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Jakob Rikleris (*12.04.1925, Schmalleningken)

Signatur
01123/sdje/0025
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Leipzig, den 24. November 2010
Dauer
03:06:02
Interviewter
Jakob Rikleris
Interviewer
Gabriele Zürn , Ruth Preusse
Kamera, Licht und Ton
Daniel Hübner
Redaktion
Ruth Preusse
Transkription
Ruth Preusse

Der 1925 geborene Jakob Rikleris wuchs im litauischen Jurbarkas als jüngstes von fünf Kindern auf. Als die Wehrmacht 1941 einmarschierte, floh er mit dem Fahrrad Richtung Norden. An seine Heimatstadt und die während seiner Abwesenheit verübten Verbrechen zu erinnern, wurde zu seiner Lebensaufgabe. Denn während er, nachdem ihm sein Rad abgenommen und seine Stiefel geklaut worden waren, barfuß hunderte von Kilometern durch Litauen, Lettland und Russland zurücklegte, wurde die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Jurbarkas bei Massenerschießungen ermordet. Seinen Vater, Zahnarzt, überzeugter Zionist und großzügiger Spender öffentlicher Einrichtungen in der jüdisch geprägten Stadt, töteten die Mitglieder der SS-Einsatzgruppe Tilsit bei der zweiten großen »Aktion«, bald darauf auch zwei Schwestern. Nur sein älterer Bruder Ahron überlebte als Soldat und konnte Jakob Rikleris durch glückliche Zufälle 1942 in Kirow aufspüren, wo er von einer Pflegefamilie aufgenommen worden war. Gemeinsam gingen die Brüder für zwei Jahre nach Usbekistan und kehrten nach dem Krieg in das von Deutschen und Nachbarn geplünderte Elternhaus zurück. In späteren Jahren wurde Jakob Rikleris Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Memel und engagierte sich für die Errichtung von Gedenksteinen an den über 200 Tötungsorten in Litauen. Er war zum Zeitpunkt des Interviews 85 Jahre alt.

Vorkontakte

Vermittlung des Interviews durch Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), der Jakob Rikleris seit längerer Zeit kannte; ausführliches Vorgespräch am 22.11.2010, in dem es vor allem um mögliche sprachliche Probleme ging, da Jakob Rikleris sich im Deutschen unsicher fühlte

Bedingungen

in der Wohnung von Jakob Rikleris

Gruppensituation

zwei Interviewer, ein Kameramann (Daniel Hübner)

Unterbrechungen

fünf kurze Unterbrechungen und eine längere Pause

Protokoll

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

Gabriele Zürn

[0:00] heute ist der 24te November 2010 wir sind in Leipzig zu Gast bei Herrn Jakob Rikler mit dem wir heute ein Interview führen Herr Rikler spricht in seinem Alltag vor allem Russisch und Litauisch hat sich aber freundlicherweise bereit erklärt uns das Interview

[0:18] auf Deutsch und auf Jiddisch zu geben außer mir ich bin Gaby Zürn sind anwesend Ruth Oelze als Interviewerin und Daniel Hübner   der für die Technik zuständig ist wir alle drei arbeiten für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas für das

[0:34] Projekt äh »Sprechen trotz allem« [Schnitt]

Jakob Rikleris

[0:38] äh die Frau Zürn von Berlin hat mir schon vorgestellt dass ich will schon nicht meinen Name und Familie sagen ich   bin einstimmig zu sprechen in Deutsch (nach) aber [betont:] aber aber mein Deutsch ist sehr ein schwacher und ich bitte Entschuldigung   ich

[1:08] für zehn Jahre was ich zehnten Jahr w- bin ich schon in Deutschland hab ich schon gemusst lernen gut Deutsch sprechen aber aber mein äl- mein meine Jahren lassen schon nicht ich bin gekommen war ich 75 Jahre schon keine keine Kurs und keine Lehrern hab ich

[1:31] nicht bekommen   und mein Sprache ist sehr   nicht am besten ich verstehe alles aber [betont:] aber aber mein Wörterschatz ist sehr gering und ich vergesse schon alt ! nichts zu machen ich vergesse was ich will sagen die Wörter und so weiter   ich bin bereit

[2:01] zu erzählen   von ein Städtchen was ich bin geboren   das war ein Städtchen in Litauen ich bin ein bei Jidden sagt man ein Litwak Sie haben gehört dem Wort zu nicht äh das sind die Jidden von Litauen äh Weißrussland und auch von von von Nordpolen das

[2:39] was haben eigene Aussprache Litwakes und auch Litwaker (sinden)   in der Religion in Litauisch in der jüdische Rel- Judaism ein so ein ein ein   ein Teil was was hat groß- ein groß- ein großen äh Geschichte ein große Geschichte wir sind   äh bei uns in

[3:08] Litauen in Vilnius war der Genie Gaon wie man sagt das in Iwrit äh Eliyahu   und sein Lehre hat übergenommen ein großer Teil von Judentum   und jetzt auch in Deutschland in Berlin die jüdische Berlin d- Akademie die jüdische äh Jeschiwa auch mitn lernt

[3:35] auch dem   äh die Lehre de- der Liturgie von von jüdischen äh Gebet Litwakes dem li- litauischen Ge- äh äh   Jurbarkas das ist ein Städtchen jetzt heißt sie bei dem Grenez von Memelland von gewesenem   Deutschland   und das Memelland liegt bei der beim

[4:10] äh Fluss das ist schon richtige Fluss ein Strom ein großer äh Njemen in in Litauisch in in Nemunas in litau- in Jiddisch Njemen in Litauisch Nemunas und und in Deutsch ist das Memel und und   sie hat   ein kleines Städtchen aber sie war sehr ein jüdische

[4:34] Städtchen dort haben gewohnt vor dem Zweiten Weltkrieg bei bei von zweiehalb bis 3000 Juden von fünf- 6000 Anwohner das sind me- fünfzig Prozent waren Juden die ganze äh Stadt die Hauptstraßen der ganze Handel war in die jüdische Hände äh nicht nur

[5:05] der Handel der die Städtchen hat äh gehat dem   äh zum Städtchen hat gehört ein Fluss der der der äh der Strom die Memel Njemen es waren dort äh   beim Grenez sind die die waren viele Dampfers viele Schiffen was haben geführt äh aller- allerlei äh

[5:33] [gestikuliert; lacht]

Gabriele Zürn

[5:37] ausmachen ? [Schnitt] ist wunderbar wenn das drauf ist das macht gar nichts

Jakob Rikleris

[5:44] ja alle Waren die dortn gehen äh dortn m- äh   Floßen mit Holz war in äh in Memelgebiet in in in Stadt Memel und in bei Tilsit war ein Sta- Städtchen äh ein deutsches Städtchen Ragnit das im Ostpreußen was waren gehat Papierfabriken und durch Jurbarkas

[6:07] durch Jurburg wenn gehen alle alle Floßen von von Weißrussland von Litauen von ganz Litauen alle (liefen) sehen mitn mitn durchn Floß (wie ich sehe) durchn Fluss wie die Floßen äh äh gehen nach nach nach äh   Memel Rag- Ragnit und auch nach Königsberg

[6:31] äh   ein große Teil von die äh Inhaber von die Schiffen waren Jurbar- Jurbarkaser Jidden ich gedenk das sehr gut die die größte Dampfers es war »Präsident« so hats hat dort geheißen einer hat geheißen ein Dampfer war »Kestutis« und die alles (wie)

[6:57] waren die (__) sind waren Jurbarker Jurbarker Juden von die große Dampfers mh   die Städtchen war sehr in ein schönem Ort es war ein Tal   äh in von von Nordseite war ein Berg und es war ein Zusammenfluss von drei Flüssen äh Mituva Imsre so wurde der

[7:36] geheißen und der Njemen der der Memel äh   es war sehr schön das der Ort äh wir haben die die die Städtchen war schon äh beim deutschen Grenez Grenze und und und   und das hat schon bewirkt die die Häuser waren schon von Ziegel die Dächer mit Blech be-

[8:07] be- bedeckt oder mit mit äh rote Ziegel bedeckt nicht nicht so wie weiter in Litauen wo es war noch von von von Holz alles und und und Streu und so weiter bei uns war schon der der der der Aussehen von von von Städtchen und von die herumige Wälder und Felder

[8:29] war schon etwas wie ich sehe jetzt schon etwas ähnlich zu zu zu zu äh zu Westen zu Europa zu europäischem Westen   wir haben dort in in Städtchen gehabt sehr eine interessante äh   Synagoge sie war nur von Holz ge- ge- gebaut von   d- die hab ich (die

[9:07] __) Foto ist in in Berlin in in in dem Denkmal äh da dort dann äh und da er ist die die war sehr schöne geschnitzte äh   Sachen dort in in der der Aron Kodesch dort wo man halte- de- äh der Schrank wo man halt die Tora war von geschnitzt es war inmitten

[9:32] ein ein ein Platz wo man macht die die man lest man lest die Tora war geschnitzt und so weiter äh   der Hauptleben in in in (__) äh (wa-) das ist (_) Russisch entschuldigen Sie bitte [lacht] war äh aufm   Marktplatz wo sind gestanden die sch- die Synagoge

[10:00] und eine zweite Synagoge ein ein ziegelne Synagoge was mer hat äh jeder Tag wenn in ihr äh Gottedienst waren gangen und und   sie hat gehat drei Straßen Hauptstraßen eine war bein äh bei in der äh beim beim Strom beim beim Memel das war die Jatkewer Straße

[10:26] das heißt Jatke das ist Metzgersstraße da haben Metzgern am ersten gewohnt äh die Hauptstraße war Kaunostraße wo mein Vater hat die Haus gekauft und dortn gewohnt wo wir s- haben gewohnt und noch ein Straße Re- äh Raseiner oder Raseinių das heißt

[10:48] Rasein das war ja äh Kreisstadt von von Jurbarkas   äh Haupt- oder Kreisstadt Rasei- Raseiniai in Litauisch in Jiddisch ist das Ra- Rasein in der Raseiner Straße war es und oben auf dem Berg noch nach äh Norden dortn hatten wir schon nachm Zweiten Welt-

[11:11] nachm Ersten Weltkrieg haben schon Litwiner äh äh genommen Bauernha- -häuser dort haben sie verpflanzt den Park und an (__) gestellt waren geste- gebaut ein ein ein äh   Denkmal für den Fürst Vytautas Vitold oder Vytautas   äh die Juden   in Jurbarkas wie

[11:38] ich hab schon gesagt waren Händler es waren auch ja allerlei äh viele äh   [gestikuliert]

Gabriele Zürn

[11:49] Handwerker ?

Jakob Rikleris

[11:52] Handwerker ! oh richtig Handwerker sehr viele Handwerker (Hit- mer hat) (Hitler ge- ge-) Kürschner und und und und so weiter und so weiter und und und und es war sehr ein kultureller äh   traditioner Leben

[12:10] es waren äh äh   Schulen ein in in hebräische Schule

[12:20] war es ein Volksschule ein ein ein ein   kleine Schule bis vier Klassen und ein hebräische Gymnasium war es war äh ein jüdisch- jiddischistische das muss ich zumerst er- erzählen dass äh wie in ganzen Welt haben Juden auch nicht einig waren nicht einig

[12:41] in in unser Städtchen es waren zwei Stromen einer war ein hebräischer Strom zionistischer   Strom und einer ein jiddischistischer so haben sie angerufen das sind wenn die Schule die Schule war ein in Jiddisch nicht in Hebräisch in Jiddisch und es waren äh  

[13:06] Organisationen die jiddische ein Bibliothek ein jiddische und ein hebräische Bibliothek war es und ein jiddische Bibliothek in Jiddisch es war ein Sport- Sports- äh -vereinen Makkabi ein hebräische und JAK das ist JAK das ist äh JAK das ist so ähm wie

[13:33] hei- wie kann man das übersetzen JAK eine Sportve- Athletiksportverein Athletiksportverein ein jiddischer äh ich muss jetzt sagen dass die die jiddische Strömung von von Juden in in in Jurbarka- nee nicht nur in Jurbarkas aber auch in gast- in ganz Osteu-

[13:55] - europa äh sind   sind in mit der Zeit   dort haben ein großen ein großen Ein- Ein- Eindruck gehabt

Gabriele Zürn

[14:07] Einfluss ?

Jakob Rikleris

[14:09] Einfluss ! oh Einfluss gehabt äh [gestikuliert] die zone von von Osten stalinistische zone von Osten sehr viele Kommunisten   sie waren äh   sie haben äh sehr äh Einfluss gehat in Litauen in die kommunistische Partei in die unterirdische kommunistische Partei

[14:36] und sie waren wenn die in die vierzigsten Jahre wenn das die Sowjeten haben okkupiert   Litauen nach dem Abmach mit Deutschland mit von äh von 1939 waren sie haben sie gearbeitet in die äh Repressiv-Organisationen von Sowjetenverband und in in NKWD und in

[15:01] und in Miliz und in die kommunistische Partei   nu aber nach em nachdem wir sie haben äh   allein bekommen   das was Stalin hat versprochen sind allein in die in die Lagern und und und verhaftet geworden da haben sie sich zu ihren ent- enttäuscht und ich kannte

[15:28] sehr viele von ihnen was waren auch äh in NKWD und Miliz gearbeitet was haben nach dem Zweiten Weltkrieg sind sie alle haben sie sich enttäuscht und haben nach Israel emigriert   und wohnen in Israel und sie sind schon mehr nicht kein Kommunist das war es

[15:51] so und  

[15:53] ich mein Familie   möcht ich erzählen mit meine Familie   mein Vater war ein Zahnarzt   mein Mutter ist zum Bedauren gestorben wenn wir wenn ich war acht Jahre alt äh wir haben dann bis die Mutter war noch äh gelebt haben wir wir haben noch eine

[16:25] Apotheke geha- gehabt   ein Apothek und wenn die Mutter ist gestorben hat die Apotheke schon nicht gekonnt   äh   existieren mer hat schon nicht erlaubt zu verkaufen äh   Medikamenten was sind mit mit äh und man muss mit ein äh   ein die bestimmte die Arzten

[16:58] bestimmen mit ein

Gabriele Zürn

[17:00] Rezept ?

Jakob Rikleris

[17:02] [gleichzeitig:] Rezept Rezepten hat der Vater verwandelte dem Apotheke in ein Schuh- äh   -laden und wir haben mit gehandelt auch mit Schuhen mit Schuhen war ein großer äh Schuhgeschäft bis in bis in bis in vierzigsten Jahr wir sind gekommen die (wir a-)

[17:21] okkupiert von Russland geworden ja dann haben sie   die Sowjeten haben gleich verstaatlicht die Haus unsere   verstaatlicht richtig sage ich   äh sie haben von unsere sieben Zimmer uns gelassen nur zwei   und dort haben schon gewohnt russische Offizieren und

[17:49] und zwei Families in die Wohnung unsere sie haben gleich (versta-) in dem Laden von die Schuhe und nur geblieben war der Kabinett der Vaters Kabinett Arztkabinett äh   mein Vater war ein großer Zionist   er war ein Anhänger von von der rechte äh Teil

[18:26] von Zionismus Zionismus hat auch sich geteilt in in linke und rechte und und und allgemeine (_) das gedenk ich und die rechte zionistische Organisation war äh Jabotinsky einer so ein ein   ein   Leiter von von ganzen Welt und er hatte ein ein die [hustet] gehat

[18:53] ein es war organisiert eine Jugendorganisation was hat äh hat sich genannt Beitar und   unsere ganze Familie war in Beitar-Jugend Beitar das was ich hab gefunden in in in bei Ihnen in in Berlin in in in dem äh Informationort von von äh Denkmal dieses   (das

[19:20] ist) von die Jugendorganisation Beitar äh mein Bruder war in Beitar meine Schwester die da [zeigt] die Fotos mit die braune Uniformen mit die (__) [gestikuliert] mit   blaue kann ich sitz dort auf dem Bild und mein Bruder und meine Schwester hier   und  

[19:51] so hat die Städtchen gelebt so haben so haben wir  

Gabriele Zürn

[20:01] gab es denn auch eine wie hieß denn die Organisation in der Erwachsene waren also Beitar war die Jugendorganisation

Jakob Rikleris

[20:11] ja und Erwachsene war es hat sich gerufen »die Neue zionistische Org-« äh »Revisionistische Organisation von von Zionismus«

Gabriele Zürn

[20:20] und das war dann für die äl- für die Älteren

Jakob Rikleris

[20:22] die Ältere ja die Ältere »Revisionistische Organisation von von von Juden von äh von Zionismus«

Gabriele Zürn

[20:29] mhm

Jakob Rikleris

[20:31] eine Abteilung es war ja ich hab schon gesagt dass Revisionistische Allgemeine waren und Linke die Linke die Linke waren am ersten   Sozialisten sie haben die Mehrheit gehabt und sie sind wenn äh (sie sehr) organisiert in 48ten Jahr wie hat äh die jüdische

[20:54] Staat Israel waren sie bei der Macht Ben Gurion der Organisator von jüdischen äh   Staat war ein Zionist-Sozialist die waren die haben dann ge- ge- ge- gemacht noch in Israel die die Kibbuzen das ist ein ein ein richtig kommunistischer äh Landwirtschaft-

[21:20] äh   (arbeit)   (wie sagt) ein ein

Gabriele Zürn

[21:26] eine Niederlassung ? so ein wie ein Dorf ?

