin

[20:10] Samstagabend ist mir schlecht geworden und ich hab Bauchschmerzen bekommen und meine Mutter hat nicht gewusst was zu machen und bevor sie sich noch entschlossen hat einen sie ist sie hat einen einen Arzt gerufen aber bevor der Arzt kam läutets an der Tür

[20:27] und die Teta steht vor der Tür und mein- ich das das erinner ich mich ich war klein aber das erinner ich mich wie heute   wirklich ich weiß sogar wo sie die die Tür seh ich   was ich nicht immer und sie macht die Tür aus und sagt »was machen Sie hier Sie

[20:43] sind doch« sagt sie »ja ich hab jetzt was gespürt dass etwas nicht in Ordnung ist mit der Eva« stellt euch vor   und sie war da und s- der Doktor ist gekommen und in derselben Nacht wurde ich operiert am Blinddarm   aber wie sie das gew- es war ihr   Tag

[21:03] dass sie wegging und sie ich sich wir wissen dass sie weggefahren ist nach Ochojetz den Vater besuchen das war nicht weit   und das war die Teta so gebunden war sie an uns   und von dem Tag ist sie war überhaupt keine v-

[21:18] und dann ist der Krieg ausge- der Krieg

[21:21] gekommen   und da hat sie überhaupt es war überhaupt keine Rede dass sie nicht mit uns kommt   und wir sind auch mit der Großmutter die sich dann in der Hälfte das erste Mal sind wir gefahren nach Polen Przemyśl das ist eine Stadt in Bielitz dort sind wir

[21:39] geblieben paar Tage es nicht gewusst haben wohin zu gefahren   von dem alles weiß ich nicht weil sie uns rausgezogen hat von den ganzen wir waren es waren noch zwei Kinder dort die ich dann in   Verwandte die ich dann in   durch Zufall kennengelernt durch Zufall

[21:58] hat der äh der ein- das ein weiterer Cousin der war auch damals ein Kind hat er irgendwo gelesen v- meinen Namen und hat mich antelefoniert dann nachdem ich Jahre gelebt hab schon in [lacht] in in Haifa und nicht gewusst hab dass die auch sind in Haifa Pate-

[22:16] V- äh Vaters Seite

Teresa Schäfer

[22:18] mhm

Eva Heilbrunn

[22:20] ich war von Mutters Seite und da ist sie   auch die Großmutter ist mitgefahren und dann ist sie nach einem Tag sie ist nicht mal bi- sie ist nach Przemyśl gekommen und hat sofort gesagt »das überleb ich nicht diese Wanderung und ich will auch nicht deswegen

[22:35] is- ihr übertreibt ihr werd sehen einer alten Frau wird man nix machen«   und so hat sie sie nach Haus gebracht dass sie einen deutschen Pass hatte   da k- war das überhaupt kein Problem sie konnte   weil das waren schon die Russen waren schon in Przemyśl

[22:53] und in Lemberg und müsste sie die deutsche aber das war gar kein Problem sie hat gesagt das ist ihre Mutter und sie war eine alte Frau und alles hat prima Deutsch gesprochen auch haben ihr keine k- Schwierigkeiten gemacht mitn deutschen Pass das haben sie

[23:07] nicht in den Kopf bekommen dass sie irgendwas äh   und dort sie ist zurück ins Haus in ihr Haus   und dort war sie genau ein oder zwei Tage so was aber sie hat ihren ganzen Schmuck genommen und hat das übergeben der einer Nachbarin wir sollten wir zurückkommen  

[23:24] sollen sie uns das abgeben   und die   die hat die hats uns abgegeben eine   äh   eine eine Kette und ein Ring   und den Ring hab ich bekommen die Kette hat bekommen von meiner Sch- von sei- v- mein Mann äh mein Va-   ja vom die Schwester vom Vater die aus äh

[23:56] aus ähm aus Brasilien

Teresa Schäfer

[24:00] erinnern

Eva Heilbrunn

[24:02] die beiden ältesten ja

Teresa Schäfer

[24:04] erinnern Sie sich daran äh wie der Krieg ausgebrochen ist was in der Familie besprochen wurde oder was das Ziel Ihrer Flucht war

Eva Heilbrunn

[24:11] [gleichzeitig:] es wurde bespr- ja es wurde äh überhaupt wie kommen wir haben wir wie sind wir überhaupt drauf gekommen dass die Schwester v- die Schwester meine Tante die Schwester von meinem Bru- von meinem Vater sind das war F- Frühling das waren Ferien

[24:28] sind sie nach in die nach   gefahren   irgendwo schwimmen   nicht ich weiß nicht wo haben sie gesagt ich werd mich erinnern   nicht nach England und ähm do- von dort hat er ihr Mann von mei- das heißt der Schwiegervater von meinem V- von meinem Vater nicht

[24:52] das nein das war seine Schwester da ist das denn

Teresa Schäfer

[24:55] der Schwager

Eva Heilbrunn

[24:57] der Schwager hat angerufen in seine in seiner F- er hat eine Fabrik Leinenfabrik hat angerufen um zu sagen ob das alles gut geht und der Mann der dort ge- äh sein äh sein   sein   ich weiß der dort das geleitet hat   kein Jude hat ihm gesagt »komm nicht mehr

[25:16] zurück etwas geht nicht in Ordnung hier« deswegen weil äh es war dort ein sehr sehr sehr reicher Lude das äh Jude der den ganzen die halb Bielitz hat ihm gehört dass dieser Mensch alles verkauft hat und weggefahren ist und man weiß nicht wo   und das

[25:38] hei- der hätte nicht so (__) und »ich warne euch etwas ist nicht in Ordnung wir sehen auch viel Militär und so   kommt nicht zurück« scheinbar waren schon hat man schon gesprochen und irgendwas also die seine Frau ist nicht mehr zurückgekommen mit den

[25:53] Kindern   und äh er ist gekommen und hat noch die Sachen gebracht und scheinbar auch ein bisschen Geld rausgenommen und die sind in die Schweiz gefahren   ah sie waren in Paris ja sie waren in Paris hab ich mich jetzt erinnert und dann an der Küste haben

[26:12] gebadet

Teresa Schäfer

[26:14] und von der Schweiz sind sie dann nach Brasilien

Eva Heilbrunn

[26:18] und dann von der Schweiz sind sie dann nach Brasilien   haben gehört dort sind er war Leh- er wi- er konnte lehren er war Lehrer und d- er hat dort einen Posten bekommen und sie sind dort hingekommen und haben wirklich gearbeitet aber sind schnell z- diese

[26:34] mit mehrere Leute haben auch das haben mehrere Leute nach Brasilien sind sie gekommen wer gewusst hat dass man in Brasilien arbeiten kann und die überhaupt nicht interessiert sind dass sie in den Papieren das heißt äh Passport und äh s- es war nie geschrieben

[26:52] was ob du bist äh Katholik und dieses in Polen ja war (_) hat man geschrie- geschrieben in d- »Jude« oder »Katholik« oder »Protestant« war das überall geschrieben in Brasilien gabs so was nicht inzwischen haben sich auch geändert aber noch immer ist

[27:10] nur mehr oder weniger in Ordnung jetzt gibts auch Antisemitismus in Brasilien

Teresa Schäfer

[27:15] und Ihre Familie wollte dann f- auch fliehen

Eva Heilbrunn

[27:19] nein meine Fami- wir sind weggelaufen wir sind wir bis nach Lemberg gekommen und dort waren wir bis 1942   als Lemberg wieder in äh den Deutschen übergeben wurde und in dieser Zeit sind wir nicht in die Schule gego- gegangen und wir waren sozusagen in einem

[27:39] paar Leute da- und da hab ich auch die die gesehen den äh die die Verwandten von mir dort haben wir zusammen gespielt weil die sind von einer anderen Gruppe gekommen die waren auch in Bielitz haben au- er hat auch in Bielitz gewohnt und er hat damals äh

[27:55] v- irgendwie waren dort noch mehrere Kinder wir haben gespielt und die Teta und alle haben auf uns aufgepasst und alle haben uns gekannt aber (nix) der Papa hat gearbeitet das erste Mal in seinem Leben u- in einer äh Schokoladen- äh äh Schokoladen-   -fabrik

[28:14] aber er durfte nix rausnehmen und das Herz ist ihm geplatzt weil er hat gegessen er hat schrecklich gern so wie ich   gegessen äh Schokolade gegessen und er konnte nix rausbringen und das hat ihm so weh getan er hat gewusst wir w- und wir haben uns wirklich

[28:30] das Minimum vom Minimum und die immer die Teta ist gegangen und hat äh gekauft weil sie war keine Jüdin   äh hat sie sich fa- wir haben wir damit wir nicht ins Auge fallen auch von den von den Russen auch nicht weil die Russen waren auch keine süßen Menschen

[28:45] nicht wegen Antisemitismus überhaupt fremde Leute keine Deutschen und alles sie haben sie gut gepfle- ge- äh ge- sie haben sie sch- nicht gut behandelt   die ganzen Emigranten die reingekommen w- es waren mehrere nicht bloß wir und dann kam der Tag wo man

[29:02] gesagt hat eines schönes Tages dass äh   dass die Deutschen das bekommen also und dann hat sich die Gruppe von meinen Eltern mit den anderen Leuten die sie inzwischen z- in zwei Jahren kennengelernt hat die Juden die dort gewohnt haben in dem Block oder in

[29:20] einem anderen aber sie haben sich getroffen und haben gesagt »wir f-« ich wei- das weiß ich nicht wohin   ich glaub in die Schweiz aber ich ge- ich weiß nicht   und da hat die Teta gesagt »die Kinder bleiben bei mir und wir treffen uns in Ochojetz«

[29:40] sie

[29:42] wollte auch meine Mutter dass sie bleibt aber meine Mutter wollte nicht hat gesagt »nein ich geh mit dem Vater ich l- überlass dir die Kinder« und so sind sie gegangen und außer meinem Vater ist keiner zurück man hat sie am Weg   hat man sie erwischt  

[29:59] und da war eine interessante Sache es war   es war ein deu- ein deutscher Offizier oder ein deutscher Polizist ich weiß das weiß ich nicht hat s- hat sie in ein Saal geführt und hat gesagt »von da ich geh weg und ich komm zurück   und ihr rührt euch nicht

[30:19] vom Platz« aber hat die Tür leicht offen gelassen das heißt man konnte weg aber die waren keiner war imstande   wegzulaufen deswegen das war ein schrecklich sie sind durch die Wälder gegangen und sie waren hungrig und sie waren äh das war im W- im Winter

[30:36] und sie waren voll Schnee und voll es war schrecklich keiner hatte dieses und meine Mutter hat immer auch mein Vater wollte nicht hat gesagt »du musst gehen wir haben zwei Kinder vielleicht machst es« »und von wo weißt du dass wir nicht uns wiedersehen«

[30:51] die haben nicht geglaubt sie haben nicht scheinbar nicht geglaubt ich weiß nicht mein Vater und das tut mir bis zum heutigen Tage leid und s- das kann ich nicht ver-   dass er nicht ge- er hat nie gesprochen davon ich glaube er hat sich selbst Vorwürfe gemacht

[31:09] dass er sie gelassen hat anderseits hat er das gemacht für uns  

Daniel Baranowski

[31:13] Ihr Vater ist von dieser Gruppe dann weggegangen

Eva Heilbrunn

[31:18] v- der Einzige der weggefa- der weggelaufen ist durch die Tür

Daniel Baranowski

[31:20] als sie dort in

Eva Heilbrunn

[31:22] durch die offene Tür die war nicht offen sie war ge- fast zu aber mit Recht denk ich   und wer das hört denkt auch der Mann wenn er wollte dass sie nicht dieses hätt er zugemacht die Gangtür zugemacht und zugesperrt wenn er sie   so offen lässt dass man

[31:41] sie aufmachen kann dann mu- hat er gesagt wer kons- vielleicht wars das ein an- das war scheinbar ein anständiger Mensch nicht wichtig welche ob er Jude ob er war äh Deutscher ob er war Po- ein Pole   das wissen wir bis heute ni- keiner weiß das weil mein

[31:59] Vater nie mehr davon gesprochen hat  

Teresa Schäfer

[32:01] und der Va- Ihr Vater ist dann zu Ihnen zurückgekommen ?

Eva Heilbrunn

[32:05] mein Vater nein ist in ein nein man hat ihn erwischt aber er ist in ein äh nach Ungarn in ein äh gekommen in ein Lager   ja und dort hat er schwer gearbeitet alle diese so wie bloß in Schwe- B- nicht nicht in Schweden in äh Ungarn er ist bis nach Ungarn

[32:23] gekommen irgendwie und dort hat man ihn erwischt auf an der Grenze und dort waren auch solche so wie Auschwitz und solche Sachen dort hat war in einer von denen und dort w- als der Krieg zu Ende war   und er hat sich das

Daniel Baranowski

[32:37] [gleichzeitig:] aber er ist da bis zum Kriegsende geblieben

Eva Heilbrunn

[32:39] ja dort ist er bis zum er hat sein Leben gerettet dadurch durch Musik er hat sch- er hat alle alle Opern ge- singen können er hat eine herrliche Stimme gehabt er hat auch gesungen wenn er gearbeitet hat hat er gesungen und sie hat ihm sie haben ihn genommen

[32:53] auch damit er ihnen vorsingt die U- dort Ungarn und die deutschen Offiziere und alles weil in Ungarn da waren doch auch die Deutschen zur selben Zeit und er ihr und hat gearbeitet   und das der Einzige der sich gerettet hat wie was war

Teresa Schäfer

[33:11] aber das heißt bis zum Ende des Krieges wussten Sie nicht was mit Ihren Eltern ist

Eva Heilbrunn

[33:16] nein niemand w- nein   aber das w- wie die Teta gesagt hat wir treffen uns in Ochojetz und eines schönes Tages war ich zufällig zufällig war ich bei meiner Schwester oben ich hab sonst gel- dort wo ich in die Kirche gegangen bin und   dort war eine Tochter

[33:33] die war älter als ich und wir haben uns Uschi   mit der hab ich großen Kontakt gehabt noch den ganz- und bis sie eines Tages geschrieben hat »ich bitte euch um uns nicht zu schreiben« das war die Russen waren dort »schreibt uns nicht mehr« und da haben

[33:49] wir den gan- alles   scheinbar haben sie dort große Schwierigkeiten damit mit der Post gehabt   und hingefahren konnten wir auch nicht deswegen weil wir wollten weg aus äh Polen   das war Polen   also da hat ist alles   niemals mehr gehört von ihnen wir haben

[34:10] dann noch geschickt ja wir haben ja gehört vorher das war im   in Brasilien haben wir ihnen noch geschickt äh Orangen und alles und dann haben sie geschickt das   als wir nach Brasilien gekommen sind haben wir noch gehabt und sie haben ihnen Paketchen geschickt

[34:26] ohne Ende

Daniel Baranowski

[34:28] wie lange waren Sie denn noch in Lemberg nachdem Ihre Eltern weggegangen sind

Eva Heilbrunn

[34:34] nicht m- nein nicht mehr lange m- warum nicht mehr lange wir konnten i- wir haben geda- sie hat gedacht wir bleiben dort bis äh bis sie was sie wird sehen was sich tut aber wir sind ich bin spazieren gegangen auf einmal ruf- äh das   ja das ist wirklich interessant  

[34:49] hält mich an ein Mann ich war alleine ich sie hat mich äh geschickt zum Einkaufen ich

Daniel Baranowski

[34:55] [gleichzeitig:] Teta

Eva Heilbrunn

[34:57] hab Deutsch gekannt und alles die Teta ja i- und das   auf einmal ein Mann sagt mir »Eva ?« sag ich ihr »nein« ich hab nicht Eva geheißen ich hab geheißen wie hab ich geheißen ? ich weiß schon nicht mehr ich weiß   (Polakow) das weiß ich aber nicht

[35:16] Eva   und   meine Schwester wird es bestimmt wissen ich hab vergessen oder werd ich mich erinnern vielleicht erinnere ich mich

Teresa Schäfer

[35:24] und woher kam der Name (Polakow) ?

