Naftali Arjan (*05.02.1928, Krakau)
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- Signatur
- 01177/sdje/0069
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Cholon, den 19. November 2013
- Dauer
- 02:20:13
- Interviewter
- Naftali Arjan
- Interviewer
- Christoph Schönborn , Martin Hölzl
- Kamera, Licht und Ton
- Lennart Bohne
- Redaktion
- Martin Hölzl
- Transkription
- Ruth Preusse
Als Naftali Arjan nach dem Krieg in seine polnische Heimat zurückkehrte, suchte er vergeblich nach Überlebenden seiner Familie: Fast alle waren ermordet worden. Er selbst hatte sechs deutsche Konzentrationslager und den Todesmarsch nach Groß-Rosen im Januar 1945 überlebt. 1928 in eine jüdische Familie in Krakau geboren, wuchs er in bescheidenem Wohlstand auf. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges und die deutsche Besatzung Polens bedeuteten den Beginn einer langen Verfolgungs- und Leidenszeit. Der Vater floh vor der Wehrmacht, die Mutter musste wenig später mit ihren Kindern in die Kleinstadt Skała umziehen, wo Naftali Arjan schon früh durch Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen musste. Bei einer Deportation wurde er von seiner Familie getrennt und in das Krakauer Julag I zur Zwangsarbeit eingewiesen. Es folgten mehrere Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, darunter auch Auschwitz und Buchenwald, wo er am 11. April 1945 durch amerikanische Truppen befreit wurde. Bei der Befreiung wog er nur noch 32 Kilogramm. Im Januar 1949 wanderte er nach Israel aus, wo er sich als Dachdecker eine berufliche Existenz aufbaute, heiratete und eine Familie gründete. Nach seiner Pensionierung engagierte er sich als Zeitzeuge und berichtete vor Schulklassen und israelischen Soldaten von der Verfolgung seiner Familie. Zum Zeitpunkt des Interviews war Naftali Arjan 85 Jahre alt.
Vorkontakte
üblicher Schriftverkehr, Anruf vor Israelfahrt, Vorgespräch zwei Tage vor dem Interview in seiner Wohnung in Anwesenheit der Ehefrau Syma Simcha
Bedingungen
insgesamt gute Bedingungen im Wohnzimmer von NA; leichte Probleme durch die Beleuchtung durch die Deckenlampe (Spiegelungen auf der Stirn) und gelegentliche Hintergrundgeräusche durch spielende Kinder und bellende Hunde des Nachbarn
Gruppensituation
CS, MH, LB Kamera, im Hintergrund anwesend die Ehefrau Syma Simcha
Unterbrechungen
eine wie vereinbart nach einer Stunde, eine weitere wie vereinbart nach der zweiten Stunde
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Berlin), intern
Eindrücke
NA wirkte entspannt, hat uns zusammen mit seiner Frau auch persönlich sehr herzlich aufgenommen; erzählte flüssig, ohne jedoch einen „einstudierten“ Eindruck seiner Erzählung zu hinterlassen; geübter Erzähler, seine Schilderungen waren lebendig und detailliert; die geschilderten grausamen Erfahrungen waren als Interviewer in manchen Augenblicken nur schwer zu ertragen; in den Interviewpausen und nach dem Interview sehr herzliche Atmosphäre, sehr nette Verabschiedung, NA schenkte jedem aus dem Team kleine, selbstgemachte Holzpräsente
[0:00] es ist der 19te November 2013 wir sind zu Gast bei Naftali Arjan hier in Cholon in Israel und führen ein Interview für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin das Projekt wird unterstützt von
[0:18] der Kulturstiftung des Bundes ich bin Christoph Schönborn und führe das Interview gemeinsam mit Martin Hölzl Lennart Bohne ist für Kamera Licht und Ton zuständig [Schnitt] ja Herr Arjan
[0:32] [gleichzeitig:] mein mein Name ist Naftali Arjan geboren in Krakau fü- äh fünften Februar 19 28 äh wohne in Krakau bis dem Kr- äh Ausbruch von dem Zweiten Weltkrieg (er) hat ich habe zwei Schwestern Eltern und gr- ganz große Familie äh leider bin
[1:04] ich alleine geblieben nach dem nach dem Krieg äh vor dem Krieg geh ich in die Schule in Privatschule hebräische Schule in Krakau äh ich endige äh die fünfte Klasse äh Grundklasse d- d-
[1:23] Grundschule
[1:25] äh Volks- Volksschule (heißt) das
[1:27] ach so
[1:28] äh Sommer gehe ich äh in (oder) zum äh äh nu äh mit den mit viele Kinder gehen wir auf äh zwei Monate Urlaub auch meine Schwester die größ- eine war ein Schwester (war d-) ein Jahr d- größ- älter von mir und die zweite war mit vier Jahre fünf
[1:58] Jahre jünger äh mein Vater hat ein Geschäft mit äh Anzüge für Mä- Männeranzüge äh Mutter hat äh manches Mal hat ist sie gegangen in die in Geschäft helfen dem Vater wenn wir bleiben mit Kinder bleiben mit einer Frau polnische Frau was hat äh
[2:25] au- hat geholfen äh zu äh den zum d- Raumen das Wohnung Kochen und hat sich beschäftigt mit uns auch äh wenn die Mutter war nicht zu Hause äh bis Ausbruch dem Krieg hab ich äh ein gutes Leben gehabt alles äh es hat nix gefehlt zu Hause alles war
[2:58] was äh die Eltern haben gesorgt für alles und zwei Monate zu Urlaub zu fahren kostet viel Geld auch die private Schule hat gekostet äh viel Geld es wahrscheinlich die Eltern haben sich gekonnt leisten das äh ich sag nicht dass wir waren sehr sehr reich
[3:23] aber gut gut gut schöne Wohnung Drei-Zimmer-Wohnung und im äh in Zentrum von der Stadt äh ich muss für zu in der Schule musst ich fahren mit äh elektrische Bahn was war da genug weit war die Schule war in in äh Zen- in Zirkel von der jüdische der
[3:49] jüdische Zirkel wo der viele Juden haben gewohnt dort und wir haben gewohnt auch zu Haus in dem Haus haben gemischt Polne Polne und Juden verschiedene da [hustet] äh dort bei in dem Urlaub das war von äh na wie sagt m- scout äh äh
[4:18] von ner Jugendbewegung
[4:21] Ju- Jugen- ja (ist ein Jungendbes-) äh -Bewegung dort hat man habe ich sehr viel gelernt äh man hat uns äh geschickt zwei Kinder in Wald auf ein ga- ganzen Tag und muss man sich se- nähren von die von die Früchte von äh Wald was dort war sehr viel
[4:47] äh man hat uns geben gegeben zwei St- Streichhölzer zum Zünden ein äh Feuer machen wenn es gelungt nicht ist äh kann man hat was zum Essen mitgebracht man muss backen das als- wenn gelungt nicht esst man nicht waren Kinder von der äh neun Jahre zehn
[5:16] Jahre äh die ä- die größere waren die sind gegangen auf paar Tage drei vier Tage so leben in Wald äh so und man hat uns gelernt viel Sachen praktische Sachen reparieren äh Loch in der Hosen zu zu reparieren Strümpfe reparieren und ich sag das hat
[5:39] mir viel geholfen in die Zeit was ich war in Konzentrationslager was hab ich mich ich konnte hier schaffen etwas als etwas zerrissen etwas hab ich gekonnt nähen und verri- -richten soll äh äh äh
[5:57] in Ausbruch der Krieg ist ausgebrochen ersten äh Sep- n-
[6:05] ersten September 39 und der Bürgermeister ist rumgefahren in äh in Stadt in offen Wagen und hat äh gesagt Männer sollen weg rausgehen von so weggehen von der da nicht nur Juden ! ja auch Polen mein Vater hat hat gemacht eine ein Paket eine (Kiepe) eine
[6:36] Ru- Rucksack lange paar Sachen hat gesagt »Shalo- Wieder-« hat sich gesegnet mit uns und das richtig war der letzte Mal was ich hab ihn gesehen und bis heute weiß ich nicht genau was ist passiert mit ihm hab schon versucht mit nachn Roten Kreu- Roten Kreuz
[6:58] und und noch verschiedene Plätze wir haben nicht gefunden weil ich weiß es war er war in in der äh vor in in äh d- der Territorium was die Russen haben äh zu aufge- reingegangen zu von äh in Polen eine S- eine zur Seite ist der Deutschen und die andere
[7:29] Seite d- die Russen äh die man hat es man (macht die) Schule die Schule Juden darf nicht lernen meine Schwester ist gangen in die in normale Schule polnische Schule waren dort drei Mädel jüdische Mädel man hat sie rau- rausgejagt von diese von der
[7:55] Schule von der (kre- -kler) äh Schule sie war sehr traurig ich war zufrieden dass kein Schule da [lächelt]
[8:06] und
[8:09] äh man darf ni- darf ni- man darf nicht lernen so privat auch nicht wenn man fangt jemanden äh mit ein Buch Lehrbuch oder was äh be- bekommt er Schläge de- Stra- und Strafe man hat gefa- man hat genommen viel Menschen Juden zu verschiedene Arbeit man hat
[8:32] gef- -nommen ein Jude mit Bart und B- und äh äh wie heißt das
[8:39] Schläfenlocken ?
[8:41] Locken
[8:42] ja ? er ist zu nach Hause gekommen ohne Bart ohne ohne (se- we-) sehr und bei sehr viele Fälle waren ohne Stücke von Haut die haben nicht geschoren das Bart die haben rausgerissen äh (nu es) hat be- man hat bekommen Schläge man hat nie gewusst wann man
[9:04] fangt jemanden zur Arbeit o- ob er kommt zurück äh gesund oder überhaupt er kommt zurück wir Kinder auch hat man gemusst etwas ar- arbeiten äh mach- Arbeit machen äh vor dem Krieg hat man gegr- gemacht Schützgraben wir hatten wir haben gemusst das
[9:28] verschütten äh verschütten zurück so (__) äh gehe ich für Brot kaufen muss man stehen ganzes Nacht bis äh bis man macht auf äh das das der Bäckerei und man verkauft das Brot (äh und wenn) vielmal ich komm komm zu die schon bei T- beim äh bei der
[9:57] Bäckerei jemand fangt mir an [gestikuliert] am Haar am äh Hals und schleppt mich raus »du bist Jude du darfst nicht Brot essen« komm ich nach Hause nach ganze Nacht steh- stehen in äh t- zum k- Stehen zum Verkauf- äh zum Kaufen Brot ko- komm ich ohne
[10:21] gar nix äh man muss die ich noch nicht weil ich war noch nicht war noch nicht äh zwölf Jahre darfen nicht von zwölf Jahre muss man tragen [gestikuliert] ein Band ein weißes Band mit blauen äh äh d-
[10:39] Davidstern
[10:42] Davidstern äh Plätze waren [Hundegebell]
[10:46] wir müssen [Schnitt]
[10:49] äh [hustet] äh w- nu
[10:52] der die Armbinde mit dem Davidstern
[10:58] [gleichzeitig:] der ah den den A- Band tragen und äh äh und für gibts Plätze was die Juden darfen nicht gehen st- dann gibts Straßen was auf der Trottoir darf man nicht die Jude darf nicht gehen er darf nur gehen auf die Mitte Straße Geschäfte mit
[11:20] Aufschriften »Juden Hunde Eintritt verboten« in die Tram in der Elektrische waren darf man nur s- äh den Platz wo man ko- geht rein wo die sind Sitzplätze darf man nicht reingehen äh man muss abliefern äh äh verschiedene Materialen was die M- was man
[11:50] die (man hats man hats) gebraucht für die Militär das ist äh äh Mess- Messing und äh und äh äh Blei [hustet] äh es hat nicht lange gedauert hat man unsere Wohnung äh das Geschäft hat man vermacht bald weil der Vater war nicht er war nicht zu
[12:20] Hause man hat vermacht ver- -plomb- verplombiert und äh gem- die Wohnung hat man auch mussen verlassen was war ein ein Off- deutscher Offizier ist gekommen es hat ihm gefallen das Wohnung er will das Wohnung wir gehen wohnen ziehen über zum Großvater Eltern
[12:44] von meine Mutter dort war schon zwei Bruders mit die Frauen und ein Kleinkind wir waren elf Personen und zwei Zi- kleine Zimmern äh und äh
[13:04] Herr
[13:05] noch ein sch-
[13:07] Herr Arjan äh können Sie einmal den Namen Ihrer Eltern sagen und äh den Namen Ihrer Geschwister ?
[13:10] [gleichzeitig:] äh mein Mut- ja ja das stimmt mein Mutter heißt man hat sie gerufen Berta und rich- aufgeschrieben war Bel- Be- Bela Serka mein Vater war Oz- Osiasz Zygmunt und das Hebräisch ist Jeschajahu äh meine Schwester die groß- größere
[13:33] hat sich ge- genennt Syda und die klei- kleinere Henia äh äh wir mussten verlassen äh Krakau war (__) niemand hat war nicht beschäftig bei die Deutschen äh wir verlassen die Krakau die ganze Familie d- wir waren vier Fa- vier Families zwei Bruders
[14:01] von äh Mutter mit die Frauen w- meine Mutter mit drei Kinder und der Großvater mit die Großmutter das sind wir verlassen wir kommen in ein klein Stetl Städtchen was keine Wasserleitung keine Elektriz- Elektrizit- äh keine äh V- Verbindung mit äh nur
[14:30] mit äh Wagens von die mit Pferde äh
[14:35] wie hieß das Städtchen ?
[14:40] dort ham bitte ?
[14:42] wie hieß das Städtchen ?
