Zum Hauptinhalt springen

Moniek Baumzecer (*15.11.1919, Radom)

Signatur
01183/sdje/0066
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Berlin, den 12. November 2013
Dauer
01:22:07
Interviewter
Moniek Baumzecer
Interviewer
Gabriele Zürn , Nadja Grintzewitsch
Kamera, Licht und Ton
Daniel Hübner
Teilnehmer am Gespräch
Hanka Baumzecer , Sonia Gueorguiev
Redaktion
Martin Hölzl
Transkription
Gabriele Zürn

Moniek Baumzecer war ein begeisterter Sportler und wurde 1938 polnischer Jugendmeister im Boxen. Seine körperliche Stärke sollte ihm wenig später helfen, eine mehr als fünf Jahre währende Verfolgungszeit zu überleben, die er in zahlreichen Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern durchstand. 1919 im polnischen Radom als Sohn eines Tuchhändlers geboren, wuchs er in einem traditionellen jüdischen Elternhaus auf. Kurz nach der deutschen Besatzung von Lodz, wo die Familie seit 1930 wohnte, musste die Familie im Februar 1940 in das neu errichtete Ghetto der Stadt umziehen. Zum Arbeitseinsatz beim Bau der Reichsautobahn gezwungen, musste er seine Eltern und seine Geschwister zurücklassen. Nur einen Bruder sollte er nach dem Krieg wiedersehen, alle anderen Familienangehörigen wurden bald danach ermordet. Für Moniek Baumzecer begann 1940 eine lange Zeit der Lagerhaft und Zwangsarbeit; wegen einer verbotenen Liebesbeziehung wurde er zur Strafe in das Konzentrationslager Mauthausen eingewiesen, wo er im Steinbruch arbeiten musste. Von dort wurde er in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort Zeuge der Massenmorde. Nach der Befreiung heiratete Moniek Baumzecer und zog mit seiner Frau Hanka nach Paris, wo das Paar eine Familie gründete und erfolgreich in der Modebranche tätig war. Zum Zeitpunkt des Interviews war er 93 Jahre alt.

Vorkontakte

Übliche Vorkontakte, Brief, Zusendung der Vereinbarung. Zwei Telefonate nach Paris durch Nadja Grintzewitsch und GZ, das Gespräch führte allerdings die Tochter Jeanette, MB war im Hintergrund anwesend. Vorgespräch am 10.11.2013. Begleitung vom Hotel zum Denkmal und zum Hotel zurück an beiden Tagen.

Bedingungen

OdI-Bedingungen, keine besonderen Vorfälle.

Gruppensituation

Moniek Baumzecer, Hanka Baumzecer (Ehefrau), Sonia Gueorguiev (Freundin der der Familie), Nadja Grintzewitsch, Gabriele Zürn (Interviewerinnen), Daniel Hübner (Kamera)

Unterbrechungen

Nach einer Stunde eine ca. zehnminütige Pause.

Protokoll

Nach einer Frage in französischer Sprache erzählt MB ca. eine Stunde auf Deutsch mit jiddischen Einsprengseln, einige Passagen zitiert er aus hebräischen Gebeten. Nach der Pause antwortet er auf die Fragen nur noch französisch.

Eindrücke

MB folgt in seiner Erzählung der Chronologie seiner Autobiographie. Manche Passagen sind in der Wortwahl identisch. Zwischen ihm und HB gibt es eine eingespielte, teilweise unausgesprochene Kommunikation an einigen Stellen seines Berichts. HB und MB machten einen körperlich fragilen EIndruck. MBs Gedächtnis ist gut, aber er wiederholt sich manchmal.Durch die Anwesenheit von Sonia Gueorguiev mussten wir uns nicht um HB kümmern, die ebenfalls viel Zuwendung benötigt.

Gabriele Zürn

[0:00] Berlin zwölfter November 2013 wir befinden uns im Ort der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas wir führen heute ein Interview mit Moniek Baumzecer der neben mir sitzt anwesend sind außerdem Hanka Baumzecer und Sonia Gueorguiev für die

[0:17] Stiftung sind anwesend Nadja Grintzewitsch Daniel Hübner und ich Gaby Zürn [Schnitt] das Interview wird unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes [Schnitt]

Nadja Grintzewitsch

[0:29] Moniek dites nous vous avez plusieurs prénoms

Moniek Baumzecer

[0:33] oui

Nadja Grintzewitsch

[0:36] n'est-ce-pas ?

Moniek Baumzecer

[0:39] ja   jawoll (__) mein Namen is Mosche Zvi in Pol- Polonisch Polnisch Moniek in Mauthausen haben mich gerufen Mieczyslaw Po- sie haben polonais ich bin geboren toisend- Tauseneinhundertneunzehn in 15ten November (nich) als Kind war ich gegangen in im Cheder

[1:06] in jidd- a jiddische Schule haben hat vier fünf Jahre gehabt is jemand fun der Schule gekommen suchen wir waren vier Brüder Izchak de Izchak Mosche Shaja (Sh-) Samuel   dann bin ich gegangen in Cheder ich hab ange- angefangen zu lernen eh Jiddisch habe zu

[1:32] machen de zu machen de de Gebeten Chumesh Rashi auch de de Wör- der Barakha hamotzleh min haaretz pour le pain pour les pour les pommes de terres (___) j'étais bien j'étais très bien après plus tard on apprends de de la langue on demands qui je préfère

[2:05] français français oder Russisch eh oder Deutsch hab ich gesagt ich préfère Deutsch weil es ist ähnlich wie Jiddisch dann es für mir war viel leichter da zu sprechen in in Deutsch  

[2:21] in in Tausendneunhundertdreißig es war die groß de große Krise in in

[2:29] die Welt von mille- Tausendneunhundertneunundzwanzig die Geschäfte sind ganz schlecht gegangen mein Vater hat gehatt ein Geschäft von Textil haben wir zugemacht Geschäft von Textil in Radom wir sind gefahren nach Lodz in Lodz haben wir ein Geschäft gemacht

[2:48] gehabt wir haben ge- gekauft bei die Fabrikanten fun die die Fabrikanten für die Ware das waren nur Deutsche (Scheibler Gromann   (_) Ludwig Geier) eh die (_) waren sehr gut mitn deutschen Volk die Deutschen Sch- Schabbat sind gekommen essen zu Juden zu Hause

[3:15] gerne gehatt das jiddische Essen   nach- nachher   viel später haben (_) die die Deutschen machen ein einen Krieg gegen die Po- die Polen (__) Danzig das war a Stadt frei haben sie gewollt Danzig soll geheren zu de Deutschland haben sie einen Krieg gemacht  

[3:43] haben sie die auf de Radio ich hab schon gehabt ich hab schon gehabt densmal eh 19 acht- 18 Jahre haben sie nach dem Radio de de Radio hat gerufen die jiddische Jugend freiwillig zu sein gegen die Deutschen weil ha- haben erinnert de was de Deutschen haben

[4:08] gemacht in die Nacht von eh in die Nacht dem Pogrom auf die Juden in Deutschland haben wir bin ich als Freiwilliger bin ich nach eh bin ich nach mit de drei Brüder der Kleinste war alt eh zehn der Kleinste war alt zehn Jahre der ist zu Hause geblieben mit

[4:30] de Eltern wir sind gegangen zu Fuß nach Warschau   nach Warschau ver- verteidigen verteidigen das eh das eh po- polnische Juden auf dem Weg sind die deutschen Flugzeuge angekommen haben den ganzen Weg bombardiert wir waren Tausende bin ich bin ich rein im

[4:53] Feld bei de Kartoffeln blieben liegen die sind weg gefahren weil sie weggefahren raus gekrochen auf den Weg haben wir gesehen de de de deutsche Tanken und waren de de franz- de polnische de polnische eh Militär es war die Kavalleria haben sie gehabt mit de

[5:15] Pferde war das ganze Weg gefillt mit toten Pferd die die haben gesagt »ah hurra« haben attackiert de deutsche Tanken sie waren alle äh waren alle tot alle ausgeschossen nachher bin ich bin ich rausgegangen äh äh ich bin nicht gegangen bei Tag ich bin

[5:34] gegangen nur bei Nacht bin kommen kein bis Warschau ich komm rein kein Warschau wir wollten zu schlafen (_) haben wir nicht gehabt kein Hause aber geh ich rein in Tramway de Tramway war schon voll kein Platz bin ich rausgegangen schlafen in de Gass   (das ist

[5:54] mitn Pferd zu)   (also das ist) ah zu morgens früh habe de deutsche Soldaten haben mich äh äh gefangen ich soll machen de de de Graben wo für die gegen   gegen de mi- gegen Militär gegen deutschen Militär habe sie haben angehoibn zu bombardieren de

[6:21] de alles is weg und wir die Juden bleiben in dem gehen in Loch und gewart haben niemals gesehen haben wir gesagt »wir gehen weiter wir gehen weiter« haben wir gesagt »wir gehen nach Russland« aufm Weg von Warschau nach de Brücke von Praga waren sind sind

[6:38] aufm Weg   mer ham paar Kilometer gemacht haben wir schon gesehen viel Leute gekommen z- zurück die fragen »warum kommen wir zurück ? die Russen lassen nicht rein« aufn Weg ist ist nicht da was zu essen und was zu trinken bin ich zurück die Brick gekimmen

[6:54] nach Warschau bin nach Warschau weiß ja nicht was zu machen war de de polnische Zeitungen de de polnische Zeitungen heißt (Jewgeni Gludowe) das war der Präsident fun de fun Warschau er war Sozialist hat er geschrieben war viel große große eh Sch- Buchstaben

[7:18] äh »wer is- wer tot ist ist frei und wer le- wer leben ist der Lebedike wird nachher überleben dem Krieg de Toten sind schon frei«

[7:35] hab ich das gehört hab ich gesugt zu mein Brüder »wir gehn z- gehn zu Ha- zu Hause« gehen zu Hause gehen reinkommen in

[7:45] a kleine Stadt war aufgeschrieben »Zum Lagerplatz« habe ich verstanden dass es war für die Krieggefangene hab ich gesehn a kleines a jiddisches Geschäft bin ich herein »haben Sie was zu essen ?« sagt sie »nein   haben nichts zu essen wir haben gar nichts«

[8:02] (_ ich) »kann ich rausgehen ich will nicht gehn auf die Hauptstraße kann ich rausgehen von Haus hinten« hat sie gesagt »ja« hat sie aufgemacht die Tür bin ich gegangen im Feld bin gegangen im Feld ham wir ausgemieden de de deutsche Armee mit de mit de

