Tova Aran (*13.08.1934, Krakau)
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- Signatur
- 01179/sdje/0071
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Tel Aviv, den 22. November 2013
- Dauer
- 02:05:50
- Interviewter
- Tova Aran
- Interviewer
- Lennart Bohne , Christoph Schönborn
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Redaktion
- Lennart Bohne
- Transkription
- Ruth Preusse
Tova Aran war fünf Jahre alt, als ihre Familie vor der Wehrmacht im September 1939 aus Krakau flüchten musste. Die russischen Besatzer Ostpolens verschickten die Familie zunächst zur Zwangsarbeit nach Sibirien und später ins usbekische Buchara, wo sie bis 1946 bleiben musste. Nach ihrer Flucht wurde die Familie zunächst nach Lemberg und schon einige Wochen später ins sibirische Assino verschickt. Die entwürdigenden Verhältnisse auf der zweimonatigen Fahrt in Viehwaggons behielt Tova Aran während ihres ganzen Lebens in Erinnerung. In Sibirien mussten sie in Holzbaracken hausen, und die Männer leisteten Zwangsarbeit in den Wäldern. Nach dem Bruch des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes im Juni 1941 wurden sie ins usbekische Buchara verbracht, wo sie bei einer sowjetisch-jüdischen Offiziersfamilie untergebracht wurden. Während der Vater sich weigerte, die sowjetische Staatsbürgerschaft anzunehmen und illegal im Versteck leben musste, konnte die Mutter als Lehrerin arbeiten und die Familie ernähren. Auch wenn sie sich innerhalb der Stadt frei bewegen konnten, so wurde es ihnen erst ein Jahr nach Kriegsende erlaubt, nach Krakau zurückzukehren. Von dort wanderten sie über Paris nach Palästina aus. 1949 lernte Tova Aran ihren Ehemann Alfred kennen, mit dem sie in Tel Aviv lebte und eine Familie gründete. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 79 Jahre alt.
Vorkontakte
Übliche Kontaktaufnahme mit Telefonat und Vorgespräch zwei Tage vor dem Interview
Bedingungen
helle Wohnung, große Fensterfront
Gruppensituation
zwei Interviewer, ein Kameramann (Daniel Hübner)
Unterbrechungen
viele Unterbrechungen, geplante Pausen, Telefonklingeln, Mikro neu justieren
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Eindrücke
Frau Aran hat sich akribisch auf das Interview vorbereitet. Bereits beim Vorgespräch war sie sher interessiert an unserem Projekt und der Anwendung. In einem weiteren Teil erzählte sie uns ausführlich aus ihrem Leben immer unter der Fragestellung welche Teile von Interesse sind - sie hat das Interview von Beginn an als lebensgeschichtlich begriffen. Während des Vorgesprächs offenbarte Frau Aran uns, dass sie seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung ist und sich nicht sicher ist, ob sie bestimmte, wie sich ausdrückte, unästhetische, Episoden aus ihrem Leben erzählen soll. Wir rieten ihr sich dies in Ruhe und nach etwaiger Rücksprache mit ihrem Psychiater abzuwägen. Am Tag des Interviews bestätigte sich der Eindruck. Frau Aran war geschminkt, der Ort des Interviews war ganz bewusst gewählt und Frau Aran hatte viele Fotos aus ihrem Leben vorbereitet. Während DH aufbaute habe ich gemeinsam mit Frau Aran und CS die Fotos ausgewählt und vorbereitet. Frau Aran erzählte - bis auf den Beginn des Interviews - chronologisch. Sie kam sehr schnell auf ihre Verfolgungsgeschichte zu sprechen. Den Teil des Familienlebens in Krakau holte sie zum Ende des Interviews nach, so dass sich ein »Kreis« schloss. Auch erinnerte sie an ihren Mann, der Auschwitzüberlebender war, den sie in Israel kennenlernte und mit dem sie etwa sechzig Jahre verheiratet war. Nach dem Interview betonte sie, dass sie alle Episoden ihres Lebens - auch die »unästhetischen« - erzählen konnte, weil es uns gelungen ist ein »Vertrauensverhältnis« herzustellen. Dies bestätigt unsere Arbeit in einzigartiger Weise.
[0:00] wir haben heute den 22sten November 2013 und sind in Ramat Aviv zu Gast bei Tova Aran mit der wir heute ein Interview führen werden für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin das Interviewprojekt
[0:17] wird unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes mein Name ist Lennart Bohne ich führe das Interview gemeinsam mit Christoph Schönborn und Daniel Hübner ist für die Kamera den Ton und das Licht zuständig [Schnitt]
[0:30] Frau Aran Sie wurden in Krakau geboren und äh haben eine große Familie vielleicht beginnen Sie damit etwas äh zu erzählen über Ihre Familie über Ihr Leben über das Leben der Familie
[0:42] danke so wie gesagt äh ich bin in Krakau geboren mein Namen ist Tova Aran-Urbainczyk ich hab geheiratet dem Alfred Ur- Urbainczyk von Breslau heute Wrocław und wir haben das Familiennamen etwas gekürzt von Urbainczyk auf Aran äh von Geburt bin ich Tova
[1:04] Friedman geborene Friedman die Familie Friedman kommt von Krakau-Wieliczka und von der Mutterseite ist die Familie Bester die kommt von Boryslaw was ist heute Ukraina und dann waren die von Ersten Krieg haben die gewohnt auch in Krakau also ich kann sagen
[1:25] dass ich bin ein echte Krakoware Frau äh meine Kindheit kann ich sich sehr wenig erinnern äh meine erste Erinnerungen kommen so von sechs Jahre fünfeinhalb Jahr das heißt von diesen Zeit das der Erste der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen ungefähr
[1:51] von September Oktober 39 äh August Ok- 39 waren wir auf ein Kurort die ganze Familie die Großmutter mit äh drei vier Töch- äh meine also die Töchter von meiner Großmutter meine Tanten und meine Mutter und vielleicht zehn zwölf Cousins das war immer
[2:15] so dass die Familie ist Sommer nach Krynica gefahren das ist ein Kurort in Kra- in Polen und wir waren dort zwei Monate ungefähr Ende August glaube ich neu- äh also Ende August 39 ist gekommen mein Großvater mit mein Vater und also der Großvater Bester
[2:37] mit mein Vater mit ein Onkel und die haben gesagt »rasch zusamm- alle Kinder zusammennehmen wir fahren zurück nach Krakau weil die Deutschen sind schon in Tschechoslowakei und das heißt dass in einer kurzen Zeit werden die auch in Krakau sein« also die
[2:57] Großmutter und der Großvater haben alle Kinder zusammengenommen mit dem wie man sagt mit dem ganzen Geschirr mit alles was ist gekommen von zu Hause das war eine koschere Familie also es war sehr viel Gefäß äh also Fleisch und milchig und alles alles
[3:14] aber das ist nur witzig gesagt no und wir sind zurück nach Krakau
[3:18] wir waren in Krakau glaub ich vielleicht zwei drei Tage und äh wir haben sehr wenig Sachen mitgenommen das kann ich nur erzählen von Erzählungen von meine Großmutter aber das Wichtigste was meine Großmutter hat mitgenommen das waren die so wie jede
[3:40] Frau dies das Bijou- die Bijouterie und mein Großvater hat ein äh Hobby gehabt dass für jeden Geburtstag oder für ein holidays hat er gekauft goldene Miz- Münzen und meine Großmutter hat sie irgendwo unter dem Klavier einge-
[4:02] -klebt
[4:05] eingeklebt danke und d- also wenn wir waren schon so v- weg von Krakau der Plan war dass wir fahren weg von Krakau nach Przemyśl wo eine Onkel war ein Bruder von meiner Mutter hat gelebt hat sie genommen ein Messer und [gestikuliert] alle Münzen runtergenommen
[4:26] und in ihren Korsett f- zu diesen Zeit haben doch die Frauen ein Korsett getragen und diesen in diesen Korsett [gestikuliert] war so eine Spirale meine Mutter hat rausgenommen die Spirale und in diesen äh wie sag- wie soll ich das sagen wo die Spirale war
[4:52] hat sie eingenäht die Münzen ich erzähl das weil das ist sehr wichtig von diesen Münzen haben w- wir noch gelebt den ganzen Krieg jede paar Wochen hat mein äh Onkel mein Vater oder mein Großvater genommen eine Münze und die sind gegangen kaufen ein
[5:11] Sack Mehl oder Zucker oder Reis und das hat ga- uns gerettet und geholfen das dem Krieg über zu leben äh also ich bin schon wie man sagt in Krieg aber es war noch viel wie vor dem Krieg wir waren in Przemyśl bei mein Onkel paar Tage [trinkt] und äh
[5:37] ich glaube dass ich hab hier ein Bild das ist das letzte Bild [sucht] nein das hier also in diesem Bild bin i- ist äh meine Mutter [zeigt Foto] meine Tante ich fange an von die Ecken meine mein Cousin meine Kusine ich in der Mitte und hier sitzen
[6:10] die Großmutter und der Großvater und äh mein Vater und der Onkel also wir sind hier neun Leute [betont:] die neun Leute sind von Krakau nach Przemyśl von Przemyśl sind wir mussten wir nach Lemberg äh die Deutschen sind gekommen nach Przemyśl waren wir
[6:36] in Przemyśl aber die waren eine kurze Zeit dort dann sind äh die Russen reingekommen nach Przemyśl und die wollten nicht bitte ?
