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Samuel Givoni (*30.06.1923, Pressburg)

Signatur
01178/sdje/0070
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Schomrat, den 21. November 2013
Dauer
02:15:10
Interviewter
Samuel Givoni
Interviewer
Christoph Schönborn , Lennart Bohne
Kamera, Licht und Ton
Daniel Hübner

1942, im Alter von 18 Jahren, verließ Samuel Givoni gemeinsam mit seinen Freunden aus dem Hashomer Hatzair illegal das Arbeitslager Sered. Er verbrachte drei Jahre in Verstecken bis er im Frühjahr 1945 von der Gestapo verhaftet wurde und ihm die erneute Flucht aus dem Deportationszug gelang. Samuel Givoni wurde am 30. Juni 1923 in Pressburg in eine liberal-jüdische Familie geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich erkannte der Vater die Gefahr und schickte Samuel Givonis Schwester 1938 ins englische Exil. Kurz darauf verstarb er. Samuel Givoni blieb mit seiner Mutter allein und kam bald darauf ins Arbeitslager Sered. Nach seiner Flucht ging er zunächst nach Ungarn. Vom Hashomer Hatzair bekam er gefälschte Papiere, so dass er unerkannt in Budapest leben konnte, bis die Deutsche Wehrmacht Mitte März 1944 das Land besetzte. Samuel Givoni kehrte in die Slowakei zurück, wo er in der Illegalität lebte und auf verschiedenen Baustellen arbeitete. Im Spätsommer 1944 nahm er am slowakischen Nationalaufstand teil. Nach dem Misslingen lebte er wieder als Illegaler, bis er verraten wurde. Er kam erneut nach Sered, von wo aus er nach Theresienstadt deportiert werden sollte. Mit zwei Mithäftlingen entkam er aus dem Transport. Ihnen gelang es sich nach Trentschin durchzuschlagen, wo sie das Kriegsende erlebten. 1947 ging er nach Palästina, wo er den Kibbuz Schomrath mit aufbaute und eine Familie gründete. Zum Zeitpunkt des Interviews war er neunzig Jahre alt.

Vorkontakte

Nach Vermittlung durch Naftali Fürst erfolgte Kontaktaufnahme. Danach gewohnter Ablauf mit Telefonat und Vorgespräch einen Tag vor dem Interview.

Bedingungen

in der Wohnung des Interviewten; kritische Ton- und Lichtbedingungen

Gruppensituation

zwei Interviewer, ein Kameramann (Daniel Hübner)

Unterbrechungen

zwei Unterbrechungen, davon eine geplante Pause nach etwa sechzig Minuten

Protokoll

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Eindrücke

Sowohl im Vorgespräch als auch im Interview begegnet mir SG als Person, die ganz konkrete Vorstellungen bezüglich des Interviews hat. So ist seine Erzählung sehr dicht und geschlossen – Nachfragen sind kaum nötig und auch kaum möglich. Bermerkenswert ist, dass SG auf Fragen in den Pausen, die der Aufrechterhaltung der Konversation dienen, ausführlicher eingeht, als auf ähnliche Fragen, die vor laufender Kamera gestellt warden. Dies bestätigt meine Vermutung, dass er ganz genaue Vorstellungen davon hat, was im Interview “erscheinen” soll.

Christoph Schönborn

[0:00] heute ist der 21ste November 2013 wir sind zu Gast bei Samuel Givoni hier im Kibbuz Schomrat in Israel und führen ein Interview für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin das Projekt wird unterstützt

[0:18] von der Kulturstiftung des Bundes ich bin Christoph Schönborn und führe das Interview gemeinsam mit Lennart Bohne Daniel Hübner ist für Kamera Licht und Ton zuständig [Schnitt]

[0:29] ja Herr Givoni dann äh vielleicht fangen Sie an zu erzählen wann und wo

[0:35] Sie geboren sind und unter welchem Namen

Samuel Givoni

[0:37] ja ich bin in Bratislava geboren das war damals Tschechoslowakei heute ist das Slowakei am dreißigsten Juni tausendneunhundertdreiundzwanzig   und dort äh hat auch unsere Familie gelebt eine kleine Familie meine Eltern (Leopold Salamon) das war nämlich mein

[1:05] Name der Familie in dieser Zeit und als ich äh nach Israel kam habe ich den Namen auf Givoni geändert also mit äh (Leopold Salamon) meine Mutter (Katharina Salamon) und ich habe noch eine Schwester gehabt äh (Lilly Salamon) und ich (Tibor Salamon) äh

[1:30] wir haben meine Eltern haben ein Weißwäschegeschäft gehabt und äh das war ihr Lebens- äh   Lebenswerk kann ich sagen und es war auch für uns äh das Einkommen von di- von dem haben wir äh gelebt äh bescheiden aber es hat uns nie etwas gefehlt wir haben

[2:01] gewohnt auf der (Beamatias) -Gasse in Bratislava das ist äh wir waren Mieter und äh   dort äh ist auch schon meine Schwester geboren so dass äh dieses Haus äh steht schon über hundert Jahre aber es wird immer renoviert und äh so dass wir haben dort besucht

[2:28] und haben gesehen dass es auch heute in guten Zustand ist   jetzt äh ich äh etwas über mich selbst also   al- ich bin ich habe angefangen in der Jüdischen Volksschule deutsche Sprache das war in Bratislava und es war wir haben gehört zu der weniger strikt

[2:56] Religiösen das hat man Neologim genannt damals meine Eltern und unsere Familie b- es war eine große Familie in Bratislava äh On- Onkel und Tanten und äh Kusinen und auch in Budapest und auch in Wien diese ganze Familie also sozusagen war dort in der gewesenen

[3:24] österreich-ungarischen Monarchie

[3:27] und dann heute wie sich das verteilt hat in den diesen Jahren nachdem ich äh diese Volksschule äh die ersten zwei Klassen deutsch besucht habe äh hat haben meine Eltern sich entschlossen mich einen in die slowakische Schule

[3:50] zu schicken mein Vater hat gesagt »wir müssen die Landessprache sprechen« und äh beide meine Eltern haben nur Deutsch und Ungarisch gesprochen meine Schwester hat fortgesetzt äh in der deutschen Schule und dann im deutschen Gymnasium in Bratislava und

[4:10] so und ich bin dann aus diesen aus der slowakischen Schule in die slowakische Mittelschule und dort hat mein Schulausbildung geendet weil in 1938 mussten Juden die Schule v- die dur- konnten wir nicht mehr weiter fortsetzen und da will ich äh zu den Hauptthema

[4:38] unseres Gespräches kommen  

[4:41] das erste Mal dass ich äh irgendwie mit äh diesem Problem von Antisemitismus äh   vis-à-vis kam das war in 1936 ich war nämlich f- ein Schwimmer und äh und mein Schwimmklub der hei- der hieß Bar Kochba Bratislava es war ein

[5:08] jüdischer Schwimmklub und äh wir haben sehr gute Ergebnisse gehabt wir waren Meister der Tschechoslowakei und zu der Olympiade in Berlin waren auch drei Senioren in der tschechoslowakischen Mannschaft und sie haben beschlossen dass sie nicht bereit sind

[5:31] äh nach äh in der in Berlin teilzunehmen wegen wegen der Atos- Atmosphäre des Antisemitismus und der Klub hat damals äh von der tschechoslowa- tschechoslowakischen äh Schwimm-   hat bekommen ein Startverbot für ein Jahr aber nach einigen Monaten haben

[5:57] sie das aufgehoben dort habe ich das erste Mal ich war damals äh äh zwölf 13 Jahre alt überhaupt äh äh   das erste Mal so damit äh irgendwie war ich verbunden damit indirekt weil Bratislava war relativ äh eine kosmopolitische Stadt es waren dort Deutsche

[6:24] es waren Ungarn es waren Slowaken es waren Juden und verhältnismäßig äh waren normale Verhältnisse   äh dann später im als die in München   diese Veränderungen waren mit der Tschechoslowakei dass äh das hat auch sich ausgewirkt auf Bratislava weil

[6:51] die Tschechoslowakei äh hörte auf und es wurde ein slowakischer Staat gegründet welcher nach deutsch faschist- äh nationalsozialistischen äh Prinzipen entstanden ist und es wurde ein jüdischer Kodex äh durchgeführt und das hatte selbstverständlich

[7:18] ein Schicksalswende auf unser Leben persönlich und auf das Leben von äh des Judentums in der Slowakei äh wir müssen die Schule verlassen   der Schwimmklub äh   konnte äh hatte hörte auf zu existieren weil Juden war es verboten äh ein Schwimmbassin oder

[7:46] überhaupt einen Badestrand zu besuchen und damit äh das war eine große Wende meines Lebens wir sind zum Beispiel mit meinem Vater sind wir in Bratislava gab es ein Donaubad das waren das waren so auf der Donau Pon- solche Pon- Sch- Schiffe wo ein Bassin

[8:13] war man badete in der Donau das war damals noch möglich ja ? das Wasser war relativ äh äh besser das alles hörte auf  

[8:24] es war noch ein ich muss noch etwas sagen dieser Schwimmklub die Senioren und die Erwachsenen des Schwimmklubes hatten die Möglichkeit

[8:38] sich zu retten sie hatten nämlich alle äh Reisepässe und äh wenn es noch wenn es noch möglich war haben sie eine Einladung bekommen von Makkabi London und sind als Schwimmer teilzunehmen und so dass dann eigentlich nur die jüngere Generation welche heute

[9:02] neunzig Jahre alt ist aber äh wir sind äh dort geblieben und das ist auch der Grund dass viele überlebt haben relativ von diesen älteren Schwimmern und wir haben nach dem Krieg diesen Kontakt weitergeführt trotzdem wir auf der ganzen Welt äh äh wir

[9:27] waren auf allen Ländern auf allen Weltteilen und aber wir haben einmal in zwei Jahren einen ein meeting gemacht und äh sch- dort haben wir sind wir geschwommen und äh haben uns erzählt über unsere Schicksale und diese Freundschaft äh war weiter als wir

[9:50] als das aufhörte äh kam etwas anderes wir suchten wir konn- wir gingen nicht in die Schule wir suchten eine Möglichkeit auf Kontakt und dort hab ich das erste Mal irgendwie mit Zionismus zu tun gehabt und äh wir sind alle die Jungen aus d- aus der Bar

[10:16] Kochba in den Hashomer Hatzair eingetreten der Hashomer Hatzair das ist eine eine Jugend- zionistische Jugendbewegung welche äh für äh den Bau der des jüdischen Staates in Israel war und äh   dieser Hashomer Hatzair war eigentlich ein sehr sehr wichtiger

[10:42] Moment welcher und die ganze Zeit des Krieges für uns wichtig war wir haben nämlich nie aufgehört diese diesen Kontakt zwischen uns wir haben so eine Gruppe gebildet welche sich versprochen hat »wir machen alles zusammen wir helfen einer den andern und

[11:07] wir gehen nicht äh nicht äh wir lassen uns nicht deportieren« und das haben wir diese kleine Gruppe haben wir das durch den ganzen Krieg äh mit Erfolg gemacht so dass von dieser Gruppe ich spreche hier über über neun Freunde zehn Freunde äh und es war

[11:33] äh und es war teilweise in der Slowakei teilweise in Ungarn und überall haben wir diesen Kontakt aufrecht erhalten äh um einer den andern zu helfen also ich persönlich äh  

[11:49] mein Vater eines der Entschlüsse nachdem wir nachdem die Schule aufhörte äh

[11:56] begann ich äh zu lernen Wasserinstallation und das war auch eine sehr kluge und gute Entscheidung welche ich meinen Eltern verdanken kann denn das hat mir das ganze Leben eigentlich mein Lebensweg mehr oder weniger von dieser Hinsicht bestimmt ich war dort

[12:19] Lehrling ich habe gearbeitet in verschiedenen Arbeiten und dann kam die Zeit wo ich das auf- aufhören musste weil der Chef musste mich auch äh   musste mir kündigen und äh ich musste in ein Arbeitslager da gehen und so war ich äh am Anfang war das ein

[12:45] Lager in den Bergen in der Slowakei wir waren ein Straßenbau beschäftigt und dann haben wir einen Ent- Bewässerungskanal in neben Bratislava gegraben und dann war plötzlich eine eine Möglichkeit äh in meinem Fach zu arbeiten und das war [räuspert sich]

[13:12] die wie so es war eine Entscheidung zu renovieren ein Militärlager ein slowakisches Militärlager und dort sollte ein ein jüdisches Ghetto sozusagen äh   existieren und äh ich war mit der ersten Gruppe dort und meine Aufgabe war die Wasserversorgung äh

[13:39] zu   zu einzurichten aber es stellte sich bald heraus dass das eigentlich der das Projekt war ein Übergangslager zu sein für die Deportation und äh in tausendneunhundertzweiundvierzig im Frühjahr war der Befehl dieses äh dies- anzufangen mit der mit der