[8:20] aufn Weg äh hab ich hab ich haben wir getroffen ein Bäckerei hab ich gekauft ein Bro- ein Brot mein Brüder auch a Brot gegangen zu Fuß aufn Weg ham gesehen war müde was de Zigeuner de Zigeuner sind gefahren mit de de auf de Wagen hab ich gesagt zi »kann

[8:41] (_) fahren zurück zu Hause nach Lodz kann mitnehmen« haben sie gesagt »ja du gibst uns ein Brot« hab ich genummen ein Brot aweg gegeben haben gemacht a halbes Weg nachher mit reinkommen zurück kein Lodz erreichen kein Lodz sind wir sehr zufrieden ein

[9:00] Bruder ist weg gekommen haben ich habe nicht gewisst wo er is nachher z- kimmen zu Hause drei Wochen später ist zu Hause gekimmen w- war in äh bei der Kriegsgefangene in de dem zu Hause geschickt weil der sie haben gesehen der ist kein Soldat beim Polen

[9:21] die Soldaten haben de de Haare ab- abgeschnitten haben sie gesehen der ist nicht kein Soldat haben sie ihn zu- zu Hause geschickt nachm fertig nachher (wenn er)  

[9:34] nach- nachher wenn (ich b- b- bin) zu Hause zu Hause is- sind de Deutschen sind reingekommen

[9:47] in die Stadt Lodz haben gewohnt haben se Namen gegeben Litzmannstadt in de Litzmannstadt de Juden haben kein Recht zu wohnen und das Geschäft wir haben gewohnt Piet_ Piotrowkowska 17 das Geschäft war am gegenüber aufs aufm Hof ich komm rein ham kein Ge-

[10:06] die Bank ist farmacht wir haben kein Geld was zu koifen was zu essen alle Juden haben gemisst gleich de Davidstern tragen habe ich getragen Davidstern in de Piotrkowska hab ich kein Recht zu wohnen nicht zu gehen haben wir gewohnt auf ges- gefunden eine Wohnung

[10:24] Rue Zawatska c'est pas loin Zawatska Nummer vierzig am gegen Zawatska vierzig war die äh de Gymnasium von Namen Katzenelson dorten haben stationiert die SS   einmal in de Nacht klappn »die Tür aufmachen !« kommen arein drei SS »wo sindn die Jugend« (ich

[10:52] hab __) sind se reingegangen »wo ist die Eltern« haben sie reingegangen Eltern sennen geschlafen war zwei Uhr haben gesagt haben gesagt »du der Junge mitn (_) kommen mit« haben sie mitgenommen nach dem gegenüber war de Gymnasium en macht gemacht äh a

[11:08] Feuer machen war Winter Feuer machen sauber machen die die de de das ist gewesen de de de Anfang nachher mussten wir verlassen nach Ghetto gehen haben in Ghetto haben wir ham wir ham nicht gehatt wir waren sechs vier Brüder und Eltern haben wir gefunden ein

[11:35] Zimmer ein Zimmer für sechs Menschen hab ich mitgenommen ham wir genommen de de Bett mitgenommen das bloß das Bett Anziehen wir sind ins Ghetto in Ghetto war haben wir noch gekennt rausgehen de Ghetto rausgehen bin ich   vorher (also) ich bin ich in Ghetto

[12:00] gegangen bin ich rein in Geschäft ich sage »ich nehm die was Ware was zum verkaufen« war schon farmacht mit a Stempel   »Eintritt verboten !« ich hab nicht gehat kein Gelden zu Hause was zu Essen hab ich weg den Stempel abgerissen ich komm rein es war nix

[12:20] nur die die Couponen die die kleinike (_) hab ich da an- (_) angezogen (_) die ich hab den Davidstern abgerissen in äh so wie ich hab gehatt ein ein Kopf war ein richtiger Polacke ich sprech Polnisch de Deutsche ham ham nich gesehen ich hab ich noch gehatt

[12:45] recht nachher ham se farmacht de Ghetto wir kamen nicht mehr raus ah bin ich geblieben bin ich geblieben zu Hause

[12:53] nachher ham de Deutschen verlangt de jiddische Jugend ah nach Deutschland arbeiten de Auto- Autoroute machen den Weg von Frankfurt am Oder nach

[13:05] Posen   da haben sie gesagt die Jugend müsste fahren jeder jede Familie müsste einen Jungen geben zu arbeiten auf der Autoroute es hat geheißen RAB-Lager Reichsautobahnlager wenn nicht die Jugend geht dann nehmen se de Eltern hab ich gesagt ich bin ich war

[13:27] sportiv ich war der der Mittelste sag ich mein Mutter »ich gehe ! ich geh arbeiten« (wenn ich kann arbeiten) ich ich meine Mutter hat geweint warum [den Tränen nahe:] »ich werd dich mehr nicht sehen !« hab ich gesagt »nein ich komm zurück Mutter wein

[13:44] nicht ich komm zurück« ich bin weg ich bin weg zu Hause auf de Marisyn hat geheißen a Gegend in Lodz da stand da ein ein Zug wir sind rein gegangen im fahren fahren nach Deutschland auf de Weg war die Krieg de de de Weg war nicht immer frei es sind de Lokomotiv

[14:08] de gefahren de deutsche deutsche deutsche Armee   auf deutsche Armee waren de de habe auf de Lokomotive aufgeschrieben auf Deutsch »de Räder müssen rollen für dem Sieg« andere nachher kommen andere mussten wieder warten auf a zweiten Zug (we wann) »de

[14:30] de Räder müssen rollen für dem Sieg« nachher ham se gesagt »Kraft durch Freude« weiter bin ich gefuhren wir sind angekommen mitten in der Nacht um zwei Uhr das war in Selchow bei Schwiebus Kreis Oststernberg dorten   war (schon a Küch- a Küchenfenster

[14:56] ___) kommt zwei in der Nacht alles was war farmacht aber wir haben Hunger gehabt haben wir kriegen haben sie (kriege darein) drei vier Kartoffel mit de mit de mit de mit de mit de Schules nicht sauber so alles gegessen in de Finster zu morgens ha- mussten

[15:16] wir de Baracken machen is Deutsche gekimmen mit de fertige fertige äh fertige Wänd so aufzustellen die Baracken ham wir aufgestellt die Baracken und zu machen in de Betten zu drei ein zwei drei ich bin dortn bin ich erste Nacht da bin ich nicht gekennt schlafen

[15:38] es war es comme s'appelle (_) en Polo- in Französisch ist le paille pour coucher ça das hat gestochen überall hab ich geweint zu Hause hab ich gehabt alles warm nu zu Hause paar Tage bin ich geschlafen angezogen ich konnt nicht schla- schlafen aus- ausgezogen

[16:02] da   zu morgens früh sind wir gegangen arbeiten hab ich gearbeitet de de de Zivilarbeiter deutsche Zivilarbeiter das war die Firma Köhler von die war von Köln de Haupt- äh -führer war hat geheißen Schneider und de Vorarbeiter was hat uns gelernt wie

[16:31] zu arbeiten wir haben niemals gearbeitet auf der Erde hat geheißen Edy Rühwald   nachher haben wir gearbeitet haben sie gesagt wir bleiben wir waren 400 Leute und alle alle paar Kilometer waren 400 Leu- Ju- junge Juden arbeiten Autoroute haben mich zurück

[16:56] geschickt nach Grunow zehn zwölf 15 Kilometer von Selchow ich habe gea- gearbeitet in in Grunow

[17:06] nachher ham haben sie gesagt   de de Russen de Deutschen haben ja gemacht den Krieg gegen de Russen haben se farmacht auf de machen wir kein Autoroute haben wir

[17:23] weg geschickt arbeiten nach Deutschland in Christianstadt am Bober dortn haben wir gearbeitet haben haben wir gelegt gemacht auch für die Kabel far de far de far de war dort ein Fabrik war dortn ein Fabrik fin eh fin ah Benzin synthétique Benzin wir haben

[17:45] kein Recht gehabt reinzugehen in Arbeit waren immer draußen das war die Firma für die wir gearbeitet haben war Siemens existiert bis heute und das war auch AEG Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft [hustet]   alors die Franzosen sie haben gearbeitet innendrin

[18:08] wir haben gearbeitet draußen und nachher wenn de   wenn de de Deutschen der der Krieg war gegangen vorois haben wir de de de der der Kapo was hat uns Arbeit (gewährt) hat immer gesagt »heute nach dem Krieg wir kommen schon nach Moscou und ist fertig wir

[18:36] gehen zu Hause«   nachher haben gesehen der Krieg hat angefangen haben mich geschickt nach Christians- Christianstadt am Bober dortn haben wir auch gearbeitet war de de Kabel gelegt weg Kabel für de für de für de Armee   in Christian am am Bober war

[19:03] ein der Lager war auch ein Zivilarbeitslager kein Konzentrationslager dortn hab ich eh   sind hab ich sind wir gewesen   Essen holen in der Küche war ein deu- eine deutsche Frau eine deutsche Frau in Küche geheiß- geheißen hat sie   Hedwig Gi- Gierke sind

[19:30] gekommen de Deutschen haben gegessen nachher die Ju- de Juden haben gegessen nachher die deutsche Frau immer wenn ich zukam zum essen hat sie mir sehr viel viel mehr gegeben wie jedem wie jedem Einem nachher fragt sie mich zi ich will ein ein bière sag ich

[19:50] »warum nicht ?« sie gibt mir ein Bier ich hab getrunken nachher hat sie genimmen de de kleine Flasche hat nicht sauber gemacht gleich getrinken nachher bin ich zu morgens kommt sie wieder sagt sie »weißt du Moniek mein Mann ist in   in Norwegen Narvik der

[20:09] ist ein SS-Mann in Nar- in Norwegen er schickt mir immer Pakete chocolat und Biscuit nach der Arbeit ich wohne auf auf der Küche auf dem ersten Stock du kommst rauf dann geb ich dir zu essen das Brot mit Gateau die chocolat biscuit komm rauf ich habe hier

[20:37] eine Tochter die ist in der Hitlerjugend heißt Helga Helga Gierke« wir sitzen wenn die ist rein wenn die ist gekommen hab ich sie bekannt hat sie gesagt »weißt du Helga das ist Moniek nach dem Kriege da heiratest du mit Moniek« das war ein junges junges