[6:46] nein ich wollt Sie nicht unterbrechen ma- fahren Sie fort
[6:50] und äh die Russen sind reingekommen nach Przemyśl
[6:55] und die waren nicht so nett haben die gesagt »ja wer ist nicht eingeschrieben als ein Bürger der wohnt i- permanent in Przemyśl muss weiter nach Lemberg« also (nähnte) zu die russischen Grenze w- wir hatten kein anderen Ausweg noch weiter zu fahren
[7:17] nach Lemberg ich weiß nicht in welche Wohnung wir sind gekommen wir waren dort paar Wochen
[7:26] und ein schönes Tag ist sind die Russen gekommen und gesagt »jetzt nehmen wir die Männer« das war sehr sch- -recklich für uns weil wir wollten nicht wir haben schon verstanden dass die Männer werden gehen auf die nach Sibirien zur Arbeit das man wusste
[7:46] schon was passiert man wusste noch nicht was passiert bei die Deutschen aber man wir wissen schon wo- was passiert in auf die russische Grenze und ich weiß nicht wieso ich hab mein Vater genommen [gestikuliert] so und ich hab nicht gelassen äh ich bin fast
[8:05] sicher was laut dem was meine Großmutter hat mir erzählt dass zwischen diesen Russen war auch ein Jude und der hat meiner Großmutter gesagt auf Jiddisch »passen Sie auf nicht lassen die Männer alleine alle gehen oder niemand geht« und so haben wir gemacht
[8:27] also wir sind alle zusammen auf ein Lastauto von die Russen und wir sind nach äh auf ein- auf eine Station gekommen dort war schon ein Zug mit Viehwaggonen und wir sind in diesen Waggonen reinge- -schmissen geworden wir waren dort vielleicht sechzig siebzig
[8:50] Leute es war sehr sehr unangenehm ist nicht das Wort es war sehr sehr schlecht äh moralisch physisch äh ich hoffe dass die Leute wissen was heißt ein Viehwaggon das ist ungefähr zehn zwölf Meter lang anderthalb Meter breit und da waren dort [gestikuliert]
[9:16] solche drei Pritschen und zwischen diesen Pritschen waren auch Durchgänge also man konnte oder stehen zwischen diesen Durchgänge oder sitzen auf die Pritsche st- o- das äh Entschuldigung oder liegen auf die Pritsche sitzen konnte man nicht [seufzt] es war
[9:38] kein Rausgang es war keine Toilette es war keine Küche wir haben einmal in zwei drei Wo- Tage bekommen ein Fass mit Kartoffelsuppe und Kohl es war nicht zum Essen aber es war etwas manchmal ist der Zug auch gestanden zw- ein Tag zwei Tag weil man hat gewartet
[10:05] der andere Zug von die andere Richtung soll kommen also muss man abwarten die Schienen waren auch in Russland wie man weiß etwas schmäler wie in Europa dann war es ein bis man ist auf die russische Grenze gekommen nach Ural war es wirklich ein sehr schwere
[10:23] Reise
[10:26] Sie waren ja ein kleines Kind fünf Jahre alt ähm erinnern Sie sich daran äh was Sie in der langen Zeit gemacht haben haben Sie sich mit anderen Kindern die vielleicht auch in dem Waggon mit waren beschäftigt haben Sie gespielt hatten Sie Angst
[10:43] allererste hab ich dort meine zwei Cousins gehabt also mein Cousin äh der war hier auf dem Bild gi- gezeigt er war er ist zwei Jahre älter wie ich und meine Kusine die ist zwei Jahre jünger wie ich ich weiß nicht ob wir haben gespielt ich hab keine Erinnerungen
[10:59] von dieser Zeit was wir haben gemacht aber was ich weiß das war sehr eng es war ein sehr ungen- -nehme unungenehme Geruch und Rauch und Rausch Leute haben geweint Leute haben geschrien es war eine Dame dort sie ich [betont:] glaube dass in diesen ganzen
[11:26] äh Einsteigen in diesen Waggons hat sie verloren ihre Tochter sie hat sie nicht gefunden und die die Frau hat geweint die ganze Zeit ganz besonder Nacht hat sie geweint und Leute haben ihr gesagt »Fra- Frau Gold« hat sie geheißen »bitte lassen Sie
[11:48] uns schlafen« sagt sie [imitierend:] »wenn ich kann nicht schlafen soll niemand schlafen« aber man konnte nicht böse sein auf diese Frau sie war sehr verärgert weil sie hatte das Kind verloren also es war wirklich eine schecht- schlechte Atmosphäre
[12:06] weil die Leute konnten sich alleine nicht helfen und die wussten nicht wir wussten nicht wo wir fahren und wies- wenn wir kom- wo wir kommen und wenn wir kommen also wenn man weiß nicht wo man ist und man weiß nicht wo man geht hat man ein sehr schlechtes
[12:33] Gefühl und die Leute waren auch nervös hungrig weil manche waren schon krank vielleicht
[12:40] und ich persönlich ich habe ein sehr schlechtes äh memory von dieser Zeit das ist glaube ich das zweite äh die zweite Trauer dass ich hab übergelebt in meinen jungen Jahren das erste war dass ich wollte mich nicht trennen von mein Vater das war das
[13:06] erste das zweite war in diesem Waggon [seufzt] also normal so wie so wie Leute alle Leute darfen auch Kinder auf die Toilette von Zeit zu Zeit ich will schon jetzt sagen dass was ich werde jetzt erzählen ist vielleicht nicht so gefährlich wie das ist unästhetisch
[13:23] aber ich hab mir schon sehr viel Gedanken gemacht ob ich darf das erzählen aber i- am Schluss sag ich ja weil wer wird kommen das sehen und ganz besonders wenn junge Leute wenn kommen den Film sehen den Bericht sehen glaube ich darfen die auch hören Kleinigkeiten
[13:55] von jeden Tag aber wenn die sind in ein nicht normalen äh Raum oder in nicht eine normale M- nicht ein normal äh Minute in Leben ist es ganz gefährlich kannen Sie sich vorstellen ein Kind von fünf sechs Jahre darf auf die Toilette es gibt nicht wo ich
[14:20] weiß nicht was die älteren Leute haben gemacht aber ich wusste was ich darf machen und meine Mutter hat gesagt »Tova halt dich ein vielleicht kommen wir noch in zwei Stunden irgendwo und mit Öffnen d- der Zug wird stehen und man wird öffnen die Türe
[14:38] von Waggon dann [gestikuliert] mach halt dich an« aber ich konnte nicht [seufzt] und dann hat meine Mutter die Hände geöffnen und ich hab gemacht was ich habe gemacht und dann in diesen [gestikuliert] kleinen Fensters das war in diesen Waggon und das
[15:01] der die Fenster hatten noch solche kleinen ähm eisernene wieso soll ich das sagen
[15:09] Stäbe oder Draht
[15:12] ja so ungefähr und sie hat das rausgeschmissen so [seufzt] ich weiß nicht das war sehr ich hab mich für mich alleine geschämt als ein Kind hab ich verstanden dass das ist nicht normal aber es war kein andere Weg Jahre später habe ich erst verstanden
[15:35] warum meine Mutter hat immer also permanent hat sie sich die Hände gewaschen das ist nicht zu glauben wie viel mal täglich hat die Frau sich die Hände gewaschen ich habe es nie verstanden nach Jahre habe ich es verstanden warum also das [trinkt] die
[16:01] Fahrt war von Lemberg nach Sibirien ungefähr se- sieben acht Wochen von Zeit zu Zeit hat man auch wirklich die Türe von Waggon geöffnet und wenn es war so wenn die Russen haben gesagt »ihr hat hier zu stehen zwei drei Tage« sind immer gekommen Leute
[16:26] von St- die Stadt oder von äh von äh die Um- äh -gegend und etwas verkauft meine Großmutter ist runtergegangen und gekauft ein Brot oder was für die Münzen und schönes Tages hat der Zug angefangen zu fahren und mein Großvater war nicht da die Panik
[16:54] war ganz groß »was heißt wo ist er geblieben« also es war nicht zu sagen die Russen »hallo warten Sie bis er kommt« nach zwei Tage ist der Zug noch einmal stehen geblieben und der Großvater ist zurückgekommen »wo warst du ?« sagt er »ich hab genommen
[17:12] zwei äh Sch- äh runde Brö- Brot und ich bin gegangen in ein Waggon wo ich wo- wusste das ist eine Familie mit sechs Kinder und ich wollte die sollen bekommen das Brot« also das hat er noch gehat in sich wie man sagt äh das Bedürfnis jeden jemanden zu
[17:38] helfen und äh
[17:43] wie war das vielleicht haben Sie das später aus Erzählungen Ihrer Eltern erfahren ähm sowohl was für Menschen dort mit in den Waggons waren und ob es gab es eine Art Solidarität eine Art Gemeinschaftgefühl
[17:56] ich glaube dass vielleicht in die erste zwei Wochen war mehr Solarität aber dann wenn jeder war schon hungrig und nervös und das Leben wie man sagt zuv- zu nah einer in Zweiten das hat die Leute sehr nervös gemacht und die Stimmung war sehr gespannt das
[18:30] muss man auch verstehen das war wirklich unmenschlich so zu leben und so zu fahren aber ich weiß dass mein Großvater und meine Großmutter wenn die kennt- konnten die haben immer andere Leute geholfen das war noch wie man sagt noch vorem vorem Krieg das
[18:54] weiß ich [seufzt] äh vielleicht machen wir eine Pause ?
[18:59] ja [Schnitt]
[19:02] äh also wie gesagt nach sechs acht Wo- se- sechs sieben acht also nein sieben acht Wochen sind wir nach Sibirien gekommen nach äh Assino Novosibirskaja Oblast und äh das die Hauptstadt dort ist Tomsk äh wir sind in solche Baracken reingekommen ich bin
[19:30] fast sicher dass diese Baracken haben dort aufgebaut die waren dort früher wie wir waren und äh ich meine unsere Männer mein Vater Großvater und der Onkel und andere Männer haben vorbereitet die Baracken für die nächsten äh wie sagt man Züge wei-
[19:56] wir machen eine kleine Pause [gestikuliert; blickt zur Seite:] ken Eva ? [Schnitt] (die Au-pair) von äh oh gut ich fange noch einmal an wir sind nach Sibirien gekommen nach sieben acht Wochen mit die von die Reise und nach Assino äh in die Novosibirskaja
[20:20] Oblast und das die Hauptstadt dort ist äh Tomsk wir sind in solche Baracken Holzbaracken reingekommen die Baracken sind ungefähr in meine Augen so dreißig 35 Meter lang und zwölf Meter breit also es waren [gestikuliert] von beide Seiten Zimmer und es
[20:45] war ein Durchgang in jeden Ecke von diesen Barack war eine Küche und die Frauen haben so zusammen gekocht oder jede eine extra aber wir waren in ein Zimmer also unsere Familie das heißt neun neun Leute mein Großvater Großmutter Tante Onkel und die zwei
[21:09] Cousins und meine Eltern und ich und es waren noch zwei Familien also ungefähr ich glaube wir waren in so ein Zimmer 15 18 vielleicht bis zwanzig Leute in diese Zimmern war schon nicht so schlecht man konnte sich schon irgendwo mehr oder besser f- äh besser
[21:31] fühlen die Männer sind tagtäglich gegangen arbeiten in die Taiga [Geräusch im Hintergrund] [Schnitt] die Männer sind äh gegangen in die Taiga also das Taiga ist so ein uraltes Wald mit voll mit Wasser also mit Schnee die Männer sind gegangen tagtäglich
[22:00] äh zu die Arbeit in die Taiga vorbereiten das Holz für die neue Baracken äh bei dieser Arbeit war mein Vater zweimal verwundet einmal in Aug und er war schon bis sein letzten Tag auch blind auf ein Aug und hatte auch ein deformarte Finger äh aber das
[22:31] f- muss man sagen das war mit dem mit dem kannt man leben das war nicht so wie auf die deutsche Seite bei in Auschwitz das war nicht Gas wie man sagt un- und auch nicht ein Kugel in Kopp äh viele Leute sind also gegangen früh zu die Arbeit aber viele sind
[22:54] nicht zurückgekommen die haben die sind verfroren geworden in im Schnee oder irgendwo sich verlaufen und konnten nicht zurück man muss wissen dass in Sibirien elf Uhr ist noch dunkel und drei Uhr ist [betont:] schon dunkel also man hat gearbeitet fast in
[23:13] in die Taiga in die dunkle Z- Zeiten wie man sagt man wusste nicht ganz genau den Weg und viele Leute haben sich verlaufen und sind leider nicht zurückgekommen vielleicht hat man sie irgendwo gefunden nach fünfzig Jahre [seufzt] was passiert auch heute äh
[23:36] wir waren in Sibirien ungefähr 18 19 Monate in dieser Zeit äh kann ich nicht sagen dass war uns schlecht also nicht gefährlich was war gefährlich dass wir hatten nicht kein Medikamente ich alle drei Kinder ich kann mir vorstellen dass bei andere Familien
[24:03] auch aber wir waren krank ich habte ein permanenten Lungenentzündung ich habe gespuckt äh Blut und ich kann mich erinnern wie mein Vater manchmal manchmal mein Großvater oder der Onkel die haben etwas Schnee genommen und meine Tante hat ein ganz kleinen
[24:25] äh Tasse gehat von Emaille die hat sie un- mit einer Kerze warm gemacht das Wasser also dem Schnee und das hab ich bekommen zu trinken wenn ich habe gehustet also es war keine Medikamenten was war noch gefährlich dass alle ich glaube alle Kinder weil wenn
[24:48] wir alle drei Kinder hatten das dann ich kann ich mir vorstellen dass andere Kinder auch wir hatten wir waren voll mit Wunden Eiterwunden weil die hygienische Seite war nicht so wie man wie sie sollte sein und in diesen Holz und vielleicht die Wärme von die
[25:08] von Körper dass wir sind geschlafen nicht auf Matratzen haben sich äh solche ganz kleine äh wie soll wie heißen die äh Wanzen sagt man ?
[25:21] ja
[25:24] und die haben sehr gejuckt und wenn man hat es äh wie man sagt gekratzt war eine Wunde es war kein Penicillin kein Antibiotika auch kein andere Salben also ich kann mich erinnern dass ich hatte voll äh volle Füße und Hände mit äh [gestikuliert] Eiter
[25:45] und das war wie gesagt nicht gefährlich aber es war nicht gut vielleicht sind auch Kinder gestorben oder Leute von äh de- v- äh von diesen Eiter aber das kann ich nicht sagen wie gesagt wir waren in äh Assino 18 19 Leu- äh Monate die Leute die Russen
[26:13] waren zu uns glaub ich ganz nett bis heute weiß ich es nicht ob das waren auch verschickte Leute dass der Stalin hat sie dort verschickt als Arbeiter oder die waren die Leute von dort von Sibirien ich glaube dass das waren Leute von Sibirien weil die waren
[26:35] wirklich nicht verbittert zu uns die haben uns nicht bestraft wie wie die waren so wie man sagt menschlich also was ich erzähle jetzt das ist nur von dem was mein Vater hat mir erzählt ich kann mich mehr alleine nicht erinnern wieso waren die Russen zu
[26:53] uns aber von erzählen verstehe ich dass die Leute waren ganz so wie man sagt normale Leute nicht Gefangene dass die waren verbittert und dass die bittere Seite haben die auf uns ausge- -wirkt [seufzt]
[27:10] wenn der Barbarossa- äh -Krieg also ist ich meine Barbarossa das heißt dass der Anfang von Krieg zwischen Russland und Deutschland Jahre 41 ist gekommen haben die Russen uns nach Usbekistan verschickt also man konnte manche Leute sind nach Usbekistan ma-
[27:39] manche Leute nach Tadschikistan also alles in die zentr- südzentrale Asia und
[27:47] waren das Soldaten die Sie dort verschickt haben ?
