Pnina Feiler (*09.09.1923, Lodz)
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- Signatur
- 01175/sdje/0067
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Yad Hana, den 15. November 2013
- Dauer
- 02:53:27
- Interviewter
- Pnina Feiler
- Interviewer
- Lennart Bohne , Daniel Baranowski
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Redaktion
- Lennart Bohne
- Transkription
- Lennart Bohne
Pnina Feiler war 15 Jahre alt, als sie im September 1938 gemeinsam mit ihrer Mutter aus dem polnischen Lodz nach Palästina auswanderte. Dank der Unterstützung durch den zionistischen Onkel Albert Epsztajn war es ihnen möglich, Europa zu verlassen und so dem Holocaust zu entrinnen. Pnina Feiler kam 1923 zur Welt. Ihr Vater, ein Hebräischlehrer, starb, als sie zwei Jahre alt war. Die Mutter arbeitete im Textilgeschäft der Großeltern, die eine große Rolle bei der Erziehung von Pnina Feiler einnahmen. 1935 wurde ihr älterer Bruder David bei einer illegalen kommunistischen Versammlung verhaftet. Die einzige Möglichkeit, der Haftstrafe zu entgehen, war seine Auswanderung nach Palästina. Pnina Feiler und ihre Mutter folgten drei Jahre später. Sofort begann sie mit dem Erlernen der hebräischen Sprache und besuchte ein Gymnasium. Bei Veranstaltungen der kommunistischen Parteijugend lernte sie Rolf Elieser Feiler kennen, den sie 1946 heiratete. Doch zunächst ging sie nach Beirut, wo sie ein Medizinstudium aufnahm, das sie jedoch aufgrund des sich abzeichnenden Israelischen Unabhängigkeitskrieges aufgeben musste. In Tel Aviv versorgte sie als Krankenschwester die verwundeten Soldaten, was ihre politische Haltung prägte: Sie betätigte sich in der Linken und arbeitete auch nach ihrer Pensionierung als Freiwillige in den palästinensischen Autonomiegebieten, um medizinische Hilfe zu geben. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie neunzig Jahre alt.
Vorkontakte
Vermittlung des Kontaktes durch Israel Löwenstein, mit dem wir 3 ½ Jahre zuvor ein Interview aufgenommen haben, PF ist dessen Nachbarin; dann üblicher Vorlauf inklusive Telefonat, Vorgespräch am Abend vor dem Interview
Bedingungen
trotz etwas beengter Sitzsituation keine schwierige AS, in der Wohnung von PF
Gruppensituation
zwei Interviewer, ein Kameramann (Daniel Hübner); mehrmals betreten Leute die Wohnung, verlassen diese jedoch umgehend wieder, als sie bemerken, dass wir eine Aufnahme machen
Unterbrechungen
erste von PF gewünscht; zweite von DB gewünscht; dritte von LB eingeleitet, um bereit gelegte Fotos zu sortieren; weitere kurze Unterbrechungen wegen Mikrofonproblemen, Eintritt von Interviewfremden in die Wohnung und Telefonanrufen
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, intern
Eindrücke
sehr ausgeglichenes, ruhiges Interview; nach dem teilweise etwas chaotischen Vorgespräch ist es zunächst etwas überraschend, dass PF einerseits zunächst gar nicht so flüssig und durchgängig wie erwartet spricht, dass sie andererseits jedoch darum bemüht ist, nicht zu viele, eher nebensächliche Seitenpfade abzuschreiten, sondern sich sehr stark auf ihre persönliche Geschichte konzentriert; es scheint mir, dass sie sehr froh ist, dass auch ihre Lebensgeschichte in einem Kontext Beachtung findet, mit dem sie gemeinhin nicht verbunden wird; sehr rundes Interview
[0:00] wir haben heute den 15ten November 2013 und sind zu Gast bei Pnina Feiler in Yad Hana in Israel wir führen heute ein Interview mit ihr für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin das Interviewprojekt
[0:17] wird unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes mein Name ist Lennart Bohne ich führe das Interview gemeinsam mit Daniel Baranowski und Daniel Hübner ist für die Kamera zuständig [Schnitt]
[0:28] Frau Feiler vielleicht können Sie uns zu Beginn des Interviews
[0:34] äh damit anfangen vielleicht ein wenig über Ihre Familie zu erzählen
[0:39] ja ich kann äh mein Name ist Pnina Feiler äh meine Mutter war Najdorf ich bin geheiratet dann hat man den Namen geändert und äh was wollen Sie noch wissen ?
[1:02] wo Sie geboren wurden
[1:05] ah ich bin geboren in Łódź Lodz sagt man bei euch in Polen äh Straße Połódniowa neun äh ich hatte einen Bruder vier Jahre älter als ich an meine Geburt kann ich mich nicht erinnern das ist klar aber da habe ich ein Foto wo meine Mutter schwanger
[1:36] war mit mir und da kann man meine Mutter und meinen Vater [zeigt Foto] das ist meine Mutter das ist mein Vater da unten ist mein älterer Bruder und das sind Brüder und Schwestern von meiner Mutter und da hat meine Tochter ihren ihres Foto ge- reingeklebt
[2:03] weil sie ist sehr ähnlich zu meiner Mutter also das ist einmal
[2:10] in welchem Jahr war das ?
[2:13] 1923 also neunzig Jahre zurück
[2:19] was sind Ihre frühesten Erinnerungen an an Lodz oder an die Zeit in Lodz
[2:27] äh meine frühesten
[2:33] kleinen Augenblick
[2:35] wir machen eine kleine Pause
[2:38] [gleichzeitig:] ich kann mich ich kann mich [Schnitt] meine Eltern wohnten äh auf Połódniowa neun in einer sehr schönen Wohnung aber an die kann ich mich nicht erinnern weil äh meine Mu- mein Vater ist sehr früh gestorben als ich noch keine zwei Jahre
[2:56] alt war und wir sind zurückgegangen zu ihren Eltern die wohnten nicht sehr weit von Połódniowa das war Piotrkowska Numero acht und meine Großmutter und Großvater sie hatten ein Textilgeschäft Łódź war bekannt für Textil überhaupt und meine Mutter
[3:27] arbeitete dort als Verkäuferin und dann waren ihre zwei Brüder sie hatte mehr ab- dann waren sie noch nicht verheiratet und sie wohnten auch dort also hatte ich eigentlich eine eine wirkliche Familie nicht nur einen Vater sondern diese Brüder von meiner
[3:50] Mutter die waren für mich als die beste Väter und ich kann mich erinnern an eine sehr angenehme Kindheit obwohl die Leute waren nicht reich das war nach dem Krach von 29 haben sie sehr viel Geld verloren vorher waren sie [gestikuliert] ziemlich äh ziemlich
[4:20] gut situiert aber dann das hat mich nicht gestört und äh sie waren sehr lieb zu mir auch meine Großmutter und mein Großvater an die kann mich kann ich mich sehr gut erinnern ähm viel Spielzeug hab ich nicht gehabt es war ein Teddybär ich kann mich
[4:48] erinnern dass ein Auge war nicht mehr da da hat man einen Knopf da rein genäht und dann hab ich das ist auch eine Geschichte hab ich eine Puppe bekommen als Geschenk von jemand von Ausland ich weiß nicht mehr wer das war eine Venus eine sehr schöne Puppe
[5:09] mit einem Porzellankopf und rote Haare und ich glaube ich war dann vielleicht drei oder vier Jahre alt aber das war ein Trauma die Puppe ha- konnte die Augen zu- und aufmachen und das war für mich ein i- ich wusste nicht wieso kommt das vor dann habe ich
[5:33] genommen die Puppe und [gestikuliert] ge- auf den Boden geschmissen und zertrümmert den Kopf und dann sah ich so ein äh wie sagt man das a wire
[5:49] Draht
[5:51] ein Draht mit diese zwei Kugeln wo man zeigt wie die Augen sind und das war schrecklich und bis heute kann ich mich erinnern daran so so eine blöde Geschichte aber sonst hab ich keinerlei Spielzeug gehabt aber das hat mich nicht gestört
[6:15] haben Sie äh Erinnerungen an Ihren Vater oder ist das zu früh gewesen ?
[6:21] [betont:] überhaupt keine überhaupt keine was ich über meinen Vater erfahren habe ist durch meinen Bruder der war dann fünf oder noch fünfeinhalb Jahre alt und er hat über ihn etwas erzählt meine Mutter behauptete dass sie kann sich nicht erinnern
[6:46] an ihn ich glaube das weil es war eine Trauma für sie und sie wollte das vielleicht runterdrücken sie wollte nicht sie hat mir nichts über ihn erzählt
[7:01] wie alt war Ihre Mutter denn als der Vater gestorben ist ?
[7:07] na jung sie haben geheiratet als sie 18 oder 19 Jahre alt war er war vielleicht ein Jahr älter oder zwei äh er war ein Lehrer Hebräisch mein Großvater äh behauptete dass meine Mutter sehr intelligent war und zu dieser Zeit sie war geboren ich glaube
[7:33] in Anfang von dem zwanzigsten Jahrhundert hat er sie gesendet zum Gymnasium das war dann für Mädchen nicht so sehr äh äh
[7:47] üblich
[7:50] üblich ja ich vergesse manche Wörter äh aber das war ihm nicht genug er wollte dass sie auch Hebräisch lernt und äh mein Vater war ein Lehrer und sie haben sich verliebt und sie wollte er und sie sie wollten heiraten und meine Großmutter und Großvater
[8:21] waren nicht sehr zufrieden weil ein Lehrer dann war für die nicht hoch genug sie waren reich sie waren (da) und plötzlich ein Lehrer das ist so wie also aber meine Mutter wollte das und sie hat gesagt »wenn ihr mir nicht erlaubt werde ich mit ihm äh
[8:45] weg gehen« nu also heirateten sie und die und diese Wohnung haben sie für sie gekauft Połódniowa neun aber leider wurde er krank sehr früh Krebs und man hat versucht nach Wien nach Berlin und so weiter zu fahren und ihm aber es hat nichts geholfen das
[9:11] hab ich erfahren nicht von meiner Mutter also hab ich von ihm keinerlei äh keinerlei Erinnerungen ja was wollten sie noch mehr
[9:27] wie sind Sie dann aufgewachsen waren beispielsweise Ihre Großeltern für die Erziehung auch zuständig hat die Religion -ne Rolle gespielt
[9:35] [gleichzeitig:] ja meine Mutter und die Brüder und die ganze Familie die waren nicht religiös man sprach Polnisch zu Hause auch auf der Straße und äh pf- meine Großmutter war sehr religiös und meine Mutter arbeitete einen langen Arbeitstag in in diesem
[10:08] Geschäft Textilgeschäft und äh ich war mit meiner Großmutter bei ihr hab ich auch Jiddisch gelernt weil sie konnte kein Polnisch sprechen also haben wir Jiddisch gesprochen und bis heute kann ich ein bisschen Jiddisch noch äh und äh sie war eigentlich
[10:31] so wie meine Mutter und ich hab sehr gerne gehabt bei ihr in der Küche zu sitzen und sehen wie sie kocht und was sie kocht und bis heute kann ich mich noch erinnern wie man diese Suppe oder diese Klopse oder gefi- Fisch kocht und so weiter und das hab ich
[10:53] am gernsten von allen äh Speisen bis heute mein Großvater ist auch früher gestorben also äh aber an ihn kann ich mich sehr gut erinnern
[11:07] ähm die Feiertage wurden gefeiert vermutlich
[11:12] [betont:] ja klar Pessach mit die hatte einen großen Korb mit allem Geschirr also Teller und und Töpfe alles für Pessach das war oben auf irgend wie heißt das ?
[11:32] ein Dachboden
[11:35] ja und das wurde also das war eine Zeremonie die Küche wurde gewaschen und es war so ein ein Tisch ein äh Küchenschrank der wurde mit Lauge und kochendem Wasser gescheuert und dann rumgedreht dass die dass de- de- das Gesicht von dem Schrank am am an der
[12:05] Wand war und dann zugedeckt mit einem weißen Laken und da an solche Dinge kann ich mich sehr gut erinnern und dann war alles also vor ein Tag vor Pessach alles sauber gemacht und wir suchten [gestikuliert] nach Krümeln wo da sind da macht man tut man Krümel
[12:28] rum und mit einer Feder fegt man das aus und dann abends war der Sederabend mit allem Drin und Dran und ich kann mich noch an meinen Großvater erinnern er saß auf so einem so einem Fauteuil mit ein Kissen wie es sich gehört man soll sich anlehnen und
[12:55] äh und die Speisen wie es wie es sich gehört und die Gesänge und und beten und alles war es war sehr schön für für ein Kind war überhaupt der Sederabend glaube ich wurde vorbereitet so weil das ist ein langer Abend mit äh also drei Stunden Minimum
[13:18] dann gibt es Gesänge ich glaube das ist so dass die Kinder nicht einschlafen oder dass es nicht zu langweilig wird für sie und die Gesänge bis heute kenne ich und als ich meine Kinder hatte habe ich das weitergemacht und auch meine Kinder bis jetzt obwohl
[13:42] sie in Schweden wohnen und sie sind nicht religiös und ich bin auch Atheist aber ich habe gerne zu feiern also ich mach die Pessach a- jetzt letztens nicht das ist mir etwas schwierig aber meine Kinder sie machen Pessach [betont:] in Schweden und sie machen
[14:04] auch Weihnachten Weihnachten und Chanukka und so weiter und so fort also das ist geblieben weil ich finde es ist sehr schön dass man einen anderen Tag (auch) auch Schabbat es war als ich noch im Kibbuz nicht wohnte hab ich ein ander- anderes Essen und ein
[14:30] schönen äh eine schöne Tischdecke auf die Tisch gelegt und es war Schabbat es war ein anderer Tag nicht so wie jeder Tag also das habe ich von meiner Großmutter
[14:44] äh
[14:47] [gleichzeitig:] Zelda hieß sie ja und by the way meine Tochter hat sich bei mir beklagt ich habe meinem Sohn er er ist zwei Jahre älter als meine Tochter den zwei Namen gegeben er heißt Dror das ist auf Hebräisch Freiheit und auch ein Vogel äh wie heißt
[15:13] der Vogel auf Deutsch weiß ich nicht das ist so ein grauer Vogel der immer überall läuft ich weiß nicht wie das heißt auf jedenfalls Dror aber sein Vater hieß Elimelech Dror Elimelech Feiler meine Mutter lebte noch als ich die Tochter hatte dann konnte
[15:37] ich das ist nicht kein das ist bei Juden kein nicht äh wie sagt man nicht gebraucht oder
[15:46] üblich
[15:48] nicht üblich äh ein Namen von einer lebendigen Person zu geben also heißt sie Yael und nicht lange her hat sie mich gefragt warum hab ich ihr nicht den Namen von Zelda gegeben Zelda das war meine Großmutter da hab ich gesagt »ich hab nicht dran gedacht«
[16:13] und meine Mutter lebte noch dann kann man nicht also hat sie sich diesen Namen zu ihrem Namen vor drei oder vier Jahren [Klopfen im Hintergrund] zugesetzt [an Besucherin gerichtet:] ken [aus dem Hintergrund:] Shalom [Schnitt] also hatte sich hatte sie sich
[16:37] diesen Namen Zelda zugesetzt und offiziell heißt sie jetzt Yael Zelda Feiler so
[16:47] haben Sie Erinnerungen an Ihre Schulzeit in Lodz ?