[14:08] Deportation am Anfang waren es junge Mädchen und äh junge Männer und dann später auch Familien aber dadurch dass ich dort in diesen Lager war und sozusagen mit der Wasserversorgung äh verantwortlich war hatte ich äh war ich nicht in den Gruppen welche

[14:31] von dort äh nach einigen nachdem tausend Leute konzentriert wurden war äh war ein Transport welcher am Anfang äh ging das äh in in Bezirk Lublin und später gingen die Transporte von dort nach äh Auschwitz also dort in diesen Lager war ich äh   bis äh  

[14:59] aber wir haben diese ganze Zeit ich habe dann versucht alle meine Freunde welche man hinbrachte ich habe gesagt »das sind sehr gute Fachleute ich brauche diese« und dadurch konnten wir diese konnten wir eine Gruppe in diesen Lager bilden und äh gemeinsam

[15:23] jed- zu überleben aber wir haben uns keine Illusionen gemacht dass äh das eine Möglichkeit ist hier dass wir bis zum Ende des Krieges und so weiter und haben immer uns vorbereitet für die Möglichkeit dass äh dieses Lager liquidiert wird und alle weggeschickt

[15:49] werden

[15:51] und so haben wir versucht äh auf verschiedenen Wegen eine Gruppe wir haben das Lager verlassen also   illegal und nicht zurückgekehrt

[16:04] und jeder hatte eine besondere Aufgabe meine Aufgabe war es nach Ungarn zu gehen und dort äh äh zu zu sehen was

[16:19] die Situation ist in Ungarn Ungarn war damals noch nicht besetzt es war noch verhältnismäßig besser und es waren auch äh   Gerüchte dass es eine Möglichkeit gibt über Rumänien und durch die Türkei irgendwie auszuwandern und äh ich sollte diese Sachen

[16:42] irgendwie äh sehen was da was was man da machen kann jetzt äh wir haben Kontakt gehabt mit äh Schmugglern Grenzenschmugglern und äh zum Beispiel ich äh bin in ein Ortschaft äh wo   das heißt Rimavská Sobota und äh über zwanzig Kilometer von dort ist

[17:13] eine Ortschaft die heißt (Rimaseč) und die war schon in Ungarn und äh   das war so dass ich kam mit noch drei Leuten von anderen zionistischen solchen Gruppen weil es war wir kamen dort hin und äh   der Grenzenschmuggler wir gingen los am Abend das war äh

[17:43] es war schon die der Zeit wo sehr viel in den Feldern es war schon nass und äh ich will dieses Ganze genau erzählen weil es etwas Besonderes ist und wir gingen diese zwanzig Kilometer und dann sagte uns der Schmuggler »dort seht ihr dieses Dorf das ist

[18:05] Ungarn und ihr v- von hier geht ihr alleine und ihr geht dort in die Synagoge« und er hat uns beschrieben wo so eine kleine Dorfsynagoge ist »die Tür wird offen sein ihr geht herein und ihr wartet dort in der Frühe kommen die Juden beten und die werden

[18:30] weiter sorgen für euch« und das hat wirklich geklappt wir sind dort hingekommen   äh re- nass und mit Kot und in der Synagoge war ein Ofen ein Holzofen wir haben angezündet und haben getrocknet haben uns ausgezogen haben getrocknet in der Früh sind gekommen

[18:52] die Betenden und sie waren nicht überrascht weil das war nicht das erste und das einzige Mal sie haben uns Brot und Milch gebracht und haben für uns die Karten nach Budapest gekauft die Eisenbahnkarten und haben uns auch gesagt wo einzusteigen und äh ich

[19:15] habe auch einen kleinen Handkoffer gehabt und den haben sie haben sie aufgegeben mit Eisenbahn dass ich ihn in Budapest und das war selbstverständlich ein riesiger Vorteil denn ich konnte mit den Arbeitern so wir waren noch drei konnten wir einsteigen in

[19:35] den Zug und ich bin gut angekommen in Budapest

[19:41] und das das war ein besonderes Erlebnis ich war schon nach drei Jahren von Verfolgungen Zwangsarbeit und äh   und äh schlechte Behandlung und plötzlich war ich äh in einer Stadt welche lebte und äh alles war

[20:05] gut und Budapest ist eine sehr schöne Stadt

[20:07] und ich hatte dort eine Tante und einen Onkel ich hatte die Adresse gehabt und ich hab gewusst das ist äh ich hab auch eine Adresse gehabt von Hashomer Hatzair welcher dort noch äh halbwegs legal war und ich wusste

[20:27] dass äh diese Verwandten ich kann sie nicht äh   mehr wie möglich beanspruchen sie waren nicht so   äh in einer aber sie waren wunderbar weil äh ich bin plötzlich hab ich dort äh   auf den gekn- ich bin erschienen und der Onkel hat mich umarmt und hat

[20:54] gesagt äh »gut dass du hier bist« und das war etwas ganz Besonderes weil nicht alle Juden in Ungarn waren so bereit und so und er hat äh er hat ich hab gewusst ich kann dort nicht wohnen weil das wäre eine große Gefahr für (jemanden) Illegalen zu zu

[21:19] ver- zu verstecken aber diese erste Nacht habe ich dort geschlafen und mein Onkel hat diesen kleinen Koffer abgeholt von der Eisenbahn und ich bin zum Hashomer Hatzair dort gegangen und habe bekommen Papiere ungarische Papiere und äh   ich habe Ungarisch gesprochen

[21:45] weil Bratislava haben wir eine Köchin gehabt (ein) welche gewohnt hat mit uns und sie war sozusagen sie hat den Haushalt geführt weil meine Eltern waren beide beschäftigt in mit dem Geschäft dadurch konnte ich ein ganz gutes Ungarisch und ich hatte Papiere

[22:10] und sie haben mir eine Adresse gegeben für eine Wohnung und äh   ich äh   ich war ein   und ich habe dort auch   äh sozusagen dort waren schon einige etwas ältere wie ich äh aus der Slowakei aus Hashomer Hatzair und äh sie haben mir eine ein die ersten

[22:42] Anweise gegeben wie man illegal lebt   und die haben mir erklärt dass du musst leben wie ein Fisch in ein Aquarium du musst lernen genau äh dich anzupassen der Umgebung weil wenn zum Beispiel alle Fische schwimmen und einer liegt dann sieht man ihm also zum

[23:14] Beispiel in der Früh wenn du in der Straße bist und alle laufen zu der Arbeit und so dann kannst du nicht plötzlich auf im Schaufenster herumgucken da musst du auch mitlaufen am Abend kann man sich anders äh und das war das war sehr wichtig weil äh die

[23:38] Ungar- den Ungarn die Detektive waren nicht dumm die die Polizisten waren ähm viel schwächer ja die konnte man mit einen Stück Papier wo etwas geschrieben war das war genug aber äh die Detektive die konnten sagen »du hast Bata Schuhe« die konnten das

[24:06] war es war eine Firma Bata in der Tschechoslowakei besonders der Schuhe und die konnten   also man musste sehr aufpassen ich war nach den Papieren ein Zahntechniker und äh   da musste ich in der Frühe die Wohnung verlassen selbstverständlich jeder in die

[24:33] Arbeit gehen und eigentlich nur am Abend zurückkommen und das war mein Kontakt mit den Hausherren und während des Tages musste ich die ganze Zeit auf den Füßen sein so ich kenne Budapest besser wie meine Kusinen welche dort geboren sind weil ich habe einfach

[24:54] jeden Tag einen Bezirk genommen und so   ich habe ich da ich äh Schwimmen mein Hobby und mein   Sport ist habe ich mich entschieden dass ich auch schwimmen gehe das war gefährlich und man hat mir gesagt das ist auf der Margit in Budapest gibt es die Margit

[25:22] äh Insel und dort ist ein wunderschönes Schwimmbad aber ich konnte das nicht vermeiden und ich bin dorthin gegangen und ich bin geschwommen und plötzlich ruft mich ein ein Herr welcher dort sitzt und sagt »wo hast du schwimmen gelernt ?« [lacht] und ich

[25:43] und ich äh ich habe so im Kopf gehabt ich ich habe immer gewusst wo ich geboren bin in Ungarn ja ? und was mein Name ist und so und ich hab ihm gesagt »ja ich hab dort und dort gelernt« dann sagt er »aber dort gibt es doch nur diese Brunnen diese« [lacht]

[26:05] also ich bin einfach getaucht und aber es hat sich herausgestellt es war kein Detektiv das war ein Trainer welcher dort war und hat ihm aufgefallen dass jemand äh äh Freistil schwimmt und das war also äh   eins [lacht] das Ende meines Schwimmsportes in Ungarn

[26:31] das sind äh   so tausende Kleinigkeiten welche jeden Tag während sieben Jahren eigentlich äh das war die tägliche Kampf zu überleben und noch einen Tag immer wenn ich in mein kleines Zimmerchen dort zurückgekehrt bin wo es viele Wanzen waren und und hab

[26:57] ich gesagt »ah noch ein wunderbarer Tag das war gut« ich hab mich sehr sicher gefühlt selbstverständlich wenn wenn dort äh äh   Bombenalarm war ich konnte nicht gehen weil ich war nicht a- richtig angemeldet und so das alles äh   ist so weiter gegangen

[27:21] bis ich äh   bis die Deutschen äh Ungarn richtig besetzt haben

[27:28] das war im Herbst äh   ähm vie- 44 ja ?

[27:35] 44 und dann bin ich wie immer nach Hause gekommen aber wie nicht immer mein Hauswirt hat auf mich gewartet und hat gesagt »ja bis jetzt ich hab mich nicht

[27:50] interessiert wer du bist und was aber jetzt äh   kann ich dich nicht weiter halten« (hab ich gesagt) »gut ich versteh das« und den nächsten Tag bin ich wieder dort zu den Hashomer Hatzair-Leuten gegangen und äh   wir haben gesagt »es gibt äh   eigentlich

[28:12] drei Möglichkeiten du kannst versuchen hier zu bleiben aber da müssen wir irgend ein anderes (die-) lösen die Sache oder du kannst äh in die Slowakei zurück und oder du kannst versuchen nach Rumänien« ich habe mich entschlossen Slowakei zurück scheint

[28:38] mir die beste Lösung und so bin ich äh   äh dann mit Eisenbahn nach Kaschau Kaschau war in Ungarn damals heute ist es Slowakei und in Kaschau habe ich eine Adresse gehabt und äh   dort äh haben sie mir gesagt äh »du äh das ist in Ordnung es ist nä-

[29:07] nach Kaschau ist äh ein kleines Dorf und in diesem Dorf ist der Schmuggler   deinen kleinen Koffer werden wir zu diesem Schmuggler bringen aber du musst dort ist eine Brücke eine Brücke über einen Fluss und dort sind Gendarmen und diese Brücke musst du  

[29:30] irgendwie durchkommen« und dadurch war ich wieder mit äh einem   Freund welchen ich in Budapest kennen gelernt habe auch von Hashomer Hatzair und wir sind dort zusammen und er war er konnte gut Ungarisch und äh wir sollten zusammen das diesen Weg machen

[29:55] und wir kommen zu der Brücke und die Brücke ist leer und breit und am Ende der Brücke stehen Gendarmen mit diesen [gestikuliert] Federn und äh wir ich verstehe da   ist unmöglich zu da zu passieren ohne dass sie uns äh ohne dass äh und das war sehr sehr

[30:22] gefährlich weil in die Hände äh dieser Gendarme zu zu kommen das war Lebensgefahr die waren einfach schrecklich und so äh   sind dort Büsche und wir sitzen dort in den Büschen und und denken nach was wir machen können und nach Mittag plötzlich sehen

[30:47] wir kommt eine große Gruppe von Arbeitern welche heimkehren welche irgendwo ge- arbeiten und wir so   [lacht] mit der Gruppe und wir sprechen zwischen ihnen Ungarisch und mein Freund be- beschäftigt der ist auch in der Diskussion und ich mache so [gestikuliert]

[31:12] Pantomime wie als ob ich auch und wir kommen dort hin und diese kennen die Gendarme und sagen »hey hey was ist Neues« und so kommen wir in dieses Dorf und weiter war es dann sehr einfach weil in der Nacht diesmal war der Weg kurz und äh am and- und äh

[31:37] dort die haben uns gesagt »ihr wartet dort wo euch wo ihr euch äh verabschiedet und in der Früh kommt ein Taxi und es wird euch nach in der Slowakei nach Prešov bringen« das war ziemlich fantastisch aber wir haben   das war unsere Möglichkeit also wir

[32:06] haben nicht dort gewartet wir haben uns ein bisschen entfernt und haben gesagt »wir werden warten was passieren wird« aber wirklich in der Frühe ist ein [lachend:] Taxi gekommen und äh   wir sind und vo- und das hat uns er hat uns nach Prešov gebracht

[32:20] und dort war ein sehr guter Freund von mir welcher   äh welcher äh schon au- aus den Lager wir waren dort in der Gruppe im Lager und er ist von dort nach Prešov dort haben wir uns wieder begegnet und wir haben zusammen gewohnt und ich habe eine eine gute