[20:56] Mädel in der Hitlerjugend hat gehatt 15 16 Jahre nicht mehr ich hab schon gehabt zwanzig nachher die ist weg gegangen is gekommen is gekommen die Deutsche die Hedwig ist sie zukommen zu mir hat sich araufgesetzt auf den de Schoiß auf die Knie da und hat

[21:13] aufgemacht dem dem dem dem Corsage wie sagt man das doch ? de das Hemd was sie getragt hat und hat mich angezogen aufn Bett wir wir haben Beziehungen gehabt nu was gegangen etliche Tage nu in dorten waren auch in Lager waren auch de Leute fun de Wehrmacht was

[21:37] ufgem- aufge- haben aufgepasst auf uns (_) bin zur Arbeit gegangen ham hat einer bemerkt hat wollt er mit ihr äh raufgehen zu ihr   hat er gesehen einmal klappt klappt hier her hat er gesehen wie ich bin raufgegangen hat geklappt an die Tür »aufmachen«

[21:59] ich komm ich hab gehört hab ich schnell angezogen das war der erste Stock ich mach auf das Fenster ich spring runter war ein Garten der Erde war ganz weich ich so auf die vier Patn ich bin rein in eh ich bin rein in Beet fünf Minuten später kommt er rein

[22:17] »was hast du oben gemacht ?« »ich hab doch nicht gemacht ich war nicht oben« »ich hab dich gesehn raufgehn du warst oben morgen gehst du nicht zur Arbeit du bleibst in in Zimmer in Block« als morgens früh es war dem acht Uhr ist angekommen fun Frankfurt

[22:34] am Oder sind angekommen Gestapo hohe Männer angezogen in in a Ledermanteln Leder in in das war der Wagen war a deutsch a polnische Wagen Citroën das war ein Citroën ein DS Citroën haben sich haben sie mich genimmen kein Frankfurt bin ich Frankfurt am Oder

[22:59] haben sie ange- »was hast du oben gemacht ?« »hab ja nix gemacht« weil immer wenn ich war oben bei Hedwig hat sie mir gesagt »du sagst immer nix ich sprech nicht« haben sie mich gefragt in Frankfurt am Oder haben sie mich stellen Fragen habe ich gesagt

[23:19] »ich habe Hunger gehabt bin ich raufgegangen hat eine Frau Essen gegeben nachher bin ich zuhause gegangen« »nein der haben gesagt vielleicht hast du   gehabt Beziehungen mit ihr« »nein« (waren doch __) wollen mich beschuldigen Rassenschande hab ich gesagt

[23:35] »oben oben ich hab nix gemacht ich hab nur gegessen« haben sie mich genimmen   mit der mit der so einem ah wie sagen sie es doch ? (_) bei die Küche war so so Eisen haben angefangen haben mir angefangen zu ich soll sagen was ich oben gemacht »ich habe nix

[23:55] gemacht« ich mach ich hab im Sinn gehabt wenn ich spreche bin ich fertig hab ich nicht gesprochen hab ich noch immer hier geblieben was und der in in ich habe verloren de dem Geschmack ich ich dem Atem ich kann nur beim Essen ist gut nur man gibt mir die

[24:15] haben nicht gewusst dass ich verloren als ich nach Paris gekommen ich komme rein komme Galerie Lafayette ham sie verkauft Parfum haben sie gegeben zu zu suchen ich habe nix nicht gefühlt was das ist

Nadja Grintzewitsch

[24:26] nicht gerochen hm

Moniek Baumzecer

[24:29] hab ich schon gewisst das ist äh das ist gekommen von äh (__) alors haben sie mich se haben gesehen se ham mich   ich war schon viel verwundet denn ich habe nicht gesprochen haben sie mich aus- ausgeschickt bin ich zurück im Lager (_) spéciale spezial farmacht

[24:55] mit de Stacheldraht dass ich nicht rauskann ich blieben gewarten sie haben einen gemacht einen Prozess in Berlin hier haben sie gemacht Prozess nachher sind in de Kü- in de Kü- in dem in dem Lager waren ich komm rein von der Küche (_) kein Arbeit in der

[25:15] Küche bin ich rein Kartoffel schälen war ich arum waren viel Frauen fun der Gegend haben gesagt »das ist das ist der Junge das ist der Junge fun Hedwig« die haben mir alle haben mir zu Essen ge- gebr- gebracht das d- nachher sind sie gekommen a   paar Tag

[25:36] später es ich habe einen Prozess gehabt in Fr- in Berlin in ich wusste nicht was das los sie haben mir gegebn das dem Prozess was sie haben gesprochen da- dass n so rosa Papier unterschreiben hab ich gewollt lesen hab ich nicht das Recht gehatt zu zu lesen

[25:54] der Prozess war ich eh an- untergeschrieben in in ham sie mich weg geschickt aweg geschickt die die Unter- die Unterschrift nachm Kriege [hustet] (bin ich gewahr geworden) das ist Hauptamt- unterschrieben gezeichnet Müller der Müller der war der Hauptführer

[26:18] für die Gestapo von Deutschland [hustet]   nachher hat mich kimmen gekommen suchen ein SS-Mann mich kommen suchen man schickt mich wo weggeschickt ich habe nicht gewusst wohin ich gehe   [hustet] da ist gekommen ein SS-Mann vorher   wenn ich (da) ein SS-Mann

[26:52] ist gekommen hat er mich geführt wieder schon gewusst wohin bin bin ich gefahren nach Cottbus in Cottbus war kein Zug bin ich geblieben in Cottbus geschlafen in Cottbus ich habe zu essen bekommen von de Poli- Polizei nächsten Morgen sind wir gefahren nach

[27:11] Brno in Tschechoslowakei von Tschechoslowakei Brno wieder war nicht wo zu schlafen bin ich wieder in de in ein Zuchthaus mit ein Deutsche und hat eh na- mich nach eh nach Prag von Prag hat mich geführt nach Mauthausen das war der ei- der der schlimmste Lager

[27:36] was gibts Ma- Mauthausen ich habe nicht gewusst was das ist ich bin runter gegangen fun Zug hab ich gesehen aufgeschrieben Bahnhof Mauthausen ah- waren schon die richtigen SS angekommen mit de Hunde Hunde (die gro-) große Hunde haben angefangen »los ! schnell !

[27:55] los ! schnell ! macht schnell !« wie ich hab keinen gehabt und zum Zug ist raufgekommen da waren schoin deu- deutsche Juden äh Intellektuelle Advokaten Advokate Medizin waren von Tschechoslowakei von Österreich es waren oich fun Ungarn die alle sind gekommen

[28:21] sie habe sie viele gehabt Leute Sachen mitgenommen (los) die Deutsche haben angefangen die SS angefangen zu schreien »los ! macht schnell ! los ! schnell !« ich weil ich ich hab keine ich hab gar kein Gepäck gehabt ich hab nix gehat ich war ich war der Jüngste

[28:38] ich war die Leute sind gegangen waren schoin in die in die vierziger Jahren schoin ich bin ich war bin der erschte vorois und die andere was nicht gekonnen war so schwe- so schwer haben sie die Gepäcke gelassen (_) die was nicht können gehen haben bekommen

[28:57] ein ein ein ein ein mitraillette und fertig gemacht nachher bin ich reingekommen bin reingekommen kein kein Mauthausen sind nicht gegangen nach der Stadt wir sind gegangen nach de- nach dem Feld nach dem Gebirg [hustet] ich bin reingekommen kein rauf keine

[29:21] Treppen raufgegangen haben haben sie gesagt »jetzt   eh in Badez- ausziehen !« wir haben uns aus- ausgezoigen erst reingegangen haben genimmen a Dusch rausgehen nach dem Dusch von dem ganzen ganzen nackicht nicht-angezogen noch war ein so ein Fass mit Petrol

[29:41] und ein Gefangener hat mit ein Schm- Schmattn (chiffon) eingetunken und so überall (durch das durch) das ist gegen die Lause nachher jeder Eine musste raufgehen auf ein Stuhl und sie haben (_) geschikt- eh gekuckt in (_) ob jemand hat nicht behalten Gold

[30:03] oder Geld nachher ham sie auch mit de mit de Petrol ausgeschmiert die testicules das war immer ge- geschwollen fun das da dann bin ich reingekommen in Lagerka- in in in Zimmer  

[30:21] bin ich gegangen arbeiten   aufn in Steinbruch haben wir gearbeit de Steinbruch

[30:29] haben immer de   de haben die Deutsche haben Dynamit rein gemacht in Loch die wird aufgerissen in dem Steinbruch und die Steine haben wir missen tragen auf de waren schon kleine Wagonetten [hustet] und diese haben nach weg geschickt die andere Leute   haben

[30:50] sollen a Brücke Stein genommen gegangen wir die Juden haben müssen sich weglegen so auf vier haben raufgelegt einen großen Stein auf die Füße runter zu gehen bis jede Wagonette is aweg zu schicken das war de die Arbeit was ich gemacht in eh in Mauthausen

[31:09] nachher nachher de Deutschen sind nicht mehr vorgegangen haben sie immer gesagt de der Vorarbeiter sagte »a paar Tage sind sind schon in in Mos- Moscou« (__ also ich) wir waren zufrieden das war   ein Monat später hat   hat der der Hitler gesprochen den Generalma-

[31:41] von Paulus den Marschall von Paulus ist gefallen von Stalingrad haben sie gemacht ein Tag in Deutschland keine keine ein Trauer in Deutschland paar Tage und zi morgens wenn wir zu der Arbeit gehen sind angekommen der Ukrainer und Ukrainer sie haben gesugt

[32:04] »wo sind n die Juden ?« wir waren in Mauthausen waren kei- niemals viele waren immer zehn zwölf Juden weil Mauthausen waren be- die sind beschuldigt die sind nach der Sperre rausgegangen   die haben gemacht die schwarze schwarze (marche) sei   sei sind geblieben

[32:26] und ich bin äh   ich bin dortn gearbeit ich war schon dort zwei Monat in ich habe gearbeitet ich hab schon gekonnt arbeiten der SS-Mann hat mich gesehen zur Arbeit gehen »was ? du bist schon hier zwei Monat ? das erste Mal seh ich dass ein Jude in Mauthausen

[32:52] zwei Monat is« mir waren de Juden drei drei Tag vier Tag fünf Tage bei der Arbeit dann sind sie weg geschossen einmal kommen kommen an ein groupe SS Ukrainer sie haben ange- »wo sind n die Juden ?« alors (_) die Juden »nous ne reconnu n'était pas beaucoup