Eva Heilbrunn

[35:26] das war i- wir hatten falsche Pa- äh äh Pa- wir haben sch- falsche Papiere

Teresa Schäfer

[35:30] mhm

Eva Heilbrunn

[35:32] und es wa- und ich hab gesagt »ja« natürlich ich war ein Kind da sagt er »wie geht es dir« sagt mir »gut« sagt er »ich geb euch 24 Stunden dir und deiner Schwester wo ist deine Schwest- wo sind deine Eltern« da sag ich »meine Eltern sind nicht hier«  

[35:49] ich hab nix von der Teta gesagt und hat er gesagt   äh   »die Teta ist da nicht ?«   hab ich gesagt »ja« »sag ihr dass ich ihr gib 24 Stunden bevor ich euch   äh anzeige« ich hab alles stehen und liegen gelassen bin gerannt und da sind wir noch am selben

[36:16] Tag und alles eingepackt und waren wir weg haben angef- weg von Lemberg weil der Mann gesagt hat dass er wird uns anzeigen er hat gewusst wer wir sind   ja und er hat noch gesagt »wenn du nicht so schön gespielt hättest mit meiner Tochter und eine Freundin

[36:29] von meiner Tochter wärst hätte euch jetzt weil ihr Juden seid hätte euch jetzt angezeigt   den Deutschen«

Daniel Baranowski

[36:36] das war jemand den Sie in Lemberg kannten

Eva Heilbrunn

[36:39] [gleichzeitig:] ja ja   ja ja die das waren Nachbarn von uns   wir sind aber in einem anderen Haus gewesen dann   wir sind weg von dem Haus und wir waren in einem anderen Haus aber er hat uns erkannt er hat mich erkannt dass wir dort mal gelebt haben am Anfang

[36:56] haben wir dort gelebt wo die Russen waren und dieses dann haben wir gesehen ist irgendwas da sind wir alle Leute wegge- von dort   in eine andere Wohnung es war kein Problem  

Teresa Schäfer

[37:06] und wo ist Teta dann mit Ihnen hingegangen ?

Eva Heilbrunn

[37:11] angefangen zu fahren durch Polen   jeden Tag jede zwei Tage   in einer Stadt ich weiß nicht in welcher Stadt wurde sie angenommen hat sie gesagt »hier bleiben wir länger« ich glaub es war in Krakau   ich erinner mich nicht   in Krakau hat sie gesagt dass äh

[37:35] kein Geld mehr da man muss arbeiten hat sie gesagt hat sich gemeldet als äh ich weiß wie man das sagt äh w-   wenn ma- s- Putzfrau aber mehr wie Putzfrau auch kochen und alles

Teresa Schäfer

[37:53] Haushälterin

Eva Heilbrunn

[37:55] Haushelferin in und hat gesagt und das hat sie gesagt sagte »am besten ich gehe wo Soldaten sind oder w- am besten wo Offiziere sind weil die fragen am wenigsten und die sind froh wenn so eine Frau als ich« sie man hat gesehen dass das nicht eine einfache

[38:10] Frau ist »wenn ich dort komme« und so wars   sie ist dort hingekommen und hat gesagt »ich hab zwei Kinder   uneheliche Kinder« alle sind stehen geblieben »und ich möchte arbeiten ich h- ich hab kein Geld ich bin hier« d- haben sie gesagt »bitte schön«

[38:28] »bis ich nach Deutschland fahr« sie hat gesagt sie fährt zurück nach Deutschland mit den Kindern   da wir Deutsch gekannt haben war das kein Problem   wir haben nur Deutsch sprechen können   kein Wort Polnisch trotzdem wir durcheinand- miteinander Polnisch

[38:42] gesprochen haben aber ich war ja schon in der Schule und man hat in Bielitz Polnisch gesprochen Kinder haben Polnisch gesprochen so wie in Brasilien die was kommen haben nicht gewusst äh ge- können bis heut kein kein äh Hebräisch viele Leute aber die Kinder

[38:57] Kinder erstens mal spielen sie mit anderen Kindern nach zwei Wochen können sie sprechen und gehen auch in die Schule und das haben das war so so war das in Lemberg wir haben d- wir haben f- für uns haben wir wir haben Polnisch gesprochen   und aber Deutsch

[39:14] und wir haben dort gelebt mit den Kindern haben wir Polnisch gesprochen weil wir von denen gelernt haben richt- so ein Polnisch wie man in Lemberg dieses a- von den anderen Leuten haben wir Deutsch gesprochen weil wir Deutsch kannten also waren wir Deutsche  

[39:27] und dort hat sie wirklich den Job bekommen   und hat äh dort gearbeitet dort waren wir ziemlich lange ein zwei Monate vielleicht länger und dort hat sie es war eine ph- dort hat sie erstens mal ein bestellt einen Zahnarzt   Kinder müssen die Zahnärzte sehen

[39:48] was mit den Zähnen los ist   das von von i- alles bezahlt von ihrem Geld was sie ge-   und   dann hat sie gesa- ich hab ihr geholfen ich hab gearbeitet schon ich war trotzdem schon [hustet] groß ich hab aufgewischt und hab Geschirr gewaschen und alles das und

[40:09] sie hat gekocht und alles   war sehr beliebt dort und dort hat sie einen   deutschen Offizier kennengelernt   ich glaub mit dem sie auch äh dann wirklich intime war weil er sie haben dann und noch gesprochen und wirklich er war sehr oft er hat gewusst über

[40:29] uns deswegen weiß ich dass äh sie hat mit ihm auch lange korrespondiert und sie hat dann geglaubt dass er ist umgekommen im Krieg deswegen sie hat niemals mehr von ihm gehört sie haben korrespondiert und alles zusammen dann später noch   und der hat dafür

[40:47] gesorgt dass niemand   d- etwas von uns verlangt das heißt Papiere oder irgendwas wir hatten Papiere ja aber f- gefälschte aber der hat uns sozusagen wirklich in Schutz genommen das heißt alles wahrgenommen hat nicht nachgeschaut und alles und dort haben

[41:04] wir gearbeitet ich hab schwer schwer gearbeitet das hat mir nix gemacht und die Mara war alleine wirklich hat gelesen und   hat Radio gehört damals war schon Radio   und ich bin auch nicht den ganzen Tag hab ich gearbeitet da war ich dann bei ihr wir waren

[41:23] die ganze Zeit im Zimmer sind überhaupt nicht mehr rausgegangen aus aus dem Zimmer bis wir nicht in eine andere Stadt gekommen sind weil dort hat sie Zeit gehabt weil man sie nicht gezwungen hat das haben die O- das hat der Offizier gemacht sich man musste

[41:36] sich anmelden bei der Polizei nach zwei Wochen   in jeder Stadt musste man kommen wenn man gesp- man hat ja gewohnt bei Leuten nicht man hat ja nicht eine eigene Wohnung gehabt und diese Leute mussten wissen wen sie haben   es war bei den Kommunisten schon [räuspert

[41:51] sich] und da bei den Offizieren in den bei den deutschen Offizieren hat man nicht gehabt dieses   und bei den Deutschen weiter haben sie ja   haben alle wo wir nicht geschlafen haben haben sie gesagt wie viel Tage haben gesagt meistens f- hat sie gesagt wir

[42:11] kommen bloß uns die Te- die die anschauen die äh sch- die Stadt und wir gehen bald also Maximum 15 Tage und das hat sie auch dieses da mussten wir zu keiner Polizei gehen   und die Leute waren auch sehr nett weil wir haben Deutsch ge- wir haben Deutsch

[42:29] gesprochen perfekt wir waren Deutsche

Daniel Baranowski

[42:31] Sie waren ja elf zwölf Jahre alt

Eva Heilbrunn

[42:35] ja

Daniel Baranowski

[42:37] haben Sie das alles verstanden was da passiert ?

Eva Heilbrunn

[42:39] ja   wir haben nicht alles verstanden die Mara hat d- weniger verstanden aber ihr hat man gesagt »du sprichst überhaupt nicht und dieses«   ja also ich hab verstanden sie hat mir auch gesagt ich hab verstanden gut ich hab nicht verstanden was ich da gesehen

[42:58] hab ja   ich hab nicht verstanden was passiert   das nicht aber ich hab versteht dass man irgendwo au- die wu- wurden ausgewandert und irgendwa- solche Sachen hat sie dieses und »wir wollen doch hier bleiben weil vielleicht kommt der Papa zurück und dieses

[43:13] deswegen müsst ihr dürft ihr kein Polnisch sprechen die Leute sollen denken wir sind weil die Pol- die Polen wollen uns nicht wollen« keine P- Polen die damals sind wir haben ja nix gewusst dass wir nach Brasilien oder irgendwas [putzt sich die Nase]

Teresa Schäfer

[43:26] mit Ihren Eltern haben Sie Deutsch gesprochen oder Polnisch ?

Eva Heilbrunn

[43:33] Deutsch

Teresa Schäfer

[43:35] Deutsch

Eva Heilbrunn

[43:37] Deutsch   meine Mutter hat Polnisch gesprochen mein Vater hat nie Polnisch gesprochen   hat nicht gekannt paar Worte hat sicher hat er gekannt aber als wir in Bielitz waren s- die letzte Zeit da war doch dort die waren war dort polnisch alles deswegen es waren

[43:50] die [hustet] die Russen dort   hat man kein Deutsch gesprochen aber es waren noch viele Leute die nur Deutsch gesprochen haben  

Daniel Baranowski

[43:58] wie lange sind Sie dann durch ähm Polen durch das Generalgouvernement ähm ge- ge- gewandert

Eva Heilbrunn

[44:09] [gleichzeitig:] wir waren nein und dann zum Schluss sind wir nach Kattowitz gekommen dort waren wir ungefähr ein Jahr das heißt wir waren und dort waren wir auch et- und dann sind die Russen gekommen und dort wars sehr schwer bis der Papa nach Haus gekommen

[44:20] ist u- mein Vater nach Haus gekommen ist das waren schrecklich da weil es wir waren hungrig   und es war kein Essen und wir sind gegangen ich war w- in Ochojetz mit die Mara die Mara war gleich krank   mit dieser   hat wieder gehabt eine Lungenentzündung

[44:39] deswegen auch jetzt hat das Rauchen ein leichtes   leichtes Feld gehabt sie zu m- zu töten weil sie t-   sie hat überhaupt keine Lungen mehr jetzt in Brasilien meine t- meine Schwester   und äh   dort sind wir gegangen die Teta und ich sind wir gegangen

[45:02] jeden Tag und dort war die Hilfe von den Kirchen wie haben die geheißen die die haben äh   Essen verteilt das war ein au- das das hat einen Namen gehabt   von der von der katholischen Religion waren Leute die ge- äh die Essen verteilt haben jeden Tag hat

[45:27] das war F- zu Fuß zu gehen im Schnee mit Schuhen die schon wirklich nicht gut waren das für mich das war schrecklich das war schrecklich

Teresa Schäfer

[45:36] das war schon nach dem Krieg

Eva Heilbrunn

[45:38] das war der nein das war im K- das war nach dem Krieg auf für uns war der Krieg noch da die Russen waren da und haben getobt dort in den kleinen äh in den kleinen Ochojetz wir waren die ga- meisten Sachen waren wir immer versteckt unter den Betten   und alle

[45:51] Uhren und alle Sachen hat man nicht alle auf einmal aber wenn sie rein die sind reingekommen und da hat die Teta schreckliche Angst um uns gehabt und da haben wir auch schreckliche Angst gehabt das erinner ich das war schrecklich   und wir sind gegangen und

[46:06] sind haben Polnisch gesprochen und die Teta konnte kein Polnisch da bin ich gegangen und hab das Essen geholt aber mit ihr sie hat mich nie alleine gelassen Kilometer bis nach Kattowitz zu Fuß und jetzt wo ich ich hatte äh meine Sch- war nicht gesund meine  

[46:25] ganzen Füße als ich zum Doktor war hat gesagt »sag mal wo hast du hast du irgendwo schwer gearbeitet oder bist du die Füße sind es sind dort Knochen und w- Sachen die überhaupt nicht zusammen gehören« hab ich ihm gesagt sagt er »ja du bist nicht die

[46:40] Einzige« deswegen geh ich immer mit jetzt mit den und das hat geholfen und mit besonderen Schuhen und deswegen hab ich auch gesagt »ich kauf Schuhe für 600 Schekel warum kann ich nicht zwei ha-   Karten kaufen fürs Museum für 800 Schekel« und das hat

[46:59] haben w- haben wir uns beide überzeugt dass das nicht so teuer ist

Daniel Baranowski

[47:01] gestern Abend

Eva Heilbrunn

[47:03] gestern Abend

Daniel Baranowski

[47:06] mhm   ähm wann haben Sie dann Ihren Vater wiedergesehen das war nach dem Krieg

Eva Heilbrunn

[47:09] mein Vater eines schönes Tages hat es gekloppt an der Tür und hat aufgenommen und ich hab angefangen zu schauen hab gesagt »ein Bettler steht vor der Tür   der will etwas gibt ihm etwas zu essen«   er hat gewogen ich weiß nicht er ist ein gr- ein sehr

[47:25] großer war eins neunzig oder so ein sehr gr- er war hoch s- lange er hat gewogen ich weiß nicht wie viel ich möcht lügen wenn ich w- aber er war so [hebt den Zeigefinger]   ich hab gedacht ein Bettler so hat er ausgesehen bis er dahin gekommen ist bis er