[14:44] Skała das ist zwanzig Kilometer von äh Krakau nährenswert äh dort hat man gemietet ein Zimmer mit einer Küche und die ga- elf Personen wir wohnen dort äh alles zusammen Wasser holen gehe ich mit ein äh Holzhalter [gestikuliert] solchen was geht auf
[15:06] die Schultern zwei Eimer zum Trinken hat man gebracht von Brunnen und zum Waschen und äh und äh d- d- ra- zu Saubermachen hat man genommen von eine äh Quell- von äh
[15:24] Fluss ? oder
[15:27] Fluss oder oder ein äh
[15:30] ein Teich oder ein ein See
[15:33] natürliche hat es versam- versammelt sich Wasser gibts große solche äh äh Licht Neft äh eine Lampe von Neft or Ka- or Karbid Karbid man hat ausgeloschen hat sehr gestunken gefährlich gestunken das hat äh beschäftig (mit das) kein Beschäftigung geh
[16:09] ich mit die Kin- mit die mit die Kinder von die die Bauern äh mit äh mit Kuh mit äh äh Schafen und äh und äh nu wie heißen die
[16:27] Ziegen ?
[16:29] mit äh zum Feld äh zu füttern diese oder ich helf bei Arbeiten in Feld äh später hab ich mich gefunden Arbeit bei ein äh Stepper das ist eine was näht die Ober- äh von der Schuh Stepper heißt der oder Sch- ?
[16:50] ein Sattler ? oder Schuster ?
[16:53] was näht die die der L-
[16:55] Leder
[16:57] das Leder der Schuhe ? Sattler oder Schuster ein Schuhmacher
[17:02] nein Schuhmacher macht die Sohlen
[17:05] ach so
[17:06] aber wir er hat nur genäht das der obere der
[17:08] Sattler vielleicht ja
[17:11] aber das (ist) wir haben ge- oder vielleicht das ist in Jiddisch Stepper (__)
[17:16] [gleichzeitig:] vielleicht kennen wir das Wort nicht
[17:17] das kann sein das ist ähm ha- Sie haben in Ihrer äh bis dahin nur Polnisch gesprochen oder auch Jiddisch in der Schule
[17:24] äh äh bei zu Hause hat man nur Polnisch gesprochen Jiddisch hab ich gelernt in Lager in äh später
[17:30] also Sie haben auch in der Schule nur Polnisch gesprochen
[17:34] nur Polnisch gesprochen Polnisch und man hat gelernt ein bissel Hebräisch
[17:37] mhm
[17:39] äh paar Stunden in die Woche äh [hustet] dort hab ich gearbeitet und äh er hat mir gelasst äh nähen auf der Nähmaschine weil ich hab alleine gelernt zu Hause wenn jemand war zu Hause hab ich aufgemacht die Nähmaschine hab pro- lernt (_) [lacht] äh
[18:06] das war sein Werkstatt war in ein äh in in in äh Hof (das) waren dort viele viele Werkstätte und Geschäfte (halt) alles jüdische Gesch-
[18:29] da war da ein äh Butcherei das ist Fleisch- äh so äh und einmal ein Tag sind gekommen Deutschen und und haben
[18:40] gehört jemand hat erzählt also der der But- der Fleischhändler verkauft äh Fleisch von koscheren äh
[18:51] koscher geschlachtet
[18:55] koscher koscher geschlachtet u- er hat das gehört w- die Deutschen sind gekommen und er ist weggelaufen ist aus die Deutschen haben (unge-) zusammengenommen die alle Leute was waren dort in die alle Geschäften ich war zwischen die Menschen man hat uns weggestellt
[19:16] o- bei Wand [gestikuliert] mit Hä- Hände hoch »jeden werd- ihr werd- ihr seid äh äh ähm ihr seid hier bis gefinden gefinden dem dem äh dem äh Fleisch- Fleischer« äh wenn man da- man darf sich nicht rühren »wenn jemand rührt sich wird er be-
[19:43] geschossen« und so pas- ist passiert bei ein Mensch ist gestanden neben mir hat sich angefangen zu rühren etwas der Soldat hat heruntergenommen äh Gewehr und hat ihn dann geschossen und der Mensch ist gefallen bei meine Füße ich war damals vielleicht
[20:05] 13 Jahre nicht mehr äh die Gemei- jüdische Gemeinde hat ge- gez- gelungen zu äh äh Auskaufen dem äh dem Fleischer hatten bezahlt äh viel Geld für die Deutschen und äh man hat uns freigelassen aber die Sch- die ganze Stetl hat gesch- gewusst schon
[20:39] dass wir si- stehen dort meine Mutter ist gekommen mir suchen wenn ich befreit geworden bin treff ich die Mutter und ich geh mit ihr (ein etwas) hört eine d- Sol- deutscher Soldat ruft mir »Jude komm her« wieso hat er gewusst Jude der [gestikuliert] Armband
[21:00] von meiner Mutter weil ich bin gangen von die linke Seite von die Mutter hat man gesehen was was ist man braucht nehmen den Gew- man hat geschossen wer sch- tragen ihm bis zum äh äh und begraben ihn dort äh noch ein Mann mit mir und ich schleppen wir zu-
[21:27] nicht tragen nur schnell schleppen der ganze Weg dort begraben wir ihm ich bin schmutzig von seiner Blut von d- von dem äh S- äh Erde sch- vergr- und ich darf gehen ich geh nach Hause und das war schon nach Sperrstunde war für die Juden war Sperrstunde
[21:51] wenn es wird t- dunkel darf man nicht äh äh die gehen auf die Straße alle sitzen zu Hause geh ich in die Ga- kleine Gässel bis komm ich nach äh nach Hause äh das war ein nicht nicht so angenehme Erlebnis äh man muss (wel-) abgeliefern Pens- Pelzmantel
[22:23] aber nicht nur Pelzmant- ganze Mantel sogar m- ein ein äh Mantel mit ein äh Kragen von Pelz oder bei die Taschen oder bei Arme ein Stückle Pelz das heißt auch Pelzmantel ein junge Mädchen ha- ist sie hat nicht verstanden oder hat nicht gewusst geht sie
[22:48] mit ein Mantel mit äh Stücke Pelz al- an der Arme und an die Taschen hat man sie gefangen und erschossen »du hast nicht abgeliefert dein Pelzmantel« äh bei Nacht kloppt man an der Tor Tür muss »Polizei« muss man aufmachen sucht man ob man hat nicht
[23:16] behalten ein Pelz- ein äh ein Pelzanzug etwas äh so wenn bei wem hat man gefunden rausgenommen der ganze Familie vor dem Haus und erschossen
[23:29] aber doch wir haben Hoffnung gehabt dass wir erleben bis Ende Krieg (wo) etwas dort äh Essen war sehr schwer zu
[23:43] bekommen aber doch meine Schwester Mutter haben gestrickt Socken und und Hand- Handschuh und und äh z- Schal die man verkauft für für das und ich hab auch verdient bei dies- bei dem äh wo ich habe gearbeitet ein Tag Befehl »morgen früh alle Juden müssen
[24:13] sich melden auf dem äh in dem Pla- äh« jede Stetl von Polen hat ein ein Platz wo man zweimal in die Woche verkauft man äh
[24:30] Marktplatz ?
[24:32] äh äh ch-
[24:33] ein Marktplatz ?
[24:35] Marktplatz ja Marktplatz »bis w- gewisse Stunde wer verspätigt wird erschossen wo er gefunden sich« die Großmutter hat so gesagt »wenn ich wüsste dass ich hab leichten Tod nicht Schmerzen nicht leiden bleibe ich zu Hause gehe ich nicht morgen mit euch«
[24:58] aber (_) äh wahrscheinlich die die die Söhne und die Mutter meine Tochter haben sie erklärt dass sie braucht gehen mit uns zusammen wir sind ge- gekommen an dem Marktplatz dort stehen schon äh äh deutsche Soldaten äh polnische Polizei und ringsrum Wagens
[25:24] mit Pferde (am) wir warten bis die gewisse Stunde und wir sehen dass kommen noch Menschen Familie ganze und die Deu- sie schießen zu die Menschen und die fallen auf die Straße wo die waren man muss rau- auf die Wagens raufgehen aber schnell von unserer
[25:51] Gru- Fa- Familie hat man gesagt die die Großmutter soll gehen die erste und sie kann nicht lau- schnell laufen kommt zu ihr ein polnische äh Volksdeutsch nimmt raus sein äh Revolver schießt er bekommt sie zwei zwei Kugels [gestikuliert] in Hals wir sehen
[26:19] das alle die ganze Familie sie sie gelingt noch zurückkommen zu uns lauft er zu ihr und schießt den dritten Mal in die [gestikuliert] an die a- an die die
[26:32] Schläfe
[26:34] (__) was äh an an an Kopp (__) sie fallt fallt tot richtig ist sie hat nicht gelitten wir (wirst) gest- steigen auf auf den Wagen und fahren bis ein St- ein äh Stadt wo da ist ein äh Bahnstation (man) lass uns runter in ein Sumpffeld wenn man d- nicht
[27:08] steht wird man der Fuß geht bis im halbe bis äh Knochen wissen Sie bis zum geht sie rein in dem in den Sumpf das ist rumgeringelt mit Stacheldraht [hustet] wir sitzen dort drei Tage bei Nacht darf man darf man sich nicht aufheben wer hebt sich auf etwas
[27:35] soll sein schießt man äh Essen bekommen wir kein Essen also wir haben mitge- jeder hat mitgenommen etwas von zu Hause eine Ta- eine Tasche nicht mehr und äh man hat uns gebracht Wasser zum Trinken aber man kann nicht trinken das Wasser es ist so viel Chlor
[28:02] inwändig die Deutschen haben Angst gehabt dass wir (__) könnten ausbrechen eine Epidemie nach drei Tage sagen äh mein Sch- äh meins oder man muss sich rausstellen zu Gruppen von hundert Leute fünf Leu- fünf Leute in ne Reihe zwanzig Reihen ich steh
[28:28] mit meiner Mutter in zwei Schwestern und mein Großvater in der letzte Reihe und die zwei Bruders von mein Mutter mit die Frauen und ein klein Kind stehen schon in andere andere hu- Gruppe von hundert und sehen der SS-Männer gehen und zeigen auf äh junge
[28:48] Männer hab nicht gewusst was bedeutet das aber ich hab hab mich aufgehoben auf die auf die Z- äh aufgehoben auf die Fingers Zehen soll ich aussehen grö- höher und der Deutsche sagt mir zu »rausgehen« man lasst mich nicht sich im äh ver- äh ver-
[29:19] -abscheiden von die von die Familie ich muss laufen zu der zu wo die wo waren die alle junge Männer dort treff ich schon die zwei Bru- zwei Onkels meine die waren äh gesunde Menschen würde ich war damals 14 Jahre alt äh sie waren Sportler die haben äh
[29:43] äh sch- geschwommen gehabt Ski gemacht und äh (__) gesund kräftige Mä- Männer und man macht uns Prüfungen zeigen die Hände ob jemand fehlt nicht Finger laufen ob jem- jemand ist äh hat gute Füße oder was äh (__) und dann bringt man uns zu dies
[30:11] zu Bahnstation und man Sch- geht rein in man Sch- man muss reingehen in ein Viehwaggons man vermacht die Viehwaggons kein Fenster kein gar nichts und man führt uns paar Stunden dann steigen wir aus Nähe da Nähe Krakau
[30:34] ha- heute ist das Platz ist schon
[30:41] gehört zu Krakau damals war das Vorstadt das heißt sich Plaszow äh und dort gibts ein äh camp was heißt sich Julag Judenarbeitslager äh circa tausend Menschen in dem Lager und man fragt uns auf dem B- was für ein Beruf jeder hat eine von mein Onkel
[31:14] war ein Ingenieur Bauingenieur er sagt mir »s- so sollst du sagen dass du bist ein äh Bauarbeiter vielleicht schicken wir schickt man uns auf eine Stelle an ein P- äh Arbeitsplatz zusammen und dann behelfen wir sich ein eine anderen wir so was (__) « man
[31:38] hat uns geschickt zu bauen Brücke für den Ba- Bahngleise was wir gehen nach nach Richtung Russland man hat gebaut eine Brücke für acht Bahngleise man hat ge- die Fundamenten hat man gegraben äh Menschen haben gegraben die Fundamenten Beton gegossen gegossen
[32:06] ich habe gearbeitet als Zimmermann man hat ich hab (geständigt) äh die Formen für Beton äh das hab ich nicht gearbeitet so schwer war die Graben war sehr sehr schwer und dann gießen Beton [hustet] man hat gearbeitet zwölf Stunden man bekommt Schläge
[32:31] schreckliche Schlä- Schläge Essen ein ein B- kleines Brötch- Brot auf acht acht Stücke geteilt und eine Wassersuppe äh aber zum zum Glück das Pla- Arbeitsplatz war in durch war neben eine Dorf polnisches Dorf und die Onkels haben geschickt eine (Messerung)
[33:01] einige äh Inf- äh zu ein polnische Familie in Krakau da wo und wo wir gefunden sind das waren zwei Bruders äh ähm Schlosser und mein Va- Großvater hat gehat Geschäft mit Eisen und da ist der Bekanntschaft von die haben gekauft bei meinem Großvater
[33:29] die die Wa- die Eisen für die Arbeit äh was man hat die haben be- nötig gehabt und die haben mit äh Lebensgefahr gekommen auf äh Fahrräder zu u- auf dem Platz wo wir haben gearbeitet mit kleine Päckchen m- (__) äh äh Proviant äh äh ein Stückel
[33:57] Käse ein Stückel Wurscht und Brot und (verschi-) und die haben behalten auf die unter den ein äh auf einer welch- ein Platz und dann wir haben gesehen jemand von uns haben gezeigt wo ist das Pa- Paket behalten wenn man fangt sie die die leben nicht mehr
[34:22] das hat gedauert ein halb Jahr ungefähr was wir waren in dem Lager
[34:30] darf ich ganz kurz äh nochmal fragen ähm Ihre als Sie dort zu bevor Sie zu diesem Lager gefah- gekommen sind nach Plaszow
[34:39] ja
[34:41] äh Sie haben Ihre Mutter und Ihre Schwestern ja nicht mehr gesehen