[16:51] ja k- also etwas über Lodz äh das war eine große Stadt und es waren eigentlich drei äh ethnische Gruppen das waren Polen es waren Deutsche äh und Juden so irgendwie jede drei also ungefähr dieselbe Anzahl im Zentrum der Stadt waren meistens Juden
[17:29] es waren Geschäfte es waren Kaffeehäuser es waren es war Piotrowska das ist die zentrale Stadt von Łódź eine sehr lange äh äh nicht zentrale Stadt zentrale äh Straße Straße von Łódź und die Schulen waren dort ich weiß nicht wie es war in anderen
[17:56] Städten äh für jüdische Kinder waren polnische Schulen in polnischer Sprache mit einem Unterschied von der von die polnischen Schulen wir hatten einmal in der Woche eine Religionsstunde also ich das waren nur Mädchen es war sehr nah zu dem zu dem
[18:28] Ort wo ich wohnte ich konnte zu Fuß gehen mit Stullen immer oder und so weiter alles in Polnisch also Polnisch ist meine Muttersprache und bis heute habe ich die Sprache sehr gern ich lese schreibe und spreche Polnisch nicht schlecht und ich bedanke mich für
[18:51] ein Buch das Daniel mir gebracht hat in Polnisch
[18:55] Lennart auch
[18:58] Lennart auch und der zweite Daniel also alle drei ja also d- ich hatte Freundinnen keine Buben nur Mädchen äh die wohnten nicht weit von mir das Lernen war nicht schwer ich war eine ziemlich gute Schülerin
[19:23] und das war ein
[19:26] [gleichzeitig:] und dann ja und dann als ich die Schule beendet habe habe ich ein Jahr Gymnasium gemacht äh das Gymnasium äh war auf den Namen (Abba) ich weiß nicht warum irgendjemand hieß (Abba) und das war waren jüdische Kinder auch und dort habe ich
[19:54] ein halbes Jahr Deutsch gelernt nicht mehr
[19:57] erinnern Sie sich daran was Sie in Ihrer Freizeit gemacht haben was Sie für Interessen hatten ?
[20:03] ich habe sehr sehr viel gelesen äh man hat mich also meine Großmutter war sehr böse mit mich mit mir weil ich ging auf der Straße [gestikuliert] und ich hab gelesen und irgendwie hab ich mich nicht angestoßen an irgendwas ich weiß nicht wieso [lacht]
[20:29] aber ich habe beinahe ein Buch pro Tag gelesen also Literatur Romane nachher historische Romane und ich glaube die hatten auch einen Einfluss auf meine spätere Entwicklung das war eins dann traf ich mich mit Freundinnen und wir haben zusammen gespielt
[20:58] oder raus gegangen äh auf die Straße was noch
[21:06] sind Ih-
[21:09] [gleichzeitig:] ich weiß nicht mehr
[21:11] sind Ihnen von diesen Büchern die Sie gelesen haben bestimmte Bücher in Erinnerung geblieben die Sie besonders beeinflusst haben ?
[21:16] es war (von) Hamsun der »Hunger« zum Beispiel und Dita (»Die Tochter Dita Ba- die Tochter des Menschen«) das ist aus dem Dänischen übersetzt »Dita Bat Adam« und auch historische Romane von äh äh nicht Thoma- von Zweig wie hieß der A- nicht Arnold auch
[21:49] Arnold
[21:51] [gleichzeitig:] Stefan
[21:53] Stefan Zweig historische Romane habe ich sehr gerne gehabt es war viel interessanter als die Geschichte die man in der Schule lernt das war sehr langweilig man musste immer nicht vergessen wie hieß dieser König und der andere und in welchem Jahr war der
[22:09] die Sch- die äh wie sagt man [gestikuliert] wenn die Armeen sich schlagen
[22:16] [gleichzeitig:] Schlacht
[22:19] [gleichzeitig:] Schlacht
[22:21] die Schlacht von Grunwald oder die andere Schlacht also das war ziemlich langweilig aber die Bücher waren lebendig die Zei- die die haben beschrieben wie die Leute lebten und über Liebe und über ah no das war schöner ja was noch hab ich getan ich hatte
[22:41] keine spezielle Hobbies ne lesen lesen hab ich sehr viel gelesen und wie gesagt hab ich nicht keine Spielzeug ah es waren solche äh äh ähm Tischspiele Damka hab ich gelernt wissen Sie was das ist Dame ja in Polnisch Damka äh kein Schach das ist bis jetzt
[23:13] für mich etwas äh schwierig ah und da waren noch ich kann mich nicht erinnern die Namen von verschiedenen Spielen Spielen aber auch Tischspiele irgendwas zehu
[23:29] wie war das in der in der Öffentlichkeit also wenn ich jetzt mal an die Anfang der dreißiger Jahre denke haben Sie so was wahrgenommen wie Antisemitismus ?
[23:41] ich muss sagen nein überhaupt nicht wir haben gelebt in einer Umgebung wo Juden wohnten und da hab ich beinahe keinen Kontakt gehabt zu Polen oder Deutschen das waren alles jüdische Kinder also Antisemitismus zwischen Juden äh vielleicht aber das hab ich
[24:10] nicht er- er- erfahren ja äh überhaupt nicht überhaupt nicht ich habe zwar also ich war dann war ich schon elf zwölf oder so habe ich gelesen über Deutschland und über besonders über über äh Italien über Mussolini über seine sein äh seine
[24:45] schreckliche Methoden die er hatte gegen seine Gegner und ich kann mich erinnern an irgendeine Broschüre die wir hatten das nannten sie »Das Braune Buch« »Das Braune Buch« da waren auch besonders Foto und das war so bräunlich so
[25:03] wie alte Fotos und da hat man gezeigt wirklich schlimme Sachen und auch geschrieben war nicht sehr viel Schrift aber das hat auf mich Eindruck gemacht und meine Onkeln die haben auch meine Mutter glaub ich die haben gelesen eine ein Zeitschrift die hieß »Wiadomości
[25:31] Literackie« »Literarische Neuigkeiten« und das war sehr interessant auch für mich und ich habe nachher erfahren dass meiste von den Leuten die daran schrieben da drin wie sagt man ? daran da drin
[25:51] dafür für die Zeitschrift schrieben
[25:53] ja äh waren sehr link und das war Julian Tuwim und da waren andere die Namen kann ich im Moment nicht an die Namen kann ich mich jetzt nicht erinnern aber das war sehr interessant das war über Literatur waren auch äh äh poems wie sagt man
[26:19] Gedichte
[26:23] Gedichte und ich habe nachher gelesen die Gedichte von paar von diesen Leute und waren sehr schön was noch
[26:35] wann wann haben Sie das erste Mal bewusst von Palästina gehört oder wann trat Palästina in Ihr Leben
[26:41] ich werde Ihnen sagen eigentlich nicht viele Jahre überhaupt nicht es war bei uns bei bei meinen Großeltern es war ein Bild von [lacht] habe ich mich jetzt erinnert ein Bild von Herzl [gestikuliert] aber es war gemacht mit Buchstaben das ganze Bild alles
[27:09] das Gesicht der Bart und alles das waren Buchstaben und das war so ein Porträt so groß [gestikuliert] und äh ich glaube die hatten auch eine Büchse für Keren Kayemeth so eine Büchse wo man Geld rein tut für Bäume in Palästina aber ich habe kein Interesse
[27:36] daran gehabt überhaupt u- weil in in Łódź war eigentlich waren zionistische Organisationen es war bunt es waren Kommunisten es waren allerlei äh Organisationen oder Gruppen die sich politisch äh beschäftigt also pol- politisch aktiv waren aber ich war
[28:03] in der Schule und ich war ein gutes Kind und äh das war mir genug ich wusste da- darüber nicht sehr viel nachher hab ich gewusst mehr und äh das erste Mal wo wir ah ja das mit meinem Bruder die Geschichte mein Bruder war äh im Gymnasium das war im
[28:36] Jahre 35 1935 und er war Mitglied von der kommunistischen Jugend die illegal war in Polen zu dieser Zeit und die kommunistische Partei hat zwischen anderen Aktivitäten äh solche Straßenversammlungen gemacht wo jemand auf eine Kiste stieg und irgendein
[29:10] äh wie sagt man a speech
[29:16] Rede
[29:19] eine Rede hielt von fünf Minuten Leute haben sich angesammelt und dann schnell weg weil die Polizei konnte kommen die hatten keine Handys zu dieser Zeit dann war es ziemlich lang und ihn hat man einmal ge- ge-
[29:42] gefangen genommen
[29:45] gef- also die Polizei ist schnell gekommen und man hat ihn arrestiert bei so einer Versammlung
[29:51] wie weiß ich darüber er hat mir erzählt und meine Mutter hat mir erzählt wie das war also und ich kann mich erinnern ich erzähle was ich empfunden habe es
[30:08] hat an der Tür geklopft und es war ein junger ein Junge glaube ich vielleicht 15 Jahre oder so und der sagte äh zu meiner Mutter »dein Sohn ist bei e- verhaftet und sau- macht sauber die die Wohnung« macht sauber das heißt dass keine keinerlei Lenin
[30:39] or or Marx or Engels or or Stalin or keine Spuren von Kommunismus da sind weil man man wird kommen sicher durchsuchen und äh meine Mutter mit einem Nachbar die haben die Wohnung wirklich gesäubert die haben zwei Säcke voll gehabt mit äh leaflets wie
[31:11] sagt man leaflets ?
[31:14] äh Flugblätter
[31:17] Flugblätter Bücher Broschüren was Sie wollen und wo damit das war Abend wir haben dann zu dieser Zeit gewohnt nicht nicht mehr bei meiner Großmutter sondern in einer Wohnung auf dem fünften Stock und da war ein Reservoir für das Wasser für das ganze
[31:41] Haus wir haben diese zwei Säcke dort rein geschmissen und meine Mutter das weiß ich nicht genau und ich will nicht er- erzählen Sachen die nicht richtig sind also irgendwie hat sich meine Mutter verbunden mit der Polizei und gefragt nach ihrem Sohn das
[32:02] ist es ist schon spät in der Nacht und sie ist beunruhigt vielleicht wiss- weiß die Polizei über irgendeinen Unfall oder etwas da da hatte sie die Antwort erhalten »Sie werden Sie werden ich bin re- wir werden Sie schon benachrichtigen« und dann dann
[32:28] ging ich zu Bett und irgendwann um zwei oder halb drei Nachts hat man an die Tür geklopft und zwei Leute und ich habe so die Augen halb zu gemacht weil ich wollte sehen was passiert Neugier und da waren zwei Zivilisten und die sagten die wollen das Haus durchsuchen
[32:55] weil mein Bruder ist bei der in der Polizei und man behauptet er ist Kommu- und irgend so was sie haben das Haus durchgesucht es war wirklich sauber sie haben wirklich gut gearbeitet also nichts gefunden und meine Mutter hat anscheinend das weiß ich nicht
[33:19] genau gefragt »was ist passiert ?« und dann äh dann hat man ihr gesagt »er war bei einer kommunistischen Versammlung und er wird« äh man wird ihn äh they will try him
[33:38] ähm anklagen
[33:42] ja nun hat sie warum erzähl ich das alles eigentlich weil das hat das ist verbunden mit Palästina [lacht] zu dieser Zeit man also sie hat zu einem äh law- zu einem äh ach jetzt vergesse ich alle deutschen Worte lawyer
[34:01] Anwalt
[34:04] [gleichzeitig:] Anwalt
[34:06] zu einem sie ging zu einem Anwalt was was kann sie tun ? und er hat gesagt wenn man an ihn nichts gefunden hat also keinerlei Broschüren oder irgendwas Verbotenes und nichts zu Hause dann wird er für ein halbes Jahr gehen in ein Lager für Neuerziehung also
[34:31] man muss ihn also wa- warum weil man nichts findet das ist das Gesetz aber trotzdem was kann man doch machen dann hat er gesagt »nur eine Sache wenn er bei Gericht sagt dass er ist kein Kommunist er ist eigentlich Zionist und er will auswandern nach Palästina
[34:58] dann nach deren Logik kann er kein Kommunist sein« weil Kommunisten und Zionisten waren nicht sehr äh gute Freunde sagen wir delikat ja also es war ziemlich schwer das hat mir meine Mutter erzählt und auch mein Bruder später ihn zu überzeugen dass er
[35:27] er wollte ein Held sein äh dass er sagt es »ja ich bin Kommunist« und so weiter aber meine Mutter hat geweint und geklagt und und adada und das passierte genau so er hat gesagt er hat ein ja er hat auch studiert im Gym- im äh hebräischen Gymnasium das
[35:51] war möglich weil sein Vater Le- Lehrer für Hebräisch war wo ich was ich vorher erzählt hab dann hat man meiner Mutter eine Genehmigung gegeben sie s- musste nicht viel bezahlen weil das war die Lage war dann nicht so gut also man hat ihn nicht verhaftet
[36:16] und meine Mutter hat dafür gesorgt dass er geht dass er fährt nach Palästina zu einer Agrikulturschule Mikwe Israel das ist in der Nähe von Cholon Tel Aviv existiert bis heute keine das ist ein Internat das heißt sie lernen dort wohnen dort und so weiter
[36:43] und so ging mein Bruder im Jahre 35 nach Palästina und dann war mir das ein Begriff dass es Palästina gibt dass es ein Land gibt und ich hab mich interessiert aber nicht sehr
[37:02] hatten Sie denn Kontakt zu dem Bruder dann in der Zeit danach ?
[37:05] er kam jeden Sommer zu fü- für die Ferien er kam nach Hause
[37:13] was hat er erzählt von Palästina ?
[37:16] ich hab nicht viel gefragt
[37:19] war Ihr Bruder zu diesem Zeitpunkt ein ein Vorbild für Sie haben Sie Ihren Bruder
[37:25] i- ich habe ihn sehr gerne gehabt also vier Jahre älter das ist schon Autorität einmal zweimal also er war als ich klein war hat er mich terrorisiert eigentlich und es waren ziemlich so interessante Sachen also einmal in der Woche gingen wir ins Kino
[37:51] das hat man uns erlaubt zusammen ich wollte komische Filme sehen er wollte tragische oder weiß nicht irgendwas anders und da war immer ein [lacht] zwischen uns da waren wir nicht immer einverstanden und ich hab geweint und ääh Probleme einmal dann er hat
[38:19] Latein dann hat man Latein ge- studiert in die in Gymnasien und da musste er auswendig irgendwelche Sachen erhalten da hat er mich an einen Stuhl ge- ge- gefesselt ich musste mit ihm auswendig Latein lernen und so weiter und so fort aber also als wir nach
[38:45] Palästina nachher kamen wir hatten sehr gute Beziehungen und ich hab ihn [betont:] sehr sehr gern gehabt und er fehlt mir bis jetzt er ist gestorben in äh vor zwölf Jahren in 2001 genau am Geburtstag von meinem Sohn ich war dann in Schweden und also
[39:12] das war traurig und er fehlt mir bis heute aber er hier hat gesucht die kommunistische Partei in Palästina die war auch illegal und er wurde irgendwie ein Mitglied und nachher hat er mich auch nachgezogen
[39:33] wie ging Ihr Leben dann in äh Łódź weiter als Ihr Bruder dann schon in Palästina war ?