Jakob Rikleris

[21:29] ja nicht ein Dorf aber ja das ist vollkommen ein ein ein Land ein ein ein ein von 500 Hektar tausend Hektar aber nur aufm kommunistischen äh   Standpunkt

Gabriele Zürn

[21:42] mh

Jakob Rikleris

[21:45] keine Gehalten keine Geld nur was wie wie wie Marx hat geschrieben jeder einer muss äh sein Arbeit äh machen was er wie er kann und bekommen was er bedarf   was er darf nicht was er verdient aber das was er muss haben aber da das ist richtig kommunistisch

[22:09] aber

Gabriele Zürn

[22:11] war das die Hashomer Hatzair ? war das die

Jakob Rikleris

[22:13] [unterbricht:] Hatza- ah linke ? Hashomer Hatzair das war so Hashomer Hatzair Chaluz Chaluzim Chaluzim Hashomer Hatzair Beitar der dritte Jung- das war die j- Organisation jung junge von jungen äh jüdische Zionisten drei

Gabriele Zürn

[22:31] und die gabs alle drei auch diese Gruppen in in (Jurbarkas)

Jakob Rikleris

[22:33] [gleichzeitig:] ja in Jurbarkas waren drei Gruppen und und drei und äh mer hat mer hat äh   gestreit

Gabriele Zürn

[22:41] das wollt ich fragen

Jakob Rikleris

[22:43] ja es war

Gabriele Zürn

[22:45] [gleichzeitig:] wie war das denn so untereinander

Jakob Rikleris

[22:47] aber aber ist keine [lacht] der Streit war nur mitn   Zung

Gabriele Zürn

[22:49] ja

Jakob Rikleris

[22:51] nur nur nur mit Sprechen aber kei- keine keine so etwas und äh alle Organisationen haben haben (ge__) äh   die Jugend zu fahren nach Is- Israel le- lernen äh äh Landwirtschaftarbeit

Gabriele Zürn

[23:09] mhm

Jakob Rikleris

[23:11] bei uns in Jurbarkas in in gegen übern Fluss war ein Dorf Šiaudinė Kiduliai dort war ein großer Hof ein ein ein ein äh   und dort waren äh die Jugend von ganz Litauen gekommen die Jugendlichen und haben dort gelernt Landwirtschaftarbeit es hat es hat

[23:33] in Iwrit hats heißt das Hachschara Hachschara Hachschara das ist Zubereitung Zubereitung und Beitar hat gehat in Memel die Hachschara mein Bruder [zeigt auf eine Fotografie außerhalb des Bildausschnitts] war in Memel dort ein ein Dorf in Memel Jacken war

[23:50] es vor dem Dorf ich war we- ich bin [bewegt] in den Dorf gegangen (bin in) einen großen Hof dort war ein deutscher ein deutscher äh   wie sagt man das ein ein   ein Edelleut E- Edel- äh

Ruth Preusse

[24:09] Adlige

Jakob Rikleris

[24:11] Adliger ja hat gehat ein großen Hof dort und und mein Bruder dort dort war dortn drei Monaten sich gelernt zu zu Landwirtschaftarbeit das von Beitar und von Chaluz war es Haschomer Hatzair war es in bei uns in Jurbarkas in Kiduliai und in ganz Litauen war

[24:33] es ja

[24:35] ich gedenk das der Jugendleben gedenk ich sehr gut bei uns unser Haus   war so ei- ein Rang- äh Reinganghaus bei uns (pflegt) mein Vater hat äh   gehat äh so ein ein ein Möglichkeit zu geben Essen für Leute arme Leute das fängt erst äh lernen wie

[25:04] es war noch die hebräische Gymnasium fängt sich lernen dort von die Städtchen von rumige Städtchen äh arme junge Leute (der der) ein- eingeladen bei uns zum Mittagessen ja es war und auch die die jüdische Gemeinde hat hat ge- bestimmt Menschen arme was

[25:25] bei uns aber hauptseitig wenn es kommt der Kiddusch sollen kommen bei bei bei bei die   was haben   ein Einkommen ein guten weil sind reicher bei (ihnen) zu essen können sie kommen noch mein äh Vater hat sehr viel Freunde gehabt und wir haben schon ein Radio

[25:46] ich gedenk die Radio bis jetzt mit (Klavierchen) das war ein Philips-Radio   ein großer und dann fängt kommen dann doch vor dem Krieg vor dem wieder das die die Politik war doch so durch Hitler hier regierten Deutschland da es fangt in 39 schon der der Krieg

[26:03] mit Polen und dass man wenn kommen die die Nachbarn alle bei uns um dass sie die Radio hören da gesitzt mer die junge Leute mein meine Schwester beide Regina und Chana und mein Bruder ham auch gehat viel viel viele äh   viele Freunde was wegen kommen mein

[26:23] Bruder äh hat gehat ein aparten Zimmer dortn hab ich den Hereingang nicht gehabt in a- in am Abend dann kommen Freunde mit ihm spielen Karten in Karten Rommé Préférence Poker das   das (__) [gestikuliert]

Gabriele Zürn

[26:43] wir brauchen mal ne kurze Pause bitte

Jakob Rikleris

[26:47] [greift sich ans Mikrofon] aha [Schnitt] ja

Gabriele Zürn

[26:49] Sie haben gerade von Ihrem Bruder gesprochen der ein eigenes Zimmer hatte und Karten gespielt hat

Jakob Rikleris

[26:54] [gleichzeitig:] ja der Bruder mit den Karten ja ja und die Schwestern meine und der Bruder fing auch Sommer ich gedenk das Sommer fängt sein sehr i- sehr schön bei uns der der der Memel der der der Fluss hat gehat wie heißt das inmitten ein ein [gestikuliert]

Ruth Preusse

[27:12] ne Insel ?

Jakob Rikleris

[27:14] ein Insel ! wunderbar von weißen weißen äh Sand es war ein plage ein äh

Ruth Preusse

[27:19] Strand

Gabriele Zürn

[27:21] Strand

Jakob Rikleris

[27:23] ein Strand   und dortn sind gekommen die junge Leute alle [deutet zu den Fotografien] (oder) bei mir die Bilder da die Fotos da in in hier da Fotos (__) aufm Strand fahren mit mit Schiffen mit mit kleine Schiffchen sich nachm (da) nachm sich baden   äh   ich

[27:40] gedenk sehr gut dass mein ein meine Schwester Regina hat gehat ein ein ein ein Freund ein Absolvent von der italienischen Universität ein Arzt und sie haben gemusst äh heiraten und er hat äh in Kaunas mit den Röntgenapparat gearbeitet und mer hat es hat

[28:07] ihm aber äh getötet von von dem Strom das war bei uns ein großer   (wo ein) so nicht ein junger Mann (Igedalski) ich gedenke den Namen auch das gedenk ich und äh

Gabriele Zürn

[28:25] war Ihre Schwester schon verheiratet mit ihm ?

Jakob Rikleris

[28:27] nein nein nein nein sie war noch das war noch bis war in in die 35ste Jahren 36ste Jahren oder so sie war noch gut zwanzig Jahre alt und sie hat verheiratet 25 da ich schon in Kaunas verheiratet hat sie vor dem Krieg hat sie verheiratet das will ich erzählen

[28:45] auch

Gabriele Zürn

[28:47] ja

Jakob Rikleris

[28:50] das werde ich erzählen und und   es äh   mit den mit der Organisation Beitar denn vorkommen sehr oft äh   Abenden- äh -vorstellungen und dann kommen auch von von von von andere Städte die äh junge Leute ich gedenk so ein ein äh   kleine (Kreis) kann man

[29:14] sagen ein junger Leute hech- ein hoher schöner Junge er war ein Sohn von einen ein Fabrikant von Schuhen und er hat bemerkt dass ich spiel auf dem Hof Fußball mit die Kinder jedem zweiten Mal ist er gekommen und mir gebracht die Schuhe Fußballschuhe gemacht

[29:33] da hat der dem Maße abgenommen wie viele welche Größe welche ich äh und hat mir gebracht ein Geschen- Geschenk das gedenk ich bis heute   [bewegt]

Ruth Preusse

[29:45] Sie sind der Jüngste gewesen von den Geschwistern

Jakob Rikleris

[29:51] ja mo-   Familie so meine mein von mir ich bin geboren zehn Jahre jünger wie mein zweite Schwester wie Regina sie ist in 16ten Jahr geboren und ich in 26ten Jahr geboren ich war mein Bruder war ein einziger Sohn und das ist bei Juden ist das sehr ange- angenehm

[30:15] sein [betont:] einziger Sohn und da war der 14 Jahre alt und da war aus einziger (Sohn) das ist Ben Jachid heißt das Ben Jachid das ist Einziger in in Übersetzung der einzige Sohn und war aus ! da war m- mir hat er sehr geschimpft was ich bin geboren [lacht]

[30:34] ja aber äh   vielleicht hat mein Mutter das nicht gedarft tun weil sie ist von mein Geburt schon krank geworden mein Geburt wie ich bin geboren so ihre Erziehung war schon hab ich schon sehr wenig bekommen nur was ich hab bekommen im Erziehung von ihr   Deutsch  

[30:58] sie hat gut gesprochen auch Jiddisch mitm Vater mit die Kinder auch Jiddisch und mit mich   hat sie ge- wie ich versteh hat sie gehat den Willen ich soll Sprachen können und sie hat mit mir gesungen in Deutsch für mich hat mir gelernt Singen in Deutsch gesprochen

[31:30] nur Haus-Sprechen das ist nicht so viel und äh aber aber das gedenk ich so sie hat gesprochen sie ist sie war wie ich damal hab ich das nicht gewusst aber äh   vor dem Krieg das war   vielleicht nein das war ich war schon ein   (_) bei mir ist ein ein Foto

[32:00] von der Familie von ihre ihre zu ein Kusine zu ein von Königsberg (Rabinowicz) er war ein ein Königsberg- ein ein ein Fabrikant er hat gemacht v- das ge- das gedenk ich sehr gut er hat die äh die Gürtel (die alle) Gürtel die Hit- die die Hitlerjugend

[32:25] und die Hitler- Hitler- die SA und SS hat getragen solche Gürtel [gestikuliert] und er hat das gemacht

Gabriele Zürn

[32:31] die haben das bei ihm gekauft

Jakob Rikleris

[32:33] die haben bei ihm gekauft ja [gestikuliert] ein Jude hat das gemacht !   aber er hat er hat er hat schon in   in die dreißigste Jahren bei da da die Foto wo sind mir alle in in Park in litauischen Park fotografiert [sucht in den Fotografien] äh oh die das

[32:55] oh das ist das   zum Andenken die Foto

Gabriele Zürn

[32:58] wollen wir das in die Kamera halten ? vielleicht

Jakob Rikleris

[33:01] ja

Gabriele Zürn

[33:04] dass die Kamera das aufnehmen kann ich weiß nicht ob wir es rausnehmen müssen oder nicht

Jakob Rikleris

[33:06] [gleichzeitig:] sehr ich werde rausnehmen vielleicht

Gabriele Zürn

[33:08] ja vielleicht geht sehen wir es dann besser

Jakob Rikleris

[33:10] vielleicht nehmen wir es heraus   hier haben wir es ist da ein ein eine Kopie und ein

Gabriele Zürn

[33:13] das Original ja

Jakob Rikleris

[33:15] oh ! in 32ten Jahr war das [zeigt das Bild] er hat schon gespürt dass   die Hitler kommt zu der zu zum   zum Macht und sind weg und er steht hier wo ist er ein Minut   oh das ist er der (Rabinowicz) und sind weg nach Israel

Gabriele Zürn

[33:38] [gleichzeitig:] der da in der Mitte [zeigt] er hier

Jakob Rikleris

[33:40] ja inmitten und und dort sitz ich ich sehen Sie da ein kleiner Kind sechs Jahre alt

Gabriele Zürn

[33:43] dieser hier ?

Jakob Rikleris

[33:45] ja der da bin ich und das das ist seine Sch- und das sind mein Schwester Regina und das sind seine zwei Töchtern die sind dann weg nach Israel

Gabriele Zürn

[33:52] aha

Jakob Rikleris

[33:54] sind dann weg nach und das sind unser Familie und die Altmans das sind mein meine mein   äh Kusinen und Kusines eine große Familie waren sie die Altmans

Gabriele Zürn

[34:03] mhm   und das waren Verwandte Ihrer Mutter

Jakob Rikleris

[34:11] ja welche Verwandte weiß ich nicht das ge- -denk stellen Sie sich vor das ist in 36sten Jahr ich [gestikuliert; sehr leise:] weiß das keine Ahnung [lauter:] ich weiß nur noch wenn mein Bruder ist in in siebenzigsten Jahr gekommen nach Israel hab- se- er

[34:29] oder seine Kinder das weiß ich schon nicht wer hat ihm eingeräumt mit dem Wohnung mit ein äh geholfen ein Wohnung zu bekommen zu und Arbeit zu zu stellen weil mein mein Va- mein Bruder war schon äh über sechzig Jahre fertig von zwölften Jahr geboren

[34:47] und er in 73sten Jahr nach ausgewandert nach nach Israel er war schon über sechzig Jahre 61

Gabriele Zürn

[34:56] wie hieß Ihr Bruder ?

Jakob Rikleris

[34:58] häh ?

Gabriele Zürn

[35:00] Ihr Bruder ? welchen Namen hatte der ?

Jakob Rikleris

[35:02] Ahron Ahron und ist ist sie [zeigt auf das Foto] haben ihm geholfen dort in Israel sich einzuordnen die die (Rabinowiczs)   einer von ihnen war mir dacht war ein Minister dortn [schüttelt den Kopf] ich ich kann das nicht das  

[35:13] ja und äh   ich möchte Ihnen

[35:22] erzählen noch von Jurbarkas von Jurburg wegen die Parken Jurbarkas zwei Park sehr schöne ein Park das war ein äh Sitzplatz von ähm Fürst Wassiltschikow das war in russische Zeiten äh Wassiltschikow ist äh er war einer von von von die äh (nannte) Freunde

[35:50] von von die Katharina   und äh sie hat ihm rausgeschickt weil er und ihn nach Litauen abgesetzt und hat dort ein großen Palastge- -ge- -gebäude gehat und zwei Flügeln für für die für die   Arbeiter für die (_) und so weiter wenn ich gedenke schon der

[36:14] Palast wenn (abgetragen) und dortn war ein Sportplatz gemacht aber die Flügelen die zwei das war die litauische Gymnasium dort hab ich gelernt war ein großer schöner Park wo das ist die Fo- die Foto dies Fo- Foto hinten steht ein großer Stein ja bei dem

[36:34] Stein ist das Foto gemacht geworden in dem Park in litauischen Park und die jüdische Gymnasium   war ein äh äh hat genommen ihre Existenz hat sich äh hat beginnen in 19-3 in diesem Jahr hat man in Israel beginnen die äh sch- äh die Bauen die Stadt Tel

[37:04] Aviv haben die   Jurbarkaser dem Park kleiner kleineren Park wo die st- die die wo man hat die Gymnasium ro- ähm äh   gebaut auch auch dem Namen von Tel Aviv gegeben es ist das gedenk ich das ist noch in meine Zeiten wenn man sich da die junge wo treffen mer

[37:32] sich dortn war bei ein großer Platz [gestikuliert] bei dem Gymnasium und da wo ich bin die Foto was ist von unser Volksschul das ist in dem in dem Park da is die Volksschul die russisch- die litauische Volksschule wo ich hab gelernt aber das war schon in

[37:48] litauische Volksschule aber nicht in hebräische Gymnasium   ist da ist [sucht auf einem Foto]   ja das ist mit alle geschrieben alle alle Kinder was ham gelernt der ganzer und wie viele jüdische Kinder [liest die Namen auf der Rückseite des Fotos:] Greicius

[38:16] Rikleris Rikler Rikleris [zählt leise die Namen; lauter werdend:] (_) Jociute Greiciute (_) Gromantas Rimkus (___) Beilisas Israel Beilis umgekommen (_) Orimianaite Orimian ein Mädchen umgekommen nicht da Butkus Andrikis   Mercaityte Smitaite Arsaite Ars-

[38:57] Sara umgekommen   Most umgekommen Smuleviciute Smulevic umgekommen

Gabriele Zürn

[39:07] soll ich das halten dass die Kamera das nehmen kann oder

Jakob Rikleris

[39:15] ja   sehr ein schöner Park war (__) gro- große dicke Bäume sehr ein schöner Park war der Tel Aviv wurd er gerufen und   jetzt ist dortn ein Kindergarten wenn ich komme dort ist ein Kindergarten da  

[39:48] nu ich habe so kurz erzählt von mein Städtchen   und

[39:57] jetzt will ich Ihnen erzählen   was ist passiert in 1941   das ist immer schwer   zu beginnen zu erzählen   äh   ich hab früher erzählt dass viele Juden Jiddischisten sind geworden Kommunisten und sie haben geholfen die die Sowjetenmacht waren in Repressivorgane

[40:41] in NKWD und so weiter aber es war so äh ein ein   so ein Lage   von ein Seit Hitler die zweite Seit die Stalin und wir und meine Eltern und alle übrige Juden haben gehat ein gemusst (ausgleichen) was ist besser ? [gestikuliert] gewiss haben wir alle verstanden

[41:10] schon in 39sten Jahr wie die Deutschen sind herein in Polen dass mer muss   die bessere Seit dort die äh   ermordet man nicht ! mer kann dort die die die die die was sind äh die Sowjeten was haben gemacht sie haben in vierzigsten 41sten Jahr repressiert herausgeführt

[41:34] nach Sibir für ihr Familie siebzehn Families jüdische von Jurbarkas die alle sind am Leben geblieben ! einer ist gestorben dort in den aber die Kinder und K- Kindeskinder alle sind gekommen zurück ! na   und die wollten die gute für Sowjeten [lacht] was haben

[41:57] nicht äh   nicht getan und waren nicht rausgeführt nach Sibir die sind umgekommen alle und äh   der Krieg hat sich   für uns Jurbarkaser Juden   angefangen in 41sten Jahr am 22sten Juni   so um halb vier fünf vier früh   wie   wie die ersten Truppen sind einmarschiert

[42:35] aber unser äh Familie wir ich selbst hab schon gewusst dass wird sein der Krieg am am Donnerstag das war Sonntag da da beginnt der Krieg (aber) ich hab schon Donnerstag gewusst   die sowjetische Propaganda bis jetzt   erklären dass der Krieg der Deutschland

[42:57] ist ist befallen nicht nicht gewusst sie haben nicht das war das war äh   äh Donnerstag sind schon die beide Offizieren was haben bei uns gewohnt in unsere Haus weg- -geflohen mit die mit die Families mir hat einer gebeten da durchn Vater ich hab kein Russisch

[43:21] nicht gesprochen ich soll hereingehen gegen war so ein Laden wo man hat verkauft Stricke dicke äh die die Leine   dicke Leine zum Packen die Wäsche die haben doch kein Koffers nicht gehabt sie haben nicht gewusst was ein Koffer in ein Decke hat man alles

[43:40] ge- ge- ge- gebunden mit mit mit die Leine und ich hab gebracht Leine übern Straße und sie haben sich gepackt sind kommen d- ihre Autos und sind weg und sie haben schon gewusst dass der Krieg beginnt   und das (alles) Lügen was der Molotov hat gesprochen

[44:03] uns im im 41sten Jahr dem 22sten Juni um zwölf Uhr dass Deutschland hat überfallen und »wir haben nicht gewusst« und so weiter und das ist ist alles Lügen sie haben schon gewusst dass mit Deutschland wird ein Krieg sein   die Russen einer von die äh

[44:30] russischen Offiziere hat sich gewendet zu meinem Vater er soll fahren zusammen   die das hab ich mit meinen   Ohren gehört mein Vater hat mir übersetzt ich war schon 15 Jahre alt er hat so mit mir beraten   na »ich hab den Ersten Weltkrieg mit Deutschen durchgelebt

[44:54] die Deutschen eine Kultur- -volk« [bewegt]   und ah ja so war er   »die Deutschen äh äh   die Deutschen haben gebraucht äh Arzt sie haben Arzten ein Arzt ist für Deutschland ist er ein wichtige Arbeit und er werden ich werde hier vernommen sein bei die

[45:22] Deutschen als Zahnarzt« und   nu so hat er so hat ers so hat war in aller Früh wie es dann jetzt der der die Deutschen sind rein kamen sie bei uns ins Haus hat keiner nicht gedacht zu fahren zu laufen und so weiter [leise:] (und zu laufen)

[45:40] aber ich hab gehat

[45:42] ein Fahrrad   mir in Kopf rein   sag ich »Papa«   ja ich muss erst sagen voraus ich ich hab geendigt die dritte Klasse von äh 41sten Jahr von Gymnasium hab mir mit meinem Bruder der Bruder war geheiratet schon in Kaunas gelebt meine beide Schwester haben in

[46:05] Kaunas gelebt meine Schwester war schon geheiratet und mein Vater hat auch geheiratet zweiten Male hat ich hab ein Stiefmutter gehabt mit ein Tochter mit sie äh hat gehat von ersten Mann ein Tochter ein zwölfjahrige Tochter Basia Basia äh   und mir hat gezogen

[46:25] als zu zu zu die Bruder zu die Schwestern hat mir haben mir Sach- äh   ich war wenn mein Schwester Regina hat geboren die die Tochter hat mein Vater mir geschickt mit ein Kinderwagen der hat gekauft zu bringen in Kaunas bin ich mitn Dampfer gefahren nach Kaunas

[46:46] das war mit zwei Wochen Fahrt das waren am Anfang von von äh Krieg und   ich hab mitm Bruder gesprochen sag ich »ich will in Kaunas die die die Lehre äh   weiter- -machen« sagt er »gut !   komm zu mir und wir werden du wirst hier lernen sich« ist dem frühm-

[47:13] das tatsächlich Krieg be- beginnen der Krieg sag ich zum Vater »du weißt du was ich fahre mit dem Fahrrad zum Bruder in Kaunas« »ja bitteschön !   wenn du willst   fahr« und hat mir gegeben drei [lacht] Rubel das ist kein (Maro-) kein kein Eis kann man

[47:33] nicht kaufen von drei (Eu-) Rubel er hat Geld gehabt aber kein ist ihm im Kopf nicht rein und ich habs ich habe gesetzt aufm Fahrrad und ich fahr nach Kaunas aber wie wenn in die Straße Raseiner wo es geht da nach Kaunas der der Weg   nu dort geht schon nicht

[47:54] Fahrer äh die die die äh Motorraden deutsche äh Autos kein Panzer habe ich nie gesehen aber Autos so und Motorrad -raden sind gefahren nach aufm Weg nach da ich kann schon nicht fahren deshalb bis ich angeschlossen noch doch so Kinder wie ich so ältere