[47:43] aus Ungarn wieder gekommen ist hat kein Geld gehabt   irgendwie hat er sich reingebettelt und da

Daniel Baranowski

[47:52] Sie haben ihn nicht erkannt

Eva Heilbrunn

[47:54] ich hab ihn nicht erkannt

Daniel Baranowski

[47:56] als er an der Tür stand

Eva Heilbrunn

[47:58] die Teta ist gekommen sie hat ihn erkannt   und da   aber wir haben Angst gehabt von ihm wir haben uns nicht be- ich hab nicht gewusst s- das war schrecklich aber gut er hat dann Essen bekommen wir sind weitergelaufen für Essen und er hat sich schnell erholt

[48:14] und dann in Bielitz ganz erholt er hat noch dort Freunde gehabt und Schluss und als er da sind wir da nach Bielitz übersiedelt

Teresa Schäfer

[48:22] haben Sie

Eva Heilbrunn

[48:24] [gleichzeitig:] und da ist sie mit uns natürlich

Teresa Schäfer

[48:26] haben Sie ihm Fragen gestellt wo er war in der Zeit ? wissen Sie das noch

Eva Heilbrunn

[48:31] ja er hat nie geantwortet die Fragen   nie deswegen wissen wir bis heute nicht   wie was er erlebt hat er hat gesagt nur er war in einen Hei- in einem   so einem   wie sagt man das ein

Teresa Schäfer

[48:49] Lager

Eva Heilbrunn

[48:51] Lager   mehr wissen wir nichts die Mara hat dann versucht in Brasilien ihn bissel sies nicht gefasst auch ich nicht er kam hierher ni- kein Wort gesagt   er hat nur gesagt dass die die das hat er gesagt dass die Musik ihn gerettet hat   und dann sind

[49:18] wir nach Bielitz

Daniel Baranowski

[49:20] ich würd gern noch mal kurz zurück zum ähm unmittelbaren Kriegsende wo Sie dann wenn ich das jetzt richtig verstanden hab in Kattowitz waren

Eva Heilbrunn

[49:28] ja ich war in Kattowitz und sie war in die Mara war in Ochojetz und war bei den bei der Hitlerjugend

Daniel Baranowski

[49:34] ähm

Eva Heilbrunn

[49:37] hat der Vater s- sehr gescheit die Te- die Teta hat sie geschickt   dass wir Deutsche sind und ich (_ und dieses) und sie war sie hat dort gespielt   und sie war groß genug um zu wissen zu das sind keine die sch- ich kann auch kein Polnisch ich habe auch nicht

[49:54] gekannt Polnisch sie haben wir haben auch nicht so gut gekannt in der Zeit weil inzwischen haben wir doch nur Deutsch gesprochen da haben wir schon wars ihr nicht so schn- äh so schwer

Daniel Baranowski

[50:03] und sie haben gesagt dass Sie in dieser Zeit wo Sie unterwegs waren zwischendurch mal gearbeitet haben

Eva Heilbrunn

[50:10] da nur nein ich hab nur gearbeitet

Daniel Baranowski

[50:14] [gleichzeitig:] in diesen ganzen Jahren

Eva Heilbrunn

[50:16] nein in den in den äh wo wir in Krakau währen- waren wir längere Zeit weil sie dort war die äh Hausfrau dort hab ich gearbeitet

Daniel Baranowski

[50:23] wie haben Sie ansonsten die Zeit verbracht das geht ja um mehrere Jahre

Eva Heilbrunn

[50:27] gut wir sind erstens mal sind wir immer mit ihr s- spazieren gegangen und äh wo wir ges- wo Kinder waren in dem Haus waren immer Kinder irgendwo haben wir gespielt mit den Kindern wir haben Deutsch gekannt haben wir kein Problem gehabt   Kinder haben auch

[50:44] Kinder nicht gefragt von wo sie haben uns höchstens gefragt von was für einer Stadt haben wir gesagt von Lemberg   oder von Bielitz niemand hat sich mehr oder weniger erkundigt   ich weiß nicht wie die äh die Erwachsenen das ha- das weiß ich nicht ich erinner

[51:03] mich nicht weil die Teta hat alles an einen was sie nur konnte hat sie auch aus Gründen dass wir nicht was verraten hat sie was weniger mit uns darüber gesprochen fast gar nix mit mir schon irgendwie   aber die Zeit mit den Russen die gab Gott sei Dank nicht

[51:21] lange   war furchtbar furchtbar das k- da war ich auch beim Vater oben weil sie hat gesagt »da kannst du nicht unten sein weil hier bin ich und ich werd euch beschützen« und wir waren das war ein kleines Haus und wir haben vorbereitet alle Sachen um ihnen

[51:39] zu geben wenn sie kommen sie haben nicht wo zu suchen gehabt denn vom Vater das Haus unten in Kattowitz hat sie gesagt »du bleibst nicht unten du kommst mit rauf« und so war das das war wirklich und das Essen holen und einmal sind wir ge- haben wir das Essen

[51:54] ge- das werd ich auch nicht vergessen das Essen hab ich vergessen dann das hat mir kein   hat sind wir gegangen und als wir am Rückweg waren kommet kommen Polen uns entgegen und sagen »geht hierhin die Russen haben dort äh f- Gefangene   ermordet« und das

[52:17] dort und di- d- das war nein das war ein äh das ist dort sind be- äh B- Brote die Leute haben dort das heißt diese Truppe die ermordet wurde von den scheinbar Polen oder ich weiß nicht was von Deutschen   haben sie ermordet wird »unter den Leichen ist

[52:35] voll Brot« sind wir auch gegangen haben rausgezogen das Brot   und s- war waren das waren das erinner was ich mich erinner war nicht leicht alles andere hab ich ziemlich vergessen   außer Sachen wo es scheinbar   da haben wir Brot gehabt für längere Zeit

[53:00] das haben wir versteckt man hat sich dort geschlagen um dieses Brot unter den Leichen das wirklich wie ein Kind ich weiß es ist noch gut wie ich bin

Daniel Baranowski

[53:09] haben Sie Erinnerungen an das Kriegsende ?

Eva Heilbrunn

[53:13] bitte ?

Daniel Baranowski

[53:14] haben Sie Erinnerungen an das Kriegsende ?

Eva Heilbrunn

[53:16] das Kriegsende hab ich schon in Brasilien erlebt

Daniel Baranowski

[53:19] nein ich mein das Ende des äh

Eva Heilbrunn

[53:23] nein das Ende vom Krieg ja na ja das hab ich in in Ochojetz   ja

Daniel Baranowski

[53:27] wissen Sie noch wurde Ihnen das gesagt jetzt ist der Krieg zu Ende jetzt passiert was anderes jetzt

Eva Heilbrunn

[53:32] nein sie haben Krieg zu Ende und jetzt warten wir auf den Papa und so wars

Teresa Schäfer

[53:37] haben Sie auf die Mutter nicht gewartet ?

Eva Heilbrunn

[53:39] die Mutter ist nicht mitgegangen mit ihm   das haben wir gewusst

Teresa Schäfer

[53:43] das wussten Sie

Eva Heilbrunn

[53:45] das haben wir gewusst   wir haben sie auch gewartet aber der Papa hatte die Adresse und alles irgendwie haben wir auf den Vater gewartet weil er wusste auch die Adresse und alles und sie war dort mit anderen Leuten vielleicht hat sie auch be- bestimmt hat sie

[54:01] auch gehabt die Adresse ja aber das furchtbar das ist furchtbar das ich hab mich erst nach längerer Zeit erinnert dass ich sie i-   ich war im äh ich bin zu einem Ph- äh   nicht Philosoph wie sagt man   zu einem Arzt gegangen

Daniel Baranowski

[54:23] Psychologen

Eva Heilbrunn

[54:27] Psychologen   nicht einmal ich war in nicht Behandlung und da was mich am meisten geärgert hat ich konnte mich nicht erinnern dass ich mich verabschiedet hab von meiner Mutter und die Frau hat das so weit gebracht   die wohnt auch in Brasilien äh in die wohnt

[54:42] hier ich hab sie wiedergesehen   hier nicht im nicht im in Deutschland   ich war bei ihr   und die und jetzt wohnt sie in Wien das war eine Deutsche   und dann ist sie wie war das   ja die hat mir das ausgeredet   die hat mir das ausgeredet sie hat nicht ausgeredet

[55:16] sie hat gesagt »du wirst dich erinnern du wirst dich erinnern lass das sein du w-« und wirklich einen Tag hab ich mich erinnert dass sie uns raufgeschickt hat und e- dort waren solche Treppen um der Mutter zu s- äh   ich erinner mich sie hat gelegen auf

[55:33] das es war schrecklich   das war damals nicht so schrecklich weil wir keine Ahnung gehabt haben dass wir uns uns Kindern dass wir uns wieder- nicht wiedersehen werden das ist uns nicht in den Kopf gekommen   gar nicht   mir bestimmt nicht   vielleicht anderen

[55:56] ja  

Daniel Baranowski

[56:00] ich würde gern nochmal fragen ob ich das richtig verstanden hab als Ihr Vater wiedergekommen ist nach dem Krieg da wussten Sie dass die Mutter nicht mehr lebt ?

Eva Heilbrunn

[56:08] sie ist nicht gekommen wir haben gewartet und außerdem der Vater ist geblieben und noch eine Schwester von ihr war da   und wir haben nicht gewusst vielleicht ist sie in Bielitz außerdem mein Vater hat er hat äh   hat gesagt »je länger wir hier bleiben

[56:26] desto desto schwerer wirds sein rauszukommen« und äh »sie weiß von Bielitz und sie weiß wenn sie weiß von Kattowitz wird sie sich melden und dort w-« alle haben gewusst dass wir dort sind die ganze Familie von ihr wenn sie da wenn sie zufällig nach

[56:46] äh gekommen wär nach Kattowitz aber er hat gesagt er will zurück nach Bielitz weil es ist kann sein dass Bielitz weiß sie dass sie vielleicht   in dem Teil wo nach Bielitz gekommen ist   aber ich glaub er hat gewusst ich glaube er hat gewusst

Daniel Baranowski

[57:05] er hat auch bis zum Ende seines Lebens nie darüber gesprochen

Eva Heilbrunn

[57:11] nie darüber gesprochen deswegen glaub ich vielleicht hat er getroffen jemanden der sich frei gemacht hat   vielleicht ist er vor bevor er zu uns gekommen ist ist er gefahren irgendwohin vielleicht waren die auch die waren ja auch in Ungarn  

Daniel Baranowski

[57:30] wie lang waren Sie dann mit dem Vater zusammen in Bielitz

Eva Heilbrunn

[57:37] äh zwei Jahre bis äh Gerüchte kamen äh Gerüchte kamen dass das sind die letzten je- Tage wo die raus lassen Leute überhaupt

Teresa Schäfer

[57:49] was haben Sie in den zwei Jahren gemacht ?

Eva Heilbrunn

[57:52] ich bin zur Schule gegangen und wurde auch einmal eingesperrt weil ich gegen die Russen [lacht] mein Vater hat mich rausgenommen und hat mich gesagt »um Gottes Willen du sei doch nicht verrückt sei« gut aber die anderen waren auch sag ich die Polen waren

[58:09] auch sag ich »gut aber die Polen bleiben hier   wenn wir hier bleiben musst du auch so sein und wenn wir nicht hier bleiben äh fangt mir nicht an«   das Geschäft hat nicht mehr existiert   und ich bin diese und die Teta hat aufgepasst auf die Mara die

[58:28] Mara ist in einen Ki- Kindergarten ich weiß nicht ob sie gegangen ist irgendwo wirklich das hab ich vergessen ich bin in die Schule gegangen

Teresa Schäfer

[58:36] wie erinnern Sie sich wie das war plötzlich wieder zur Schule zu gehen nachdem Sie mehrere Jahre

Eva Heilbrunn

[58:41] [gleichzeitig:] nein diese paar Tage die ich ich war ein halbes Jahr bloß in der Schule weil mit den Ferien und mit den allen weil bis in die erste Klasse hat man später angefangen und dann ist man man tagelang zu Hause das erinner ich mich und dann kam

[58:54] wieder man hat Lesen aber ich hab lesen gelernt mit der Teta mit den Spaziergängen ich konnte perfekt lesen   die Buchstaben und ich konnte lesen Polnisch deswegen weil in Bielitz waren die au- alles Polnisch aufgeschrieben das hab ich alleine gelernt   da

[59:11] bin ich haben wir   war ich in einer Klasse hab dort sogar Freundinnen gehabt alle waren gegen die Russen also war ich auch gegen die Russen   das war  

[59:24] und dann kommt Pass machen sie ist der Pa- mein Vater gefahren und hat vier Passe Pässe bestellt als

[59:39] Polen ja   die Teta inzwischen hat man Polnisch gemacht auch mit einem al- ich weiß nicht mit demselben Namen oder einen anderen Namen ich weiß nicht   aber Kattowitz war pole- äh polnisch also haben sie keine jedenfalls sind zwei äh zwei   Pässe sind angekommen

[1:00:00] und zwei nicht und [lacht] jetzt aber eine Geschichte die fr- die fröhlich ist der Papa hat gesagt »wir fahren die Teta und ich fahren nach« wo haben Sie gesagt nach

Daniel Baranowski

[1:00:15] Stockholm

Eva Heilbrunn

[1:00:17] Stockholm ich hab gesagt vorher Amsterdam das war nicht Amsterdam ich hab das verwechselt nach Stockholm und Teta hat gesagt »ich lass die Kinder nicht alleine« und da hat er gesagt »hören Sie mich gut an« sie waren per Sie »wenn Sie hier bleiben sehen

[1:00:29] Sie die Kinder niemals wieder weil ich werd die Kinder rausnehmen Sie ma- man wird Sie nicht rauslassen« »auf keinen Fall« und ich hab auch gesagt   und mir hat man gesagt »du bleibst du verkaufst das Haus« ich ha- es war ein Advokat da ein Advokat von

[1:00:45] für das Haus ich konnte mich an ihn wenden »wir lassen dir Geld und   du kommst du fährst nach Warschau und vom in Warschau erledigt die Pass wird du wirst dich schon dieses« die haben mich (ge-) »du wirst schon nachkommen   und damit wird sich die Sache

[1:01:04] erled- und wir fahren   morgen« die Teta hat geweint sie wollte nicht aber ich hab ihr w- wir haben ihr gesagt du sie er hat Recht und die ihr auch Bekannte haben gesagt man wird sie nicht rauslassen das sind die letzten Tage wo man rauslässt und ich wir

[1:01:18] sind gefahren die Mara und ich sind gefahren nach Warschau   das Schlimmste war die Mara die Mara hat geschrien die ganze Zeit hat sie geweint »ich will zum Papa ich will zu Teta« und da hab ich ihr gedroht   sie soll ruhig sein sonst wird man uns einsperren