[39:40] ich ging dann äh ich äh [leise:] wie ging ich hab die Schule beendet die die äh acht acht Klassen waren dann und dann ging ich als das ich ich habe das vorher erwähnt in ein Gymnasium äh nichts Besonderes
[40:10] warum sind Sie dann im Jahre 38 nach Palästina
[40:17] [gleichzeitig:] ah das ist wieder eine Geschichte und vielleicht machen wir jetzt eine kleine Pause weil ich muss etwas Wasser trinken [Schnitt] also das ist wieder eine Geschichte es gibt so viel Geschichten eigentlich müsste man äh zwölf Stunden sprechen
[40:36] das werden wir nicht tun hoffentlich aber diese Geschichte muss man klar erzählen weil das hat eigentlich mein Leben und meine Mutter Leben sehr beeinflusst oder gerettet eigentlich äh mein Großvater hatte einen Bruder der ausgewandert hat aus dann war
[41:03] es Russland noch vor dem Ersten Welt- Weltkrieg das war Anfang also 1902 1903 als diese Welle von Emigranten nach USA ging also er fuhr nach USA und dort gründete er eine Familie und einer der Söhne von ihm Albert Epsztajn Epsztajn das war der Name von
[41:37] meiner Mutter vor der Heirat äh Albert Epsztajn war ein Zionist und so wie viele amerikanische Zionisten hatte er eigentlich Leute nach Palästina ge- geschickt oder sie beeinflusst dass sie fahren aber er blieb in USA er war reich ich glaube er hatte
[42:09] sich beschäftigt mit Chemie und mit Margarine was jetzt sehr [lacht] sehr schlecht für die Gesundheit ist Margarine und äh äh seine Cousinen seine Familie war in Łódź meine Großmutter meine Mutter das waren sehr nahe Verwandte er kam zu Besuch von
[42:39] USA nach Łódź im Jahre 38 und also ich war nicht dabei aber das hat man mir nachher erzählt und nicht nur nachher noch in Łódź er hat begonnen mit meiner Mutter zu sprechen über ihre Auswanderung nach Palästina 38 es war August glaub ich äh die
[43:10] Atmosphäre in Europa war dann schon eine Vorkriegatmosphäre und eigentlich wusste man es wird ein Krieg ich hab das nicht so begriffen aber Leute dachten kein Krieg ein Krieg dann dann sind Soldaten von dieser Seite und Soldaten von der anderen Seite und
[43:37] und damit hat sich das und die andere die Zivilisten die leben wie man wie man lebt oder etwas schlimmer äh Albert Epsztajn er spro- sprach mit meiner Mutter und sagte ihr dass es eigentlich gut wäre für sie und vielleicht für mich ich war dann beinahe
[44:03] 15 Jahre alt äh auszuwandern nach Palästina meine Mutter war nicht sehr enthusiastisch Łódź war eine Großstadt und sie hat sehr gerne gegangen Ko- Konzerte zu zu hören oder Theater oder Kaffeehaus und so weiter und so weiter wenn sie Zeit hatte und
[44:33] Palästina Palästina das ist Asien da sind da sind Kamele da sind äh Ochsen da s- nicht Ochsen ah wie sagt man äh donkey
[44:48] Esel
[44:50] Esel da äh [gestikuliert] das ist so wie eine eine Wüste Tel Aviv wie viele Leute wohnen schon dann in Tel Aviv wohnten und sie war skeptisch aber ei- er hatte doch Einfluss und er hat ihr versprochen paar Sachen einmal hat er gesagt »dein Sohn ist dort
[45:20] studiert noch und vielleicht ist besser eine Zukunft für deine Tochter und ich verspreche dir du kriegst eine [klatscht] Karte zurück nach einem Jahr versuch ein Jahr in Palästina zu wohnen leben vielleicht arbeiten wenn du Arbeit kriegst« dann das war
[45:44] eine äh ziemlich schwere Zeit für Arbeitslosigkeit hier »und äh wenn es dir gefällt dann bleibst du und wenn wenn du findest dass es nichts für dich ist dann kannst du zurück kommen«
[46:03] und wir sind aus Łódź rausgefahren in September das war welche
[46:14] Datum ich glaube fünften September weil wir fuhren mit ein Zug durch Warschau dann hab ich Warschau das erste Mal erlebt dann hat man nicht so viel gewandert wie jetzt und ich ich war sehr beeindruckt es war eine [betonend:] wunderschöne Stadt verglichen
[46:40] mit Łódź kein Vergleich überhaupt ah ja ich hab vergessen ich hab Schlitt- Schlitt- Schlittschuhe ge- das hab ich das war ein Sport das ich gemacht habe ich hab mir auch ein eine Hand äh zerbrochen aber das war schön also durch Warschau fuhren wir mit
[47:01] einem Zug nach Constanța und von dort mit Schiff nach ich glaube nach Tel Aviv ja so gla- ich kann mich nicht erinnern das ist interessant irgendwie das ist mir komplett ich weiß nicht ob es Haifa war oder Tel Aviv und vielleicht weil ich nicht kein
[47:30] kein Unterschied machte zwischen Haifa und Tel Aviv ich kannte beide nicht Television gab es da dann nicht ähm und so kamen wir nach Palästina mein Geburtstag hab ich meinem 15ten Geburtstag hab ich aufm Schiff gefeiert und äh und dann kamen wir nach
[47:54] Tel Aviv
[47:56] wie war das dann ?
[47:59] das war ich hab Ihnen vorhin gesagt das war [bewegt] schwer zu schwer zu erklären Łódź im September war grau überhaupt Łódź war grau weil das war eine waren viel Fabriken und sehr wenig Gärten und so weiter und ich kann mich erinnern es
[48:27] hat so ge- genieselt sagt man so ein kleiner Regen und ich hatte an so ein warmes Kleid und ein Pullover und noch eine Jacke weil es war kalt September das ist schon beinahe Winter besonders im Zentrum von Polen dort ist im Winter ziemlich kalt [gestikuliert]
[48:51] auf der Reise hab ich mich langsam so wie eine Zwiebel äh ge- [lacht] ent- also erst die Jacke runter dann den Pullover runter das Kleid konnt ich nicht runternehmen aber auf dem Schiff ich habe Fotos da bin ich mit einer Bluse mit kurze Ärmel der Himmel
[49:16] ist blau noch in Rumänien am Schwarzen Meer ja und hier so wie Sie Sie kommen jetzt in na- aus Berlin also dort ist schon beinahe Winter fünf Grad oder wie viel haben Sie gesagt vier fünf Grad hier ist Sommer also ich kam nach Himmel ist blau am Abend
[49:45] sieht man alle Sterne der- S- da- der See ? das See die See die See die See also der die das also meine Schwiegermutter s- pflegte sagen »der die das Kind gemacht hat hat sich dünn gemacht« [lacht] so das war diese der die das in brackets also in der Nacht
[50:15] die Sterne das Meer das ? das Meer das Meer blau die Hotels waren dann noch nicht da es war ein goldener Sand aber wirklich das war so ich übertreibe da gar nicht weil letztens war ich in Tel Aviv und boah ! [hält sich die Hände vor den Kopf] schrecklich
[50:45] so viel Leute und diese Hotels und diese das war nicht dasselbe es war wirklich Sand und Meer und ein paar Liegestühle so altmodisch und so weiter also das war für mich eine na ich finde keine Worte nicht nur in in Deutsch es war ein Erlebnis und ganz
[51:10] anders und dann konnte ich mit leichte Kleider oder kurze Hosen Sandalen das war sehr schön
[51:24] wo sind Sie dann untergekommen als Sie hier angekommen waren ?
[51:27] erst mal wohnten wir in einem Hotel in Allenby Straße das ist 17 wenn ich mich nicht irre Hotel der hieß »International« [lacht] jedenfalls es war sehr klein aber das war sehr nahe am See [betont:] am See und äh das war sehr bequem und dann es war September
[51:56] hat mich meine Mutter in ein in ein Gymnasium äh eingeschrieben sagt man das hießt »Tichon Hadash« »Tichon Hadash« »Das Das Neue Gymnasium« es war wirklich neu es war sehr demokratisch ist beka- Leute die in Tel Aviv aufwuchsen das ist für die ein Begriff
[52:23] es existiert noch jetzt es ist nicht mehr neu es war die die ähm Direktorin sagt man von einem Gymnasium ja äh Frau Halle sie kam aus Halle eine deutsch geborene Jüdin die war klein [gestikuliert] dünn sie hatte so so dünne Beine und Strümpfe die
[52:54] so sich nicht gut hielten auf ihre Beine also sie war eine sehr für uns junge Leute war es eine sehr komische Figur aber sie war eine Liebhaberin von Kunst sie hat geschleppt diese es gibt diese Album wie hießen die aus Deutschland mit also griechische
[53:26] äh äh Kultur und ich kann mich erinnern also das sind auch so Anekdoten das war die fünfte fünfte oder sechste Stunde war Stunde für äh für Kunst waren Leu- waren wir ziemlich schon müde äh sie hat uns gezeigt Pher- Phaidon Phaidon hei- hieß ja
[53:56] diese Ausgabe da waren solche große sie hat s- diese große Album geschleppt weil es waren keinerlei andere Möglichkeiten diese Sachen zu sehen ein äh Foto von der Venus aus Milo und sie hatte so sehr dünne äh Schultern und sie sagte »schaut euch diese
[54:28] runde« auf sie ihr selbe »diese runde schöne Schulter von dem Mi- von der Venus« und also die ganze Klasse hat so gelacht weil sie war sie hatte keine runde und keine schöne Schulter aber das war die Tony Tony hieß sie Tony Halle es ist ein Begriff
[54:54] sie eine historische Figur für Tel Aviv also das war sie aber jetzt hab ich gelacht ich habe dort sehr viel geweint nicht dort zu Hause man sprach Hebräisch und ich hatte keine blasse Ahnung von dieser Sprache man schrieb nicht von links zu rechts sondern
[55:22] von rechts zu links komisch und Hieroglyphen ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung von diesen von dieser Schrift oder Druck und da in dieser Schule waren eigentlich Leute äh J- Jungs Jungs und Mädchen zusammen das war das erste Mal und für ein Mädchen
[55:55] von 15 Jahre das war ziemlich wichtig und sehr äh sehr interessant und sehr also gut das war gut aber was tue ich mit dem Hebräisch äh man hat mir irgendjemand eine ein Mädchen die i- zwei Klassen höher von mir war äh als Hilfe gegeben sie sollte
[56:25] mir beibringen wie man schreibt oder wie man liest aber die haben gelernt Geschichte und Literatur und alles was man in einem Gymnasium lernt das dauerte paar Monate bis ich mit der Sprache fertig wurde und ich konnte mich konnte sprechen lesen langsam und
[56:51] das hat mir sehr sehr viel Zeit und sehr viel Nerven und aber na- nachher ging es es ging und äh es war eine sehr gute Schule man hat die Lehrer mit dem Vornamen genannt es waren so demokratisch auf jedenfalls mehr demokratisch als die anderen Gymnasien hier
[57:18] und sicher als in Polen und es war fant- und es war sehr nahe am See HaYarkon-Straße Tel Aviv Sie wissen wo das ist und da konnten wir auf der großen Pause zwanzig Minuten zum zum See zum Meer zum Meer laufen also das war schön
[57:45] was hat Ihre Mutter gemacht ?
[57:47] meine Mutter hat versucht Arbeit zu finden und das war eine sehr schwierige Aufgabe weil es war Arbeitslosigkeit und am Anfang hat sie hausiert sie hat Strümpfe Seidenst- oder Nylon war das schon dann ich ich weiß nicht ich hab keine Strümpfe getragen
[58:21] aber sie hat verkauft und sie hat mir erzählt und daran kann ich mich sehr gut erinnern dass am schönsten war es in Jaffa weil dort hat man sie als Gast empfangen sie kam zu verkaufen »bitte setzen Sie sich trinken Sie einen Kaffee oder Wasser« oder das
[58:46] also nicht als Hausiererin was ist schon ein Hausierer aber dann war das es waren auch viele Juden aus Deutschland die die sich damit beschäftigt haben das weiß ich und dann hat sie irgendeine Arbeit gefunden in einer kleinen Fa- Fabrik hat man das genannt
[59:10] da waren weiß ich vielleicht zehn Arbeiterinnen Łodzianka warum hieß das Łodzianka weil der Inhaber war aus Łódź und die haben äh die haben äh gemacht Unterwäsche aus Baumwolle also die haben ich glaube das Gummi dort rein getan irgend so eine Arbeit
[59:37] und dann was hat sie noch gemacht ? ah das war schon etwas später sie wu- sie hat gearbeitet in einer Telefonzentrale von Bank Hapoalim Arbeiterbank hieß das dann weil dieser Albert Epsztajn der uns geholfen hat zu kommen hat dort Geld gespendet oder er
[1:00:09] hatte Aktien ich das das hat mich nicht sehr beschäftigt wirklich und ich musste eigentlich für die für den Haushalt sorgen weil meine Mutter hat versucht zu etwas zu verdienen dass wir essen trinken und und bezahlen für die für die Wohn- äh für wie
[1:00:38] sagt man ?
[1:00:41] die Wohnung
[1:00:43] nein es gibt ein Wort dafür
[1:00:46] Miete
[1:00:48] Miete ja für die Miete äh also i- das war ei- das hab ich nachher empfunden mehr es war für mich eigentlich ein Bruch ich war in Łódź war ich in einer warmen Familie mit Onkeln und Tanten und Cousinen und Cou- und die waren sehr nah aneinander und mit
[1:01:16] der Großmutter und so weiter hier war ich nur mit meiner Mutter mein Bruder hat Arbeit bekommen irgendwo in Jokne’am als im im äh äh pardes in ein Orangen- Orangen- orange grove
[1:01:34] Hain
[1:01:38] Hain also meine Mutter und ich also und plötzlich war ich die die die Mutter wie man so sagen kann also ich war zuständig für die einkaufen und etwas kochen und zu be- also gekocht hab ich nicht viel aber so ein Steak be- zu backen und solche Sachen das
[1:02:03] war das war doch ein Trauma
[1:02:07] haben Sie Łódź vermisst haben Sie die Familie vermisst haben Sie dieses Behütetsein innerhalb der Familie
[1:02:15] [gleichzeitig:] dann hab ich das nicht äh nicht gefühlt weil ich hatte so viele andere und angenehme äh äh Erfahrungen und und Leute mit denen ich s- s- sprach und befreundet war und ich bekam auch ein Mitglied von einer Jugendorganisation Haschomer Hatzair
[1:02:40] und da hat man getanzt und man hat gegangen auf Ausflüge und ich also 15 Jahre vielleicht erinnern Sie sich auch von Ihren fünfzehnjährigen Interessen also Freundschaft und tanzen und singen und und und und so weiter und die Hormonen arbeiten auch ja
[1:03:08] also das hab ich dann nicht empfunden ich hab das viel viel später verstanden dass es eigentlich ein wirkliches Trauma war ich gib immer ein Beispiel dass wenn man eine Pflanze raus ziehen will von der Erde dann zieht man und umpflanzen in einen anderen
[1:03:39] Platz dann zieht man sie heraus mit die Wurzel aber es gibt solche [gestikuliert] kleine Härchen an die Wurzel und diese bleiben und das ist eigentlich mein äh mein Gefühl für Polnisch für Polen für Łódź do- wo ich ich besuchte später die sind geblieben
[1:04:07] und ich glaube ich glaube wirklich dass bei vielen Leuten die die ändern ihre ganze Umgebung die Sprache die Kultur und so weiter sie sind nicht ganz es bleibt ein Teil von von denen in dem Platz wo sie waren obwohl denen schlecht ging vielleicht dort obwohl
[1:04:37] Antisemitismus und alles mögliche wo dass wir wissen existierte und so weiter trotz alledem so glaube ich ich weiß nicht ob ich Recht habe auf jeden Falls mit mir war es so aber zu dieser Zeit hab ich das nicht begriffen weil so diese vielen neue Eindrücke
[1:05:03] haben mich so beschäftigt dass das dort war dort weit und und nicht so schön und so weiter ja
[1:05:15] haben Sie denn in der Zeit etwas mitbekommen von dem was in Europa politisch geschah ?