[32:45] Stellung bekommen bei einem Installateur und hab einen guten Gehalt gehabt und habe gearbeitet und wir waren dort in Prešov wir haben so sicher gefühlt dass mein Freund (Akiba Mir Neufeld) er ist schon gestorben also wir waren dann zusammen das ganze Leben

[33:10] er er ist auch in ein Kibbuz Schomrat hat er gelebt und ist hier gestorben vor drei Jahren er al- so sicher haben wir uns gefühlt dass er einen Führerschein er hat einfach gelernt zu mit den falschen Papieren so und ich habe eben bei dieser Firma gearbeitet

[33:30] der Name der Fir- des war »Justus« und es hat sich herausgestellt dass er wirklich Justus ist dass er gerecht ist weil eines Tages äh   äh unsere Hausfrau wir haben gewohnt bei einer alten Dame und sie sagt uns »zwei Herren haben Sie gesucht und ich glaube

[33:57] das sind Detektive sie haben gesagt sie werden zurückkommen« a- da haben wir schon gewusst dass äh unsere Idylle zu Ende ist aber das Problem war Geld ich musste äh der der Chef war mir schuldig äh   ein Lohn von äh   und wir brauchten dieses Geld um die

[34:26] Fahrt nach äh einen anderen Platz und ich bin zu ihm gegangen und hab ihm gesagt äh »ja ich habe eine Einrufung zum Militär bekommen und ich muss leider verlassen« und da hat er gesagt »ah mach dir keine Sorgen gib mir diese Anweisung ich erledige das

[34:49] das ist Dummheit« (da) jetzt wusste ich nicht was und hab ihm gesagt »ja also d- die Wahrheit ist ich bin Jude muss verschwinden« und äh jetzt war die Möglichkeit dass er dass er die Polizei ruft und er hat meinen Lohn hat gesagt und hat mir gesagt »alles

[35:15] Gute« zehu und wir sind dann nach Westen äh in ein Ort welcher Nitra heißt und wieder mein Freund hatte als Schlosser Arbeit gefunden und ich hab als Installateur aber das war schon im im Sommer wo schon diese Nachrichten über   über ein Aufstehen in der

[35:44] äh in der Slowakei und äh wir haben auch von darüber gewusst und äh haben gehofft dass wir in diesen in in diesen Aufstand dass wir dort irgendwie teilnehmen können

[36:04] und äh wir haben so einen einen Plan gehabt dass wenn wenn das deutsche Militär in die

[36:14] Slowakei da ein- nämlich die Slowakei war selbstständlig theoretisch aber der Präsident der Slowakei hat damals die die Deutschen eingeladen damit sie helfen den Aufstand zu äh   äh zu besiegen ja ?   und wir haben so einen Plan gemach- gehabt dass wir uns

[36:44] in einem Badeort wir waren auf verschiedenen Stellen unsere unsere zehn dass wir uns dann begegnen dort und zusammen   versuchen äh dort in das Gebiet des Aufstandes zu kommen aber die Sachen gehen ja nie im Krieg wie man das plant und es war so dass äh dass

[37:12] die Gruppe in einigen Teilen sie wir sind es ist uns gelungen in dieses Gebiet zu kommen aber wir waren nicht zusammen wir waren an verschiedenen Stellen und äh ich mit äh diesen (Akiba Mir Neufeld) und mit noch einen Jungen welcher schon auch gestorben

[37:37] ist wir sind auch in das äh Aufständegebiet gekommen und äh   wir haben dort äh versucht uns irgendeiner Gruppe zu einer Partisanengruppe in den Bergen und das ist uns auch gelungen und wir haben dort das erste Mal hab ich äh äh mit äh Gewehr und so

[38:05] Ausbildung bekommen trotzdem wir schon im Lager Revolver hatten wir haben illegal gekauft gefunden wir haben so wir haben es war unser Beschluss wenn wenn es keine andere Möglichkeit ist aber niemand wird uns en- nach äh deportieren das war unser Motto wir

[38:33] haben Slowakisch ist so eine ein Ausdruck (___) also »nicht einmal für Gott« heißt das ja ? aber das war unser unser äh   Beschluss wir haben ja ge- genau gewusst äh was dort losgeht wieso ? weil in einer bestimmten Zeit äh haben die Deutschen die in in

[39:01] in Auschwitz versucht die Bevölkerung zu beruhigen weil in der Slowakei waren diese Nachrichten sind äh   so durchgekommen und da sind viele Karten gekommen »es geht mir wunderbar wir arbeiten hier und« aber mehrmals waren Hinweise welche sehr sehr klar

[39:29] waren es war geschrieben »wir werden bald mit Tante« ihr Namen und die alle wussten diese Tante lebt nicht mehr und solche Hinweise äh das äh dadurch äh konnte die Bev- wir haben besonders die letzten die es gewusst dass äh   wer dort hinkommt der kommt

[39:56] nie mehr zurück   ja also ich wo war ich ? äh bis äh bis also ich wir waren bei diesen Partisanen wir waren keine großen diese Gruppe war nicht sehr aktiv hauptsächlich äh sie haben versucht äh zu sprengen äh   Schienen und und solche Sachen und dieser

[40:23] Aufstand äh wurde sehr schnell äh liquidiert diese Gruppen es sind einige Gruppen in den hohen Bergen in der Slowakei gibt es äh   immerhin in in der Tatra und so gibt es Gebiete wo wo man richtig in den Bergen leben und versteckt sein also es waren einige

[40:51] Gruppen aber wir haben äh wir ich persönlich und mein Freund wir haben uns entschlossen dass wir das äh Gebiet verlassen welches sich immer mehr einschränkte und wieder nach in die Westslowakei gehen und dort äh   werden wir weiter versuchen wie wie es

[41:18] weiter geht [räuspert sich]

[41:21] es war äh   zu verlassen dieses Gebiet das war ah ist noch eines eine   ein Erlebnis zu dieser Zeit kamen aus Israel Paraschutisten welche Leute aus den Kibbuzim waren und äh vier solche Paraschutisten landeten in der Slowakei

[41:50] im in in dem Gebiet und ich habe und ich habe begegnet einen einen von ihnen   praktisch war das äh ein Fiasko denn sie diese theoret- sie sind gekommen als äh Engländer als Briten und ihre Aufgabe war es äh Leute welche Flüchtlinge Piloten welche englische

[42:24] Piloten äh zu retten und denen zu helfen und in dieser Hinsicht haben sie einige Erfolge gehabt weil es waren solche welche sich versteckten welche äh äh Kriegsgefangene aber sie konnten aber moralisch war das für uns äh ein Erlebnis Leute aus aus Palästina

[43:00] und Leute aus unserer Ge- Bewegungen und aus einem Kibbuz aber mehr wie das hat es äh nicht geholfen

Lennart Bohne

[43:02] was ha- dieser Pilo- äh dieser Fallschirmspringer den Sie getroffen haben hat der Ihnen was erzählt von Palästina ?

Samuel Givoni

[43:07] ja sicher er hat uns erzählt und wir haben gemeinsame Freunde gehabt und äh (weil) sie waren in zehn Jahre älter wie wir oder acht Jahre älter wie wir das war richtig ein ein sehr sentimentales äh und wir wir haben ihnen äh geraten zurück zu gehen es

[43:30] war damals noch die Möglichkeit es war noch ein Flugplatz (_) wo noch Flugzeuge nach Italien äh von dort flo- wir haben gesagt »ihr habt hier beendet ja dies keine ihr könnt uns nichts helfen« aber sie haben sich entschlossen zu bleiben und äh von und

[43:53] äh (Avi Varaik) sie war von der Slowakei also außer einen welchen es gelung bis nach dort zu bleiben in den Bergen de- die wurden gefangen und äh und äh erschossen und das war in dieser Hinsicht äh war es eine Tragödie [seufzt]

[44:18] also wir sind äh [räuspert

[44:21] sich]

[44:22] wir haben vier- viel Erfahrung gehabt und äh   in einer Ortschaft   war einfach ein eine ein   war ein auf der auf der Straße war ein Kommando der SS und jeder musste in die Reihe und äh   am Ende war das war eine Schule ein mit einem großen Schulhof

[44:54] und und dort haben sie die Leute äh gefragt und äh und wenn jemand verdächtig war dass er Partisan war äh wurde er selbstverständlich erschossen und wir kommen und die sagen uns wir das ist äh mein Freund und ich in diesem Fall er sagt uns äh »ja also

[45:20] hier in der Reihe warten« die Reihe ist lang und wir sagen »nein nein nein wir haben keine Zeit« das hat sie überrascht »ja wir gehen gleich rein wir müssen da etwas abgeben« und neben dem Tor steht auch ein SS-Mann und wir machen [gestikuliert] »hello

[45:42] hello« und äh   er lässt uns herein er glaubt es sind Leute welche da gehören zu den   und wir machen eine kleine Runde im Hof und kommen wieder zum Tor und sagen ihm »hello« diesen Mann und der sagt »hello« und wir gehen heraus und gehen weiter in der

[46:09] Richtung und wir haben gedacht jeden Moment jeder wird äh »Halt« schreien und äh aber wir sind es ist uns gelungen dann sind wir nach äh in ein Stadt gekommen Zvolen das war schon außer dieser Zone aber wir wolllten nach Bratislava weil wir haben uns

[46:36] gedacht Bratislava ist die einzige größere Stadt in der Slowakei wo wir die besten Chancen haben trotzdem ich dort geboren bin aber ich habe mir gedacht äh   diese Leute welche mich kennen kennen mich als Kind 14 Jahre alt und jetzt sind vier Jahre vergangen

[47:19] eine Zeit wo man sich sehr ändert ich ich geh auch nach Bratislava aber wir mussten Reisebewilligungen bekommen wir haben wir haben Glück gehabt weil in dieser Hinsicht bei den Partisanen haben wir unseren Original Namen gesagt wir wollten sehen dass Juden

[47:33] ja teilnehmen also dort war ich als Name (Salamon) registriert aber selbstverständlich meine Dokumente als (Jan Huszca) habe ich behalten und mit diesen Dokumenten wollten wir jetzt eine Reisebewilligung bekommen und äh so nach Bratislava zurück und auf

[47:49] diese Weise dort war wieder ein ein Büro der Gestapo wo man die Reisebewilligungen aus- ich war der einzige welcher Deutsch sprach von es waren mit uns noch zwei Slowaken welche keine Juden waren aber wir sind zusammen haben wir uns entschlossen zu gehen

[48:10] und ich habe vorgeschlagen ich gehe hin und ich bringe die arba die vier Durchreisebewilligungen und ich bin herauf wieder so ohne zu warten und ich klopfe und gehe zu dem Kommandeur und sage »entschuldigen Sie ich ha- müsste dringend telefonieren nach Bratislava«

[48:39] äh das stellen Sie sich vor eine Situation [lacht] und er er sagt »ja warum musst du dringend telefonieren (eigentlich) « »wir haben hier gearbeitet auf einem Bau auf ein Sanatorium und äh« ich hab einen Namen einer deutschen Firma in Bratislava »und

[49:00] äh ich muss ihnen mitteilen dass wir alle leben und äh dass äh wir den Bau jetzt verlassen mussten und« da sagt er »also warum warum musst du telefonieren ? ich geb dir eine Reisebewilligung und morgen bist du in Bratislava« und [lachend:] das hat das

[49:25] war sehr überraschend aber das was passiert ist und ich bin mit den vier Reisebewilligungen gegangen und wir sind wirklich nach Bratislava gefahren und dort ist dann äh wie das ist äh alles ist anders nichts geht nach Programm dort haben wir entschlossen

[49:48] dass mein Freund z- in an die Polizei geht weil er stammt aus Žilina das ist eine eine Stadt in der Mittelslowakei und niemand kennt ihn in Bratislava und ich und er nimmt äh zwei Wohnbewilligungen es war doch immer man musste immer Papiere immer brauchte

[50:10] man Bewilligungen und gerade er wie er dort in der Reihe stand kam zu ihm einer und sagt »du bist ein Jude« es hat sich herausgestellt jemand aus aus seiner Stadt und er war ein ein Faschist und er hat ihm übergeben der der der S- der Gestapo das war das

[50:36] Judenkommando der Gestapo aber es er ist dort hingekommen und äh   er hat gesagt ja seinen Namen seinen slowakischen Namen und »na aber ich bin kein Jude« hat er gesagt »ja also wir gehen jetzt Mittagessen und du hast Zeit dir zu überleben überlegen ob

[50:59] du Jude bist oder nicht   und dann kommen wir und und sprechen weiter« und er während dieser Zeit hat man ihm eingesperrt in ein Zimmer und da das Fenster war mit äh vermacht mit Papier weil das äh   damals wegen Bomben ja und er hat dieses Fenster geöffnet

[51:26] ist aus vom zweiten Stock herausgesprungen und verschwunden und er ist dann in ein Dorf wo von wo wo er einen Onkel hatte und das war das war ein sehr guter Platz weil er hat dort dann wirklich überlebt