[1:01:33] da war sie ruhig sie kann mir das nicht verzeihen bis zum heutigen Tag und dann sind wir gefahren und außerdem hab ich gehabt eine äh sind wir gefahren und wir sind kommen in Warschau an mit einem   ich mit einem Zug sind wir gefahren sind dort hingekommen

[1:01:50] oder war das vor Warschau irgendwo wo man Pässe ausgegeben hat   und haben sie gesagt »was macht ihr hier« hab ich gesagt »ich komm« Polnisch das inzwischen hab ich schon s-   prima Polnisch gesprochen »wir kommen die Pässe holen« »was für Pässe«

[1:02:05] »die ihr vergessen habt zu schicken   mein Vater ist schon gefahren und auch   meine Pflegemutter ist gefahren und unsere Pässe nicht angekommen hat mein Vater gesagt ›geht die Pässe abholen‹« »wir haben keine Pässe und wir machen keine« hab ich gesagt

[1:02:22] »gut wir sitzen draußen   und   sagt uns was wir machen sollen   wir haben nicht gegessen   wir haben nicht getrunken wir haben kein Haus wir haben gar nix wir kommen die Pässe holen um nach zu fahren herauszufahren von hier zu auf Ferien   und   und mein Vater

[1:02:44] wollte die Ferien nicht verge- nicht verlieren deswegen ist er raus von da hat Pässe bekommen man hat ihn rausgelassen ich versteh gar nicht warum wir nicht die Pässe bekommen können« also erstens hat man uns Essen gebracht sie haben Angst gehabt und die

[1:02:55] jetzt hab ich mit ihr ein Abkommen gemacht mit der Mara wenn ich ihr ein Hack gib in diesen Fuß dann muss sie sch- anfangen zu weinen sag ich ich habe nichts »so wie du bei mir weinst nicht hehehe nur wir bei mir weinst« also sie hat es zu Herzen genommen

[1:03:11] und sie hat angefangen ich hab ihr so gemacht »ich bin hungrig ich bin hungrig« hab ich gesagt »ich hab kein Geld ich kann dich nicht (_) « haben sie uns Essen gebracht und haben uns Trinken gebracht sie waren ja keine Unmenschen   muss ich sagen und haben

[1:03:26] uns zwei Pässe gegeben   und wir sind zurück gewandert nach Bielitz und da hab ich den Advokaten genommen und hab gesagt »verkauf das Haus oder gib das ab« ich wa- ich weiß nicht was er gemacht hat aber ich hab Geld bekommen und jetzt war die Frage was

[1:03:42] mach ich mit dem Geld polnisches Geld zu bringen nach Stockholm war doch idiotisch hab ich mich erkundigt und da hat man mir gesagt ich soll ein K- ein kleines Kino nehmen das geht sehr gut in Stockholm das heißt eine Wand und den Apparat dazu das waren solche

[1:04:02] Sachen zu dieser Zeit ich hab sogar eins gehabt in äh in Brasilien da kriegt man eine Wand die man z- dann aufhängt und mit allen möglichen Drähten zu einem   wo man einen Film   drehen kann also das hab ich genommen   und wenn sie das ge- und dann hat er

[1:04:23] gesagt »du bist nicht normal« man hat gesagt »hör mal du nimmst das äh mit aber man es ist äh« wie sagt man das wenn man z- äh durchsucht die die Koffer

Teresa Schäfer

[1:04:34] beim Zoll

Eva Heilbrunn

[1:04:36] Zoll äh »das ist Zoll und du darfst nicht erlauben dass man aufmacht dir das« sag ich »das geht in Ordnung« das hab ich gemacht   beim Rausfahren dann die anderen haben schon nicht ge- war schon ganz uninteressant in Stockholm was wir in den in den haben

[1:04:53] in den aber in Polen hat man beim Rausfahren an der Grenze kommen zwei Männer und jetzt hab ich ihr gesagt »jetzt   du wirst niemals den Vater sehen du wirst niemals dein sehen die Teta wenn du nicht schreien wirst und den Leuten den Tod machst« die sind

[1:05:10] reingekommen und haben gesagt sie wollen unsere (Koffer) hab gesagt »sie sind oben« die waren oben ich hab gebeten Leute man soll sie raufbringen so gescheit war ich und »die muss man runterbringen« »gut also nimm sie runter« da hab ich der Mara gegeben

[1:05:23] ein Stoß und sie hat angefangen »ich will zum Vater« und »ich will zur Mutter« und »ich will zum Vater« und ich hab ihr gesagt »hör auf hör auf« »nein« da hat sie immer lauter und denen und ich hab gehört wie sie in Polnisch sagen »hör mal

[1:05:39] lass diese Kin- die sind doch zwei Kinder was haben sie in dieses sie fahren die Elt- die Eltern zum dieses lass sie dort und komm komm raus ich kann das nicht mehr anhören« die sind raus und ich bin nach f- Stockholm gekommen   und wir sind erwartet worden

[1:05:55] von der Teta und von dieses und alles und die haben sich wahnsinnig gefreut und ich hab der Mara gesagt »siehst du ich hab dich gebracht zur Teta und zum dieses« hat sie mir ein [lacht] das erinner ich mich hat sie mich geschlagen für alles was ich ihr

[1:06:07] angetan hab und wir sind nach Haus gekommen und jetzt kommt die k- jetzt werdet ihr lachen   ich bin nach Haus gekommen und man machte auf und ich sag »ich hab euch ein Geschenk gebracht« und der Papa sieht das und gibt mir eine Ohrfeige und ich weiß nicht

[1:06:26] was passiert ist sagt »was bist du verrückt« und fang an zu weinen und er sagt »weißt du dass du das eure Leben habt ihr hast du in deiner Blödheit« hat er mir gesagt hab ich » (_) aber Papa ich habs doch geschafft« und er hat sich entschuldigt hat

[1:06:43] mich (zu sich genommen) aber er war er hat sich so aufgeregt dass was ich hätte uns in Tod bringen können oder nie hätten sie uns rausgelassen das heißt wir haben   Sachen rausgenommen aus dem heiligen Land Polen   und dort sind wir   zehu das war der Abschied

[1:07:00] von Polen  

[1:07:04] jetzt waren wir in Stockholm ein halbes Jahr und die Papa der Papa hat gearbeitet sogar die Teta hat ein bissel gearbeitet sie hat sich schon einen Namen gemacht man hat sie schon angestellt dass haben wir Geld gehabt bisschen   und haben verkauft

[1:07:17] dieses [lacht] dieses Ding da den Kino was heißt und haben auch Geld gehabt bis die Papiere gekommen sind und dann sind wir nach   Brasilien

Teresa Schäfer

[1:07:29] was hat Ihr Vater gearbeitet ?

Eva Heilbrunn

[1:07:32] alles was alles das muss man ihm lassen alles was man ihm vorgena- hat er gearbeitet hat nix überlassen s- sauber machen und vi- ich weiß Teppiche verkaufen das hat er gern gemacht und hat sich so umgehängt das hat er auch in Brasilien gemacht und so hat

[1:07:52] er angefangen pech- Teppiche zu verkaufen von dem Sears and Roebuck war doch mal ein großes dort hat er gearbeitet zum Schluss zum von Anfang an aber von Anfang an hat er sauber gemacht in Brasilien und dann hat er   hat er gesagt was er ist und er möchte

[1:08:10] probieren zu verkaufen und hat gesagt »ich werd für euch werd ich durch die Straßen gehen und ihr werdet sehen ich werd verkaufen« und das hat er auch gemacht   und er hat verkauft und er hat gut verkauft und man hat ihn angestellt und er hat bis Ende seines

[1:08:25] Lebens dort gearbeitet   er sollte auf Pension gehen da haben sie ihm verlängert die weil er war ein herrlicher Verkäufer und überhaupt ein sehr sehr ähm ein Mensch der gelacht -lacht hat und Witze erzählt hat und gewusst hat und herrlich gesungen hat

Teresa Schäfer

[1:08:45] erinnern Sie sich an Ihre Reise nach Brasilien und Ihre ersten Eindrücke dort ?

Eva Heilbrunn

[1:08:53] äh   schwach das war ein Sch- ein Schiff voll von Leuten und wir waren eng in der Kabine und alles ich weiß dass wir gegessen haben und in der Kabine und alles mir wurde schlecht auch das (_) aber sonst nicht   es war kein Vergnügen   es war kein Vergnügen  

[1:09:14] das war auch zusammen schon mit den Leuten die gearbeitet hat um äh die Leute irgendwo zu schicken   die jüdischen Leuten die schon das the Joint hat das schon das hat der Joi- überhaupt der Joint hat mit den Papieren zu tun gehabt   und der hat uns immer

[1:09:36] das   aber das war kein schlechtes Sch- dort hat man uns   genommen   und dort hab ich angefangen gleich zu arbeiten auch und der Papa auch   dort hat der Papa angefangen mit Sears und Roebuck nicht and nicht dort hat er das gemacht für irgendwelche Leute ja

[1:09:55] die im Teppich- aber den großen Handel hat er angefangen und ich hab äh p- die haben doch solche herrliche Korallen und alle solche Sachen in äh in   no   in wo sind   schauen Sie sich an

Daniel Baranowski

[1:10:13] in Brasilien

Eva Heilbrunn

[1:10:15] in Brasilien und da waren ge- hab ich eine   erstens mal musste ich lernen die Sprache und meine Schwester hat gesagt »ich lern auch die Sprache aber ich werd kein Wort sprechen bis ich nicht perfekt kann« und das hat sie gemacht das hat sie so ist sie und

[1:10:31] ich hab gesagt nein ich werd ich will gehen in eine Schule und ich will lernen und ich will auch Geld verdienen bin ich gegangen am Abend in die Schule und dann hab P- Portugiesisch gelernt und am Tag hab ich eingewi- einge- wie sagt man eingewickelt nicht

[1:10:48] nein einge-   wenn man Perlen auf ein t- auf ein   auf eine Schnur gibt da gibts doch ein Wort

Teresa Schäfer

[1:10:57] auffädeln ?

Eva Heilbrunn

[1:10:59] auffädeln entschuldigen Sie dass ich aber es sind b- dadurch dass ich Deutsch jetzt mit niemand schon sprech bloß mit meiner Toch- mit meiner Schwester wenn ich dieses und

[1:11:10] hab eine Bekannte   eine deu- eine deu- das heißt ich kam aus Berlin und mit der treff

[1:11:16] ich mich jeden Sonntag und aber die ist ihre Kinder sind im in Amerika und sie ist einem äh nicht Altersheim einem Heim wo wo ich jetzt auch möcht ich hingehen wenn ich werd genug Geld haben das ist teuer dort ist man hat eine Wohnung man kauft sozusagen

[1:11:35] die W- nicht man kauft wahnsinniges Geld man hat alles was man will aber man muss Geld haben aber mit allem das was ich zusammen- w- ich glaub aber es gibt alle möglichen ja es gibt ich natürlich bin ins Beste die sie ist in dem Besten weil sie hat viel

[1:11:52] Geld aber ich werd sehen   wenn ich meine Wohnung verkauf hab ich genug Geld da is die Wohnung   und kann es wird jetzt sehr gekauft Wohnungen in   in der Stadt wo ich in Zü- in äh Zürich in   Brasil-

Teresa Schäfer

[1:12:16] Haifa

Eva Heilbrunn

[1:12:22] nicht in Brasilien in Israel in der Gegend wo ich wohn baut man und es wird k- man kann gut verkaufen   also das ist in meiner Zukunft deswegen weil ich bin alleine die Kinder können nicht kommen und   wenn mir was passiert oder irgendwas dann müssen sie da

[1:12:33] sein so lang ich mit dem Hans war das war was er [seufzt] hab ich überhaupt nicht dran gedacht war auch nicht in der Wohnung ich hab mit ihm in einer anderen Wohnung gelebt wo jetzt seine Tochter ist aber auch nicht sie hat auch eine Wohnung in meiner Nähe

[1:12:47] wo ich jetzt w- in meiner Nähe in der Nähe jetzt wo ich wohne   und äh dann werden wir sehen aber jetzt nicht heute und morgen bloß es sind solche Listen von Wa- Wartelisten   und sie nehmen nur Leute an die gesund sind mehr oder weniger ja das heißt

[1:13:07] die sich alleine   arrangieren können sie können halten jemanden in diesen Heimen aber nur an am Tag nicht in der Nacht   da sind die verantwortlich für die also ich werd das das werd ich ich hab mich zuerst natürlich meine Große das war die Gro- die Kleine

[1:13:24] die dieses   gesagt hat zuerst hab ich mich aufgeregt aber dann hab ich gesagt sie hat Recht deswegen auf meinen Sohn kann ich mich leider nicht verlassen wegen er w- arbeitet in Tel Aviv wohnt in Haifa hat drei Kinder und die Frau arbeitet seine Frau arbeitet

[1:13:42] auch und äh wenn mir was passiert kann er nicht bei mir viel sitzen weil er nicht da ist   und auch weil er beschäftigt ist mit mit den allen Größen und Längen

Daniel Baranowski

[1:13:56] Sie sind ja jetzt darauf so ein bisschen gekommen wegen der Sprache wegen der äh

Eva Heilbrunn

[1:14:01] ja

Daniel Baranowski

[1:14:03] weil Sie manchmal im Deutschen einige wenige Wörter nicht finden

Eva Heilbrunn

[1:14:05] ja   ja

Daniel Baranowski

[1:14:07] die uns auch gar nicht sofort einfallen also das macht ja auch gar nichts und gleichzeitig haben Sie erzählt Sie konnten also Sie haben Deutsch gesprochen Sie konnten Polnisch dann sehr früh dann haben Sie Portugiesisch gelernt

Eva Heilbrunn

[1:14:16] und Italienisch

Daniel Baranowski

[1:14:19] Italienisch auch in Brasilien ? oder

Eva Heilbrunn

[1:14:21] in Brasilien

Daniel Baranowski

[1:14:23] dort haben Sie auch Italienisch gelernt haben Ihr Vater und Ihre und Teta auch Portugiesisch dann gelernt dort

Eva Heilbrunn

[1:14:28] nein ja ! die haben die Teta nie

Daniel Baranowski

[1:14:30] nein ?