[1:05:21] erst mal bis 39 ist nichts geschehen besonders in Polen äh nachher hab ich erfahren über mei- aber das war später über meine be- äh Schwiegereltern und so weiter die auswandern mussten aus Deutschland und so weiter es ist eine andere Geschichte das
[1:05:48] will ich nicht alles zusammen- äh -knoten weil da wird man ganz verrückt äh aber wenn ich die Wahrheit sagen will es war es hat mich dann nicht sehr viel interessiert weil es war weit und hier war [gestikuliert] alles für ich hab gelebt hier und
[1:06:16] und ziemlich ziemlich schön
[1:06:18] wie war das mit Ihrer Mutter sie hatte ja die Option nach einem Jahr zurückzukehren wollte sie das
[1:06:24] ah das war ein Jahr bei ein Jahr war September 39 was war im September 39 wissen Sie auch nicht von Erfahrung aber sicher von Geschichte und ich weiß auch und und [klatscht] das war das war nicht mehr zurück keine Möglichkeit keine keine Gedanke darüber
[1:06:48] überhaupt und äh wir hatten überhaupt keine Möglichkeit Kontakte zu knüpfen mit der Familie also das hat mir meine Mutter später erzählt dass sie war [betont:] sie war sehr betrübt darüber und was was ist passiert mit ihre Brüder mit ihre äh ganze
[1:07:13] Familie das war eine große Familie wussten wir nicht später also als der Krieg anfing und als ich mich mehr interessierte für Politik und so weiter dann hab ich angefangen zu lesen und und und fragen was sich tut und ich hatte sogar eine eine Karte
[1:07:39] wo man mit Fähnchen mit mit äh Nadeln mit Fähnchen gesehen hat wo die die deu- die Wehrmacht geht und wie geht das zurück und so weiter das war später aber am an der ersten Jahr oder zwei Jahre wenig
[1:08:02] vielleicht können wir ganz kurz mal über die gesamte Zeit des Krieges in Europa sprechen bis 45 ähm weil Sie gerade gesagt haben dass Sie den Frontverlauf dann verfolgt haben
[1:08:16] [gleichzeitig:] ja ja ja
[1:08:19] ähm also Sie haben dann sich für die Politik interessiert und ähm solche Sachen politisch-militärisch mitbekommen
[1:08:25] [gleichzeitig:] ja ja ja ja
[1:08:27] was wusste man ähm in in Palästina darüber was mit den Juden passiert
[1:08:30] [gleichzeitig:] einen Moment also es war so äh ich spreche erst von mir ja [lacht] das ist mir am bekanntesten ich äh mein Bruder hat mich beeinflusst und ich wurde ein Mitglied von der kommunistischen Jugend illegal die illegal war in Palästina
[1:09:03] von die Engländer das war de- der Mandat zu dieser Zeit und by the way auch die die Po- äh Beziehungen mit Palästinenser und mit Araber waren wie [betont:] ich es empfunden habe waren gut man konnte nach Jaffa gehen die Leute von Jaffa kamen nach Tel Aviv
[1:09:28] ich hab Bekanntschaften auch gemacht mit verschiedene Leute ganz nicht so wie jetzt wie diese diese sehr sehr sch- mh Absonderung zwischen den beiden Völker oder ethnische Gruppen oder wie Sie das nennen wollen also das war einmal also durch die kommunistische
[1:09:52] Jugend habe ich sehr viel gelernt »Kapital« das war wir haben gelernt wirklich und bis jetzt ich bin jetzt kein Mitglied der Partei aber ich ich spuck nicht in diesen Brunnen von dem ich getrunken habe ich habe wirklich gelernt auch zu sprechen mit Leute die
[1:10:19] ich nicht kannte und lesen und verstehen und und sich interessieren was passiert nicht nur um mich herum sondern dort oder dort oder weiter und wir hatten jede Woche eine Ve- eine kleine Versammlung wir waren drei in diesem in dieser Gruppe aber dann kam
[1:10:46] jemand und hat uns eine po- die politische Zusammenhänge von dieser Woche was ist passiert ? wie wie ist die Lage ? die politische der Krieg und wie und so weiter und so fort also das gab mir viel mehr Informationen als Zeitungen und so weiter Zeitungen habe
[1:11:10] ich auch angefangen zu lesen und weil das Hebräische wurde mir sehr bekannt und auch ich ich hab gerne die Sprache ist sehr interessant ja also das war einmal äh die die der nicht die nicht der aber die Atmosphäre kann man sagen zu Lande war eigentlich
[1:11:44] die das das ist dort warum sind die Leute nicht hierher gekommen Ben Gurions äh äh Ideologie war »wir müssen uns konzentrieren auf das Auf- der den Aufbau in Palästina und es soll unser Land sein« und was passiert in Europa was sie verpasst haben haben
[1:12:15] sie verpasst und basta und man hat sogar nicht geglaubt an die Geschichten die anfangen zu zu durchsickern nach in andere Ländern äh was passierte a- f- die äh der jüdischen Bevölkerung in Polen und nachher als der Krieg mit Russland anfängt in Ukraine
[1:12:43] Bielarus und alle diese Länder was man und es kamen auch und daran kann ich mich erinnern nicht genau aber ich war auf dieser Versammlung es kamen zwei Leute die irgendwo irgendwie entkamen ein Konzentrationslager und die haben erzählt und man hat nicht
[1:13:04] geglaubt man hat gesagt »der die übertreiben« weil hat das hat irgendwie nicht gepasst zu der politischen Li- Generallinie hier äh ja das das das ist eigentlich
[1:13:27] wussten Sie zum Beispiel dass es in Lodz ein Ghetto gab ? dann also wussten Sie das zu dem Zeitpunkt
[1:13:34] ich glaube nicht man wusste es gab Ghettos aber genau w- wie ? Radio ? es gab Radio also es gab die die BBC und es gab aber man wusste nicht genau so meiner Meinung nach [schlägt sich auf das Knie] ken
[1:14:05] dann
[1:14:07] [gleichzeitig:] war das eine Antwort für Ihre Frage
[1:14:10] [gleichzeitig:] ja ja
[1:14:13] ja aber n- nachher nachher hatte man viel mehr Info- also als der Krieg mit mit Russland anfing war das für die Kommunisten hier war das eine ganz andere Lage weil die Engländer das waren doch die Verbundeten England und Russland gegen Wehrmacht äh was
[1:14:39] was tun wir mit die Kommunisten hier in Palästina legal illegal die haben eine diploma- eine diplomatische äh äh Antwort gefunden die haben nichts an die Gesetze ge- geändert die haben anderthalb Augen zugemacht die haben nicht nicht so sehr rein geguckt
[1:15:07] und nicht Leute in Gefängnis gesteckt wegen politische äh politische Arbeit oder politische äh Anschauungen ja
[1:15:21] sind aus Ihrem Umfeld ähm Leute aus Menschen aus Palästina die hier wohnten nach Europa gegangen um zu kämpfen ?
[1:15:31] [atmet tief] um zu kämpfen ja klar es waren zwei zwei Gruppen es war eine Gruppe das waren Leute die äh die das weiß ich wieder nicht in Deutsch ähm in die Armee in die in die britische Armee ange- einge-
[1:16:01] [gleichzeitig:] mhm
[1:16:03] eingezogen sind also mein Bruder und meine Schwieger- no Schwägerin sie gingen beide in die britische Armee er war ein ähm Chauffeur und sie wurde auch ein Chauffeur für Ambulanz und die gingen durch Ägypten äh bis nach Italien und ich hab Fotos von
[1:16:34] denen (_) die haben auch nachher geschrieben und die sind zurückgekommen ich glaube im Jahre sechsunddrei- äh -vierzig ja oder noch 45 Ende ich kann mich nicht genau erinnern das war eine Gruppe und dann war die Jüdische Brigade die organisiert wurde
[1:17:02] von zionistischen Organisationen und die hatten eigentlich noch einen anderen äh andere Beschäftigung nicht nur die Armee die wollten die wollten vielleicht lernen wie man kämpft um nachher eine Armee hier zu haben und sich treffen mit Juden in Europa
[1:17:34] darüber gibt es Bücher sehr interessante Bücher und Leute schrieben dass sie haben ein Schock bekommen weil un- sie haben waren keine sehr freundliche Beziehungen weil diese Juden waren nicht so wie die die in Palästina wohnten das waren die haben
[1:18:08] sie also ich hab sehr viel darüber gelesen man hat sie gesehen als Schwäch- Schwächlinge oder Leute die keinen Mut haben um zu kämpfen nur gi- sie gingen so wie Schafe äh zum [gestikuliert] ja in die in die Konzentration- oder Todeslager das war eigentlich
[1:18:38] die die An- die die Atmosphäre auch hier auch als aus Juden illegal noch von in den Zeiten von Mandat äh nach Palästina kamen um noch später man nannte sie die Seife Sie verstehen was ich meine weil sie auch weiß waren und sie haben sich anders
[1:19:09] angezogen und äh es es gibt sehr viel Literatur darüber und das das hat den vielen Leuten das Leben sehr sehr schwer gemacht nach dem was sie durchgegangen haben in Europa noch hier sich mit so Ablehnung und deswegen war auch äh der Trend war dass
[1:19:42] man darüber nicht spricht Eltern haben mit ihre Kinder Eltern die von von äh Europa kamen von Ghettos oder von Konzentrationslager haben mit ihren Kindern nicht darüber gesprochen weil man sagte wie sie wollten die Kinder nicht äh traumatisieren oder
[1:20:08] sie wollten sich nicht traumatisieren und über Sachen sprechen die so tragisch und schrecklich waren für sie so war es ich gehörte zu den Sabres eigentlich ich war nicht so wie diese diese die Leute die kamen so ich war ich hab mich angepasst eigentlich
[1:20:39] wie ist es mit Ihnen ganz konkret weitergegangen wir waren vorhin 1939 stehengeblieben was haben Sie in den nächsten Jahren gemacht
[1:20:49] also erstmal hab ich wie gesagt war ich Mitglied von der kommunistischen Jugend und zur selben Zeit war ich Mitglied von Schomer Hatzair für Deckung Jahre 42 hab ich äh meine die die das Gymnasium beendet äh wie sagt man Abitur hab ich Abitur gemacht und
[1:21:17] dann hab ich gearbeitet schon von Anfang also erst mal hab ich gearbeitet in ein das war keine Fabrik das wie nennt man so was wo man arbeitet ein
[1:21:30] Werkstatt ?
[1:21:32] Wer- ja für die britische Armee das hat man geprüft ob die Minen richtig sind oder nicht die nicht gut sind gingen zu le- links oder rechts und diese also verschiedene so das nennte man ähm Hilfe für die für den Kampf gegen Nazismus oder gegen äh und
[1:21:57] so weiter da arbeitete auch meine Mutter das hab ich vergessen zu sagen äh ein Jahr glaub ich oder mehr das war eine erste Beschäftigung und dann dann hab ich Arbeit bekommen in einer äh in einem A- Antiquariat Ben Yehuda-Straße neun neun ist anscheinend
[1:22:32] meine meine Nummer also ich war geboren neunten Neunten und mein erster Enkel ist geboren an demselben äh an an d- dasselbe Da- das ? das ja selbe Datum auf jedenfalls das war Ben Yehuda neun da war ein Antiquariat für deutsche Bücher die Inhaber waren
[1:23:03] deutsch also aus Deutschland äh Parnes und wie hieß der andere jetzt kann ich nicht ich vergesse sehr viel die haben Deutsch gesprochen die Leute die die Bücher kauften haben Deutsch gesprochen die Bücher waren deutsch die Leute die die Bücher verkauften
[1:23:26] also es waren Leute die die gekommen sind aus Deutschland mit erste Ausgabe Heine erste Ausgabe dies das alles möglich so gute Sachen und äh ich mit Deutsch äh kam ich sehr leicht äh um kam ich um ? nein umkommen ist umkommen [lacht] durch
[1:23:52] [gleichzeitig:] kam ich zurecht
[1:23:55] zurecht ja aber nach einer nicht langen Zeit hab ich gelernt zu sprechen und dann lesen und ich bis jetzt lese ich sehr gerne Deutsch und ka- ich kann auch schreiben beinahe ohne Fehler ich glaube beinahe ohne Fehler die Fehler die ich jetzt mache das ist
[1:24:21] weil erst bin ich etwas aufgeregt und dann ich bin etwas älter als dann [lacht] und da hat man nicht so ein gutes Gedächtnis ja und da hab ich gearbeitet bis Jahre 45 in Jahre 45 ich wollte irgendein Beruf haben ich wollte Ärztin werden und das hat
[1:24:56] einen Zusammenhang mit mit der Schwester von meinem Vater die war Laborantin in Łódź und ich kann mich noch erinnern dass bei ihr hab ich das erste Mal ein Mikroskop gesehen und sie hat mir gezeigt was kann man sehen durch Mikroskop und wie kann man äh
[1:25:20] Urin äh mit so einer Karusselle dass sich äh setzt was soll unten sein und oben bleibte also das hat mich sehr interessiert und nachher hab ich auch hierzulande irgendwie irgendwo das hat mich interessiert andererseits wollte ich vielleicht Bibliothekarin
[1:25:45] oder oder Sprachen- äh -kenntnisse vielleicht was lernen aber das war und eine Freundin von mir hat mir gesagt »Pnina in Beirut gibt es eine eine Uni das ist die American University of Beirut das Amerikanische Universitat in Beirut da gibt es auch eine Schule
[1:26:11] für Schwestern und auch Fakultäten und so weiter und wenn du gute äh wenn du gut lernst und gute Zensuren kriegst als Schwester gibt es eine gute Möglichkeit dass du ein ein ähm« [schnalzt] das man ohne Geld studieren kann wie sagt
[1:26:42] ein Stipendium bekommen
[1:26:44] [gleichzeitig:] ein Stipendium für Medizin dann hab ich mir gesagt Stipendium (oder) erst werd ich haben ein Beruf als Schwester kann ich mir mein Leben äh ich kann verdienen für Essen Trinken et cetera und dann dann lern ich noch ein paar Jahre aber das
[1:27:07] ist nicht so ausgekommen weil im Jahre 47 ähm im Winter wurden hier die Unruhen vor dem Krieg und man hat uns gesagt dort in Beirut dass wenn es waren Leute aus Palästina auch Juden und Araber und alles es war wi- da war in der in dieser Uni waren Leute
[1:27:34] wirklich von dem ganzen Mittleren Osten war sehr bekannt und »wer will noch nach Hause muss jetzt weil nachher wissen wir wir nicht wie wie die Möglichkeiten werden« nu dann bin ich nach Hause gefahren
[1:27:55] können wir eine kurze Pause an der Stelle machen ?