[51:49] und ich bin in Bratislava geblieben aber ich habe auch

[51:53] äh   [räuspert sich] wieder Kontakt zu ein Leute welche dort geblieben sind und äh sie haben mir einen sehr guten Arbeitsplatz gefunden in der Kabelfabrik Kabelfabrik und ich konnte auch schweißen und äh Metall und äh das war ein Betrieb welcher damals

[52:20] selbstverständlich für für Militär arbeitete und ich hab dort einen einen Platz bekommen und äh nicht nur das aber eines Tages kamen sie dass man muss alle fotografieren und äh ich habe auch eine Fotografie so in Arbeitskleidung ich hab Ihnen das gezeigt

[52:45] und wir haben bekommen eine Legitimation Werkschutz Werkschutz dass nur mit dieser Legitimation kann man äh in in diesen   äh in ein herein in die Fabrik und ich habe noch einen besondere Legitimation gehabt dort mit A- Eintritt in alle Abteilungen weil alle

[53:14] Abteilungen können Probleme sein und das das war eine Bomben-Legitimation weil jeder weil wenn er telefonierte o- so dann hätten wir ihm gesagt »sicher ja das ist unser Mann« und äh so hätte ich auch sicher den Krieg dort überleben können aber ich

[53:39] habe trotzdem ich habe den Kontakt aufrecht erhalten mit den illegalen Organisationen und die haben damals Kontakt mit den äh   Vertreter des Roten Kreuzes genannt in Bratislava und er hat finanziell geholfen und ich habe mich beteiligt dass ich äh verschiedene

[54:12] wenn jemand äh Geld brauchte um ja ich war so ein ein   messenger ja so welche

Christoph Schönborn

[54:27] ein Bote

Samuel Givoni

[54:30] ein ein Bote welcher brachte falsche Papiere und so das machte ich am Abend Abend es war Winter es war dunkel das war eine sehr gute   äh gute Gelegenheit alles dieses zu machen und äh so habe ich das so freiwillig als als äh   auch weil man brauchte irgendwie

[54:59] Kontakt es ist sehr schwer sehr schwer illegal alleine ich habe manchmal so   gedacht was wird sein ? werde ich jemals zurückgehen in mich selbst oder ist das die Zukunft ? und äh ich brauchte irgendwie auch diese Versicherung dass ich noch äh noch lebe in

[55:30] dieser Hinsicht und so habe ich dieses kleine nicht wichtige Sachen ich war nicht Organisierer ich war einfach der Bote der gesagt »geh zu dieser Adresse frage sie was sie brauchen gib Ihnen dieses (da) « und so kam ich einmal in äh   klopfe und eine Frau

[55:54] öffnet mir und ich erkenne sie dass sie ist äh sie war auch in Sered im Lager das war eine große Freude wie wie einem   plötzlich jemandem zu begegnen und sie sagt »komm komm« und äh da hab ich das erste Mal gesehen jemanden heute ist ja dieser Begriff

[56:18] aus den aus den Schrank heraus kommen ja ? auf für Homosexuelle sagen das ja ? ihr kennt diesen Ausdruck euch gibt es auch in Deutsch ?

Christoph Schönborn

[56:31] mh ich kenn ihn nicht nein

Samuel Givoni

[56:33] nein ?

Christoph Schönborn

[56:35] mh

Samuel Givoni

[56:37] es ist so ein Ausdruck [gestikuliert] »aus den Schrank heraus« sozusagen die Wahrheit sagen und dort hab ich das richtig gesehen ihr Mann ist aus dem Schrank heraus und äh hab ich mich sehr gefreut und wir haben Tee getrunken und ich hab ihnen ich habe

[56:54] den größten Fehler den man machen kann ich hab ihnen diese Legitimation gezeigt und gesagt wie ich so einen guten Platz habe in der Kabelfabrik und wir haben uns verabschiedet und äh eine Woche später sagt äh   da kommt zu mir der von der äh   vom Eintritt

[57:23] ist in der Fabrik äh dort ein Wächter der sagt »zwei Herren möchten suchen Sie« und ich habe gedacht vielleicht ist das jemand hab ich aus den Bergen und so habe nichts geahnt und äh ich komme und ich sehe dass äh der dieser er sagt er zeigt auf mich

[57:52] und die zwei kommen sind in zivil selbstverständlich und sagen »ja wir sind äh wir sind äh von der SS und du kommst mit uns« und äh dann kommen sagen sie »ah das war wunderbar wir haben sie wollten uns nicht herein lassen« trotzdem sie äh Judenkommando

[58:19] und Gestapo aber das war eine eine Fab- ein Betrieb welcher Kriegsbetrieb war und »wir haben es ist uns gelungen dich herauszulocken und dich zu erwischen«

Christoph Schönborn

[58:34] äh versteh ich das jetzt richtig äh eigentlich wollte der Wächter die SS nicht in den Betrieb lassen und

Samuel Givoni

[58:41] nein

Christoph Schönborn

[58:43] Sie sind aber mit zum Tor gegangen und

Samuel Givoni

[58:44] ja

Christoph Schönborn

[58:46] weil Sie dachten es es sind Freunde oder oder Bekannte von den Partisanen

Samuel Givoni

[58:48] [gleichzeitig:] ja ja   ja ja ja ja

Christoph Schönborn

[58:50] ah okay ja   mh

Samuel Givoni

[58:52] das war das war also und so bin ich dann äh gekommen zu der das hat geheißen Judenkommando das war äh von der Gestapo und äh   dort äh konnte ich schon nicht äh das war klar dass sie genau wissen was und so und ich habe dann auch dort gef- getroffen diese

[59:22] Familie und sie waren schrecklich zerschlagen und äh und ich habe verstanden dass man sie erpresst hat und dass sie mich verraten haben und äh   sie wollten hauptsächlich sie wussten dann meinen Namen und ich hab ihnen das erzählt das war irgendein komisches

[59:47] Intermezzo sie haben mich gefragt »wo ist deine Schwester« und äh meine Schwester war zu dieser Zeit schon in London weni- einige Jahre und ich hab ihnen gesagt »ja die ist in London« und dann hat dieser Mann gesagt »ja ? nu dort werden wir sie auch noch

[1:00:09] finden« das war das letzte der letzte Kriegswinter und dieser es hat sich herausgestellt dass dieser Mann er war Lehrer im deutschen Gymnasium in Bratislava und von dort hat er meine Schwester gekannt und und mit den Namen meinen Namen und so hat er   gedacht

[1:00:30] er kann noch jemanden finden

Lennart Bohne

[1:00:34] ähm wann wann und wie ist Ihre Schwester nach London gekommen ?

Samuel Givoni

[1:00:39] ja meine Schwester ist in tausendneunhundertachtunddreißig mein Vater nämlich er war in dieser Hinsicht sehr realistisch ich habe so genau ein Bild vor mir wir haben Radio zugehört und äh es war eine Rede eine Rede von Hitler wo er gesagt hat »wenn es

[1:01:04] ein noch einen Krieg geben wird dann wird das nicht das Ende Deutschlands (sond-) das Ende des europäischen Judentums sein« mein Vater hat gesagt »der Mann meint es ernst« meine Mutter hat gesagt »warum warum müsst ihr dieses Brüllen zuhören« (er

[1:01:25] hat) es ruhiger gemacht und hat zugehört und er hat auch danach gehandelt und es gab damals die Möglichkeit äh junge Mädchen konnten nach England gehen wenn sie unterschrieben dass sie bereit sind dort Krankenschwester zu lernen und zu sein und das war

[1:01:48] das Programm dass meine Schwester und sie ist wirklich dann nach England gekommen und hat dort überlebt und äh   dann nach dem Krieg also sie hat dann äh   die wollte nicht in die Slowakei zurückkehren also sie ist dann auch nach Israel gekommen weil ich

[1:02:15] war schon in Israel und äh   sie hat gewusst dass ich in Israel ich hab Ihnen erzählt wie sie das genau erfahren hat aber   und auf diese Weise und er wollte auch mich nach Palä- dass ich nach Palästina gehe aber dann ist äh   dann war ein Unglück er wurde

[1:02:46] krank er hatte Krebs und er ist in   tausend- in   acht- 37 im Winter ist er gestorben so dass er noch äh in Bratislava begraben ist und die Familie welche damals noch dort lebte haben gesagt »er hat Glück gehabt er ist noch normal dass hat er das Leben beendet«  

[1:03:14] a- und dann bin ich dort geblieben eigentlich er hat mir gesagt äh bevor er gestorben ist »also jetzt bist du und die Mutter und äh du musst mit ihr bleiben« und so konnte ich dann nicht mehr nach äh Palästina mit dieser letzten Möglichkeit und äh

[1:03:39] das war auch eigentlich das Ende des normalen Lebens denn dann wurde auch das Geschäft arisiert arisiert das heißt äh wir mussten einfach heraus und übergeben und auch die Wohnung die Wohnung war in der (Belmatias) -Gasse das ist ein ein sehr schönes Viertel

[1:04:02] von Bratislava und dann war der Befehl dass äh dass Juden dort nicht leben können und äh eine deutsche Familie äh   sie damals mussten wir verlassen die die Wohnung es war auch äh dass Arier- äh   Arierfrauen können auch nicht äh   Köchinnen in jüdischen

[1:04:39] Haus aber das war schon alles das war schon ein Zusammenbruch weil es war wir konnten hätten sie auch nicht mehr halten können und äh   wir und meine Mutter und ich war damals im im Arbeitslager so dass dieses diese Tragödie hat sich abgespielt als ich

[1:05:01] eigentlich ihr nicht helfen konnte in diesen später waren dann andere Situationen und sie ist dann in äh einen Viertel das war so nahe wo die Juden gelebt haben früher so ein sehr armes Viertel und sie ist zusammen mit ihrer Schwägerin dort hat sie gewohnt

[1:05:25] in einem kleinen Zimmer dort hab ich sie dann gefunden ah das wir mussten die Wohnung schnell schnell verlassen weil es war eine deutsche Familie und sie sagte uns »ja ich bin ich muss äh in ganz kurz ein Baby haben und wir wollen dass das Kind schon hier

[1:05:51] in der Wohnung« so dass alle die ganze Einrichtung alles alles ist damals verschwunden und ich werde das noch zum letzt erzählen aber meine einzigen Fotografien äh habe ich außer dem was meine Schwester na- äh   nach London genommen hat das im Haus im

[1:06:16] Keller wohnte ein Mann welchem mit dem ich nie ein Wort gesprochen habe er war Lampenanzünder das heißt in dieser Zeit die Gaslampen und ich habe immer sehr schön »Hallo« gesagt ich habe gerne gesehen wie er mit dem langen Stock die Runde macht das war

[1:06:40] der Kontakt und er hat mir nach dem Krieg gesagt »ich habe eure Fotografien im Müll gesehen und habe sie«

Christoph Schönborn

[1:06:50] vielleicht machen wir an der Stelle mal ne kurze Pause

Samuel Givoni

[1:06:55] gut [Schnitt] ja also wo war ich [lacht]

Christoph Schönborn

[1:07:01] äh (noch) wir waren hatten ganz kurz einen Schlenker gemacht äh äh Sie hatten erzählt von Ihrer Mutter die äh nachdem Ihr Vater gestorben ist

Samuel Givoni

[1:07:09] [gleichzeitig:] ja ja ja ja und dann das war die Situation dass eigentlich das war das Ende ja ? die Wohnung mussten wir verlassen meine Mutter weil ich war schon   äh damals im Arbeitslager und äh einfach unser ganzer Besitz unser ganzes Leben Bilder Bücher

[1:07:37] das ist damals alles verschwunden und ich konnte nichts tun   äh aber dann waren einige Situationen wo ich richtig ihr helfen konnte   diese diese Familie die sagte damals wir müssen das schnell machen »weil wir wollen dass das Kind schon hier (ihr werd-)

[1:08:02] wir sind wir haben nichts persönlich gegen Sie« und so so so ich erzähle das weil das hat dann einen Epilog diese Geschichte   also das äh darum bin ich dort geblieben damit ist die Familie war die Familie nicht zusammen

[1:08:24] und äh gehen wir zurück auf die

[1:08:28] Gestapo und äh ich v- ich v- mache mich so ein bisschen dumm und ich sage »ja äh eigentlich arbeite ich schon jetzt in einen wichtigen Kriegsunternehmen warum soll ich jetzt woanderst anfangen« und [lachend:] sie sie lachen zwischen sich und sagen »und

[1:08:51] so einen fähigen Mensch wollen wir in den Ofen schicken« also das war (die so) Diskussion aber alles in allem äh wenigstens habe ich nicht äh nicht ge- Prügel bekommen so diese sie wollten eigentlich mehr wissen äh von wem von wo das Geld von wo die

[1:09:17] Papiere und ich habe die ganze Zeit drauf bestanden »ich habe nie so etwas äh gemacht ich hab keine Ahnung« und so sie haben mich wollten mich äh wollten mich übers äh das äh »wir wollen nur wissen ob ihr das Geld in slowakischen Geld oder in in äh