Eva Heilbrunn

[1:14:32] aber auch die deutschen Immigranten nie   die haben gelernt aber so auch ha- haben auch nicht gelernt in äh Hebräisch noch viele von den alten Leuten fast keiner spr- spricht Hebräisch mein Vater hat sofort gesprochen Hebräisch   diese pa- also er war eine

[1:14:49] Woche zwei Wochen hat er schon Hebräisch gesprochen wenigstens gewusst wenn man zu ihm spricht   und äh ja ich ich hab ge- deswegen weil ich wollte lernen und da hat man mir vorgeschlagen dieses eine englische   Englisch haben wir auch gespr- dieses Englisch

[1:15:08] hab ich überhaupt nicht gekannt aber paar Stunden hab ich gekannt wirklich das hab ich geerbt von meinem   da war ich jung als ich jung war jetzt   lern ich Französisch   und es geht mir nicht leicht und kaum kann ich ich leb schon drei Tage äh drei drei sch-

[1:15:27] Jahre es macht mir Spaß   und äh   ja und da hab ich da ha- da bin ich gegangen alles kostet doch Geld in eine Schwesternschule Englisch hab ich auch Englisch gelernt

Daniel Baranowski

[1:15:43] im in Bras-

Eva Heilbrunn

[1:15:45] in Brasilien eine Eng-

Daniel Baranowski

[1:15:47] in São Paulo

Eva Heilbrunn

[1:15:48] weil ich konnte nicht gehen in eine

Daniel Baranowski

[1:15:50] sind Sie denn da zur Schule weitergegangen richtig äh

Eva Heilbrunn

[1:15:52] nein ich wollte bloß wieder irgen- machen da meinen äh meine w- wie sagt man im Gymnasium Absch- sozusagen

Daniel Baranowski

[1:15:57] ja

Eva Heilbrunn

[1:15:59] aber das war geschmuggelt deswegen das war in den die haben geschickt in die   in Brasilien in Plätze wo sehr wenig gewo- gelernt wurde und dort die Kinder waren dieses Brasilien ist doch [schüttelt den Kopf] und hat wahnsinnige Flächen und die sind auch

[1:16:16] besetzt von Armen die Armut ist furchtbar und die Kinder dort lernen und die lernen aber in Plätzen wo sie alles weniger lernen ja und dort hab ich gemacht meinen meine mein meine Prüfung

Daniel Baranowski

[1:16:30] Abitur dann mhm

Eva Heilbrunn

[1:16:32] ja das hat man mir organisiert und äh   und dann bin ich dort hingegangen in die (_) und englische und Englisch hab ich inzwischen gekannt ist mir leicht gegangen   und dort war auch Portugiesisch und Englisch dort hat man Portugiesisch aber die ganze Verwaltung

[1:16:48] und die Ärzte alles war englisch nur wir haben ge- dieses gelernt und was ich dort nicht gelernt hab hab ich dann in   Israel gelernt dort hab ich gemacht auch die Prüfung und alles gut bestanden Portu- Portugiesisch dann werden wir Lehrerin dort hat man

[1:17:05] gearbeitet am Tag auch hier nich- auch hier sag ich auch in Bra- in äh in äh Israel die ersten Schulen da hat man gearbeitet und in der N- in der Nacht gearbeitet und am Tag hat man gelernt nicht dass so wie jetzt dass die Schülerinnen gehen und dann gehen

[1:17:20] sie auf die Universität und ich weiß nicht was um zu bekommen dann den Doktor und alles das gib- gabs nicht   als wir kamen da auf in kei- vielleicht in Deutschland aber bei uns in auch in Israel hat man ged- gearbeitet in diesem Spital wo man gelernt hat  

[1:17:37] es war sehr schwer   und so hab ich das dort in gemacht

Teresa Schäfer

[1:17:45] wie lange waren Sie in Brasilien ?

Eva Heilbrunn

[1:17:48] fünf Jahre   ich hab drei v- ungefähr zwei drei Jahre ge- gelernt und dann hab ich gearbeitet ein Jahr und vorher war ich beschäftigt mit den fünf Jahre fünfeinhalb   und als die Schule zu Ende war hat man mir ge- und alles ja bis musste arbeiten sie haben

[1:18:09] weil das war auch sie haben viel billiger die Schulen waren diese englische Schule war sehr billig deswegen weil man musste auch arbeiten mit dem Moment wo man etwas schon gekannt hat hat man gearbeitet in der Nacht mit allen Sachen die man nicht äh das war

[1:18:24] kein schlecht- das war ein prima äh äh Ho- Spital aber es sind Sachen braucht man nicht Schwester sein ja jemanden zu äh Kinder zu wickeln oder einen Mann äh auszutauschen das dieses und da haben sie weniger sie hatten keine Schwestern in Englisch und

[1:18:39] alle wir mussten Englisch können weil die ganzen Patienten waren englisch äh Engländer aber die Stunden waren auf   Portugiesisch und es kamen dort äh äh f- Mädels mit denen ich lange mich sogar besucht haben äh in Brasil- in äh Israel die geboren wurden

[1:18:59] die waren die haben Deutsch ge- gekannt die waren aus Deutschland mal zwei oder drei welche die geboren wurden in Israel schon vor vielen vielen Jahren wo schon die Großeltern waren und äh und bei d- und Englisch haben sie gelernt bei den äh als die englisch

[1:19:18] die Engländer waren in Brasil- in dieses in Brasi- in äh in Israel dann   und da haben sie waren vorher in Israel und dann waren sie in dieses jedenfalls sie waren in S- Sachen sie konnten Englisch   auch in (_) und deswegen sind mussten wir alle Englisch

[1:19:37] können   und Portugiesisch und da hab ich wirklich gut gemacht weil ich konnte Englisch s- konnte [atmet aus]   und so bin ich dort geworden hab bekommen meine Diplome und hab das bin nach Israel gekommen wo ich k-   durch Protektion einen Platz bekommen

[1:19:59] hab das muss ich sagen aber ich war eine gute Schwester sie haben mich behalten und sie haben mir immer Platz ge- äh   sie waren zufrieden dass ich gekommen bin aber mein Onkel hat das arrangiert dass ich sofort anfangen kann zu arbeiten

Teresa Schäfer

[1:20:12] wie kam es denn dazu dass Sie nach Israel gegangen sind ?

Eva Heilbrunn

[1:20:16] ich hab ihm gesagt schon in dieses de- V- äh Bruder von meiner   der Bruder von meiner Mutter die waren aus- die gan- die Familie von meiner Mutter war aus äh   der Slowakei und die haben gewartet bis ich auf die Welt kam 1931 und 32 sind sie ausgewandert

[1:20:41] und die haben auch die Großeltern rausgebracht   und die ha- auch die haben organisiert uns dass wir nach dort kommen nach äh   nach I- nach Israel kommen ich bin geko- deswegen war ich dort s-

Teresa Schäfer

[1:20:56] aber Sie sind ja alleine gefahren

Eva Heilbrunn

[1:20:59] warum ich alleine herkomm als äh Geschenk dass ich zu ge- zu Ende gemacht hab meine Schule   mein Vater hat gesagt »du kannst fahren nach Amerika oder du kannst fahren« nein nach Amerika sag ich »wo du willst« hat er zuerst gesagt das wo du willst war

[1:21:16] hab ich gesagt »gut dann fahr ich nach Amerika hab so viel gehört ich war w-« »nein nach Amerika kommst du nicht mehr zurück und ich will du sollst zurückkommen   fahr nach Israel von dort kommst du nicht zurück   g- das Essen musst du haben dieses was

[1:21:32] du kommst zurück hier hast du alles was du willst und du kommst in ein Land wo man arbeiten muss und wo man ich weiß nicht was« und dann hab ich wirklich ist mir was passiert was ich bis heute nicht weiß ich bin ausgestand- ausge- au- ich bin   au- ausgestiegen

[1:21:49] ich bin ausgestiegen von den Schiff mit dem Schiff natürlich ist man gekommen zuerst bin ich durch Italien gefahren und hab Italienisch besser gekonnt schon und alles herrlich alleine   ganz alleine   hab noch Briefe die ich geschrieben hab   und äh hab dem

[1:22:07] dem Papa geschrieben und der Teta geschrieben und Teta hat sich gesorgt hat jeden Tag mir hat sie mich hat sie mir gesch- einen Brief geschrieben damals hat man doch nicht so telefoniert oder so was und hat gefragt ob ich wie es mir geht und alles und da bin

[1:22:21] ich habe hab ich durch Italien hab noch gesehen Opern »La Tra-« ich erinner mich »La Traviata« hab ich gesehen und »Bohème« hab ich gesehen und Geld das hat mir mein Vater gegeben   und äh bin mit dem von dort bin ich nach Israel und bin dort runtergegangen

[1:22:43] vom Schiff und ich bin in Richtung gegangen wo meine Großeltern und meine Tante mich erwartet haben und am Weg hab ich gesagt hier bleib ich bis [betont:] heute kann ich das nicht verstehen ich weiß nicht wieso und bis heute versteh ich das nicht ich bin

[1:23:03] noch nicht d- ich bin nicht zurück   ich bin zurück nur um meine bin   bin nicht zurück   bin nicht zurückgekommen und zu meiner Hochzeit ist auch d- mein Vater nicht gekommen weil er sich so geärgert hat   aber meine T- meine Schwester ist gekommen  

[1:23:26] mit meiner Freundin und alles   so

Daniel Baranowski

[1:23:34] können wir an der Stelle eine kurze Pause machen ?

Eva Heilbrunn

[1:23:36] ja [Schnitt] hallo jetzt gehts weiter und

Daniel Baranowski

[1:23:40] jetzt sind wir in Bra- äh in

Eva Heilbrunn

[1:23:43] jetzt sind wir in B-

Daniel Baranowski

[1:23:45] in Israel

Eva Heilbrunn

[1:23:47] jetzt sind wir in Israel ja

Daniel Baranowski

[1:23:49] Sie sind also ähm eigentlich nur zu einem Urlaub äh nach Israel gekommen und nicht mehr zurückgekommen

Eva Heilbrunn

[1:23:52] [gleichzeitig:] gekommen und bin nicht mehr zurückgefahren und hab ja mein Vater war sehr böse und äh am Anfang hat er mir auch keine Briefe geschrieben aber dann hat er sich beruhigt ich bin genauso wie er ich tob zum Anfang und dann beruhig ich mich wir

[1:24:07] haben korrespondiert und er ist zweimal hier gewesen   mich besuchen einmal äh alleine und einmal mit äh seiner äh (weiß gar nicht) Freundin   und äh   und s- wir haben uns gut verstanden dann noch es war kein Problem es hat ihm sehr gut gefallen in

[1:24:33] Israel sehr gut   aber sie haben ihr Gepä- ich als ich da kam da hat man mir Gepä- äh geschickt Päckchen deswegen es war man hat nur essen können das heißt das Essen war reduzi- war reduziert war nur mit äh man hat bekommen vouchers solche

Teresa Schäfer

[1:24:54] mhm

Eva Heilbrunn

[1:24:56] und dann mit dem hat man gekauft und jeder hat so viel und so viel Brot essen können und so viel und so viel Milch trinken können und dieses und hat man uns geschickt gute Sachen was über- waren überhaupt nicht da waren überhaupt nicht da   das war

[1:25:12] die der A- der Anfang von die von Israel

Daniel Baranowski

[1:25:15] haben Sie dort als Krankenschwester dann weiter gearbeitet ?

Eva Heilbrunn

[1:25:20] ja ich hab sofort angefangen sofort als Krankenschwester man hat mich angenommen weil mein Onkel auch ein großen Teil von einen anderen Krankenhaus privaten Krankenhaus damals jetzt ist es nicht mehr privat äh äh   gemach- gemacht das heißt er war ein Teil

[1:25:42] in dem in diesem äh   Krankenhaus beteitigt beteiligt   ich glaub auch mit f- in Haifa g- auch mit vom geldlich- vom äh mit Geld und auch hat er dort gearbeitet   er war ein Frauendo- ein Frauenarzt und d- hat mit den Ärzten gesprochen und die haben außerdem

[1:26:10] haben sie nicht so viel wie damals waren auf der Station vier oder fünf Leute die fünf Schwestern die Deutsch gesprochen haben Emigranten aus ja aus äh Is- aus Deutschland und eine aus England und wirklich hab ich mich herrlich verstanden mit denen   äh

[1:26:35] jetzt nicht jetzt gibts das nicht mehr deswegen weil jetzt sind schon so viel Schwestern da so das heißt die gelernt haben in in äh   in Brasilien und alles jetzt muss man die Universität machen bis man d- bei mir war das noch nicht so   und äh habe angefangen

[1:26:55] zu arbeiten und hab mich sehr gut verstanden mit mit allen und hab gewohnt bei meinem Onkel bei dem Doktor Doktor Oppenheim ein herrliches Haus das bis heute steht und sein Enkel wohnt jetzt drinnen der auch Arzt ist in einem und eine gro- eine gute Stellung

[1:27:13] hat in einem b- noch ein äh Krankenhaus in Haifa das Haifa-Han- -Krankenhaus großes auch Krankenhaus   und mein Krankenhaus war ein äh war ein gef- von Amerikanern gefördertes   Krankenhaus deswegen hat man auch dort war mein Englisch sehr gut weil dort

[1:27:39] viele Leute äh Patienten gekommen sind die Englisch gesprochen haben also hat man mich auch jedes Mal geb- ge- uns ge- es war leichter   aber das ist alles vorbei alles beide ist jetzt in der beim Staat also das war mal und dort hab ich gewohnt bei meinem

[1:27:58] m- in diesem schönen Haus hab ich gehabt ein Zimmer und ein Badezimmer und alles steht bis jetzt das Haus wurde umgearbeitet vom vom noch vom Enkel

Teresa Schäfer

[1:28:09] und wann haben Sie Ihren Mann kennengelernt ?