[27:50] ja da- wir waren immer begleitet mit Soldaten aber die Frage ist ob ich sage jetzt waren die waren in ein Mundur ob die waren Soldaten oder die waren in ein Mundur so wie Polizei das weiß ich nicht aber wie gesagt in diesen äh Zug waren Soldaten aber in
[28:11] Assino ich glaube dass das war die Polizei aber die Polizei von äh Sibirien von Leute von Sibirien dann sind wir wie gesagt äh mit noch einmal in ein Zug auch Viehwaggonen auch vielleicht fünfzig sechzig Leute aber es war schon viel viel besser die Waggonen
[28:40] waren offen die jeden Tag war zwei drei Stunden eine Pause die Pause war immer nicht weit von ein Stadt oder von ein Dorf und dann hat meine Großmutter so wie immer business gemacht sie hat genommen eine Münze oder ein Ohrring ich weiß ich nicht was und
[29:01] immer war ein Mann mit ihr ich meine oder mein Vater oder der Onkel oder der Großvater und immer sind die gekommen mit Brot oder Käs oder Butter also ich muss sagen dass diese Reise von Sibirien nach Buchara war schon viel viel mehr humanitarisch nor nicht
[29:27] Luxus das war nicht kein Luxusexpress [lacht] aber es war menschlich man konnte sagen »ah wir sind Menschen wir sind nicht Vieh« nach sechs Wochen sind wir nach Buchara gekommen Buchara war einmal die Hauptstadt von Usbekistan nach der Revolution ist Taschkent
[29:53] die Hauptstadt
[29:56] ich kann nicht sagen das kann ich bis heute weiß ich nicht und niemand von uns von die junge Leute das wir sch- treffen uns noch von Zeit zu Zeit ich sage junge Leute von dieser Zeit Kinder heute sind wir schon alt äh verstehen wir nicht wieso wir sind
[30:17] in diesen Familien reingekommen in die Buch- jüdische also wir sind zu Familie Gurgow in die Wohnung also die Wohnung ist so wie ein arabisches Haus mit ein äh nicht ein Patio mit ein
[30:36] mit einem Hof
[30:44] mit ein [gestikuliert] int-
[30:47] Innenhof
[30:50] [gleichzeitig:] Innenhof und die Zimmer sind ringsrum äh wir sind wie gesagt zu die Familie Gurgow reingekommen das ist eine bucharisch Bucharer Juden und die waren sehr sehr sehr gut zu uns ich muss auch sagen dass der Herr Gurgow Avraham Gurgow war ein
[31:02] hoher Offizier in die russische Armee before -m Krieg aber weil er war schon alt etwas älter ist ein Direktor von eine Schuhfabrik in Buchara er war immer in ein Mundur [gestikuliert] mit eine russische Mütze so eine große Mütze so wie die man sieht es
[31:22] heute noch in Filmen viel orders er hat erzählt dass er war eine von die ersten die sind in äh in äh Schloss wo der Emir hat gewohnt reingekommen Jahre 19sech- -17 also wenn die Revolution war mit dem war er sehr stolz mit dieser Geschichte aber von der
[31:45] andere Seite muss ich sagen dass er w- Leute haben von ihm Angst gehat alle Nachbarn haben von ihm Angst gehat was er war so wie ein General sehr streng aber was wir haben von ihm erlebt war nicht zu glauben er war sehr menschlich
[32:03] und jetzt muss ich euch sagen dass mein Vater hat gemacht eine ganz unnormale Sache also normale Leute machen so was nicht er hat äh nicht angenommen die russische ähm Nationalität also er war wie man sagt in Russisch bjesgraschdanin das heißt er war
[32:30] kein Bürger von von kein niemand Staat Pole ein Pole konnte schon nicht sein weil wir waren in Russland ein russische St- Staa- äh Staatsbürgerha- -schaft wollte nicht nehmen weil er war ein polnische zionistische Stolzheit hat er in sich gehabt dann hat
[32:55] er gesagt »ich Friedman ich werde kein russische äh Staatsbürger an- annehmen« das war nicht für ihm und wer in Russland ist nicht kein Bürger hat nicht kein Identitätkart hat nicht kein Arbeitsberau- Arbeits- äh -erlaubnis hat nicht kein äh Brotkarte
[33:22] also er war so wie [schnalzt; gestikuliert] er ist nicht da und er ist wirklich fast vier Jahre nicht rausgekommen von dem Zimmer dass wir haben gewohnt manchmal ist er in diesen Hof runtergekommen aber interessant war der Herr Gurgow hat nie gesagt »guten
[33:44] Tag« und mein Vater hat ihn auch nie gesagt »guten Tag« die haben sich [betont:] nicht gesehen die haben sich gesehen aber nicht gesehen
[33:52] die Juden die sind gekommen nach Buchara wir waren ungefähr 10- 12000 Ju- Juden 99 Prozent jüdische Familien aus Polen vielleicht sechs sieben christliche Familien aus Polen vielleicht waren die nicht gute Kommunisten vielleicht waren die zu gute Kommunisten
[34:20] ich weiß es nicht und das ist auch nicht so wichtig wichtig ist das dass die waren dort und wir unter diesen Leuten in Buchara waren sehr viel Intell- äh Akademiker unter diesen waren Ärzte Rechtsanwälte Lehrer und wir haben also ich sage wir [gestikuliert;
[34:48] betont:] die haben meine Eltern und die Freu- und die Andere haben gegründet eine polnische Schule das heißt eine polnische Schule aber in Fakt war es eine jüdische Schule eine jüdische polnische Schule weil wie gesagt 99 Prozent waren dort jüdische Kinder
[35:08] per Zufall in meine Klasse war ein Mädchen die war christlich aus Polen [trinkt] also man hat gegründet eine Schule ohne Bücher Hefte waren das haben die Russen uns gegeben und äh viele Leute die konnten schön schreiben haben auch [gestikuliert] geschrieben
[35:35] kalligrafisch und das hat man so eine von andern hat das angeschrieben und das waren unsere Bücher was war sehr schlecht in die ersten paar Wochen (wer) wir sind nach Buchara gekommen das war dass wir wussten nicht dass das Wasser darf man nicht trinken
[36:00] man muss es aufkochen und wie gesagt wir sind von diese diese lange Reise gekommen und wir wollten trinken und wir wollten essen auch die Früchte von Buchara das ist ein Art v- das heißt (Oriok) und das ist ein Art von Aprikose sehr Geschmack und wir haben
[36:23] das nicht gewaschen oder gewaschen in das Wasser das war nicht aufgekocht und darum haben in die ersten Wochen vielleicht z- zehn Prozent Leute gestorben von äh Bauchtyphus es war eine Epidemie von Bauchtypus -typhus und äh ich weiß nicht wieso es ist
[36:54] heute in Europa aber ich weiß bei die Juden muss man die Gestorbene [gestikuliert] also die Leiche mit eine weißen
[37:06] Tuch
[37:09] Tuch eindecken oder einwickeln und das war nicht also meine Mutter die hat sehr gute Hände gehat sehr talentiert war sie mit die Hände hat sie zusammengenommen paar Frauen und man hat von äh Hemden von äh Handtücher von ich weiß nicht was genäht solche
[37:33] äh
[37:36] Laken
[37:39] ja und man hat in dem die Gestorbene einge- -gewickelt bevor man hat sie in die Erde begraben also das war wirklich äh wie man sagt eine heilig wie heilige Arbeit also im Hebräischen sagt man chevra kadishah das heißt äh heilige company die machen was
[38:02] das ist das Letzte was man kann machen für den Gestorbenen und äh wie gesagt vielleicht zehn Prozent von Juden die sind nach Buchara gekommen sind gestorben aber alle andere haben die haben das die erste Phase in Buchara durchgelebt haben nicht schlecht
[38:23] in Buchara gelebt die Juden von Buchara waren zu uns sehr gastfreundlich und sehr humanitarisch
[38:33] ich weiß nicht wirklich ob wir haben ob meine Eltern haben die Familie bezahlt für die das für das Zimmer oder das war volontär bis heutigen Tag weiß ich nicht das hab ich vergessen mein Ma- mein Frau mein Vater zu fragen aber wie gesagt die [betont:]
[38:58] diese Familie Gurgow war z- war zu uns sehr sehr gut und ganz besonder der Herr Gurgow und die Frau Gurgow wenn sie hat was Gutes gekocht oder gebacken hat sie immer gesagt »Tova komm komm komm mal runter« äh wie gesagt mein Vater ist von die Wohnung nicht
[39:23] rausgekommen lange eine lange Zeit und jemand hat irgendwo gesagt »dort in diese Wohnung wohnt eine Familie man sieht nur die Frau die ist eine Lehrerin in die polnische Schule ein Mädchen von acht neun Jahre die ist eine Schülerin und es gibt dort noch
[39:44] ein Mann und der kommt nie raus was ist mit dem Mann ?« haben die Nachbars gefragt und in Russland zu fragen solche Fragen das ist ganz gefährlich also eine Nacht hat man geklopft auf die Eingangstür der Herr Gurgow ist runtergegangen und hat gefragt »ja ?
[40:07] was möchten Sie ?« sagt der »ich bin von die Kommandantur und« also Kommandantur das heißt von die Polizei und »wir möchten wissen wer ist der Mann der wohnt dort bei euch« sagt er »bei uns bei mir wohnt nur eine Frau die ist eine Lehrerin in die Schule
[40:26] und ein Mädchen es gibt keinen Mann« sagt er »nein wir müssen wir wissen das ja und wir möchten sehen« sagt er »hör mal zu ich bin ein hoch Offizier in die Armee gewesen ich bin ein Direktor in diese in diese Fabrik ich möchte nicht gestört sein
[40:45] bei Nacht wenn du willst komm mit dein Offizier dann werd ich mit ihm sprechen« nächste Nacht sind sie gekommen wirklich mit den andern Offizier und der Herr Gurgow hat in unsere Zimmer reingekommen hat mein Vater [gestikuliert] so genommen mit die wie man
[41:04] sagt wirklich mit die Hand kräftig genommen und hat ihn gelegt nächst zu seiner Frau ich weiß nicht ob ihr weißt aber die Usbeken die schlafen so wie die Araber auf Bo- auf dem Boden auf einer Decke also die Frau Gurgow war auf einer Decke [gestikuliert]
[41:28] er hat mein Vater auf nächst zu dieser Frau gelegt und zugedeckt mit dem Gesicht und per Zufall das war eine Glückssache die Frau Gurgow hat ein Baby gehabt von drei Monate der hat das Baby auf mein Vater gelegt und er hat gesagt die Frau die soll das Kind
[41:54] äh zwicken und das Kind hat geweint hat der Herr Gurgow gesagt [imitierend:] »ho ! hör mal zu du siehst was du hast gesa- -seh- -macht ? meine Frau kann nicht nachts schla- schlafen das Kind weint siehst du hier ist die Frau hier ist die Lehrerin das ist
[42:15] das Kind die Schülerin von acht Jahre es gibt kein Mann hier du kannst mir nicht stören jetzt raus« der Kommandier hat sich genommen mit seine zwei Soldaten die sind weg und so hat er gerettet mein Vater ich glaube dass das war mehr wie ein humanische
[42:40] ähm gesture er hat mein Vater gerettet aber er konnte sich und seine Familie und uns auch mit dem äh wie so soll ich sagen sich sehr gefährlich machen und er konnte wie man sagt zurück nach Sibirien oder viel sch- schlimmer äh wie gesagt das war eine
[43:09] jüdische Familie und ich bin sehr dankbar in diesen Fall in diese Familie also mein Vater wir wie wir sind schon nach Israel gekommen hat er mir immer gesagt »Tova pass auf wenn die äh Russen werden befreien die jüdische Juden von Buchara musst du aufpassen
[43:38] auf die Familie Gurgow ist jemand gekommen falls ja musst du helfen dieser Familie das ist wie man sagt mein äh Willen und mein äh meine Dankbarklichkeit für was der Herr Gurgow hat gemacht«
[43:56] interessant ist dass der Herr Gurgow war wirklich sehr klug und ein guter Jude mit die Medaillons das war gar nicht wichtig wenn das Kind das kleine Kind ist geboren geworden ist er irgendwo nach drei Tage nach Taschkent gefahren er ist zurückgekommen hat
[44:14] er angefangen zu schreien auf die seine Frau und die Frau ist raus von die Wohnung und hat geschrien auf die Straße »mein Mann schlägt mich mein Mann schlägt mich ich muss weg das ist ganz gefährlich was er macht mit mir« und er hat sich [gestikuliert]
[44:34] sie hat sich auch hier gekratzt so man soll sehen dass sie ist geschlagen geworden und die Leute sind gekommen die Nachbarn so sagt »Herr Gurgow was ist passiert was schlägst du deine Frau ?« sagt er »meine Frau die ist nicht normal« ich werde das sagen
[44:49] in Russisch »ona s uma soschla« »sie ist ganz verrückt geworden ich bin von dr- für drei Tage weg und sie hat dem Kind eine Operation gemacht« also ich meine bei acht Tage hat sie wie sagt man in die deutsche Sprache ?