[34:45] nicht mehr gesehen nicht ich hab nicht gewusst wo was ist passiert ni- nicht ich hab äh ich hab äh nicht mit paar Jahre zurück habe ich äh äh hab ich gewusst wo wo man hat sie geschickt nach Belzec warum hab ich nicht gekonnt fon- finden ? weil ich
[35:15] hab immer gesucht von ma die Me- äh von Skała wo hat man geschickt und und und von da von Skała hat man uns übergeführt nach Stadt Słomniki äh von Słomniki hat man geführt in Słomniki steht ist äh weiß man wo wo hat man geschickt und dort war ich
[35:40] Sch- auf Besuch mit äh mit die Sch- Schüler von was was ich begleite war ich in Belzec und da hab ich gefunden ein Stein was steht geschrieben »Słomniki« und der Datum genau wenn man hat sie geschickt man hat sie geschickt da hab ich gewusst und dort
[36:00] hab ich gesagt die äh die das nennt sich Kaddisch zum diese für die Tote soll das erste erste Mal in mein Leben äh äh äh äh man hat gearbeitet zwölf Stunden und der Arbeitsplatz war sechs Kilometer von der dem Lager man ist gegangen zu Fuß zurück
[36:29] zu Fuß äh wir waren nicht gewöhnt zu das schwere Arbeit aber war kein äh Möglichkeit nicht arbeiten äh man hat in Lager hat uns äh äh pi- die Kra- Epidemie Typhus Menschen sind viele Menschen sind gestorben und der Lagerführer Oberscharführer
[37:00] äh Otto Müller hat gewohnt mit sein Frau und zwei kleine Kinder Junges nebena- neben äh dem Lager und manches Mal er ist reingekommen mit die Kinder in Lager und einer von die Junges hat sich ersch- ersch- steckt von die diese und gestorben er war nicht
[37:27] äh guter Mann aber von den Zeit wann der K- der Sohn ist gestorben ist geworden ein äh man kann das nicht erklären jed- jede Gelegenheit hats er hat er aus der Pistole und geschossen b- mir sind gegangen zur Arbeit hat gesehen jemand geht nicht die Reihen
[37:55] sind nicht gleich jemand geht voraus oder zurück hat er [gestikuliert] rausgenommen die Pistole geschossen sagt er »ich gleiche aus die die Reihen« wir kommen einmal nach La- zurück von Arbeit man sagt uns am Stehen eine Reihe und man zählt jede zehnte
[38:17] man rennt raus man schießt warum ? was ? man weiß nicht Kleider wir bekommen keine Kleider Kleider was wir sind reingekommen in Lager in dies die die mit dem wir sind geblieben eineinhalb Jahre waschen nur kalt Wasser so Simmer Sommer Winter für Winter bis
[38:45] zwanzig Grad äh äh äh d-
[38:50] minus
[38:51] minus bei Arbeit hat man al- hat man gewärmt das (Sand) und der und die die ne Wasser mit Feu- man hat man gewärmt warm- was soll man kann arbeiten was wa- alles war ein Stück Eis [hustet] äh einmal hab ich bekommen Erlaubnis geh- zu gehen in Ghetto
[39:17] das war nicht weit äh hab ich bekommen ein Zettel das mit Erlaubnis alleine gehen ich hab gekonnt weglaufen aber es war nicht wohl wegzulaufen dort hab ich gewa- bekommen ein warmes Dusch und der Anzug hab ich gegeben in eine in Entlausung zu in den in hohe
[39:45] Temperatur das war einmal in eineinhalb Jahr
[39:49] dann liquidiert man die alle kleine äh Lager das war sehr Julagen war drei wir waren Julag eins äh Julag zwei drei das waren äh circa paar Kilometer weiter und war noch be- bei bei manche Stelle man hat uns
[40:11] übergeführt zum Lager was man sieht in äh äh in dem Film »Schindler Liste« Plaszow wir haben au- unser Lager war noch bevor ein Jahr bevor dies der der Plaszow ist äh aufgestanden wir haben gesehen was man hat liquidiert das Ghetto hat man gesehen
[40:36] die Menschen was gehen von Ghetto gehen zu dem Lager und die Wagens mit die tote Menschen was man hat ge- erschossen in Ghetto wei- war geführt dort und dort auch hat man sie begraben in äh in in Plaszow in Lager äh d- man hat uns äh übergeführt dort
[40:59] und dort von dort brauch- wir brauchen gehen nach anderen Lager nach äh wo man al- bearbeitet Munition Skarżysko aber mei- mei- eine von de Onkels hat getroffen eine jüdischen Polizist war war jüdische Polizei in Lagern auch war Kommandant in der äh Vertreter
[41:21] von Kommandant und Polizisten was ist ein äh Freund von der Schule und er hat ge- uns überlassen in in Plaszow sollen wir nicht sollen nicht we- schicken nach Skarżysko ich weiß nicht ob das war zum Guten oder zum Schlechten äh Plaszow für mich war
[41:48] das schlechteste Lager was äh was hab ich äh überlebt paar Lager äh Verteilung ist Brot hat man bekommen das Brot einmal in die Woche die Suppe hat man bekommen jeden Tag und die die Paketen mit äh Provianten hat sich geendigt weil in Lager dort hat
[42:15] man nicht gekonnt reingehen die äh kei- s- [hustet] das hab ich sehr gehungert und äh überlassen das Brot in z- in Barack kann man nicht man stohl hab ich gehalten in die Tasche jedes Mal ein ein Bi- ein Zipf so- b-
[42:35] ein Bissen
[42:37] äh die letzte Tage von der Woche hab ich schon kein Brot gehabt hab immer rumgesucht zu etwas zu etwas zu gefunden kein äh äh Schälka- äh Kartoffel oder äh oder Kartoffel vielleicht neben die Küche äh einmal hab ich äh ich seh ein Fass mit Kar-
[43:04] reine Kartoffel gesch- geschält gewaschen ich kläre nicht viel ich hab immer eine Büchse so eine von äh Konserven da dort hat man bekommen die Suppe nehm ich die Kartoffel leg da und dann ich höre jemand ruft dem Kommandant von die Küche der der (__)
[43:27] weil ich hab ihn gekannt was er war ein Pol- Kommandant von Polizei bei dem kleinen Lager wo war ich anderthalb Jahre er hat mich gekannt auch er ist geb- er ist auch geblieben wir drei und er und er ist bek- hat bekommen äh äh als äh äh Küchenchef
[43:53] »Wilhelm Wilhelm man stehl die die Kartoffel für SS« und er fangt mich aber er hat mich gekannt nehmt mich so [gestikuliert] gibt mir eine äh z- mit einem Fuß sagt er »hast du nicht gehat was zu stehlen nur die Kartoffel von SS ?« hab ich gemusst zurück
[44:17] zu weggeben d- weggeben die Kartoffel geb weg da das bin ich rausgekommen ohne ohne Strafe andersmal hab ich gest- äh dachtens heiße gestanden organisiert Kartoffel von ein äh äh in Polen hat man gesagt auf Winter hat man bes- gesammelt Kartoffel ein
[44:42] äh ein äh m- äh Haufen Kartoffel sehr groß man bedeckt mit Stroh mit Kuh- äh äh äh nu äh [hustet]
[45:00] Mist ?
[45:03] d- d- das äh Schmutz von von d- von Kot Kot
[45:05] ja Kuhmist
[45:07] da das sollte halten warm mit de- bedeckt mit Erde und das darf man nicht aufmachen ganzen Winter nur nachm Winter aufmachen ich hab aufgemacht hab ge- gemacht Loch rausgezogen man hat mich gefangen wer hat mich gefangen ? jüdische Kapo jüdische Vorarbeiter
[45:28] und ein jüdischer Polizist man hat mir reingef- reinge- in in Baracke und dort war ein ein Stuhl so ein se- man hat mich geheißen ich leg- legen auf den Stuhl einer hat mich gesetzen auf dem Kopp zweiter hat gehalten die Füße und der dritte hat geschlagen
[45:46] und ich hab gemusst zählen die Schläge 25 Schläge mein ganz Körper war voll mit Furunkeln Eiter- Eiter- äh -wunden ich hab bekommen die Schläge ich muss zählen wenn ich äh zähl nicht gut bekomm ich von Anfang ich steh auf hab ich bekommen hab nicht
[46:13] nicht geweint nicht geschrien aber Schmerzen schreckliche Schmerzen steh auf zieh ich die Hosen und ich fühl da das Blut in die in die äh und die Schmutz von der Wun- der Ei- der Eiter rinnt mir an die Füße [hustet] äh dort in dem Lager war ein äh
[46:41] Schutzgraben noch von von Ersten Weltkrieg äh waren ein äh äh ein Graben und ein Berg der Erde was man gegraben hat war ein Berg äh die der von die Menschen von Lager haben den nennt den Platz äh äh is äh Schwa- Schwanzberg warum Schwa- das heißt
[47:16] äh von dem Mä- äh Mä- Sie wissen was ist Schwa- äh die männliche äh warum ? weil dort hat man gebracht wenn man gebraucht schießen man hat gefangen Juden auf der arische Papieren in das man hat sie gebracht man hat sie gebracht ausziehen nackt raufgehen
[47:37] auf den Berg man hat geschossen der Körper ist runtergefallen in dem Graben und man hat gefasst jemanden so zu- äh zudecken mit ein bissel Erde und darum weil die Menschen sind immer nackt gewesen hat man gerufen äh Schwa- Schwanz- äh Schwanzberg äh
[48:00] mir hat man gefangen zweimal hab ich gehat äh weil ich hab immer nach der Arbeit hab ich gesucht etwas so das äh einmal ist ausgebrochen ein Brand bei Nacht in einem äh eine Baracke was war Magazin bei Nacht Winter Dezember o- o- Januar man muss löschen
[48:32] äh man ru- man nimmt uns raus von der Baracken barfuß man darf nicht Schuh anziehen weil jemand zu- zieht ein Schuh bei Nacht das heißt er will weg- weglaufen äh der des äh Schnee Eis man hat aufgebrochen äh den Schnee- Eis wo ein ein äh Wasserversammlung
[49:04] war dort reingest- man hat da reingest- zwei Menschen drin die sollen scheppen das Wasser in Eimers und wir stehen eins bein anderen und bringen das Wa- Wa- Eimer mit Wasser von Hand zu Hand bis dem Brand das hat gedauert beinahe ganze Nacht aber morgens mussen
[49:25] wir weiter zu der Arbeit gehen i- dort hab ich gearbeitet bei der Straßenbau Barackenbau äh
[49:36] Februar 44 mei- eine Gruppe 260 Menschen 200 äh z- ich hat ich hab geheißen dort äh Zimmer- Zimmerleute Zimmerbauer Tischler 200 Tischler und sechzig äh Schlosser
[50:02] mei- bringt uns zu ne Station Bahnstation die war nicht weit weiter in Viehwagen und wir fahren man hat nicht gewusst wo fahren wir beinah ganzen Tag a- bis-
[50:20] ah darf ich nochmal kurz äh nachfragen mit Ihren beiden Onkeln äh mit denen Sie in das Julag gekommen sind
[50:27] ja
[50:28] sind
[50:30] die sind auch mit mir diese waren auch ausgewählt in dieser Gruppe
[50:32] die sind mit Ihnen in Plaszow geblieben und dann in diesen Transport
[50:36] [gleichzeitig:] mit mir zusammen ja mit denselben Transport die waren auch da mit ausgewählt mit mir äh wir kommen an steigen aus von der Waggon und gehen gehen durch ein Tor was steht geschrieben »Arbeit macht frei« wir gefinden sich in Auschwitz Februar
[51:01] Februar ist die der kälteste Monat in Polen man sagt uns »ausziehen nackt barfuß« wir stehen auf der auf dem Eis und warten bis bis einer uns absch- alles äh äh Haare scheren Kopp untern Armen zwischen die Füße in Arschloch auch überall man lasst
[51:31] nicht gar nicht kein Platz äh frei mein Glück war dass ich war noch nicht am Körper hab ich noch nicht ge- äh Haare gehabt nur am Kopp man hat mir mit dem Ma- Maschin- äh Rasier-
[51:50] mit dem Rasiermaschine ja
[51:52] aber da an Körper hat man mit äh Rasiermesser man hat man hat äh verw- die Menschen werden ver- verwundet geschn- und dann hat man geschmiert mit äh ähm sehr scharfen äh äh Desinfektion
[52:14] Jod
[52:16] Desinfektions- äh -wasser was und das hat sehr gebrannt die Menschen haben geschrien also das tut sehr weh und dann mussen wir gehen rein zum äh Waschraum ist ein Kasten Betonkasten voll mit Wasser auch Desinfektionwasser man muss reingehen mit den Kopp
[52:39] drin wer hat ni- wer ist nicht mit den Kopp drin da steht ein Mensch und stippt so den halten den unter Wasser s- p- gewisses Zeit wir machen dem äh gehen in dem Waschraum bekommen Heißwasser Kaltwasser und dann bekommen wir al- Klei- Kleider alles in Streifen
[53:06] Hemd in Streifen Weste in Streifen Unterhosen Hosen alles äh Mütze auch gestreifen äh Ho- äh Schuhe die Holz- äh mit Schuhe mit äh Holzsohlen und dann führ man führt uns und Geb- in Auschwitz gibt Gebäude nicht Baracken Zweistockgebäude ich gefind
[53:37] sich in bei in Gebäude heute heute ist das ein Museum äh Vi- Nummer Vier äh A das heißt A ist der zweite Stock Vier normal ist der erste Stock dort äh äh äh muss man wird lauten Alpha- Al- Al- Alphabet äh dies äh in A B C Namen
[54:14] ja alphabetisch
[54:16] alphabetisch äh sehr und wir gehen rauf äh oben ist ein äh d- unterm Dach ist ein auch Zimmern dort sitzt ein Mann und macht uns dem Nummer der Tattoo hat Nummer [gestikuliert] was ich hab bekommen ich hab bekommen 174 Null Null Fünf äh mein Onkels haben
[54:43] bekommen größere Nummern weil die haben heißen Halporn das ist schon ha- größere Nummer aber auch der 174- äh -000 das äh die Ser- die Serie alle haben bekommen a- dem Moment wir haben kein Namen nicht Naftali nicht Arjan nur ein Nummer wenn ich wenn