[1:28:00] ja bitte [Schnitt] also jetzt gehe ich etwas zurück ich hab vergessen zu erzählen und ich glaube das kann sehr interessant werden über das tagtägliche Leben [betont:] dann und das ist sehr lange her in 38 39 vierzig in Tel Aviv wo wir wohnten erst mal
[1:28:25] nachdem ich habe vorhin erzählt dass wir wohnten in einem Hotel dort wohnten wir nicht lange meine Mutter versuchte eine ein Zimmer zu mieten äh und ich ging mit ihr das war Reines-Straße 33 [räuspert sich] das ist im Zentrum Tel Aviv in der Nähe von
[1:28:54] Dizengoffplatz äh und da war eine Frau Wajnberg eine kleine alte das hab ich dann gesehen ich glaube sie war nicht so alt aber dann hab ich sie als sehr alt empfunden und dann hat man das war so üblich man hat wenn man keine Wohnung hatte hat man gemietet
[1:29:23] ein Zimmer mit der Benutzung von Küche also da war eine Wohnung zwei Zimmer die Frau Wajnberg wohnte in einem Zimmer meine Mutter im und ich im zweiten und die Küche war für beide für uns alle zur Benutzung äh also wie viel wird das kosten das war glaube
[1:29:53] ich sechs Pfund da waren Pfund da die englische Pfunde sechs Pfund pro Monat [gestikuliert] das dann war es n- nicht billig aber nicht sehr teuer und dann äh sie haben sich da das ist gut das Zimmer ist schön die Küche ist in Ordnung äh dann sagte meine
[1:30:20] Mutter »okay wir ziehen dann und dann ein und äh dann geben mir Sie mir einen Schlüssel« sagt der Frau sie sprach Jiddisch sagt der Frau Rei- »Frau Najdorf a Schlissel du brauch ma nich ka Schlissel« »da braucht man keinen Schlüssel« das war Parterre
[1:30:52] ohne äh wie sagt man das äh
[1:30:58] Jalousien
[1:31:01] nein ! wo in in Gefängnis was gibt es [gestikuliert]
[1:31:03] Gitter
[1:31:06] [gleichzeitig:] Gitter
[1:31:09] ohne Gitter sie sagte »man braucht keinen Schlüssel es gibt keine Diebe aber Sie sind ja gewöhnt von Ausland einen Schlüssel zu haben geb ich Ihnen« sie nimm- nahm heraus so einen eisernen Schlüssel w- es gibt Tausende genauso kein (__) kein nix
[1:31:35] da »da haben Sie einen Schlüssel aber ich bitte Sie wenn Sie herausgehen und keiner bleibt in der Wohnung tun Sie den den Schlüssel unter der Matte vor der Tür so dass alle wissen wo der Schlüssel ist« das glaube ich gibt Ihnen irgendein Bild in der
[1:31:58] Kürze wie das aussah in Tel Aviv dann und das stimmte wirklich vielleicht war ein Ganov oder zwei und die waren bekannt [lacht] und so weiter aber man hatte keine Angst vor Diebe man hatte keine Angst vor äh irgendwelche A- Angriffe an einen auf der Straße
[1:32:25] in in der Nacht konnte man raus gehen einmal dann gekocht hat man auf äh Petroleum kleine äh solche äh wie nennt sich das Ko- für Kochen und Primus Primus wissen Sie was das ist das macht so viel Geräusch das ist zum Schnellkochen und dann zum langsam
[1:33:00] da gibt es diese auf mit mit ein Knoten mit zwei Knoten die in da ah nein das werde ich nicht erklären wie das ist auf jeden Fall es gibt jetzt nicht diese Ge- Geschirr es gibt doch es gibt in ich hab nicht lange her gesehen auf jedenfalls das war musste
[1:33:27] man Petroleum man äh ein Mann fuhr mit mit einem Pferd und einem kleinen Behälter [gestikuliert] so groß »neft neft« neft ist Petroleum und da musste man runter gehen und holen ein jellycan oder so was mit neft das zu füllen auch zum Heizen war auch
[1:33:50] irgendein Öfchen ein oven eigentlich waren diese Öfchen zum kochen das war Kochen jetzt wie behält man die Sachen dass sie nicht kaputt werden in dieser Hitze im im Sommer wir hatten sogar keinen Kühlschrank mit Eis am Anfang hatten wir so eine runde
[1:34:16] ein (__) irgendwas Rundes Flaches und auch es kam ein ein Wägelchen mit Eis »kerach kerach« kerach ist Eis auf Hebräisch mit ein mit ein Klingel und da ging man mit so einem so einem wie eine Schere und das diese das waren solche große Blocke äh Eis
[1:34:48] und da konnte man ein Drittel oder eine Hälfte wir kauften immer ein Drittel und das wurde dann gefasst in diese so wie eine Zange das ging so [gestikuliert] und da brin- und das haben wir rein getan in diese so eine Schüssel aber groß und darauf dann hat
[1:35:13] man gekauft ein Viertel äh Butter gab es hundert Gramm ein Viertel Butter ein halbe saure Sahne et- sehr kleine kleine Mengen weil es es ging kaputt und der E- das Eis hat auch geschmolzen schnell durch also 24 Stunden Maximum und dann war Wasser und so weiter
[1:35:47] das gibt Ihnen also das war ganz anders als in Po- in Polen ha- wir eine Küche mit mit einem Herd mit mit Kohle Kohle hat man ge- geheizt auch und Kohle hat man ge - ge- geheizt den Ofen in der Küche da war es ganz anders und man musste sich daran gewöhnen
[1:36:28] das war ganz komisch für mich am Anfang aber dann hat man sich gewöhnt und dann nachher kamen die Kühlschränke mit mit Eis da oben war Eis und das runter geflossen und so weiter also das finde ich schon ziemlich interessant weil das zeigt wie primitiv
[1:36:33] und wie einfach man hier leben musste das war was ich vergessen zu erzählen
[1:36:39] und auch über die Zeit vom Krieg äh da hatten wir so einen Klub der nannte sich äh Liga V V for victory und da waren äh Treffen Treffen sind stattge- [an Interviewer gewandt:]
[1:37:03] haben oder sind ? sind haben [betonend:] haben stattgefunden in diesem im das is- war so ein Saal kein großer Saal mit Leute die in den verschiedensten äh nein in der englischen Armee in der britischen Armee gedient haben und Palästina war dann so ein Ort
[1:37:31] für also n bisschen bisschen Luft holen für die Soldaten ausruhen oder nach einer Krankheit oder Verletzung nachdem dass sie schon gesund waren eine Zeit da äh zu zu sein und dann haben wir kennengelernt ich und auch meine Freunde von der kommunistischen
[1:37:56] Jugend da die die waren da und äh mit Leuten aus Jugoslawien Tschechoslowakei und allen verschiedenen Ländern und das war sehr sehr interessant weil weil man konnte da nicht heraus war keine Verbindung zum Zeit des Krieges also das war das war auch dass
[1:38:20] ich vergessen habe Ihnen zu erzählen und noch etwas vielleicht wisst ihr das oder nicht äh man hat hier organisiert und das war nicht nur die kommunistische Partei aber sie war auch dann zu- zusammen äh Ambulanze für äh Sowjetunion man hat geschickt
[1:38:45] durch Teheran Ambulanze mit was zum Ambulanz gehört und auch wir haben äh gestrickt Mützen und und äh Hand- äh Hand- Handschuhe für die Soldaten die im Winter kämpfen mussten also dass man irgendeinen einen Anteil hat in diesem schrecklichen Kampf
[1:39:22] der in in Europa äh zuging zuging sagt man ? ja ich glaube also es sind sehr viele Sachen die ich nicht erzählt habe oder die ich verge- jetzt vergessen habe aber da wie gesagt vorher da kann man stunden- stundenlang aber das fand ich wichtig
[1:39:45] Sie haben ähm vor der Pause ja kurz darüber gesprochen wie den ähm Überlebenden aus Europa als sie dann teilweise noch illegal nach Palästina gekommen sind begegnet wurde hier und dass das nicht immer einfach war
[1:40:02] [gleichzeitig:] ja gar nicht einfach
[1:40:04] können Sie sich erinnern haben Sie eines dieser Schiffe gesehen oder haben Sie
[1:40:08] nein ich habe nicht gesehen aber mein äh mein äh die Eltern von meinem Mann die sind gekommen in so einen illegalen Schiff von Polen wieso von Polen die der Herr Feiler Simon Feiler der Vater meines Mannes ein Schwiegervater sagt man äh er war äh geboren
[1:40:38] er wurde geboren in äh in Galizien ein kleines Städtchen äh jetzt weiß ich nicht mehr wie das hieß beseder nicht wichtig jetzt und er war Schneider und als Geselle haben die Schneidergesellen gewandert und er ist gewandert durch Europa auch ist nach
[1:41:10] Paris gekommen hat ein Diplom als als Herrenschneider bekommen und nachher nach Deutschland noch vor dem Ersten Weltkrieg und dort hat er meine Schwiegermutter getroffen und sie geheiratet sie war in Deutschland ich glaube neun Generationen oder noch mehr
[1:41:45] sie war mehr Deutsch als die Deutschen von Jüdischkeit hat sie keine Ahnung gehabt er hatte das noch von dem kleinen Städtchen gehabt und er hat sie hat etwas gelernt auch vom Kochen von den verschiedenen Speisen und so weiter und die der hatte ein Atelier
[1:42:06] für Männer- äh äh Männerkostüme Männeranzüge gehabt an der Königsallee 73 oder 72 weiß ich nicht genau ich war ich hab gesehen das Haus ist stehen geblieben durch den Krieg eine große Wohnung und ein paar Sachen von den Möbel das die habe ich
[1:42:34] h- hier in diesem Zimmer wenn Sie wollen nachher fotografieren können Sie oder wollen Sie das jetzt tun ?
[1:42:41] vielleicht können wir mal eben rüber schwenken geht das an den Schrank
[1:42:45] wollen Sie oder oder ist es nicht wichtig ?
[1:42:48] doch wir können das mal Sie hatten ja gestern schon gesagt dass Ihnen das auch viel bedeutet dass Sie [Kamera filmt Möbel]
[1:42:56] [gleichzeitig:] ja ja
[1:42:59] Möbel und Gläser
[1:43:01] [gleichzeitig:] ja und [steht auf]
[1:43:03] warten Sie Sie müssen sitzen bleiben wegen dem Mikrofon
[1:43:05] [gleichzeitig:] ah ja ja ja da gibt es eine Chanukkia vielleicht können Sie das holen
[1:43:08] ja [holt Leuchter]
[1:43:10] einen Chanukka-Leuchter. [setzt sich hin] der ja [nimmt Leuchter entgegen] da hab ich alles mögliche da rum hängen lassen das ist die Uhr die ist ungefähr hundert Jahre alt die ist von deren Wohnung und da ist ein ein Chanukka- äh -Leuchter die
[1:43:45] das gehörte meinen äh Schwiegereltern und dieser große Schrank und wenn Sie die Türe aufmachen können Sie sehen wie schön ausgearbeitet dieser Schrank ist dieser runde Tisch das war ein Rauchtisch bei denen mit zwei Fauteuils die ich nicht mehr habe
[1:44:10] aber dieser Stuhl dort die gehört noch zu den Möbel von den Feilers von meinen Schwiegereltern und äh in in dem Schrank habe ich eine Anzahl von Bücher deutsche Bücher in gotischer Schrift die ich eigentlich nicht lesen ich kann lesen auch die gotische
[1:44:41] Schrift weil sehr ähnlich zu der normalen jetzigen aber ah das ist ziemlich lan- lang aber ich kann mich nicht davon trennen ich kann sie nicht rausschmeißen da sind sie da das ist irgendwie sentimental oder ich weiß nicht auf jedenfalls das bleibt noch
[1:45:05] bei mir so
[1:45:08] also jetzt zurückkommen zu Familie Feiler die wohnten dann in der Kö in Düsseldorf äh und vermögend auch es ging denen gut aber dann kam [Telefonklingeln] ach du lieber Himmel da ist der Te- [Schnitt] die Feilers äh es war irgendeine äh Situation
[1:45:38] zwischen Polen und Deutschland in Jahre 38 und ich weiß nicht genau weswegen jetzt kann ich mich nicht erinnern vielleicht wissen Sie und Sie können das vielleicht ergänzen oder Sie erzählen mir nachher auf jedenfalls wurde beschlossen dass die polnische
[1:45:59] äh äh äh die Leute die wohnen in Deutschland aber sie haben polnische Bürger- Bürger- ?
[1:46:10] Staatsbürgerschaft
[1:46:13] Staatsbürgerschaft müssen zurück nach Polen der Herr Simon Feiler mein Schwiegervater äh hat nach dem Ersten Weltkrieg wo er im Ersten Weltkrieg hat er gedient in der deutschen Armee nach dem Ersten Weltkrieg hat man ihm vorgeschlagen dass er kann wählen
[1:46:57] er kann deutscher Bürger werden weil er gedient hat er kann österreichischer Bürger werden weil da Galizien gehörte zu Österreich dann oder polnische weil Polen ist doch entstanden nach dem Ersten Weltkrieg vorher war ein Teil gehörte an Russland ein
[1:47:04] Teil an Österreich und ein Teil nach Deu- an Deutschland und dann also der Feiler sagte und das hat er mir erzählt »man hat mich Polack genannt da bleib ich mit der polnischen Bürger-« Bürger- äh ?
[1:47:24] -schaft Staatsbürgerschaft
[1:47:27] -schaft Staatsbürgerschaft da wurde die Frau Feiler Frieda die neun Generationen in Deutschland war sie wurde auch polnischer Bürger und auch mein Mann Elieser Feiler Rolf hat man ihn genannt in in äh Deutschland und Rolf ist paar Tage zwei oder drei Tage
[1:47:51] vor diesen ganzen Geschehnis nach Palästina ausgewandert auch er war in der kommunistischen Jugend in Deutschland zu dieser Zeit illegal aber einmal kam jemand zu denen und er hat gesagt dass er weiß dass irgendetwas Schlimmes wird mit den Juden passieren
[1:48:18] und wer Möglichkeit auszuwan- hat auszuwandern soll das tun Rolf fühlte sich als Deutscher das war eine deutsche Familie und plötzlich sagt man ihm er ist kein er ist Jude und dann hat er beschlossen er will nach Palästina wenn er Jude ist geht er nach
[1:48:47] Palästina die Eltern haben sich sehr geärgert weil sie wollten er sie sollten nach Schweiz oder er war ein einziges Kind oder irgendwo »lo« und »lo« er wollte nach Palästina und er ist gegangen zu Hachschara Hachschara das heißt sich vorbereiten für
[1:49:09] eine Reise nach Palästina für er wollte nach Mikwe Israel wo auch mein Bruder gelernt hat das ist eine sehr interessante Sache und wo hat er gearbeitet als Hachschara auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf Ger- äh Ger- Gartenbau und er ging wirklich
[1:49:34] nach Palästina paar Tage vor diesen ganzen Geschehnissen und wer er war auf dem Schiff und man hat ihm das erzählt und er er wollte das nicht glauben das war so plötzlich und die Feiler den Feilers hat man gesagt »ihr habt zwei drei Tage zum packen zehn
[1:49:55] Kilo könnt ihr mitnehmen alles andere bleibt da« no sind sie ausgewandert nach Zbąszyń Zbąszyń das ist in der Nähe von der Grenze zwischen in der dann Grenze zwischen Polen und Deutschland ein Lager für Flüchtlinge von dort sind sie haben sie
[1:50:26] sich rausschmuggeln lassen weil der Feiler war ein Schneider er hat eingenäht all- also Schmuck und Geld und sowas hat sich ausschmuggeln lassen von dem Lager nach Warschau in Warschau gab es eine große jüdische Gemeinde und da wussten sie der Sohn ist
[1:50:50] in Palästina wo sollen sie gehen sie sagen haben sich gesagt sie wollen nach Palästina und die wurden durch die illegale Alija nach Tel Aviv gebracht und dort haben sie sich getroffen mit Elieser mit Rolf und äh er hat nachher gearbeitet in er wohnte
[1:51:13] auch in Ben Yehuda-Straße
[1:51:16] also die die die Leute die aus Deutschland kamen nannten die Straße Rehov Rehov das ist Straße auf Hebräisch Rehov Ben Yehuda-Straße es gab auch ein Schinkenstraße Shenkin das haben sie genannt Schinkenstraße und so weiter
[1:51:36] es gab so viele Witze über diese ja auf jedenfalls die sind hier hergekommen der Feiler hat angefangen hier auch zu nähen aber wer trug Anzüge die Leute haben dann sehr einfache Kleidung gehabt auf der Straße also [atmet aus] sehr selten hat man Anzüge
[1:52:00] ge- also Männer haben Anzüge hat er sich auf umnähen ein Männeranzug für eine Frau von den Hosen ein Rock und von den Röcken Röcke ja Röcke die Knöpfe an der anderen Seite weil es gibt doch so ein Gesetz dass die Knöpfe bei den Männern da diese
[1:52:28] Seite die linke Seite und ja ja ja und bei den und das hat er getan am Anfang bis er er hatte dann einen äh einen stroke
[1:52:40] jetzt erzählen Sie vielleicht noch um die Geschichte ähm wieder zum Ausgangspunkt
[1:52:48] [gleichzeitig:] also sie sind hierher einen Moment sie sind hierher gekommen ver- verkommen also voll mit Läuse und und schmutzig und man hat sie irgendwo in einem äh für die Flüchtlinge ein Lager gab es in Jaffa und dann hat man dem äh und die waren
[1:53:14] illegal die waren illegal also hatten keine Identitätskarte Elieser also Rolf Elieser er hat erfahren dass sie da sind er hat sie getroffen und sie haben dann auch ein Zimmer in ein und das hat sich so geordnet ja
[1:53:32] Sie sagten gerade schon dass Sie diese Möbelstücke haben und Sie haben es uns gestern glaube ich schon erzählt vielleicht erzählen sie es nochmal ähm für die Kamera wie sind dann die Möbel die alten Möbel der Familie Feiler nach Palästina gekommen ?