Eva Heilbrunn

[1:28:15] ich hab meinen Mann kennengelernt in irgendwie bei irgendwas von Freunden kurz und wir haben nach einem Jahr haben wir geheiratet   und leider   ich hätte ihn auf jeden Fall geheiratet aber ich hab nicht gewusst und er hat auch nicht gewusst   oder hat er gewusst

[1:28:40] oder hat er nicht gewusst das weiß ich bis heute nicht aber er hat äh   Depression gehabt wie heißt das   er hatte eine Depression die immer wieder kam

Teresa Schäfer

[1:28:55] mhm

Eva Heilbrunn

[1:28:57] wie heißt das eine   no   wird mir einfallen   mal fröhlich und mal

Teresa Schäfer

[1:29:05] manisch depressiv

Eva Heilbrunn

[1:29:07] manisch ja   und das natürlich das wurde nach paar Jahren wird wurde das ist das an- hat das angetreten ist eingetreten auch mit den Militär und alles und dann f- fingen wir wirklich schwere Zeiten an aber   er hat das überstanden   leider wurde er dann krank

[1:29:32] herzkrank nein er hat gehabt herzkrank und auch äh hat ein irgendwie also was gehabt im Kopf aber das ging auch gut aber das hat ihn lange Zeit im   nicht im Bett aber in der Wohnung gehalten das war bevor die Kinder die bloß die Idit war da die Kleine noch

[1:29:55] nicht als er das den ersten Anfall bekommen hat von der   von der Depression no gut also gut dass ich alle haben gewusst »wieso hast du wie hat er gewusst eine Schwester zu heiraten« haben mich alle gefragt [lacht] und äh ich hab natürlich alles gemacht

[1:30:13] was ich konnte und das war wirklich gut deswegen ich w- Therapien und alles und nach äh einer Zeit immer hat er sich dann beruhigt und ist wieder zur Arbeit gegangen die wussten von nichts sonst hätten sie ihn nicht er wu- er war Chauffeur aber ich hab dafür

[1:30:32] gesorgt sonst mach ich solche Sachen nicht wenn man mich bezahlt aber wenn etwas ein Gesetz ist möcht ich nicht das Gesetz dieses aber hier war ich sicher vor mir selbst ich hab gewusst ganz genau wann er fahren kann und wann er nicht fahren kann deswegen

[1:30:49] hab ich gedacht ich will nicht unser ganzen Lebe- Leben wenn sie ihn äh von diesem das ist von den äh v- das war auch eine Stadtgemein- Staatsgemeinde wenn sie wenn er weg von von dort als äh   als Chauffeur da sind wir verloren weil wer wird ihn annehmen

[1:31:10] und das ging prima das ging herrlich ich hab ihn wenn ich gespürt hab was hat er hat er sich krank geschrieben und wir hatten einen Doktor wirklich ohne dass wir ihn gebeten hin- hat er ge- hat er immer hat er irgendwas für eine Krankheit ausge- dieses es

[1:31:25] war manchmal schrecklich schwer deswegen er hat manchmal äh bis zwanzig Kilo äh v- runtergegangen von seinen er war nie dick und auch so für die Kinder aber ich hab den Kindern gesagt die warn schon inzwischen groß und dann ist der Kleine geboren   und

[1:31:47] äh   der hat das der hat das überhaupt nicht mehr schon nicht mehr mitbekommen der hat schon die zweite Krankheit mitbekommen   die Herzkrankheit wo er im Spital gelegen ist und aber dann war er zu Hause und ich hab jemanden gehabt der sehr gut war und ich

[1:32:08] bin arbeiten gegangen er hat   er war war noch nicht in Pension aber er hat bekommen Geld man gibt wenn er krank ist dieses und er ist im B- zu Hause geblieben und ist auch zu Hause gestorben ich hab ihn nicht weggeschickt in Spitäler wo er alleine dann gelegen

[1:32:25] hat er war im Spital aber da waren wir immer war immer da meine Tochter ist aus äh Amerika gekommen damals die Gabi zurückgekommen deswegen weil ich hab gesagt ich kann nicht ich kann mit ich kann ihn nicht im Spital mit ihm sein weil ich arbeite ist sind

[1:32:43] sie glatt zurückgekommen und sie hat gearbeitet dann hier und dann und hat auf den Vater aufgepasst   und dann auch noch mein Sohn ist auch groß geworden da hat auch er äh weniger weil er im Militär war und dann auch seine Frau nicht so bes- hat gesagt

[1:33:06] das ist ansteckend   seit wann Herz ansteckend ist hab ich nicht gewusst aber vielleicht ich weiß aber wir haben uns gut arrangiert zusammen und äh  

[1:33:19] so hab ich gearbeitet ich hab auch weiter gearbeitet hab auf Pension gegangen bin hab ich gearbeitet äh für

[1:33:28] eine fromme Schule die haben mich angenommen privat und dort war ich auch sehr zufrieden   bis sie auch bis ich aufgehört hab äh w- und die waren sehr t- äh sehr traurig aber die Gemeinde hat nicht die Gemeinde fromme überhaupt man hat in dieser Schule

[1:33:46] auf äh in allen Schulen aufgehört die Schwestern   dort hab ich in der Schwesternschule gearbeitet paar Jahre paar gute Jahre und war trotzdem die fromm waren und alle sie haben mich angenommen ich hab auch gemacht was sie wollten zuerst hab ich mit einem

[1:34:00] Arzt von dort gearbeitet privat und ich hab in einem zw- Viertel wo nur Fromme waren aber ich hab mir gedacht zum Beispiel ich hab Sachen nicht weiter gemacht so wie kurze Ärmel das hab ich nicht ma- aber ich hab keine Hosen getragen ich hab Röcke getragen

[1:34:17] warum soll ich das sind Sachen die man machen kann was ich nicht verst- von den frommen Leuten versteh dass sie auf andere Leute raufgeben so- ich war dort und die die haben mich geliebt und sie haben mich nach Haus zum Anfang haben sie geschaut keine langen

[1:34:32] Kleider und mit dieses aber sie haben das in sie haben gesehen dass ich nicht nix mach um ihnen ich war dort sehr wichtig deswegen er war w- ein Mann und es sind Frauen gekommen mit Kindern man musste ihnen helfen die mit den Kindern also sie haben ich war

[1:34:50] dort beliebt und hab dort sehr gern gearbeitet bis sie bis man das aufgehört hat die haben mir nach Hause geschrieben sie haben mir ein Geschenk gegeben zum Schluss und sie haben geweint dass ich weggefahre- und dass ich weg bin   weil wirklich ich hab sie

[1:35:06] ich hab nix gegen fromme Me- ich hab gegen nix gegen Menschen die mir nicht was aufladen wenn was sie sind das ist egal deswegen   ärgern mich solche Sachen schrecklich und äh ja und dann bin ich in der Sch- dort das war ich in der Schule   aber dann hat man

[1:35:27] aufgehört hab ich auch aufgehört ich war ein bisschen in der Krankenkasse haben sie mich auch aufgenommen zu arbeiten zum Arbeiten und dann hab ich aufgehört   konnt nicht mehr (__) nach den dieses   aber es war sehr schön ich hab lang gearbeitet   lang  

[1:35:46] ich hätte noch weiter gearbeitet aber   ich hab ein Jahr zu m- es gibt es gibt irgendwo bei dem ich arbeite für die in diese Spital ist vom äh von der Stadt   Stadt-Spital geworden also   ein Teil von dem   seitdem der äh das war ein äh   ein Deutscher der

[1:36:12] bezahlt hat ein Deutsch- sehr reich- reicher Men- Mensch und den haben sie   er war nicht zufrieden ich weiß nicht oder etwas mit Geld   bestimmt haben sie gestohlen ein bissel ich weiß auf jedenfalls das hat er aufgehört und der Staat hat das beko- den dieses

Daniel Baranowski

[1:36:29] aber Sie arbeiten heute auf freiwilliger Basis immer noch

Eva Heilbrunn

[1:36:34] [gleichzeitig:] ich arbeite heute heute   ja aber das ist keine Arbeit das ist dort dort geh ich hin früh und äh helf ihnen helf ihnen bei Sachen die nix zu tun zum Beispiel jetzt jetzt macht man einen großen Änderung in der Station von Kindern da hat man

[1:36:49] alle im Keller gebracht der vorbereitet ist für wenn Krieg ist das ist ein Zimmer dort ein Zimmer dort ein Zimmer hinten ein Zimmer vorne und wahnsinnig viel zu gehen und auch wenige Betten in jedem Zimmer haben sie konnten sie einstellen das ist für ein

[1:37:07] dreiviertel Jahr zum Beispiel ich geb das als Beispiel da hab ich gesagt was werd ich da machen haben sie gesagt etwas was ich hasse aber   zu arbei- f- ich will ihnen helfen am Telefon sein deswegen weil ein rufen jemanden von dort und jemanden von dort Ärzte

[1:37:26] und die kommen und ich muss zurückgehen und muss ihnen sagen also »das müssen Sie machen wenn der Doktor wenn jemand bei das dann müssen Sie rennen von dort und dann erst rennen den Leuten sagen was wer zum Telefon kommt« hab ich gesagt »gut das tu ich

[1:37:44] einmal in der Woche schrecklich aber ich tue es« und helfe ihnen auch ich helf das dort hinbringen und die Kinder halten oder so was Ähnliches   ich darf nix machen was mit äh äh zum Beispiel ich darf keine Spritzen geben oder irgendwa- das ist sehr gut

[1:37:59] deswegen weil es ist alles anders jetzt von den Zeiten wo ich noch gearbeitet ist und außerdem ich ka- kann zu di- Medikamente ich kann mich irren mit 81 ich kann mich irren Gott behüte

Daniel Baranowski

[1:38:11] ähm   haben Sie ich weiß nicht ob Sie das vor der Pause schon erwähnt haben und ich das nicht äh

Eva Heilbrunn

[1:38:20] ja

Daniel Baranowski

[1:38:22] richtig mitbekommen hab oder nicht gut zugehört hab haben Sie in der Zeit seitdem Sie in Israel sind dann Teta noch mal gesehen ?

Eva Heilbrunn

[1:38:27] ja ! natürlich   Teta ist gekommen zu meiner zum zu der Geburt von der Idit meiner großen Tochter hat sie den ganzen Weg das waren keine F- mitn Schiff gemacht und ist sie gekommen um zu sein mit mir auch in der Schwangerschaft weil ich sollte liegen sie hat

[1:38:48] gehört ich soll liegen hat sie gesagt es gibt so was nicht was heißt liegen   man liegt nicht   sie ist hergekommen und   hat gesagt »du musst dich ausruhen der Doktor hat Recht aber es kommt nicht in Frage dass du den ganzen Tag liegst« und ich bin aufgestanden

[1:39:03] schön und sie hat m- ist mit mir spazieren gegangen ganz wenig drei ich weiß fünf Minuten dann zehn Minuten und dieses hat gesagt »glaub mir ich weiß was ich tu« und außerdem ich hab ge- fast ich hab bloß zuge- die ich hab fast nix zugenommen ich hab

[1:39:20] zugenommen nur ich weiß fünf Kilo oder so was nicht wie andere w- dann be- als ich mein ich hab neunzig Jahr ein neunzig Kilo gewogen als ich mit meinem Sohn schwanger war da hab ich alles gegessen nein man isst nicht alles   man isst alles aber man kann

[1:39:38] sich zurückhalten also sie ist geblieben bis zur Geburt und die halbe Schwangerschaft und war da bei der Geburt hat das Kind und wo- sie wollte bei mir bleiben das hat ihr sehr gut gefallen und so was heißt sie hat auch bei anderen schon gearbeitet deswegen

[1:39:52] weil sie haben gehört so eine Schwester es gibt es gibt Menschen und aber dann hat meine Schwester angerufen dass sie schwanger ist da hat sie gesagt »ich fahr jetzt zu ihr und komm zu dir zurück« aber sie ist nicht zurückgekommen deswegen weil sie hat

[1:40:07] einen Tod gehabt es war schrecklich schwer für mich außerdem wir haben uns auch sie war böse auf sie hat mich mehrere Male hat sie hat sie geschrien auf mich sie hat uns nie geschlagen weil die hat gesagt man schlägt Kinder nicht und nicht mal wenn man

[1:40:25] ein klei- auf die Hand   nie   aber sie hat uns äh sie hat uns zum Beispiel wenn ich nicht gegessen hab Spinat ich ess bis heut keinen Spinat musste ich essen den Spinat weil der i- der ist gut und den muss man essen und wenn du das jetzt nicht isst dann wirst

[1:40:44] du das Abendessen das und das hat sie gemacht also hab ich schon gegessen als wir in Kin- sch- wir haben gegessen alles was sie dieses aber wir haben gegessen hatten wir haben mit zwei oder drei Jahren gegessen mit   wie Gentlemen man nimmt nix ins ins so in

[1:41:01] die Hand und wir waren mal in Zakopane Zakopane war der T- war in war in Polen ein ein eine Stadt wo man äh Ski gelaufen ist ich bin Ski gelaufen schon mein Vater war ein äh er hat er hat äh ist geschwommen war sogar bei der letzten äh in Königsberg ja

[1:41:24] der war der letzte äh als die letzte   der der wie sagt man das   was ist jetzt im äh in in London

Teresa Schäfer

[1:41:35] Olympiade

Daniel Baranowski

[1:41:37] [gleichzeitig:] Olympiade

Eva Heilbrunn

[1:41:39] Olympiade ich werd verrückt werden mit dem aber ich kann nix dafür machen und je sch- je mehr ich mich aufreg dass ich das Wort nicht weiß desto schlimmer wird es also frag ich euch und ich bitte um Entschuldigung also die Olympiade da war der Hitler dabei  

[1:41:53] und er hat gewonnen im Schwimmen das war sein -e eine große Sache für ihn es war auch hat auch gegründet die Makkabi in Bielitz   und er hat ihn ihn die Hand geschüttelt und dann hat man ihm gesagt dass das ein Jüden- Judenkind war und er hat soll getobt

[1:42:13] haben wie ein Verrückter aber und man hat ihn dann rausgeschmissen aus der Schule weil er gegangen ist und also es war schon es war schon er war schon groß und dann hat man ihn weggeschickt nach Israel aber er hat gewonnen einen einen irgendwas für ein

[1:42:32] Schwimmen

Teresa Schäfer

[1:42:34] wer war das

Eva Heilbrunn

[1:42:36] mein V- mein Vater

Teresa Schäfer

[1:42:38] Ihr Vater ?

Eva Heilbrunn

[1:42:40] ja und das er hat nie vers- auch als er nach Israel kam dann mich besuchen da hat man mir eine Feier gemacht in Tel Aviv man hat alle Schwimmer und alle v- alle Leute die einge- die hier sind hat man zusammen vom ganzen Land und hat eine riesige F- äh gemacht

[1:42:55] eine Begrüßung nicht Begrüßung man hat ihn eingeladen nach Tel Aviv er hat davon nix gewusst er hat gewusst paar Freunde die kamen gl- schon nach Haifa zum aber dann hat man gesagt dass ist jemand in Haifa der kann nicht kommen und er ist gekommen in einen

[1:43:09] Saal   was heißt voll Leute alle haben sich an ihn erinnert deswegen er war mit der Ma- er war der Makkabi von von äh äh Bielitz und dort und natürlich hab ich sind wir auch Ski gefahren und dann sind gefahren nach Zakopane und das war so ein für feine

[1:43:28] Leute Geld hats nicht gefehlt bei uns und als wir dort waren haben wir so schön gegessen war ich ich war drei vier Jahre alt mit Messer und Gabel und es kommt ein Mann zu Teta und sagt ihn »ich hab Sie ich hab Sie gesehen und ich seh wie die Kinder essen

[1:43:46] ich bin ein von irgendwas in Deutschland« etwas ein ho- »von von von von und ich gib Ihnen alle Gelder die Sie die Sie wollen wenn Sie v- die Familie verlassen und zu uns kommen und Sie kriegen viel Geld« hat gesagt »nein danke   danke fürs Kompliment

[1:44:07] aber ich bleib hier« alle haben das gehört [lacht] sie ist mit uns geblieben auch des dort hab ich auch mir ich bin hingefallen und hab eine Narbe hier mit den Fuß nix geschehen es wurde genäht und   und dort hab ich gelernt dort sind wir   Ski gefahren

[1:44:25] in Bielitz sind wir Ski gefahren dort waren auch Berge und äh   und dort hat er wa- ist weitergefahren dort ist er weiter- geschwommen ist er auch in mein Vater hat geschwommen dann  

[1:44:46] und so das   und so war ja und dann hab ich   meine Kinder sind geboren

[1:44:53] und äh   ich bin in Israel gewesen und ich hab dort gearbeitet und möchte niemals mehr in einem anderen Land leben wollen trotzdem ich es schrecklich gern fahr überall wo ich kann nur aber das was anderes als zu leben   noch was ?