[48:14] etwas von 17 Jahren von 19 Jahre so ein Gruppe das war noch ein zwei waren zwei Offizieren von die äh Grenzpolizei von die russische und einem ich gedenk noch dem Namen weil er war mit drei   Abzeichen und das ist ein Leutenant   äh Naumenko ein Ukrainer sehr

[48:41] ein schöner Mensch und mit schwarze große äh hohe Haar und mir sind nach   Norden das ist Kaunas ist nach Osten und mir sind nach Norden weg und dort wo de Dörfer und dortn kein Deutsche waren noch nicht sind wir äh gekommen nach Raseiniai da die die Kreisstadt

[49:00] unsere von der Stadt und dort haben wir übergenächtigt und von dortn hat man schon gesagt dass die Deutschen kommen schon da hier auch sind wir weiter nach nach äh Os- nach äh   nach äh   Norden gelaufen ein große Stadt Šiauliai   ist da in Litauen das

[49:23] ist nicht weit von der lettischen Grenez und dortn haben wir sich alle (__) (abgestritten) ein Hof von ein Schule und dortn haben sie getroffen sehr viel äh nit viel no- ein große Gruppen Gruppe von Jurbarker Juden (überhaupt) die die was haben für die

[49:46] Sowjeten gearbeitet Kommunisten es war ein Joffe so ein ein ein Sekretär von Partei und noch äh Riesman so einer und und und und es war dort so einer Portnoj er war er hat bei meinem Vater gearbeitet wenn mir haben dem Schul- die Schuh- äh -laden gehabt

[50:12] hat er Leder geschnitten und mein Vater hat gehat zwei zwei Schustern was die die Schuhmacher was haben gemacht Schuhmach- verkaufen gemachte Schuhe und er hat geschnitten die Leder   und er hat beim sein seine äh   die letzte Jahren gearbeitet vollkommen bei

[50:34] meinem Vater und da er hat gehat ein Frau mit zwei Kinder frag ich ihn zu ihm sag ich »wo dein Frau ?« »die sind geblieben aber ich bin ein Kommunist ich muss laufen« und er hat mein Fahrrad [gestikuliert] so mitn Hand genommen [im Befehlston:] »zurück

[50:51] nach Hause ! du bist ein kleiner Kind dir wird keiner nicht passieren ich bin ein Kommunist und ich muss laufen« und hat er mir   das Fahrrad   zugenommen und weggefahren   »ich muss ich   retten« und hat sich auch gerettet er ist geblieben leben er hat gedient

[51:22] in der litauischen Armee in sechzeh- Divi- Division und war nicht verwundet mein Bruder war zwei Wochen hat er schon ein von ein Bomben- ein ein (Kantuse) gehat an den Nieren hat ihm abgehackt und gelegen in in in in musste liegen in in Hospital während die

[51:41] ganze Krieg durch und geblieben leben und als ich kommen zurück nach Vilnius nach Jurbarkas nicht nach Vilnius und er hat   geheiratet ein zweiten Mal ein Frau mit die Kinder sind umgekommen er hat geheiratet auch Kinder weiter   und in die sowjetische Zeiten

[52:02] arbeiten bei Leder das war ist er ein Millionär geworden und dann ist er weg in Israel dortn gestorben er liegt in sein Ruhe dort [schluchzt]   jeder Jahr hat er kommen nach Jurbarkas   am dritten Juli treffen sich alle auf dem Friedhof dort wo man hat geschossen

[52:32] die erste jüdische äh Gruppe   und man (kennt) sich jedes Mal treffen und sprechen und er hat es kein kein ein Mal

Gabriele Zürn

[52:43] er ist nie gekommen

Jakob Rikleris

[52:46] hah ?

Gabriele Zürn

[52:48] ist er nie gekommen

Jakob Rikleris

[52:50] er ist gekommen er ist gekommen aber er er hat kein ein Mal mit mir sich getroffen und kein Mal mich gebeten zu verzeihen was er hat gemacht   bei der in die Zeit ja ich kann sagen »oh entschuldig mir es ist es ist es war so ich war aufgeregt ich war gewillt

[53:06] am Leben bleiben ich hab du bist ein Kind ich hab wir haben doch nicht gewusst dass (mir) die Deutschen werden ja alle alle umbringen« und so weiter hat kein kein ein Wort nicht gesagt nu das ist auf seinen Sinnen er wo er liegt dort er liegt äh  

[53:22] von dort

[53:25] hab ich (doch) schon äh angeschlossen zu ein ander Gruppe Menschen sein mir sein geblieben Jurbarkern nur drei äh sie sind alle von Schau- ge- äh von Šiauliai äh gelaufen nach Riga was haben von dortn ist 120 Kilometer nach Riga und mir haben sich schon

[53:48] in auch   weiter mit den D- Dorfern der kleinen Kleinstädtchen und so weiter   und durch ganz Lettland sind mir gelaufen in die Gruppen ich ich ich war sehr erzählen jetzt wie das war ist unmöglich wir haben Hunger gelitten und und und hei- von Hitze und

[54:13] Nacht man hat bei mir gestohlen meine St- waren Stiefel gehabt in der Nacht ausgezogen die Stiefel hat man mir gestohlen [lacht] die Stiefel (ein Bauer) und und ohne Schuhe gelaufen bar- äh barweis wie sagt man das ja ?

Gabriele Zürn

[54:31] barfuß ja

Jakob Rikleris

[54:33] barfuß ja ?

Ruth Preusse

[54:35] hatten Sie überhaupt irgendwa- -was dabei ? äh haben Sie einen Rucksack gepackt als Sie

Jakob Rikleris

[54:39] nein ich hab gehat ein Mantel so ein ein ein kurzen der Mantel war ein so ein Jacke und die Jacke habe ich so schwer es war mir es war doch Sommer heiß da hab ich es weggeworfen schon und die Stiefel hat man mir gestohlen [lacht] äh barfuß bin ich gelaufen

[54:57] meine Füßen waren Füße war ein heile heile Wunden

Gabriele Zürn

[55:02] mhm

Jakob Rikleris

[55:04] weil mir sind durch Wälder so gelaufen wenn dem nur die Straßen hat man schon sind schon die Deutschen weg voraus waren sie schon motorisiert mit Tanken mit den mit mit die äh   Autos und und und und und Panzern sind voraus mir sind durch durch Wälder

[55:21] äh die meine zwei Jurbarkaser ich gedenk sie all- sehr gut einer war ein Elektrik (Schmulowicz Ruven) ein hoher schöner Mensch und ein zweiter ein junger äh etwas älter von mir er war bei zwanzig Jahre Berkover sind sein äh Nachname der Name Berl Berl

[55:43] Berkover war ein Schwarzer mit ich gedenk das mir mir hat dem er hat dem Namen »Zigeuner« hat man ihn gerufen und in bei ein Städtchen in Lettland Ērgļi war die Städtchen sind wir alle zu Fuß gegangen bei mit ein mit ein äh Straße so nicht kein kein

[56:04] Asphaltstraße aber so ein ein Dorfstraße von die Städtchen Ērgļi äh   sagt »wir müssen gehen gucken dass vielleicht dortn Deutsche vielleicht sind schon dortn die die Weißbinder« [gestikuliert] die die haben doch auch ge- geschossen auch die ersten

[56:21] er- und sind auf ein Brückchen ein kleine Brücke so ein Übergang und wie mir sind darauf beide und noch einer wer noch mit ihm war ein dritter haben wir nur gehört wie man schießt und sie sind gefallen haben wir in von die Straße in Wald rein und (in)

[56:44] der Wald weit haben sich mit noch Menschen andere Soldaten russische und und und Juden von von Lettland und und von Litauen vielleicht ich gedenk schon nicht (sind) weitergelaufen bis   siebzig Kilometer von Leningrad da ein Städtchen Luga   äh auch durchn

[57:07] Wald und da hat hat man uns schon die die Russen wir sind da über dem Grenez in Russland war schon äh etwas   leichter besser weil da hat man da haben die in Lettland und in Estland und zum erst in Litauen haben viele Weißbinder die die Mithelfer von Deutschen

[57:28] haben doch äh äh auch und dort war schon von der einen Seiten waren wir schon haben kein Angst nit gehabt   und mir sind ge- gekommen dortn bei Luga durch den Wald hat man uns die Russen haben schon an die Kolchosen die die die Bauern gesagt dass dort ist

[57:47] der Front steht der Front die Deutschen stehen ein Seite und was macht man und sie und sie uns dortn waren mit uns äh in die Gruppe waren Soldaten russische was sind gelaufen (___) wir haben schon wir haben kein Gewehr nicht gehat die haben gewar- geworfen

[58:08] die Gewehren und gelaufen und mir dortn hat man durchgeführt so durch ein Sumpf wo es gibt kein kein Front war nicht durch den Sumpf in die russische Seite zu die russische Soldaten  

[58:19] und dann hat man uns befragt »wer sind sie ?« ich hab schon mir hat man

[58:28] in ein in ein in eine in ein Krankenhaus gebracht meine Füße ver- [lacht] ver- behandelt und ein ein gummene Schuh gegeben dortn in einer Schwester hat mir gebracht gummene Schuh (ein K-) das waren große und mer hat uns abgeführt zu in Luga zum äh Bahnhof

[58:55] aber nicht in Bahnhof nur hinterm Bahnhof ist mit ein Zaun von Stacheldraht so ein Hofchen gemacht und dort hat man uns gehabt

Ruth Preusse

[59:06] wie viele Personen sind Sie gewesen ?

Jakob Rikleris

[59:09] nu bei dreißig ich gedenk ich das ist schon dass mer dreißig mal vierzig oder vielleicht fünfzig ich kann nicht so sagen wie

Gabriele Zürn

[59:17] und wann war das ?

Jakob Rikleris

[59:19] das war schon Ende Juli so Juli August so

Gabriele Zürn

[59:23] mhm

Jakob Rikleris

[59:25] das war schon in die Zeit ich gedenk schon das so sagen äh jetzt kann ich doch schon nicht vergessen schon

Gabriele Zürn

[59:31] mh so ungefähr

Jakob Rikleris

[59:33] ungefähr weil ich kann sagen dass dass in September war ich schon in Kirow das ist war so August Ende Juli August weil man hat uns hereingesetzt in den Güterwaggon -waggon die Tür verschlossen und mit Wach hat man uns geführt   die Soldaten was waren rübergelaufen

[59:56] hat die Sowjetenverband gemacht hat nicht geglaubt in ihnen sie haben gemeint Spionen und so weiter hat man sie vermacht uns und ich habe auch mit sie mit in dieser Gruppe hat man uns vermacht in ein Güterwaggon und weggeführt und wir fahren (_) sehr lang

[1:00:14] das gedenk ich und gehungert ein Glück wenn mir war 13 Jahre   Bar Mitzwa [bewegt] hat die Tante von Kaunas [zeigt auf ein Foto außerhalb des Bildausschnitts] (__ was Sie da)   (_)   hat mir geschenkt ein äh   schweizerische Uhr Hand-   ein Handuhr

Gabriele Zürn

[1:00:45] eine Ha- eine Armbanduhr

Jakob Rikleris

[1:00:48] ja Armbanduhr

Gabriele Zürn

[1:00:50] mhm  

Jakob Rikleris

[1:00:53] die Firma war Certina ich gedenk bis jetzt (_) Certina (_) Certina das gedenk ich bis jetzt   und   es war ganze Zeit unterm Armel so weil wollt ich nicht war (__) aber zugenommen aber abgenommen aber ich hab es gehalten sehr und dann in Bahn wenn wir in fah-

[1:01:19] in Gu- äh Güterwaggon haben sich ab- haben sich abgestellt in einer Stadt Rybinsk in Russland und dortn hat man uns raus frei gelassen Wasser zu nehmen und Toilette zu gehen und und hab ich die Uhr verkauft was heißt verkauft weil Geld hat man da nicht

[1:01:40] gegeben aber er geben zwei Säckchen so Säckchen mit mit mit äh wie sagt man das in Deutsch getrocknete getrocknete Brot äh getrockene

Gabriele Zürn

[1:01:53] Zwieback ?

Jakob Rikleris

[1:01:55] häh ?

Gabriele Zürn

[1:01:57] Zwieback ?

Jakob Rikleris

[1:01:59] Zwieback ! oh   Zwieback   zwei Säckchen [leise:] hab ich dafür   wie das hat   mir von Hunger geholfen zu kommen bis bis in Kolchos in in in in Norden von Kirow von äh   von Land Kirow ist ja schon Land das ist so groß w- wie wie wie Sachsen das Kirower Land

[1:02:23] das geht bis [gestikuliert] bis Komi das ist schon dort ist schon äh   Eis- äh Polar (grupp) und dort hat man uns in ein ein äh Kolchos gebracht und dort weggelassen und »bitte ar- ein Kolchos arbeit und bekommen« ich war schon krank ich hab schon mitm

[1:02:44] Magen   nicht in Ordnung war ich hat man mir in eine in ein Krankenhaus dortn in Rajon in Sernur äh bin ich legen dortn bein zehn Tagen (zwischen) ich gedenk nicht wieviel ich bin gelegen man hat mir dort mit Reis geheilt [lacht] das gedenk ich Reis haben

[1:03:08] sie gekocht und mir gegeben zu essen Reis und dann hab ich beschlossen zu laufen von dort weil dort haben wir gemusst jede Woche sich beweisen in in in in Miliz in die Milizei in Polizei sich registrieren da bis dort ich mir nicht aber die Älteren haben das

[1:03:29] gemusst aber ich bin auch war ich mit ihnen in einem (__)

Ruth Preusse

[1:03:33] sind das alles Männer gewesen oder war das waren da auch Frauen bei bei dieser Gruppe

Jakob Rikleris

[1:03:38] nee es war dortn Frauen auch

Ruth Preusse

[1:03:40] mhm

Jakob Rikleris

[1:03:42] es war Frauen auch war dortn äh äh einige einige Families waren das einige Families waren mit Frauen ein eine Familie war mit ein kleinem Kind ein sechsmonatigem Kind war dortn auch da da der der Kind ist auch leben geblieben zu- weil ich hab ihm gegeben

[1:03:59] die ganze Zeit den ganzen (Weg) die Essen

Ruth Preusse

[1:04:02] und Sie kannten die äh Leute aber nicht außer

Jakob Rikleris

[1:04:09] [unterbricht:] nein nein nein

Ruth Preusse

[1:04:11] außer denen aus   Jurbakas

Jakob Rikleris

[1:04:13] nein nein nein nein nein nein   nur wenn ich bin gelaufen ist die Frau die Frau   hat runtergenommen den goldenen Ring von der Hand [bewegt]   und sie hat mir gegeben   »du hast mein Kind gerettet« [weint]   das ist schwer zu erzählen das

Gabriele Zürn

[1:04:45] mh   wie lang waren Sie denn in in Kirow

Jakob Rikleris

[1:04:54] in Kirow war ich bis Frühling

Gabriele Zürn

[1:04:56] mhm

Jakob Rikleris

[1:04:58] bis Frühling bis Mai und dann mein Bruder ist gekommen mir abnehmen ist in in Mai in Frühling in Kirow war ich sehr (__) ich ich hab dann hab ich viel übergelegt dass ich hab gemacht ein großen Fehler ich hab nicht gewusst von von Ki- von äh Kirow fahren

[1:05:15] sie haben gewollt dass ich soll gehen lernen in in in ein in Hochschule und und und ich ich vielleicht war ich dort   hat mir anders geführt mein Leben war es war es weil äh die Familie war sehr gute Menschen was haben mir zugenommen zu sich und aber ich

[1:05:44] äh mir war es mir hat gezogen zu mein Bruder der Bruder war am Leben geblieben und Sie verstehen mh   es es ist schon dann in Russland war ein   überhaupt ganz Russland hat gehungert   ganz Russland -hungert wie hab ich gedenk ich ich hab bekommen so ein ein

[1:06:09] äh [gestikuliert]   Papier geschrieben »Kilo ein Kilo äh Zucker fünf Kilo Brot« das ist eine Woche für die Woche und das war geblieben bei den Papieren die in Laden von wussten es war überhaupt nicht zu ko- bekommen nicht bei ihnen er wer er war ein

[1:06:32] ein ein hoher Mann er war schon ein ein Major und und von er hat in die gearbeitet als als Leiter von ein großen Krankenhaus ein Spital für für he- hohe Offizieren von russische Armee hat er alles gehabt sie haben hat die Familie seine gut besorgt und ich

[1:06:56] auch aber sie haben drei Töchter gehabt die kleine eine die kleine das ist zwei Jahre war das ist die große war ein kluge Mädchen aber die Galia [lacht] Galina die war zehn Jahre zu zu zu neun Jahre   und die die Anisija Georgewna wie sie hat geheißen wie

[1:07:23] meine Mutter die hat ich hab doch gearbeitet vier z- Stunden hab ich gearbeitet und vier Stunden hab ich gelernt in in in Fabrik hat sie mir etwas besser oder mehrere gegeben zum essen ist die (praktisch) rein »ja ist doch ein Fremder ! warum gibst du ihm

[1:07:42] und mir nicht« war Sie verstehen äh das hat gewirkt für wie mich und ich wenn der Bruder ist gekommen kategorisch ich keine Gesprächen »ich fahr mit dich«

[1:07:52] sagt er »mir haben dortn nicht wir wir wir drei zu vier Familien ein Zimmer leben wir dortn in

[1:08:02] Usbekistan« (_____) äh er war recht wenn wir sind gekommen vier Familien in ein Zimmer so wie groß mit dem Zimmer alle haben am auf dem Boden geschlafen ein Familie zwei Familie und die Frauen am ersten Frauen äh ich gedenk alle an die Frauen was haben

[1:08:24] dort gewohnt noch mein Bruder mit mit die Frau wie die Frauen waren und Männer Lanzman eine und der zweite war (Lenzner) und dritte war äh Ida ich gedenke Familie gedenk ich nicht mehr

Gabriele Zürn

[1:08:37] wie aber ich hab noch ne Frage ich hab das jetzt gerad nicht verstanden wie also Sie sind in Kirow gewesen und dann von Kirow aus nach Usbekistan

Jakob Rikleris

[1:08:45] ja

Gabriele Zürn

[1:08:47] und wie kam das zusta- konnte man sich da melden oder   war das so

Jakob Rikleris

[1:08:49] [gleichzeitig:] äh der Bruder hat bekommen wenn er man hat ihm von dem äh äh Hospital von Russen äh aus geschrieben hat er bekommen ein Weisung so zu fahren wo dein Frau sein Frau lebt in Kokand

Gabriele Zürn

[1:09:06] okay okay

Jakob Rikleris

[1:09:08] und hat nicht nur das bekommen er hat noch bekommen äh ein ein Beischrift zu be- jeder Stadt wo er kommt zu bekommen Essenwaren als als befreiter Ge- und und und   äh er ist ein Soldat ein Soldat ein befreiter die Armee hat bekommen was nicht ist haben sie

[1:09:29] bekommen auch auch Rauchern das der Tabak und ich gedenk das er hat abgenommen dortn in die in die äh Hinweg wir sind gefahren wir sind gefahren durch ganz Sibir von Kirow nach Nowosibirsk und von Nowosibirsk zurück nach nach Barnaul Barnaul dortn wo wo

[1:09:50] es war die die Atom- äh äh A- Atombomben wo man hat die äh wo die Sowjeten haben haben dort äh getestet in Barnaul das ist die bis Barnaul dortn (von dortn) und von dortn zurück nach Usbekistan das ist ein wenn man ein gefahren ein monatenlange Zeit bis

[1:10:10] wir sind angekommen zu Hause ein Monat

Ruth Preusse

[1:10:14] ich möchte auch nochmal eben fragen ähm

Jakob Rikleris

[1:10:16] ja

Ruth Preusse

[1:10:18] wie wie haben Sie Ihren Bruder äh wieder getroffen wie ist der   wie haben wie Sie sich gefunden