[55:10] dem zu jemanden der Nummer will muss ich dem mein Nummer jemand ru- will zu mir sprechen ne- sagt er mein Nummer ohne be- ich geh arbeiten in ein Tischlerei Nachtschicht da das war zum äh zum Guten zu Gunsten warum ? ka- bei Nachtschicht hat man bekommen
[55:46] n- se- ne Portion Suppe speziell die Suppe hat man wir gerufen »kanadische Suppe« warum »kanadische« ? von Kanada ? Kanada war immer ein der reichste Land äh in die Welt und der Platz wo hat man gesammelt der die Kleider und der alle die die Schmuck von
[56:14] den Menschen was man hat gebracht zum äh Gas- Gaskammern dem dem Platz hat man gerufen »Kanada« und die Suppe war gekocht von diese von Es- von die Provianten was waren zu essen was die Menschen haben mitgebracht manches Mal war sie süß dann war Schokolad
[56:38] dort Kuchen oder was aber was war Ernährung gute Ernährung und wie viel man hat gewollt war genug zum ersten ga- auch die Arbeit war unterm Dach und gewarmt die Tischlerei Tischlerarbeit kann man nicht arbeiten mit äh gefrorene Hände (__) war äh manche
[57:02] Tage was ich hab gebracht für die Onkels oder da- die Suppe äh weil wir ich wir sind gegangen na- zum Lager wir sind gegangen von La- zu der Arbeit hab sie ges- hab sie gebracht äh in einer Büchse da so eine Suppe als- so das war (das Gute) wenn noch ein
[57:24] noch ein Portion Suppe hab ich ge- bekommen was darum was ich man hat mich aufgeweckt mit um 12 Uhr war allein geschlafen noch in der zwei Menschen zu bringen der Kessel Suppe für uns für dem äh für dem Block was man tut vertei- die Suppe was man bekommt
[57:46] jeder eine also ich habe gebracht die Suppe von die Küche um 12 Uhr hab ich bekommen ein Portion Suppe se- und dann wenn ich wenn wir weitergegangen schlafen und wenn man hat uns aufgeweckt um fünf Uhr so hat man bei hab ich bekommen mein Portion was äh
[58:05] kommt mir und dann ist der Appell die Menschen sind zurückgekommen zu der Ar- von der Arbeit wir brauchen gehen zu der Arbeit Appell stehen wir zwischen die Blocken jeder Block steht gesonder und man zählt die Kranken Tote hat die Tote hat man gemusst runternehmen
[58:29] alles (Männer) wenn dann alles hat gestimmt dann gehen geht dann äh SS-Mann und nimmt äh über dem Meldung von dem Blockältester das war auch Häftling und geht er zu dem Kommandant zum äh äh Rudolf Höß Kommandant von Auschwitz und gibt ab die Meldung
[58:54] und man hat macht Bilanz ob alles stimmt wenn alles stimmt wir hören durch ram- durch ramko- äh Mikrofon hören wir »das La- ganze Lager ist Stillstand und Mützen ab« Mützen ab hat man gebraucht [gestikuliert] runternehmen Mütze und geben ein Klopp
[59:20] ein Fuß gab Stillstand auch mit die Holzschuh so äh wenn er hatte er hatte gedenkt dass er hört nicht ein Klopp von 20000 Leute damals war in Lager hat man gehört das Wort »zurück« wenn man hört das Wort »zurück« weiß man wir stehen noch Stunde
[59:46] oder zwei Stunden am Appellplatz bis er erz- sagt also er hat gehört ein Klopp
[59:59] einen Ton
[1:00:01] und das war jeden Tag äh weiter nimmt man mich einen von Onkels hat man geschickt nach Buna das Fabrik Munitionfabrik neben Auschwitz das Auschwitz III und der andere der Ingenieur hat bekommen Arbeit au- als Zeichner er hat gezeichnet äh da- die äh dort
[1:00:36] in Lager in äh Auschwitz
[1:00:38] und ich bin ausgewählt weiter zum anderen Transport zum anderen Lager ich komm nach Gleiwitz heute gehört das zu Polen Gliwice dort ist auch der Gleiwitz I äh Lager noch nicht aufgebaut man braucht aufbauen aufstellen äh Baracken
[1:01:04] äh der der Rumzaun der äh der dem Lager und stellen die ähm Wachen- äh äh -Stelle die äh nu äh ein Gebäude hoch Gebäude so
[1:01:27] Wachturm ?
[1:01:28] bitte ?
[1:01:30] Wachturm ?
[1:01:32] Wachtum ! oh ja
[1:01:34] wir machen vielleicht mal eine eine ganz kurze Pause
[1:01:35] na ist mir [schüttelt den Kopf] (___) wie Sie wollen
[1:01:38] ja
[1:01:41] man kann doch [Schnitt] so wir kommen nach Gleiwitz da schon äh ohne Onkel der Lager war noch nicht aufgebaut man hat gemusst äh aufstellen Baracken und äh Zugange zu Baracken die Schwellen hat man gemacht von äh äh Asch- äh von Kohlen was nicht verbrannt
[1:02:04] geworden von dort äh Gleiwitz ist äh Industrie- äh äh -stadt sehr viel man gießt Eisen und so war sehr viel Material und von dem hat man gemacht die Sch- äh Durchgänge zwischen die Baracken äh äh die Wachtürme hat man aufgestellt und der äh Zaun
[1:02:28] mit äh was ist durch- äh Elektrik mit hoch- hohen äh Spannung
[1:02:38] ja
[1:02:40] ähm und man geht zur Arbeit der Arbeit war in äh reparieren Waggonen was sind beschädigt geworden von Bombardieren äh ich mein Befehl war äh mein Arbeit war das Repa- tauschen die die das St- der Ho- Holzsachen was sind we- geschädet geworden hat man
[1:03:06] getauscht und andere Leute haben ge- die sind äh gearbeitet bei Eisen- Eisen- äh äh man hat ausgeglichen Eisen getauscht geschnitten die Waggone sind gegangen so in jeden Waggon war ein Zettel da- das Stück (brät) braucht gedauern zwei Minuten tauschen
[1:03:31] das braucht gedauern fünf Minuten tauschen äh es war ausgerechnet wieso die haben gemacht das im Voraus ausgerechen so so also hat weiß ich nicht [lacht] ist in das der Waggon soll nicht bleiben stehen soll weiter weiter andere Waggonen [hustet] äh aber
[1:03:54] das war der P- Arbeitsplatz war von andere Seite von äh von Sta- von Stadt Gleiwitz wir haben gemusst ma- morgens durchgehen durch beinahe ganze Stadt sehr wir gehen zur Arbeit um fünf Uhr früh mit der holzerne Schuh holzerne Sohlen wir sind machen viel
[1:04:20] Rasch äh
[1:04:22] Lärm Krach
[1:04:24] Krach [gestikuliert] ken ja und die ham sich beklägt die Einwohner dass wir lassen es nicht schlafen man hat uns geschickt Schuh mit lederne Sohlen von wo kommen die Schuh ? jeder eine kann verstehen das ist von die Transporten was sind gegangen zum Gaskammer
[1:04:45] äh einmal man hat mir gestohlen ein Paar Schuh ich bin gesch- untern Kopp hab ich sie gehalten ! und dann komm ich morgens hab ich kein Schuh wie so geh ich zu die Arbeit geh ich zu dem äh Blockälteste sag ich dem das war ein Deutscher ein äh er war weiß
[1:05:12] nicht äh äh für er war s- gedenk ich nicht was äh was hat er beschuldig oder oder Verbrecher oder politisch na politisch war er nicht war Politische haben gehabt roten Winkel er war grüne Winkel o- schwarze Winkel Verbre- Verbrecher und äh äh Homosexuelle
[1:05:36] also verschiedene jede jede Sorte hat gehat sein Zeichen hat er mir geschaffen ein Paar Schuh nicht so gute aber Schuhe mit lederne Sohlen soll ich gehen gehen zu der Arbeit äh war s- Bettenbau wir haben geschlafen drei Stöcke drei Stöcke der äh äh
[1:06:05] Betten das ist kein Bett das war Holz- äh Holz- äh von Holzen da dann ein Sack mit Stroh und ein äh Decke da dünne Decke das war alles aber das hat gemusst sein gleich wie Tisch hat sich gerufen Bettenbau für schlechte Bettenbauer hat man bekommen Schläge
[1:06:32] was heißt schlechten Bettenbau (__) ich hab ge- ge- bin geschlafen mitten zweiten Stock ich habe gemacht sauber gemacht ausgeglichen mein meine Decke die w- alles und der was schlaft über mir hat er ist hat er gemacht und so paar Stück äh Stroh sind runtergefallen
[1:06:56] auf meine Decke war ich schuldig komm kommt man von der Arbeit hat er aufgeschrieben welche Bett ist nicht äh in Ordnung und man kommt fünf fünf Schläge am Arsch ohne Hosen weiß ich hab bekommen die fünf Schläge ka- steh ich auf und und ich lach zu
[1:07:23] ihm weiß nicht warum paar Monat- Monate später passiert mir weiter selbe ich brauch bekommen Schläge schaut er mir an sagt er »du verschwindst mir vor meine Augen du lachst wenn ich schläge« ich erzähle immer das lach- lachen kann retten ganzes äh
[1:07:51] Leben und äh und so hab nicht bekommen die Schläge weil ich habe gelacht zu ihm a- voriges Mal äh ma- füh- ma andere Arbeit schon weiter aufste- äh Aufstellen Lager für Ukrainer was sind freiwillig gekommen nach Deutschland arbeiten die sind nicht gekommen
[1:08:18] freiwillig aber das hat sich so geheißen die freiwillige äh Arbeiter aber das war schon außer Gleiwitz man hat gemusst fahren mit Wa- die Lastwagen wir fahren zwölf Leute äh Vorarbeiter was war Deutscher auch Häftling und Kapo auch Deutscher zwölf das
[1:08:46] war 14 Mann und sechs SS das heißt gemeint eins auf zwei warum so viel ? weil der Bauplatz war offen in die wir stehen rum rings herum ist so äh Verbindung mit (Augenverbindung) sollen sehen wie jemand soll nicht weglaufen oder was [hustet] wir stellen auf
[1:09:18] die Baracken ste- Wohnbaracken Barack für Küche Barack für Kantina we- die haben (gesagt) und der Kapo hat mir geschickt immer die leichtere Arbeit zum Beispiel hat aufgestellt die Kantine »du wirst machen sauber die Kantine« schon nicht stellen die Baracken
[1:09:37] Baracken stellen Platten schwere Platten tragen und aufheben äh dort war schon die die Ukrainer haben schon gewohnt und war schon in die Kantine war schon Bier und andere Sa- hab ich nicht einmal getrunken Bier [gestikuliert] gleich von von G- nicht von
[1:09:56] Glas so [lacht; gestikuliert] äh kommt Winter und die SS stehen sie darfen nich äh weggehen vom Platz kalt sagt er der Kapo »man muss mal äh etwas warm zu trinken bringen« äh sagt- hat er mich ausgewählt weil ich war der Jüngste dort äh »du wirst
[1:10:26] frühmorgens gehen mit ein S- mit ein von die SS wirst du gehen in Wald zu sammeln Holz machen Feu- äh Feuer äh kochen Wasser und irgendwann bringt Kaffee und du wirst (den) zu tei- teilen äh gehen von einem zum zweiten äh zu teilen Kaffee« und gut das
[1:10:47] ist schon leichtere Arbeit wie alles äh zweimal in Tag hab ich das gemusst machen äh ich teil so geh ich mit einer Kanne [gestikuliert] und äh und äh (Sefels) und Blechen von Blech solche (Sef-) äh
[1:11:05] Blechbecher o-
[1:11:08] Blechbecher ken äh und zuteil die Kaffee dann mach ich [gestikuliert] noch eine Runde nehm ich zu- nehm ich die Becher zurück zu waschen und und Nachmittag mach ich noch einmal Feuer äh nach Mittag äh [lacht] Zeit von Zeit äh eine ruft mir z- sagt »von
[1:11:32] wo bist du ?« sag ich »ich bin äh von Krakau« »ah ! Krakauer« ich hab schon bekommen ein Name ich bin schon nicht 174 Null Null Fünf ich bin schon Krakauer ! das ne ? er erzählt mir er ist ein äh Österreicher von Wien und »wann begegnet sich in Krakau«
[1:11:56] so ? ich hab Angst gehabt zu sprechen mit dem vielleicht will er etwas hören was (ist) und er wird mir bestrafen man kann nicht wi- wissen wa- was was kannt passieren
[1:12:11] ein Tag nach das heißt Januar schon 45 und immer hat er mir angesprochen etwas äh wenn
[1:12:26] ich hab ihm gebracht das äh äh Kaffee äh Januar Mit- 19ten o- 21 das gedenk ich nicht genau schade äh aber kann man wissen von der wenn ist liquidiert der der Ma- Gleiwitz- äh -camp äh -lager äh kommt der Wagen o- (war schon) »lass alles lassen einsteigen
[1:12:56] in den Wagen« wir kommen zurück nach äh nach Lager alle stehen schon Appellplatz und die SS gehen durch schauen wer sieht nicht so gut aus »heraus« die haben rausgenommen hundert Menschen gebracht sie unter Baracke von die Küche und wir hören der Schießen
[1:13:21] und wir brauchen anfangen zu gehen jeder eine hat bekommen ein ga- ein ganzes Brot weil man liquidiert die ganze was war in die Küche äh ein bissel Ma- äh Konfitur Konfitur äh aufm Papier von von Zementsacken wa- war nicht in was zu nehmen oder Stückel
[1:13:54] Margarine gab auch (so) und wir anfangen zu marschieren in dort in Lager war ein Wagen mit Pferde was hat man gebracht Provianten und alles äh na- nach Lager von der Stadt äh Schnee so hoch [gestikuliert] der Wa- die Pferde kau- kann nichts schleppen den
[1:14:16] Wagen wir mussen (stippen) in auf dem Wagen waren Provianten was sind noch geblieben in die Küche und das äh das kann kann man nicht überlassen wir gehen viellei- 18 Stunden dem Tag wenn man kann sagen der Mensch ist kann gehen und schlafen ich sag