[1:09:40] Valuta in« weil sie wollten einfach diesen Mann äh welcher von der Gesandtschaft äh wollten ihn irgendwie äh aus dem Weg machen ja ? ich habe wirklich nicht gewusst und äh   damit war diese Sache zu Ende   von von der Gestapo   bin ich dann äh   nach Sered

[1:10:09] gekommen aber diesmal war es Sered war schon kein Arbeitslager und nicht äh   es war einfach ein Übergangslager wenn einige wenn genug Leute waren der Kommandant war Alois Brunner und die Verhältnisse waren wie einen ganz schlimmen äh Konzentrationslager

[1:10:33] es wurden Leute so weit ich weiß ein einer wurde erschossen und äh   als ich dort ankam waren dort einige Leute welche im Büro welche mich kannten und sie haben mir gesagt »ja der Transport geht äh   morgen aber wir haben jetzt hier einen Befehl bekommen

[1:11:06] die suchen zwanzig Leute bist du bereit wir wissen nicht was das ist« hab ich gesagt »sicher bin ich bereit auf alle Fälle besser wie morgen in den Transport was immer es ist« und es hat sich herausgestellt dass zu dieser Zeit hat man Bratislava bombardiert

[1:11:27] und es waren äh Bomben welche nicht äh explodiert sind und die musste man aufräumen und so sind wir eine Gruppe na es waren weniger wie zwanzig ich glaube 15 ha- man hat uns mit Lastwagen nach Bratislava gebracht und äh   dort äh hat man uns es war dort

[1:11:53] ein ein Gebäude welches der Regierung gehörte und welches von den Bomben halb vernichtet war dort hat man uns in ein Zimmer eingesperrt hat gesagt »morgen früh kommen wir euch holen und ihr wir fangen die Arbeit an wenn jemand von euch verschwindet erschießen

[1:12:17] wir die ganze Gruppe« und äh so das war das Gebäude wir waren dort und ich habe aus einen äh [gestikuliert] Kleider-   ei- einen Hak- Haken gemacht einen   einen Schlüssel ja ? und habe die Türe geöffnet und diese Türe führte zu einem anderen und so

[1:12:43] durch Stiegen welche schon halb vernichtet waren und durch das Fenster und erste Nacht bin ich heraus aber ich habe ihnen versprochen »ich komme zurück und ich werde dafür sorgen dass ihr alle Papiere habt und wir machen das zusammen eine Nacht verschwinden

[1:13:04] wir« und ich bin äh in einen Platz gegangen das war ein Bunker dort war auch ein Freund dieser Freund war er war Direktor des Bierlagers er war Jude aber mit falschen Papieren und im kleinen Bahnhof in Bratislava war ein Lager wo Bierfässer dort sind sie

[1:13:32] angekommen von dort hat man sie verteilt und er war ein kleines Büro er war verantwortlich für das Büro der Eigentümer hatte selbstverständlich keine Ahnung dass er Jude ist und er war ein wunderbarer Mensch er lebt noch in Bratislava und ich   klopfe

[1:13:51] und komme und äh ich erzähle die Geschichte und ich sage »ich brauche zwanzig Legitimationen« der sagt »gut wird gemacht bring bring Fotografien wenn du kannst wenn nicht machen wir es ohne Fotografie« und ich äh gib ihm meine Fotografie und dann bekomme

[1:14:16] ich sicher (selbstverständlich) einen neuen Namen [lacht] diese Fotografie habe ich bis heute also ist eine Erzählung die kommt jetzt und äh ich äh ich gehe zurück und in der Früh fangen wir an die Arbeit ist äh die meisten Bomben sind in einen Ort

[1:14:37] das heißt Winterhafen an der Donau das ist ein der der Hafen von Bratislava aber auch in der Mitte der Stadt ist eine Bombe und wir graben und wir haben wir suchen mit so einen Stab abtasten wie diese Bombe liegt und äh meine Aufgabe ist es unter anderem

[1:15:01] Installator dort ist ein großer Schraubenschlüssel und ich soll abschrauben den Sprengkopf da ist eine Bombe so 200 Kilo und sie hat äh angeschraubt den Sprengkopf ich habe so nachdem die Bombe schon frei war habe ich das mit einem Schlüssel (__) ich musste

[1:15:27] das ganz langsam und vorsichtig ich hab es abgeschraubt und wir waren damals unter der Kommando der deutschen Luftwaffe es kam in der Früh war immer kommen mit uns äh zwei Leute auf einem Motorrad mit Beiwagen und die sagen uns »hier ist die Bombe« und

[1:15:51] sie verschwinden irgendwo und wenn es soweit ist dann kommen sie und ich übergebe diese   das ist eine ganz kleine Sache und die haben das dann äh also die einige Meter zur Seite und haben geschossen und das ist explodiert und dann haben wir diese Bombe äh

[1:16:16] an Stricke dort waren solche Haken dort kann man Stricke und alle zehn haben gezogen und das war schon damals harmlos und es war im Winter und es war Eis und Schnee und immer einer einer hat sich auf die Bombe gesetzt und hat mit den Füßen so und die haben

[1:16:39] das wie einen Schlitten gezogen das war hat einen großen Eindruck gemacht wenn das in der Stadt war dann von Weitem haben die Leute das zugeschaut und wenn es im Winterhafen war haben wir es auch so gemacht und äh am Abend zurück und alles war gut und äh

[1:17:02] es vergehen äh zehn Tage oder mehr   und es ist so weit und ich habe diese ich jede Nacht mach ich diesen Weg und äh   wir sind bereit und ich sage »jetzt äh wir haben gewartet wir haben euch die Möglichkeit gegeben wenn ihr nicht bereit seid wer wer kommt

[1:17:29] kommt mehr können wir nicht machen« und ich habe verteilt die Legitimationen und äh   einige haben gesagt »ja ja also morgen vielleicht äh behalte es bei dir morgen gibst du es uns«   ich hab es gesagt »in Ordnung kein Problem« und wir arbeiten den letzten

[1:17:56] diesen letzten Tag wir haben nicht gewusst aber plötzlich kommt ein ein Lastwagen mit äh mit der Gestapo mit der SS und sagen diese Luftwaffe die sollen sich selber um ihre Bomben kümmern wenn sie nicht genug Flugzeuge haben damit äh damit man uns bombardiert

[1:18:21] »ihr geht zurück   morgen ist ein Transport« und äh so sind wir kommen wir wieder zur Gestapo und wieder je- man sagt »jeder ins Büro« und äh ich habe bei mir fünf Legitimationen in der Tasche und äh keine Möglichkeit lo auf WC und lo   und ich äh

[1:18:51] komme herein in dieses in das Büro und das erste ist »alles was du in der Tasche hast heraus« und ich habe die Legitimation in Fäustlinge gesteckt wir haben solche sehr primitive Fäustlinge gehabt welche man äh damals erzeugt hat so dass und äh diese

[1:19:19] Fäustlinge waren mit Kot und mit Wasser und mit Eis und drinnen in den Fäustlingen habe ich wo die vier Finger sind habe ich die Legitimation gehabt und [gestikuliert] ich lege das so auf den schönen Schreibtisch nun der sagt »diesen Dreck« und und wirft

[1:19:37] es herunter und also viel viel Verhör ist da nicht die wissen die kennen er sagt mir nur »na du bist wieder da man kann dich nicht loswerden« [lachend:] und und äh mit den Legitimationen und man nimmt uns äh nach äh   zurück nach Sered aber dort ist

[1:20:01] äh das alle welche überleben haben Glück gehabt anders kann man das nicht erklären weil zu dieser Zeit äh Alois Brunner hat so einen einen Plan Wa- Wagen zu erzeugen Wagen welche von von Pferden gezogen sind weil damals äh brauchen die die brauchen schon

[1:20:28] die Situation ist schon schlecht und äh diese Wagen die benützt man äh für die SS ja ? und in d- in der Schlosserwerkstatt äh sind einige welche ich auch kenne und der Schweißer welcher schweißt hat er war ein Anfänger und er hat plötzlich Probleme

[1:20:54] mit den Augen und dann die sagen »du das ist dein Glück wir brauchen einen Schweißer du bleibst« und so hab ich dann dort die Rahmen für die Räder ich habe das geschweißt und äh der Brunner hat persönlich er hat mich schon gekannt und er sagt »ja

[1:21:21] mach das gut« und äh »es wird alles in Ordnung sein« und äh   so bin ich noch   bitte ?

Christoph Schönborn

[1:21:30] können wir nochmal ne ganz kurze Pause machen ? [Schnitt]

Samuel Givoni

[1:21:32] und dadurch bin ich dann dort geblieben noch äh ein Monat und noch ein Freund von unserer Gruppe ein sehr sehr guter Freund er lebt und seine Frau die war auch in der Gruppe die leben beide in Australien und äh wi- wir si- wir arbeiten zusammen   äh aber

[1:22:00] auch das äh   kommt irgendwie zum Ende denn wir sind jetzt schon im im März ja und es ist äh schon alles bricht zusammen aber o- das Lager diese letzten Leute welche dort sind will man nach Theresienstadt bringen und äh   mit meinem Freund wir sagen »ja

[1:22:31] wir wir auf keinen Fall irgendwie werden wir werden wir fliehen« und äh es kommt der Tag und man soll man fängt äh die Waggone sind schon dort und Alois Brunner fährt mit seinem   mit seinem Auto und er ist verantwortlich und da plötzlich stellt sich

[1:22:57] heraus dass der Radiator sein Radiator äh eine das Wasser ja rinnt und er gibt den Befehl die Schweißmaschine alles ist schon auf den   au- auf den äh   Zug und er sagt »herunternehmen du bleibst hier« und die montieren den Radiator und er sagt »du kannst

[1:23:29] das wenn du es wenn du es kannst löten hart löten mit Messing äh dann gebe ich dir ein Geschenk« und äh   ich löte das und er montiert und ich sehe dass dort war auch eine Gruppe von Slowaken damals ich sehe dass die Slowaken er spricht mit ihnen und

[1:23:57] er er gibt er sagt »ihr b- ihr seid frei« dann kommt er zu mir und äh   ich sage »alles in Ordnung« und er sagt »ja also du du kannst dir aussuchen in welchen Waggon du gehst« das war das Geschenk ich war zufrieden denn ich war ich habe Angst gehabt

[1:24:22] dass er mich erschießen wird am Ort das wäre die einfachste Lösung für ihm und der Transport wartet und äh ich laufe dort zu den   zu den Waggonen das ist eine kurze Entfernung und ich schreie den Namen meines Freundes und er meldet sich und in diesen

[1:24:44] Waggon man macht ihm auf und äh ge- und ich gehe rein und der Brunner sagt zu dem Kommandeur des äh Transportes »das sind aus- äh   die werden dir aus- die werden dir verschwinden« und der sagt »ja mir werden sie nicht verschwinden« und der Waggon geht

[1:25:10] los

[1:25:16] und wir das erste wir wollen äh wir sagen »wir ver- wir öffnen den den Waggon und wir verschwinden wer will der kommt mit uns wer« und die wo es ist eine Gruppe von Ungarn ungarische Juden welche auch welche im Militärdienst waren und die sind die

[1:25:35] sagen »ja unser Kommandant hat uns versprochen dass er uns sorgt und er wartet uns und wir auf keinen Fall« und die haben die ganze Zeit äh   wir wissen nicht was wir machen und wir waren schon im Gebiet des Protektorates   und es war eine Station eine Station

[1:26:02] (Varaska Meseviczy) und den Waggon haben wir schon offen gehabt und dort haben wir uns entschlossen wir gehen heraus und auf den auf den   Bahnhof waren viele Leute es war Verkehr und ein äh   junger Mann hat das gesehen und er kommt zu uns und wir wussten

[1:26:28] nicht ein Bahnhof wir waren nie dort und Militärtransporte und so und er gibt uns äh hundert Mark und sagt »dort ist ein kleiner Ausgang geht heraus geht über den Fluß und in die Berge«   und äh wir drei noch ein Dritter geht mit uns und wir machen das

[1:26:54] und äh   gehen in die Berge und wir sind dort drei Tage ohne   ohne Essen und ohne   Winter das ist (es) schon äh Februar März Ende März in den Bergen und da finden wir ein Haus eines äh   so ein Waldhüter ja ? und wir kommen näher und die Frau kommt heraus

[1:27:30] und wird hysterisch und sagt »verschwindet (__) man sucht euch wenn man euch hier findet verbrennen sie das Haus und ermorden uns alle« und äh   wir sagen »ja wir wir sind hungrig« »nein also dann müsst ihr stehlen« »hier ist Brot aber wir geben euch

[1:27:53] nichts und wir helfen euch nicht und ihr wart nie hier« und wir nehmen wirklich das Brot aber der Mann geht dann nach uns und er sagt äh »ihr seid jetzt vier Kilometer von der Grenze und dort ist ein eine Grenze aber die Türme sind schon nicht mehr bewacht

[1:28:19] und wenn ihr zwischen zwei Türmen könnt ihr in der Nacht durchkommen und ihr seid wieder in der Slowakei« und das was wir gemacht haben und so sind wir dann äh in die Slowakei gekommen und das war schon das Ende das war schon äh   wir hören schon die