Jakob Rikleris

[1:10:21] ei das ist das ist sehr das ist auch äh ein   Wunder ich überhaupt meine die ganze meine mein Leben ist ein Wunder   ein Wunder was ich bin weg von Jurbarkas a Wunder ein Wunder ! wie hab ich das wie hab ich das überlegt wie hab ich das gemacht das ist doch

[1:10:48] ein Wunder !   ja wie hab ich da so ein Weg draußen mit anderen durchge- durchgelebt mein Ort ich sag ich hab erzählt dass die zwei sind umgekommen und ich mir hat keiner nicht ge- alles ich bin geblieben gesund und und und leben   äh   dort ist doch auch so  

[1:11:11] äh die Familie der der Babun Matvje (Michailowic) der war ein hoher Mensch und er hat gefallen sich berühmen dass er hat äh adoptiert ein ein Kind von von einer äh Evakuierten von von Litauen dortn aber von   und und und die Zeitung in in in Kirow ist

[1:11:32] dann äh evakuiert von äh von äh Mas- Moskau die Zeitung »Uchiteljej Gazeta« das ist ein ein was äh äh Leh- äh Lehrer äh ein ein Zeitung für Lehrer »Uchiteljei Gazeta« Zeitung von Lehrer und und er hat dem Korrespondent von dortn dem Foto- ähm

[1:11:54] dem Fotograf gebracht und hat uns fotografiert wo du ich hab dort die kleine Fo- Foto und das war in Zeitung reingestellt das da so Babun Matvje (Michailowic) hat hat dortn ein ein äh hat adoptiert ein Kind und und helft und so weiter und die Zeitung ist

[1:12:17] einmal gekommen nach nach äh Gorki Gorki das ist Now- das heißt Nischni Go- Nowgorod jetzt heißt das Nischni Nowgorod dortn in der Rajon Balachna hat sich formiert die litauische Division zu kämpfen gegen Deutschland und die was war ein dortn war ein litauischer

[1:12:41] und ein ein ein äh Hospital für Kranken für für Verwundete und so weiter und einer so ein Maskovic so ein Jurbarkaser Jud   er er war nachm Krieg war er mein meiner ein ein Chef in in Vilnius bei mein wo mer hat gearbeitet in die Ministerium von von äh

[1:13:05] Landwirtschaft ist der Maskovic hat das dem Bild   dem äh die Foto in Zeitung er hat die Zeitung gelesen und dort bei gesehen dass von Litauen von Jurbarkas hat was beschrieben Rikleris   so weiter hat er dem dem Zeitung gebracht meinem Bruder und gelesen und

[1:13:27] der Bruder hat gleich mir ein Brief geschickt ich hab bekommen ein Brief von von ihm und er hat gesagt wenn ich gehe wenn er hat er hat mir »zu Haus äh wenn ich fahre dann komme ich zu Dir« und er hat auch mir nicht ge- nicht nicht gewollt mir mitnehmen

[1:13:45] mit sich aber ich hab schon   einen anderen Weg nicht gefunden nur zu fahren

[1:13:52] und ich bin gekommen nach Usbekistan hab ich   (nicht) gewusst was zu tun da hab ich schon die die die Schule geendigt von dem von dem als Elektrik   aber ich ich hab ich ich hab dort

[1:14:12] dann die vier Stunden was ich hab gemusst arbeiten hab ich gearbeitet in Laboratorium bei elektrische äh (__)   Amperemeter Voltmeter und so weiter hab ich gearbeitet und dort bin ich gekommen hab ich nie gehat was wozu wo dortn bei ihnen wohnen vier Familien

[1:14:34] ein Zimmer wo ich wo kann ich dort und mein sie haben nie gehat was zum Essen sie man hat gehungert   hat mir dortn einer ein junger Mann ein ein Nachbar hat mir gesagt das ist so ein ein in Kokand ist da ein Eisenbahnschule was bereit zu Eisenbahn »probier

[1:14:58] dort« bin ich weg dort   und man hat mir »ja bitte schön lernen aber wohnen nicht« wohnen haben sie nicht ist alles vernommen   hab ich gesagt »gut   na ich werde ein Schüler von von die äh von dem Eisenbahnschule« und ich hab sie genommen lernen und

[1:15:21] geschlafen bin ich   in Flur von die von die Schule auf dem von die Treppe auf die Treppe da Usbekistan ist ein heiße warme Land nicht kalt   und ich bin schlafen dortn bis ich bi- ich hab bekommen Typhus

Gabriele Zürn

[1:15:40] mhm

Jakob Rikleris

[1:15:43] von die Läuse was mir be- gangen hat man mir dort in ein äh Quarantän heißt einer so ein ein ein Zimmer war dortn bein bein Dok- ein russische mh Ärztin hat mir weg gelegt in ein Bett (oh) ausgeba- ge- gebaden und in Bett äh und der Typhus war sehr ein

[1:16:07] leichter sehr leicht ich bin gesund war gesunder Junge und ich war dort in ein Woche zu zwei Woche ich gedenk schon nicht zehn Tage man dachte war ich und dann hat sich schon die Ärztin hat schon mir gemacht ein Bett in in in in in   in Wohnhaus dort wo alle

[1:16:31] Kinder die die die Kinder schlafen hab ich schon bekommen ein Bett   und dann hab ich schon zwei Jahr   von 42sten bis in 44sten hab ich gelernt auch dortn war auch da lernen ein halben Tag lernen und halben Tag   arbeiten nu das hab ich dortn ausgelernt und

[1:16:59] mein Lehrer der der Meister hat das se ge- se gerufen ein ein ein Meister war ein äh Lett von Lettland von Riga   und ich war bei ihm der der beste Schüler   und in 44 ging ja hat man ihm gerufen es war schon er war schon älterer Mensch mer hat da schon bis

[1:17:26] dann nicht gerufen so kein ältere Menschen aber dann es war schon es hat schon gefehlt Soldaten hat man ihm in 44sten Jahr gerufen in Armee hat bin ich geblieben dort als auf sein auf sein Platz bin ich schon ein Lehrer geworden und und gelernt andere Kinder

[1:17:48] und dann hat sich geendigt mein   Hunger weil die ganze Zeit weil die Schule hat gegeben Essen hat man gehungert   in der Früh Ka- Kaffee mit ein Stückchen Brot der Kaffee war es nicht kein Kaffee aber es war es was schwarze von Gersten zu was ich weiß nicht

[1:18:14] was das war am Mittag ein ein Suppe von von Kohl ohne Fleisch und keine Sachen und am Abend weiter Kaffee so Wasser [lacht] und ein war ein ein ein wie die Russen bei denen rufen eine Kascha von Mehl mit Wasser gemischt und so weiter und wenn ich war schon

[1:18:37] ich hab schon ein ein Lehrer ich war schon ein ein Job bekommen dann hab ich schon Brot gegessen wieviel ich will ich werde Ihnen das erzählen das ich schäme sich nicht   ein Hälft   oder ein ein Viertel ah weniger wie ein Hälft äh die Schüler haben nicht

[1:19:06] gelernt sie haben sich nur gerechnet als Schüler sie waren Ganoven   Diebe desertieren was haben dann nicht gewollt in Armee gehen sie haben dortn geh- macht sich Dokumenten sind waren 18 19 Jahren sich gemacht mit Dokumenten auf 15 Jahre 14 Jahr und sind

[1:19:31] überhaupt nicht gegangen lernen sie haben sich nur nur gerechnet als Schüler und   und sie hat sind da rein wenn ich war war noch der hat mir bestimmt schon aber als Meister ich habe gewusst dass der dass war der der selber Lette auch das so gemacht wenn

[1:19:51] sie herein bei mir in in in in in Wohnzimmer wo ich hab gelebt und gesagt »du willst leben« sag ich »ja w- was für ein Frage« »du siehst nicht uns   du weißt von uns nicht du schreibst jeden Tag dass mir arbeiten du bekommst unser Brot   und musst schweigen«

[1:20:13] ich sag »ja gut«   hab ich bekommen sehr sehr Brot bei mir waren sechs solche Leute und   von sechs Leute das ist schon Brot zu zu ich denk zu 600 Grammen hat man mir gegeben mit achtzig schon ein ganzer Brot ein großer Brot jeden Tag im ersten Mal ich hab

[1:20:44] das bekommen   diese Anekdote will ich Ihnen erzählen ich bin kommen bei mich in Bett mich weggelegt den Brot auf den   Tisch gestellt und in einem Buch lesen   und in ein Stunde war der ganze Brot aufgegessen   gegessen weil ich war hungrig   den ganzen Brot  

[1:21:13] und da diese weiter jeden Tag wenn ich hab bekommen so ein Brot hab ich schon das verkauft und gekauft äh   Butter gekauft Milch für die Geld und die letzte aber nicht lang in 45sten Jahr äh bin ich sind wir schon zurück nach Litauen gekommen und dort hab

[1:21:40] ich schon   so als ich mein Odyssee wie man sagt das ja ? geendigt [lacht] und   es war   jetzt zu erzählen   wenn ich würde es in in Russisch oder in Litauisch war zwar interessanter gewesen [lacht] zu erzählen aber jetzt in Deutsch ist mir ganz schwierig geht

[1:22:13] das

Gabriele Zürn

[1:22:15] möchten Sie ne Pause machen ? wollen wir mal ne kleine Pause machen   so

Jakob Rikleris

[1:22:19] es ist Mittagzeit eins

Gabriele Zürn

[1:22:23] [lacht] so meinte ich das nicht

Jakob Rikleris

[1:22:25] ja machen wir Mittag ja [Schnitt]

Gabriele Zürn

[1:22:27] Herr Rikler wir würden gerne nochmal nach Jurbarkas zurück

Jakob Rikleris

[1:22:31] mhm

Gabriele Zürn

[1:22:33] und Sie bitten einfach an einigen Ihrer Familienfotos son bisschen was über Ihre Geschwister zu erzählen noch und vielleicht auch die Namen zu nennen und wir würden dann anschließend v- äh dann auch nochmal zu den Ereignissen im Juli 41 in Jurburg kommen

[1:22:47]

Jakob Rikleris

[1:22:49] ich hab schon ich hab schon äh etwas erzählt von mein Familie dass mein Vater war ein Zahnarzt und so weiter aber etwas äh mehrer erzählen kann ich äh   nu   ich stamm von ein Familie was war in die Städtchen in Jurbarkas etwas so nicht kein arme Familie  

[1:23:18] ein zu großer äh   wie sagt das Millionär war er nicht mein Vater aber wir waren so haben gelebt vermöglich haben ein eigene Haus und das Haus [zeigt ein Foto] hab ich das hier fotografie- ein Fo- Foto von der Haus aber nachm Krieg gemacht schon jetzt wie

[1:23:45] es sieht aus und das ist der Haus von mein Vater hier war vorn da war der der Apotheke unsere und hier hier waren verdingte Ladens ein ein zweiter Laden hier war der Hauptherei- -hereingang zu uns in Zuhause und   wir haben gelebt in sieben Zimmern von sie-

[1:24:18] zwei Zimmern waren der äh die Praxis vom vom Vater ein Zimmer war ein Wartezimmer und das zweite war der äh   Kabinett da da die Praxis äh   mein Familie wir waren vier fünf Kinder zwei Söhne und drei Töchter   ich hab schon früher ges- erzählt dass

[1:24:50] ich war der Jüngste mit zehn Jahr später geboren von de jüngste Schwester aber meine älteste Schwester Fania äh   hat beendigt die Jurbarker jiddische die hebräische Gymnasium und sie hat äh studiert in Kaunas sie hat studiert die (Pharmazefti) sie war

[1:25:14] sie war äh hat gewollt wie die Mutter [bewegt]   aber wenn mein Mutter ist gestorben in 1934 in dem selben Jahr war in Israel der erst- die erste Sport-Makkabiada so hat sie gerufen von Jüdische von der Welt und   war welche sportsmen sie war gedenk ich nicht

[1:25:44] das weiß ich nicht aber ich weiß dass sie ist weg nach Israel ge- offiziell gefahren zu der Makkabiade dann hat man die englische Mandat- äh -regierung hat doch in in Is- kein Juden in Israel dann nicht gelassen reinfahren äh sie haben ähm weggestellt

[1:26:04] ein ein Quotum hat von 20000 zu 10000 ich gedenk (nicht) wieviel Juden haben ve- bekommen ein Zertifikat ein Erlaubnis und sie hat man nicht gelassen und und sportsmen haben gekonnt sind gekommen zu und sie hat ist geblieben da   unlegal und sie hat dort in

[1:26:26] ein Kibbuz gearbeitet hat das war in 34sten Jahr danach ist sie krank geworden dort sehr ein Malaria oder was ich gedenk nicht was aber ich weiß dass sie ist in 37sten zum achtunddrei- in 37sten zu 38sten Jahr gekommen zu Besuch und und das ist die die Foto

[1:26:47] wie sie war zum Besuch und da ist sie [zeigt das Foto] meine äh Schwester Fania zu Besuch von Israel in Litauen das ist mein Vater und das ist die Frau von meinem Bruder er hat geheiratet in 38sten Jahr in Kaunas äh sie hat geheißen Rosa ihr Na- ihr ihr

[1:27:13] ihr ihr äh   Nachname war (Bodrowski) und   sie war gekommen zu Gast bei uns und sie haben sich äh die Foto gemacht das hab ich gefunden in Israel bei mein bei meinem Bruder die die die Foto das und  

[1:27:33] und nach ihr war mein Bruder Ahron   wenn mein Mutter ist

[1:27:41] gestorben die Zeit war er in in der litauische Armee und er hat beendigt auch die hebräische Gymnasium in in Jurb- in Jurba- in Jurburg war es warum sagen mir Jurbarkas in in in in Jiddisch Jurburg   in Deutsch war es war es Georgenburg aber jetzt [lacht]

[1:28:06] kann man sagen Jurburg äh   und dann noch hatten zwei Schwestern meine die eine geboren in 16ten Jahr Chana und Regina in in in 15ten Jahr Chana und in 16ten Jahr war geboren Regina und das ist ein große Familie kann man sagen von fünf Kinder aber   wenn

[1:28:34] die Mutter meine ist gestorben haben die Kinder alle verlassen die Haus   äh sie haben sie sind noch der Bruder früher aber die Schwestern meine sind Regina hat überhaupt von kindweis von Kinderzeiten hat sie sich erzogen bei mein Tante in Kau- in (Kouna)

[1:28:59] in Kaunas die Tante mitm Onkel meine Rosenzweiger Tante war Chana Chaja und der Mann ihr [zeigt auf die Fotos] dort dort der der der   die Foto hier wenn ich nehmen raus eine Minute können Sie oh das ist die Fotos von mein Onkel und meine Tante in Kaunas  

[1:29:19] geht nicht

Gabriele Zürn

[1:29:22] ich mach das

Jakob Rikleris

[1:29:24] probieren Sie es ich werde erzählen und Sie werden

Gabriele Zürn

[1:29:26] Sie erzählen

Jakob Rikleris

[1:29:28] ja äh sie hat sich erzogen dortn in Kaunas bei bei sie waren noch Kinder dann kinderlos sie haben keine Kinder nicht gehabt die beide die da sie war älter von mein Vater die Tante sie war die älteste in in die in in ihrer Familie von die Rikler in Kaunas

[1:29:46] äh dortn waren sie ein äh Tochter und drei Söhne waren mein Vater war der zweite sie die Älteste der Vater war der zweite und noch zwei Bruder Schmuel und Josif waren jünger und sie haben gewohnt sie sind vor dem Ersten Weltkrieg nach emigriert nach äh

[1:30:10] nach Amerika   die Kinder wenn die Mutter ist gestorben sind alle weg nach Kaunas die letzte ist geblieben bei uns Chana war noch und wenn in 37sten Jahr hat mein Vater gebracht von Kaunas sein   mein Stiefmutter äh hat er gebracht zuerst als als äh   als Köchin

[1:30:44] als als äh Haus- äh

Gabriele Zürn

[1:30:46] -hälterin ?

Jakob Rikleris

[1:30:48] ja ja und und und danach ham sie geheiratet geheiratet haben sie schon in vierzigsten Jahr in sowjetische Zeit und so hat sie gewohnt bei uns auch aber sie war sehr sehr ein gute Frau   sie hat gehabt ein Tochter mh von ersten Mann sie war sie war ein ein

[1:31:13] Witwe und sie war sehr ein ein   nette gute Frau das kann ich sagen äh   so das ist meine Familie kann ich sagen

[1:31:28] nu ich kann sagen noch was äh   der Vater meiner   war sehr ein ein so ein ein Mensch was hat sich interessiert mitn mitn mit die äh   mitn jüdischen

[1:31:52] Leben in in in in St- in Städtchen in Städt- er war einer von den Sponsoren so sagt man ja ? von die jiddische Gymnasium und er hat aufm Platz vor dem jiddischen Gymnasium gestellt so ein Bet- das gedenk ich wie heute [gestikuliert] ein Gebäude so für zum

[1:32:12] Tanzen zum zum Verbringen sich so ein Dach auf Säulen von Beton und ein äh Boden von von Beton zum Tanzen und das hat man genennt Riklerine   [bewegt] ja ?   fragen »wo wird heute sein Tanzen ?« »in Tel Aviv in der Riklerine«   nach der Familie   die Gebäude

[1:32:51] die die die der Tanzbo- äh war noch nachm Krieg wenn ich bin gekommen hat sie ist noch gestanden und danach hat man ihr   zerstört

Gabriele Zürn

[1:33:03] mhm

Jakob Rikleris

[1:33:05]   ab mh noch kann ich sagen von was kann interessieren auch von unser Platz von unser äh Haus sie war zwischen äh zwischen zwei Straßen Kauno und die Metzgererstraße Jatkewer in Jiddisch sagt man Jatkewer Straße in Litauisch ist das Mėsines gatve

[1:33:40] Mėsines gatve Mėsines das ist ein Metzger äh äh

Gabriele Zürn

[1:33:44] mh

Jakob Rikleris

[1:33:45] äh hat der ein abgeteilt ein Platz und man hat dortn ich gedenk noch wie man hat beendet wie man hat ihr gebaut gedenk ich ni- ein kleine Synagoge das ist ein Klaus

Gabriele Zürn

[1:33:56] mhm

Jakob Rikleris

[1:33:58] das ist nicht kein Synagoge nur ein Bete- äh -haus für die Menschen was leben auf die Jatkewer Straße   an gegen unser äh äh Platz dortn war ein Tor ein großer hat gelebt ein große große Familie von Schneider Eljaschov sie haben bei zwölf zu 13 Kinder

[1:34:18] gehabt und der Eljaschov dann noch war ein Metzger (Sobolak) weiter Magedovic und so weiter und Sie wissen dass die Juden äh am Schabbat kann er nicht fahren und und weit gehen er muss nur unten gehen dortn nicht äh in in der in der Synagoge jetzt dortn

[1:34:43] waren Gebete jeder Tag für die Menschen aber die die Haus hat schon die Gemeinde ge- gebaut aber dem Platz dem Platz war äh dem Vaters

Gabriele Zürn

[1:34:58] mhm

Jakob Rikleris

[1:35:12] wenn ich hab nach dem Krieg abgekommen die Haus die habe ich verkauft nach dem Krieg aber es ist schon zerstört sehr für 9000 Dollar [lacht] hab ich verkauft das ist kein Geld nicht und es gibt kein Haus schon jetzt ist die Platz ist hab ich aufm Plan gesehen

[1:35:19] das ist der Platz von das gehört zu unser Haus zu unser äh   Haus die Platz und dortn da hat war ein Synagoge hat der der der Vater der hat gespendet für die jüdische Gemeinde   nu so is  

[1:35:37] mein Familie äh mein Mutter hat gehat ein Schwester sie ist dort

[1:35:42] aufm Bild aufm Foto   äh Sara und sie hat gehat ein große große Familie in in in Jurbarkas eine bewusste Familie äh neun Kinder hat sie waren bei ihr bei mein Tante meine Schwester Kinder äh   vier Schwester und fünf Brüder zwei sind von ihnen weg nach