[1:14:45] das ja das hab ich überlebt alleine wieso ? ich geh plötzlich an je- ich f- stoß mich an an die Reihe vor was war vor mir das ich bin gangen und geschlafen habe nicht gesehen ich ich steh bekomm ich Stoß von unt- von rückwärts und bevor mir ist schon
[1:15:11] frei ganz ganze Pla- frei ich bin gestanden und geschlafen erste Nacht hat man ge- geblieben auf ein Feld am Schnee zweiten Tag wir sind angekommen nach Lager von Bu- äh Blechhammer äh heute ist das Polen äh ich weiß nicht wie heißt sich das in Polen
[1:15:37] das Blechhammer äh dort sind wir sind geschlafen la- äh dort war Nacht morgens die (macht man) ist es steh- äh unsere Lager das war vier La- nicht ra- unser noch Lagern waren sind haben sich getroffen dort man wählt aus von tausend Menschen was waren
[1:16:04] wir hundert ich bin zwischen die hundert w- hab Angst gehabt hab prob- vielleicht ich äh hab mich gest- gestemm- [gestikuliert] ich will es ich will gehen und der Kapo was hat mich sehen (hat gesagt) »ko- du kommst mi- mit uns« hab Angst gehabt wie ich
[1:16:27] vielleicht ich bleib hab ich (wie-) man schießt uns alle wir gehen mit hundert SS weil in Lager waren hundert SS-Leute vierzig Kapo das heißt wir gehen 240 Leute marschieren die Kapo nehmen Gewehr von der SS und macht Nützen von den Gewehr schießen wer
[1:16:55] geht raus von der Reihe äh ein bissel Schnee äh aufheben reinem Schnee nicht den schmutzigen bekommt er man schießt ihn wir sind gegangen und man hat ge- ge- man hat aufgehoben dem Schnee was wir sind gegangen die Kuh die Pferde und das hat man gegessen
[1:17:18] wir waren hungrig Menschen sind gefroren hab gesehen be- be- Mensch steht bei neben mir (an) plötzl- (_) hu ! [gestikuliert] er ist schon nicht da er lebt schon nicht gefroren ! Menschen haben hat er genommen Ohr hat er das Ohr geblieben in der Hand ist abgefroren
[1:17:43] manches Mal man hat uns äh waren kleine Gruppe man hat uns rein in eine Scheune oder in ein äh äh äh äh Kühstall in der Scheune das hat man da waren Menschen was haben sich behalten unter den St- untern Stroh morgens man zählt uns ob jemand fehlt
[1:18:14] (oder da) oder nein die die SS gehen mit die Bajon- mit äh Büchsen mit Bajonetten stechen in den Stroh und die Kapo mit äh äh der Gabel [gestikuliert] was man was solche drei Zähne was man Str- Stroh
[1:18:33] Mistgabel
[1:18:35] Ga- Gabel
[1:18:36] ja
[1:18:38] Stroh stechen die so wer wenn man befind die Menschen was äh man schießt sie die Gruppe wird immer kleiner kleiner wir gehen so drei Wochen essen manches Mal die Bauern haben gegoch- gekocht eine etwas Suppe man hat geteilt bei in der Früh wann man welche
[1:19:06] Tage wenn die Suppe ist gekommen wir sind weg weil die die haben Angst gehabt die Russen kommen die M- die russische Militär kommt
[1:19:17] einmal wir gehen geschlafen in eine Kuhstall wie ich geh raus ich seh zwei Fässer gehen äh Dampf geht raus ich mach auf
[1:19:32] den Deckel ich seh ich seh de- äh Schalen von Kartoffel und äh äh mit Stroh ge- ge- geschnitten ge- das alles gemischt für Schweine Essen für Schweine hab nicht viel viel geklärt hab genommen meine Büchse [gestikuliert] einges- angefangen zu essen
[1:19:57] andere haben gemacht selbe wir bekommen Schläge »ihr Schweinejuden haben aufgefressen die von der a- von der arme Schweine das Essen« äh manches Mal hat man bekommen d- d- paar paar Pellkartoffel was die Bauern haben gekocht Brot hat man nicht gegessen
[1:20:24] und bei jeden Zä- äh frühmorgens man hat uns gezählt haben die gemacht so wie hat man gemacht Appell normal man hat gesagt »heute ist den der 19te De- November äh äh der Dienstag« und so sag- war so wir haben gewusst jedes Mal welche welche Datum
[1:20:53] ist welche Tag in der Woche äh ich brauch euch nicht erzählen da da jeg- Deutsche ist äh machen alles korrekt äh genau wie so man braucht so in in so Falle gehabt ham die auch gemacht im Appell die (Zimmer) hat gezählt man hat früh gesagt alles wa- welche
[1:21:18] Tag in Datum Tag (und so) äh wir marschieren so und die SS weiß wissen nicht wo wo uns zu führen waren Tage was wir sind zurück gegangen selben Platz was wir waren gestern noch einmal zurück ich seh nicht weit eine Brünne so eine Pumpe Be- Wasserbrünnen
[1:21:47] o- bei mir steht der der Aus- Österreicher (neben mir der Österreich-) frag ich ihn »Herr Posten« wir haben sich ge- gemusst wenden zu ihm »Herr Posten Herr Posten darf ich Wasser holen ?« sagt er »Krakauer geh Wasser holen« u- er begleit begleit mich
[1:22:06] wenn ich geh allei- alleine bin ich nicht da er begleit mich bis zu die Brünne dort steht andere SS und er schreit »gehst du zurück« und er sagt mir »Krakauer geh hol Wasser« ich bleib stehen der nimmt runter den dem was steht bei die Brünne nimmt
[1:22:28] runter pickst mit dem Bajonett nimmt zu meinem gegen mein Bauch so sagt er »machst du ein Tritt ich stech dich« dann ich höre »antreten und abmarschieren !« der Österreicher nimmt von mir die Büchse die Büch- Blechbüchse selber und ich lauf schnell
[1:22:52] zu mein- dort äh zu meiner Gruppe weil ich kann doch nicht bleiben draußen muss (__) ich geh und ich guck und schaut zurück seh ich die zwei SS liegen am Schnee und schlagen sich und ich geh ich denk ich so »jetzt hab ich nicht die Büchse wenn es kommt
[1:23:18] vor etwas gibt man zu essen ei- ein bissel Suppe oder was hab ich nicht was zu nehmen« nach einer zwanzig Minuten Viertelstunde hör ich »Krakauer da hast du Wasser« äh schön aber die ist nicht weiß nicht ich war ob er hat ge- gedenkt das schon ist
[1:23:44] der Ende äh er will sein äh (_) o- oder hat er gehat ein Sympathie zu mir oder was wir marschieren weiter äh man sagt uns äh »morgen bekommt ihr äh Suppe und Stück Brot weil wir sind nicht weit von äh Lager von Groß-Rosen bekommt ihr Zuteilung«
[1:24:20] morgen dem den morgen Mittagzeit bekommen wir kommt ein Wagen mit Kessel mit Suppe wir haben Brot wir kö- jeder einer bekommt ein Stückel Brot was drei Wochen hab nicht v- gegessen kein Brot und der Tag war fünfter Februar [lächelt; nickt]
[1:24:43] ja Ihr Geburtstag
[1:24:50] am fünften Februar hab ich geendigt 17 Jahre und ich bekomme das Stückel Brot die Suppe ich sage das Stück Brot ist die schönste schönste die äh
[1:25:06] Geschenk ?
[1:25:09] Geschenk was ich hab in mein Leben bekommen
[1:25:12] wir kom- nächsten Tag kommen wir nach Groß-Rosen La- äh nachtigen eine Nacht früh man führt uns zum Bahn stehen Waggon äh Waggonen ohne äh offene Waggonen mit hohe [gestikuliert] Seiten sehr sehr hoch man
[1:25:38] stippt uns so wie man kann nur stehen nur so stehen so so viel Leute war in der (__) den Waggon in ein jeden Waggon sitzt äh oben sind eine äh äh so eine äh nu d- sitzt dort da ein SS mit Gewehr d- alte Menschen die schon nicht junge SS- (__) Alte aber
[1:26:10] mit Gewehr wer überspringt kann man nicht weg- man kann sich nicht rühren wir fahren fünf Tage fü- fünf Nächte ohne Essen ohne Trinken wenn schneit machen wir auf das Mund was zu fassen fassen das ein bissel Schnee in äh äh wir kommen an am Weimar
[1:26:34] wir bekommen Eingriff von von äh Allianten die haben gedenkt das ist Waggone mit deutsche Militär äh viel Leute im Wagen sind gest- äh gestorben äh von Kälte von der Hunger wir haben die Körper [gestikuliert] ge- gerückt an die Wand und man ist gesitzen
[1:27:03] auf die Körper das war mehr Platz ich war in bei der letzte k- der letzte W- K- Waggon wir gehen raus wir haben kein Kraft zu gehen wir fallen runter von dem Waggon und man führt uns zu Waggonen auf schmale Gleisen was gehen von Weimar nach Buchenwald das
[1:27:29] geht ech- ein ein Reih- hin und zurück ma- man bringt uns zum äh Buchenwald und man lasst uns bei Nacht in die Waggonen wir kommen w- wecken sich auf früh mir sind wir sind bedeckt mit Schnee hat nicht gefühlt aber ob- ob- man sagt der Schnee hält warm
[1:27:56] äh w- man bringt uns zum äh Waschraum weiter dasselbe Scheren aber das war schon gut für uns weil wir haben voll mit F- mit äh mit F- äh (Fley) und äh der andere das m- w- bei bei am (Anfang) wenn wir sind gekommen auf ein Platz hat man runtergenommen
[1:28:25] Hosen genommen Stein und [gestikuliert] man hat gekloppt vo- das war voll ! voll bis zu man hat uns äh aufgegessen sie haben uns aufgegessen man hat äh man hat uns geschoren man hat d- äh äh man hat gebaden und man bringt uns in ein Baracke es Baracke
[1:28:51] ist leidig o- wir bekommen ein äh Anz- äh äh Anzüge was heißt Anzüge äh Hosen ohne ohne Unterhosen ohne ohne K- kein Knopf war an der Hosen hab gefunden ein Stückel Draht hab ich zugebunden äh (ne) Jacke aber die die Mütze neue neue Mütze da das
[1:29:19] war zu zerrissen und zu schmutzig s- wir sitzen in der Baracke es ist uns kalt wir st- bekommen einen Winkel eine den anderen sitz wir [imitiert Zittern] wir sitzen und äh Fußboden ist eingebrochen äh die Baracken sind doch gebaut auf (Peilen)
[1:29:40] mh
[1:29:42] äh lauter Erde [gestikuliert] wir sind runtergefallen vielleicht ein Meter oder Meter eineinhalb Meter dann hat man uns zurück gebracht in die Waschraum dort hat man hat von et- die Wände haben rausgen- und die ganze Hitze man hat nicht gekonnt atmen s-
[1:30:02] von der Hitze man hat uns nicht gelasst gehen in Toilet oder was hat man gemacht am Platz morgens die haben gesehen was pass- ist passiert hat man bekommen Schläge man hat uns übergeführt (und) Quarantänlager circa 3000 Menschen in der in Baracke vier
[1:30:26] Stock jeder eine sucht z- oben oben ist äh wärmer wie unten äh fünf Leute in ein vielleicht ein Meter wenn einer will sich überdrehen mussen sich alle fünf überdrehen einer kann sich nicht überdrehen essen bekomm weiter die Stück Brot und äh
[1:30:59] die Suppe man muss das endigen auf dem Platz wenn jemand geht mit ein Stückel Brot in der Hand befallen die andere zu probieren das das muss man muss man essen am Platz heute habe ich bekommen um um zehn Uhr morgens das Essen morgen hab ich gekonnt bekommen
[1:31:21] um acht Uhr abends so man fastet nicht 24 Stunden noch viel mehr zur Arbeit geht man nicht nur man zählt uns ganzen Tage »Appellplatz Appellplatz noch einmal« dort war ich im von äh äh zehnten Februar ungefähr oder später Febru- bis äh elften April
[1:32:01] bis Befreiung aber ein Woche früher hat man schon gehört die (Armaten) was Amerikaner schießen sa- sie hat man hat gesagt »Panzerspitzen sind in Weimar Amerikaner Panzerspitzen in Weimar« alle freuen sich küssen sich wie sehr wir sind schon zu bald
[1:32:27] befreit ich weiß nicht ich hab ich hab nicht dem Gefühl gehabt paar Minuten später Befehl »alle sämtliche jüdische Häftlinge antreten« und man führt uns aus aus dem Lager in ein äh in ein äh Tischlerei ein großer B- äh großer Ra- sehr großer
[1:32:59] Raum mit viel Holz (und da sind) Maschinen man hat uns rausgeführt dort von dort nimmt man raus Gruppen Menschen zum Bahnhof mit mir war ein Ba- ein Junge der älter von mir mit paar Jahr er sagt »wir gehen nicht raus von hier« was heißt wir gehen nicht
[1:33:20] raus ? sagt er »du kommst mit mir wir gehen nicht raus« wir haben sich versteckt untern Hofen von Holz Holz äh ha- legt man nicht an die Erde soll nicht da we- äh bekommen äh äh Wasser auf ein gibts [gestikuliert] solche äh Verhebungen von Holz jede
[1:33:48] zwei Meter oder was und da liegen die Bä- wir sind runtergegangen dort und nur liegen kann man man ist geblieben bis man hat rausgenommen alle Menschen wir kommen zurü- zurück nach Lager weil mussen etwas essen es bekommen es hat gedauert vielleicht noch
[1:34:06] drei Tage vier Tage weil man sucht uns ! wer wer ist mit dem äh [gestikuliert] mit den gelben Winkel wir best- äh behalten sich unter unter die äh Fußboden von Z- von Baracken dort haben die Angst gehabt reinzugehen war aber mit Schlauchen Wasser haben
[1:34:29] probiert uns rausjagen aber z- die Baracken sind sehr groß das war viel Platz die haben nicht gekonnt nach paar Tage wir sehen hören Tritte Holz von äh holzene Schuh wir haben sich gemacht Plätze weil die Baracken waren zugedeckt mit Erde war von die Seiten