[1:28:40] Kanonen ringsherum alles ist schon Kriegsgebiet und äh schließlich nahe einer Stadt die heißt Trentschin wir wollen in die Stadt aber dort sind schon äh   dort si- einfach schon Militär äh deutsches Militär und die schießen auf jeden sie sehen uns sie

[1:29:05] können sie lassen uns nicht in die Stadt sie sind schon eingegraben rings um die Stadt mit äh   mit äh Gewehren und mit äh Maschinengewehren und schießen auf uns und ja wir gehen wir verschwinden und der einzige Ort ist ein ein so eine ein Wärter ein

[1:29:29] Bahnwärter ein kleines Häuschen und er hat auch ein bisschen einen ein Stroh einen äh er hat auch ein so wie das üblich ist äh ein ist so eine Landwirtschaft sozusagen aber wie er uns sieht sagt er »verschwindet ich will da keine Fremden ich weiß nicht

[1:29:52] wer kommen wird ob die Russen oder die Deutschen aber kein Fremder darf hier sein« aber das ist schon da wird schon geschossen und er verschwindet im Haus und wir gehen einfach äh ins Heu dort ist Heu wir wir wissen das ist es was was sein wird wird sein

[1:30:17] und äh rings um uns äh sind diese Stalinorgeln und Kanonen und man schießt und wir sind eingeschlafen wir waren so müde und wir haben gesagt »ja jetzt äh können wir schon nichts tun« und äh in der Früh ist es sehr still und äh plötzlich sehen wir

[1:30:44] ist ein Soldaten das ist schon kein kein Deutscher und äh das war ein Rumäne   die Rumänen haben sich damals angeschlossen den Deutschen im letzten Kriegsmonaten und er war der erste er hat uns befreit also befreit er hat erstens angeschaut ob wir nicht

[1:31:09] Uhren haben aber wir [lachend:] haben gar nichts gehabt und äh das war das Ende

[1:31:15] wir sind dann auf dieser Straße nach äh Trentschin in die Stadt gegangen und auf beiden Seiten der Straße auf einer Seite waren die Toten der Roten Armee auf der anderen Seite

[1:31:33] die Toten des der deutschen Armee und in diesem das war der Weg in die Freiheit von dort sind wir dann äh nach Bratislava gekommen und da komm ich jetzt zurück auf diese Geschichte mit äh   mit dieser Dame welche uns äh welche in die Wohnung gegangen ist  

[1:31:58] ich bin ich entscheide mich dass ich nach Bratislava gehe und äh   die Eisenbahnen da sind schon   als Rote Armee-Soldaten und Flüchtlinge Chaos ein absolutes Chaos und äh so komme ich nach Bratislava und es ist schon nach Mittag und äh Bratislava ist drei

[1:32:30] Tage nach der Be- nach der   nach der Roten Armee nach den Ein-   und am Bahnhof äh Soldaten und Flüchtlinge und äh und Frauen welche welche sich Angst haben dass sie vergewaltigt werden Chaos und ich äh sage »also ich will da nicht übernachten« und äh

[1:32:59] es ist Befehl nach sechs Uhr muss jeder äh   also da wer auf der Straße ist wird erschossen aber ich sage »ich kann wohin kann ich gehen ich gehe in das Haus« und »wo wir gewohnt haben« und äh so komm ich so abgerissen und zerrissen und schmutzig und

[1:33:23] äh die das Haustor ist geschlossen und ich klopfe und ich höre Stimmen alle Männer des Hauses sind bei der Haustür damit sie schützen das Haus und die lassen mich selbstverständlich gleich herein und äh   ja ich sage ihnen »ich bin hier« und sind äh

[1:33:49] äh die Beziehungen zu den Nachbarn waren sehr gut so dass sie empfangen mich schön aber in so einer Situation die Stimmen gehen schnell und plötzlich kommt diese Frau welche die Wohnung übernommen hat und sie ich sehe sie ist in Schock ja und sie sagt

[1:34:18] »ja Sie können sofort kommen und Sie können wohnen und Sie können bleiben« und so und ich entscheide mich ich ich äh werde dort übernachten und ich gehe herauf und äh das Zimmer wo ich äh gewohnt habe und plötzlich ein reines Bett nach Monaten und

[1:34:46] eine warme Decke und ich war diese Nacht äh   [bewegt:] der Kastanienbaum   und im Nebenzimmer war die Frau der Mann war irgendwo im Militär und inzwischen hat sie noch ein Baby gehabt und die weinen und sie versucht sie zu äh beruhigen [bewegt]  

Christoph Schönborn

[1:35:32] und sind Sie dann äh dort länger geblieben und sind dann ?

Samuel Givoni

[1:35:48] nein   und diese [räuspert sich] diese Töne das war   [bewegt:] so wie in den Baracken

Christoph Schönborn

[1:35:58] mh   machen wir ne kurze Pause [Schnitt]

Samuel Givoni

[1:36:10] als es Licht wurde [räuspert sich] hab ich die die Wohnung verlassen und ich bin äh nie mehr zurückgekehrt äh einmal als wir (viele) Jahre später mit meiner Familie äh nach äh in die Slowakei Besuche machten habe ich ihnen das äh Haus gezeigt und äh

[1:36:40] wir sind auch in die Wohnung eine ganz fremde Frau hat dort gelebt aber sie war sehr nett hat gesagt »bitte kommt ihr wollt sehen« ich hab auch ein bisschen fotografiert und so dass äh äh meine Familie meine Kinder und Enkel haben eine Ahnung wie wir gelebt

[1:36:58] haben   aber das äh das war dort das Ende ja ?  

[1:37:07] ich möchte noch eine eine kleine Episode erzählen diesmal etwas mit Humor weil   jeder Tag war war ein Tag welcher der letzte Tag sein konnte und jeden Tag konnte man auf einer Banone Banane ausrutschen und

[1:37:31] äh und einen Unfall haben das war in der Zeit wo ich äh gearbeitet hatte bei diesem Justus äh als Installator auf einem Bau und ich bin auf den Stock und arbeite dort und äh man hat immer die Antennen offen und ich sehe ein Auto mit zwei Polizisten kommt

[1:37:55] und geht zu dem äh dort war so ein kleiner Schuppen wo der Bauleiter sein Büro hatte und sie gehen dort herein und sie gehen heraus und gehen geradeaus zu den Ort wo ich meinen Tisch habe wo man die Gewinde schneidet es war unter einem Baum damit Schatten

[1:38:19] sein soll so mitten neben dem neben dem Haus welches man baute und äh selbstverständlich ich war schon aber ich beobachte so mit einen Auge und ich sehe dass sie sprechen und ich sehe sie bücken sich und schauen etwas auf der Erde und äh ich habe das Gefühl

[1:38:44] dass sie [gestikuliert] auf das Haus schauen so z- auf in meine Richtung und dann hab ich schon den Entschluss fertig wenn sie die Stiegen herauf gehen ist die Gerüste stehen noch auf den Haus ich gehe auf den Gerüsten herunter und verschwinde und werde

[1:39:04] sehen was weiter wird aber das Ende war ich sehe sie unterhalten sich sehr gut sie lachen sogar und gehen ins Auto und fahren weg jetzt selbstverständlich ich bin sehr nau- neugierig aber das Letzte was man tun kann ist äh fragen was war aber als ich äh

[1:39:28] herunterkomme und dieser Bauleiter sieht mich sagt er »stell dir vor was da passiert« und er sagt »diese Polizisten die kommen zu mir und du erinnerst dich da ist eine Frau welche gearbeitet hat auf dem Bau und sie hat genommen von äh« das ist so ein

[1:39:53] ein schwarze äh wenn man diese Ge- schneidet die Gewinde auf dem Rohr dann gibt man Öl drauf und äh dann ist so ein schwarze Pasta welche bleibt sie hat diese schwarze Pasta sie hat einen Kuchen gebacken und ihrem Mann Wodka gegeben und den Kuchen und er

[1:40:16] hat das mit diesem Eisen- -pasta gegessen und äh ist wahrscheinlich gestorben und die Polizei äh   sucht und sie sagen »da muss sicher ein Mann im Spiele sein weil von wo hat sie diese Idee« aber dieser Bauleiter er war er hat nicht gewusst selbstverständlich

[1:40:41] dass ich Jude bin und so hat kein er hat äh er hat gesagt was äh und er hat ihm erklärt »das ist das ist doch hier jeder Mensch kann da herkommen und diese Pasta nehmen« und äh das war das Ende der Geschichte aber wenn äh wenn er zufällig äh gesagt

[1:41:04] hätte »ja da ist der Mann der arbeitet und« das genügt um äh dann wenn man mich dann näher nachschaut was da ist und dann plö- das ist das Ende ja ? das wollte ich nur erzählen weil äh   ein in so einer Situation diese fünf Jahre jeder Tag konnte der

[1:41:33] letzte Tag sein äh

Lennart Bohne

[1:41:35] haben Sie in äh Bratislava welche Ihrer Bar Kochbianer wieder getroffen ?

Samuel Givoni

[1:41:39] ich habe viele Bar Kochbianer ich habe Ihnen gesagt die mei- die Älteren die waren ja im Ausland und wir haben nach dem Krieg Bar Kochba-Treffen organisiert und es waren fünf solche Treffen das letzte war hier äh drei Kilometer von uns ist Shavei Zion so

[1:42:02] ein Ort wo wo sie ein so ein kleines Hotel haben und in diesen Hotel war das letzte Treffen und da waren diese älteren Leute waren schon   über neunzig und viele waren schon nicht mehr dabei und das war das letzte Treffen   aber ich wollte   wegen meiner Mutter

[1:42:29] ja wie ich trotzdem in Kontakt war sie war   in der Familie ein Onkel war ein großer Getreidehändler und er hatte eine Legitimation dass er in dieser Zeit noch als die ersten Transporte waren war er mit seiner Familie noch in Bratislava sie mussten ihre Villa

[1:42:58] verlassen und waren auch in diesem jüdischen Viertel aber ich hatte die Möglichkeit aus Sered in Bratislava zu besuchen um (anst-) um zu kaufen äh das B- Material und diese und dadurch hatte ich die Möglichkeit in Bratislava zu besuchen und da hab ich

[1:43:22] immer die Möglichkeit gehabt mit den Onkel ge- Kontakt zu haben und zu erfahren was und was mit meiner Mutter ist meine Mutter ha- war damals äh   ihre Schwägerin war schon in Auschwitz und sie war bei einer Familie versteckt sie wir zahlten ihnen jeden

[1:43:46] Monat äh Summen und   und ich äh bin i- dort hingegangen sie zu besuchen und da kam ich im Moment der größten Krise diese Leute haben ihr gesagt »jetzt musst du verschwinden die Nachbarn wissen schon und wenn wenn man sie wenn man dich bei uns findet dann

[1:44:13] äh   haben wir einen große Unannehmlichkeiten« und ich bin dort und äh ich sage der Mutter »also komm wir gehen« aber ich habe keine Ahnung wohin und ich muss zurück sein im Lager nächsten Morgen und so hab ich mich entschieden ich nehme sie mit und

[1:44:38] äh wir kommen zum Tor beim Tor ist ein Gardist damals waren die das Kommando waren Hlinka Gardisten er war er kennt mich und ich sage ihm »hello« und er sieht noch eine alte Frau und äh das interessiert ihm nicht er sagt »ja guten Abend« und wir gehen

[1:44:53] beide herein und ich geh zu den jüdischen Lagerältesten und sage ihm »das ist meine Mutter finde ihr   einen« (oh ich) erkläre ihm was da ist und er sagt »ja gut« und äh dort ist eine Baracke für Frauen und jetzt ist sie illegal in einen Lager von

[1:45:24] wo Transporte nach äh nach Auschwitz gehen den nächsten Morgen ich habe die Möglichkeit mich frei zu bewegen und sie sagt mir »ja das ist nicht für mich« [lachend:] waren ihre Worte und ich sage »ja ich glaube da ist niemand welcher glaubt dass das

[1:45:58] für ihn ist aber wir werden etwas machen« und äh »ein bisschen Geduld« und ich komme wieder nach Bratislava und äh ich komme wieder zu diesem Onkel und er gibt mir eine andere Adresse und das sind äh sehr sehr anständige Leute welche ich zufällig

[1:46:13] auch kenne Tschechen und sie leben in einer kleinen Villa in Bratislava in den Bergen und dort äh aber jetzt muss ich meine Mutter irgendwie heraus kommen mit aus den Lager also herein ist kein Problem aber heraus und das haben wir so wieder das gesagt unsere

[1:46:37] unser Vorteil und unsere Kraft war diese Freundschaft und die Gruppe [räuspert sich] sie entscheiden sich »ja also sicher wir helfen und wir machen für die Mutter eine gefälschte äh dass sie dass sie dass sie im Lager ist und einen eine (sie kann) nach