[1:36:11] Ausland   einer der Älteste Schmuel hat gelebt in Schmalleningken in in Memelgebiet und ist weg nach mit die Familie nach Au- Australien wie der was ist da auf diesem Bild da steht er war gekommen zu Gast von äh Amerika in Amerika ein Schwester ein Sängerin

[1:36:35] sie hat in in New York ein war war sie ein Sängerin Rachel äh Altman und ein zwei- zweite Schwester Fania   äh zweite Schwester Fania hat geheirat ein äh z- äh Arzt (Lifschitz) Binchas und sie haben gewohnt vor dem Krieg in ein kleine Städtchen nit weit

[1:37:01] von Memel aber in littische Seite in litauische Seit ich hab gefunden dem wo sie sind umgekommen wo sie die ganz- sie haben gehabt ein kleine Tochter wo man hat ihr umgebracht die ganze Familie in Vevirzeniai einen kleinen Städtchen äh ein Sohn war Awraham

[1:37:20] Altman der war ein äh Lehrer er hat in die jiddische in hebräische Gymnasium ein Lehrer war er und dann gedenk ich nicht wo er hat gearbeitet aber er ist war in Kaunas und er er mh ist gekommen nach Buchenwald Buchenwald er war in Buchenwald in in dem und

[1:37:44] er ist gestorben schon nachm Krieg eine Woche hat er noch da gelebt nach das habe ich von Amerika gewusst dass sie haben sich schon dann dort von dortn ge- bekommen so eine eine ein   ein ein ein Dokument so wie ich verstehe nicht aber sie wissen dass Awraham

[1:38:06] ist gestorben eine Woche nachm äh nachm Ende von Krieg das im Mai im Mai 1945 ein Bruder war Hirsch was Sie da der Foto hier er hat ein Chemiker hat ge- beendet dem Kaunas in Universität ein Chemiker die erste Zeiten war er auch ein Lehrer in die Jurburger

[1:38:28] äh Gymnasium und danach hat er gearbeitet auf einer Chemie- -fabrik ein ein Betrieb ich weiß nicht Fabrik in Kaunas   äh von sie alle   sind geblieben nur leben ah ! ein Schwester richtig die älter- Mirjam hat geheirat war ein Memelländer Jude (Srolowicz)

[1:38:57] sie haben gelebt bis in Krieg in bis 39sten Jahr bis Hitler hat besetzt zurück äh Memelgebiet haben sie gelebt in Memel haben zwei Kinder (Isa) und Judith äh   ich hab gefunden wenn ich hab schon in Memel gelebt hab ich gefunden ihre Haus wo sie haben gelebt

[1:39:20] [bewegt]   dortn war in deutscher Zeiten war es Friedrich-Wilhelm-Straße so ein und jetzt heißt es Tiltu-Straße das ist Brückenstraße jetzt heißt das und äh ich hab gefunden die die Wohnung wo sie haben gelebt ja äh   bei der sie die ganze Familie (Srolowicz)

[1:39:45] haben sich von Memel in 39sten Jahr wie Hitler hat besetzt haben sich äh sind geflohen nach Kaunas und dort sind sie alle   ermordet geworden die ganze Familie die Tante meine war noch   äh   am Leben sie war auch   ermordet in Kaunas äh   die Bü- Brüder Nathan

[1:40:16] Nathan Awraha- Awraham Nathan und Hirsch auch in Kaunas   umgekommen so von ihrer Familie ist geblieben nur Hirschs ein Tochter sie haben ihm äh ihr   ein Litwiner Bučinskas hat ihr durchn ähm Zaun von Ghetto ein zweijahrige Kind abgegeben die Frau von dem

[1:40:47] Hirschen war Bekannte äh Litwiner Bučinskas und sie haben ihr weggeführt nach Kaunas und sie hat sie war am Leben geblieben da da in dem Album ist da die die hier ihr ihr auch da die äh ihr ihr   ich war bei ihr wenn fahren sie ist weg zu die Schwester

[1:41:12] in New York in in zu der Ra- Rachel ist sie weggefahren vor dem Fahren haben sie gemacht ein ein   so Abend war ich gekommen von von Jurbarkas mit meiner Frau waren wir gekommen zu sich zu besegnen äh   ihr hat adoptiert dann nach nachm Krieg eine äh jüdische

[1:41:34] Familie Petrekanskis und das ist einen Kusinen von dem Poren von Israel was hat redagiert dem Buch Sikaron   Jurburg und das heißt Andenken auch an Jurburger Stadt dort und er hat geschrieben dem äh er es war ein Literator und er hat geschrieben dem Gedicht

[1:42:04] wegen Jurbarkas sehr ein schöner Wörter das werde ich gerne zitieren Ihnen

Gabriele Zürn

[1:42:11] mhm

Jakob Rikleris

[1:42:13] und   jetzt oder später ?

Gabriele Zürn

[1:42:15] was Sie gerne wie Sie das möchten wenn Ihnen das besser

Jakob Rikleris

[1:42:17] [unterbricht:] das ist aber in Jiddisch

Gabriele Zürn

[1:42:19] ist in Jiddisch ja

Jakob Rikleris

[1:42:21] ja

Gabriele Zürn

[1:42:23] das ist gut

Jakob Rikleris

[1:42:25] und das ist ist ist   für mir sehr schwierig zu lesen   vielleicht später etwas

Gabriele Zürn

[1:42:30] ja

Jakob Rikleris

[1:42:32] vielleicht später etwas   ich wer- jetzt will ich Ihnen erzählen ich hab beginnen mitn Jurbarkas mit der liebe Städtchen [bewegt]   und ich muss erzählen wie hat sich   äh was ist der Schicksal von alle Juden von dem Städtchen wie wie es war ich bin

[1:42:58] weg   es war sieben Uhr wie ich bin weg es war Sonntag   dann haben schon demselben Tag hat schon die Stadt war schon in die Hände von   von die Besitzer von die Nazi-Besitzer aber mer kann sagen dass sie habe nur in in so eine Städtchen nur gehat ein ein ein

[1:43:28] oder zwei Ges- Menschen von Gestapo geschickt und alles hat äh in Städtchen in i- das hab ich kann ich Ihnen erzählen das was mit hat mir erzählt wie ich bin gekommen die oder Abel Walis mein mein Gewandter und der Michaelowski noch war Meigelis so einer

[1:43:49] ein Jude und vier und Münzer so einer die was haben sich äh   was haben   sich   gerettet bei Litwiner in in die Dor- in die äh   ja in Dorf die haben Bekannte gehabt oder nicht Bekannte sie haben man hat gefunden gute Menschen was haben sie ihr ihr genommen

[1:44:14] und sie haben sich dort die ganze den ganzen Krieg sich   gekonnt überleben bei ihnen bei die Litwiner nachm Krieg hab ich sie wie ich bin gekommen hab ich sie gefunden und und sie haben mir erzählt alles was ist vorgekommen in Jurbarkas nach   bei mir liegt

[1:44:40] hier ein Zeitung ein Ausschnitt von Zeitung   was hat eine Dissertation von einer äh litauische Mädchen Ruta Puisiyte was war ein Mitarbeiterin von jüdischen äh   Museum in Vilne und sie hat sich vernommen mit Dokumentation mit Archiven was hat passiert

[1:45:08] in Jurbark- in Jurburg wie hat man umgebracht die Judentum von dem die jüdische Gemeinde in Jurburg der die Dissertation die Zeitung habe ich hier in in in ich hab es vorige Woche übergelesen noch einmal zu zu sich äh lernen   äh Jurburg war in Zone von

[1:45:33] 25 Kilometer von deutschen Grenez und nach   die   Einordnung von Gestapo zu von oder von von von äh   von wer das hat sich vernommen mitn äh   Auslöschen dem jüdischen Leben in in in in in in der Welt in Europa äh es 25 Kilometer von Grenez haben die Deutschen

[1:46:05] die erste die Gestapo äh gleich die erste Tagen von wie sie sind reingemarschiert haben sie sich vernommen mit die ersten M- erste Mord die erste Aktionen von Mord sind vorgekommen und das haben gemacht nur die Einsatzkommando kein Litwiner hat nicht Anteil

[1:46:30] genommen Litwiner die die die Weißbinder und die Hilfspolizei litwische haben nur bewacht äh   die erste Aktion in Litauen war durchgeführt in Garsden das ist ein Städtchen 18 k k k m von Memel in litauische Seite und das war am 24sten Juni dort hat man

[1:47:03] zusammengetrieben 200 Juden und mer hat sie am Rand von Stadt äh ermordet dort haben Anteil genommen die Einsatzkommando A von Tilsit und auch Memeler äh äh Schutzpolizei äh   dem Haupt- was hat dort   der Leiter von die Schießungen war ein Schmidt ein

[1:47:33] ah ein äh Polizeichef von Memel mer hat ihm mer hat ihm äh was war er beim Prozess hat er man hat ihm   mh gestraft in 58sten Jahr in Ulm war der der Prozess er hat bekommen zehn Jahre für dafür er hat erschossen allein man hat organisiert diese Erschießung

[1:48:01] von Juden   äh dann noch in andere Städtchen Palangen äh Tauroggen alle Städtchen was waren beim beim Grenez in 25 Kilometer auch Veiviržėnai wo mein Schwester Kind mein Kusine hat die Fania ist umgekommen

[1:48:22] und in der der Rayon von Jurbarkas von Jurburg

[1:48:28] ist war es dem dritten Juli   dem dritten Juli ist gekommen beim Bürgermeister von Jurbarkas der Bürgermeister war ein (hieger) ein ein Jurbarker deutscher Abstammung äh Jurgisi (Heppner Jeppneris) wie man hat ihn gerufen ich bin mit ihm sehr gut bekannt

[1:48:52] gewe- ich hab ihm gekennt sein Frau war ein Akuscherin sie hat mich in Schmalleningken angenommen und auch sie hat bei ihr sein bekommen gekommen alle meine Schwester Schwester ge- gewohnt und und Brüder von alle von Fania und Ahron und alle war die Akuscherin

[1:49:14] Frau (Geppner) sie war nicht kein Deutsche sie war ein Russin   äh sie hatte Abstammung ein russische Abstammung sie ein gute Akuscherin und sehr ein gute Frau und Herr (Geppner) war nicht kein äh sehr ein er hat kommen zu mein Vater und und und er war schon

[1:49:35] Bürgermeister vor dem Krieg und wenn die   wenn Jurbarkas war besetzt war er zurück ein Bürgermeister er war weg nach Deutschland in äh vierzigsten Jahr war ein Umtausch wie H- Hitler hat doch dann mit Stalin ein [gestikuliert] waren   die beste Freunde

[1:49:57] hat man gemacht ein Umtausch   von beim Grenez was wohnen Deutschen deutscher Abstammung ham gehabt Recht zu fahren nach Deutschland und die litauische Abstammung haben gekonnt zurückkommen nach Litauen so ist mein Frau von Memel   in 41sten Jahr gekommen nach

[1:50:21] Jurbarkas sie haben mein Frau hat mitm Vater mit die Schwester sie haben gewohnt in Memel zum erst sie ist geboren in Viešvilė das ist auch Memelgebiet Viešvilė ein Städtchen und und sie sind gekommen das war so ein ist der beim (Geppneris) hat man beschlossen

[1:50:42] der das war kommen ein von Tilsit ist gekommen äh ein äh   Gestapo- äh -mensch sein Namen ist Carsten er war der Chef von Grenez-Polizei in Schmalleningken und er ist gekommen er war be- bevollmächtigt zu machen die Aktion und mer hat beschlossen und mer

[1:51:10] hat äh zusammengeschleppt bei dreihundert Juden wem haben die Deutschen äh zusammen genommen man hat zusammen genommen die ganze Intelligenz alle   junge gebildete Leute   Arzten drei Arzten Apte- Apothekaren Lehrer äh äh Anführer von jüdische Gemeinde

[1:51:42] die ganze Gemeinde Rabbiner äh ein Rabbiner der zweite war den zweiten hat man später äh dem älteren dem jüngeren Rabbiner hat man gleich und man hat die 300 Juden den dritten Juli und auch haben sie (all) äh mitgenommen auch Litwiner und Russen die

[1:52:09] was haben kollabo- kollaboriert mit sowjetische Macht in den vierzigsten von vierzigsten bis 41sten Jahr auch   im bewussten in Litauen Skulptor Vlatas Gribas   er hat die dem Denkmal in Jurburg dortn aufm Berg gestellt von dem Vitold und in ganz Litauen sind

[1:52:35] seine Denkmal bis jetzt sind sie noch da äh   und er er hat man auch erschossen dort am auf dem jüdischen äh Friedhof dort und das war die erste   die erste äh Tritt zu zum Umbringen die jüdische Ge- äh Gemeinde in Jurburg äh   wo mein Vater   ist begraben

[1:53:14] wo man hat ihm begraben wo man hat ihm erschossen hab ich keine Ahnung nicht

[1:53:18] alle Frauen und Kinder und ältere Menschen hat man die ersten Tä- Tage hat man äh so wie in ein Ghetto versperrt it war es war ein jüdische oder wo ich hab sie gelernt die jüdische

[1:53:35] Schule da die äh Talmud-Tora wie sie hat geheißen ein große Schule mit ein mit dem Hof ein großen dort hat man versperrt alle alle Frauen Kinder und und und alte Menschen und von dort hat man zum erst haben sie gemusst arbeiten gehen arbeiten mir hat dort

[1:53:58] der Walis und der andere erzählt dass die Arbeit war so mer hat gemusst die Straßen reinigen die Grase mit die Händ und und und die und die   mit mit Zahnbürsten reinigen und und   einen schönen einem Tag das ist dem Donnerstag von nachm Beginn von Krieg

[1:54:26] hat man alle Mann zusammen gerufen auf dem Marktplatz und befohlen die jüdische   Synagoge die hölzerne Synagoge die historische Synagoge was es war gebaut in 1790 mit ein nur von Holz mit die geschnitzte ähm Aron Kodesch mit die geschnitzte Bima mit den

[1:54:50] geschnitzten S- äh Stuhl Eliyahu ha-Navi ich ich ich wenn   erzähle das wer wer es versteht weil das ist was ich sage das ist in Iwrit äh das ist der Aron Kodesch das ist die der äh Schrank wo man mer mer halt die Tora die Bima das ist der Ort wo man lest

[1:55:13] lest die Tora wenn es vor der Gottesdienst und der Stuhl wo man macht dem Ab- äh die Abschneidung war ein Stuhl auch ein geschnitzter Stuhl er heißt Stuhle von Eliyahu ha-Navi ja   und so die Bretter haben sie gleich verbrennt auf dem Markt und verbrennt

[1:55:34] auch alle Toras alle Gebetbücher die Sidurim äh überhaupt alle alle alle alle äh Bücher was waren in Synagoge und dann hat man de mer ham sie mir erzählt die Puisiyte schreibt m- äh das dass sie haben dem Rabbiner Rubinstein äh hat gemusst mit ein  

[1:56:03] so ein Wagen wie heißt das ein

Gabriele Zürn

[1:56:06] Sch- Schubkarre ?

Jakob Rikleris

[1:56:08] ah Schub- ka-

Gabriele Zürn

[1:56:10] Schubkarre so

Jakob Rikleris

[1:56:12] ja Schubkarre führen alle Bücher von zu Hause was er hat gehat Talmud und so weiter und und da mer hat das alles verbrannt auf dem Marktplatz äh   aufn Sonntag Sonntag das war Donnerstag Sonntag hat man zusammen getrieben alle städtische Juden von Jurbarkas

[1:56:34] äh gegen unser Haus etwas in Seit war ein äh Bücherm- äh äh -laden und dort hat mer verkauft Skulpturen von Stalin so ein Gipsskulptur hat man gemusst nehmen dem Skulptur auf die Hände Plakaten mit die Anführer von Sowjetenverband was waren die Stalin

[1:56:59] Kaganowitsch und so weiter und mer hat se allem gegeben alle Juden und sie haben gemusst gehen durchn ganzen Stadt und singen russische die sowjetische Lieder und man hat sie gebracht aufn zum Memel dortn aufm Platz beim Ufer beim Njemen bei Memel und dort

[1:57:23] ist äh war ein Jud so Friedman oh [zeigt auf die Fotos an der Wand] hier ist einer a Sohn mit mich fotogra- ein Foto von mich mitm Sohn seinem mit Meir Meir Meir äh Friedman äh er war meiner ein Freund der der Junge [steht auf und geht aus dem Bild]

Gabriele Zürn

[1:57:40] Vorsicht Vorsicht

Jakob Rikleris

[1:57:42] [aus dem Off:] oh dieser Meir Meir

Gabriele Zürn

[1:57:45] mhm ja

Jakob Rikleris

[1:57:47] sein Vater war er hat sich oh ich hab vergessen dass ich hab [lacht; Schnitt] kann ? ja der Friedman sie haben ein ein äh Hotel gehabt ein kein großen Hotel aber ein Hotel aber er war   ein äh in Litauen war man Frontkämpfer die was haben in 1917 18 Jahr

[1:58:12] in 18ten Jahr gekämpft für die litwische äh   Macht die litwische Abhängigkeit von Russland gegen gegen die Bolschewiken gegen Bermondt Bermondt war ein deutscher äh General Bermondt was hat besetzt Litauen gegen ihn haben sie gekämpft und er war ausgezeichnet

[1:58:33] von littische Regierung mit mit mit mit äh Abzeichen und mit mit äh Orden und so weiter war sehr ein litwischer so ein Patriot ein litauischer ein Front- so ein Frontkämpfer so haben sie sich gerufen ein ein es war äh jüdische Frontkämpfer von die litauische

[1:58:52] äh Abhängigkeit da haben sie ihm angeschrieben mal ein ein äh Vortrag und dort hat er gemusst beschimpfen alle Juden und und so weiter und dass Juden machen so und so und danach haben sie alles dem dem Stalin in den Feuer und die Juden alle haben gemusst

[1:59:14] haben sich in ah richtig nach was sie schreibt als äh es war ein Kantor Alperowic sehr ein alter Mensch er hat in ein Konservatorium geendigt und er war ein ein ein äh großer Musiker   und sie haben ihm haben er hatte ein langen weißen Bart Bart gehabt

[1:59:37] da haben sie ihm ein Ziegel einen roten Ziegel so gebunden zum Bart und hat gemusst laufen in Memel in in Ta- in Fluss und sich alle waschen dortn sie musst sich tauchen in dem waschen   das war die Aktionen von die Litauen das ha- hat der Leiter war meiner

[2:00:00] ein Lehrer und ein Klassenführer (Levitskas) (__) sein Nachname (Levitskas) mh (Dimitri) er war von von russ- ein russi- ein ein (Miti) hat man ihm gerufen (Miti Levitskas) er war ein sportsmen und er war er hat ge- er hat er hat untergericht äh Sporten

[2:00:26] in Gymnasium und er war mein Klassenf- ein Jahr in dem zweiten Jahr war die (Ruskij) und vor ihm war (Levitskas) mein ein Klassenführer so ein intelligenter Mensch und er war der Chef von Polizei und vielleicht war er schon dann ein ein mh   Spion oder ein

[2:00:46] ein so ein ander von die Deutschen und er war Chef von Polizei das hat er a- das hat er die ganze Aktion durchgeführt

[2:00:54] und   die Frauen und Kinder und alte Menschen hat man bis September Ende September äh ah so   ein Zeit hat man   mer sagt mer sagt so zu mein

[2:01:14] Vater auch man hat sie hereingesetzt in in in in in in ein Auto zu in ein ein äh   äh Kutsche und man hat sie geführt zum Arbeit nach Rasein Rasein das ist die der Kreisstadt und auf dem Weg zum Rasein dortn ist ein Ort Kalnujai ich war dortn dortn sind

[2:01:35] ja Beine sind dortn da zu zu meinem Vater ist dort begraben weiß ich nicht aber so spricht man da so sagt so hab ich so hab ich gehört und danach hat für vor dem Erschossung haben sie gemusst äh schreiben Brief dass sie arbeiten dortn   dass sie es geht