[33:12] on avait   a a Magen David a Magen David« alors ils sont partis céla ils sont partis ils étaient ils étaient tous ils etaient tous fusilliers et moi   j'ai pris le comme (_) j'ai pris la la terre et je le je le mis le sur pour que on ne voit pas le Magen

[33:36] David (_) ich habe getravaille habe gearbeitet mit Po- Po- Polonais haben gesagt »du morgen du gehst nicht du bleibst hier« ich bin nicht gegangen ich war noch nachher war ich noch für paar Tage sind ältere Juden gekommen or fünf sechs Juden gekommen

[33:54] (__) zwischen die alle waren auch gekommen a Junge hat er geheißen Izhak Czindlo der hat mir gesagt so »Ben Gurion das ist mein Vetter« wenn es nach dem Krieg ist fahren wir zu nach nach Pal- nach Palestine in der Zwischenzeit auf der Front auf russischen

[34:14] Front bei Stalingrad war ausgebrochen die Krankheit Typhus haben (_) haben gesagt sie müssen eine eine wie sagt machen ? eine eine ein médicament gegen Typhus haben sie genommen da waren wir älteren Juden acht oder zehn Juden jeder ein hat bekommen ein p-

[34:36] hier ein Stoch von Typhus wir haben Typhus bekommen es ist mir geblieben noch ein Zeichen was sich was von dem (_) zi morgens früh zwei oder drei Mann sind nicht aufgestanden   waren tot jede der leben geblieben haben sie haben sie gegeben piqûre piqûre

[35:00] gegen gegen Typhus haben sie Blut genommen jeden tut auf die Finger haben gesucht haben auf uns gesehen was das was wirkt   nachher waren wir nach (__) war die SS was hat der SS-Médecin hat die Pick gemacht haben gesagt »vielleicht kannst du was machen dass

[35:28] will ich bleiben leben noch« hat er gesagt »ich kann nix machen weil vielleicht ich selber weiß auch nicht ob ich den Krieg überleben soll nachher ich will (tun) was machen« ist rein gegangen zum Lagerführer der war der Lagerführer heißt hat geheißen

[35:45] Bachmayer nach dem Krieg haben sie ihn in Mauthausen haben sie ihn aufgehängt und der Bachmayer der war sehr schlimm immer wenn zu der Arbeit gegangen (__) zu der Arbeit hat er immer vom Pferd mit ein (_) jeden angeschossen »los ! schnell ! schnell ! schnell !

[36:04] eins links zwo drei vier links zwo drei vier« jemand muss sich nicht gegangen zum Takt hat er bekommen geschlagen fertig (dann gekommen)  

[36:16] nachher ist gekommen Befehl   deu- eh Mauthausen hat hat kommen hat gesprochen »vielleicht kann ich was machen« gekommen

[36:32] haben gesagt »Mauthausen judenrein« ich ich war ich war der Letzte was leben geblieben ist kommt ein SS ist mir genommen hat mir gesagt »wir fahren Tran- Transport wir wir fahren nach nach Wien« nach Wien   bin ich geschlafen in Wien in Wien bin ich geschlafen

[36:55] gewartet auf a zweiten Zug im zweiten Zug bin ich gefahren bis Breslau   in Breslau bin ich wieder geschlafen in de de in de in de (__) Gefangenenstube die Deutschen waren nicht schlimm gegen mir waren nicht schlimm sie haben mir Essen gegeben (_) Transport

[37:17] weg bin ich reingekommen nach Auschw- Auschwitz (_) Oświęcim Auschwitz das erste Mal habe ich das gesehen hab nicht gewusst was das ist ich bin reingekommen es war ein ein es war ein Quarantäneblock zu kommen die frisch arein aufschreiben was für ein Beruf

[37:37] was für Arbeit machen es kommt zu mir hab ich getroffen Maut- Auschwitz (_) ich genommen ein Befreiung ich komme kein Auschwitz waren schon Tausende Juden und ich hab gehat viel viel Juden weil ich war ein ich war ein Champion von Boxe und die Jugendliche

[37:56] haben mich gekannt haben mir gesagt »Moniek du kommst arbeit mit uns wenn sie fragen was für ein Beruf hast du sagst das du bist ein Maurer dann gehst arbeiten mit uns das ist ganz nicht zu viel schwere arbeiten« wir kommen zu de de de Blockschreiber »was

[38:14] for a Beruf hast du ?« sag »ich bin Maurer« (_ schwer) »das erste Mal in meinem Leben seh ich ein Jude a Maurer das gibt doch überhaupt nicht das« »ich bin Maurer« (_) habe gearbeitet mit de mit de Polen das war nicht schwer ich hab bloß immer gebraucht

[38:32] die Steine auftragen das du auf die Treppe rauf wir haben gemacht Hause dorten das waren nicht weit in Babice das ist nicht weit fin Auschwitz-Bir- -Birkenau nachher haben wir (Zeite) gehabt   bin ich gegangen arbeiten  

[38:49] arbeiten nach Auschwitz-Birkenau das

[38:54] war a hundert Meter fin fin Krematorium das erste Mal hab ich gesehen was was das ist hab ich gesehen wie Frauen mit Kindern Frauen ganz (_) ohne nas- ganz nacket in die Armen die Kinder gehatt so gestanden und gewartet auf Dusche   haben gesagt nach dem Dusch

[39:16] (_) ho- ho- holen sie die Sachen (_) das war nicht schwer weil ich gearbeitet habe an der Seite hab ich schon verstanden die sind reingegangen haben sie gleich aufgemacht vergast im gleichen Krematorium gearbeitet nachher sind gekommen   a Kommando fun jiddische

[39:38] Mädels fünfzig oder sechzig angezogen in rote foulards die haben die Sachen zugenommen gesucht was das ist und die Sachen nach (_) geschickt und ich hab das das gesehn hab ich geweint und habe immer gesagt »Gott wo warst du   das das das ausgewählte Volk

[39:55] das lasst du so so tot machen« (_) habe ich gekonnt ich habe geweint und ich habe gesagt Kaddisch jiskadal wejiskaddasch me rabba nachher hab ich gesagt el el mole rachamim (_) und hab heute glaube ich über- überhaupt nicht so was ist geblieben bei mir

[40:18] ich bin ein ein tra- a Jude traditionelle meine Frau hat gemacht am Freitikabend macht zind se an die Lecht wir essen wir (_) haben noch kascher gegessen auch   in eh   (in de) nachher haben wir haben wir ge- gehat gehat die Kinder mein Sohn ist (achtunddreizehn)

[40:53] Jahre bin ich quand meme gemacht die Bar Mizwa haben gemacht die Bar Mizwa bein Kotel das war mille- Tausendneunhundertsiebzig hab ich bekommen von Minister fun Coulture so ein ein Z- ein Zertifikat dass ich de   gemacht de beim de beim Mohel gemacht die die

[41:17] Bar Mizwa so weiter hab ich gehat ein Zwilling hab ich kein Glück gehat (_) ein Tochter fun Zwilling ist bei vierzig Jahren is sie is sie gestorben von ein a cancer de sein fun de Brust-Cancer weiter hab ich so gelebt bis heute jedes Jahr fahren wir nach

[41:42] Israel gefahren wir wohnen   in Herzlia Rananaa in Tel Aviv   letztes Mal waren wir in Tel Aviv so weiter führen jetzt weiter wir führen ein traditio- traditionell jiddisch Leben nu die Kinder kommen nicht essen zu mir die sagen »das ist nicht genug kascher«

[42:05] also wenn wir will essen kommen gehen wir in Restaurant kascher (_______) ich hab schon kleine Kinder Eineklech ich hab auch Ureineklech das letzte Ureineklech er hat heut hat 15 Jahre wenn man hat gemacht die brit mila hab ich ihn gehalten (_ich hab gehalten)

[42:30] in Tallit hab gemacht die brit mila das war mit 15 Monat zurück und und das Leben geht so weiter haben Sie was Fragen zu stellen ? kann ich Ihnen gleich antworten

Nadja Grintzewitsch

[42:44] wie sind Sie denn aus Auschwitz   raus gekommen ?

Moniek Baumzecer

[42:51] wenn (wenn __) Auschwitz ist das waren angefangen haben sie gesagt »die Russen kommen an   die Russen kommen an wir alle müssen eh   eh zu gehen raus vom Lager« hab ich gesagt zu meine eh zu meine eh chaverim »wir bleiben hier die Russen kommen an« bleiben

[43:12] nur die Kranken hab ich gesagt »wir bleiben hier« a Stunde später kommt rein SS-Mann hat gesagt » (_) das Lager in die Luft auf- auf- auf- aufreissen in die Luft« mit den Kranken mit den Menschen wer wer wer geht nicht weg bleibt hier hab ich gesagt »wir

[43:32] gehen wir gehen nach (_) « sind wir rausgegangen mitten in der Nacht hab ich gesagt »jeder Einer geht zu der Küche und bekommt ein Brot auf den Weg« ich komm rein zu der Küche ist kein Brot nicht (_) gar nix da hab ich gesucht dorten beim Bett hab ich

[43:51] aufgemacht das die (_) hab ich gesehen ein Brot hab ich genommen das Brot hab es untern Hemd die Leute gesehn dass ich ein Brot alle zugenommen zu mir jeder rein hat mir ich bin geliegen zur Erde gegessen (_) an der rumgerissen jeder eine will Brot ist mir

[44:06] gar nicht geblieben alors wei- weiter gegangen neben mir ist gegangen (_) gegangen zu Fuß jeder Eine was nicht mehr gehen kann ist sitzen geblieben de SS hat eine coupe mitraillete kaleshnikov und tot geschlagen neben mir ist gegangen auch eine   ein SS er

[44:31] war ein Österreicher hat hab ich mit ihm gesprochen ich hab ihm gesagt dass ich ich war Österreich ich war Mauthausen und er hat mir erzählt wie sie ausgemacht haben ich bin der Einzige se haben gemacht aus mir de de medika- gemacht auf mir die (_) Typhus

[44:52] das hat gemacht de de de Firma Bayer ca existe bis heute d- das existe heute Bayer hat das gemacht weil ich hab gesehn auf de piqûre war der aufgeschrieben »Bayer Labor Labor Bayer Labor Bayer« (__) noch nicht geta- gesagt (_) bin ich gegangen mit dem SS-Mann

[45:17] jedes Mal wenn jemand nicht kann gehen a coupe mitraillete (gegeben) aufm Weg und fertig ist weiter gegangen der SS-Mann was neben mir hab ich mit ihm gesprochen hat er sagt er mir frag ihm hat der Rucksack »das ist zu schwer ?« sagt er »ja das hast schon