[1:47:00] Bratislava fahren aber das ist nicht genug gut um dem Tor herauszugehen sie ist genug gut im im Zug wenn uns jemand äh   äh legitimiert dann kann das äh gut sein« und dann entscheiden meine Freunde wir machen das so im im Sered ist dann ein Betrieb ein

[1:47:26] großer Möbelbetrieb welcher Möbel sehr gute Möbel baut und dort ist eine eine Leiter eine [gestikuliert] doppelte Leiter eine hohe Leiter sagen »wir nehmen diese Leiter wir bringen sie an eine Stelle dort ist ein Holzmaterial dort ist der Zaun wir stellen

[1:47:48] das auf den Zaun ihr beide geht über die Leiter wir bringen die Leiter zurück so dass sie wieder an Ort ist und so machen wir das« und meine Mutter welche damals schon nicht so jung ist [gestikuliert] geht an einer Leiter und geht über die Leiter und wir

[1:48:06] gehen nach Bratislava und ich bringe sie in diesen neuen Platz und dort war sie dann Monate Jahre und ich hab sie einige Mal besucht ich habe sie besucht und habe ihr erzählt über ihre Schwester in Budapest und sie ich sehe sie sie kann es schon nicht begreifen

[1:48:34] wie und was und ich überzähle erzähle ihr über die Partisanen aber die Besuche sind sehr selten weil das ist sehr gefährlich und ich will nicht so es waren insgesamt vielleicht zwei drei Besuche der letzte Besuch war im letzten Winter und sie wohnt in

[1:48:59] einen kleinen Zimmer und äh hat eine Nähmaschine und sie näht sie war doch eine gute Fachfrau und sie sagt »ich mache die Ausstattung für für (Lilly) « das war ihre Beschäftigung und so hat sie gelebt dort äh äh fast drei Jahre und äh im letzten

[1:49:25] Kriegsjahr äh hat man irgendwie den Platz verraten ich weiß nicht genau und sie ist über Sered nach Ravensbrück gekommen und in Ravensbrück ist sie im Februar ist sie umgekommen Februar des letzten Kriegsjahres   das war die Geschichte mit meiner Mutter

[1:49:49]  

[1:49:53] jetzt vielleicht noch etwas äh nach dem Krieg ich habe nach dem Krieg haben wir mit meinen   Freunden wieder den Hashomer Hatzair äh organisiert und ich war in der Leitung dieser   neuen Organisation und äh meine besondere Aufgabe war es äh es waren

[1:50:23] gro- eine Menge Flüchtlinge welche durch Bratislava und äh durch die Slowakei nach Österreich und von Österreich über die Alpen nach Italien und von Italien äh mit illegalen Schiffen und auf diese Weise habe ich auch mit so einer Gruppe   meine Aufgabe

[1:50:50] war es sie zu bringen nach Italien und dann zurück zu kommen und es war eine sehr interessante Reise ich habe viel auf meine Erfahrung als äh auf meine Kriegserfahrung dabei nützlich gemacht und äh wir sind mit dieser Gruppe über Ungarn und Jugoslawien

[1:51:19] sollten wir nach Italien das war das sollte das erste Mal sein dass wir versuchen sollten über Jugoslawien und nicht über die Alpen weil die Alpen das war ein Problem mit den Gruppen mit Kindern und Frauen und so und so bin ich äh bis bis zur jugoslawischen

[1:51:45] Grenze sind wir mit äh   mit jemanden welcher diese Reise mehrmals gemacht hatte und das genau kannte und in Jugoslawien an der Grenze sagt er mir »so jetzt bist du alleine du bist jetzt äh du musst sehen wie du weiter machen kannst« und wir kommen äh

[1:52:08] nach Jugoslawien und einfach man nimmt uns herunter von den Zug und bringt uns in ein äh Kriegsgefangenenlager ich sehe um mir deutsche Soldaten Kriegsgefangene und äh unsere kleine Gruppe steht dort in der Mitte und die die kommen näher das ist sehr interessant

[1:52:36] aber zum Schluss äh   und eine große Spannung in der Gruppe das ist eine sehr unangenehme Situation   und dann sagt man »wer ist der Kommandant« und sage »ich bin der Kommandant« »also komm zu dem Kommandanten« und äh   er s- er ruft mich ins Büro und

[1:52:59] ich sage »ja diese Gruppe das sind äh griechische Kinder« weil wir haben einen Ma- Sammel- sozusagen einen Sammelpass gehabt welchen wir selbst ausgestellt haben »das ist eine Gruppe von von äh griechischen Kindern jüdischen Kindern welche im KZ waren

[1:53:19] überlebt haben und ich soll sie nach Griechenland bringen« und der Kommandant hört zu und sagt »ja du glaubst dass wir so blöd sind ?« [lacht] und und äh   er sagt aber »ja wir sind doch Kommunisten und wir sind mit euch dass ihr die die englischen Kolonialisten

[1:53:46] vertreiben sollt also wir werden euch helfen und äh wir geben euch äh ihr könnt ruhig weiter fahren nach Italien ich hab eine kleine Bitte ich hab hier zwei Leute welche wir da irgendwie sitzen geblieben sind vielleicht nimm sie mit mit deinen Sammelpass«

[1:54:07] und ich denke mir »nu was kann schon ein Unterschied sein zwischen sechsundzwan- cinqu- äh 55 drei-« weil ich hab 55 äh Leute gehabt auf dem Sammelpass und ich okay ich habe auch keine Möglichkeit gehabt äh zu streiten ja ? und wir wir   wir gehen auf

[1:54:33] den Bahnhof Eisenbahn diesmal normale Waggone und die Kinder haben äh selbstverständlich kein Wort kein Wort Slowakisch und kein Wort Ungarisch und »ihr müsst äh« aber wenn wenn wir fahren und wir plötzlich sehen sie das Meer und [lachend:] alle schreien

[1:54:54] »das Meer« in Slowakisch in Ungarisch aber wir kommen zu der Grenze und äh jetzt ist ein Problem weil damals ist eine große Spannung zwischen Jugoslawien und Italien wegen Grenzkonflikt und äh die kontrollieren uns äh sie wollen zählen und ich äh  

[1:55:20] ich sage ihnen »ihr« und immer sind zwei zwei Leute zu viel ja ? und immer immer sind das unsere Leute [lacht] die sind geschickt und die verschwinden und ich hab keine Ahnung bis heute wie sie waren ob sie die jugoslawische Kommunisten waren welche sie infiltrieren

[1:55:44] wollten oder ob ein Sch- ein Geschäft mit Deutschen welche flüchteten nach Italien nach Vatikan ich weiß nicht bis heute aber zum Schluß auf die Reise hat man mir mitgegeben amerikanische Zigaretten und eine Flasche mit Brandy und äh nachdem sie zählen

[1:56:12] [auf Italienisch:] 55 dann gebe ich ihnen ein Paket amerikanische Zigaretten und sage [auf Italienisch:] 50 six cinqu- und das ist genug und der und diese zwei verschwinden wenn wie wir nach Fiume ankommen und dort erwartet uns die der (_) jüdische das Jüdische

[1:56:36] Komitee mit Orangen das sind die ersten Orangen und äh   und meine Aufgabe ist eigentlich vorüber ich bringe sie eine Gruppe bringe ich nach äh   äh das ist ein Ort in Italien ich hab die Fotografie hier äh   das war ein ein   ein Kurort für die faschistische

[1:57:03] Jugend und (_) jetzt äh ist das für die Flüchtlinge also die junge die junge Gruppe soll ich dort hinbringen ich bringe sie hin und äh dann die ältere Gruppe soll ich äh nach Milano bringen und äh   dort ist äh   ein ein Haus von dort soll d- das äh

[1:57:32] »dort ist äh diese ist die palästinische Brigade und die werden euch weiter helfen« und äh ich soll es so machen dass wir kommen nach Milano und äh jeder weiß ja wo der Dom in Milano ist und äh ich frage wo der Dom ist und man erklärt mir und die

[1:57:57] Gruppe verteilt sich in Leute von drei vier und sie gehen in meiner Spuren und wenn ich zum Rom komme dann wenn ich   neben dem Dom stehe »dann geradeaus die dritte Straße nach links und dann die erste Straße nach rechts und Nummer fünf Via dell`Unione

[1:58:23] cinque und das ist die Adresse und so sollst du sie hinbringen« also ich äh als erster ich mache das genau so und gehe mit der mit äh nach dem Plan und alle nach mir und wir kommen zu dell`Unione cinque und dort ist alles in Ordnung jetzt ich habe einen

[1:58:46] Beweis dass das genau war weil so dreißig Jahre später mit meiner Frau waren wir zu Besuch in Milano und wir sind beim Dom und äh   ich sage »ja also jetzt eine einmal rechts zweimal links Nummer fünf Unione« und dort ist jetzt ein steht ein italienischer

[1:59:12] Polizist und ich sage ihm »kann ich den Hof sehen ?« sagt er »ja« und äh der Offizier sagt »ja du warst auch hier ?« der sagt »ja auch der Kommandant der von der Tel Aviv Polizei war hier und er hat mir auch erzählt er war hier (Weg) « also das war

[1:59:35] mein mein Besuch äh nach Milano dann hab ich diese Gruppe äh die älteren der der Gruppe habe ich nach Genova gebracht und dort äh dort äh   war eine Villa und dort sollten sie warten auf das Schiff und äh ich habe ihnen dort haben wir uns verabschiedet

[2:00:02] und dort war auch noch ein Zwischenfall ich hab schon das Schwimmen gesagt das war meine Leidenschaft das war zwar April aber wir   wir sind in zum Meer gegangen und es ist nicht weit und ins ins das dort ist die Promenade und ins Wasser und äh wir schreien

[2:00:25] Slowakisch und so und plötzlich a- Leute äh versammeln sich und das ein »die Russen sind da« [lacht] und in einem »Stalin Stalin« [lacht] und da kommt jemand welcher verantwortlich für das Haus und sagt [lachend:] »verschwindet so schnell wie möglich

[2:00:49] schwimmen nicht hier« also das sind diese   äh (des) illegalen Lebens es hat äh   das hat sich nur (getan) in Israel

[2:01:05] ich bin ich war in äh ich bin dann mit einer zweiten Gruppe aber diesmal sollte ich mit dieser Gruppe bis nach Israel und äh wir waren neun

[2:01:18] Monate in Zypern und neun Monate in Z- in It- in Belgien und Frankreich und dann zum Schluß neun Monate in Zypern und auch dort die äh   die welche äh über   über 19 waren durften noch damals nicht äh in nach Palästina kommen weil das war das ist noch

[2:01:53] nicht zum Militärdienst   ich war verantwortlich für die Kinder aber da hat man sich dort beschlossen dass ich gehe auch weil nach so vielen Jahren muss man irgendwie und äh   ich bin so mit den Kindern als und (__) nach Israel komme und ich sage »17« und

[2:02:20] das war schon jemand von der Jewish Agency sagt der [lachend:] »jetzt von von diesen Moment an nur die Wahrheit« und dann hab ich schon meinen richtigen Personaldaten eigentlich und das war das Ende äh von damals hab ich schon keine falschen Papiere und

[2:02:43] äh ich bin   in einen Ort ganz nahe hier es heißt Kfar Masaryk das sind auch äh wurde gegründet von Hashomer Hatzair aus der Tschechoslowakei und äh unsere Gruppe kam dort hin und wir waren dort äh ein   ein halbes Jahr und äh dann haben wir hier diesen

[2:03:11] Kibbuz gegründet   zuerst waren wir in einer neben Akko war eine Landwirtschafts- eine britische landwirtschaftliche -s Institut und äh man hat uns dort hingeschickt es war Krieg die Engländer haben verlassen und wir sollten diesen Platz sichern damit er

[2:03:37] nicht äh   damit äh das nicht äh verloren geht alles also wir waren dort äh einige Monate und dann haben wir diesen Ort bekommen das ist ein Ort wo eine Templerfamilie gelebt hat diese Templer während des Zweiten Weltkrieges waren sie nach Australien äh  

[2:04:04] nach Australien übersiedelt und die leben bis heute dort und ich habe sie auch diese Familie begegnet die haben auch einmal sind sie gekommen äh   die Heimat zu sehen die gewesene Heimat und äh   dieses Haus steht bis heute und äh  

[2:04:27] das ist hier unser   unser

[2:04:31] Ort hier haben wir unser Leben gebaut und hier habe ich meine Frau geheiratet ich habe sie gekannt wir haben uns begegnet noch in der Slowakei äh im Rahmen des Hashomer Hatzair aber so richtig Familie und so das war hier in in in Schomrat und äh wir haben  

[2:04:58] fünf Enkelkinder drei von unsern Sohn in Schomrat und zwei von unserer Tochter in Tel Aviv und äh sie sind alle   gelungen im Leben haben ihre Zukunft haben ihre Pläne haben ihre Erfolge und äh das ist für uns äh   der Beweis dass es   wert war

Christoph Schönborn

[2:05:31] ähm hast du noch ne Frage Lennart ?