[2:02:00] ihnen sehr gut und die Brief schicken zu die Frauen zu die zu die äh ei- eigene Frauen dass sie sorgen und am sel- dann danach hat man die Frauen äh ein Nacht »wie wir Sie fahren zu Ihre Männer   mir führen ich zu die Männer sind dortn sehr gut eingeordnet«

[2:02:20] und mer hat sie weggeführt äh   nach Schmalleningken nach Deutschland in diese Zeit von Deutschland auf den siebenten Kil- Ka- Kilometer im Wald und dortn sind alle Frauen Kinder und alte Menschen erschossen geworden   da ist ich ihm gewissen dann da hat sich

[2:02:43] übersetzt von dem Buch von dem A- dem Ausdruck von Ulmer Prozess was war in Deutschland in in 58sten Jahr dann geht ein Gespräch von Carsten und Böhme die die die was haben das durchgeführt aber sie haben nicht geschossen das haben nur schon Litwiner  

[2:03:04] die ganze (_) wie mer rechnet äh aufm Denkmal ni- aufm Friedhof steht geschrieben dass 2000 mit 500 dort mit zwölf und so viele Juden sind umgekommen ist von sie haben nur 300 die Deutschen ge- ge- umgebracht und die alle Frauen Kinder und älter- ältere

[2:03:27] Menschen äh Jugendliche die sind alle haben die Litwiner   die litauische Helf- Hilfer Weissbänder sie haben das gemacht sie haben und sie haben in   a- in in in September zum Oktober haben sie schon gestellt Schilden von beide Seiten von Stadt   »Jur- Georgenburg

[2:03:58] ist judenfrei«   ja wenn ich bin gekommen hab ich noch gesehen ein Foto von die Schilden das hat gemacht ein Litwiner und ich weiß nicht wo das ist das hab ich gesehen zu das ist in Museum in in in in Jurb- in Jurburg ist da ein Museum dort wo es hat gewohnt

[2:04:23] der der Skulptor Vlatas Gribas dort haben hat man in sowjetische Zeiten ein Museum gemacht weil er war ein ein ein unterirdischer Kommunist oder nicht das weiß ich nicht aber dortn war ein Museum und sein Sohn war der der äh mh Direktor von dem Musee   und

[2:04:43] jetzt ist in dem Musee ist seine Enkeltochter die Direktorin und ihr hab ich die Ruta äh Gribaiti hab ich alle die   Bücher von von äh was ich hab bekommen von äh   von Ihren äh   Gedenkstätte von von vom Denkmal abgegeben und und auch was ich war in in

[2:05:11] in   in äh   Stuttgart war ich bin es war fünfzig Jahre nach dem äh   Prozess von äh von die von dem   äh Einsatzkommando war ich da dort war ein Ausstellung war ich auch auch ein Interview gegeben und ich war in in Stuttgart gewe- von dem hab ich auch dort

[2:05:35] bekommen dem dem dem dem   äh dem Disc was man hat mer was dem Interview und das hab ich ihm dort gelassen sie haben gemacht Übersetzung in Litauisch und ich war in vorigem Jahr oder vorvorigem Jahr in 2008ten Jahr haben sie dortn zusammen (geklieben) den

[2:05:59] Musee Kinder von die vom Gymnasium litauische und und waren und Russe und sie haben es mit dem dem   dem die alle Dokumenten bewiesen und dann (ein Wunder) das war da und von dem von dem Prozess ja haben wir erzählt   äh was kann ich noch Ihnen erzählen

Ruth Preusse

[2:06:24] ich würde   Ihnen gerne eine Frage noch stellen

Jakob Rikleris

[2:06:27] bitteschön

Ruth Preusse

[2:06:29] ähm haben Sie Sie waren ja dann schon weg haben Sie irgendwas erfahren w- war Ihnen das so früh schon klar dass äh Ihr Vater und Ihre Schwestern ermordet wurden wussten Sie das ? oder wie haben Sie das erfahren dass äh

Jakob Rikleris

[2:06:43] [unterbricht] n- ich habe es erfahren dann wenn ich bin gekommen zurück nach Litauen   wenn ich bekommen gekommen zurück nach Litauen ist der erste Schritt mitm Bruder mir sind kommen nach Vilnus haben wir übergenächtigt in Vilnus und sich gleich mit

[2:07:01] dem Bahn mitn gekommen nach Kaunas und von Kaunas geht ein Dampfer der Dampfer ist noch gegangen die Zeit auch wie vor dem Krieg mitn Dampfer sind mir gekommen nach Jurbarkas nach Jurburg und mir sind gleich gegangen zu unser Haus wo ge- wo geht man ? Zuhaus  

[2:07:22] Sie können sich nicht vorstellen wie die Menschen was haben gelebt (zusch-) andere fremde Menschen was ich kannte nicht wie sie haben sich erschrocken   wie sie haben ihr ihre Aussehen sie waren sie sah sie wollen unser jagen von hier oder nicht mir haben

[2:07:44] kein Recht zu jagen was wir hätten sie haben sich sehr erschrocken äh   wir sind rein bei uns auf den Hof war von beide Seiten von Hof waren Stall Speichern und ein Gebäude was war zwei Zimmer mit ein Küche dort haben gewohnt ein Familie (Daugelas) eine

[2:08:11] litauische Familie (Daugelas) er Adomas er s- Adomas er war bei beim Vater hatte er als als Hausmeister als als als äh Diener ich weiß nicht wie mer hat es ein ein Wachter er hat alles alle Arbeit gemacht für uns aufm Hof und so weiter und die Frau seine

[2:08:32] Agota war ein Wäscherin sie hat gewaschen unsere Wäsche mit dortn ist war eine Wascherei gemacht mein Vater es war dortn ein Keller ein gemacht so wo mer hat dort war doch kein kein Kühlschrank war doch die Zeit nicht war so im Keller und mehr hat von Njemen

[2:08:47] von von von von Fluß geschnitten so die Eis und dort gebracht und ge- gehalten im ganzen Sommer war das wie ein ein äh wie ein ein   es ist äh mir sind gleich zu ihnen rein   die erste was ich hab bemerkt dass ist eine Tischde- aufm Tischtuch ein ein ein

[2:09:14] Decke ein Tischdecke   das ist bekannte Tischdecke auf dem Tisch liegt   nu sie o- sie haben uns sehr herzlich angenommen sie haben auch gedacht dass keiner ist nicht geblieben von unser Familie und sie haben uns dann sind ham wir Tisch haben wir weggestellt

[2:09:35] ein Flasch äh   von von äh und mir haben sie beim Tisch und sie haben mir das war so Adomas war schon gestorben der der äh   was hat gearbeitet die Frau war nur Agota ein Sohn und ein Tochter die Yadia und und Vladas äh die Yadia war schon geheiratet ihr

[2:09:55] Mann war ein ein äh ein Chauffeur ein ein äh Fahrer mit ein masch- (_) und der Vladas und die sie haben haben sie schon uns erzählt wie es war und so weiter aber sie haben so alles haben die Deutschen   sie haben alles von Haus rausgeführt   äh mir hat

[2:10:23] interessiert mir und dem Bruder hat interessiert der Kabinett der der Praxis der Vater mit sein i- in letzte von 39sten Jahr hat er gehat ein ein Zahntechniker was war ein deutscher Jude von Schmalleningken nicht von Schmalleningken von (Wil- Wilkischen) von

[2:10:43] A- Lasdehnen Braude und er hat sehr deutsche äh gebracht mit sich von 39sten Jahr gebracht sehr ein guten äh Praxis all- alle Instrumente und und und und und und die die Stuhlen so und so weiter was wie eine Praxis beim Zahnarzt äh und ein b- ein Technik

[2:11:04] von Zahnarzt was macht Zähne wir haben dann dann so es war so ein   äh also uns hat das interessiert weil das ist Geld   na sehr viel Geld hat das gekost   sagt »nein das die Deutschen haben« und ich sag »und die Möbel ?« »auch ! die Deutschen haben alles

[2:11:24] in einen Masch- Lastmasch- äh -maschinen«

Gabriele Zürn

[2:11:27] [gleichzeitig:] -wagen

Jakob Rikleris

[2:11:29] Lastauto und alles rausgeführt   die Nachbarn andere sagen »nein keiner hat kein Deutschen haben do-« dem dem äh   die Praxis haben sie ja ja das haben sie äh   nicht gelassen das haben sie mitgenommen aber die Möbel und der der Haushalt von von der Haus

[2:11:50] a- alles die die die Bettgewand und so weiter alles ist   haben sie alles bei die (Doktorn) [lacht] bei sie nur wenn wir sind weg von ihnen das haben auch die Nachbarn erzählt dass sie haben mit mit mit die mit Fuhren mit Pferd gekommen und von Haus alles

[2:12:12] rausgeführt was was war unser einmal ausbehalten mer soll nicht zurückge- haben sie haben ja sie haben uns äh zwei Kissens mit solchen Kissens und ein alter eiserne Bett was ist bei uns gestanden aufm aufm

Ruth Preusse

[2:12:33] Speicher ?

Jakob Rikleris

[2:12:36] Dach aufm Boden aufm Dach wir haben das schon nicht (genügt bei) uns schon gestanden moderne hölzerne äh Betten und so weiter und das war wer weiß von welche Zeit ich gedenk das war noch es war noch gestanden die die die   metall- äh eiserne Betten aber

[2:12:51] das ist schon äh das haben sie uns abgegeben nu das ist nicht so   interessant aber das ist   äh das muss ich schon sagen  

[2:13:04] in Litauen hab ich schon das hab ich Ihnen gesagt das am er- gelesen in dem Buch das am ersten die Juden sind ermordet geworden sie haben

[2:13:20] den ersten Platz genommen äh am ers- den größten der großte Prozent von ermordete Juden war in Litauen die Litauen waren sehr große Antisemiten und sind so geblieben   äh   das was in Litauen hat passiert war es so ein Teil von Litauen ein dritter Teil

[2:13:54] war Mörder ein Teil waren Zuschauer was haben   gleichgültig gesehen und ein kleiner Teil waren die Helfer es waren Helfer es waren ich hab in Memel verpflanzt ein großen Allee von oder wo die Foto wo die Foto von der Uwe Neumärker hat gemacht wie ich steh

[2:14:21] bei dem Denkmal dort (bei dem Weg) bei dem dort ist verpflanzt Bäume für die Litauer was haben   ge- äh   geholfen gerettet Juden es waren es waren solche ich ich oder im Buch ist da da ein Brief von eine Mädchen eine eine meinen bekannte Mädchen von äh

[2:14:47] Lubin ist ihre Familie sie ist von von siebenten Kilometer von von Grub auch ein äh   sich   gerettet sie ist gefallen unter die Geschossene und dann noch herausgekrochen und sie hat sich bei einer Lit- Litauer gehalten bei zwei Jahren und sie hat dort gefunden

[2:15:14] ein ein ein ein ein jungen Mann mit welchem sie hat sich äh verbunden er war ihr ein Freund und ein Nachbar hat ihr oder haben sie herau- heraus äh haben hat äh hat erzählt die die Deutschen die die die Gestapo hat gemeldet hat man die ganze Familie ihr

[2:15:38] und die Familie die (Bausa) die Familie (Bausa) waren in hat man erschossen da waren auch so äh helfen in die Zeit ein Jude ähm äh   ein helfen retten das war äh äh verbunden mit Todstrafe mit Todstrafe das waren Helden   ich kannte in in Memel so ein

[2:16:11] Frau äh ein sie ist ein Rechtsanwalt war sie ein Frau Rolnik ihre   ihr Familie ihre Schwester in Vilnius ihre Mutter ist umgekommen und in noch Kinder ihre sind umgekommen und mir ihr hat ein   ein ein Priester ein litauischer hat ihr gerettet war es auch

[2:16:37] so   aber es waren auch die was haben   waren Mithelfer von Nazis  

Gabriele Zürn

[2:16:47] als Sie nach Jurburg zurückgekommen sind mit Ihrem Bruder haben Sie da noch andere äh Rückkehrer getroffen gab es noch jemanden der überlebt hat und zurückgekommen ist ?

Jakob Rikleris

[2:17:04] [gleichzeitig:] ja ich hab ja gesagt da die vier vier Juden vier jüdische Familie das hab ich ge- ich hab gefunden mein äh dem Abel Walis er meiner ein ein weiter von mein Mutter ein ein Gewandter aber ich weiß ein wie weit das ist aber ich was dass er

[2:17:18] ist ein Gewandter äh der Walis dann noch einer Michaelowski die was sind an die haben sich gerettet äh dann noch Münzer einer und einer äh Meigelis der der mit ein Frau hat sich gerettet sie haben kein Kinder nicht gehabt und mer hat die Litwiner haben

[2:17:37] ihr sie haben sich (__) und und viele sind doch äh äh   in Russland gehat geraten so wie ich sind sind äh von die Gre- weiter von von Grenz weiter haben gehabt haben sie gehabt Gelegenheit zu mit dem Bahn mitn mit ein Auto und und und mein Bruder zu Fuß

[2:18:00] von Kaunas mit mit der Frau von Kaunas die die Deutschen sind dortn den 27ten bitteschön von zwei- nein   dem ja dem 27ten sind die Deutschen reingetreten in Kaunas dann haben sie gehat Zeit zu zu entlaufen wer wer es hat gehat Mut und gehat gesund zu laufen

[2:18:20] sind gelaufen und es ist auch ge- äh ich weiß dass es war so nach dem Krieg hat man gesagt dass beim funf- 15000 Juden litauische sind äh am Leben geblieben und äh und äh etliche tausend sind gefallen in in in in Krieg sind haben gekämpft gegen die Deutschen

[2:18:43] in litauischen Division in litauischen Division und junge Leute und haben gekämpft so haben sich äh war und Jurbarkas war äh dort in Buch ist ist dort äh äh   Fotos die was werden kommen am dritten Juli beim äh   äh jeden Tag beim jeden Jahr bei bei dem

[2:19:09] Andenk- äh -tag und noch das habe ich noch Ihnen nicht erzählt ich hab vergessen zu erzählen die was sind geschossen geworden umgebracht in siebenten Kilometer hat in sowjetische Zeit in 1958   äh haben die Juden was haben gehabt so in die Zeit   äh wie

[2:19:37] sagt das äh sie haben   in Polizei gearbeitet in in in in nicht in NKWD haben sie gearbeitet in die KGB haben unsere auch Leute gearbeitet haben sich äh am äh   das man muss die die sie haben festgestellt da muss die alle Leiche von siebenten Kilometer   bringen

[2:20:09] und und be- ähm be- begraben aufm Friedhof auf dem jüdischen Friedhof und man hat das gemacht ich war da dort   äh 28 Gräber hat man mit die Beiner und und Hände und Füße und es war a- andere sind schon ich hab nicht gekonnt gucken ich hab sich abgedreht

[2:20:36] aber mich hatte ich bin begleitet hab ich die 28 Grabe und mer hat wo mer hat geschossen war ein Grube und noch zwei gemacht für die jetzt die da auf dem jüdischen Friedhof zwei drei Gruben und man hat alle übergeführt alle alle äh   Leiche und und und

[2:21:02] Beiner und so weiter und Knochen so was ist was war von von Menschen was haben geblieben von dem Ort man hat dortn ein kleinen Denkmal steht wie sie jetzt steht ein Denkmal dass in dem Ort hat man geschossen Juden und so weiter die Litwiner haben äh ich kann

[2:21:18] sagen   äh ich hab sich mit der ein vernommen sehr in wie ich war in Memel als als Vorsitzer von Jüdische Gemeinde in Litauen hat hat war ge- es war ein Komittee äh organisiert zu äh an- zu machen der Andenkungen in jeden äh Ort wo mer hat äh geschossen

[2:21:45] Juden man hat umgebracht mer hat so weiter in Litauen es war 200 Plätze so da

Gabriele Zürn

[2:21:53] mhm

Jakob Rikleris

[2:21:56] ich war ein ein ein Unternehmer von dem äh Komittee in es war so ein (Levinson) in Jüdische Gemeinde in in was hat das m- als Leiter war von der ein er hat mitn mit dem mitm Präsident mit mit die mit der Regierung durchgemacht man hat Geld gegeben   und

[2:22:18] wir haben in jeder Städtchen in jeder Stadt äh äh in Ordnung gemacht die Friedhofen und die wo mir haben mir haben gefunden die Plätze wo es ist die Gruben und die sind im Wald in in in in in in bei die Friedhofen und so weiter und so weiter ich war in

[2:22:41] in äh   von Westlitauen von Klaipeda äh Heydekrug das ist in deutsch Silute äh Tauroggen   Plunge Skuodas Kretinga die alle Kreis- äh -städtchen wo mer hat geschossen Juden war ich der äh   Bevollmächtigter zu zu zu zu das erledigen zu machen und ich es

[2:23:09] sie haben die Litauer haben Litauer haben gemacht die haben ge-   die gespürt dass sie sind schuldig

Gabriele Zürn

[2:23:18] mhm

Jakob Rikleris

[2:23:20] und sie haben das äh getan was mer hat was mer hat gefordert von ihnen sie haben die Friedhofen in und Garsden bis ich [lacht] es war ein ein äh in sowjetischer Zeit gestellt ge- gestanden ein Denk- ein Gedenkstein   es war herunter gefallen haben wir gemacht

[2:23:42] ein neuen Gedenkstein schönen schwarzen Gedenkstein wie ein Denkmal und dem Friedhof mit dem so ein Zaun von Metall gemacht so [lacht] es hat sehr viel Geld gekostet und äh und in in Palangen dort oder Tauragė dortn auch sehr schön gemacht und und äh

[2:24:03] wir sie haben sich äh   wie zu sagen wie ich verstehe das gewiss kann ich das nicht sagen dass sie sie haben ihren Schuld probieren au- probier- probiert auskaufen [lacht] auszukaufen und sie haben gemacht alle alle Plätze nicht zu gleichen zu Russland oder

[2:24:33] Ukraine oder oder Weißrussland dortn hat die Größe wo so ein Babij Jar dort wo es schon 30- 40000 20000 Minsk und so und die kleine Städtchen haben dort ist nicht verglichen [gestikuliert] so wie der Herr Poren schreibt hier in dem wo hab ich das [blättert

[2:24:57] in Papieren]   oh »vijst vij- va- vist !« vist das ist (_) von ein äh   Wüsten von W- von ein äh   in in in in in Afrika was ist die Sand

Gabriele Zürn

[2:25:18] Wüste ?

Jakob Rikleris

[2:25:21] hah ?

Gabriele Zürn

[2:25:23] Wüste ?

Jakob Rikleris

[2:25:25] Wüste ! oh das ist ein a vist »vist un leydik shteyt itst dos dos shtetl nishto keyn yiddish-hoyz nishto keyn betl nor kvorim fil arum tseshprayt « kvorim das heißt das heißt Graben »arum tseshprayt un beyner trukene tsezayt«   beyner das ist Knochen

[2:25:44] trukene tsezayt das ist verpflanzt ausgepflanzt und er schreibt   und das ist   das haben wir probiert in Litauen machen das so etwas das nicht so sein

Gabriele Zürn

[2:26:00] mhm

Jakob Rikleris

[2:26:02] und wo ist jetzt wo mer hat was ge- wo es liegt zwei drei fünf Menschen dort auch wenn man hat sich gewusst man hat das festgestellt dann steht ein Denkmal und ein ein Zaun was nicht was gemacht und und

Ruth Preusse

[2:26:18] Sie haben ja ein Foto ähm von dem   Gedenkort   hatten wir das nicht rausgelegt sollten wir

Jakob Rikleris

[2:26:28] äh von Jurbarkas

Ruth Preusse

[2:26:30] ja

Jakob Rikleris

[2:26:32] ey [steht auf und geht aus dem Bild] das ist hier ein ander

Gabriele Zürn

[2:26:34] Vorsicht ! Vorsicht !