[1:34:49] wir haben sich gemacht Plätze man soll kö- können sehen was passiert wir sehen vielleicht zwanzig russische Häftlinge mit Gewehren die s- die sind äh b- die haben befallen paar Soldaten paar SS al- die waren schon alte (SS) welche weggenommen das Gewehr
[1:35:13] von se die und beha- genommen die alle SS was sind noch geblieben äh haben sie runtergenommen von die äh Wag- äh Wachtürmen (über) dem haben gewollt machen Lynch- äh äh Lynch-
[1:35:32] Lynch- Lynchjustiz
[1:35:33] zu morgens zu Morgen früh sind gekommen Amerikaner und haben gemacht so man hat die die Häft- die was sich hat genommen die SS »wir wir äh wir sind a- äh äh wir werden be- äh machen was man braucht ihr könnt nix machen« man hat nicht gemacht lynch
[1:35:58] aber wir haben gemacht Rache vor auf die auf die Möbel auf die Sachen von die SS wir sind reingegangen in die Wohnung die Plätze wo die SS gewohnt war äh äh war ein Piano [gestikuliert] aufgemacht Fenster durchn Fenster rausgeschmissen ! und ge- verbrannt
[1:36:21] das man hat genommen Rache auf die äh auf die Sachen nicht auf die Menschen einmal wir sind gegangen nach dem wir befreit nach nach Jena Jena ist nicht weit äh von dort Jena ist macht doch die Glei- Glas- äh äh für die Fotoapparaten äh (wenn) äh Lornetten
[1:36:44] hat genommen Stücke Eisen und man hat gebrochen die Amerikaner haben ges- »was macht ihr das ist doch G- das ist doch äh Wertsachen das ist Gold !« [lacht] wir haben nicht verstanden was ist was ist das äh die Amerikaner brauchen zurückgehen und die
[1:37:09] Russen kommen nach Buchenwald das die die äh russische Zone
[1:37:15] darf darf ich ganz kurz nochmal nachfragen auch äh also Sie haben erzählt äh dass es hieß die Amerikaner sind schon in Weimar eine Woche bevor sie überhaupt dort waren äh
[1:37:29] ja (__) in Weimar waren die
[1:37:34] genau in Weimar waren sie auch und auch während während des äh des Marsches als Sie von äh Gleiwitz nach Groß-Rosen gegangen sind oder und oder äh haben haben Sie dann mitbekommen dass dass es äh dass die Rote Armee äh auch im Vormarsch ist und alle
[1:37:52] alle
[1:37:53] ja Rote Armee ist dort nicht gekommen dort ist gekommen nur Amerikaner
[1:37:56] ich meinte noch vorher als Sie als Sie äh v- aus
[1:38:00] [gleichzeitig:] ah bis bis zum Groß-Rosen
[1:38:02] genau als ha- haben Sie das irgendwie schon realisiert dass äh dass der Krieg jetzt eine andere Wendung nimmt dass äh
[1:38:10] ja das hat man äh äh gibts Menschen was sind weggelaufen aber wo hat man gekonnt laufen war nicht wo zu laufen spezial in unsere b- unsere d- d- [gestikuliert] die Streif- äh Sa- äh man gibt uns äh äh die Amerikaner haben rausgenommen äh äh Dokumen-
[1:38:36] äh nicht Dok- Ausweis dass wir sind befreit geworden dem dem Datum waren einzelne Möglichkeiten zurückgehen mit der Amerikaner und bleiben mit der Amerikaner bleiben mit die Russen und war dritte Möglichkeit Junge Junge was sind gew- ge- äh 17 bis elften
[1:39:05] April die können fahren nach Schweiz ich bin geboren Februar da war ich schon mit zwei Monate zwei Monate älter gehör ich nicht zu die zu die Gruppe äh w- das hat gemacht äh Rabbiner Amerikaner Sol- äh Rabbiner von äh d- amerikanische Armee hat gesammelt
[1:39:33] die junge Menschen
[1:39:36] Kinder gesammelt
[1:39:37] k- die junge Männer Menschen schicken nach Sanatorium in da in die Schweiz was mach ich ? sa- bei mir ist geschrieben fünf zwei 19- äh -28 hab ich zugeschrieben ein k- 12 aber man hat gesehen und der Rabbiner hat gesagt »geh rauf (hier) « war schöne Wagen
[1:40:01] zu fahren nach Schweiz und dann denk ich mir ich fahr nach Schweiz wieso ken- kann ich wissen ob jemand ist geb- leben geblieben von meiner Familie bin ich rausgegangen von dem von dem Wa- von dem Waggon das war nach Schweiz ich geblieben zu bleiben mit die
[1:40:22] Russen und die Russen haben uns gegeben Möglichkeit (rag) äh nach äh nur in August zu fahren nach Polen wir haben
[1:40:33] also im August 45 dann
[1:40:36] 45 man hat nicht gekonnt früher fahren d- die Krieg hat sich geendigt in achten Mai äh das ist [gestikuliert] Mai Juli Jun- äh Mai Juni Juli dann August Anfang August hat man uns gegeben Möglichkeit zu fahren nach äh nach Polen wir sind angekommen nach
[1:40:59] nach Kattowitz in äh kau- auch in Viehwagen und Kattowitz sind wir schon in äh Passagierwagen nach Krakau hat man bekommen äh äh frei frei die Rei- man hat gestempelt äh dass man
[1:41:20] freie Fahrt
[1:41:22] ohne ohne Geld hat man nicht gehabt
[1:41:24] ja (genau)
[1:41:25] ich komm nach Krakau mit ein Freund was auch von Krakau wir steigen aus auf Hauptbahnhof kommt zu uns eine Frau fragt sie »jüdische Kinder ?« wir sagen »ja« »dreht sich nicht da ist gefährlich« schon nach dem Krieg sie hat uns genommen zu sich nach
[1:41:52] Hause sie gibt uns zwei Betten ich gefind mir nicht Platz zu schlafen am Bett ich geh runter am Fußboden an die an die dort ist die Fußboden von Holz am Fußboden be- bin ich geschlafen gut morgens früh mein Freund geht zu zu sein Haus sie haben gehabt
[1:42:16] ein der der Vater war Apotheker die haben gehabt eine Haus äh in Krakau und ich geh zu die zwei Bruder Schlosser weil wir haben sich wir haben sich früher beschlossen dass wir ko- wenn jemand bleibt leben oder was kommen wir zu zu zu die Schlosser und man
[1:42:39] hat s- man darf sich äh vorstellen Halporn Arjan Halporn das ist mein Großvater der die Mutter ist von Hau- von zu Hause Halporn und Arjan ich die zwei Name sind das ist äh äh das ist diese soll man hat doch man hat sich doch geändert durch die paar
[1:43:03] Jahre ich komm zu den in die Werkstatt in die Schlosserei sagt er mir »der Ingenieur ist bei mir zu Hause«
[1:43:11] Ihr Onkel
[1:43:14] der Onkel
[1:43:16] mit dem Sie bis Auschwitz zusammen waren
[1:43:18] ja
[1:43:19] und das waren auch die Schlosser die Ihnen im Julag äh das
[1:43:22] er war er war nicht der Schlosser
[1:43:24] nein aber die die wo sie sich getroffen haben
[1:43:27] ja
[1:43:29] bei den bei den beiden Brüdern
[1:43:30] ja
[1:43:32] äh das waren auch die Brüder die Ihnen äh den Proviant
[1:43:34] die die was haben uns gebracht Essen
[1:43:36] gen- ins Julag als Sie (__) äh ja mhm
[1:43:38] [gleichzeitig:] ja ja ja ja äh er gibt mir Geld für zu zu fahren mit äh (__) hab mich begegnet mit den Onkel äh und ich bin geblieben mit mein Freund er hat bekommen ein Zimmer dort in sein Haus geschlafen in ein Bett zusammen äh dann seine Bruder
[1:44:01] sein Bruder ist zurückgekommen er hat mich nicht hab ich schon nicht gekonnt gehat Platz bin ich gegangen suchen anderen Platz zu schlafen äh und wir wollen ah ! äh ich bin eingekommen Mittwoch bei Nacht um äh hab ich mich getroffen Donnerstag hab ich
[1:44:22] mich getroffen mit mein Onkel und am Samstag wir sind gegangen essen Mittag in ein Privathaus was zwei Frauen äh was hab ich gezeigt der Foto mit ein Frau wem wem hab ich gezeigt ?
[1:44:39] mir haben Sie das gezeigt Sie wenn Sie möchten können Sie das Foto auch äh zeigen
[1:44:44] äh wa- wa- das eine Frau was sie mit noch eine andere eine Frau haben geführt ein Küche für die die waren auch be- befreit von Lager und für Geld äh solche (Mel-) wir haben doch nicht gehabt wo zu essen hat man dort gegessen kloppt man an Tür »Ihr
[1:45:02] sollt sich zerspreiten nicht bleiben äh äh m- viel Menschen zusammen was gibts ein« äh äh äh äh nu- äh so wie war in äh äh Kristallnacht nu wie heißt sich de- Po- Pogro- äh
[1:45:30] Pogrom ?
[1:45:32] Pogrom Pogrom in Deutschland sagt man Pogrom ?
[1:45:34] ja
[1:45:35] Pogrom was man hat gefangen ein jung- polnischen Junge Blut für für äh P- Mazzot
[1:45:42] mh ja
[1:45:44] man soll sich nicht se- sein zusammen bin ich rausgegangen mit mein Onkel wir gehen Richtung zum Weichsel zu war dort äh äh Krakau geht durch Weichsel steht ein Jung- ein klein Junge vielleicht drei Jahre er guckt uns an hebt auf den Finger [gestikuliert]
[1:46:07] »Jude jid« sag ich »so ein Junge der geboren geworden war kein Jude in Krakau von wo weiß so ein Kind wer ist Jude wer ist nicht« i- im Bauch im Bauch von die Mutter ist die Antisemitis- ge- gewachsen ich weiß nicht das bis heute verstehe ich nicht
[1:46:30] äh hat sich aufgemacht eine Schule dort in Krakau geh ich in die Schule ich bin schon äh beinahe 18 äh dort äh in Schule war ich hab geendigt fünf Kla- äh die fünfte Klasse äh wie kann ich gehen in die fünfte Klasse mit so kleine Kinder ? geh ich
[1:46:58] mit gro- mit große ich weiß gar nichts es mir schwer zu se- ein Buch für die ganze Klasse das die Lehrerin hat wir haben keine Bücher sie sch- sie le- äh lest vor von dem Buch wir schreiben äh war mir sehr schwer aber wir wir wollen wegfahren von
[1:47:23] Polen wegfahren von Polen nach Belgie zu der Tante man hat sich man hat sich äh äh äh nu- Verbindung gemacht mit P- und wieso hat sie gewusst die Tante dass ich bei in Leben ? man hat uns herausgenommen die Ausweisen hat man geschickt nach Amerika und dort
[1:47:47] war auch ein Schwester von meiner Mutter in New York hat sie in Zeitung gesehen mein Name
[1:47:53] und (__)
[1:47:55] hat sie geschrieben zu die Schwester Bel- nach Belgie als- »Naftali lebt ist äh befreit in Buchenwald also (se-) « äh
[1:48:05] Naftali darf ich nochmal ganz kurz äh fragen äh du sprichst jetzt auf Deutsch äh wo hast du Deutsch gelernt ?
[1:48:16] in Lager
[1:48:18] im Lager
[1:48:20] im Lager Jiddisch und Deutsch das die zwei Sprachen hab ich gelernt in in nur in Lager äh zwa- hab ich besser gesprochen das hab ich nur so gema- äh gelesen äh Bücher auch aber es schon Jahre Jahren hab ich nicht in das ist Sprache was hab ich nicht gelernt
[1:48:39] hab so von äh ich hab gemacht deutsche Kultur für zu bek- zu bekommen die Entschädigung (al-) Prüfungen schreiben und das sprechen hab ihm gesagt äh er hat gibt mir zu schreiben sag ich »in Polnisch kann ich auch nicht so gut schreiben ich hab geendigt
[1:48:57] nur vi-« hab gesagt v- äh gel- »vier Klassen« hab ich bekommen Bestätigung dass ich deutsche Kultur zugehörig [lacht] äh
[1:49:10] äh legal kann man nicht raus verlassen Polen haben sie geschaffen ein Gruppe Menschen und wir haben bef- äh gede- äh ein
[1:49:27] Lastwagen d- er hat genommen Geld er sagt er geht äh er geht (__) er geht verrichten das Wagen er wird er wird uns führen zu tschechische Greniz und dann je- dort sind Leute was werden uns überführen die polnisch-tschechische Gre- äh Grenze äh überführen
[1:49:47] wir warten in ein Be- Kaffeehaus in Zentr- in Zentrum von Krakau in der Haupt- Hauptcenter von Krakau äh das dauert sehr lang und er kommt nicht äh mein Onkel sagt »geh bring ein äh äh äh Fiaker äh ein äh«
[1:50:18] Pferdegespann
[1:50:19] Fiaker eine äh
[1:50:21] Fiaker kann man sagen
[1:50:22] Fiaker
[1:50:24] ja
[1:50:26] ja ? »wir fahren äh zurück äh wir warten nicht mehr« ich geh raus ich komm mit nem Fiaker will ich reingehen in die Café seh ich steht ein Mensch da draußen ich komm rein äh mein Onkel macht mir so [nickt] mit dem Kopp ich geh zu zu der äh dort kauf
[1:50:47] ich ein Paket Zigaretten ich will rausgehen drinnen steht noch einer sagt er »stop man geht nicht raus« der Chauffeur von dem Lastwagen ist gegangen in die Polizei eine Geheimpolizei hat gesagt »dort warten Menschen Juden was wollen üb- über die Grenze
[1:51:08] w- äh illegal« man hat uns genommen alle Menschen was waren drin reingehen kommt jeder raus nichts man hat uns genommen zu die Geheimpolizei und man hat uns geforscht Tag und Nacht »was wo will- willst du will- warum willst du ge- verlassen Polen ? wohin
[1:51:38] willst du wieso ? von wo hast du genommen das äh Pistol was hat man gefunden in dein äh äh deine Sachen« sag ich »was für Pistole ? ich hab kein Pistole hab nichts« sagt er »wieso sagst du nicht äh die richtige äh die Wahrheit wir schlagen« sag ich
[1:51:58] »für Schläge hab ich keine Angst ich hab schon genug Schläge bekommen« sagt er mir »wir k- wir können besser schlägen wie die Deutschen« man fü- man sch- weiter ab Haare abscheren der Onkel hat nicht gelasst abscheren der (Scha-) -haare man hat
[1:52:21] ihn reingesetzt in äh äh in in nu in so ein äh kleines kleines äh
[1:52:31] Zelle ?