[45:36] recht« er zieht aus dem Rucksack gibt ihn mir ich soll ihn tragen und er geht neben mir wir haben gesprochen und nachher sagt er »ich komm gleich zurück ich muss die traînards muss ich fertig machen« er ist weg hundert Meter hab ich aufgemacht dem Sack

[45:53] ich hab gesehen da drin ist Brot und Butter hab ichs gleich aufgegessen es waren Zigaretten und Wodka ich (_) nicht trink ich habe gefragt jemand will das (hier) und habe alles weg gegeben und den Sack Rucksack haben geschmissen aweg geschmissen und ich habe

[46:12] gehört wie er hat geschrien »wo ist der verfluchte Hund verfluchter Jude ich schlag ihm tot« er war so am (_) ich habe ich war à peu près hundert Meter es war zwei zwei Uhr war Nacht (hat nicht mich gefunden haben) so bin ich das ist gewesen ja   so

[46:26] bin ich das zweite Mal nach Mauthausen gekommen ich komm das zweite Mal nach Mauthausen ich steh in der Reihe zum Dusch zu machen da kommt der Lock- der Blockälteste hat mich gesehen »du bist du bist hier du warst doch schon hier mit mit eh mit drei Monat

[46:47] zurück du bist du lebst noch ? du komm !« hat mich rausgenommen von der Reihe hat mich rauf auf seinen Block und hat mir zu Essen gegeben und ich hab nicht kein Dusch gemacht  

[46:57] paar Tag später sind wir im Außenkommando weg weg fahrn nach Melk Melk war der

[47:05] es war kein in Melk ha- sind wir geschlafen in de   in die was in die Gebäude von der Zimmer de Zimmer Hause von Militär ich war komm rein ins Lager war aufgeschrieben » wer le- wer le- wer kämpfen will muss leben wer nicht kämpfen will der verdient das

[47:26] Leben nicht Adolf Hitler« ich habe gesagt »Moniek   das ist schon de Ende (_) seh dass du Leben bleibst« wir sind nach Melk gegangen wir waren Melk waren wir quelque zwei drei Wochen da haben hab ich schon gesehen auf dem Weg zu de Arbeit gegangen die Deu-

[47:47] die Deutschen mit de mit de Wagen (_) mit de Valisen sind weg sie haben Angst gehabt vor den Russen (_) hab ich gesehn »Mo- Moniek halt noch aus kannst noch la- leben bleiben« bin ich gegangen nach Ebensee nach Ebensee a Lager (_) aufm Weg stellt bleibt

[48:05] stehen der Zug es war kein kein eh kein Platz müssen wir warten die andere Züge gingen durch mit den deutsche Militär sagt der SS-Mann »wenn jemand will runter pissen kann gehn pissen   nur nicht kein Juden« ich habe ich brauchte auch ich bin runtergegangen

[48:26] haben kommt andere haben geschrieen »das ist Jude das ist Jude das ist Jude« kommt der SS zu »zeig mal (lass da) Hosen runter« da hat er gesehen dass ich bin (gemalet) hat er mir ordentlich geschlagen (so wie ich war schon) kein Hunger gehabt ich bin rein

[48:43] in Wagen der Wagen war ein farmachte Wagen er hat gehabt Angst arein zu gehen (im Wagen waren wir) trente de vierzig bin ich rein gegangen ich bin [hustet] ich bin rein ist nicht rein gekommen geblieben sitzen draußen und aufgepasst paar W- paar Wochen später

[49:04] sind gekimmen de die Amerikaner sind gekommen aufgemacht das Fr- aufgemacht dem reingekommen mit einem mit einem Tank auf dem auf dem aufm Tor rein gegangen und a- alle sind wir frei

[49:18] haben wir gesagt waren schon die pol- die polnische Armee ist angekommen

[49:23] fun Anders hat gesagt »die Juden gehen alle in die polnische Armee und Anders« nachher einen Tag später sind gekommen die jiddische Soldaten von der Amerikaner-Armee die die britische die britische Armee die britische in der britischen Armee waren viele

[49:42] Juden es waren die angekommen mit den großen Wagen Militärwagen haben wir schon gesehen haben drauf geschrieben in Ivrit eh »Magen David« sind reingegangen zu den Polen »wo sind n die Juden ?« haben die Polacken gesagt »das sind das ist alles Polonais«

[49:56] hat die gesagt »die gibts nicht Juden   (_) sich schieß sie weg« hat se »nimm hol deine Juden« hat sie weg genommen sind nach eh eh weggenommen wir sind aweg in a Lager fun Joint   (_) hat man uns weggeführt nach eh   wie heißt es dorten ich kann mich

[50:17] nicht daran erinnern (__) ein Lager nicht weit von der italienischen Grenze waren wir dorten der Joint hat uns zu Essen gegeben da sind nachher haben wir gesagt »wir fahren nach Palästina« haben uns geführt nach Italien waren in Italien dann gewesen aufm

[50:37] Platz Milano sind wir schl- auf ein Platz Football-Platz Milano sind wir geschlafen bei Nacht und zu Morgen sind wir nach Modena Modena paar Kilometer weiter das war schon dorten warn dorten ein paar Wochen in Modena haben wir gewartet dass wir fahren nach

[50:56] eh nach Palestine nach Palestine von Modena in vordem in Mauthausen war die Befreiung hab ich erkennt meine Frau dorten sie hat gehat ein Chaver ist sie gegangen und sie hat gehat ein ein Chaver der war kein Mann der war schon kastriert in Deutsch- in eh in

[51:17] Auschwitz   aufm Block zehn war er kastriert der war nicht kein Mann (__) mein Chaver hat Hanka gesugt wir heiraten der Chaver bleibt mit uns wollen immer alle drei bleiben zusammen waren wir dann nachher wir gekommen nach Santa Maria de Leuca haben in Italien

[51:40] gewartet auf die Schiffe (_) nach Palestine zu fahren die Engländer haben nicht durchgelassen sei sennen gestanden auf dem Weg sie sind angefangen die Schiffe sind nach Zypern gefahren und ich will bleiben mit meine Frau und der Chaver meine was war kastriert

[51:59] ist hat bekommen einen Brief von von Kuba hat ein (_) soll nach Kuba kommen hat er gesagt »du Moniek du bleibst hier ich fahr nach Kuba ich komm gleich zurück« er ist nach Kuba gefahren ist Fidel Castro ist gekommen zu de Macht hat die Juden sind alle nach

[52:16] nach Amerika gefahren ist er mitgefahren ka- Amerika in Amerika hat er gefunden ein Mädel das war auch eh kastriert von Mengele in Block zehn in eh dann hat er geheiratet ich hab ein Foto geschickt ein Foto ist geblieben in Amerika

[52:36] und ich hab geheiratet

[52:38] in ich hab geheiratet in Italia haben geheiratet in eh in Nardo in der Province von Lecce und nachher haben wir bekommen einen Brief vom Roten Kreuz dass meine meine Frau sie hat eine Schwester in der in Frankreich haben wir gesugt »wir fahren nicht nach

[52:58] Palästina« wir sind gegangen in Zug wir haben nicht gezahlt weil wir haben kein Geld gehabt sind wir gefahren und kommen arein nach Par- nach   Ventemille Ventemille Ventemille haben wir haben genimmen haben haben wir bezahlt die die Leute die Italiener [räuspert

[53:16] sich] in Ventemille haben wir haben wir runtergekommen runter waren schoin de de französische Police »ou vous allez ?« on ne savait pas parler Francais on a parlé avec le gens en italien on on a dit que on va pas rester en France on vais aller en Palestine

[53:35] alors (_) nous savez déja á Cannes   il y'a déja il y'a déja des des il y'a des juifs qui (_) á Nice il y'a des Juifs qui sont la comité juifs qui qui garde des (_) déportés   bin ich Hanka keine Police mach auf die Tür wir (_) wir gehen wir gehen nach

[54:06] Nice wir waren Ventemille es war nicht weit 13 Kilometer hab ich gesagt »wir haben kein Geld wir gehen zu Fuß« wir gehen also aufm Weg zu Fuß (halt ein) haltet ein Deutsche »wo wo gehen Sie ?« haben wir gesagt »wir haben ein gehen nach Nice wir fahren

[54:22] nach Palästina gehen wir nachher nach Nice« sagt der (_) der Kurier »ich hab kein Geld« hat gesagt der Kurier ist (durchgefallen) nimmt die zwei Leute rauf wir sind nach Nice gekommen sind reingekommen kein Nice war der Hotel   sagt de de de Mann von von

[54:44] Hotel »wir haben kein Platz wir haben kein Platz« (_) so groß wie hier sehr groß hab ich gesagt »ich brauch kein Zimmer ich kann so schlafen auf (dem Fußboden) « sind nicht ich wollt nicht weg paar paar paar Minuten später nemmt den Telefon er spricht

[55:05] da ist ein Mann ist gekommen von jiddischen Komitee hat uns beide genommen sind weg dortn Gegend Nice dorten bei der Synagoge war ein Zimmer dort haben wir gegessen geschlafen und zu morgens früh hat er gebracht Billetn Billetn wir sind gefahren nach nach

[55:24] Paris so sind wir gekimmen (wir beide) nach Paris in Paris hab ich schon immer gemacht a Leben ich ich hab nicht gehabt kein Beruf (hab niemals gearbeit) hab ich sehr schwer ge- gearbeitet hab   das ist gewesen in sechs- Anfang 46 meine Frau ist gegangen arbeiten

[55:45] als Handnäherin nähen bei Hand ich hab gearbeit in a Schuhfabrik gesch- Leder geschnitten und hab ich nicht so v- viel verdient ich kann doch nicht (sprechen alles) hab ich Kohle getragen (__) das war eine gegenüber war eine   eine wie sagt man Kohle Kohle

[56:08] zu heizen bin ich gestanden dorten Sack 15 Kilo hab ich das auf den fünften sechsten Stock hab ich bekommen so haben wir angefangen das Leben in Paris alors nachher war bei der Schwester es war kein Platz (da war) da waren schon drei und zwei die die auch

[56:29] sind gekommen vom Lager hab ich gehabt (_) hab ich gefunden gehabt einen Bekannten hat gehabt ein Onkel hat er gefunden auf Rue de la Mare ein Zimmer hat mir der ( A- Abtrittgeld) wir w- leben in Zimmer dort auf dem auf dem vierten Stock nachher hab ich hab