[45:03] äh Beschneidung
[45:06] Beschneidung hat sie gemacht [gestikuliert] »das ist doch nicht normal eine normale Frau macht das nicht die ist eine Analphabetin sie ist sie ver- glaubt in Sachen das sind überhaupt nicht normal« also der Theater war groß aber wie gesagt er war ein Jude
[45:19] und er wollte das Kind soll auch ein Jude sein aber die ganze Zeremonie hat er so gemacht dass [betont:] er ist gegen also er ist ein guter Kommunist er ist für Stalin macht er alles
[45:32] ich hab eine Frage das interessiert mich sehr denn Sie erzählten vorhin wenn ich das richtig verstanden habe dass Ihr Vater und der Herr Gurgow sich zunächst nicht beachtet haben weil Ihr Vater staatenlos war und der Herr Gurgow nach außen hin getan hat
[45:48] als sei er ein guter Staatsbürger nun kam es zu der Rettungsaktion durch diesen Herrn der Ihren Vater gerettet hat äh gab es danach Kontakt haben Sie miteinander gesprochen
[45:59] nein nein das war weiter so die also die haben sich so gut verstanden ohne zu spre- zu sprechen dass jeder wusste ganz genau wo er ist und was er darf machen er der Gurgow hat mein Vater nicht gesehen und mein Vater hat dem Gurgow nicht gesehen die waren [zeigt]
[46:20] so näh aber das war so wie ein Theaterspiel beide haben gut gespielt das war wirklich äh wie wirklich nur kluge Menschen und Menschen nicht nur klug auch mit Verstand und mit viel Intelligenz muss muss man so sagen wussten ganz genau wie so zu koordinieren
[46:45] dass eine hat gesagt »ich weiß nicht von dem anderen gar nichts«
[46:50] ähm wir haben ein äh Bild äh es gibt ja viele Bilder aber ein Bild nur aus Buchara und zwar von Ihrem Vater äh [reicht Foto] das wenn Sie jetzt so von Ihrem Vater in Buchara die Rede war
[47:05] ja danke ja das ist ein Bild [zeigt Foto] das war äh in Buchara gemacht äh mein Vater sieht hier nicht so gut aus ganz so [gestikuliert] Sie mussen wissen da- mein Vater war äh auch eine längere Zeit krank in Buchara hat auch dem Typhus gehabt Bauchtyphus
[47:30] und mein Vater war sehr hoch ein Meter achtund- äh 84 und zu dieser Zeit hat er vielleicht fünfzig 55 Kilo gewo- gewogen also er war wirklich wie man sagt nicht äh ein großer Held äh wir machen eine kleine Pause [Schnitt] also wie gesagt in Buchara
[48:03] hatten wir ein [gestikuliert] normales Leben kann man sagen wir waren nicht wir haben nicht das Gefühl dass wir sind Gefangene wir konnten ganz frei in die Stadt gehen meine Großmutter war vielleicht haben Sie das schon verstanden eine business woman
[48:30] und sehr so tüchtig hat sie angefangen in äh so bei die äh bucharische Familien zu kaufen fast in jeden Hof war ein Küh oder ein äh wie sagt man ein äh [gestikuliert] nicht ein Bock ein
[48:56] eine Ziege ?
[48:59] eine Ziege danke fast jeden Hof war eine Küh oder eine Ziege und Hühner waren genügend in jeden Hof das war kein Problem Eier hat sie gef- äh gekauft in jeden Hof paar Liter Milch und die hat äh Butter und Käse fabriziert mein Großvater hatte auch
[49:23] war sehr talentiert hatte auch so ein [gestikuliert] äh Topf gemacht und mit ein speziellen von Holz was geschnitten und hat äh von Sahne Butter geschlagen glaube ich ma- sagt man so und äh zweimal in die Woche ist meine Großmutter auf den Markt in Buchara
[49:49] gegangen auf den Basar von Zeit zu Zeit fast fast jedesmal habe ich ihr geholfen so nach Mittag und sie hat Butter und Käse verkauft das hat uns sehr sehr viel geholfen ich muss sagen dass nicht alle polnische Juden in Buchara hatten das so luxusier gehabt
[50:12] wie wir von einer Seite weil meine Großmutter war sehr tüchtig von die andere Seite was weil meine Mutter war eine Lehrerin dann hat sie auch ein Gehalt gehabt und von dritte Seite haben wir doch noch immer paar Münzen goldene Münzen dass nicht jede Familie
[50:30] war es so gut wie muss ich sagen aber wie gesagt mein Großvater war immer ein großer Philanthrop wir wer- ich werde noch später erzählen von ihm Sachen und er hat gegründet rings ihm eine so wie ein Seminar das war keine Schule weil das war ältere Männer
[50:56] so von 18 zwanzig 22 und er hat gegründet so eine Jeschiwa das heißt das ist so eine Schule für ältere junge Leute von 18 bis 25 und die haben äh dem Bibel gelernt dem Alten Testament mit äh Kommentare und so weiter also das war sein also von einer
[51:28] Seite hatte die Großmutter geholfen in dem business von äh Käse und Butter von die andere Seite hat auch Beschäftigung gehat und mit dem haben auch die Männer die waren so Singles haben auch gehat was zu essen weil die Großmutter hat viel gekocht das
[51:48] war ihr so wie gesagt Hobby und das war so auch eine Unterstützung für diesen Leuten weil die hatten nicht kein Beruf die waren zu jung zu lernen bev- vor dem Krieg einen Beruf und in Russland in Buchara hatten wir nicht so viel äh opportunities zu fun-
[52:12] funden Arbeit wenn du hast nicht warst nicht kein wie man sagt ein handyman oder etwas zu machen so ein Lehrer zu sein wie meine Mutter meine Tante hat auch nicht gearbeitet weil sie hat gar nicht gehat (als) sie konnte sein ein Sekretärin aber sie konnte
[52:30] nicht Russisch also es waren viel Leute dass die haben nicht gearbeitet und wer hat nicht gearbeitet hat nicht gehat was von was das Essen zu kaufen also in unserem Fall unsere Familie hat das wirklich wie man sagt ein Luxusleben gehabt weil wie gesagt meine
[52:50] Großmutter war ein sech- sehr tüchtige Frau und meine Mutter auch äh
[52:56] aber es gab ja auch äh also auch äh Gefahren in Buchara trotz allem äh ich erinner mich was Sie im Vorgespräch gesagt hatten mit dem NKWD
[53:07] ja das war sehr gef- gefährlich kann man sagen ich kann euch erzählen von meine Erfahrung das war nicht klug was ich hab gemacht aber ich war immer schon etwas so frech [gestikuliert] und wir hatten ein super äh netten äh Lehrer äh der war äh der hat
[53:36] uns erzählt er war der Lehrer von äh Gymnastik und Musik aber in Wirklichkeit hat er uns erzählt Karl (Mach) Bücher und Tarzan-Geschichten und so weiter und einmal ist er nicht gekommen in die Klasse der war krank ist reingekommen der Lehrer von der russischen
[53:55] äh Sprache und so wie ich sage ich war schon etwas frech wenn ich war klein bin ich aufgestanden auf den Tisch und ich hab gesagt »ach wir möchten nicht lernen jetzt Russisch« das war nicht so klug weil in dieser Nacht zwö- zwölf drei Uhr nachts sind
[54:15] gekommen die Russen von die Kommandantur und haben gesagt »Frau Friedman kommen Sie mit wieso ist es dass Ihre Tochter Sie sind eine Lehrerin in diese Schule und Ihre Tochter will nicht Russisch lernen also was für ein« ähm äh wie soll ich das sagen
[54:37] »was lernt deine Tochter zu Hause bei dir ? also sie ist anti-russisch das ist« also meine Mutter war drei Tage in NKWD und das war nicht so klug von meiner Seite und dann hab ich noch einmal so was Kluges gesagt am ersten M- paar Tage vorm ersten Mai sollten
[54:57] wir alle Kinder ein Brief schreiben zu djadja Stalin zum Vater Stalin und dann hat man uns gesagt »wer wird ein schönes Brief schreiben bekommt ein am ersten Mai ein äh Stückchen Zucker oder ein Bonbon« und ich habe gesagt »das kommt sowieso nicht nach
[55:16] Moskau die Briefe wir bekommen das von hier von Buchara« dann war meine Mutter noch einmal drei Tage auf NKWD »warum ist deine Tochter so klug und sie weiß so viel und versteht so viel« [lacht] aber das waren solche unangenehme Kleinigkeiten aber wir haben
[55:35] das wie man sagt overcome
[55:38] und äh nach vier Jahre in Buchara ist äh der Krieg zu Ende gekommen also 45 aber wir mussten noch bleiben ein Jahr in Buchara ganz besonder unsere Familie weil mein Vater wie gesagt war ein bjesgraschdanez ohne Papieren ohne er
[56:01] war kein russischer Bürger und er war nicht kein polnischer Bürger in Buchara war solche kluge Leute ich sage kluge Leute nur 24 und äh die Wanda Wasilewska die war eine Mitglied in die russische Duma Dusch- Duma das heißt der Parlament der russische
[56:24] Duma die Wanda Wasilewska war eine polnische Frau eine Kommunistin noch vor dem Krieg man hat auch gesagt dass sie hat sie war sie war sehr geliebt von Stalin also sie waren sehr befreundet und sie hat für diese Leute die waren so wie mein Vater eine Amnestie
[56:46] spezielle Amnestie von Stalin bekommen dann konnten wir am äh Jahre 46 ich glaube Mai 46 Buchara verlassen und dann noch einmal sechs sieben Wochen nach Lemberg zu fahren nach nach die polnische zu die polnische Grenze
[57:09] ich hätte an dieser Stelle noch zwei Fragen die Buchara betreffen ähm die erste wäre ob Sie dort Sie waren schon ein wenig älter Freundschaften geschlossen haben die vielleicht ähm auch später ähm äh noch länger existiert haben was Sie als Kind gemacht
[57:28] haben in Buchara und die zweite wäre ob Sie Erinnerungen daran haben dass Ihre Eltern beispielweise über den Kriegsverlauf in Europa informiert waren und ähm wann Sie das erste Mal von der Ausgrenzung und Vernichtung äh der europäischen Juden erfahren
[57:43] haben
[57:46] danke war sehr wichtig was Sie haben gefragt also auf die erste Frage kann ich Ihnen schon sagen ich treffe mich hier in Tel Aviv fast jede Woche mit einer Freundin die ist ein halbes Jahr älter wie ich wir sind schon s- 72 Jahre befreundet also ich hab sie
[58:04] kennengelernt also 73 wir ich hab sie kennengelernt wenn ich war sechs Jahre alt sie war sechseinhalb Jahre alt und wir treffen uns bis heute und ganz wie man sagt i- in- (inconcidentally) war mein Mann mit ihrem Mann befreundet in Militär und wer wir haben
[58:25] uns vier getr- das erste Mal getroffen das war wirklich so wie ein Theater weil die Männer kannten sich von früher und ich kann diese Frau von früher und das war wirklich und wir sind bis heute sehr sehr befreundet äh die zweite Frage war
[58:42] ob Sie über den Kriegsverlauf informiert waren und wann Sie von der Vernichtung der europäischen Juden und den Konzentrationslagern erfahren ha-
[58:50] [gleichzeitig:] das haben wir na- leider nicht gehört äh aber ich glaube dass Jahre 44 wussten wir schon etwas weil wie gesagt ich komme noch einmal zum Herr Gurgow wenn waren Nachrichten also wir hatten kein Radio aber er als ein Direktor von einer Fabrik
[59:12] und als ein halbe General wie er hat sich gefühlt äh hatte ein Radio und wenn waren Berichten einmal in abends hat er so laut gemacht dass mein Vater konnte das hören er war in diesen Fall wie gesagt die haben sich nicht getroffen aber die haben sich gut
[59:30] verstanden und er hat immer wenn es waren Nachrichten hat er immer ganz hoch das Radio gemacht man soll bei uns das hören das war äh ich glaube sehr clever von seiner Seite äh was ich wollte noch von Buchara erzählen ja heute kann ich das sagen es war
[59:53] ein underground äh in Buchara und viele Leute in Buchara so wie meine Eltern konnten Hebräisch von zu Hause von va- vor dem Krieg und die haben äh wie gesagt geführt so eine underground- ich werde nicht sagen -Partei aber meetings zionistische also d-
[1:00:23] weil wir waren in Buchara und Buchara ist nicht weit von Persien was ist heute Iran waren die Meinung dass vielleicht ein Tag können wir nicht nach zurück nach Polen [gestikuliert] aber gleich von Buchara nach Persien und nach Palästina kommen also diesen