[1:53:45] [gleichzeitig:] ah nun sehen Sie sehen Sie wir können sprechen und sprechen und dann vergessen wir die Hälfte also so ging das nach dieser also die Gestapo hat diese Wohnung und das Atelier von Herrn Feiler [schlägt in die Hände] zugemacht und einen Stempel
[1:54:04] »Gestapo« und dann war die Kristallnacht und in Kristallnacht was das war doch der Wut des Volkes das ausgebrochen spontan und so weiter spontan spontan bis man sieht »Gestapo« »Gestapo« waren die Leute vorsichtig hat man diese Wohnung nicht angefasst
[1:54:27] und es blieben alle Stücke Möbel äh Teppiche Bettwäsche äh alles zu der Küche oder zu zu zum Tisch also Be- Besteck Tischdecken mit von Damast wirklich gute schöne Sachen auch auch G- G- Gläser also das Glas [zeigt Glas] zum Beispiel das gehörte noch
[1:55:00] zu dieser Sendung und ich hab sehr schöne Weingläser die die so ich hab eins zerbrochen als ich das trocknete hab ich [imitiert Geräusch] und das hat sich so abgebrochen da muss man sehr vorsichtig aber ich habe noch es waren zwölf sind geblieben glaube
[1:55:21] ich sieben aber die sind zerbrochen bei mir nicht beim Tras- Transport und dann wurde diese diese äh äh es war irgendein Abkommen zwischen Palästina von der von der äh es war ein Mann Arlozorov er hat sich darüber gekümmert äh ein Austausch das ermöglichte
[1:55:55] Sachen von Deutschland nach Palästina zu bringen und die sollten etwas anders finden Sie heraus wie das genau ging ich weiß nicht genau auf jedenfalls alles was in der Wohnung und in dem Atelier war wurde einge- inklusiv äh Bilder mit denen manche Kunden
[1:56:19] bezahlt haben also Maler und die sind die waren nachher sehr bekannte Maler alles Bücher und alles alles Mögliche was in einer bürgerlichen guten Wohnung gehört in einen Lift und das wurde transportier- das kam an nach Haifa schon zu Zeit des Krieges aber
[1:56:44] Italien war noch nicht im Krieg also das ging durch so dedede es kam an aber wer soll das rausnehmen die Feilers sie sind illegal Rolf ist noch ein Schüler [schnalzt] hat jemand ihm einen Rat gegeben »Herr Feiler nähen Sie einen schönen Anzug für den
[1:57:09] Offizier der dort zuständig ist dann kommt es heraus« und es ging wirklich so Herr Feiler hat einen sehr schönen Anzug [lacht] mit wirklich gut gemacht das wurde irgendwie rüber gegeben zu dem verantwortlichen Offizier dort der Lift kam heraus und die
[1:57:33] hatten dann Möbel ein Teil der Möbel haben sie verkauft auch ein Teil von den äh Gemälde äh die gingen na- zum Museum und weil am Anfang hatten sie keinerlei Möglichkeit sich zu er- ernähren sogar da war ein Tisch mit weiß ich so und so viel Stühle
[1:57:59] da waren ah das kann ich an das kann ich mich noch erinnern es war ein ein dreiseitiger äh äh Spiegel für einen für einen äh äh no der näht
[1:58:16] Schneider
[1:58:19] [gleichzeitig:] Schneider
[1:58:22] Schneider mhm Schneider Schneider äh ist das wichtig wenn der die Kundin will sehen wie das aussieht von hinten oder zur Seite das ging das konnte man zumachen dann war es so ein flach und oder aufmachen diesen so so oder an das kann ich mich erinnern weil
[1:58:43] das hat mich [betont:] sehr interessiert und überhaupt die hatten die Möbel die da waren das waren überhaupt nicht für mich nicht bekannt weil in in Łódź hatten wir Möbel aber nicht solch elegante und das war sehr schön [lacht] ja also so ist das
[1:59:03] hereingekommen und jetzt hab ich die Sachen noch und mein Sohn schielt nach dieser Uhr sage ich »nur nach meinem Tode wirst du die bekommen« so
[1:59:19] wir waren vorhin stehen geblieben ähm
[1:59:24] [gleichzeitig:] oder sitzen sitzen geblieben [lacht]
[1:59:27] sitzen geblieben bei dem Ende oder erzwungenen Abbruch Ihres Studiums in Beirut
[1:59:34] ja in Beirut also es war erstens noch vorher im Jahre 46 im Sommer habe ich offiziell meinen Mann geheiratet und es gibt da ein Foto und dann bin ich zurückgefahren nach Beirut zurück ja da konnte man einfach fahren da waren taxis in Haifa und so wie es
[2:00:11] üblich hier bis heute ist nach Jerusalem oder nach Haifa in einer Busstation oder wo stehen die Leute »Haifa Haifa noch zwei Plätze« da war in Haifa so so ein S- so ein Platz und »Beirut Beirut noch zwei Plätze noch drei Plätze« und zweieinhalb Stunden
[2:00:26] war ich in Beirut kein Problem ich hoffe dass es uns noch passiert hier dass wir können so öffnen alles und sich treffen mit alle unsere Nachbarn so kann man auch könnte man ja
[2:00:45] und dann begann der 48er Krieg
[2:00:50] [gleichzeitig:] und dann und dann bin ich das erste Mal im Leben geflogen weil man hat gesagt es ist gefährlich zu reisen weil es sind schon waren schon in Palästina Kämpfe und waren Leute umgekommen und man soll fliegen dann bin ich geflogen nach das hieß
[2:01:15] dann nicht Ben Gurion sondern Lod und äh ich wollte in die Armee also es war diese noch keine offizielle Armee aber das war schon vor ein das war November glaube ich November äh siebe- November 47 äh dann hat man mir gesagt von den obersten
[2:01:45] Schichten »du bist eine Krankenschwester du gehst nicht in die Armee du gehst in ein Hospital« und ich war noch nicht zu Ende mit mein Studium da war ich eine Hilf- Helferin also Krankenschwester noch keine äh registered nurse äh und ich ging in ein Hospital
[2:02:10] ein Zweig von Hadassah-Hospital in Tel Aviv auf der Balfour-Straße Hadassah Balfour und ich arbeitete in äh Chirurgie Männer und das war eigentlich die beste Lektion die ich ercha- erhalten konnte gegen den Krieg weil ich hab gesehen junge Leute also
[2:02:49] eigentlich Kinder 17 18 Jahre alt verstümmelt blind äh alles und ich glaube ich glaube Kriege sind unnötig und schlimm und sie [schüttelt den Kopf] they solve no problems und dann war eine Bom- ein Bombenangriff an die Busstation Tel Aviv von
[2:03:49] den von den Italiener und da waren sehr viel Verwundete und ich kann mich e- sehr gut erinnern das das habe ich den das Bild den Geruch und auch die Geräusche von diese da waren zwei drei Tage wo man nicht nach Hause ging weil es waren sehr viel Verwundete
[2:04:04] die Geräusche waren weil man brachte Leute und das Blut tropfte auf die Erde und die Ärzte hatten an solche weiße Stiefel Gummistiefel und das machte so ein [imitiert Geräusch] diesen Ger- ich habe es noch im Ohr das und Geruch Geruch von Blut und und
[2:04:28] allen möglichen Sachen und auch die die die Leu- Leu- Leute Lau- Laute »ach es tut mir weh komm gib mir was« und und und und und also das alles das ist wie ein Film bei mir im Kopf wenn ich darüber spreche dann sehe ich höre ich rieche ich alles und das
[2:04:50] war wirklich sehr sehr schwer und sehr traumatisch und das werde ich nicht vergessen [schüttelt den Kopf]
[2:05:08] haben Sie das in dem Moment damals schon so empfunden oder haben sie das erst mal weggeschoben
[2:05:19] [gleichzeitig:] ja nein nicht weggeschoben das war dann so das war so stark das war so so schrecklich unglaublich weil ich hab nicht gesehen solche Sachen ich hab gearbeitet in Hospital da waren Kranke da Lunge da dies da das und nicht immer so junge Leute
[2:05:41] das war eine Abteilung wo eigentlich nur junge Jungs gelegen haben und und manche waren ge- äh wie sagt man wenn man sich nicht bewegen kann einer no
[2:05:58] gelähmt
[2:06:01] gelähmt er hatte einen Schuss bekommen hier [fasst sich an den Nacken] ein sehr schöner Junge sehr groß und der also sprechen konnte er sehen konnte er aber der ganze Körper war gelähmt und dann war einer blind und es kamen verschiedene äh Ak- Aktoren
[2:06:27] zu Unterhaltung für die für die Leute die verwundet sind und ich kann mich erinnern an eine die gekommen ist und ge- ge- gesungen und er war dieser Blinde war anscheinend ein Musiker weil er hat so [gestikulierend:] als er ob er eine Flöte in der Hand hätte
[2:06:53] also das ist doch wie viel Jahre das ist doch es ist sechzig mehr als sechzig Jahre zurück aber das ist so lebendig bei mir im im Gedächtnis und in den in den wie sagt man sehen hören wie sagt man
[2:07:14] in der Wahrnehmung
[2:07:16] nein nein wie nennen sie sich die
[2:07:19] Sinne
[2:07:21] Sinne ja also mit allen Sinnen
[2:07:24] wenn ich Sie richtig verstanden habe und auch wenn wir auf die Gewa- -fahr hin das wir jetzt n Sprung machen wa- und Sie haben es selbst so gesagt war dies eine Lektion und ähm eine Lektion darin zu helfen
[2:07:39] [gleichzeitig:] fürs Leben fürs Leben ja
[2:07:42] und vielleicht vielleicht erzählen Sie uns darüber dass Sie auch äh bis heute noch äh Arbeit als Krankenschwester äh
[2:07:48] ja eigentlich nicht Arbeit da ist als als Freiwillige äh ich äh also ich war politisch sehr aktiv mein ganzes Leben eigentlich vom also als ich 17 Jahre alt war und bis vor zwölf 13 Jahre alles mögliche Demonstrationen und mit der Polizei zu tun zu
[2:08:26] haben und und und anges- eingesperrt und alles mögliche was zu so ein so ein ha- hektischen Leben gehört das das war das wir sind nach Yad Hana gekommen wir wohnten in der Stadt vorher aber irgendwann haben wir beschlossen das wir wollen unser Leben irgendwie
[2:08:57] umgestalten um- umstalten
[2:09:00] umgestalten
[2:09:02] umgestalten und wir waren schon über vierzig beide Yad Hana haben wir kennengelernt weil mein Mann der in der kommunistischen Partei war war zuständig für äh Kontakte mit äh Leute die in Kibbuzim oder Moshawim oder andere äh andere agrikulturelle Siedlungen
[2:09:29] wohnten also er kam nach Yad Hana und die Geschichte von Yad Hana das ist mir zu lang und zu kompliziert sie hier zu erzählen das vielleicht ein anderes Mal äh also er ist hier gekommen hat viele Leute also mein Nachbar den Israel Löwenstein und noch paar
[2:09:52] Leute die nicht mehr am Leben sind und so weiter kennengelernt er hat mich mal mitgebracht und dann mal mit die Kinder und wir haben uns angefreundet hier mit paar Familien und dann mein Mann der wollte eigentlich das ganze Leben wollte er mit sich beschäftigen
[2:10:13] mit Agrikultur er hat ja in in äh Mikwe Israel gelernt und äh dann sagt er sich und es war eine Spaltung in der kommunistischen Partei und es war ein wie man in gut Hebräisch sagt »balagan balagan« das ist auf Russisch »Unordnung« also »balagan«
[2:10:41] äh und dann dann haben wir uns gewendet an die Leute hier die zuständig dazu waren wir wollen Mitglieder von Yad Hana werden mit unsere Kinder und man hat uns aufgenommen als Mitglieder und das war im Jahre 67 und wir haben beschlossen dass wir werden warten
[2:11:15] bis meine Tochter Yael ihre Grundschule zu Ende hat und das sollte sie an diesem Jahr zu Ende machen wir wohnten dann in Ramat Gan und Juni 67 [macht Geräusch] der Krieg und ich arbeitete dann in einer Klinik in Tel A- in Jaffa und na klar da g- da war ich
[2:11:47] in der Klinik und die Kinder waren bei Bekannten und Krieg nicht lange aber das war und dann nach dem Krieg äh mein Mann kam sogar im Zeit des Krieges kam er nach Yad Hana also aus Solidarität und so weiter das war doch die Grenze hier und äh im August
[2:12:15] 67 sind wir nach Yana Yad Hana gekommen und Sie haben gefragt was haben Sie dann gefragt was haben Sie gefragt über ah über meine meine Arbeit jetzt
[2:12:31] richtig
[2:12:34] ja hier in Yad Hana also ich war Krankenschwester es war eine Krankenschwester da dann hab ich gearbeitet bei den Bananen und in der Küche was ich nicht kochen konnte aber man hat mir Kartoffel schälen beigebracht und das hab ich [lachend:] paar Stunden
[2:12:52] gemacht und alles mö- alles alles mögliche das nennt man da im Kibbuzim nennt man das einen cork die das ein Loch verstopft [gestikuliert] also wo jemand fehlte also die Pnina oder jemand anders der keine bestimmte Arbeit hatte und das hab ich gemacht glaube
[2:13:11] ich ein Jahr anderthalb Jahr dann hab nein dann hab ich ein Zwilling ist geboren von einer der Freundinnen hier und sie hatte einen Kaiserschnitt und konnte sich mit die Kindern nicht beschäftigen dann hatte ich Arbeit mit die Kinder als Krankenschwester
[2:13:33] und so und die haben jetzt die sind schon eine nein noch nicht Großmütter aber vierzig Jahre mehr über vierzig Jahre alt äh auf jedenfalls das hab ich dann gemacht und nachher hat diese Schwester die hier gearbeitet hat den Kibbuz verlassen das war eine
[2:13:56] Liebesgeschichte no und dann wurde ich hier als Krankenschwester beschäftigt und das war für mich sehr interessant die interessanteste Arbeit die ich hatte weil in einer Klinik oder in ein Hospital ist man in einer bestimmten äh äh
[2:14:21] Abteilung
[2:14:23] Abteilung und man tut eigentlich dasselbe jeden Tag und ähm wenn man Interesse hat hat man Inte- ah ich hab auch die Kranken- die Schwesternschule beendigt nachher nach dem Krieg weil ich hatte na- ich hab jetzt ein Diplom ich bin sogar ich hab einen einen
[2:14:46] äh Universitätstitel BA in nursing ja stolz bin ich darauf und da habe ich äh angefangen hier zu arbeiten hier war das also dieser Kibbuz war äh nicht sehr beliebt in Israel und er gehörte zu keinerlei von den Kibbuzorganisationen und das ist eine eine
[2:15:14] lange Geschichte da geh ich nicht (mehr) rein auf jedenfalls die hatten keine Sozialarbeiterin kein Psycholog gar nichts also ich war alles und das war interessant weil wenn ein Kranker oder eine Kranke ke- kam zu mir da wusste ich sie hat zwei Kinder oder
[2:15:37] drei Kinder der Mann ist etwas durchgedreht und sie hat Probleme blablabla und wenn sie kam sie hat Kopfschmerzen da se- »setzen Sie sich hin« und »wie geht es« dadada dann hat sie erzählt »ach ich hatte so so viel zu tun mit mit meinem Mann und der
[2:15:59] Sohn war« dadada nach einer halben Stunde ging sie heraus ohne Pille ohne gar nichts weil sie konnte sich konnte das aussprechen und sich erleichtern bei mir und ich hab das alles sehr gerne getan und deswegen bin ich auch gegangen in die Uni und gemacht
[2:16:18] diese drei Jahre weil das hat mir geöffnet Horizonte äh Psychologie und Anthropologie und Soziologie und und und und und in drei Jahre kann man viel lernen aber ich habe nur zweieinhalb Tage gehabt in der Woche dann musste ich das Konzentrieren zum Beispiel
[2:16:39] ich wollte über Frauenbewegungen und so weiter das ist mir sehr nah am Herzen sagt man und äh aber das konnte ich nicht weil ich musste das Konzentrieren diese zweieinhalb Tage und das hab ich gemacht äh viele Jahre und die Leute die die noch leben und
[2:17:07] die die jetzt sechzig 55 vierzig die vergessen das nicht weil ich habe zum Beispiel begleitet Frauen wenn sie zur Geburt gingen also wenn sie Kinder dann war nicht erlaubt dass Männer sie begleiten und die erste Geburt das ist das können Sie nicht wissen
[2:17:32] aber die erste Geburt das ist ein sehr wichtiger Punkt im Leben von einer Frau und ein sehr traumatischer wenn sie ganz alleine ist und ich war mit nicht einer nicht zwei mehrere Frauen und das war auch für mich ein ein schönes Erlebnis dass ich dass ich
[2:17:56] mit denen war dass ich denen die Hand geben konnte und sag »beruhigen« und und so weiter und d- und das war schön nachher das Kind zu sehen wie das ist und so weiter also das war für mich eine gut- es war nicht leicht weil äh Leute in Ki- das ist ein
[2:18:17] Problem von Schwestern in Kibbuzim dass Leute haben überhaupt keinerlei äh Probleme die Schwester zu be- be- beschäftigen in allen Stunden und in allen Situationen zum Beispiel das ist it sounds funny aber im Speisesaal im Kibbuz ich sitz am Essen Suppe
[2:18:45] es kommt jemand »oh Pnina ich fühl mich nicht gut« ich frage »was ist los ?« »ich habe Durchfall« da sieht mir die Suppe aus wie wie Durchfall und und dann muss ich kotzen ich war krank und wir hatten Versammlungen von Schwestern von verschiedenen Kibbuzim
[2:19:09] um zu die Probleme die man hat um a- etwas Luft zu kriegen und ich habe erzählt ich hab gesagt ich glaube ich krieg ein ein äh wie sagt man im Magen also etwas im Magen weil ich ich kann nicht ruhig essen und dann hat mir eine Schwester einen Rat gegeben
[2:19:35] und ich stell euch das vor ich sitz am Essen es kommt ein Mann an mich und sagt »Pnina ich fühl mich nicht gut äh kannst du mir helfen irgendein Husten oder i-« sag ich »ja zieh dich aus« guckt er mich an »was hier ?« sag ich »wenn du mich hier ansprichst
[2:20:00] dann zieh dich hier aus« dann hat er gelacht dann hab ich gelacht hab ich ihn nicht beleidigt und ich hab mir dieses Problem ge- wie sagt man solved
[2:20:15] gelöst
[2:20:17] ge- ?