[1:52:34] Zelle eine kleine Zelle einzeln
[1:52:36] ja
[1:52:37] und ich komm in eine Zelle mit vierzig Pola- Polen [räuspert sich; gestikuliert] Gauners Verbrechers Mörders Mitarbeiter mit die Deutschen ich eine Jude die machen verschiedene Spielen ich nehm mit teil der sagt mir einer sagt mir »wenn alle Juden wären
[1:53:05] gewesen so wie du hätt gut gewesen« war ich dort ein Monat man hat uns befreit Kaution man die Bekannte unsere haben uns befreit auf Kaution ich bekomm ein Zettel »befreit auf Kaution bis äh äh Gericht« wenn ist der Gericht weiß man noch nicht es
[1:53:36] hat vielleicht zwei Tage später nachdem man mir befreien ich gehe auf die Krakau ist rumgeringen mit äh äh Plant- äh Allee
[1:53:50] ja
[1:53:52] mit äh mit äh Baume mit äh die äh f- f- äh (__) Pflanzen und so früher war das der Mauer was war da ich seh dem Polizist dass das gemacht äh Mitteilen mit was man hat mich geschlagen was hab ich bekommen 25 ich hab schon gekonnt zurückgeben die Schl-
[1:54:18] äh
[1:54:19] die Schläge
[1:54:21] beza- das Schlagen ihn aber ich hab letzten Moment sag ich abgesch- Haare Zettel »befreit Kaution bis zum Gericht« wer geht erste zurück in die in den äh in Gefängnis ? ich ! das hat mich gekostet viel gesund dass ich nicht genommen Rache für an ihm
[1:54:48] äh
[1:54:51] inzwischen sind gekommen die was sind weggelaufen nach Russland sind gekommen ein Schwester von meiner Mutter die waren vier Schw- vier Töchter und zwei Söhne äh die eine war in Belgien Amerika und eine war Russland sie ist zurückgekommen die ein Tochter
[1:55:13] sie hat zwei Töchter gehat eine Tochter ist gestorben an Epidemie Typhus in Russland so so wie Vater von Sima auch gest- in äh gestorben in Russland äh von Epidemie Typhus wir wollen weiter noch einmal probieren noch einmal man hat gekauft falsche Papieren
[1:55:36] als Repartianten de- deut- deutsche Repartianten was gehen von die übergenommen St- äh Plätze was Polen hat übergenommen die fahren zurück nach Deutschland man hat bekommen von Roten Kreuz solche Papieren für Geld so wir fahren nach Deutschland wir kommen
[1:56:00] an an äh Bergen-Belsen dort war doch camp für die für zur Sammlung für äh Menschen was fahren nach nach Israel was fahren (__)
[1:56:16] DP-Camps for für Displaced Persons ja
[1:56:20] [hustet] und dort warten wir bis die Tante wird schicken jemand soll uns bringen nach Belgie warn wir dort paar Wochen äh kommt äh eine Frau sie nimmt uns mit ein äh Bahn nach Köln in Köln warten uns ein äh militärische Wagen mit zwei große [gestikuliert]
[1:56:50] Kisten wir steigen inwändig das heißt äh die Tante die die Kusine und der Onkel und ich vier Leute steigen auf den Wagen wir fahren Richtung Grenz von Holland paar Kilometer vor die Grenz ha- die halten ein machen auf dem Kasten der Onkel und ich in ein
[1:57:18] Kasten die Tante mit die Tochter ihr in den zweiten Kasten man verkloppt dem Kasten geh- in die deu- deutsche Grenze die haben Papieren dass äh das ist äh militäre Geheim- äh -zeug schon mal da äh äh deutsch- deutsche Grenze geht durch äh hollandische
[1:57:45] Grenze geht man durch frei die zeigen die Papieren gehen durch in Holland man wird ha- anhalten bekommt man etwas zu trinken das war Nacht fahren weiter wir kommen Grenze Holland Belgie noch einmal dieselbe (sagt er) »nach der Grenze hat man aufgemacht den
[1:58:07] Kasten wir gehen raus« weiter in die Kasten zurück äh die holländische Greniz geht man durch Belgien »nur aufmachen die Kasten« wir hören dem die [lacht] die Gespräche was sind die schreien »die das« äh Englisch Deutsch und Französisch alle Sprachen
[1:58:36] und mein Onkel will sehen wie lange wir sitzen da zündet an das Streichholz zu sehen das (se-) und die (____) die kommen mit äh Lampen in dies dies Span- von die Bretter Licht äh seh- und kloppen an die die Bretter wir zittern [lacht] weiß ich nicht
[1:59:01] was passiert hat lang gedauert man hat uns gelasst m- äh durchgelasst wir stei- wir gehen schon nicht raus von der Kasten nur in Antwerpen ich komme an Antwerpen an Nähe von Haus von meiner Tante dort macht man auf die Kasten wir gehen raus äh nu Freude
[1:59:27] nicht Freude Freude das ich bin ge- geblieben leben und aber die andere Misch- äh Familie ist umgekommen alles zum morgens geh ich mit die Tante zum Einkaufen alles neu sie hat ein Tochter in äh so mein Älter die Tochter ist zwei Jahre älter so wie meine
[1:59:59] Schwester und der Sohn ist zwei Jahre jünger von mir sie kauft mir a- alles komplett alles was man darf und nächsten Tag fahren wir nach Blankenberge zum jam zu Meer dort verbrach- verbring ich zwei oder drei Wochen bekomm ich äh neues Leben kommen zurück
[2:00:29] nach Antwerpen der Onkel mit die Tante und die Kusine haben ein gede- ein Wohnung äh ged- äh ge- äh gemietet und ich bin geblieben bei der Tante äh man hat mich geschickt lernen äh v- Beruf in Diamanten hab ich gelernt äh nicht lang hab ich da v- gefasst
[2:00:57] sofort und hab ich ver- verdient gearbeitet hab ich gekauft äh äh ein Motorrad äh n- Moto- äh äh Rad neuem Rad hab ich mir gekauft für Geld was hab ich verdient für für Leben für Anziehen hab ich nicht gebraucht sorgen dass die Tante mitn Onkel äh
[2:01:20] haben gesorgt alles die haben bezahlt damals 3000 Dollar für jede Person was man hat uns übergeführt durch die Gre- die von Deutschland nach Belgien damals war das ist 12000 Dollar damals war Millionen
[2:01:40] ja
[2:01:42] es war
[2:01:45] ein eine enorme Summe
[2:01:47] man kann nicht äh [hustet] äh ich mach gutes Leben hab geh ich in Organisation Junges-Organisation äh geh ich äh kommt äh Sommer fahr ich auf äh äh der Urlaub äh auch mit äh Jugend äh sehr wir z- schlafen in Zelten aber das hat mir gefallen da
[2:02:18] es war mir zu gut ich war nicht selbstständig
[2:02:27] mhm
[2:02:29] sag ich zum Onkel »ich fahr nach Israel« nach zweieihal- da war ich zweieihalb Jahre hab mich gemeldet mobilis- hab mich dort mobilisiert man hat mobilisiert von Israel in äh in äh in Ausland
[2:02:47] in Europa vor allem ja
[2:02:53] äh d- Hebräisch k- ist das (gachal) das ist Mobilisation in äh Ausland
[2:02:55] mhm
[2:02:57] man hat uns beschworen dort äh war die ga- ganze [lachend:] Zeremonie gemacht und ich fahr nach äh nach Israel in der Tasche hab ich zwanzig Dollar [lächelt] das ist mein Vermögen aber die Tante hat gesorgt alle neue Sa- neue Sachen sagt er »neuen Platz
[2:03:19] fahrt man nicht mit alte Sachen« alles gekauft neue diese komm ich nach Israel mobilisiert muss ich gehen äh in äh äh Kampf dort in äh dort geh ich durch äh ärztliche äh äh Untersuchung ich hab ein Problem mit äh [gestikuliert] rechten Aug das ist
[2:03:43] äh von Kind von Kind was äh das ist äh flache Gebäude von der von Auge das seh ich nicht gut bis heute aber ich hab Fa- äh Fa- Fahrscheine werd alles machen äh äh nu sieht man nicht das merkt man nicht aber das ich seh sehr schwach seh ich also bekomm
[2:04:09] ich Befreiung äh und such ich äh wo zu wohnen hab gewusst dass die Frau was hab ich gesagt äh was hab ich gezeigt auf dem Foto lebt in Bnei Brak komm ich dort zwei Nächte ge- schlaf ich dort dann ging ich ein Zimmer äh oben mit äh bei einer ältere Frau
[2:04:35] und such ich Arbeit such ich Arbeit bei Diamant arbeite ich schon paar paar Tage sagt er »befrei den dem Platz« war der wa- der Junge was arbeit auf der Maschine kommt vom Militär auf äh Urlaub er er braucht äh es ist sein Platz es ist sein Platz nicht
[2:04:56] meiner aber ich brauch doch Essen brauch doch bezahlen die dem Wohnung ! geh ich in Tischlerei suchen Arbeit in Tischlerei also ich stelle mich vor da is- ich stell mich vor dass ich bin äh Maschinentischler war gearbeitet in äh auf Maschinen äh äh
[2:05:18] man hat mich geschickt auf Prüfung äh und dann hab ich gearbeitet schon dort äh d- d- p- gewissen Zeit und dann ist gekommen schwere Zeiten mit Arbeit der sagt mir »ich hab kein Arbeit du musst zu suchen etwas anderes« äh es ist gekommen jetzt ein Mann
[2:05:43] er sucht eine was kann Dach decken sagt er mir der der Tischler was hab ich gearbeitet »Naftali geh dort« sag ich »ich kann doch nicht decken ich hab doch ich kann z- äh Baracken s- Platten aber Dach de- äh decke kann ich nicht weiß ich nicht wie man
[2:06:06] (_) « »geh geh geh du wirst sehen« zu Morgen sind wir in der Früh bin ich gegangen dort hab gearbeitet auf 42 Jahre auf die Stelle jetzt [lächelt]
[2:06:23] dann würd ich sagen machen wir noch mal ne kurze Pause
[2:06:28] bitte [Schnitt]
[2:06:29] äh wir haben ganz kurz in der Pause jetzt nochmal darüber gesprochen dass Naftali dass du noch ein paar Bilder zeigst äh von deiner Familie ähm auch von dir selbst äh nach der Befreiung und auch ähm nochmal von dir und Sima und wir dann nochmal ganz
[2:06:48] kurz äh über deine Arbeit der letzten zehn Jahre als Zeitzeuge oder als lebendiger Zeuge wie du gestern gesagt hast nochmal kurz darüber sprechen
[2:06:57] [gleichzeitig; zeigt im Folgenden die Fotos in einem Fotoalbum:] ja ken [blättert] was ist das Bild von wo ist das schon vergessen was ah das von Buchenwald ja ?
[2:07:24] ja oder auch vielleicht auch von deiner Familie erst äh
[2:07:27] von meiner Familie das ist äh
[2:07:30] mit deinem Vater und deiner Mutter und deiner Schwester
[2:07:32] ah das hab ich nur als kleine Kinder
[2:07:34] ja
[2:07:36] (nur) das
[2:07:38] wir sind jetzt glaub ich bei dem Bild von Buchenwald
[2:07:42] das sind die zwei Bilder von Bu-
[2:07:44] genau das war wenige Wochen nach der Befreiung
[2:07:51] äh das war schon äh zwei Monate nach der Befrei-
[2:07:55] zwei Monate nach der Befreiung
[2:07:57] das war ich schon kräftig in drei Monate hab ich gedoppelt mein W- mein äh mein äh
[2:08:06] Ge- Gewicht
[2:08:09] hab gewogen 32 Kilo beim Befreiung und drei Monat später hab ich schon über über sechs- ich gemeint dass ich beinah siebzig Kilo gewogen
[2:08:18] dann haben wir ähm das reich ich dir vielleicht kurz an ein großes Bild mit dem Hochzeitsbild und ihr seid jetzt seit diesem Jahr sechzig Jahre verheiratet Sima und du und habt wie viel Kinder ? wie viel Enkelkinder ?
[2:08:55] hab s- drei Kinder sieben Enekel eine Urenekel das ist vier vier Jahre alt heute
[2:09:03] vielleicht ähm Naftali vielleicht magst du noch einmal kurz das Foto zeigen wo ähm deine Eltern und deine Geschwister drauf sind was du heute schon mal bei der Vorbesprechung kurz gezeigt hattest
[2:09:24] was soll will äh ?