[1:00:44] Weg zu machen in Asien und es waren wirklich viele äh Leute so wie meine Eltern und noch Le- El- El- andere die haben Hebräisch zwisch- sich gesprochen und immer gemacht Pläne vielleicht kann man so oder vielleicht kann man so irgendwo nach Teheran kommen
[1:01:06] äh was war auch wichtig und das kann ich jetzt auch sagen meine Mutter war eine Lehrerin wie gesagt in dieser Schule und sie hat äh ihr Beruf war Geografie und Ge- ähm Historia Geschichte und immer hat sie angefangen von Ägypten wenn es war Pessach-Zeit
[1:01:38] von Chanukka wenn es hat sie von (Aschurien) also von Babylonien gelernt also immer war etwas das war aktuell zu den jüdischen äh holidays aber das war Geografie und Geschichte von mediterranean und das immer war so dass wenn ein Direktor kommt rein in
[1:02:03] die Klasse oder ein Inspektor [gestikuliert] dann immer war es mit eine Atlas von Ägypten oder von Mesopotamien aber die äh Grundsache war zu erzählen von Moses und von Mordechai und von Purim und von Chanukka das war so anders gemacht wie äh es sollte
[1:02:31] sein was kann ich auch noch a- auch erzählen von Buchara ich glaube das ist vielleicht von Buchara genug und wir werden vielleicht sprechen von nach dem Krieg
[1:02:44] ja vielleicht zum Abschluss Sie hatten ja ein Bild äh uns wa- was Sie unbedingt oder sehr gerne zeigen wollten von Ihrem Vater noch in Sibirien ähm wenn Sie das noch weil das Ihnen so wichtig war [reicht Foto] und das ist ja auch wichtig
[1:03:01] [gleichzeitig; zeigt Foto] ja das ist mir sehr wichtig zu zei- zeigen so zwei vielleicht machen wir so drei Epochen das hier ist das letzte Bild in unserer Wohnung 49 39 bev- bevor wir sind nach Przemyśl zu mein Onkel geflogen also das ist hier in die Wohnung
[1:03:23] von meine Eltern neu- September ich glaube September 39 hier ist mein Vater in Buchara in ah Entschuldigung in Sibirien vierzig 41 als also das ist schwer zu glauben dass der Mann hier und der Mann hier ist derselbe Mann und hier unten sind die erste Bilder
[1:03:48] von uns nach Buchara wenn wir sind in die erste Woche äh also nach Paris gekommen in Zeit war es ungefähr vielleicht sechs sieben Monate nachdem dass wir sind von Buchara raus bis wir sind gekommen nach Paris wieso wir sind gekommen nach Paris das ist ein
[1:04:11] andere Kapitel und das erzähl ich noch in einer Minute jetzt gehe ich gucken was die Küche macht [Schnitt]
[1:04:17] wie gesagt Jahre 46 hat sich die Wanda Wasilewska die war ein Mitglied in die Duma in die is- äh russischen Parlament hat sich bei Stalin äh ein gentleman agreement gekommen zu dem dass die hat uns befreit und wir sind äh 46 von Buchara äh nach äh Lemberg
[1:04:44] gefahren auch in solchen schönen Luxus- Viehwaggonen äh wir sind gekommen nach sechs sieben Wochen von R- die Reise nach Lemberg also ich jetzt muss ich sagen dass die Reise nach Lemberg in diesen Richtung war schon ganz nicht bequem aber fast normal
[1:05:09] nicht humanitarisch wir b- wir konnten rausgehen von Waggonen reingehen in Waggonen der Zug ist gefahren es war schon nicht so ängstlich wie es war paar Jahre früher wir sind nach äh Lemberg gekommen und jede eine das kommt geht runter von ein Zug nach
[1:05:32] paar Stunden darf irgendwo zu gehen und was wir kommen noch einmal zu der Sache v- die Natursache von Toiletten und wir sind in eine echte Toilette reingekommen und meine Mutter hat [gestikuliert] das Wasser runtergenommen mit ein St- äh zu dieser Zeit war
[1:05:52] noch ein so ein Strick eine Niagara von oben und das ein ein hat ein Geräusch gemacht und ich zwölf Jahre alt hab angefangen zu schreien und zu weinen »Mama was hast du gemacht du hast das kaputt gemacht« das Wasser hat mich so erschrocken das heißt dass
[1:06:08] das al- als Kind von zwölf Jahren ein Mädchen von zwölf Jahre wusste nicht was eine normale Toilette ist was wir konnten in Buchara war zwei Bretter und ein Loch also das war nicht so ich erzähle dass man soll verstehen die Bedingungen wie die waren
[1:06:34] schon so luxusier und gut in Buchara waren die immer noch sehr primitiv äh wir waren in Lemberg vielleicht paar Stunden gleich nach Krakau mit diesen oder mit ein andern Zug in Krakau waren wir nur zehn Tage in diesen zehn Tage haben wir gewohnt in ein Haus
[1:06:59] das war eine Schule das per Zufall hat mein Großvater noch mit zwölf andere oder 15 andere Mitglieder gegründet Jahre sechsunddrei- äh 1926 als die erste hebräische Volksschule in Krakau ich glaube dass wir haben hier irgendwo ein Bild oder zeigen wir
[1:07:32] das vielleicht später
[1:07:34] mh das Bild hatten wir jetzt nicht äh vorbereitet
[1:07:37] okay das ist können wir das in jedem Fall äh wir waren in diesen Haus das war ein Zufall dort waren sehr viel Leute das war so ein Emigranten- äh -La- nicht -Lager aber ein Haus weil in jeder Schule gibt es doch sehr viel Zimmer und je- und die Zimmer sind
[1:07:53] ziemlich groß also in jedem Zimmer waren sechs sieben Familien und das war so eine Zeit von Übergangszeit weil zu dieser Zeit das war schon Jahr Ende 46 äh Anfang 47 waren schon die Leute von Palästina von die Kibbuzim gekommen nach Polen suchen Verwandte
[1:08:22] um die nach Palästina zu holen äh wir sind wie gesagt wir waren in Krakau nur zehn Tage und in diesen zehn Tage äh wollte meine Mutter sehen die Wohnung wo wir haben gewohnt äh also meine Mutter hat nicht ausgesehen so wie eine Dame zu so eine Wohnung
[1:08:48] und die hat angeklopft hat ein Fräulein dort öff- geöffnet und sagt sie »ja was möchten Sie« da sagt sie »ich möchte reinkommen in die Wohnung« ist ein Herr gekommen und sagte [imitierend:] »was möchten Sie denn hier wer sind Sie ?« sagt meine Mutter
[1:09:05] »ach ich hab hier gewohnt before -m Krieg kann ich vielleicht meine Wohnung sehen ich will nicht von Ihnen die Wohnung weil wir fahren weiter aber ich möchte die Wohnung sehen« hat er geschimpft auf meine Mutter hat sie auch so mit die Hand [gestikuliert]
[1:09:21] weggeschmissen und ich glaube das war für meine Mutter ein sehr schlechtes Erlebnis und sie hat es viele Jahre wie lang sie hat noch gelebt sehr sie konnte das nicht ähm to overcome it äh to überleben das dass man hat sie so brutalisch von die Wohnung
[1:09:47] rausgeschmissen
[1:09:50] wie gesagt wir waren in Krakau zehn Tage von dann sind wir mit die Leute von Israel von Si- Entschuldigung von Palästina von diesen Kibbuzim nach Wegscheid gekommen Wegscheid ist ein kleines Ort nicht weit von Linz in Österreich dort waren solche UNRRA-Cam-
[1:10:12] äh Campe für die ähm äh
[1:10:17] DPs äh
[1:10:20] ja aber ein anderes Wort gibt es äh für die okay und äh dort waren wir vielleicht drei Monate per Zufall ein Cousin von mein Vater ein echter Cousin von mein Vater der ist vor dem Krieg noch nach Amerika ein Rabbiner Doktor Rabbiner Doktor Philosophie
[1:10:45] und Rabbiner der hat studiert in äh Wien vor -m Krieg und der war ein Offizier in UNRRA und der ist gekommen mit ein Jeep und mein Vater war sehr hoch [zeigt] hat er ihm irgendwo dort gesehen von oben und die haben sich kennengelernt also kennen eine und
[1:11:08] zweiten hat gesehen face to face die und die haben wie man sagt sich getroffen und gesprochen und hat gesagt »gut dass ich weiß wo die Familie ist ich werde sorgen für euch« ich weiß nicht ob er hat es bezahlt oder die F- ganze Familie in Amerika hat
[1:11:28] es bezahlt oder die UNRRA hat es bezahlt einen schönen Tag sind haben wir bekommen äh Tickets äh für ein Zug nach Paris mit ein Voucher für ein Hotel ich glaube dass die Familie von Amerika also mein Vaters Familie der hatte dort paar Cousins gehat die
[1:11:50] haben das bezahlt und wir waren in Paris in so ein Hotel ga- auch ganz ganz arm es w- Paris war auch zu dieser Zeit das war sechs- 46
[1:12:04] äh in diesen Hotel haben wir gewohnt ungefähr acht Monate in diesen acht Monate habe ich so viel gelernt dass ich glaube dass man kann nicht in zehn Jahre so viel lernen in an Universität wie gesagt meine L- Eltern waren sehr intelligent und auch klug so
[1:12:27] kann ich jetzt das urteilen was macht man mit ein Kind ein Mädchen von zwölf Jahre man sie kann nicht die englische Spra- also nicht die französische Sprache polnische Sprache gibt also gibt es kein polnische Schule was macht man mit ein Kind meine ich
[1:12:44] [betont:] glaube dass die UNRRA oder die government von Paris hat es bezahlt wir haben ein Ticket für Metro gehabt sonst wir konnten sonst fahren ohne Geld und reinkommen in Louvre auch ohne Geld und der Plan war so dass meine Mutter geht dreimal in die
[1:13:08] Woche mit mir ins Louvre und ich lerne Botanik und Zoologie und Kunst und mein Vater geht mit mich mit mir zweimal in die Woche in Louvre und ich lerne Geschichte und Geografie alles von Bilder und von sagen wir ein Bild es waren noch kein Fotografie zu
[1:13:35] diese Zeiten äh ein Krieg Jahre 1410 berühmte Krieg in Europa die dann die dreißig Jahre Krieg ja das alles war dort in Bilder gemacht und man konnte sehr viel von Bild wer konnte etwas Geschichte und Geografie und Kunst konnt man von Bilder doch sehr viel
[1:13:58] lernen und ich muss sagen dass in diesen zehn Monate dass wir waren in Paris habe ich sehr das war für mich das Universität für das ganze Leben und ich glaube dass das ist eine von diesen Sachen das ich hab auch bis heutigen Tag sehr viel Verstand für
[1:14:14] äh Geschichte und für äh Kunst und Musik äh
[1:14:21] dann hat mein Vater in die Zei- in einer Zeitung gelesen dass in äh Hotel de la Republic auf Platz de la Republic in Paris ist ein Treffpunkt mit underground von Haganah Haganah das war die underground von palästinensen Juden gegen die Engländer und dort
[1:14:51] war das meeting und mein Vater ist als ein Zionist ist er gegangen dort und hat sein Freund dort getroffen ein gewissen Moshe Kleinbaum dann war der Moshe Kleinbaum Moshe Sneh ein äh Minister in ersten Parlament israelischen also der hat gesagt »so Herr
[1:15:13] warte hier in Paris bis ich komme das nächste Mal nächsten Monat« der ist gekommen und er hat uns gegeben unser El- meine Eltern Zertifikate falsche Zertifikate weil meine Eltern konnten gut Hebräisch war es war die Geschichte so dass die sind Mitglieder
[1:15:36] in ein Kibbuz ich glaube in Kibbuz Dalia Dafna und meine Mutter ist gekommen nach Europa zu suchen die Tochter von ihre Schwester ich war die Tochter von die Schwester also die sind gekommen nach Europa zu suchen mich ich konnte zu dieser Zeit nicht Hebräisch
[1:16:02] also und man hat mir gesagt »wenn wir kommen nach Israel sagst du nicht Mama nicht Papa du sagst Onkel und Tante« und so sind wir Juli 47 noch drei Monate before das israelische St- äh äh Staat ist äh in UN in New York äh erstanden sind wir gekommen
[1:16:27] nach Israel auf ein Schiff d- ich glaube der Namen war »Providence« als äh Leute von Kibbuz mit die Tochter von meine Mutter äh von die Schwester von meiner Mutter so ist die Geschichte
[1:16:42] Sie sagten Ihre Eltern waren Zionisten und äh Sie haben auch viel gelernt mit Ihren Eltern konnten Sie sich bereits was äh vorstellen was Palästina ist wussten Sie Bescheid ?