[56:49] ich gefunden ein weitere Familie von Radom von Warschau der hat uns gefunden ein zwei Zimmer und Küche Rue Oberkampf und dorten sind wir gezogen lassen und (_) und nachher haben wir schon gearbeitet nachher haben wir (_) nachher hab ich gebeten zu Franzose

[57:10] zu werden habe ich bekommen ein Bitte hab ich gemacht haben sie hab ich Antwort bekommen nicht genügend nicht genügend on n'est pas assez intégré nicht genügend integriert in Frankreich abgesagt fünf Jahre fünf Jahre später hab ich noch mal gegeben

[57:28] ist de Gaulle schon gekommen zu der Macht sind wir geworden Franzosen sind wir geworden Franzose hab ich schon gehabt Recht zu machen Geschäft (_) hab ich mit ein mit ein (_) gemacht (_)   Konfektion gemacht ich hab gesehen wir das so so geht haben wir gegangen

[57:49] gemacht de Modellen meine Frau hat auf der auf der Quart- Latin Quartier Latin die Modelle gemacht dasselbe à peu près ungefähr und ich bin gegangen die groiße Magasins Galerie Lafayette (et Printemps) Trois Quartiers habe ich gewusst schon gemacht einen

[58:09] Preis ich habe gekikt dortn andere Cacharel Preise dieselbe Sache ich hab gleich gemacht 1000 Francs billiger (__) die Arbeit was sie machen Cacharel machen haben sie mir gegeben wir beide haben angefangen zu arbeiten (______) haben gehabt die Kinder gelebt

[58:32] alles wie man sagt wie Gott in Frankreich   also jetzt sind wir hier ich bin alt 94 Jahre habe ich am 15ten November meine Frau 88 gut sehr sehr zufrieden das ist (_) jedes Jahr fahren wir nach Israel dorten haben wir Familien ist was ganz anders   das ist es  

[58:59] danke

Gabriele Zürn

[59:02] wir machen jetzt ne Pause [Schnitt]

Nadja Grintzewitsch

[59:05] Moniek j'aimerai retourner á votre famille à vos parents

Moniek Baumzecer

[59:09] oui

Nadja Grintzewitsch

[59:12] est-ce que vous pourriez raconter quelque chose de de votre enfance encore de votre parents ?

Moniek Baumzecer

[59:15] mes parents (_) j'ai eu les parents chassidiques chassidiques on est mon père était un Chassid moderne un petit un petit un petit barbe c'est comme il est parti (fabriquant allemand il a mis moderne) (__) si non on a porter (averse) des des juifs orthodoxes

[59:41] pas fanatique modern   voilà (_) on on mangeait de de kasher on avait deux on avait deux on avait deux domestiques une une juive elle s'appelait Perele elle a fait la cuisine kasher et avait une petite Polonaise elle s'appelait Veronika elle a fait le ménage

[1:00:04] alors

Nadja Grintzewitsch

[1:00:07] c'était une eh famille plutôt riche donc ?

Moniek Baumzecer

[1:00:10] non on était dans dans la classe moyenne on a du classe moyenne c'est tout

Nadja Grintzewitsch

[1:00:14] hm

Moniek Baumzecer

[1:00:16] (__) je dit quand même la Veronika   quand j'avais quinze ans elle elle avait dix-huit vingt et un parce que tout les Polonaise sont venues dans la ville pour travailler fait tout le ménage pour le juifs elle a toujours venue quand j'avais quinze ans elle

[1:00:38] est venues toujours dans ma chambre pour dormir avec moi   j'ai la (_) encore c'est ça

Nadja Grintzewitsch

[1:00:44] c'est ne pas vrai !

Moniek Baumzecer

[1:00:47] oui

Nadja Grintzewitsch

[1:00:50] vraiment ?

Moniek Baumzecer

[1:00:54] oui oui (_)   hors hors de caméra je cous dire plus

Nadja Grintzewitsch

[1:00:57] okay

Moniek Baumzecer

[1:01:00] [lacht ein wenig]

Gabriele Zürn

[1:01:03] j'ai une question pour ehm le le temps dans le ghetto

Moniek Baumzecer

[1:01:07] j'entends pas

Gabriele Zürn

[1:01:10] pardon [lauter:] le temps dans le ghetto ehm en ghetto eh si vos parents étaient chassidiques comment vivaient les les les gens chassidiques en ghetto ? c'est

Moniek Baumzecer

[1:01:20] on a vivait en groupe en groupe

Gabriele Zürn

[1:01:23] hmhm

Moniek Baumzecer

[1:01:26] tous les samedis samedis à peu près sont venues des Chassidim de de en jiddish Stibl Stibl sont venues la maison (_) le vendredi c'était (comment dit-on ? je ne sais pas) un café (_) des tonneaux de bière comme ça c'était fou- toujours un samedi après-midi

[1:01:47] (vers quatre heures et le samedi soirs ils ont bu ils ont bu) des thés des bières après on se prend à la main autours de table on dansait là [deutet Tanzbewegung an; lächelt; imitiert Melodie] hohohoho c'était très très sympa c'était très sympa

[1:02:05] très sympa   on avait un très belle vie en Pologne [betont:] très très belle vie en Pologne il y'avait des Polonais Pal- eh antisémites et il y'avait des Polonias qui (étaient loyales) aussi la Polonais c'était sur (_) la église l'église était très

[1:02:22] antisémite tous les il y'avait il y'avait des jamais vue un juif seulement ils regardaiet les (_) juifs avec les cornes comment on parlait avec nous c'était tout chause autrement tout autre- il y'a un grande parti des des antisémitisme c'était l'église

[1:02:44] c'étaient tous les curés a dimanche je me rapelle un curé (_) und curé de Varsovie qui s'appelait (Chichak) c'était à dimanche il a toujours parler toujours parler des juifs a gr- à cause des juifs vous êtes malades à cause de juifs vous êtes pauvres

[1:03:03] tous les juifs sont les plus riches du monde les juifs sont les tous qu'ils faut sauf à vous alors les hommes ça les Polonais c'était c'était penser que les juifs eh les polonais j'avait des j'étais j'étais un champion pologne de junior j'avais dix-sept

[1:03:24] ans j'avais j'étais dèja champions pologne de boxe de poids coq alors tout le monde tout le monde m'a connu après j'arrive à Auschwitz j'avais beaucoup de copains qui (_) moi qui m'aidaient beaucoup parce qu'il il y'avait beaucoup de Volksdeutsche les

[1:03:43] Volksdeutsche à Auschwitz eux ils voulaient pas dans l'armée quand vous ne parte de l'armée on le voyait à camps concentration à Auschwitz ils avaient les (_) alors (______) la soupe à moi comme ça on me sentait toujours toujours bien de   de ma peau

[1:04:03] voilà c'est ça (_)

Gabriele Zürn

[1:04:07] ehm vos parents après les Allemands ont forcés la famille en ghetto comment vivent les parents vos parents ?

Moniek Baumzecer

[1:04:20] eh eh très mal très mal on six on était six personnes (_) là on est deux pè- frères et les parents aparts je me rapelle   c'était hivers c'était froid c'était première hivers là qu'est-ce-que pour chauffé on a brulé les lits des lits die Möbler

[1:04:46] on a toujours brulée la après j'arrache on arrachait le parquet pour se chauffer ma mère avait toujours froid et après la nuit vers eh une heure de matin je suis descendez de l'arrier j'ai volé des des bois des parquet (_) la nuit je suis descendé je

[1:05:04] fais l'attention j'arrache je rentre à la maison les trucs pour pour chauffé c'est ça c'était affreux c'est pour ça que (_) c'était c'était très très mal pour ça quand j'étais parti ma mère a pleurer parce que elle a su je me c'est moi qui de brouillé

[1:05:28] de tout j'avais j'avais un morale j'avais pas peur du tout (__) je me rappelle un jour je je je passe avant le ghetto avant la fermeture le ghetto alors on n'avait pas droit sor- sortir et moi j'avais sorti comme j'ai enlevé j'enlevé le Magen David je sorti

[1:05:49] de ghetto (_) ouvert et je sorti (_) chez les Polonais j'achetais quelque chose on retourne j'arrive quand je vois ils sont ils sont en trains massacré un un Polonais parce qu'il a sorti après la Sperre (_) après sept heure et après (_) comme comme [hustet]

[1:06:09] (_) et moi j'arrive et moi j'arrive comme Polonais pas comme Juif là je n'avais pas Magen David (quand je l'enlevé) comme (_) la question (_) qu'est-ce que je fais je me suis approché chez les SS qui sont massacrés le Polack et moi qu'est-ce que (__) je

[1:06:33] suis avancé là si je me rétiré on savait tout de suite je porte le Ma- alors je suis devancé devant le SS »qu'est-ce que vous là« alors je suis parti je rentre dans le ghetto c'était un camp ouvert alors je frappe à la porte on ne laissait pas on

[1:06:55] me ne laissait pas rentrer tout le monde l'avait peur alors (_) regardez je parle en yiddish »laissez moi rentrer« mes parents sont (haut là ouvrez la porte) c'était comme ça c'était ma vie encore en Pologne j'- j'avais j'avais beaucoup de courage (_)

[1:07:14] je voulais faire tout pour eh sauver mes parents ça marchait pas du tout ça marchait pas du tout ils étaient déportés en 42 étaient déportés c'est marqué dans la livre en langues allemand 70 kilomètres de Lodz on l'a dit »vous allez vous allez travailler

[1:07:35] à l'est« c'était pas vrais aussi (_____) j'avais un petit frère de dix ans il est né en 1930 il y'a il y'a un frère qui deux ans plus agé que moi moi j'avais 17 17 18 (de vingt ans) c'est ça de notre   notre vie en Pologne

Nadja Grintzewitsch

[1:07:57] vous avez aussi eu de faux papiers pour quelque semaines n'est-ce pas ?