Daniel Baranowski

[1:45:14] ähm Sie haben mitgebracht die ähm äh Urkunde von Yad Vashem für für Teta können Sie dazu was erzählen wie es dazu gekommen ist

Eva Heilbrunn

[1:45:26] [gleichzeitig:] ja ja ja   das kann ich gern es waren äh die Teta ach ich hab angefangen von den ja denn ich will noch den Tod von der Teta sprechen weil der ist ganz was Besonderes Teta hat gearbeitet und bis zu bis zu ihrem Tod deswegen weil sie hat mit

[1:45:39] kleinen Kindern mit f- Säuglingen und in Brasilien haben kei- jug- waren [betont:] sehr sehr sehr sehr reiche Juden und die konnten nicht genug tun damit sie zu den Babys zu ihnen kommt also hat sie gearbeitet und hat auch Geld gehabt und äh   sie hat

[1:46:00] äh   und sie hat auch Geld gehabt ja und eines schönes Tages nachdem auch das Baby von Gabi geboren worden ist und sie wieder gearbeitet hat ist sie mit einer Freundin ins äh ins Kino gegangen und dort war ein ein lustiger Film und sie haben sich sehr gut

[1:46:18] amüsiert und   dort äh zur Pause haben sie noch Kaffee getrunken dann sind sie haben sie sich hingesetzt haben weiter gelacht und eines sch- etwas sie wol- die Freundin wo- will ihr etwas zuflüstern oder sie was fragen und sie ist mit gestorben mit einem

[1:46:36] Lächeln im Gesicht und sie war tot hat sie gesessen   im und gelacht das heißt noch gelacht mit dem mit dem Gesicht   und das war ihr Tod   und wenn es einen Gott gibt   ist w- war das einzige Mal wo er etwas Gutes getan hat meiner Ansicht nach   deswegen wenn  

[1:47:02] wenn er wenn es einen Gott gäbe möchten nicht alle diese Kinder die ich gesehen hab   nach v- abgeholt werden um zu fahren um nach Auschwitz zu kommen und sie zu morden   und natürlich bin ich dann sofort gegangen nach dem Krieg zu Ende und Israel und sie

[1:47:26] gebaut haben und eingeweiht haben den Yad Vashem bin ich gegangen und hab dort erzählt die Geschichte   da hat man mir gesagt »du warst ein Kind und wir können das nicht annehmen«   ich hab nicht locker gelassen und äh das hat Geld gekostet hab ich gesagt

[1:47:44] ich hab das G- das ist kein Problem aber da haben sie mich zu noch jemanden geschickt und noch zu jemanden geschickt und dann wurden sie sich einig das kommt nicht in Frage   da bin ich eingestiegen und hab g- ich hab einen einen Cousin   ein der in Brasilien

[1:48:01] lebt der hatte auch gearbeitet mit dem Staat und das ist überhaupt auch der das ist der Sohn   das ist der Sohn von der äh Schwester die in Brasilien war und die uns zu uns kommen und der ist hier der ist zur Visite gekommen nach äh nach Israel und hat auch

[1:48:24] beschlossen er kommt hierher und so ist das ist er ist auch zu einem g- Kibbuz gekommen aber der Kibbuz der war nicht s- das war nix für ihn deswegen weil er   ich weiß nicht so ein Gedächtnis und so was äh Schlaues ich will nicht sagen Gutes Schlaues gibts

[1:48:40] nicht noch auf einer Welt und so war es auch mit den ihm hab ich geschrieben Jochanan heißt er hier   und hab ich gesagt »du musst etwas machen« sagt er » (_) es ist ein Vergnügen für mich« und er hat angefangen zu schreiben und zu telefonieren sie haben

[1:49:03] sich 150000 Mal beschuld- äh entschuldigt d- es hat mich fremde Leute die im Staat sch- äh arbeiten haben mich angerufen und haben gesagt dass »nein das ist schlecht organisiert gewesen und alles« alles was ich ich hab bekommen das und auch sie existiert

[1:49:21] dort und   das einzige was sie mir nicht gegeben haben war eine Medaille deswegen das war schon längst nachdem und diese hab ich gesagt für eine Medaille werd ich mich nicht hinstellen aber sie haben das gebra- das und ich haben Sies d- äh fotografiert ?

Daniel Baranowski

[1:49:39] vielleicht zeigen Sies noch mal in die Kamera

Eva Heilbrunn

[1:49:41] ja fotografiert und das möchte ich wollen dass das da irgendwo aufgeste- irgendwo vielleicht wenn es reinkommt ein irgendwas das hier Leute wissen da- was sie war

Daniel Baranowski

[1:49:53] vielleicht zeigen Sie es noch mal in die Kamera das ähm jetzt

Eva Heilbrunn

[1:49:55] ja natürlich ich hab ja   das ist ein Diplom honorary Diplom für die was sie für uns gemacht haben [zeigt die Urkunde] weil wegen wir sind   äh kann man sa- man hört mich auch ? ja ? weil was sie für uns geleistet hat das nicht jeder hätte geleistet erstens

[1:50:17] mal nehmen Kinder und sagen dass wir von falscher Ehe zweitens uns durchkriegen durch den Krieg äh w- wirklich und dann weiter bei uns bleiben in in äh in allen Ländern wo wir waren   wir waren nicht so viel in Stockholm und in äh Brasilien und schwer arbeiten

[1:50:40] damit wir Geld haben und damit wirs überleben   ich hab keine Worte deswegen ich fang an ich fang gleich an zu a- es tut mir wahnsinnig Leid dass sie gestorben ist aber der Tod der hat mi- der hat mir was ge-   äh ich war froh dass sie so gestorben hat sie

[1:51:00] hat nicht gelitten keine Krankheit und wenn ich jetzt sehe als Schwester seh ich Kinder und Leute sterben unter schrecklichen Sachen und sind dann doch noch zwei Jahre noch drei Jahre das hat das wenigstens deswegen sag ich vielleicht gibts doch etwas   was

[1:51:16] ihr das geteilt hat oder   war das ein irgendwie   zehu kann ichs runternehmen ?

Daniel Baranowski

[1:51:25] mhm ja

Eva Heilbrunn

[1:51:27] ja

Daniel Baranowski

[1:51:29] vielleicht können Sie jetzt noch mal eben die Bilder die Sie haben ja noch ein paar Bilder von Teta auch

Eva Heilbrunn

[1:51:34] ja

Daniel Baranowski

[1:51:36] und noch einige andere die können wir ja sonst auch direkt dann gemeinsam zeigen

Eva Heilbrunn

[1:51:39] ja [sucht] ich hab so einen auch mit meinem   Neffen   alles kann ich Ihnen schicken wenn Sie wollen können Sie das noch zugeben nein ?   ja ? [zeigt Fotos] das sind wir   angezogen von der Teta immer elegant und so haben wir uns die Hände gehalten   sind wir spazieren

[1:52:04] gegangen und ich hab lesen gelernt wirklich   dann   das ist die Teta und eine Freundin von mir aus äh Bielitz die jetzt auch in Israel wohnt   das ist mein Vater nach dem Krieg in Brasilien   ich zitter bemet   und das ist die Familie im Kibbuz als

[1:52:43] wir meine Toch- meine erste Tochter äh also von der rechten Seite ist das die eine Tochter die zweite Tochter ist das mein Mann ?

Teresa Schäfer

[1:52:54] mhm

Daniel Baranowski

[1:52:56] mhm

Eva Heilbrunn

[1:52:58] mein Mann

Daniel Baranowski

[1:53:00] Sie

Eva Heilbrunn

[1:53:02] ich   äh   da ist der Mann von meiner Tochter nicht darf ichs umdrehen

Teresa Schäfer

[1:53:05] nein (__)

Eva Heilbrunn

[1:53:07] nein das ist mein Sohn und das bin ich

Daniel Baranowski

[1:53:09] Sie haben noch jemanden im Arm

Eva Heilbrunn

[1:53:11] ah ja das ist die das erste Baby von äh v- von meinem Sohn nein   das ist das Baby von meinem Sohn ja das war schon später   wir hab schon früher hab ich Enkeln so das und das ist die Teta   wenn sie ernst war   so sonst hab ich nix glaub ich   mein Mann

[1:53:40] den hab ich ?

Teresa Schäfer

[1:53:42] mhm

Eva Heilbrunn

[1:53:44] hab ich schon gehabt nein ?

Daniel Baranowski

[1:53:46] ich glaube wohl weiß es nicht

Teresa Schäfer

[1:53:48] nein

Eva Heilbrunn

[1:53:50] das ist mein Mann

Teresa Schäfer

[1:53:52] wie hieß denn Ihr Mann ?

Eva Heilbrunn

[1:53:54] Gershon Gerhard und er war in der englischen in der im englischen Militär und er war im israelischen Militär wirklich und war immer an der Front und auch als man dann äh nur gefahren ist um Leitungen zu und da war doch eine große Unruhe Leitungen für

[1:54:08] Wasser und für alles n- nachdem wir die bekommen haben dieses Israel nachdem sich Israel genommen hat und da war er in Lebensgefahr jeden Tag er war oft wochenlang nicht das heißt er war jede Woche am Samstag Sonntag sind sie nach Haus gekommen und äh  

[1:54:27] aber sonst war er die ganze Zeit im Militär   und da ist ein Hund eine von den Hunden die wir gehabt haben und den haben wir schrecklich geliebt und der ist auf einen eines schönes Tages verschwunden und das ist das Ende  

[1:54:46] so noch welche Fragen wenn Sie haben

[1:54:50] bin ich gern bereit zu antworten   mein Leben jetzt in Brasilien ? (Israel)

Daniel Baranowski

[1:54:56] ähm   ich würde gerne noch fragen ähm wann bei Ihnen oder ob es so einen Moment gab in Brasilien oder in Israel wo Ihnen klar geworden ist was Sie überlebt haben eigentlich ähm also ich weiß nicht wie die Informationen in Brasilien kurz nach dem Krieg

[1:55:15] waren über den Holocaust ähm also gab es so einen Moment wo Sie für sich gemerkt haben ähm

Eva Heilbrunn

[1:55:22] [gleichzeitig:] nein   nein erst als ich   Kinder hatte   auch nicht am Anfang   zwar ich hab die ganze Zeit ich hab im T- dann war Television schon hab ich angefangen Tele- ich konnte nie Television ich kann ich bis heute nicht sehen wenn man Kinder abführt

[1:55:39] oder irgendwas bin ich wenn ich nur sprech davon   und   als die Kinder geboren nicht aber später mussten sie musste ich auch mich einweihen in die ganze Sache deswegen weil sie mussten ja schreiben sie mussten eine Arbeit machen jedes Kind bis heute muss

[1:56:02] eine Arbeit machen über Holocaust   wenn sie Eltern haben im Holocaust   damit die anderen Kinder hören und das eine große Arbeit das nicht dass man schreiben kann sie war da und da und da und s- alles und da hab ich mich da bin ich auch in Therapie gegangen

[1:56:23] weil ich konnte es nicht hören und ich konnte aber ich habs gehört und ich hab Television gesehen und alles   und äh   ich konnte aber nicht sprech- ich konnte das nicht aussprechen und da hat die Idit einen meine große Tochter dass ihr er war der   der Sohn

[1:56:39] der jetzt gehei- der geheiratet hat vor kurzem und der es musste schreiben und sie hat auch nix gewusst weil ich den Kindern auch nicht aber sie ist gegangen in einen Kurs   und hat für Kinder nicht für Kinder für Jugend hat man gemacht in Haifa   und betach

[1:56:58] bes- bestimmt auch in den anderen dieses dort ist sie gegangen und hat auch gehört aber sie hat nicht gewusst was wie und wo   und da war das erste Mal   dass ich mich zusammengenommen hab und gesprochen hab   und da ist ein   ein P-   war ein Pech   deswegen weil

[1:57:23] die die haben das aufgenommen irgendwo auf Platten oder ich weiß nicht was die Kinder auch   und   das hatte ich alles   aber   dann da- als der Gershon so krank war hab ich dann or- hab ich dann gehabt einen Mann   einen Israeli und der hat aufgepasst er war

[1:57:46] ein guter   er war gut aber er war   schrecklich eingebildet und er wollte immer mehr Geld und ich hab ihm nicht gegeben und dann hab ich ihn hab ich ihn abgesetzt und da hat er erstens Mal mein Schmu- mein Schmuck mitgenommen und zweitens auch diese Platte

[1:58:05] aber d- der Junge hatte alles aufgeschrieben mein mein Enkel deswegen er musste das und dann hab ich mich erinnert dann hab ich auch ge- wieder Television gesehen und hab mich an alles wieder erinnert ja das war die Epoche wo ich schrecklich schrecklich war

[1:58:23] aber ich hab ihn es hat sich nicht viel geändert   ich kann ich kann keinen Film sehen   ich geh auch nicht und wenn ich geh geh ich raus   was andere nicht ist andere sehen ich ich kann es nicht ich kann es nicht vertragen dass man Menschen so   ich kann es

[1:58:45] nicht ver- auch hier hatte ich jetzt Schwierigkeiten [bewegt] mit dem mit der Gruppe aber gut ich bin einfach ich   ich geh auch nicht zu Filmen und alle   nicht dass sie mich auslachen aber es ist niemand kann mich verstehen   so noch was ?   bevor ich

[1:59:11] meine   die ah die ist bei Ihnen die Tasche ? oder eine

Daniel Baranowski

[1:59:15] nein die steht neben da

Eva Heilbrunn

[1:59:17] ah da ist sie ja

Daniel Baranowski

[1:59:19] hast du noch ne Frage ?