Samuel Givoni

[2:05:37] ja Fragen ? gerne

Christoph Schönborn

[2:05:40] bitte

Lennart Bohne

[2:05:42] dann würde ich ähm gerne wissen wie das für Sie war dies Wissen um Palästina ähm das Sie schon lange hatten dass Sie auch schon in in Bratislava hatten als Sie dann nun endlich äh hier ankamen ähm und dann dieses Aktivwerden das Aufbauen eines Staates

[2:06:02] ähm wie Sie das empfunden haben

Samuel Givoni

[2:06:06] ich äh es war nicht viel Überraschungen es war weil wir haben so viel über den Kibbuz gehört und während dieser einseinhalb Jahre da hab ich (eben) auch da waren auch Leute aus Kibbuzim welche in ei- in Zypern waren und äh so dass äh   wir wussten wohin

[2:06:30] wir gehen das war das war ein Vorteil ja ? und selbstverständlich das war während des Krieges und ich war auch eingerückt und äh äh ich war auch dabei aber äh   es war für uns die Erfüllung äh eines Traumes yes ? also bei der Erfüllung sind immer auch

[2:06:54] äh   Enttäuschungen sind immer auch Sa- Dinge welche anders sind sie haben es gibt doch im Frühling hier Mücken die heißen (Barchatsch) so ganz kleine Mücken und äh das war für uns eine Überraschung das war ein Jahr das war Krieg und dies waren die

[2:07:20] es war auch nicht so richtig äh die Erde äh bearbeitet da war ein ein viele von diesen Mücken und das war schrecklich wir wussten nicht wir arbeiteten draußen in dem Feld und wir haben uns mit [gestikuliert] nefte und so und da haben wir immer so halb

[2:07:43] im Scherz gesagt »darüber habt ihr uns nie erzählt« ja [lacht] und das also das sind äh die Wirklichkeit ist immer anders aber alles zusammen wir wussten das ist unser Leben und wir wussten äh   wir wollten nie   in die Slowakei o- irgendwie so etwas in

[2:08:07] dieser Hinsicht äh   waren wir sicher dass es so ist bis heute habe ich sehr gute   diese Gruppe wer noch lebt wir sind im Kontakt praktisch äh (Eva und Bert Klug) sie leben ins Brisbane und äh er ist äh er ist Psychiater und dann haben wir   in äh Negev

[2:08:42] in Beer Sheva Familie (Pressburger) welche äh welchen wir Kontakt haben und äh   das äh bis heute das verbindet uns und äh wir denken an diese Jahre   und wir sind froh dass es anders dass dann dass es gut ausgekommen ist

Lennart Bohne

[2:09:11] was hatte das für eine Bedeutung für Sie wie Sie vorhin sagten noch einmal nach Bratislava zurückzukehren viele Jahre später und

Samuel Givoni

[2:09:23] ja es hatte die Bedeutung weil ich wollte einfach ich habe so viel meiner Familie erzählt natürlich bei verschiedenen Gelegenheiten wir wollten ihnen zeigen   von wo wir kommen und so sind wir leider meine Enkelin meine junge Enkelin war in Militär damals

[2:09:45] und sie bekam keine Bewilligung und ein einer war in Südamerika Ausflug und aber alle so dass wir wir waren eigentlich äh vier Enkel und äh zwei Enkel von meiner Tochter die waren beide und von hier war noch ein Enkel der Älteste und äh das war für sie

[2:10:15] sehr interessant und auch für uns wir sind nach Budapest geflogen und von dort haben wir Autos genommen und äh   sind nach Bratislava gefahren und dort haben wir drei Tage ich habe ihnen gezeigt und ich habe ihnen gezeigt diesen Mann   von welchem ich erzählt

[2:10:39] habe welcher der Direktor der Bier- Bierlagers war und der war Ingenieur und hat dort in Bratislava gelebt und hat uns sehr schön empfangen   und dann sind wir durch die ganze Slowakei nach Kaschau gefahren und auf dem Weg konnte ich ihnen zeigen in der Tatra

[2:11:04] das Partisanengebiet und äh im in der Umgebung von Kaschau haben die Eltern die Großeltern von meiner Frau gelebt in einem kleinen Dorf und sie hat eine genaue Erinnerung dass sie dort zu den Feiertagen bei ihrer Großmutter besucht haben und wir sind in

[2:11:30] dieses Dorf gekommen und haben gefunden den Ort und den kleinen Bach neben den Haus und eine Nachbarin welche damals ein Kind war hat uns erzählt dass äh »ja ich habe sie gekannt« und äh »ich habe besucht in ihren Haus« und und das war eine ein sehr

[2:11:53] schönes äh Erlebnis dort in in diesen Dorf und sie haben jetzt äh   sie wissen sie können haben einen Begriff wie wie das Leben war und äh wie das ausschaut

Christoph Schönborn

[2:12:08] ähm vielleicht ich hab noch eine Frage zu Ihrem Sport Sie haben so viel erzählt von Ihrem Sport

Samuel Givoni

[2:12:19] ja

Christoph Schönborn

[2:12:21] und Sie haben ähm uns eben auch erzählt äh während der Jahre im Untergrund Sie haben so oft so viel Mut bewiesen so viel äh sich einfach hingestellt und äh   Bewilligungen geholt ähm glauben Sie dass Sie aus dem Schwimmen so so ein ein Selbstbewusstsein

[2:12:42] gezogen haben oder war das mehr einfach irgendwie

Samuel Givoni

[2:12:45] man weiß das nie bevor man nicht in der Situation ist ob man es hat oder nicht hat das äh

Christoph Schönborn

[2:12:55] ja dann ähm wenn Sie noch was noch ein Schlusswort haben oder das Ihr Schlusswort war ? ansonsten würden wir uns sehr herzlich bei Ihnen bedanken dass Sie uns das Interview gegeben

Samuel Givoni

[2:13:12] [gleichzeitig:] ja ich glaube dass das das Schlusswort sein kann und ich hoffe dass das irgendwie jemand welcher keine Ahnung hat äh   dass er etwas daraus äh lernen kann weil ich wollt- die Tatsachen sind ja   heute weiß das jeder was war wie es genau war

[2:13:36] und wie man vernichtet hat und äh   das ist äh   ei- jemand hat hier in Israel gesagt äh »das Kino ist wie das Leben nur ohne die faden faden äh Episoden« ja ? (da) ist irgendwie so aber das waren das waren äh   fünf es waren sechs Jahre eigentlich welche

[2:14:10] verloren sind weil außer außer den äh   das waren die Jahre wo man studieren kann wo man leben kann wo man jung ist und äh   das ist alles verloren gegangen

Christoph Schönborn

[2:14:28] ja dann bedank ich mich für Ihre sehr dichte und intensive Schilderung Ihres Lebens äh vielen Dank

Lennart Bohne

[2:14:40] herzlichen Dank

Samuel Givoni

[2:14:42] wenn Sie einmal jemand eine eine nicht Kritik aber eine Zustellung von jemandem haben dann würde mich das interessieren ja jemand welcher das hört und äh und äh sagen kann was ihm das äh   im ihm das für ihm irgendwie   etwas Neues gebracht hat

Lennart Bohne

[2:15:03] das werden wir Ihnen natürlich dann übermitteln

Samuel Givoni

[2:15:06] ja

Lennart Bohne

[2:15:08] vielen Dank

Datum Ort Text
ab 1923 Pressburg Geburt
1929 - 1931 Pressburg Besuch einer deutschsprachigen Schule
1932 - 1939 Pressburg Besuch einer slowakischsprachigen Schule, Schulverbot
ab 1941 Sered (Zwangsarbeitslager) Zwangsarbeit als Wasserinstallateur, Flucht
1942 - 1944 Budapest Leben in der Illegalität
ab 1944 Slowakei Rückkehr in den Slowakischen Staat, Leben mit gefälschten Papieren
1944 - 1944 Slowakei Teilnahme am Slowakischen Nationalaufstand
1944 - 1945 Pressburg Illegale Rückkehr, Arbeit für Untergrundorganisationen, Verrat und Verhaftung
1945 - 1947 Italien Schmuggel von überlebenden Waisenkindern, Ausreise, Inhaftierung auf Zypern
1945 - 1945 Zwangsarbeit
ab 1945 Pressburg Flucht aus dem Deportationszug; Kriegsende in Trentschin, Rückkehr
1948 - 2013 Schomrat Gründung des Kibbuz, Arbeitsleben
Pressburg Eintritt in die zionistische Jugendorganisation Hashomer Hatzair
Samuel Givoni wurde am 30. Juni 1923 in Pressburg als (Tibor Salamon) geboren. Seine Eltern führten ein Weißwäschegeschäft, welches der Familie – Samuel Givoni hatte eine ältere Schwester – ein bescheidenes Leben in bürgerlichen Verhältnissen ermöglichte. Die Religion spielte eine untergeordnete Rolle, dem Vater war es wichtig, dass seine Kinder sich assimilierten: Während im Elternhaus Deutsch und Ungarisch gesprochen wurde, musste Samuel Givoni eine slowakische Schule besuchen, in der in der Landessprache unterrichtet wurde.

Im Zuge des Münchener Abkommens vom September 1938, wurde 1939 die Slowakische Republik ausgerufen. Als eine Art Sattelitenstaat des Deutschen Reiches wurde die nationalsozialistische Gesetzgebung übernommen. Samuel Givoni durfte nicht weiter die Schule besuchen. Freundschaft und Zusammenhalt fand er fortan im jüdischen Schwimmverein Bar Kochba und in der zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair. Sein Vater erkannte das sich nahende Unheil: Ihm gelang es, 1938, der älteren Schwester von Samuel Givoni, einen Ausbildungsplatz als Krankenschwester in England zu vermitteln. Samuel Givoni begann eine Ausbildung zum Wasserinstallateur, wurde jedoch 1941 gekündigt und kam in das Arbeitslager Sered. Durch seine Spezialkenntnisse als Installateur wurde er zur Zwangsarbeit eingesetzt. Durch seine Position konnte er während der bereits einsetzenden Deportationen für viele seiner Freunde Beschäftigungsmöglichkeiten erwirken. Die Gruppe von Freunden und Mitgliedern des Hashomer Hatzair schwor sich gegenseitig, einander zu helfen und sich nicht deportieren zu lassen. Auf illegale Weise verließen sie das Lager.

Samuel Givoni gelang die Flucht ins ungarische Exil. Über den Hashomer Hatzair wurden ihm gefälschte Papiere und eine Scheinidentität verschafft, mit der er zwei Jahre in Budapest lebte, bis die Wehrmacht Ungarn im März 1944 besetzte. Er entschied sich in die Slowakei zurückzukehren, wo er mit falschen Dokumenten auf verschiedenen Baustellen arbeitete. Im September 1944 schloss er sich gemeinsam mit einem Freund den Partisanen des Slowakischen Nationalaufstands an. In den Bergen trafen sie auf in Palästina geborene Juden, die als Freiwillige gegen die Slowakische Republik kämpften. Seine Sehnsucht nach einem jüdischen Staat wurde in Gesprächen mit ihnen bestärkt. Nachdem der Aufstand von der Slowakischen Republik mit Hilfe von deutschen Wehrmachts- und SS-Einheiten Ende Oktober 1944 niedergeschlagen wurde, kehrte Samuel Givoni in die Illegalität zurück. In Pressburg arbeitete er auf verschiedenen Baustellen. Zusätzlich war er als Bote für illegale Untergrundorganisationen tätig, wurde jedoch verraten und verhaftet. Er kam erneut nach Sered und musste in einem Räumkommando, das in Pressburg Bomben entschärfte, Zwangsarbeit leisten. Im Frühjahr 1945 gelang ihm die Flucht aus einem der letzten Deportationszüge von Sered mit dem Ziel Theresienstadt. Er schlug sich einige Tage durch, bis er im April 1945 Nahe Trentschin das Ende des Krieges erlebte.

Samuel Givoni ging zunächst nach Pressburg zurück. Für eine Nacht kehrte er in die elterliche Wohnung zurück, die nun von Fremden bewohnt war. Ihm war klar, dass niemand aus seiner Familie zurückkehren würde: Der Vater war 1941 verstorben, die Schwester war im englischen Exil und seine Mutter, die drei Jahre im Versteck lebte, war im letzten Kriegsjahr verraten und über Sered nach Ravensbrück deportiert worden, wo sie umgekommen ist. Samuel Givoni wollte so schnell wie möglich nach Palästina. Zunächst schmuggelte er im Dienste zionistischer Organisationen jüdische Waisenkinder über die Alpen nach Italien, von wo aus illegale Schiffsreisen nach Palästina starteten. 1947 reiste er über Belgien nach Frankreich. Mit dem Ziel Palästina schiffte er ein, doch sie wurden von der britischen Marine aufgebracht. Samuel Givoni war neun Monate auf Zypern inhaftiert, bevor er im Mai 1948 den neuen Staat Israel erreichte. In Israel gehörte er mit weiteren Mitgliedern des Hashomer Hatzair zu den Mitbegründern des Kibbuzes Schomrat, wo er fortan für die landwirtschaftliche Wasserversorgung verantwortlich war.