Ruth Preusse

[2:26:37] [gleichzeitig:] ich dachte wir hatten

Jakob Rikleris

[2:26:39] [gleichzeitig:] uih (weiter) vergessen (___) [lacht; setzt sich wieder]

Gabriele Zürn

[2:26:41] wir machen [Schnitt]

Jakob Rikleris

[2:26:43] [zeigt eine Buchseite mit einem Foto in die Kamera] ja und das war der alte Denkmal in sowjeten- -sche Zeit dort war geschrieben da sind umgekommen sowjetische Bürger keine Juden kein   Juden an das hat schon gemacht in die litauische Zeit das ist drei Aufschriften

[2:27:02] da in Litauisch in Iwrit und in Jiddisch   das bin ich am dritten Juli in welchem Jahr gedenk ich nicht aber jedes Jahr hab ich   bis jetzt bis mein gesund   fahre ich

Ruth Preusse

[2:27:32] soll ich das Buch mal nehmen ?

Jakob Rikleris

[2:27:36] bitte schön

Ruth Preusse

[2:27:39] wenn Sie möchten können wir vielleicht mit mit den anderen Fotos weitermachen die wir noch nicht gezeigt haben

Jakob Rikleris

[2:27:44] meint ihr die ? das ich habe gezeigt ah auf dem Friedhof mein Mutters [zeigt Fotos]   das ist der Rückseit von mein Mutters   Gedenkstein in Jurbarka- in Jurburg auf dem Friedhof in jener Seite ist in Iwrit   in geschrieben wie (das __) und die Seite die

[2:28:14] einzige in in auf dem Friedhof was ist in Deutsch geschrieben das heißt   mich alle fragen »wie kann das sein wie das ist« sie ist sie ist in von Königsberg gekommen nach Jurburg und nicht dass ich das kann ich nicht äh richtig feststellen wie das ist

[2:28:35] ich weiß nur dass der Vater war ein Rabbiner und   keine Fotos keine habe ich nicht und und keine Dokumente nicht das ist   nur das ist in De- hier ist geschrieben dass sind vielleicht früher weggefahren nach Israel wenn es was war noch mein Mutter was hat

[2:28:58] gelebt das war dass mein Vater ist ein Zahnarzt ist nicht da geschrieben in ein zweiten Platz ist schon da aber in ersten wo sie beschrieben dass mir mir haben eine Apothek ein Apothek ein ein Apotheke äh   in Iwrit geschrieben und   in zweiten Platz schon

[2:29:21] geschrieben kein nicht kein Apotheke nur eine äh in in in Jiddisch ein Apothekarski Magazin das ist eine ein Apothek ohne was man hat kein Recht nicht zu verkaufen keine äh Medizin mit äh   mit äh   was der Arzt schreibt zu

Gabriele Zürn

[2:29:40] mhm   wie ne Drogerie vielleicht eher sowas ?

Jakob Rikleris

[2:29:42] ja ja ja oh ! wie hier wie Rossmann

Gabriele Zürn

[2:29:45] ja genau

Jakob Rikleris

[2:29:47] so wie Rossmann

Gabriele Zürn

[2:29:49] ja so etwas

Jakob Rikleris

[2:29:51] [gleichzeitig:] ja sowas ein Drogerei so wie Rossmann und und und   verstehe ich dass mein Mutter war ein Apothekerin das war (_) war in die Zeit war ein Apothek und danach war schon nicht kein Apotheke nachher der Va- der Vater überhaupt gemacht ein Schuheladen

[2:30:08] dortn

Gabriele Zürn

[2:30:10] mhm

Jakob Rikleris

[2:30:12] und das und

Ruth Preusse

[2:30:16] Sie haben hier noch   ein Foto mit der Familie

Jakob Rikleris

[2:30:19] die Familie bei in in in [lacht] bei in da dort dies ah die Foto nein die Foto ist nicht in Ort das ist die Familie das ist ma- was hab ich erzählt mein Familie wo das mein Mutter war schon krank andere hab ich nicht von Familie   ja

Ruth Preusse

[2:30:39] und Sie haben uns erzählt dass Ihr Bruder dass Ihr Bruder in dieses Foto

Jakob Rikleris

[2:30:44] aha

Ruth Preusse

[2:30:47] hinein montiert wurde

Jakob Rikleris

[2:30:49] ja hinein montiert ja das war

Ruth Preusse

[2:30:51] [gleichzeitig:] weil er nicht da war

Jakob Rikleris

[2:30:53] ja das kann ich beweisen das wie Sie haben das ich in meiner Erzählung das ist nichts aber ich ich hab Beweisung hab ich [lacht] ich hab ein Beweisung   wo ist das   das hab ich ein Beweisung   mh mh mh oh ! oh wo ist die Beweisung ?

Ruth Preusse

[2:31:20] soll ich helfen ?

Jakob Rikleris

[2:31:26] nein ich kann schon allein   [zeigt ein weiteres Foto] mh das ist beide rausgenommen das ist besser die ist besser die   richtige ja

Gabriele Zürn

[2:31:38] da war Ihr Bruder schon Soldat nich

Jakob Rikleris

[2:31:44] ja er hat gedient in litauische Armee

Gabriele Zürn

[2:31:47] mhm

Jakob Rikleris

[2:31:49] und er war nicht wenn mer hat das die Foto gemacht war er nicht zu Hause und dann dann hat äh gemacht man muss machen alle ganze Familie hat man das derselbe Fotograf Levin ich gedenk das dem Levin sein Familie er hat das montiert den Va- den Bruder herein

[2:32:08] montiert in die Fotogr- in den Foto herein montiert   ja

Ruth Preusse

[2:32:14] zeigen Sie ruhig die anderen auch   noch die da liegen ich nehme das mal

Jakob Rikleris

[2:32:25] äh das ist ein interessante Foto das [zeigt ein Foto] das ist die jüdische die Juden kein Gemeinde war das nicht in sowjetische Zeiten haben kein Gemeinde nicht gekonnt sein das war die Juden nachm Krieg in Jurburg was haben sich zusammen geleben was haben

[2:32:45] gelebt   in Jurburg jetzt ist schon kein einer nicht diesen diesen Mann oh seiner Tochter eine hat ist geblieben und sie geheirat vor vor äh einen Litwiner und sie lebt ein ein einzige in Städtchen von von 3000 was waren vor dem Krieg   kein einer nicht geblieben  

[2:33:09] und   ja es war ein Städtchen und ein Städtchen wie in ganz äh Osteuropa was war der Fundament von jüdischem Volk   nur in die Städtchen äh haben gelebt Juden was haben äh sich sehr stark äh gegengestellt dem Assimilation sie haben nit nicht   so schnell

[2:34:01] gelassen sich assimilieren äh sie haben a- die hi- die die Sprache die Traditionen und und und und   und sie haben gegeben dem jüdischen Volk alle alle äh große große Männer und Frauen was haben mit der Zeit äh   gebaut die Staat Israel am ersten wie

[2:34:37] ich hab sich erinnert so ich ich werd nun die alle die erste äh   äh Kämpfer vom Staat Israel alle waren vom Städtchen alle sind geboren in kleine Städtchen und und dort haben sie bekommen die Erziehung die zionistische Erziehung die die   die Liebe zum

[2:35:05] Volk zu dem Staat unsere Religion auch   und   wie bin ich Sie haben die Bilder gesehen von meinem Bruder was er mer hat ihm einmontiert in Foto wenn bei uns starbt ein Eltern ein Mutter ein Vater muss der Sohn wenn er 13 Jahre alt schon muss er elf Monaten

[2:35:34] dreimal in Tag sagen ein äh   Kaddisch äh das heißt das ist ein ein ein ein Gebet für einen Gestorbenen und so ein Tradition elf Monaten muss man dreimal in Tag gehen in in die Synagoge und es muss sein zehn Mann zehn Menschen zehn Männer ein ein ein ein

[2:36:01] Minjan und dann kann er sagen Kaddisch dem dem Gebet fürn Gestorbenen und wie ich   wenn mein Bruder war in Armee hat er das nicht gekonnt ein einziger Sohn war er hat mein Vater sich beraten mit dem Rabbiner wer soll sagen Kaddisch mir war ich war acht Jahre

[2:36:27] alt und der Rabbiner hat ihm   [bewegt] gesagt das wird gehen dass ich werde sagen   äh   Sie können sich vorstellen wie ein Kind von acht Jahre muss (abbitt-) hüten die Zeit zu gehen in die Synagoge und sagen dem dem Kaddisch dem dem Gebet ich hab sie verspielt

[2:36:57] ich hab Fußball gespielt ich hab mit Kinder sich verlaufen und der Vater oder die Schwester die Chana war zu Hause sie haben mir in ganzen Stadt gesucht und gefunden und von Ohr   in die Synagoge und die Synagoge war es schon beendet der Gottesdienst haben

[2:37:18] sie   gesucht in der Straße Marktplatz die äh Nachbarn geblieben zehn Männer man soll noch einmal machen dem Gebet hat gedauert war Tag m- in in Früh in Morgen in wenn ich fahren gehen in Schul das war mir schon angenommen aber in Tag und Abend das war

[2:37:44] für mich nicht   haben sie die verzahlen zu (Leu-) zu zwei (Leuten) die Menschen sollen kommen in Synagoge und soll können ein Kaddisch sagen   ja   das hab ich gelernt dann hab ich gelernt   im Gottesdienst

[2:38:14] dann ist kommen die Zeit   ich war doch ein säkularer

[2:38:23] Jud ich hab überhaupt keine nicht in Jugendzeiten ich hab geheiratet überhaupt nicht bei mich kein Jüdischkeit und mein Familie war ein schon nicht kein jüdische litauische und es ist gekommen ein Zeit   [bewegt] wenn ich hab gemusst sich kehren zurück  

[2:38:50] das war in die siebezigste Jahr   in in Memel   äh ich hab schon in Memel gelebt ist dortn war   nit viel aber wir war zehn zwölf Juden was haben äh waren religiös und haben haben sich (geklieben) sehr das war in die Zeiten war es unterirdisch   das war sehr  

[2:39:29] äh gefährlich   äh und mer hat sich bei einem einem so ein   ein   Friseur Da- David hat er geheißen ich ich die Familie dem Nachname gedenk ich nicht und einer von ein äh Jude so ein Gritzmacher Bener er ist gestorben hier in Deutschland er war ein Memelländer

[2:40:02] Jude richtiger Memelländer äh   dann wa- nach Deutschland weg ist er hat mir eingeladen einmal »da es fehlt uns zum Minjan zum Kaddisch kannst du hereingehen« »aber bitteschön« und ich bin da rein [bewegt]   für mich ist das zu erzählen sehr schwer  

[2:40:34] erzählen das immer sehr schwer weil ich von dann von dem Tag hat sich bei mir alles [gestikuliert] so übergekehrt   ich hab sich überhaupt bis dann nicht interessiert für den Judentum ich hab keine Historie nicht gewusst keine Literatur überhaupt nicht

[2:40:56] und überhaupt nicht und dann bin ich herein und nicht raus   vor von jedes Schabbat von jeden zweiten Schabbat wie ich habe gekonnt bin ich schon gegangen in in zu dem Minjan   und und   ich hab schon ich hab schon   Literatur und und und und Historie und

[2:41:32] Geschichte und genommen les ich lesen und und und und Kindern und und ich zu machen die Teschuva wie es heißt ich weiß nicht was das heißt Teschuva machen

Gabriele Zürn

[2:41:45] so wie Umkehr ?

Jakob Rikleris

[2:41:48] ja ! Teschuva das ist nicht nur Umkehr das ist auch auch äh äh   äh wie sagt man jetzt das ist auch Teschuva das ist äh   wie sagt man das wie übersetzt man das richtig   richtig das   Verantwortlichkeit !

Gabriele Zürn

[2:42:11] mhm

Jakob Rikleris

[2:42:13] Verantwortlichkeit Teschuva der Wort das heißt Verantwortlich- -keit

Gabriele Zürn

[2:42:16] mhm

Jakob Rikleris

[2:42:18] das musst du hat ein zwei zwei   äh

Gabriele Zürn

[2:42:20] Bedeutung

Jakob Rikleris

[2:42:23] Deu- Deutungen Teschuva umkehren sich und Verantwortlichkeit und bei Juden ist das   äh unser Halacha unser unsere äh   Gesetze sagen dass das äh   Teschuva kann man machen bis in letzten Minu- bis in letzten Stunde vor dem Tod ein Stunde vor dem Tod wenn

[2:42:55] du verstehst dass du hast gesündigt und weggegangen und willst kommen zurück dass ist der   Allmächtiger nehmt dir zurück zu sich zu und äh   ist bei uns nicht da so ein dass du bist versündigt du bist weg äh du bist ein ein (__) wie man sagt das geworden

[2:43:24] hast getauft sich jedes Mal hast du Recht zu kommen zurück jedes Mal   und und so bin ich gekommen zurück in die Jahr weniger mehrer und bis   gewiss das hat auch bewirkt mein Älter wenn man wird äh   älter in Jahren wird man kluger vielleicht man denkt

[2:43:53] mehrer man man   so bin ich gekommen zu die Zeit dass ich trage ein Kippa   ja   vielleicht das hat mir auch nach Deutschland geführt

Gabriele Zürn

[2:44:20] mhm

Jakob Rikleris

[2:44:22] auch vielleicht anders hab ich gewusst dort haben wir in Memel hab ich das ich hab mit meine Hände gemacht die Synagoge dort ist ein Zimmer so wie so groß wie dieser Zimmer und und und und ein ein ein kein überhaupt keine mitn Minjan jedes Mal die ist

[2:44:39] nicht da kein Minjan man muss ihm zahlen und so weiter und dann hat man mir dort ein ein litauischer Jude so ein ein mh   er ist von Komi gekommen von Russland er war Rausgeschickter von Memel aber dort hat er geheiratet ein meiner Nachbarinnen eine Schugam

[2:44:57] Sonia und ich hab gewusst dass sie in Leipzig sie sie wohnen in Leipzig   äh   ist von Memel bis er war gekommen in Litauen wenn ich war äh   in jüdische Gemeinde in Memel und er hat mir so »ja mir haben eine Synagoge schöne Synagoge« in in sie es war die

[2:45:19] deutschen in neuen Deutschland die ist doch sehr wenig (__) äh es waren die Synagoges alle alle alle verbrennt alle so und da hat sich ausge- ich dachte »gut dann komme ich« [lacht] ja   vielleicht dafür bin ich so alt ?

Ruth Preusse

[2:45:45] bitte ?

Jakob Rikleris

[2:45:47] vielleicht dafür was ich bin gemacht Teschuva und gekommen bin ich so alt geworden

Gabriele Zürn

[2:45:54] mhm

Jakob Rikleris

[2:45:56] nicht gestorben Jungeheit

Gabriele Zürn

[2:45:58] mhm

Jakob Rikleris

[2:46:00] [lacht] dafür kann ich noch mit Ihnen sprechen in mein Älter schon 85 Jahre jetzt schon viele meiner Freunde   die was sind noch da sind krank und und und und mit dem zu zu ein Gespräch zu führen (oder __) verloren nicht so und ich kann mich noch   unterhalten

[2:46:27] mit Frauen solchen schöne Frauen wie hier [lacht]   das ist auch ein Dank dem Allmächtigen vielleicht vielleicht ! ich gedenke so   äh sagen Sie mir da haben Sie mir alles gefragt jetzt werde ich eine Frage kann ich geben eine Frage ? hat es einen Sinn

[2:46:59] das was ich hab erzählt zu nicht hat es für wemen wird es interessieren wenn man dies das was ich habe erzählt

Ruth Preusse

[2:47:12] also das haben wir ja zwischendurch auch schon gesagt natürlich wird das interessieren Sie haben ganz ähm ganz schön erzählt viel erzählt wir sind jetzt etwas glaube ich kurz verunsichert ob wir ähm ob wir zum Ende kommen jetzt ob wir die restlichen

[2:47:34] Fotos noch zeigen oder ob Sie vielleicht das Gedicht doch noch lesen möchten oder   oder lieber nicht

Jakob Rikleris

[2:47:39] nu da das das will ich äh äh überlassen bei zum Ende

Gabriele Zürn

[2:47:45] ja

Jakob Rikleris

[2:47:47] das muss mit dem will ich endigen meine mein

Gabriele Zürn

[2:47:49] ja das

Jakob Rikleris

[2:47:52] [bewegt] der Gedicht heißt »gedenk ich gedenk«

Gabriele Zürn

[2:47:57] mhm

Jakob Rikleris

[2:47:59] das ist in Deutsch und Jiddisch das ist dasselbe »ich gedenk« da das heißt so durchgeschrieben oben und äh »ich gedenk« das will ich überlesen be- be [lacht] zum Ende

Gabriele Zürn

[2:48:15] ich kann mich der Ruth nur anschließen also das ist äh Sie haben wunderbar erzählt und schauen Sie wir hören Ihnen wirklich ganz gerne und zu und haben ganz viel gelernt und erfahren heute und wir sind keine anderen Menschen nur dass wir manche Sachen

[2:48:31] schon kennen oder schon mal gehört haben als die die das Interview später hören werden

Jakob Rikleris

[2:48:35] mhm

Gabriele Zürn

[2:48:37] ich bin mir sicher dass es ein gutes Interview ist und etwas dem man sehr gerne zuhört

Jakob Rikleris

[2:48:43] dann kann ich sein zufrieden dass Sie sind bei mir gekommen [lacht] so schöne Gäste

Gabriele Zürn

[2:48:53] dafür sind wir Ihnen dankbar

Jakob Rikleris

[2:48:56] und   davor sagen Fotos Fotos viel Fotos das ohne ein Ende ich hab

Gabriele Zürn

[2:49:05] ja ja Sie haben wirklich viele

Jakob Rikleris

[2:49:09] ich mir hab gedacht dass Sie haben genommen schon die die wichtigste das dem dem oder die Fotos was ist

Gabriele Zürn

[2:49:15] [leise:] können wir vielleicht mal nen Schnitt machen bitte [Schnitt]

Jakob Rikleris

[2:49:20] ah in äh ich hab sich in Zeitung oder wie ich ge- in in Tele- in in Fernseher hab ich gesehen dass es war der Eröffnung von dem Denkmal mich hat mir hat doch äh Herr Uwe äh mh geschrieben ein Brief dass er ist in Stiftung ein ein und man er hat gesagt

[2:49:44] man hat dem   die Pläne von dem Denkmal geschickt die waren ja da die Pläne noch die alte von 2001sten Jahr hat er das mir geschickt aber ich hab das [gestikuliert] un da hab ich zu in Fernseh zu in Zeitung gelesen dass mer hat schon dem Denkmal   gemacht  

[2:50:02] und ich hab sich ich muss ihm sehen hab ich die (Doktor) Galina sie war in in Vorstand unserem sag ich »Frau Galina mach ein organisier ein ein ein ein Reise nach Berlin zum Denkmal« nu hat es sie hat es organisiert sie kommt nur durch wie sie hat es nur

[2:50:23] wegen dir gemacht das s- da sagt sie wir sind gekommen nach Berlin mit dem Bus   und mir sind durch den ganzen Stadt (mit rum) geführt die Stadt gewesen die alle alle alle   schöne Orte dem Potsdamer Platz und und und und und und Alexanderplatz und und und

[2:50:46] und die   alles was man kann und mer hat uns gebracht der Bus ist gekommen neben dem Denkmal dortn in die in die Straße da wird mir da will mer bleiben stehen und mir gehen jetzt in Reichstag und mir begucken dem Reichstag und an und jetzt wer wer das will

[2:51:09] der soll dem Denkmal nu ich alle sind gegangen da hin und so steht da ich steh da ein ein der Denkmal hat mir nicht überhaupt so schön ge- kann ich Ihnen sagen die die wahre sie war mir zu schwer zu gucken die die die die die dem Granit die die Steine die

[2:51:34] die die sind ähnlich für wie Graben und so weiter und mir sind so haben durchgeguckt alles »gehen mir in den Reichstag« gleich wir haben da einen Saal sich Foto gemacht dort ich hab ihm gewiesen die Foto wo ich hab sitzen in in (Lag) wo Frau Merkel sitzt