Moniek Baumzecer

[1:08:01] j'ai eu j'ai eu des faux papiers j'avais eu des faux papiers tout de suite quand des Allemands sont rentrés rentrent en Pologne alors je suis parti chez le commi- commissaire j'ai dis je je viens de Varsovie à Lodz j'ai dis je viens de Varsovie j'ai perdu

[1:08:18] mes papiers j'ai pas papiers il me faut les papiers alors c'était le commissariat polonais (_) a Dolmetscher allemand c'est lui un SS Allemand qui parlait polonais alors moi je eh je parlais en polonais je voulais pas parler jiddish quand tout de suite je

[1:08:39] suis juif parler en polonais j'ai dit je suis a Varsovie après la guerre j'ai venu travailler ici seulement j'ai pas papiers je (_) papiers eh le SS comme ça dit »mach ihm Papiere« alors il me fait les papiers alors »comme te t'appelle ?« j'ai dit »je

[1:08:55] m'apelle Mar- Marczinkowski Marian j'ha- j'habite à Varsovie je vais ici maintenant à Lodz« (_) les papiers je tout suite là on m'a fait le photo on va chercher le photo fait le photo j'avais déjà passeport polonais j'étais j'étais libre alors je voulais

[1:09:12] quand on fermait le ghetto j'ai dis à ma je on dit ma mère »reste-dons ça sera mieux« je dit » non je reste avec vous« j'ai pris le passeport polonais je le met dans le feu je devient juif fini polonais ah c'était ma ma vie dans dans le ghetto

Gabriele Zürn

[1:09:33] je m'interesse beaucoup pour votre carrière de sport eh vous disez que vous étiez un champion de boxe

Moniek Baumzecer

[1:09:46] oui

Gabriele Zürn

[1:09:49] polonais

Moniek Baumzecer

[1:09:52] oui

Gabriele Zürn

[1:09:54] et j'ai lu dans votre autobiographie que vous ehm jouiez aussi au football

Moniek Baumzecer

[1:09:57] ah oui (_) au football en Pologne c'était comme ça l'été il y'avait pas de boxe l'été c'était le football comme comme comme j'ai pas travaillé j'ai pas travaillé j'ai dit à mon père »je voulait pas plus aller à la yeshiva je je voulait pas être

[1:10:15] un rabbin« mon père voulait je suis un rabbin moi je ma dit dans la court on habitait avec les Polonais je voulais pas porter le peyyot je voulais (_) comme tout le monde je voulais pas a Chassid je suis parti travailler avec me- le magasin de mes parents

[1:10:32] alors je fairait de tout les jours je partais sur la stade je je je vais le foot de basket le volleyball et le tennis le ping pong j'étais un vrai sportif ça rien fait beau de chose là ici hivers c'était que la boxe hivers c'était la boxe (_) j'avait

[1:10:52] pas autre chose (_) la boxe et le ping pong c'est ça qu' on pouvait faire de l'hivers ça c'était ma jeunesse qui c'était en Pologne

Gabriele Zürn

[1:11:03] combien de temps on practise le boxe pour être champion ?

Moniek Baumzecer

[1:11:07] [hustet] en fait a peu près deux heures j'étais j'étais très doué

Gabriele Zürn

[1:11:12] deux heures pour eh

Moniek Baumzecer

[1:11:15] la boxe c'était très (doué) dans dans le Po- dans le football dans la court on on a joué le football dans la court (____) Makkabi on va joué dans le Makkabi alors je suis part de le Makkabi je me suis instruie et je jouait le foot dans le (_) comme junior

[1:11:37] alors c'était comme ça j'ai devenu sportif comme l'hiver il y'avait pas de football (_) on a fait le gymnastique avant et après on on a a pris on a pris le on a pris la le boxe [hustet]

Gabriele Zürn

[1:11:52] et vos parents ? que pensaient les parents ?

Moniek Baumzecer

[1:11:59] mon mon père (_) le sport je me rappelle au samedi on allait à la synagogue alors c'était qui portait les talliths c'est moi qui portait le talliths (___) Moniek c'est c'est moi en yiddish Moishele fait attention (____) il me laissait faire il me laissait

[1:12:25] faire

Nadja Grintzewitsch

[1:12:31] donc vous avez parlait de yiddish avec vos parents ?

Moniek Baumzecer

[1:12:35] toujours yiddish

Nadja Grintzewitsch

[1:12:38] et et du Polonais aussi

Moniek Baumzecer

[1:12:41] le polonais on a pas parler avec les parents polonais on parle avec les Polonais avec eux on parlait polonais comme ça entre nous on parlait toujours yiddish avec des copains polonais on parlait polonais

Nadja Grintzewitsch

[1:12:51] et est-ce que vous avez eu beaucoup d'amis polonais ?

Moniek Baumzecer

[1:12:55] oui oui bien sûr bien sûr

Nadja Grintzewitsch

[1:12:58] des chrétiens

Moniek Baumzecer

[1:13:01] il y'avait beaucoup parce que c'était pour le match je faisais ça alors j'avais les amis polonais j'ai des amis polonais on faut pas dire c'est tout les Polonais étaient antisémites c'est pas vrais il y avait beaucoup des Polonais qui ont ca- eh cachés

[1:13:17] des juifs pendant la guerre parce que il y'en a beaucoup (de juifs_) parce que c'était la peine de mort si on trouve un Polonais cache un juif la peine de mort alors c'est pour ça il y a beaucoup qui on risqués encore en Israel maintenant il y a de tombeau

[1:13:34] des Polonais on l'appelle des Justes

Nadja Grintzewitsch

[1:13:39] mhm

Moniek Baumzecer

[1:13:41] comme ici en France c'était pareille aussi

Nadja Grintzewitsch

[1:13:44] moi j'ai seulement encore une question concernant Hanka vous vous l'avez mit à Mauthausen c'est vrai ?

Moniek Baumzecer

[1:13:56] oui ja

Nadja Grintzewitsch

[1:13:59] et

Moniek Baumzecer

[1:14:01] on se connait à Mauthausen on est toujours ensemble parce que on était un groupe des Juifs alors toujours à Mauthausen on est toujours ensemble là ici là comme on (_) le copain qui s'appelle Chaskel on était dans la même groupe   alors qui est

Gabriele Zürn

[1:14:14] c'était après la libre- libération ?

Moniek Baumzecer

[1:14:17] après la libération

Gabriele Zürn

[1:14:20] ah après la libération

Moniek Baumzecer

[1:14:23] c'était après avant aller à Salzburg on est à Salzburg

Gabriele Zürn

[1:14:26] la libération était à Eben- Ebensee pour vous ?

Moniek Baumzecer

[1:14:30] la libération était à Ebensee pour moi

Gabriele Zürn

[1:14:33] et après la libération vous rétournait à Maut-

Moniek Baumzecer

[1:14:36] après la libération après la libération on est allé à Salzburg à Salzburg la Brigade Juive de l'armée anglaise ils etaient eux que nous a amenée (_) à comme s' apelle ici là ? (_) c'est à c'est à Salzburg

Gabriele Zürn

[1:14:54] et combien de gens étaient

Moniek Baumzecer

[1:14:57] pas longues pas longues peut-être huit à dix jours on est parti à à Milano on est à Milano on reste la nuit on est dormi sur un place de foot ils ont fait des comme s'appelle ? baraquement on a dormi là-bas on est parti à Modena c'est à Modena c'était

[1:15:18] eh c'était aussi là (_) un enseign communautaire et là-bas on a déjà beaucoup de juif qui sont venus de Russie qui étaient libérés voulaient allés en Palestine ils sont passés par (_) sont venus à Modena et pour là-bas on est parti à Santa Maria

[1:15:39] de Leucca là-bas que c'était la villa de le villa de de italien là des fascistes italiens alors nous on habitait dans les villas (___) alors tout de suite on s'est organisé on a fait un une police pour garde c'était moi car j'étais jeune et sportif j'étais

[1:16:08] tout de suite engagé là on ma mit un P là ici comme Police et la nuit on fait attention autours autours de village (__) on est on était armé pour ça et pas bougé

Gabriele Zürn

[1:16:21] cette police c'est pour les les gens

Moniek Baumzecer

[1:16:26] pour pour le camp seulement pour le camp pour que les italiens ne rendent pas nous reprendre

Gabriele Zürn

[1:16:33] et combien de gens étaient á cette camp ? combien

Moniek Baumzecer

[1:16:38] personne ne connait pas là-bas

Nadja Grintzewitsch

[1:16:42] combien de personne étaient dans le camps ?

[1:16:47] á Santa Maria de Leucca combien ?

Moniek Baumzecer

[1:16:50] on était était c'étaient plusieurs camp côté de l'autre Santa Maria de Leucca Santa Maria dei Bagni c'était (_) toutes le juifs de (_) qui sont sauvés qui étaient là-bas pour partir vers Palestine alors nous étaient à Santa Maria à Santa Maria

[1:17:06] de Leucca

Nadja Grintzewitsch

[1:17:09] à peu près   mille personne ou

Moniek Baumzecer

[1:17:12] oh plus plus

Nadja Grintzewitsch

[1:17:15] plus ?

Moniek Baumzecer

[1:17:18] plusieurs milliers de personnes

Nadja Grintzewitsch

[1:17:20] plusieurs milliers

Moniek Baumzecer

[1:17:23] plusieurs milliers de personnes moi aussi je me rappelle après la guerre je suis parti en Israel Israel existe déjà alors j'ai demandé »ou sont des copains ?« alors il y'a des copains qui sont morts parce que s'ils sont arrivés les les j- jeunes Arabes

[1:17:35] à Jerusalem c'était là-haut avec c'était un général anglais je me rappelle pas comme il s'appelait c'est lui qui était le général (_) de armée ar- arabe il était là-haut là les juifs pour monter lá-haut là il laissait pas ils étaient tous par

[1:17:58] mitraillet (_) il y'a beaucoup ils sont passés je aussi on sait des copains on avait beaucoup qui sont arrivés à Hai- à Haifa alors ils a demandés on les donne un fusil libéré Jerusalem il savaient pas comment ça marche alors comme ça il y'en a beaucoup

[1:18:15] qui sont tombés sur la route pour pour libérer Jerusalem beaucoup copains qui sont tombés (sans rien rien) pour libérer le pour le (_) Jerusalem pour libérer Jerusalem les jeunes arabes qui étaient il était il était le chef celui qui commandait les

[1:18:39] arabes là-haut

Nadja Grintzewitsch

[1:18:42] et vous vous êtes allé á Paris ça c'est m'intéresse beaucoup la vie à Paris et eh ehm comment vous vous avez vous débrouillé là

Moniek Baumzecer

[1:18:53] j'ai dit on rentre on rentre à Paris là d'abord on est habité chez chez sa soeur qui est revenue de elle a revenue de camp

Nadja Grintzewitsch

[1:19:06] la soeur de Hanka

Moniek Baumzecer

[1:19:09] la soeur de Hanka on est habité là-bas pour quelque jours c'était tellement petit on a on est   on a trouvé quelqu'un qui nous prêté l'argent et on a payé pour avoir quelque chose (_) on a donné le clef on habitait à quatrième étage on habitait pas

[1:19:33] longtemps parce que il y'a un cousin de Varsovie un cousin de de c- côté de mon père il était il avait la famille de Radom aussi quelqu'un de Radom (_) alors lui le voir il a dit je vais chercher pour vous quelque chose (_) à Rue Oberkampf deux deux pièce

[1:19:53] cuisine pas mal on habite (_) il y'a (_) il était confectionaire ma femme a travaillé pour lui fait la (_) la couture et moi j'ai travaillé dans les chaussures c'est ça comme on a commencé la c'était très très difficile on était content on a survécue

[1:20:17] là oui

Nadja Grintzewitsch

[1:20:21] et vous avez combien d'enfants encore ?