[2:20:20] gelöst
[2:20:22] gelöst und das war wirklich ein sehr guter Einfall und ich glaube man soll viele Probleme mit Humor mit solch und nu- nicht so besonders wenn jemand sich schlecht fühlt also das ist so eine kleine aber das st- das ist wahr eine wahre Geschichte jetzt äh
[2:20:41] dann war ich äh schon über gut über sechzig Jahre alt und dann fang ich an zu arbeiten äh man hört nicht auf im Kibbuz in der Wäscherei also beim Bügeln was ich sehr ungerne ta- tat und alle möglichen solchen leichteren Beschäftigungen und politisch
[2:21:14] da war auch Problem weil meine Schwiegermutter wurde krank und sie ist b- bei im Kibbuz ge- hat im Kibbuz gewohnt sieben Jahre und wir haben sie betreut mein Mann und ich und ich konnte nicht viel draußen tun und sie ist auch hier gestorben sie hab ich auch
[2:21:37] nicht ins Hospital gelassen sie war 97 Jahre alt und es ist das ist auch ich war bei ihr als sie schon ohn- ohnmächtig ohnmächtig war also sie wusst- sie hat nicht erkannt und ihr letzter Wort war so mit der Hand [gestikulierend:] »aufstehen« auf Deutsch
[2:22:03] und dann ist sie gestorben sie wollte aufstehen also das ist auch in brackets äh
[2:22:13] ich ich bin ein aktiver Mensch und ich wollte doch etwas tun was mit Politik zu tun hat Demonstrationen es ist mir schwer zu laufen jetzt äh dann hab ich gehört dass
[2:22:37] es gibt so eine Organisation äh Physicians for Human Rights Ärzte für Menschenrechte und die haben drei Zweige eins sie besch- sie haben eine Klinik für Fremdarbeit- Fremdarbeiter sagt man ? ja für Fremdarb- -arbeiter wo sie jeden einen aufnehmen also
[2:23:06] be- behandeln auch Leute ohne Papiere und da sind freiwillige Ärzte und Schwester und so weiter ich habe auch dort zweimal in der Woche eine Zeit gefahren ziemlich far weit in der Nähe von äh das ist Süd Süd Tel Aviv das ist so wie eine andere Welt auch
[2:23:29] jetzt äh zweiter Zweig das ist die Betreuung von Leute die im Gefängnis sind also medizinische und auch hygienische und es waren auch bei uns Streiks von den besonders Palästinenser Hungerstreiks sehr lange die haben sich damit beschäftigt die haben auch
[2:23:53] mit mit äh äh na wieder das lawyers
[2:24:00] Anwälte
[2:24:02] mit Anwälte auch gearbeitet und der dritte Zweig wo ich da komme das sind äh wandernde Klinik also eine Klinik die man aufmacht für einen Tag am Schabbat in den eroberten Gebieten äh da kommen Ärzte Schwestern Übersetzer und -innen of course das sind
[2:24:30] Frauen und Männer und äh ein Apotheke mit mit äh Medizinen und so weiter und wir treffen uns i- nicht weit von hier man holt mich ab mit Auto wo das Treffen ist Leute lassen die Autos dort das ist an einer Benzinstation und Tayibe nennt sich der Ort und
[2:24:59] von dort fahren wir mit Minibusse ein oder zwei je nachdem wie viel Leute da sind und ich bin weiter Kranken- und das tue ich jetzt seit Jahre 2002 das heißt elf Jahre ja elfeinhalb schon im Sommer wird es zwölf und das tut ich weiß nicht wie viel ich
[2:25:32] helfe aber mir helft es weil wenn man so alt ist wie ich viele Leute sind nicht aktiv und eigentlich warten wenn sie sterben sollen werden und mir hat es nicht so gefallen sitzen und warten ich kann am am laufen das tun dasselbe tun sterben oder [lacht] irgendwas
[2:26:03] tun auf jeden Fall das ist einmal ich sage immer ich bin ein Egoist ich tue was mir gut tut auch die politische Arbeit die ich getan habe ich kann nicht und will nicht sagen ich habe mich geopfert das gibts viele Leute und jetzt ist dies und das nicht geopfert
[2:26:26] ich hab sehr viel davon für mein ganzes Leben erworben gelernt und also ich bin ein Egoist wenn man so das nennen s- kann und wir das ist eine nicht rein medizinische oder humanische Arbeit das ist eine politische Arbeit bei jedem Treffen (ein) man trifft
[2:26:57] uns erstmal man serviert Kaffee oder es spricht jemand von dem Dorf oder von der kleine äh kleine Städtchen wie viel Leute was sie tun was für Probleme sie haben et cetera und von unserer Seite auch wir stellen uns vor und wenn das das zweite Mal dann gibt
[2:27:18] es nur eine Begrüßung und so weiter und immer sagt man unsere Arbeit wir sind Ärzte Schwestern und so weiter aber wir wollen eigentlich und das ist eine der wichtigen Sachen unsere Solidarität mit der palästinensischen äh Bevölkerung zeigen wir sind
[2:27:39] gegen die Okkupation wir sind für die Rechte von den Palästinenser für ihr eigenes Land für Selbstbestimmungsrecht und äh it fits me das das ist gut für mich und das tue ich jeden Schabbat und man kennt mich und man erkennt mich wenn wir schon »ja Sie
[2:28:11] waren hier vor vier Jahren« oder »Sie waren hier so und so« und äh also mein Name in Hebräisch ist Pnina wie gesagt mein Vater war ein Hebräisch-Lehrer weil er hat mir und meinem Bruder hebräische Namen gesagt gegeben weil eigentlich in Polen gibt es
[2:28:34] Moniek oder äh Wojciech und so weiter mein Bruder hieß David und ich hieß Pnina [betont:] heiß Pnina Pnina ist eine Perle also Perle auf Arabisch ah ich spreche ja auch Arabisch weil ich hab gelernt Arabisch in Beirut also die Sprache die die Umgangssprache
[2:28:58] weil es gibt zwei es gibt die literarische Sprache wo man schreibt also also das ist dieselbe Sprache in allen arabischsprechenden Ländern aber die die luġa ammiyya das ist die Volkssprache und luġa fuṣḥā luġa fuṣḥā das heißt die die elegante
[2:29:22] oder die literarische Sprache die ist dieselbe die andere da gibt es Dialekte so wie überall so wie bei euch von Bayern also wenn die Leute Bayerisch sprechen da verstehe ich keen Wort ja und so weiter also da kann ich sprechen kann ich und übersetz- aber
[2:29:40] wo war ich denn ? ich war vorher
[2:29:43] [gleichzeitig:] bei dem Namen Pnina
[2:29:46] ah ja also Pnina auf Arabisch ist Lulu das ist eine Perle also man nennt mich Hadschi Lulu Hadsch ist ein Mensch der in Mekka war oder ein Mensch der alt genug ist und man hat von ihm Respekt also ich bin Hadschi das ist eine Frau Hadsch und Hadschi Hadschi
[2:30:16] Lulu [lacht] so nennt man mich dort und äh und das das gefällt mir auch und für mich ist das wirklich eine sehr wichtige Sache etwas zu tun was dem Menschen helfen kann und ich beschäftige mich damit auch hier meine Nachbarn hier sind alle ungefähr um
[2:30:45] die achtzig Jahre alt und ich habe ein Blut- äh -mess- -messer und ein Ge- Ge- ein wo man Zuckerblut Glukometer und auch Urin kann ich äh testen mit so einem stick und man kann zu mir kommen fragen weil wenn man zu Ärzte geht meiste haben ein Computer
[2:31:21] und sie [imitiert:] ja ja ja und sie fassen dich a- nicht an und so weiter nach einer Visite beim Arzt kommt man manchmal zu Pnina und sagt »was hat er eigentlich ge- gemeint damit ?« und »was ist da geschrieben was ist mit diese und diese Blutprobe ?
[2:31:44] viel ? wenig ? was soll ich tun ?« die Ärzte sind jetzt etwas ma- maschinell also bin ich als Freiwillige auch hier bei mir im Kibbuz und auch jüngere Leute kommen zu mir und für ein Gespräch für etwas zu raten über Diät über äh also Sachen die man
[2:32:17] man man weiß ich habe viel Erfahrung und was ich nicht weiß sag ich ich weiß nicht oder ich guck manchmal Google ich google oder ich hab auch ein paar Bücher wo ich rein gucken kann und bei dann es gibt Sachen ich bin kein Arzt ich hab keine Ahnung zehu
[2:32:39] womit werden wir enden unser Gespräch
[2:32:44] vielleicht würde ich vorschlagen dass wir an dieser Stelle ne kurze Pause nochmal machen und dann zum Abschluss des Interviews nochmal die Fotografien zeigen die wir gemeinsam rausgesucht haben
[2:32:54] aha gut ich bin einverstanden in [Schnitt; zeigt im Folgenden Fotos] so ?
[2:33:00] wer ist drauf zu sehen ?
[2:33:05] äh das ist eigentlich meine Familie nicht die ganze aus in Polen noch das war im Jahre dreiunddrei- oder 34 da ist aufgeschrieben und da sind meine Mutter meine Großmutter mein Bruder der war hier glaube ich 14 Jahre alt äh noch ein Bruder von meiner
[2:33:50] Mutter mit Frau ah nein das ist sie diese Frau und noch ein Bruder mit seiner Frau und noch ein Bruder mit seiner Frau und Baby und das ist die Ethel Epsztajn die Frau von von äh höhöhö jetzt hab ich seinen Namen Al- Albert Albert Epsztajn zu uns der uns
[2:34:09] geholfen hat nach Palästina zu kommen und da unten sitzen zwei Mädchen eine bin ich und die eine das ist meine Cousine die Tochter von Rafał
[2:34:20] zeigen Sie nochmal in die Kamera wo sie sind kurz das man das einmal sieht
[2:34:24] ich bin ich bin diese unten
[2:34:27] okay
[2:34:30] okay ja das ist noch früher da bin ich drauf mit meinem Bruder und ich glaube ich bin hier fünf Jahre alt oder vielleicht gibts nein es gibt kein Datum bitte sehr eine schöne Schleife habe ich
[2:34:51] da noch nicht
[2:34:54] nein ah ja ja da
[2:34:57] das kommt jetzt
[2:34:59] [gleichzeitig:] da gibts ein anderes mit der Schleife ja [lacht] aber an das Kleidchen kann ich mich erinnern das war rosa ah aber das ist früher
[2:35:08] [gleichzeitig:] ja das das (____)
[2:35:11] [gleichzeitig:] da ist Pnina mit der schönen Schleife und mit die Füßchen so schön gestellt ich hab mich etwas geändert ah ? oder [lacht] genug ?