Eva Heilbrunn

[1:59:22] ich weine viel das ist wahr   und Erinnerungen gibts die ganze Zeit   aber sie st- wenn ich ehrlich sein will sie stören mich nicht in meinem jetzigen in dem Leben das ich leb das heißt ich bin in Ordnung den ganzen Tag und dieses und manchmal wenn ich wein

[1:59:45] da wein ich mich aus und äh [sucht in ihrer Handtasche]

Teresa Schäfer

[1:59:48] da vorne

Eva Heilbrunn

[1:59:51] ja

Daniel Baranowski

[1:59:53] ja sie haben schon Sie haben ja schon in dem Telefonat was wir vor längerer Zeit schon geführt haben auch gesagt dass Sie dass das für Sie dazugehört   dass Sie manchmal weinen müssen und dass es einfach dazugehört dass es nicht schlimm ist in dem Sinn

Eva Heilbrunn

[2:00:08] [putzt sich die Nase] und die gan-   ich   es nein es ist nicht schlimm ich ich leb mein Leben weiter aber wenn ich wenn es kommt jetzt zu natürlich auf das ruht sie meine Schwe- meine Tochter s-

Teresa Schäfer

[2:00:19] vorne

Eva Heilbrunn

[2:00:21] das macht sie wahnsinnig ich schmei- und   das ist eine Sache die ich ge- in der Schweiz gef- äh ich hab meine sch- irgendwo vergessen hab ich das gefunden und das hat der Hans mir gefunden da hab ich nicht das Herz es wegzuschmeißen aber jetzt hab ich   hab

[2:00:37] ich gesagt jetzt schmeiß ich was ihnen gemacht mit Recht so viel hab ich   so hier ist es [holt Taschentücher aus der Tasche]   aber dass ich so viel wein ist davon ist nur von diesen Sachen von dem das ist hundertprozentig sicher   ich kann keinen  

[2:00:59] kein Hund sehen der dem man nicht Essen gibt und s- es ist schrecklich [putzt sich die Nase] sonst im alltäglichen Leben bin ich in Ordnung und außerdem wein ich ein bissel es schiedet schadet niemandem  

Daniel Baranowski

[2:01:18] wollen Sie ähm zum Schluss des Interviews noch irgendetwas sagen ?

Eva Heilbrunn

[2:01:26] ja ich will sagen dass ich es für großartig finde dass man hier die Jugend   wenigstens aufmerksam macht was überhaupt geschehen ist   weil die Welt ist groß und äh das wird vorbeigehen   das heißt wenn wenn man die nicht immer neue Leute ihnen das vorhält

[2:01:50] und dass sie eine Ahnung haben was da passiert ist das ist nicht kann in anderen Ländern genauso k- für eine andere Gruppe von Leuten vorkommen wo schon jetzt vorkommt mit in Syrien und in ganzen Ländern   dass sie weglaufen weil sie nicht sind für einen

[2:02:08] besonderen Person oder dass sie nicht sind für eine besondere Religion oder irgendwas dass man Menschen sein lassen soll was sie sind weil das ja einen anderen Menschen nicht äh nicht beschädigt   und deswegen will ich auch jetzt ich will unbedingt auch

[2:02:30] mit den   etwas machen damit äh bei uns wird auch gemacht ich kann nicht sagen dass nicht es sind t- fa- es sind Tage wo wirklich und man bleibt Autos bleiben stehen und alles aber man müsste mehr von den Kindern verlangen   sie wissen nicht genug was passiert

[2:02:55] ist meiner Ansicht nach weil alle da no gut das wird nicht mehr passieren wir haben unser eigenes Land   ich bin nicht so sicher wenn man weiß nicht was was in unserem Land noch passiert   deswegen ist das nicht sicher und ich weiß nicht auch dadurch vorher

[2:03:14] musste man die Kinder mussten das war w- das war in Ordnung Kinder mussten z- ge- müssen irgendwas machen dass sie selber Geld haben zu fahren eine gewisse Menge und dann die Eltern haben dann zugezahlt ich weiß nicht wie es jetzt ist es muss man wirklich

[2:03:32] die Idit fragen wie m- wie jetzt die sch- ob jetzt die Fahrten überhaupt noch existieren deswegen ist kein Geld da und es kein dieses da   aber   und äh ich hab gar nichts dagegen dass man die Kinder zwingt   das heißt nicht zwingt man sagt »da musst

[2:03:52] du hingehen   das gehört zum zu das gehört dass man weiß« deswegen Kinder wissen vielleicht später wenn sie größer sind kommen sie zu sich und werden verstehen was da alles passiert ist   ich weiß nicht vielleicht die ich hab nicht den   den Eindruck  

[2:04:15] dass zum Beispiel so was was hier ist das gibts nicht   ich weiß war nicht dort im Yad Vashem ich weiß nicht was dort ist aber heute werd ich jetzt werd ich gehen jetzt hab ich   hier gene- jetzt werd ich gehen   und werd danach werd ich sagen was der Unterschied

[2:04:35] war und was äh   was gut wär  

Daniel Baranowski

[2:04:40] also wir bedanken uns dass Sie sehr kurzfristig ja auch wirklich

Eva Heilbrunn

[2:04:47] ich danke   ja und ich danke Ihnen dass Sie Geduld hatten ich hatte Wörter hab ich nicht gekannt und wenn ich aufgeregt bin da kann ich sie bestimmt nicht aber sonst ist gut dass ich   Deutsch ge- Deutsch gesprochen hab hat mir gut getan

Daniel Baranowski

[2:05:00] vielen Dank

Eva Heilbrunn

[2:05:02] und vielen Dank für Ihnen für Sie

Daniel Baranowski

[2:05:04] vielen Dank dass Sie das Interview gegeben haben

Teresa Schäfer

[2:05:04] vielen Dank

Eva Heilbrunn

[2:05:05] Danke

Datum Ort Text
ab 1931 Bielitz Umzug nach Bielitz
ab 1931 Wien Geburt als Tochter des Ehepaars Lerner
1938 - 1939 Bielitz Besuch einer Volksschule
ab 1939 Lemberg Flucht der Familie über Przemyśl nach Lemberg
ab 1942 Lemberg Fluchtversuch der Eltern
1942 - 1945 Polen getarnt als Tochter des nichtjüdischen Kindermädchens Teta auf der Flucht im Generalgouvernement
ab 1945 Kattowitz Kriegsende in Kattowitz
ab 1945 Kattowitz Wiedersehen mit dem Vater in Ochojetz
1945 - 1947 Bielitz Rückkehr nach Bielitz und Besuch einer polnischen Schule
ab 1947 São Paulo Auswanderung über Stockholm nach Brasilien
1947 - 1951 São Paulo Schulabschluss und Ausbildung zur Krankenschwester
ab 1951 Haifa Einwanderung nach Israel und Arbeit als Krankenschwester
ab 1997 Jerusalem Auszeichnung der Retterin Augusta Wilaszek als Gerechte unter den Völkern
Haifa Heirat und Familiengründung, Arbeit in einer Krankenschwesternschule und im Krankenhaus
Eva Heilbrunn wurde 1931 in Wien geboren. Ihre Eltern – eine Akademikerin, die eine Gymnastikschule für Kinder betrieb, und ein weltgewandter Teppichverkäufer – lebten zu der Zeit im schlesischen Bielitz, wo Eva Heilbrunn auch aufwuchs. Als sie ein Säugling war, stellten ihre Eltern die Krankenschwester Augusta Wilaszek ein. »Teta«, wie sie von der jungen Eva Heilbrunn genannt wurde, war bald fester Bestandteil der Familie Lerner. Eva Heilbrunn und ihre jüngere Schwester Tamara waren emotional sehr eng mit ihrem Kindermädchen verbunden. Auch Teta, die bereits langjährige Erfahrung in der Pflege von Kleinkindern besaß, hing sehr an ihren Zöglingen. Doch ihre Verwandten hatten wenig Verständnis dafür: Als Eva Heilbrunn Tetas Schwester nach dem Krieg besuchte, wollte diese sie nicht empfangen.
Die Familie Lerner führte einen liberal-jüdischen Haushalt, in dem jüdische Traditionen gepflegt wurden. Während der Verfolgung ließ Teta nicht zu, dass die Lerner-Schwestern getauft wurden, weil sie nicht wollte, dass sie ihre jüdische Identität verlieren.

Nach dem deutschen Einmarsch in Polen im September 1939 flohen die Lerners aus Bielitz nach Przemyśl. Nur die Großmutter entschied sich bald darauf, in ihren Heimatort zurückzukehren, weil sie glaubte, sie würde sich aufgrund ihres Alters nicht in Gefahr befinden. Wenige Tage später wurde sie jedoch ermordet.
Eva Heilbrunn und ihre Familie schafften es bis nach Lemberg, wo sie bis 1942 blieben. Nach der Besetzung von Lemberg durch die Wehrmacht beschloss das Ehepaar Lerner, mit einer Gruppe von Bekannten zu fliehen. Ihre Töchter vertrauten sie Teta an; es wurde vereinbart, dass sie sich alle in Tetas Heimatort Ochojetz, einem Stadtbezirk von Kattowitz, nach dem Krieg wiedertreffen würden. Auf der Flucht wurden Eva Heilbrunns Eltern jedoch verhaftet. Dem Vater gelang es mithilfe eines deutschen Polizisten aus dem Gefängnis zu entkommen; die Mutter blieb zurück und wurde vermutlich deportiert und ermordet.
Eva Heilbrunn, ihre Schwester und Teta mussten Lemberg bald darauf verlassen, nachdem sie von einem Nachbarn als Jüdinnen erkannt und erpresst worden waren. Als nächstes fuhren sie nach Krakau, wo Teta eine Anstellung als Haushälterin bei einem deutschen Offizier annahm. Die Schwestern Eva und Tamara waren als Tetas uneheliche Kinder getarnt und durften nur noch Deutsch sprechen. Während der zwei Monate dort half die zwölfjährige Eva Heilbrunn Teta gelegentlich bei Hausarbeiten. Aus Angst, entdeckt zu werden, verließ sie das Haus nicht – ihre Freizeit füllte sie mit Radiohören in ihrem Zimmer.
Nach weiteren Stationen im Generalgouvernement führte es Teta und die Lerner-Töchter zu Kriegsende nach Kattowitz, wo sie die Befreiung durch sowjetische Truppen erlebten. Die darauf folgenden Wochen waren von Chaos, Hunger und Angst vor Übergriffen auf die Zivilbevölkerung gekennzeichnet: Eva Heilbrunn musste die Strecke von Ochojetz nach Kattowitz zu Fuß bewältigen, um Essen zu besorgen, und oftmals musste sie sich verstecken, weil russische Soldaten Häuser in der Umgebung plünderten.

Nach dem Krieg kehrte ihr Vater aus der Lagerhaft zurück. Wie vor der Flucht vereinbart, kam er auf der Suche nach seinen Töchtern nach Ochojetz. Sie erkannten ihn zunächst nicht, da er ausgemergelt und erschöpft war. Über das im Lager Erlebte sprach er fast nie – auch nicht vom Schicksal der Mutter. Seine bruchstückhaften Erzählungen ergaben nur, dass er im Lager als Musiker eingesetzt wurde, was ihm vermutlich das Leben gerettet hatte.
Nachdem der Vater sich erholt hatte, zog er mit Eva, Tamara und Teta zurück nach Bielitz. Eva Heilbrunn besuchte dort zwei Jahre lang eine polnische Schule. Als jedoch klar wurde, dass das kommunistische Regime in Polen bald die Grenzen schließen würde, beschloss ihr Vater, die Auswanderung nicht länger aufzuschieben. Zusammen mit Teta fuhr er nach Schweden, während Eva und Tamara nachkommen sollten, sobald sie ihre Ausreisedokumente bekommen hatten. Die jungen Mädchen fuhren eigenständig nach Warschau, um ihre Pässe zu bekommen. Eva Heilbrunn verkaufte anschließend im Auftrag ihres Vaters das Familienhaus in Bielitz und reiste mit Tamara nach Stockholm.
Über Schweden wanderten die Lerners mit Teta nach Brasilien aus. Einige Verwandte waren bereits vor dem Krieg aus Polen nach São Paulo eingereist. Fritz Lerner wurde dort ein erfolgreicher Teppichverkäufer. Eva Heilbrunn lernte Portugiesisch und arbeitete gleichzeitig in einer Fabrik, um ihr Studium zu finanzieren. Nach dem Schulabschluss besuchte sie eine Krankenschwesternschule, in der die Unterrichtssprache Englisch war. Sie freundete sich mit vielen Kommilitoninnen an und sammelte bereits als Studentin sehr viel Berufserfahrung.
Zum Abschluss ihrer Krankenschwesternausbildung spendierte ihr der Vater eine Reise nach Israel, wo sie einen Onkel besuchen sollte. Bei der Ankunft in Israel wusste sie jedoch sofort, dass sie sich dort niederlassen wollte. Sie zog zunächst bei ihren Verwandten ein, bis sie sich selbstständig machen konnte. Ihr Onkel verhalf ihr zu einer Stelle in einem Krankenhaus in Haifa.
Bald darauf gründete Eva Heilbrunn eine Familie. Sie hatte drei Kinder mit ihrem Ehemann, den sie während seiner depressiven Schübe zu Hause pflegte. Als er im Alter am Herzen erkrankte, sorgte sie zusammen mit ihren Kindern bis zu seinem Tod für ihn.
Nach der Pensionierung als Krankenschwester arbeitete sie an einer Krankenschwesternschule für orthodoxe Mädchen in Haifa. Die Arbeit bereitete ihr viel Freude. Danach war sie kurzzeitig bei einer Krankenkasse tätig. Zum Zeitpunkt des Interviews arbeitete sie immer noch als Freiwillige im städtischen Krankenhaus in Haifa.

Als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, kam Teta aus Brasilien, um sie zu unterstützen. Teta starb einige Jahre später in São Paulo. Ihr friedlicher Tod war eine Erleichterung für Eva Heilbrunn, da es ihr wichtig war, dass Teta nicht hatte leiden müssen.
Nach Tetas Tod bemühte sie sich darum, sie bei Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern anerkennen zu lassen. Mit der Hilfe ihres Cousins konnte sie alle bürokratischen Hindernisse überwinden. Bald darauf wurde Augusta »Teta« Wilaszek für die Rettung von Eva Heilbrunn und ihrer Schwester Tamara geehrt.
Eva Heilbrunn begann sich erst mit ihrer Verfolgungsgeschichte zu befassen, als sie eigene Kinder hatte. Ein Psychologe half ihr dabei, Details aus ihrer Kindheit aus der Erinnerung hervorzurufen, zum Beispiel den Abschied von der Mutter vor ihrer Flucht. Trotzdem fühlte sie sich weiterhin missverstanden und war von großer Trauer erfüllt, wenn sie in die Vergangenheit blickte.
Die Aufklärung der Jugend über den Holocaust hatte für Eva Heilbrunn einen hohen Stellenwert. Nur durch die richtige Bildung war es ihrer Ansicht nach gewährleistet, dass sich ein solches Ereignis nicht wiederholen würde.