[1:16:52] [gleichzeitig:] ja ich wusste ganz genau von äh also wie gesagt in Buchara hab ich schon ge- ich war noch zu jung zu diese Zeiten aber [gestikuliert] andere die waren 14 15 Jahre die haben solche private äh Lektionen bekommen was ist Palästina und wir möchten
[1:17:11] nach Palästina das war alles so die Russen haben das nicht so gut gemerkt ich glaube das waren in dieser Schule zwei wirklich wirklich Kommunisten einer war von diesen Kommunisten war der der hat meine Mutter geschimpft dass ich habe gesagt wir möchten Russisch
[1:17:30] nicht lernen aber sonst waren viel viel Juden dort in Buchara Zionisten die waren äh ni- also nicht off- öffentlich Zionisten aber von zu Hause und in Herz und in Kopf waren die Zionisten und meine Le- Al- Eltern auch ja das ist das erste Bild unseres
[1:17:56] Bild die Familie Friedman [zeigt Foto] äh das erste Bild hier in Israel man sieht schon ganz andere Gesichter wie nach wie die erste Gesichter dass wir si- nach Paris sind gekommen äh ja hier muss ich sagen dass die mein Großvater der Salomon Bester ist
[1:18:19] leider nicht raus von Russland Jahre paar Monate vor Ende des dem Krieg Jahre 45 ist er gestorben von eine Krankheit dass ich glaube dass wenn er möchte sein irgendwo in Paris oder in New York oder in Tel Aviv kann man auch von dem sterben also das hat gar
[1:18:42] nichts zu tun mit dem Krieg meine Großmutter ist geblieben noch paar Monate in Polen mit meine andere Tante mit die Familie wir waren die erste dass wir haben Krakau verlassen nach zehn Tage die haben Krakau verlassen nach drei Monate warum die sind geblieben
[1:18:59] etwas länger dort weiß ich nicht wir sind auch früher nach Israel gekommen die sind etwas später nach Israel gekommen aber bis heute lebt meine zwei Cousins also so wie die Tante und der Onkel ist gestorben hier so wie auch meine Eltern und wie meine Großmutter
[1:19:18] ich muss sagen dass meine Mutter ist ganz früh gestorben ganz jung sie war 47 Jahre alt sie ist gestorben Jahre äh 53 und heute also dieses Jahr war es sechzig Jahre wie sie ist gestorben ich war zu diese Zeit ein ganz junges Mädchen und dann war ich plötzlich
[1:19:43] die Mutter von mein Vater weil mein Vater war wirklich äh von einer Seite sehr intelligent so wie ein Professor er hat sehr wenig verstanden von realischen Leben dann war ich bei 18 Jahre 17 Jahre die Mutter von mein Vater und äh mein Vater hat gelebt bis
[1:20:11] sein 82ten Jahr und ist before 32 Jahre gestorben hier in Israel kennengelernt mein Enkelkinder seine Enkelkinder also meine Kinder und das tut mir wirklich bis heute sehr schmer- das schmerzt mich dass meine Mutter hat nicht erlebt zu sehen meine En- Kinder
[1:20:35] das heißt ihre Enkelkinder machen wir eine kleine Pause [Schnitt]
[1:20:39] wo waren wir ach wir sind nach Israel gekommen
[1:20:43] ja
[1:20:45] ähm wie man kann anfangen ? wie gesagt Jahre 47 bin si- wir sind nach Israel gekommen und äh ich war ungefähr zwischen zwölf und 13 Jahre alt und ich wir wie gesagt ich bin gegangen in die Schule es war nicht so leicht für mich weil ich konnte gut Geschichte
[1:21:14] Weltgeschichte ganz besonders russische Geschichte auch Geografie von Europa und von das Asien aber Hebräisch Englisch und dem Alten Testament was hieß was war hier eine von die wichtigsten äh subjects in die Schule das hab ich nicht gekonnt also wie gesagt
[1:21:36] meine Mutter konnte gut Hebräisch weil die also beide meine Eltern konnten gut Hebräisch weil die haben gelernt in vor dem Krieg in die hebräische Gymnasium und meine Mutter hat mir vorgelesen äh Teile von dem Alten Testament von Propheten sagen wir also
[1:22:00] ich konnte dem Yirmiyahu fast auswen- -ig aber ich wusste nicht was ich sage ich konnte nachsagen [lächelnd:] aber ich wusste nicht was ich sage aber wie ein Kind also wie ein Mädchen von diesen Jahren lernt man ganz schnell und ich hab die Stra- die Sprache
[1:22:18] ganz schnell begriffen und ich war nicht die beste Schülerin in die Klasse das muss ich sagen äh weil ich hab eine Geburtsfehler kann man sagen so ? dass ich bin dyslektisch ich glaube dass das bevor fünf sechs Jahre konnt ich nicht das so sagen öffentlich
[1:22:39] aber jetzt sage ich das ganz offen ich glaube dass viele junge Leute sollen wissen wenn man hat wie man sagt ein Problem mit Kraft und guten Willen und gute Hilfe kann man das äh wie man sagt überleben und lernen was man kann machen ohne diesen Fehler
[1:23:05] das man hat in Leben also wie gesagt ich hab ich bin etwas dyslektisch ich schreibe mit Fehlers also nicht mit grammatische Fehlers aber ich vertausche die Buchstaben und ich lese sehr langsam und ich bin müde wenn ich lese darum hab ich auch mir ausgefunden
[1:23:26] eine Beruf wenn ich war schon älter dass meine Zunge hat gearbeitet ich hab gearbeitet in Public Relation aber das war wirklich wenn ich war schon über zwanzig wenn ich hab schon die Schule beendigt wie gesagt meine Mutter ist gestorben wenn ich war 17 18
[1:23:49] Jahre alt und äh ich musste alles zu Hause machen und ich hab gelernt ich weiß nicht ganz genau zu sagen was ich habe gelernt ich hab gelernt viele Sachen von Leben und bei 22 habe ich angefangen zu arbeiten in eine Firma von äh Public Relation and äh
[1:24:17] Public Relation und äh mh Reklamen wie so sagt man ?
[1:24:25] Werbeagentur
[1:24:28] ange- äh wieso ?
[1:24:31] eine Firma dafür ?
[1:24:34] ja
[1:24:37] das ist eine Werbeagentur
[1:24:41] eine Werbeagentur und äh ich hab noch eine gute Sachen von mei- von lieben Gott bekommen dass ich hab sehr ein guten äh Konzentration- äh -Gehirn und ich kann gut organisieren Sachen und schnell darum hab ich angefangen zu arbeiten in äh äh exhibitions
[1:24:55] vorbereiten und von art weil ich hatte schon etwas von Paris gehabt ein Gefühl für Kunst und für äh äh Kochen hab ich von meine Großmutter gelernt dann hab ich auch ein Gefühl für food production -s gehat und ich habe viel äh Ausstellung von äh
[1:25:21] die die Sachen das ich konnte hab ich organisiert und äh ich hab dann in eine Firma gearbeitet 25 Jahre das war in ein mit Kochen und Public Relation und alles zusammen und das und diese Zeit hab ich auch 25 Bücher ausgegeben aber wie gesagt das war später
[1:25:43] wenn ich war 19 äh s- 18 Jahre alt hab ich kennengelernt mein zukünftigen Mann Alfred Urbainczyk und dann hat man mein dem Namen Urbainczyk kürzer gemacht für Aran also Alfred Aran-Urbainczyk ich habe ihn kennengelernt in ein Kreis von andere Freunde
[1:26:07] äh der war geboren in Breslau also heute Wrocław in eine jüdische Familie aber die Familie war assimiliert also sein Vater hat ein Auto schon zu dieser Zeit gehabt aber der ist in die Synagoge Jom Kippur mit den Auto gefahren und auch vielleicht geraucht
[1:26:30] eine Zigarette aber äh leider seine Eltern sein Vater war schon 38 in ein La- äh Arbeitslager Mu- Mutter und Schwester waren in Theresienstadt und sein Bruder der älteste Bruder Georg Jorg war ein Student in Berlin weil mein Mann hat sich eingeschrieben
[1:27:01] in Yad Vashem äh hat äh jemand von Amerika before ich glaube zwanzig Jahre angerufen ein älterer Herr und er sagt »sagen Sie wer sind Sie der Urbainczyk von Breslau« sagt mein Mann so und so sagt er »haben Sie einen Bruder gehabt er hat in Berlin studiert«
[1:27:24] hat mein Mann gesagt »ja« »hat er geheißen Jorg ?« »ja« sagt er »ich kann Ihnen sagen dass ich war mit Ihrem Bruder zusammen bis zu der letzten Minute es war Ferienzeit wir waren in Zug von Berlin nach Breslau die Deutschen sind ins äh Waggon gekommen
[1:27:49] man hat auf ihn gesehen diesen gelben Magen David und man hat ihn auf Ort und Stelle erschossen also ich kann Ihnen sagen ganz genau das Datum das war der 26ige Februar Jahre vierzig« das jetzt bin ich nicht sicher vierzig glaub ich [seufzt] und so hat
[1:28:19] mein Mann wie man sagt auch ein Datum nach sein Bruder gehabt leider nach seine äh Schwester und Mutter hat er keine äh keine äh Datum aber von dem Vater hat er ihm noch einmal getroffen in ein Arbeitscamp weil der Namen Urbainczyk ist unusual und ich
[1:28:49] glaube das war kurz vor Ende dem des Krieges dass er ist das war schon ich so wie mein Mann hat das erzählt schon in die Zeiten als er ist es war schon in Auschwitz ein groß- also es war schon nicht so str- strikt wie es war immer es war schon wie man
[1:29:16] sagt ein äh before Ende das Krieges und die Leute sind gegangen von ein Barack in ein andern Barack und man hat gewandert und dann ist er mein Mann reingekommen in ein andern Barack und jemand hat gehört sein Namen sagt er »Urbainczyk« sagt er »ja«
[1:29:40] sagt er »hör mal zu dort in die Ecke liegt einer ein alter Herr der heißt auch Urbainczyk seh mal ob du k- weil das ist wirklich ein Namen das ist nicht so tagtäglich« Alfred ist zugegangen und [bewegt] das war sein Vater [zeigt Fotos] also das ist
[1:30:10] die Mutter von Alfred und der Vater vor dem Krieg das darf man nicht sagen das sieht man dass das ist ein Bild vor dem Krieg und Alfred hat hat angefangen mit den sein Vater zu sprechen und drei Tage später ist er gestorben in seine Hände ich kann
[1:30:40] sagen dass der Traum mein Mann hat viel von dem geträumt und manchmal nachts musste ich ihm aufwecken weil der hat so äh wie so wie eine verwundete Tier geschrien [imitierend:] ah ah musste ich ihn aufwecken und dann war er ganz [gestikuliert] grau auf
[1:31:08] dem Gesicht die Augen so und bei- und kalter Schweiß [trocknet ihr Gesicht] es war manchmal paar Minuten ich ich kann es nicht sagen zwei oder fünf Minuten bis er ist zu sich gekommen eine Nacht war es so sch- er hat so stark geschrien dass die Kinder
[1:31:35] die waren schon 13 14 Jahre alt die sind aufgewacht und reingekommen in Schlafzimmer »was ist passiert mit dem Vater ? warum schreit er so« und ich glaube dass der große Sohn der Uri er hat noch bis heute von sein seine Augen wie Alfred hat ausgesehen das
[1:31:57] war wirklich ich traum auch von Zeit zu Zeit noch ganz besonder jetzt in die letzte Zeit seit dass mein Mann ist gestorben ich seh ihm jetzt noch so grau sch- kalter Schweiß und ja also mein Mann hat ein schweres schwere Zeit in Auschwitz gehat ich habe
[1:32:29] jahrelang gegeben äh Vorträge in israelischen Militär i- on holiday on Holocaust day -Tag mein Mann hat immer niemand niemand von äh dieser Zeit von Auschwitz gesprochen er wollte auch nicht sprechen er wollte dann auch nicht schreiben er wollte uns
[1:32:52] auch nicht a- was erzählen das einzige was ich hatte von ihm rausgekommen es waren nur die Träume das hat er mir erzählt ich glaube dass zu dieser Zeit wenn er hat es erzählt gleich nach dem Traum war er noch nicht ganz wie man sagt äh bei den gewusst
[1:33:15] paar Minuten darum hat er erzählt was er hat geträumt aber sonst wollte er nie was erzählen sein Identitätkart wie man sagt [zeigt Foto] sein Nummer ist eins null sieben eins drei drei das ist sein wie sagt man Namen Identitätkart in Auschwitz meine
[1:33:47] Enkeltochter hat das fotografiert er mochte das nicht aber sie hat es doch gemacht und immer wenn ich habe bevor die So- do- Sa- diesen Soldaten gesessen habe ich immer äh gestanden und gesagt hab ich immer gesagt so »ich persönlich hatte dem Holocaust
[1:34:11] übergelebt ein Luxus-Holocaust weil was wir haben erlebt in Russland war wirklich nicht so wie es war in ein deutschen Lager in Auschwitz Majdanek Treblinka oder Birkenau« aber Alfred hat das Universität von Auschwitz geendigt in Fakulta von Bomben auszu-
[1:34:38] äh -schleifen weil am Ende des Krieges haben doch die Russen und die Amerikaner [gestikuliert] ringsrum von Auschwitz Bomben gelassen und die Deutschen wollten das dem Pulver haben dann sind jeden Tag in also das war schon am fast am Ende des Krieges aber
[1:35:02] es war gefährlich äh jeden Tag sind äh Gruppen von zehn zwölf Leute gegangen in die Wald dort die Bomben zu finden und aufzumachen um den Pulver zu bekommen und zurück sind gekommen nur zwei drei Leute also das war wirklich ein miracle dass mein Mann
[1:35:23] hat es übergelebt und ich glaube das war weil er hat wirklich gute Hände gehabt und er war wie man sagt [putzt sich die Nase] ein handyman das war sein Glück und so hat er übergelebt diese Zeit wie gesagt ich bin Jahre 47 nach Israel gekommen Alfred
[1:35:48] von seine Familie ist niemand geblieben er wusste nicht dass jemand lebt von seine Familie dann ist er geblieben in Deutschland noch zwei Jahre bis Jahre 49 und dann 49 fünfzig ist er nach Israel gekommen und gleich in die israelische Armee also der ist
[1:36:12] gekommen als ein äh Volontär in die israelische Armee nicht als ein Oleh also seine Meinung war zu sein in Israel zwei drei Jahre in Militär helfen und dann zurück nach Deutschland ich hab ihn kennengelernt wie man so wie junge Leute wir haben uns irgendwo
[1:36:37] getroffen zwischen Freunde und äh Jahre fünf- 54 haben wir geheiratet äh das ist ein Bild von die Hochzeit [zeigt Foto] man sieht hier die Braut mitn mit Alfred und Freunde wie gesagt zu dieser Zeit war mein Mann in Militär ganz ganze hier sehen viel
[1:37:05] Freunde in Uniform also wie gesagt wenn wir machen die Rechnung dann waren wir glück- sehr glücklich verheiratet 57 Jahre Alfred ist bevor zwei Jahre gestorben und [putzt sich die Nase] wir waren wirklich ein glückliches schönes Paar [zeigt Foto]
[1:37:36] das ist ein Bild bevor zwanzig Jahre ungefähr
[1:37:40] ich hab das jetzt gar nicht ähm gewusst oder weiß es gar nicht war der Alfred älter als Sie ?