[2:35:27] jetzt einen Sprung
[2:35:30] ist ein großer Sprung da bin ich mit meinem Mann Elieser Rolf auf Deutsch und meinem ersten Sohn Dror Elimelech Baby und da bin ich mit Elieser nun wie man sehen kann wir sind gute Freunde das ist in Jahre 46 aha
[2:36:10] wo hat Ihr Bruder gelebt in Israel
[2:36:13] mein Bruder er hat erst hat er gearbeitet in in äh das hab ich vorhin gesagt
[2:36:22] in Mikwe Israel
[2:36:24] nein Mikwe Israel hat er gelernt in irgendein Platz wo bei Orangen und nachher nach dem Krieg nach dem Krieg hat man in Tel Aviv eine Siedlungs- Yad Eliyahu heißt das man hat Häuser gebaut für die Leu- die Soldaten die zurück kamen und die haben bekommen
[2:36:58] ein Zwei- Zwei- äh -zimmerwohnung mit Küche und dort bin ich äh mit meinem Mann als ich kam von Beirut und hatte nicht wo zu wohnen dort sie haben mich genommen ah das ist der Albert Epsztajn hier mit seiner Frau und Tochter Vivian Ethel seine Frau
[2:37:20] Vivian die Tochter äh der hat eigentlich deswegen können Sie das Interview machen weil sonst wäre ich nicht da so wie ma- die meiste von meiner Familie die verschollen sind äh das ist auf dem Weg nach Palästina aufm Schiff und das ist am neunten
[2:37:49] Neunten 38 das ist mein Geburtstag und da können Sie mich sehen als ob ich eine Krone oder eine ein halo habe war das ist von dem Schiff dieser
[2:38:01] Mast
[2:38:04] und meine nein nicht Mast sondern [imitiert Geräusch] macht da
[2:38:07] ach ja
[2:38:09] so ein Rohr und meine Mutter ist da unten unt- unter mir ist das ist meine Mutter ja haben Sie das ah das ist äh ich glaube paar Monate nach meiner Ankunft nach Is- nach Palästina und ich kann mich nicht erinnern wer das kleine Mädchen neben mir ist
[2:38:45] das ist bei a- bei einem Sommer- äh nicht -lager
[2:39:02] Sommerfrische
[2:39:04] [gleichzeitig:] das war für einen einen Monat
[2:39:07] aber Sommerlager kann man sagen
[2:39:10] Sommerlager von dem Gymnasium wo ich gelernt habe mit Freundinnen und das war im Jahre 38 und das bin ich hier die zweite von der linken Seite
[2:39:26] das war jetzt ein bisschen durcheinander von mir
[2:39:31] ah das ist in Tel Aviv das ist meine Klasse in der Schule worüber ich vorher erzählt hab Tichon Hadash mit und mit ein Lehrer und eine Lehrerin und ich bin da unter dem Lehrer 39 ja und das ist nochmal die Klasse in der Klasse ohne man zeigt
[2:40:16] man zeigt äh keine Lehrer und das bin ich wo ich den Finger habe ja ? beseder ? das ist noch von Łódź mit eine heißt Guzia und die zweite weiß ich nicht und die dritte das bin ich Jahre 35 und ah das ist alles Studium das ist meine Klasse in Beirut
[2:41:05] da kann man sehen zu rechts das ist Sambatu den Namen kann ich gut behalten die kam aus Abessinien und wo bin ich ich bin überhaupt nicht da doch ich glaube da aber ich bin nicht sicher junior class Beirut [auf Englisch:] 47 47 was
[2:41:59] ist denn d- ah das sind die Gesellen von Simon Feiler in Düsseldorf Königsallee und eine Geschichte will ich noch hier darf ich ?
[2:42:16] ja
[2:42:18] also das hat mir Simon erzählt [Türklopfen im Hintergrund] ken ? mise ?
[2:42:23] [Stimmen im Hintergrund] Shalom
[2:42:28] Shalom
[2:42:30] mise ? beseder toda raba also die Geschichte ging so es kam einmal ein junger Mann zu ihm in Düsseldorf äh er wollte er wollte eine Stellung bei ihm haben zu um zu lernen lernen und arbeiten und er kam aus einem kleinen Dorf irgendwo in Deutschland und nach
[2:43:03] paar Monate hat er mit Simon Feiler gesprochen und hat ihm gesagt »Herr Feiler ich muss Ihnen was beichten« »was ?« »ich habe keine Juden in meinem Leben gesehen aber ich hab gehört das sind sehr schlechte Menschen wenn ich gewusst hätte hätte ich gewusst
[2:43:26] dass Sie ein Jude sind wäre ich bei Ihnen nicht rein gegangen weil ich hätte Angst aber ich wusste nicht und jetzt weiß ich Sie sind Jude und sind ein guter Mensch« das passiert auch ja
[2:43:46] jetzt wieder ein Sprung ein sehr großer Sprung
[2:43:52] ah das ist mit Omama ja da ist mein Sohn als Soldat er war puh Fallschirm sch- sch- sch- was
[2:44:07] -Springer
[2:44:10] -Springer wir haben ihn besucht mit Frau Feiler Frieda meine Schwiegermutter und da ist sie und ich ich bin da hinten und das ist mein Sohn als Soldat er ist etwas dicker geworden
[2:44:32] aus welchem Jahr stammt die Aufnahme ?
[2:44:36] die ? ähm (schwimme) siebzig siebzig oder 71 also er hat gedient von Jahre siebzig bis 73 aha also ich habe sehr gerne getanzt überhaupt jetzt kann ich nicht so gut und das ist das bin ich mit meinem Elieser am Tanzen ah Motek sheli mein Süßer
[2:45:21] das ist unser erster Enkel mit meinem Mann Elieser und das dies so ein Bild gibt es auch in dem Buch und der Unt- die Unterschrift ist äh S- S- wie sagt man auf ein kleinen kleine Pflanze Sprössling ? »zwei Sprösslinge« also die das der Baum und das Kind
[2:45:53] der war mein Mann war zuständig für Avo- für die Avocado-Plantage und da das ist ein Bild von der Trauung von meiner Tochter der erste Trauung sie ist nachher geschieden und da können sie sehen die drei Generationen meine Tochter Yael links meine Mutter
[2:46:24] Rachel Mitte und nein ich in der Mitte Pnina und meine Mutter rechts ja ah und das ist mit meinem Nachbar da ist Elieser das ist ein sehr schönes gutes Foto und in der Mitte kann man mich erkennen glaube ich noch und da ist Is- Israel Israel Löwenstein
[2:46:54] mein Nachbar mein guter Nachbar und das Foto ist vor ich glaube vor vier Jahre oder ich weiß nicht ge- genau oder fünf äh in der wandernden Klinik da mach ich Inhalation für ein Baby und ah ich wollte Ihnen noch was zeigen das sie aufnehmen sollten
[2:47:27] warten Sie wir nehmen eben noch das letzte Bild
[2:47:32] aha ah
[2:47:35] das geht nochmal zurück an den Anfang
[2:47:37] das ist in Łódź ich glaube ich bin hier fünf Jahre alt oder ungefähr so nicht älter auf jedenfalls und der Mann da das ist mein Onkel und wer und meine Mutter einer der Brüder meiner Mutter und und ich auf der Straße ich glaube das ist Piotrkowska
[2:48:03] wo ich gewohnt habe
[2:48:06] danke schön
[2:48:08] ich bitte Sie wenn ich nicht aufstehen kann ich wo- ich will dass Sie das aufnehmen [gestikuliert] unsere Weste womit wir arbeiten gehen Sie dort in an die an dem Schrank erste zweite dritte Tür glaube ich wo die Kleider hängen
[2:48:26] sollen wir eben ne Pause machen ?
[2:48:31] nein nein [Schnitt; trägt Weste] nicht mehr sauber weil ich hab sie benutzt das ist eine ah jetzt das ist die Weste die wir alle tragen wenn wir arbeiten äh an Schabbat und da ist das die der Namen von unserer Organisation in Hebräisch in Arabisch
[2:48:58] und in Englisch Physicians for Human Rights und das ist das Logo und das ist es [dreht sich um] und da kön- haben Sie es nochmal okay genug
[2:49:17] Pnina möchten Sie zum Abschluss des Interviews noch etwas sagen ?
[2:49:21] muss ich nachdenken ja ich will sagen dass erstens mein Gedächtnis kann manchmal versagen und es könnten vielleicht Ungenauigkeiten hier sein ich hab versucht genau zu erklären aber das ist einmal zweimal ich äh ich freue mich darauf dass es irgendeine
[2:50:07] so eine Aufnahme geben wird weil äh viele Freunde und Bekannte haben wir mir immer gesagt »Pnina du hattest so ein langes und und und und colourful also farbenfroh -frohes oder vielfarbiges Leben gehabt schreibe doch« und ich bin faul ich habe ein Buch
[2:50:32] geschrieben über meinen Mann und das war mehr mehr als genug und de- der Film und diese diese Aufnahme das wird dazu dienen vielleicht mir vielleicht wird mir das einen Anstoß geben irgendetwas zu schreiben und ich will mich bedanken für eure Geduld Hilfe
[2:50:58] und Zeit und dass ich eigentlich nicht gehöre zu diese zu der Gruppe der Leuten die die eigentlich gelitten haben in Europa ich bin ich habe hier nicht so gelitten obwohl es genügend Kriege waren und die waren auch nicht so wie alle Kriege nicht so schön
[2:51:28] aber das war nicht dasselbe ah noch etwas [betont:] sehr Wichtiges es gibt Leute die sagen dass wäre d- der Staat Israel en- entstanden in in diese Zeiten hätte man retten können viele Leben und ich glaube das ist purer Unsinn weil Israel o- ist ein
[2:52:08] sehr kleiner Staat und dann hatte wenn er hatte eine sehr kleine Armee und man hat Hitler hat erobert Frankreich das existierte so und so viele Jahre Holland Belgien mehr als halb von der Sowjetunion Polen was noch und äh in Afrika und so weiter da muss man
[2:52:37] eigentlich ich weiß nicht verrückt sein um zu sagen da hätte da waren alle Juden zusammen man musste nicht keine Züge man musste nicht irgendwo man könnte sie alle [pfeift; klatscht in die Hände] fertig machen hier das sage ich weil das ist sehr wichtig
[2:53:01] zu verstehen dass der Kampf gegen das Böse gegen Feinde der Menschhaft ist international wenn man irgendwann angreift dann kann es auch hier weh tun zehu
[2:53:21] wir danken Ihnen für das Interview
[2:53:23] danke schön
[2:53:25] tov
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1923 | Lodz | Geburt |
| ab 1925 | Lodz | Tod des Vaters |
| 1929 - 1933 | Lodz | Besuch der Grundschule |
| ab 1935 | Palästina | Auswanderung des Bruders David nach Palästina |
| ab 1938 | Haifa | gemeinsame Auswanderung mit der Mutter nach Palästina, Erlernen der hebräischen Sprache |
| 1938 - 1941 | Tel Aviv | Besuch des Gymnasiums, Mitgliedschaft in der Jugendorganisation der kommunistischen Partei |
| 1945 - 1947 | Beirut | Medizinstudium an der Amerikanischen Universität |
| ab 1946 | Tel Aviv | Heirat mit Rolf Elieser Feiler |
| ab 1947 | Tel Aviv | vorzeitige Rückkehr nach Ausbruch des Israelischen Unabhängigkeitskrieges, Arbeit als Krankenschwester |
| ab 1951 | Tel Aviv | Geburt des Sohnes Dror Elimelech |
| ab 1951 | Tel Aviv | Geburt der Tochter Yael |
| ab 1967 | Yad Hana | Umzug der Familie in den Kibbuz |
| ab 1973 | Tel Aviv | B.A. in Krankenpflege an der Universität |
| ab 2002 | Palästina | ehrenamtliche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Physicians for Human Rights, medizinische Hilfe in den palästinensischen Gebieten und Übersetzertätigkeiten |
1935 wurde ihr älterer Bruder David bei einer illegalen Versammlung der verbotenen kommunistischen Partei verhaftet. Seine Genossen gaben ihrer Mutter den Hinweis, alle Informationen, die auf eine Mitgliedschaft Davids in der kommunistischen Parteijugend hinweisen könnten, zu vernichten. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung konnte die Polizei keine Anhaltspunkte zur Mitgliedschaft Davids finden. Ein Anwalt riet ihm dazu, sich zum Zionismus zu bekennen, die einzige Möglichkeit, um dem Straflager zu entgehen. Aber nicht nur die Auswanderung des Bruders David 1935 ließ Palästina immer mehr in den Fokus der Familie rücken: Die Vorkriegsatmosphäre in Europa und die ständigen Bemühungen des Onkels Albert Epsztajn, der in den USA lebte und sich in zionistischen Organisationen engagierte, die Familie zur Auswanderung zu bewegen, taten ein Übriges. Albert Epsztajn finanzierte Pnina Feiler und ihrer Mutter die Ausreise nach Palästina – sie sollten dort wohnen und versuchen, Arbeit zu finden. Im Gegenzug hätten sie die Möglichkeit nach einem Jahr nach Lodz zurückzukehren, falls sie es nicht schaffen sollten, in Palästina Fuß zu fassen. So kam es, dass Pnina Feiler und ihre Mutter im September 1938 vom rumänischen Constanța ein Schiff mit dem Ziel Palästina betraten.
Bereits während der Überquerung des Mittelmeers nahmen die Temperaturen immer weiter zu und die Ankunft im sommerlichen Tel Aviv empfand Pnina Feiler als überwältigend. Sofort begann sie mit dem Erlernen der hebräischen Sprache und besuchte ein neu gegründetes Gymnasium in Tel Aviv. Während ihre Mutter zunächst verschiedene Tätigkeiten ausübte und ihr Bruder im Orangenhain arbeitete, musste Pnina Feiler sich um den Haushalt kümmern. Über die Verbindungen des Bruders kam sie mit der kommunistischen Jugend in Kontakt. Gemeinsam diskutierten sie über den Verlauf des Krieges in Europa und unterstützen den Kampf der alliierten Kräfte, in dem sie Handschuhe, Mützen und Socken strickten. Es gelang ihnen jedoch nicht, etwas über das Schicksal der in Lodz verbliebenen Verwandten herauszufinden. Nach Kriegsende kam es zu Spannungen zwischen überlebenden Juden aus Europa, die nach Palästina einwanderten, und Juden, die dort geboren wurden. Pnina Feiler erlebte wie den Neueinwanderern zur Last gelegt wurde, nicht gekämpft zu haben und sich wie »Schlachtvieh« verhalten zu haben.
In der Umgebung der kommunistischen Jugend lernte Pnina Feiler auch ihren zukünftigen Mann Rolf Elieser Feiler kennen, der aus Düsseldorf stammte und sich 1939 nach Palästina retten konnte. Auch seinen Eltern gelang es, nach Palästina zu kommen. Nachdem sie aufgrund der polnischen Staatsbürgerschaft des Vaters im November 1938 in das polnisch-deutsche Grenzgebiet nach Bentschen abgeschoben wurden, gelang ihnen über Warschau die Ausreise.
Nach dem Abitur 1945 ging Pnina Feiler zunächst nach Beirut, um an der Amerikanischen Universität ein Medizinstudium aufzunehmen. Ein Jahr später heiratete sie Rolf Elieser Feiler, doch bereits im November 1947 musste sie ihr Studium abbrechen und vorzeitig nach Tel Aviv zurückkehren, denn der Israelische Unabhängigkeitskrieg zeichnete sich ab. Pnina Feiler wollte als Soldatin in den Kampf ziehen, wurde jedoch aufgrund ihrer Fähigkeiten als Krankenschwester im Hadassah-Krankenhaus eingesetzt. Das körperliche und seelische Leid der vielen verwundeten Soldaten prägte sie nachhaltig – einerseits blieb sie ihr ganzes Leben als Krankenschwester tätig; im Kibbuz Yad Hana, in den sie 1967, kurz nach dem Sechstagekrieg, mit ihrer Familie zog, war sie Krankenschwester und Vertrauensperson. Andererseits blieb sie auch politisch aktiv. Sie betätigte sich in der Nichtregierungsorganisation »Physicians for Human Rights«. Einmal in der Woche fuhr sie gemeinsam mit einer Gruppe von Freiwilligen in die palästinensischen Autonomiegebiete, um hilfsbedürftigen Familien medizinische Versorgung zuteil werden zu lassen. Als Krankenschwester und Übersetzerin fand sie auf diese Weise ihren eigenen Weg, um ein Zeichen gegen den anhaltenden Israelisch-Palästinensischen Konflikt zu setzen und für die Selbstbestimmungsrechte der palästinensischen Bevölkerung einzutreten.