[2:09:25] ähm du hattest ein ein Foto wo deine äh Schwestern auch drauf abgebildet sind ein Kinderfoto
[2:09:34] das hat man gezeigt früher das
[2:09:35] ja eben
[2:09:37] das ist [nimmt Fotoalbum] ah das ist hier mit mei- Schw- das ist mein Schwester und ich
[2:09:43] mhm
[2:09:45] und da unten ist meine Mutter und der Großvater
[2:09:48] welche Schwester ist das mit der du auf dem Foto abgebildet bist ?
[2:09:52] das äh
[2:09:54] welche Schwester ?
[2:09:56] das ist die größere Schwester die kleine hab ich kein Bild
[2:09:59] mhm
[2:10:01] äh mach- machen wir weiter ?
[2:10:14] [gleichzeitig:] du a- ja wir machen weiter du hast äh
[2:10:17] äh z- gut komm ich äh in äh Beka- äh Bekann- ich mach mich bekannt mit äh Sima äh und halbes Jahr später heiraten wir äh wir haben äh drei drei drei Kinder zwei Söhne und Tochter Shlomo Shai äh Jeschajahu (acher-) nach mein mein Vater Shlomo
[2:10:47] nach äh der Name ist nach dem Vater von der Sima und äh die Tochter Anat die die Differenz ist äh groß bei ihnen zwischen äh Söhne wie Tochter es ist äh zehn Jahre Differenz äh äh Anat äh hab ich nicht gekonnt geben Name nach meiner Mutter
[2:11:11] ge- weil bei uns Na- kann man nicht geben Name wenn der Mutter von der Frau hat denselben Name gerade ist Mutter äh Bella meine Mutter Bella das hab ich nicht gekonnt äh geben aber dann hat man geben Anat das war der äh hab ich erzählt hab ich gearbeitet
[2:11:36] zweiund- 42 Jahre in ein Firma rausgegangen auf Pension gearbeitet noch zehn Jahre und dann hab ich mir angefangen zu beschäftigen äh mit äh äh mit Holocaust äh ich begleite äh die K- Schulkinder nach Polen äh fünf sechs Mal in Jahr schon mache
[2:12:05] ich das schon zehn Jahre äh dort treffen sich äh mit äh auch mit die Schul- polnische Schule manches Mal und ich komm nach Auschwitz zeige ich wo meine Pritsche ist gestanden wie die da heute stehen sind dort nicht Pritschen man hat ist äh ist Museum
[2:12:32] ähm auch in äh Plaszow war ich erzähle etwas was passiert aber in Plaszow gibt es ni- gar nichts nur Feld und z- und äh und äh anderen (Ku-) Monament mehr nicht da äh dieses Jahr war ich auch mit äh Militär äh 200 äh äh äh Offizieren mit hohe
[2:13:07] Rang und äh es war sehr sehr interessant und sehr äh ähm
[2:13:19] bewegend auch wir haben noch das Bild was du uns gestern bereits gezeigt hast
[2:13:26] [gleichzeitig:] ich reiche mal das Bild an
[2:13:28] ähm das war jetzt im Mai ?
[2:13:31] Mai äh Monat Mai dieses Jahr
[2:13:34] und oder genau
[2:13:47] und ich hoffe dass äh w- ich werde noch haben Kraft zu weiter weiter zu gehen weiter vorgestern war ich in äh Naharija dort hab ich begegnet die Schule was haben geendigt äh äh darum hab ich nicht gekonnt mit euch sein äh das ist äh brauch man fahren
[2:14:19] bis da äh äh circa drei Stunden äh und zurück Abend Auto das ist das ist schon äh schwierig für mich ein bissel äh aber mich hat mich aufgenommen sehr schön sehr haben sich de- sehr gefreut dass ich bin gekommen bekommen Briefe von die Kinder sehr
[2:14:47] herzliche Briefe ich hab schon äh ganz- ganze Pakete von Briefe von von so was jedes Mal schreiben mir die Kinder gibts Kinder was ich bin in Kontakt weiter in Kontakt mit sie auch die von die Offizieren unsere (g- auch) äh halt ich sie bin ich in Kontakt
[2:15:10] äh weiter äh und das ist äh das hat gewesen alles äh für mich
[2:15:22] du bist auch in Kontakt du warst auch schon mal in Deutschland du bist sehr aktiv äh was das angeht du warst schon in Hamburg das ist zehn Jahre her glaub ich
[2:15:31] äh das im äh mit äh elf Jahre zurück war ich in Hamburg in die Schule auch äh erzählen vor die Kinder mein Überlebnis und dann bin ich bin ich in Kontakt ge- die wir kommen wenn die kommen hier zu m- wir sind eingeladen in eine Café wir sitzen sprechen
[2:15:53] und jeden Geburtstag bekomm ich ein schönes äh Blumen- äh äh
[2:16:02] Blumenstrauß
[2:16:03] Blumenstrauß ein sehr große schönes ja das kommt immer am fünften Februar die f- das schon elf Jahre das ist in jedes Jahr so
[2:16:13] ist es dir schwer gefallen nach Deutschland zu fahren ?
[2:16:19] äh ich hab gehat ein bissel äh s- aber noch eins noch ein Sach wollt ich sagen wem wem wir haben dort begegnet an Amon Göth habt ihr gehört ?
[2:16:37] ja
[2:16:38] [gleichzeitig:] ja
[2:16:40] sein Tochter
[2:16:41] Monika
[2:16:43] man hat sich begegnet sie hat gedenkt dass die Mutter war äh freundlich für die Juden aber nicht so war ab- sie aber sie hat nicht gekannt dem Vater wenn sie ist geboren geworden ist der Vater war schon äh aufgehangen in Krakau äh sie hat geschrieben
[2:17:08] ein Buch wegen wenn hat sie ge- wenn hat sie erwusst dass der Vater wer war ihr Vater wenn ist rausgekommen der Film von äh äh äh L- »Schindler Liste« hat sie das gesehen hat sie angefangen zu forschen am Vater und von uns hat sie gehört auch war noch
[2:17:33] ein Mann was das war längere Zeit in in Plaszow er hat gekonnt äh viel mehr erzählen m- was ich durch die ich war nur kurze Zeit äh er war doch Unmensch er hat gekonnt er ist immer in zwei Hunde ge- äh spaziert gegangen in Lager äh d- zu die Hunde
[2:17:58] hat er gesagt »Herr« zu Jude hat er gesagt »Hund« und hat er gesagt äh äh »Herrn zu reißen sie dem Hund« ist ist äh und die Hunde haben haben sein Gefehlt aus- Befehl ausgeführt das war Amon Göth äh wenn sie hat das gehört äh sie sie sie sin-
[2:18:22] hat ist gekommen ein Moment was sie hat gesagt sie will sich Lebens nehmen wir haben aufgepasst dass sie das nicht machen Leben bei u- äh zwischen uns bis man hat sie geschickt nach Hause so w- fahren wir haben gespendet die Reise sie wohnt in äh ähm in
[2:18:42] (Bayern) wenn wir waren in Ha- Hamburg hat die Reise ist d- große Reise wir haben das bezahlt die Reise sie hat kein Geld aber das war war gut was war die Television von von äh deutsche Television hat das äh aufgenommen und äh Zeitungen haben geschrieben
[2:19:05] dass äh sie hat geschrieben ein Buch »Doch ich muss mein Vater lieb haben«
[2:19:11] mhm
[2:19:13] so sa- so ist das ist meine Geschichte so se- ich freu mich dass gibts noch junge Leute was sind freundlich für die Juden was sie sehen nicht die Juden als äh Monstrum als äh Unmenschen was die die leider so war das
[2:19:43] ja Martin möchtest du noch was fragen ?
[2:19:49] ja nein dankesch-
[2:19:55] dann äh möchte ich mich ganz herzlich äh bei dir als auch bei Sima für die Gastfreundschaft bedanken und äh auch dafür dass du uns dieses Interview gegeben hast vielen Dank
[2:20:03] dankesch-
[2:20:04] herzlichen Dank
[2:20:05] ich danke euch auch das ist äh soll nicht vergessen !
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1928 | Krakau | Geburt als Sohn eines Inhabers eines Bekleidungsgeschäftes |
| 1934 - 1937 | Krakau | Besuch der zionistischen Mizrachi-Schule |
| 1937 - 1939 | Krakau | Besuch einer weiterführenden jüdischen Schule |
| ab 1939 | Krakau | bei Beginn des Zweiten Weltkrieges Flucht des Vaters Richtung Osten, Umzug der übrigen Familie zum Großvater |
| 1940 - 1942 | Skała | Zwangsumzug der Familie aus Krakau, Leben in ärmlichen und beengten Verhältnissen, Zwangsarbeit |
| 1942 - 1944 | Plaszow (Straflager, Konzentrationslager) | Zwangsarbeit |
| 1942 - 1944 | Julag I | Zwangsarbeit |
| ab 1942 | Słomniki | Deportation, bei der Selektion Trennung von der Mutter und den Geschwistern |
| 1944 - 1944 | Auschwitz I (Konzentrationslager) | Deportation zur Zwangsarbeit, Arbeit in der Tischlerei |
| 1944 - 1945 | Gleiwitz (Konzentrationslager) | Deportation zur Zwangsarbeit, Aufbau von Lagerbaracken, Reparatur von Eisenbahnwaggons |
| 1945 - 1945 | Groß-Rosen (Konzentrationslager) | Todesmarsch |
| ab 1945 | Buchenwald (Konzentrationslager) | Deportation im offenen Viehwaggon |
| ab 1945 | Buchenwald (Konzentrationslager) | Befreiung durch amerikanische Truppen |
| ab 1945 | Krakau | Rückkehr nach Krakau und Suche nach Überlebenden |
| ab 1945 | Krakau | gescheiterter Versuch der illegalen Ausreise, Verhaftung durch polnische Geheimpolizei |
| ab 1946 | Antwerpen | mit überlebenden Familienmitgliedern Aufenthalt im DP-Camp Bergen-Belsen, illegaler Grenzübertritt nach Belgien und Flucht nach Antwerpen |
| ab 1949 | Israel | verschiedene Tätigkeiten als Handwerker und Bauarbeiter, 42 Jahre Arbeit als Dachdecker |
| ab 1949 | Haifa | Auswanderung nach Israel |
| ab 1953 | Israel | Heirat mit Sima Simcha Selengfrojnd |
| ab 2003 | Israel | Arbeit als Zeitzeuge mit Kindern, Jugendlichen und israelischen Soldaten |
Das Leben der Familie änderte sich grundlegend mit dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Einem allgemeinen Aufruf folgend, flüchtete der Vater am 1. September 1939 vor der Wehrmacht Richtung Osten, es sollte ein Abschied für immer werden. Im November 1940 war die Familie gezwungen, in das nahe gelegene Städtchen Skała zu ziehen, wo sie unter ärmlichen Bedingungen lebte. Obwohl noch ein Kind, musste Naftali Arjan durch verschiedene Arbeiten zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Viele der hier erlernten handwerklichen Fähigkeiten halfen ihm später beim Überleben. Am 22. August 1942 wurde die Familie mit anderen Juden der Stadt zusammengetrieben, die Großmutter an Ort und Stelle erschossen und die übrigen Familienmitglieder nach Słomniki deportiert, wo eine Selektion stattfand. Während Naftali Arjan als arbeitsfähig eingestuft und weiter in das Julag I nach Krakau deportiert wurde, blieben seine Mutter und die Schwestern zurück. Sie wurden im Vernichtungslager Belzec ermordet.
Für Naftali Arjan begann mit der Inhaftierung im Julag I eine bis zum Kriegsende andauernde Zeit ständiger Peinigung und Lebensbedrohung. Insbesondere setzten ihm die körperlich sehr schwere Zwangsarbeit und der ständige Hunger zu. Im Konzentrationslager Plaszow erlebte er unter dem sadistischen Kommandanten Amon Göth Haftbedingungen, die für ihn noch schlimmer als diejenigen im Konzentrationslager Auschwitz I waren, wohin er im Februar 1944 deportiert wurde. Von dort gelangte er in das Konzentrationslager Gleiwitz, mit einem Todesmarsch im Januar 1945 in das Konzentrationslager Groß-Rosen, später noch mit einem Bahntransport bei eisiger Kälte in das Konzentrationslager Buchenwald. Bei der Befreiung des Lagers durch amerikanische Truppen am 11. April 1945 wog er nur noch 32 Kilogramm.
Als er im August 1945 in Krakau nach Überlebenden seiner Familie suchte, musste er feststellen, dass weder die Eltern noch seine Schwestern Krieg und Holocaust überlebt hatten. Zudem machte er die Erfahrung, dass es auch im Polen der Nachkriegszeit Antisemitismus gab, der bis zur direkten Bedrohung jüdischen Lebens reichte. Ein erster Versuch, illegal das Land zu verlassen, endete mit seiner Verhaftung durch die polnische Geheimpolizei und einer vorübergehenden Inhaftierung. Ein weiterer Versuch der Ausreise war erfolgreich, zusammen mit einer Tante, einem Onkel und einer Cousine gelangte er über Deutschland nach Belgien, eine Zwischenstation zur Emigration nach Israel. Am 10. Januar 1949 erreichte er Haifa und baute sich als Dachdecker eine berufliche Existenz auf. Im August 1953 heiratete er Sima Simcha Selengfrojnd, das Ehepaar bekam drei Kinder und sieben Enkelkinder.
Nach seiner Pensionierung begann Naftali Arjan, sich intensiv mit dem Holocaust zu beschäftigen und als Zeitzeuge Schülern und israelischen Soldaten von der Verfolgung seiner Familie und seiner Leidenszeit in den deutschen Konzentrationslagern zu berichten. Seine Begegnungen führten ihn auch nach Deutschland und Polen. Niemals sollten die schrecklichen Geschehnisse in Vergessenheit geraten. Die vielen Briefe von Schulklassen, die ihn als Reaktion auf seine Besuche erreichten, motivierten ihn immer wieder, trotz seines Alters und der belastenden Erinnerungen, seine Tätigkeit als Zeitzeuge fortzusetzen.