[2:51:53] [lacht] und danach hat man uns aufn Kuppel geführt   ich hab mh   etwas ich leide mit die mit den Bronchien und mir ist zu schwer zu gehen so hoch der Atem hat mir abgenommen und ich bin nachm drei zu vier die die Runden gemacht und »ich geh mehr nicht ich

[2:52:20] geh zurück« und einer ein ein zweiter meiner der Nachbar hier (Slatkin) ist sein äh (Name) sag ich »komm mir gehen zum zum zum Bus zurück« und warten bis alle werden nach Hause und gehen und mir fahren nach Hause   mir sind kommen von die Seit   gestikuliert

[2:52:41] und wir sehen dass Menschen   gehen   von Denk- wo der Denkmal gehen sie in ein Treppe   sag ich »komm wir gehen gucken was das ist« ein junger Mann spricht in Russisch äh   sagt er er hat er hat uns erkennt dass mir sprechen Russisch dass mir können sagt

[2:53:05] er »das ist ein Musee dort wenn Sie willen gehen Sie rein ! gucken Sie« hat uns die Prospekten gegeben in drei Sprachen Iwrit Russisch und Deutsch und das liegt bei mir ich hab das bis jetzt »komm rein« mir sind reingegangen   in ersten Zimmer ist ein große

[2:53:24] Mappe   und dort Europa und alle Städtchen wo mer alle Stätte wo mer hat Juden äh geschossen wo mer hat umgebracht und mein Städtchen Jurbarkas steht geschrieben sag ich »du siehst mein kleine Städtchen meine« haben sie geschrieben von Litauen das   Kaunas

[2:53:45] Vilnius und Jurbarkas mehr nicht dortn auf dem auf dem Mappe komm rein nach dem und sie geschrieben dass in dem zweiten zu den dritten Saal das ist zweiten Saal   wir sind da rein [bewegt]   und da ist auf dem Wand Krelitz Mosche Krelitz ich hab auch noch

[2:54:13] dem die Wand noch nicht gesehen gleich hab ich ihm erkennt das mit dem mit die mit den äh Beitar Uniform sagt er »sieh das ist doch meiner ein Bekannter Mosche Krelitz in Jurbarkas meiner« und dann zu nennt er dann bin ich muss ich weggesetzt [weint]

Gabriele Zürn

[2:54:32] mhm

Jakob Rikleris

[2:54:34] dem Bruder und sich und ich sage (ihm) »da das bin ich hier« »oh« er sagt und mir sind mir stehen dort sie kommen alle die ganze Frauen sind da rein alle unsere sagen sie »Dame muss sehen sagen dem äh   die die an der Rezeption gehen und und und und

[2:55:01] und sagen dass du bist hier und gekommen einer was ist ein ein auf dem auf dem Wand« sind kommen ein (Jung _) dortn ein junger Mann so hoher und er hat er hat das mich ich hab mir ihm gesprochen sag ich »ich will die Fotos bekommen alle !« sagt er »unbedingt

[2:55:24] ich werde zuschicken« hat er geben dem Buch dem großen schreibt (__) rein geschrieben und die Galia die sagt »für uns für die äh Gemeinde in Bibliothek auch ein Buch« hat er noch ein Buch gebracht gleich angeschrieben für Bibliothek für die jüdische

[2:55:43] Gemeinde   nu und so hab ich sich ja   dann noch ich hab gewusst dass Uwe Neu- äh ist ist hier der Geschäfts- da dann war er Geschäftsführer jetzt ist er Direktor ja das war Geschäftsführer sag ich ich äh   äh sag ich bitt soll er mir sag ich telefonieren

[2:56:07] soll er mir wie ich bin geb ihm über ein ein Gruß von mich dann über ihm vielleicht ich hab einen Brief bekommen von ihm und ich hab probiert telefonieren einmal und ein zweiten und ein dritten Mal und anrufen und ich hab sagt nicht kann mit ihm verbinden

[2:56:25] dann sag ich vielleicht ist er (__) vielleicht ist er und ich hab   die alle was ich hab bekommen die die die das hab ich (__) ich bin in dem Jahr gefahren nach neunten Jahr bin ich gefahren nach Jurbarkas sag ich für mich ist das schon viel aber für den

[2:56:46] jüdischen für den Musee für die Kinder für die Menschen was wohnen in Jurbarkas sollen wissen was es ist dass in Berlin ! im Denkmal ist da   unser Städtchen und ist bemerkt in Litauen ist 200 zu 300 Städtchen solche und und kein Städtchen und unser Städtchen

[2:57:13] ist da und da hab ich das abgegeben alles in in Musee alle äh   ich hab dort gesprochen im Musee und erzählt alles und so ist das und und jetzt in diesem Jahr bekomme ich ein   ein von unser äh Jüdische Gemeinde von Rezeption die Frau Krenn sagt sie man

[2:57:41] hat ihr telefoniert »dein Adresse hab ich gegeben von Berlin« und dann hab ich bekommen ein Brief einen Brief   er kommt zu mir zu Gast er war zu Gast und danach hat er ein die   [hustet] die Frau Gabriele mir zu [lacht] bekannt gemacht durch Telefon und durch

[2:58:11] Briefe und   jetzt   ja er hat mir dann gesagt wir werden mussen nehmen ein ein ein ein Interview für uns hab ich gesagt »gut bitteschön«   und so ist das so das die Geschichte mit mit dem ich hab gespürt hier [fasst sich ans Herz] hier   dass ich muss kommen

[2:58:38] dort   und ich hab nicht gewusst dass dortn mein Städtchen da mein mein Familie mein Bruder und ich und meine Freunde   ja ich hab die Bilder die die Kinder was sind hier auf dem äh Foto hab ich in in da im Buch in diesem Buch aber das mit ein Jahr mit

[2:59:07] ein Jahr später der andere weniger dann drei zu vier Kindern hier ist mehrer Kinder das haben meine meine Freunde was waren in die Zeit und   das ist das war war ein ein ein   ein Wunder auch ein W- noch ein Wunder für mein Le- in mein Leben   das war noch

[2:59:36] ein Wunder und   in in in Hauptstadt von Deutschland in so ein ein ein Denkmal für alle gemordete Juden Europas nicht Deutschland sondern Europas und finden sich und finden mein Bruder das ist ein [bewegt]   das ist ein Wunder   [lächelt und nickt in die

[2:59:59] Kamera; Schnitt]

Gabriele Zürn

[3:00:06] äh Herr Rikler Sie hatten netterweise gesagt dass Sie uns noch ein Gedicht vorlesen möchten das der israelische Dichter Cvulun Poren ge- verfasst hat über Jurburg ein Gedenkgedicht wir würden Sie dann bitten

Jakob Rikleris

[3:00:21] bitteschön der Gedicht heißt »Ikh gedenk« »Ikh gedenk di shtot-mayn sheyne bay di flisendike vasern di reyne bay di vunderbare shtiferishe taykhn fun prekhtikn-kholem dem raykhn ikh gedenk di gertner un di felder ikh gedenk di parkn un di velder ikh ze

[3:00:51] di berglekh un die toln vu mir flegn verwayln undzere kinder-yorn ikh gedenk die shtot un ire gasn likhtike ful mit shpatsirndike massn ikh gedenk di shtiber un di shtiblakh vu yidn hobn gelebt azoy gliklekh ikh ze nokh haynt di shul un dem besmedresh di alte

[3:01:16] shul un far orime der hegdesh a khaym far got vu es rut di shkhine un a besmedresh far gebet un tkhine ikh gedenk di alte shul fun holts vos iz geven der yurberiker shtolts undzer velt-barimte shul mit dem eshnitstn ornvos ligt tif in mayn zikorn ikh gedenk

[3:01:43] di shul-haymen haymen fun toyredi gimnazie folks-shul un talmud-toyre ikh gedenk dem makabi un dem otletik-klub vos flegn makhn di yugnt shtark un klug   ikh gedenk di skautn fun hashomer hatsair di tsionistishe shmuesn un dem shabesdikn shpatsir un ver gedenkt

[3:02:11] nit dem hakhshore-kibuts un di idialistishe yugnt fun dem hakhaluts ikh gedenk di bibliotek oif mendeles nomen vu leyener flegn mit dursht shtromen un di bibliotek oifn nomen fun brener far shul yugnt heybreyish kener ikh gedenk di teatrale yugnt-krayzn vos

[3:02:39] flegn teater-kunst bavayzn dem oylem in shtetl fraylikh makhn tantsen zingen un fun der velt lakhn azoy hobn zeydes un bobes gelebt azoy hobn eltern gehoft un geshtrebt geven iz a lebn fun glik un frayd biz gekumen zeynen shvere   (meg) fun layd umgevart

[3:03:14] iz gekumen a blutike tsayt men shlogt un men harget un a kind shrayt a shoyder a groyl a geshray un a shrek yidn s’iz a sof tsu der shtetl a sof un ek o yurburg o yurburg du shtetl du libe vos hot dir getrofn   vos iz di sibe ? vilde banditn rotskhim un mentshn-khayes

[3:03:44] hobn geshlogn   geharget un bagrobn on levayes   vist un leydik shteyt itst dos shtetl nishto keyn yiddish-hoyz nishto keyn betl nor kvorim   fil arum tseshprayt un beyner trukene tsezayt shtendik veln mir dir yurburg gedenken mit bitere trern   un tifn benken

[3:04:20] farsholtn zol zayn der moderner homen farsholtn zol zayn hitlers nomen«   ja das ist ein Gedicht was so lehnen kann er nicht kann sich nicht   aufregen herein er hat sehr schön geschrieben   ja  

Gabriele Zürn

[3:05:14] Herr Rikler

Jakob Rikleris

[3:05:21] mhm

Gabriele Zürn

[3:05:23] wir hatten ja überlegt dass wir jetzt dann Schluss machen aufhören falls Sie noch was sagen möchten zum Abschluss des Interviews

Jakob Rikleris

[3:05:29] ich kann schon mehr nicht sagen ich hab schon so viel gesagt so viel geredet [lacht] und und und und   nach dem   Lesen von dem Gedicht hab es ja überhaupt kann ich schon nicht sprechen mehr

Gabriele Zürn

[3:05:44] dann möchte ich mich bei Ihnen bedanken für dieses wunderbare Interview herzlichen Dank dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben und wir zu Ihnen kommen durften

Jakob Rikleris

[3:05:54] danke ich auch ich danke Ihnen auch

Ruth Preusse

[3:05:58] vielen Dank

Datum Ort Text
ab 1925 Schmalleningken Geburt als jüngstes von fünf Kindern
ab 1934 Jurburg Tod der Mutter nach langer Krankheit
ab 1940 Jurburg Verstaatlichung des elterlichen Schuhgeschäfts unter sowjetischer Herrschaft, erneute Heirat des Vaters
ab 1941 Jurburg Flucht alleine mit dem Fahrrad kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht
1941 - 1942 Kirow Arbeit in einer Kolchose, Aufnahme bei einer Pflegefamilie, Besuch einer Schule für Elektriker
1942 - 1944 Qoʻqon Typhuserkrankung, Besuch einer Schule für Eisenbahner und Beförderung zum Lehrer
ab 1942 Usbekistan Wiederbegegnung mit dem Bruder und Fahrt zu dessen Frau nach Usbekistan
ab 1944 Jurburg Rückkehr ins Elternhaus mit dem Bruder
ab 2001 Leipzig Übersiedlung als Kontingentflüchtling nach Deutschland
ab 2008 Berlin erster Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas
Litauen Ermordung des Vaters und zweier Schwestern
Litauen Heirat, drei Kinder
Memel Vorsitzender der jüdischen Gemeinde und Einsatz für Gedenksteine an den litauischen Erschießungsorten
bis 1941 Luga barfuß durch Litauen und Lettland bis auf die sowjetische Seite der Front, Krankenhausaufenthalt wegen Fußverletzungen
Jurburg Besuch des hebräischen Gymnasiums
Jurburg Besuch der litauischen Volksschule
Jurburg Umzug der Familie nach Jurbarkas
Jakob Rikleris wurde 1925 in Schmalleningken, in der Nähe der litauischen Kleinstadt Jurbarkas geboren. Mehr als die Hälfte der Einwohner von Jurbarkas waren Juden. Als Kaufleute, Schifffahrtsbetreiber – Jurbarkas liegt an der Memel – und Handwerker prägten sie das Bild der Stadt. Unterschiedliche politische Ausrichtungen innerhalb des Zionismus spalteten die Gemeinde: Den Hebraisten standen die meist kommunistischen Jiddischisten gegenüber, was dazu führte, dass es zwei Gymnasien, zwei Bibliotheken und zwei Sportvereine gab. Als 1940 in Folge des Hitler-Stalin-Paktes Litauen von russischen Truppen besetzt worden war, wurden viele politische Ämter, zum Beispiel beim Geheimdienst NKWD, von Jiddischisten übernommen.
Der Vater von Jakob Rikleris war Zahnarzt, die Mutter führte bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1934 eine Apotheke. Diese wurde in ein Schuhgeschäft umgewandelt, das die Besatzer 1940 verstaatlichten; im Elternhaus wurden russische Offiziere untergebracht.
Die Familie Rikleris zählte sich zum rechten Teil der Zionisten und alle fünf Kinder waren Mitglieder der Jugendorganisation Beitar. Der Vater führte ein offenes Haus: Schüler des hebräischen Gymnasiums, die aus dem Umland kamen und arm waren, wurden regelmäßig zum Essen eingeladen, die Nachbarn und Freunde kamen zum Radiohören, zum Schabbatessen lud er Bedürftige ein.
Jakob Rikleris war das jüngste Kind, und die Mutter, die aus Königsberg stammte, sprach und sang Lieder mit ihm auf Deutsch, während sie sich mit den anderen auf Jiddisch unterhielt. Sie erkrankte infolge seiner Geburt.
In Jurbarkas gab es einen Park, der 1903, im gleichen Jahr wie die Stadt Tel Aviv, erbaut worden war und zur Feier den gleichen Namen erhielt. In diesem Park trafen sich die jungen Leute, ein Gruppenfoto von Jakob Rikleris Schulklasse wurde dort aufgenommen. Statt der alten Bäume stand zum Zeitpunkt des Interviews ein Kindergarten an dieser Stelle.

Nach der Besetzung Litauens durch russische Truppen, wurden 17 Familien aus Jurbarkas nach Sibirien deportiert. Von ihnen überlebten fast alle den Zweiten Weltkrieg. Die überzeugten Kommunisten, die mit den Sowjets paktierten, wurden im Jahr darauf von den Deutschen umgebracht. Schon vor dem 22. Juni 1941 wussten Jakob Rikleris und sein Vater, dass das Deutsche Reich die Sowjetunion angreifen würde: Die bei ihnen einquartierten Offiziere warnten sie und rieten ihnen, gemeinsam zu fliehen. Doch der Vater war sich sicher, als Zahnarzt vor dem deutschen Kulturvolk nichts zu befürchten zu haben.
Jakob Rikleris wollte, als er von dem bevorstehenden Krieg hörte, mit dem Fahrrad zu seinem Bruder nach Kaunas fahren. Doch die Straßen waren von motorisierten deutschen Soldaten versperrt. Er schloss sich einer Gruppe älterer Jugendlicher an und floh nach Norden. In Schaulen traf er einen ehemaligen Mitarbeiter aus dem familieneigenen Schuhgeschäft wieder, der als bekannter Kommunist vor den Deutschen ohne seine Familie geflohen war und der ihm sein Fahrrad stahl, weil er der Meinung war, ein Kind in Jakob Rikleris' Alter sei nicht gefährdet.
Jakob Rikleris floh, nachdem ihm auch seine Stiefel geklaut worden waren, barfuß weiter. Die etwa dreißigköpfige Gruppe durchquerte ganz Litauen und Lettland und konnte bei Luga auf die sowjetische Seite der Front wechseln. Wegen seiner verwundeten Füße wurde Jakob Rikleris zunächst in ein Krankenhaus gebracht und anschließend mit der ganzen Gruppe, die man für Deserteure hielt, zur Arbeit auf einer Kolchose in Kirow geschickt. Während der Reise in einem Güterwaggon wie auch in den folgenden Kriegsjahren hungerten die Menschen.
In Kirow wurde Jakob Rikleris von einer Familie mit zwei Töchtern aufgenommen, er musste vier Stunden am Tag arbeiten; in der restlichen Zeit lernte er an einer Schule für Elektriker. Dieser Familie ging es vergleichsweise gut, da der Vater Major war und ein Krankenhaus leitete, es gab genügend Lebensmittel und sie wollten ihn sogar auf eine Hochschule schicken. Als ihn aber »wie durch ein Wunder« im Frühjahr 1942 der ältere Bruder Ahron fand, entschloss sich Jakob Rikleris, mit ihm nach Usbekistan zu gehen, wo dieser mit seiner Frau und drei weiteren Familien in einem Zimmer lebte.
Ein Bekannter aus Jurbarkas hatte in einer Zeitung einen Artikel mit Foto über die Pflegefamilie von Jakob Rikleris gesehen: Darin hatte sich der Major als Wohltäter inszeniert, der ein Flüchtlingskind aufgenommen hatte. Der Bekannte gab die Zeitung dem Bruder und dieser schrieb einen Brief nach Kirow und ging schließlich selbst dorthin. In Usbekistan arbeitete Jakob Rikleris zunächst in einem Labor, dann ging er nach Qo’qon und besuchte zwei Jahre eine Eisenbahnschule. Als der Lehrer eingezogen wurde, übernahm er das Unterrichten. Deserteure, die sich mit falschen Papieren als Schüler dort versteckten, erkauften sein Schweigen mit Extra-Rationen Brot.

Mit dem Tod der Mutter 1934 brach die bisherige familiäre Gemeinschaft auseinander: Im selben Jahr fand in Palästina die Makkabiade statt. Seine älteste Schwester konnte als Sportlerin die Einwanderungsbeschränkung der englischen Behörden umgehen und blieb nach der Veranstaltung illegal im Land. Der Bruder und eine weitere Schwester zogen nach Kaunas zu kinderlosen Verwandten, nur Jakob Rikleris blieb beim Vater. Der Vater engagierte sich sehr in der jüdischen Gemeinde und gab Geld für den Bau eines Tanzpavillons, bald ein beliebter Jugendtreffpunkt, den man aus Dankbarkeit die »Riklerine« nannte. Außerdem ermöglichte er den Bau einer kleineren Nachbarschaftsynagoge auf seinem Gelände.
Dem Massenmord in Litauen fiel fast die ganze Verwandtschaft zum Opfer. Die erste Tötungsaktion fand nahe der deutschen Grenze in Garsden zwei Tage nach dem deutschen Einmarsch statt. In Jurbarkas wurden erstmals am 3. Juli 1941 300 Mitglieder der Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof erschossen. Die hölzerne Synagoge wurde in Brand gesteckt und der Rabbiner öffentlich gedemütigt. An den späteren Massakern beteiligten sich auch Litauer. Vermutlich Ende September 1941 ermordete die Einsatzgruppe Tilsit auch seinen Vater; die Verantwortlichen wurden im Jahr 1958 in Ulm vor Gericht gestellt.

Jakob Rikleris kehrte nach dem Krieg mit seinem Bruder ins Elternhaus zurück. Sie mussten feststellen, dass ihnen fast nichts geblieben war: Was die deutschen Besatzer nicht mitgenommen hatten, hatten die Nachbarn gestohlen. Nur wenige Litauer hatten während dieser Jahre den Verfolgten geholfen, diese Menschen waren für Jakob Rikleris Helden.
In den 70er Jahren erlangte die jüdische Religion eine neue Bedeutung für Jakob Rikleris. Als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Memel setzte er sich dafür ein, dass an den über 200 Tötungsorten in Litauen Gedenksteine für die Opfer errichtet wurden.
Im Jahr 2008 besuchte er das erste Mal das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die Ausstellung im Ort der Information. Auf der Stele, die die Geschichte der Familie Krelitz zeigt, entdeckte er sich selbst und seine Geschwister auf einem Gruppenfoto.
Am Ende des Interviews las Jakob Rikleris das jiddische Gedicht »Ikh gedenk« des aus Jurbarkas stammenden israelischen Dichters Cvulun Poren vor.