[1:37:47] ja der Alfred war sechs Jahre älter wie ich Alfred ist geboren 28 und ich 34
[1:37:58] wir sind grad bei Ihrem
[1:38:06] ah das ist eine von die letzten Bilder von Alfred [zeigt Foto] das waren wir in Polen in Krakau und auch in Breslau und das ist eine von die letzen Bilder ich glaube before vier Jahre also ja ungefähr vier Jahre das war eine unsere letzte äh Reise nach Europa
[1:38:28] bevor mein Mann ist krank geworden
[1:38:34] aber jetzt kommen wir weiter zu unsere kleine Familie wie gesagt der Alfred ist ein einziger geblieben von seiner Familie nicht die Eltern nicht der Bruder nicht die Schwester und äh ich war ein einzige Tochter ich glaube weil des wegen des Krieges das war
[1:39:02] nicht kein Zeit zu neue Kinder zu bringen in diese Situation wir wie gesagt wir haben geheiratet und wir haben zwei schöne gute Kinder zwei Buben Uri der ältereste der ist heute 54 der jüngere ist 53 Ron und ich bin sehr glücklich dass ich hab heute
[1:39:34] vier [zeigt Fotos] vier En- drei Enkeltöchter und ein Enkelsohn Sie können hier sehen die Familie Uri Ron das ist die Frau von Ron leider die Frau von Uri lebt nicht das sind meine Enkelkinder und das ist die Bar Mitzwa von (Ras) und hier von oben [schnalzt]
[1:39:58] wir hoffen so dass Alfred sieht die Familie die glück- die in die schöne Zeiten leider war er nicht mit uns auf die Bar Mitzwa aber wir hoffen dass von oben war er mit uns ja das ist ein Bild dass ich kann sagen es ist schön zu sagen oder nicht schön
[1:40:31] zu sagen aber so fühl ich das ist mein Gefühl das ist meine Rache auf Hitlers (Iod-) Ideologie er wollte uns vernichten und von zwei Singles wie gesagt mein Mann ohne Familie ich ohne Brüder und Schwester wir haben gegründet eine schöne Familie und ich
[1:40:57] hoffe dass die Enkelkinder werden heiraten und weiter Kinder haben dass der Traum von Hitler zu vernichten die Juden und andere auch wie wir wissen von die Geschichte ist zum Guten wie sagt man mazel zum Guten nicht nicht gekommen also das ist meine kleine
[1:41:24] meine kleine und große Rache für diese für Hitlers Ideologie
[1:41:31] wir haben noch äh zw- ein Bild mit den ganzen Büchern äh die Sie [reicht Foto] wenn Sie eben schon davon erzählt haben äh dass Sie trotz äh Schwierigkeiten mit dem Schreiben äh
[1:41:48] [zeigt Foto] ja aber das wie wie gesagt wenn man hat äh Hilfe von einer gute Sekretärin und man hat äh Energie und äh wie man sagt etwas auch in Kopp und äh wie gesagt Energie und motiv- motivation dass man hat kann man auch arbeiten auch mit Fehlers
[1:42:15] und ich glaube ich bin nicht sicher dass der Präsident Kennedy das heute sind fünfzig Jahre dass er ist ermordet geworden er hat auch diesen Fehler von Dys- Dyslexia gehat also bin ich in einer guten company [lacht] äh jetzt werd ich vielleicht etwas
[1:42:39] erzählen von ich hab angefangen von vor -m Krieg [betont:] von dem Krieg aber vor dem Krieg war auch ein Leben ich hatte ein kurzes Leben vor dem Krieg nur fünf Jahre aber die Familie war sehr v- verwurzelt kann man sagen ? in Krakau in polischen jüdischen
[1:43:00] Leben und äh meine Großmutter und Großvater von meiner Mutterseite die Familie Bester [zeigt Foto] die kommen äh von Boryslaw Boryslaw ist heute glaube ich Ukraina aber nachn Ersten Weltkrieg sind die nach Krakau gekommen mein Urgroßvater hatte nicht
[1:43:32] weit von Boryslaw in ein kleines Ort Jenzor in das war die Grenze von drei Ecken Österreich Russland und Deutschland [zeigt Bild] äh wer kann lesen kann auch sehen dass hier ist geschrieben »Weinhaus Michael Bester« also Michael Bester war der Vater
[1:43:58] von mein Großvater und hier ist das Haus Weinhaus von Familie Bester hier kann man sehen die drei äh Könige Franz Joseph äh der russische Kais- äh Zä- äh
[1:44:18] Zar
[1:44:22] Zar und der ös- äh der deutsche ich weiß zu dieser Zeit wer war das ?
[1:44:26] Wilhelm
[1:44:29] Wilhelm der Zweite und äh hier sieht man auch die die Grenzen äh Ru- Deutschla- Österreich Deutschland und Russland also das war das Wei- Weinhaus von Familie Bester hier haben die meine Großmutter wie gesagt sie war ein business woman sie hat hier business
[1:44:47] gemacht auf diese Grenze das kann man heute schon frei sagen das ist die Zeit ist vorbei die sind gekommen nach Krakau nach dem Krieg und die haben dort ein schönes Haus aufgebaut mein Großvater war ein Importeur von Wein von Ungarn ein Exporteur von Holz
[1:45:09] ich glaube ich weiß es nicht wo aber irgend und äh mit dem war auch sehr äh involved in eine zionistische Partei die Misrachi Partei er war der F- äh Sekretär von diese Partei in Polen und hat sehr viel Freunde gehat also Mitglieder in dieser Partei
[1:45:38] die haben sich getroffen von Zeit zu Zeit und die sind zu unsere Eltern gekommen und da meine Großmutter hat geführt ein ganz großes Haus äh der Esstisch war vorbereitet immer für viel vier Leute wie ich hab es verstanden das was sie hat erzählt nicht
[1:45:58] dass ich hab es gesehen vielleicht hab ich das gesehen aber ich hab es nicht in mein memory gehabt das war ein riesige Tisch für vierzig Leute nicht 14 vierzig vier null Leute dort sind gekommen einmal in die Woche die Parteileute von und die Freunde von
[1:46:17] mein Großvater und einmal in die Woche sind gekommen äh dort essen homeless also waren in Krakau auch Juden die waren nicht so wie man sagt reich oder die hatten die aber so man sagt vor- homeless und es war so ein habit in Krakau dass äh Familie die haben
[1:46:45] etwas mehr gehabt wie andere haben jeden Tag in die Woche ein Tag gespendet das Essen also bei meiner Großmutter war es äh Mittwoch andere Familien haben das m- in ein anderen Tag also die die Leute die konnten sich nicht leisten das Essen alleine zu kaufen
[1:47:09] wie man sagt dann wussten die ganz genau wo in welchen Tag bei welchen Familien kann man essen und ich finde dass das war zu dieser Zeit sehr sehr humanitarisch ich wünsche mir dass man sollte das heute auch so machen aber heute sind die Leute so dass die
[1:47:35] haben nicht Zeit für andere Leute man ist heute zu viel für sich alleine und man sieht nicht dem anderen ich weiß nicht ich glaube dass in Europa in Deutschland ist es auch so wie in Israel aber ich muss auch sagen dass in Israel sind da viele Leute die
[1:47:58] helfen anderen auch also das war die Familie Bester
[1:48:05] und jetzt kommen wir zu die Familie Friedman
[1:48:08] [zeigt Fotos] das ist meine Großmutter Friedman von zu Hause (Rappaport) die kommt von ein sehr sehr berühmten Rabbiner Rabbiner-Familie und [betont:] irgendwo ich kann es nicht zei- zeigen wie viel Generationen
[1:48:38] aber die kommt bis zum äh Rashi Rabbiner Shlomo Yitzhaki der war in Jahre 1125 in Frankreich und in Deutschland in Worms ist auch ein äh sein sein Haus hab ich besucht also meine Großmutter kommt von einer sehr wichtige Rabbiner-Familie äh dann paar Generationen
[1:49:14] weiter in Jahre äh 1500 äh war der berühmte Rabbi Rema bis heute steht seine Synagoge noch in Krakau und ich besuche sie jedes Mal wenn ich bin in Krakau diese Großmutter hat geheiratet dem Großvater Friedman von ein sehr reiche Familie in Wieliczka die
[1:49:41] Familie hat bekommen von österreichischen äh ein Erlaubnis für Exportieren Salz von Wieliczka in Wieliczka gibt es Salzgrübe äh -gruben und mit dem hat die Familie ich verstehe so äh sehr schön verdient und äh der Großvater so wie man hat ihn
[1:50:17] gesehen mit die sch- mit dem schwarzen Bart er war ein Mitglied in Krakauer äh government und er hat sehr schön Po- er war fromm der kann perfekt Polnisch perfekt Deutsch weil der hat gelernt und die Krakau war zu dieser Zeit unter Franz Joseph und äh wenn
[1:50:38] der hat ein speech gehabt in äh city hall von Krakau sind die Professoren von Jagiellon Universität gekommen ihn hören nicht nur von [betont:] was er hat gesagt aber wie so er hat es in die schöne polnische Sprache gesagt er war wirklich sehr intelligent
[1:50:57] sehr begabt polnische Sprache deutsche Sprache hebräische Sprache Jiddisch das versteht sich äh was äh was ich wollte noch was sagen aber ich weiß es machen Sie ein cut [Schnitt] paar Wörter von diese Familie Friedman also äh wie gesagt äh meine
[1:51:24] Großmutter die Esther Friedman ha- von zu Hause (Rappaport) und Wolf Friedman von Familie Friedman äh die Familie Friedman hat bekommen von äh Kaiser von Wien ein Erlaubnis zu Exportieren Salz von Polen nach andere Länder der Vater von mein Großvater
[1:51:52] der war ein kaiserlicher Lieferant und sein Bruder also mein der Onkel von mein Vater war kaiserlicher Ratgeber bei Franz Joseph was war seine Raten weiß ich nicht und was hat mein Großv- Über- Urgroßvater geliefert zum Kaiser weiß ich auch nicht aber
[1:52:16] das hab ich gesagt muss ich einmal nach Wien fahren und in Archiv sehen was für Lieferant was ich glaube das waren vielleicht äh wirklich Salz oder andere Sachen vielleicht Wein und äh kaiserlicher Lieferant Ratgeber was er war vielleicht in Finanzen das
[1:52:41] passt gut zu Juden [lacht] aber bin ich nicht sicher
[1:52:45] ähm zu Ihren Großeltern äh väterlicherseits ähm Sie hatten schon ges- äh äh weil Sie waren mit den Großeltern mütterlicherseits war sind Sie ja geflohen sind die in Krakau geblieben ?
[1:52:59] ja jetzt komm ich zu diese Ge- das wollt ich sagen von dieser Familie Friedman leider die Großeltern hatten äh acht Kinder also sechs Töchter und zwei Söhne der ältere also das war eine Tochter dann war mein Vater dann waren noch sechs fünf Töchter
[1:53:29] und noch ein Bruder der jüngste Bruder von mein Vater also mein Onkel lebt noch heute so lange Jahre in New York in ein Seniorenhaus der ist heute vier- 95 Jahre alt ungefähr er ist nicht gesund so wie er war einmal aber wir sprechen fast zweimal in die
[1:53:58] Woche telefonisch und wir haben einen guten Kontakt noch aber leider von dieser Familie ist niemand geblieben und wie ich verstehe was mein Onkel hat erzählt dann haben die immer a- von Anfang von Krieg haben die gesagt »ach die sind nach Russland und nach
[1:54:20] Sibirien und haben doch dort so schlecht und man weiß dass der Stalin ist so cruel und« äh wie sagt man ?