Moniek Baumzecer

[1:20:26] maintenant je on a deux enfants Jeanette Alain il est il est dentiste j'ai quatre petits-enfants   quatre petits-enfants et trois (arrier) trois (des petits-enfants) le fils de Jeanette le fils lui s'est marié il est devené religieux contraire avant qu'il

[1:20:48] a mangé chez nous toujours maintenant non plus parce que c'est pas kasher alors lui il a il a trois enfants deux filles quatre ans six ans et un petit garçon de quinze mois moi j'étais le zandek pour le brit mila j'ai le gardé il a très beau garçon  

Nadja Grintzewitsch

[1:21:10] moi je n'ai plus des questions toi ?

Gabriele Zürn

[1:21:21] moi non plus alors ehm merci Monsieur Baumzecer

Moniek Baumzecer

[1:21:25] (_) pas normal c'est pour l'histoire pour voir comme s'est passé la vie juive il y'a des juives de trois catégories il y'a des juifs qui étaient riches ils étaient juifs qui étaient classe moyenne il y'avait des juifs qui étaient pauvres   ah c'est tout

Gabriele Zürn

[1:21:46] y'a-til quelque chose que vous voulez dire   pour nous ou pour l'interview ?

Moniek Baumzecer

[1:21:56] comme j'ai dit je vous merci beaucoup Am Israel chai

Gabriele Zürn

[1:22:00] merci beaucoup Am Israel chai

Datum Ort Text
ab 1919 Radom Geburt als zweitältester Sohn eines Tuchhändlers
ab 1923 Radom Besuch einer jüdischen Gebetsschule
ab 1930 Lodz Umzug nach Lodz und Besuch einer jüdischen Privatschule
ab 1938 Lodz polnischer Box-Jugendmeister im Bantamgewicht
ab 1939 Warschau Versuch, als Freiwilliger die Stadt gegen die deutsche Wehrmacht zu verteidigen, nach kurzem Aufenthalt Flucht zurück nach Lodz
ab 1940 Lodz (Ghetto) Zwangseinweisung in das neu errichtete Ghetto der Stadt
1940 - 1941 Selchow (Storkow) Deportation zur Zwangsarbeit in ein Lager der Reichsautobahn
1941 - 1942 Grunow-Dammendorf Verlegung zur Zwangsarbeit in ein Lager der Reichsautobahn
ab 1942 Christianstadt (Konzentrationslager) Verlegung zur Zwangsarbeit in ein Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen, Liebesbeziehung zu einer deutschen Köchin im Lager
ab 1942 Frankfurt/Oder nach Aufdeckung Liebesbeziehung Verhaftung, Verhöre und Inhaftierung im Polizeigefängnis
1942 - 1943 Mauthausen (Konzentrationslager) nach Verurteilung wegen »Rassenschande« Einweisung in das Konzentrationslager und Zwangsarbeit im Steinbruch, Opfer medizinischer Versuche
1943 - 1945 Auschwitz (Konzentrations- und Vernichtungslager) Verlegung in das Konzentrationslager Auschwitz I, Zwangsarbeit, u. a. im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
1945 - 1945 Mauthausen (Konzentrationslager) nach Todesmarsch aus Auschwitz und Bahntransport durch die Tschechoslowakei Ankunft im Konzentrationslager Mauthausen
1945 - 1945 Melk (Konzentrationslager) Verlegung zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik
1945 - 1945 Ebensee (Konzentrationslager) Verlegung zur Zwangsarbeit für die Firma Universal A
ab 1945 Ebensee (Konzentrationslager) Befreiung durch amerikanische Truppen
ab 1945 Salzburg Verlassen des Lagers Ebensee mit der Jewish Brigade Richtung Salzburg als Zwischenstation zur Auswanderung nach Palästina
ab 1946 Modena Aufenthalt in Modena und in einem Flüchtlingslager in Santa Maria di Leuca als Zwischenstationen auf dem Weg nach Palästina
ab 1946 Paris gemeinsam mit dem Bruder Charles und der Ehefrau Hanka illegale Einreise nach Frankreich, Arbeit in der Lederkonfektion
ab 1946 Nardò Heirat mit Hanka Szyszczycka
ab 1946 Santa Maria di Leuca Diplom als Lehrer für Körperkultur (Sportlehrer)
ab 1949 Frankreich Geburt der Zwillingstöchter Jeannette und Elisabeth
ab 1957 Frankreich Geburt des Sohnes Alain
ab 1980 Paris Ruhestand nach Jahren beruflicher Selbständigkeit in der Modeindustrie
Paris Erlangung der französischen Staatsbürgerschaft
Moniek Baumzecer wurde am 15. November 1919 als zweites Kind einer jüdischen Familie in Radom geboren. Der Vater besaß ein Tuchgeschäft, die Familie lebte in bescheidenem Wohlstand. Im Elternhaus wurde Jiddisch gesprochen, mit christlichen Freunden und Nachbarn unterhielt man sich auf Polnisch. Ab dem Alter von vier Jahren besuchte Moniek Baumzecer einen Cheder, eine traditionelle jüdische Gebetsschule, in der Hebräisch gelernt und die Tora studiert wurde. 1930 zog die Familie nach Lodz um, dort besuchte er eine jüdische Privatschule. Es war der Wunsch des Vaters, dass sein Sohn einmal Rabbi werden sollte. Moniek Baumzecer aber interessierte sich vor allem für Sport, seine Leidenschaft galt dem Fußball und besonders dem Boxen, wo er sogar polnischer Jugendmeister in seiner Gewichtsklasse wurde. Seine Ausbildung zum Rabbi in einer Talmudschule brach Moniek Baumzecer ab und begann, im elterlichen Tuchgeschäft zu arbeiten.
Als Anfang September 1939 der deutsche Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, meldete sich Moniek Baumzecer nach einer Radioansprache als Freiwilliger zur Verteidigung Warschaus. Gemeinsam mit zwei Brüdern erreichte er zwar die Hauptstadt, flüchtete aber nach kurzem Aufenthalt angesichts der militärischen Übermacht der Deutschen zurück nach Lodz.

Nach der Einnahme der Stadt wurden die Juden sofort entrechtet und waren der Willkür der deutschen Besatzer ausgeliefert. Im Frühjahr 1940 musste die sechsköpfige Familie in ein einzelnes Zimmer im neu errichteten Ghetto der Stadt umziehen, die kurz danach in Litzmannstadt umbenannt wurde. Moniek Baumzecer versuchte, seine Familie durch das Beschaffen von Lebensmitteln und Brennholz zu unterstützen, dabei riskierte er immer wieder sein Leben. Im Dezember 1940 musste er seine Familie zurücklassen und wurde beim Bau der Reichsautobahn in den Lagern Selchow und Grunow zu schwerer körperlicher Arbeit herangezogen. Damit begann für ihn eine mehrjährige Schreckens- und Leidenszeit, die ihn in zahlreiche deutsche Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager führte. Seine Eltern und zwei seiner drei Brüder sollte er nie mehr wiedersehen. Sie wurden 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet.
Anfang 1942 erfolgte die Verlegung in das Lager Christianstadt, auch hier musste Moniek Baumzecer Zwangsarbeit für deutsche Firmen leisten. Als die Liebesbeziehung zu einer deutschen Köchin des Lagers entdeckt wurde, verhaftete ihn die Gestapo und brachte ihn nach Franfurt an der Oder in das Polizeigefängnis. Verurteilt wegen »Rassenschande« wurde er zur Strafe in das wegen seiner äußerst brutalen Arbeitsbedingungen berüchtigte Konzentrationslager Mauthausen deportiert.

Hier überlebte er die Strapazen der Arbeit im Steinbruch nur durch seine gute körperliche Konstitution als Sportler, durch seinen Mut und durch viel Glück. Im Juli 1943 wurde er in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verlegt, wo er als Zwangsarbeiter in Auschwitz-Birkenau unmittelbarer Zeuge der Massemorde wurde. Bevor er am 6. Mai 1945 im Lager Ebensee durch amerikanische Truppen befreit wurde, hatte er noch den Todesmarsch der Häftlinge aus Auschwitz, eine erneute Verlegung in das Konzentrationslager Mauthausen und Zwangsarbeit im Außenkommando Melk überlebt.

Ende Mai 1945 schloß er sich der Jewish Brigade an, die zu einer Ausreise nach Palästina aufrief, um dort einen jüdischen Staat aufzubauen. Über Salzburg gelangte er in Flüchtlingslager nach Italien, die zu dieser Zeit Sammelpunkt vieler Überlebender für die geplante Schiffspassage waren. Hier traf er auch Hanka Szyszczycka wieder, die er schon 1945 in Mauthausen kennengelernt hatte. Die beiden wurden ein Paar und heirateten im Februar 1946. Gemeinsam mit seinem Bruder Charles, den er in Italien wiedertraf, wanderte er mit seiner Ehefrau illegal nach Frankreich ein, da eine Schwester Hankas in Paris lebte. Die Stadt sollte zur neuen Heimat von Moniek und Hanka Baumsezcer werden. Nach beschwerlichen Anfangsjahren bauten sich die Eheleute, die 1949 Zwillingstöchter und 1957 einen Sohn bekamen, eine berufliche Existenz in der Modeindustrie auf und nahmen 1958 die französische Staatsbürgerschaft an.
Die traumatischen Erlebnisse der nationalsozialistischen Verfolgung, insbesondere die Ohnmacht angesichts der Massenmorde in Auschwitz-Birkenau, ließen Moniek Baumzecer am Glauben zweifeln und führten zu seiner Abwendung vom Judentum als Religion. Seine kulturelle Heimat ist das Judentum aber seit seinen frühen Kindertagen geblieben, die Familie begeht nach wie vor die jüdischen Feiertage und hält an vielen Traditionen fest.