[1:54:29] äh gewalttätig
[1:54:35] ja »und wir sind hier in Krakau« aber dann nach paar Wochen haben sch- die schon verstanden dass uns geht es in Russland viel viel besser wie in die die sind geblieben in Krakau niemand ist geblieben von die Ä- äh Älteren auch die ganze Familie das
[1:54:57] war eine ganz große Familie und niemand ist leider geblieben wie gesagt nur mein Vater d- dass wir waren in Russland und der Bruder ich weiß ich ich wei- ich glaube nicht ich glaube ich bin sicher ich sein Namen ist auf die Liste von
[1:55:16] äh Schi- Oskar Schindler
[1:55:20] [gleichzeitig:] Schindler Oskar Schindler Liste ja [seufzt]
[1:55:25] jetzt kommen wir zu meine Eltern
[1:55:32] [zeigt Fotos] endlich last not least das sind meine Eltern meine Mutter Frydzia und mein Vater Leon Leib in Hebräischen Arie und meine Mutter in Hebräischen Chedwa äh das ist ein Bild in Jahre 33 gemacht ich glaube nicht
[1:56:01] äh ich glaube in die Zeit von Hochzeits-Zeit die haben geheiratet 33 also ich glaube dass das ist ein Bild von dieser Zeit oder vielleicht die Verlobung Anfang 33 in meine Augen sind sind die wirklich schöne Leute meine Mutter war bild- bildschön und mein
[1:56:26] Vater auch so wie ich kann mich erinnern und so wie die Leute haben auch erzählt dass sie waren wirklich eine sehr schöne Paar das ist ein Bild zusammen mit dem mit die einzige Tochter Tova das heißt ich ich glaube ich bin hier ungefähr zwei Jahre
[1:56:55] alt und noch ein Bild fragen Sie mich nicht wieso w- ich habe die Bilder die sind die sind da ich kann mir vielleicht vorstellen wie die sind gekommen zu uns mit noch paar sehr äh wichtige Sachen wenn wir sind zus- zurück nach Polen gekommen von Buchara
[1:57:31] ist mein Vater gegangen in Haus von meine G- Groß-Großmutter der Groß-Großvater von Bucha- äh von mein Vater war ein Rabbiner in Krakau und die hatten ein Hau- ein ganzes Haus in diese Haus war auch eine Familien- kleine Synagoge und jeden Samstag nach
[1:57:56] Mittag sind dort die ganze Familie gekommen ungefähr vierzig fünfzig Leute ich kann es nur erzählen was mein Vater hat mir erzählt und in diesen Haus so wie in alle solche Häuser war auch eine Wach- wieso soll ich sagen ? ein doorman
[1:58:17] äh ein- Ha- ähm
[1:58:22] eine
[1:58:25] ein Wächter ?
[1:58:29] ein Wächter ja eine Fami- aber das war eine Familie die die haben äh ge- gewohnt in diesen Haus die haben aufgepasst auf diesen Haus die waren so wie man sagt äh die haben aufgepasst auf dem Haus alles in Haus gemacht das war immer ein Paar ein Mann mit
[1:58:44] ein Frau die haben zusammen gearbeitet in diesen Haus aufgepasst
[1:58:48] Hauswart oder s-
[1:58:51] Hausmeister ?
[1:58:54] ja Hausmeister und wenn wir sind zurückgekommen dann ist mein Vater gegangen in diesen Haus ich glaube irgendwo muss auch ein Bild sein von dem und er hat getroffen die Tochter von dieser Familie und die Tochter ich glaube hat gefunden die alle Bilder das
[1:59:13] ich hab von die Familie Friedman und wenn wir machen eine kleine Pause zeig ich Ihnen noch was [Schnitt] sagen Sie noch einmal wieso soll ich sagen ? der Wächter von Haus ? also so wie in Paris in jeden Haus ist ein äh in Amerika ein doorman der wohnt dort
[1:59:29] ist der Haus- Hausmeister ?
[1:59:36] ja Hausmeister Hauswart Pedell ist son alter Begriff äh mehr aus der Schule ich weiß was Sie mei- die auch die nicht nur Tätigkeiten im Haus gemacht haben sondern auch einen Blick auf die Tür hatten sozusagen nich ?
[1:59:49] [gleichzeitig:] ja ja ja
[1:59:52] mir fehlt auch gerade der deutsche Begriff
[1:59:55] mir wurde gerad gesagt »Portier« ?
[1:59:59] mehr wie ein Portier mehr also die Familie hat dort gewohnt auf dem ersten Stock auf aufm Parterre und die haben dort äh die die die waren die also in die Wohnung war eine Küchen- äh eine Frau die hat in der Küche geholfen die hat bei mit die Wäsche
[2:00:15] geholfen aber das war so für den Haus aufpassen Haus- ich
[2:00:22] Hauswächter ich glaube wir wissen was gemeint ist und das ist ja das Wichtige
[2:00:27] [gleichzeitig:] ja ja ich werde sagen so ja also ja anfangen ? also wie gesagt äh in diesen zehn Tage das wir waren in Krakau ist mein Vater gegangen in Haus von mein von seine Großmutter Familienhaus und hat dort getroffen die Tochter von die Familie
[2:00:47] das die waren die Hauswächter in diesen Haus die haben dort gewohnt dreißig vierzig Jahre mit die Großmutter die junge F- die Frau die war schon zu dieser Zeit nicht so jung hat meinem Vater erzählt dass ihre Mutter hat ihr erzählt dass kurz bevor die
[2:01:07] Familie ist weg von Krakau wenn die Deutschen sind reingekommen hat eine von dem On- von Onkels genommen die alle Silbersachen von meine Großmutter also von meine Urgroßmutter und hat das in Keller irgendwo ein- äh
[2:01:30] deponiert
[2:01:33] [gleichzeitig:] gesteckt
[2:01:36] eingesteckt in Keller also in in eine
[2:01:39] in einem Versteck
[2:01:42] in ein Versteck ja und sie hat gesagt »meine Mutter hat mir gesagt ›nur wenn jemand von die Friedmans kommt darfst du zeigen wo das liegt‹« und mein Vater war der erste von die Friedman weil niemand ander ist geblieben wie gesagt noch sein Bruder
[2:02:02] aber der war nicht in Krakau zu dieser Zeit äh er ist mit diesen äh äh Todmarsch nach von Kra- von Krakau nach Deutschland gewandert und dort geblieben schon nach dem Krieg also mein Vater ist runter gega- also er wusste dass er kann das nicht alleine
[2:02:25] machen er ist äh zurückgekommen dort wo wir hoben wir haben gewohnt in dieser Schule hat genommen dem anderen Onkel und die sind n- zu diesen Haus und die haben das ausgegroben von wo wie wo das war also sie man kann sehen [zeigt die Gegenstände] dass die
[2:02:44] Großmutter hat gehat acht Kinder weil für jedes Kind eine Kerze und für Mann und für sich also das sind zehn Kerzen zusammen das war der Weinbecher für Freitagabends für Kiddusch von einer von die Männer von in in die Familie und das ist glaube ich
[2:03:07] ein sehr sehr w- interessante Arbeit fü- von Österreich ich hab gehört ich hab das dass man schätzt das für vier- 300 400 Jahre alt wieso ist das gekommen zu der Familie weiß ich nicht aber es kann sein dass die Großmutter war in Wien oder der Großvater
[2:03:34] und die also die waren paar Mal in Wien und die haben das gekauft oder das war in die Familie keine Ahnung aber das war in die Friedman-Familie und ich pass auf das auf und ich hoffe dass meine Kinder werden auch auf das aufpassen weil das ist wirklich nur
[2:03:52] nicht nur das hat Wert als Silber das hat Wert als eine äh Familien- und Geschichte von Familien und interessant war wir sind mit dem nach Israel gekommen und ein Freund von meinem Vater hat hier ein Antik-Geschäft äh gehat Herr Stieglitz ein berühmter
[2:04:18] art- äh -Sammler und mein Vater hat es äh ist gegangen und hat gesagt »hör mal zu ich habe das und das aber ich hab kein Geld ich möchte das verkaufen« »mh« sagt er »ja und das ist so für ein Modern ist es zu alt für ein Antik ist es zu jung ich
[2:04:39] borg dir v- hundert äh« zu dem Zeit waren hier die Pounds »und Du wirst haben wirst du mir zurückgeben aber ich gib dir jetzt ich borg dir das Geld« my hu- Vater hat genommen nur fünfzig Pound von ihm ich weiß dass er hat es zurückgegeben aber ein
[2:05:02] schönes Tag wenn ich war schon etwas älter bin ich gegangen mit meinem Vater in diesen Geschäft den Freund zu besuchen sagt sagt er so »Leon jetzt sag ich dir die Wahrheit ich konnte das kaufen und ich konnte viel verdienen auf dem aber ich wusste dass
[2:05:23] wenn du wirst das geben deine Tochter ist es viel (mehr) wert wie das Geld dass ich konnte dir das leihen« [bewegt] solche Geschichten gibt es in die manche Familien vielen Dank
[2:05:44] vielen Dank für das Interview
[2:05:48] danke schön
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1934 | Krakau | Geburt in eine zionistische Familie |
| 1939 - 1940 | Assino | zweimonatige Verschickung nach Sibirien |
| ab 1939 | Przemyśl | Flucht der Familie vor der deutschen Wehrmacht zum Bruder der Mutter |
| ab 1939 | Lemberg | Verlegung durch die russischen Besatzer |
| 1940 - 1941 | Assino | Unterbringung in Holzbaracken, Einsetzung des Vaters zur Zwangsarbeit |
| 1941 - 1946 | Buxoro | Unterbringung in einer jüdischen Offiziersfamilie, Arbeit der Mutter als Lehrerin |
| 1946 - 1947 | Paris | über Krakau und Wegscheid bei Linz nach Frankreich, Kontaktaufnahme mit der Haganah |
| ab 1947 | Haifa | illegale Einreise nach Palästina mit Hilfe von gefälschten Dokumenten |
| ab 1949 | Tel Aviv | Kennenlernen des zukünftigen Ehemannes Alfred Urbainczyk |
| ab 1959 | Tel Aviv | Arbeit in PR-Branche, Autorschaft von 25 Kochbüchern |
Jeweils drei Familien mussten bereits vorbereitete Holzbaracken beziehen. Die Männer wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt: Täglich wurden sie in die Wälder geschickt, um Holz für den Barackenbau vorzubereiten. Durch die Kälte, den Hunger und die desolaten Zustände erkrankte Tova Aran an einer Lungenentzüdung. Ihr Körper war von Eiterbeulen übersät. Es gab keinerlei medizinische Versorgung. Nach dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurden sie nach Buchara, der damaligen Hauptstadt der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik, verbracht.
Die Familie Aran wurde einer Offiziersfamilie zugeteilt, bei der sie wohnen mussten. Sie wurden gezwungen, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen, was der Grund dafür war, dass sie keine Zwangsarbeit mehr leisten mussten und sich frei in der Stadt bewegen durften. Der Vater von Tova Aran, ein Zionist, verweigerte dies und lebte fortan versteckt in den Räumlichkeiten der Offiziersfamilie. Das Familienoberhaupt Avraham Gurgow lebte selbst im Zwiespalt: Einerseits war er Offizier in der Roten Armee, andererseits war er gläubiger Jude, was ihn immer wieder vor Probleme stellte und letzten Endes der Grund dafür war, dass er den Vater von Tova Aran nicht verriet und weiterhin versteckte – auch nachdem dieser denunziert wurde. Die Familie wurde von der geschäftstüchtigen Großmutter und der Mutter ernährt, die als Lehrerin an einer Schule arbeitete, die durch die Verschickten gegründet wurde. Über neunzig Prozent der Verschickten waren jüdischen Glaubens. Das Ausleben der jüdischen Religion konnte jedoch nur im Geheimen geschehen, denn die sowjetischen Machthaber sahen in der Religion einen Widerspruch zum sozialistischen System. Selbst Kinder mussten in ihren Äußerungen vorsichtig sein. Zweimal wurde die Mutter vom NKWD verhaftet, nachdem Tova Aran durch vorlaute kindliche Bemerkungen angeblich die russische Allmacht in Frage gestellt hatte. Im Geheimen bereiteten sie sich auf ihre Emigration nach Palästina vor. Sie lernten Hebräisch und in der Schule wurde ihnen unter Berufung auf andere Fächer wie Geographie und Geschichte jüdische Religionsgeschichte vermittelt.
Ein Jahr nach Kriegsende durfte die Familie Buchara verlassen und nach Krakau zurückkehren. Dort wollte die Mutter noch einmal die Familienwohnung besichtigen, ihr wurde jedoch der Eintritt verwehrt, worüber sie nie hinwegkam. Über das DP-Camp in Wegscheid gelangte die Familie mit Hilfe von Verwandten, die bei der UNRRA arbeiteten, nach Paris. Die Eltern lernten täglich mit Tova Aran, so dass sie nicht den Anschluss an ihre Altersgenossen verlor. Der Vater trat mit der Haganah in Verbindung und konnte schließlich an gefälschte Dokumente gelangen, die sie als in Palästina lebende Juden ausgab, die das Kind von im Holocaust ermordeten Verwandten nach Palästina holen. Auf diesem Wege gelangte die Familie im Juli 1947 nach Palästina. Zwei Jahre später lernte Tova Aran Alfred Urbainczyk, einen Holocaustüberlebenden, kennen, den sie 1954 heiratete. Sie bekamen zwei Söhne, die ihrerseits wieder Familien gründeten. Dies war für Tova Aran das Wichtigste im Leben – das Fortbestehen der Familie.