Max Stern (*02.03.1921, Pressburg)
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- Signatur
- 01167/sdje/0062
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Berlin, den 26. Juni 2013
- Dauer
- 01:50:21
- Interviewter
- Max Stern
- Interviewer
- Lennart Bohne , Daniel Baranowski
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Redaktion
- Lennart Bohne
- Transkription
- Lennart Bohne
Anlässlich seiner Bar-Mitzwa bekam Max Stern 1934 von seinem Vater ein Briefmarkenalbum geschenkt. Fortan wurden die Briefmarken mehr als nur eine Leidenschaft, denn durch illegalen Handel gelang es ihm, in Pressburg viele Beziehungen aufzubauen, die zu seinem Überleben beitrugen. Geboren am 2. März 1921 in eine bürgerlich-jüdische Familie, zog er bereits im Alter von 14 Jahren nach Wien, um dort eine Ausbildung zu absolvieren. Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich im März 1938 kehrte er augenblicklich nach Pressburg zurück, wo er ab 1939 mit dem für Juden verbotenen Handel von Briefmarken zum Ernährer seiner Familie wurde. Nach dem niedergeschlagenen slowakischen Nationalaufstand im Oktober 1944 begannen umfassende Deportationen von Juden nach Auschwitz, denen auch seine gesamte Familie zum Opfer fiel. Max Stern gelang es, sich in ein vorbereitetes Versteck zu retten. Ende Dezember wurde er entdeckt und nach Sachsenhausen deportiert. In Berlin musste er Zwangsarbeit leisten, bevor er Ende April 1945 auf einen Todesmarsch geschickt wurde, auf dem viele Menschen an Entkräftung starben oder sich freiwillig erschießen ließen. Nach der Befreiung kehrte Max Stern nach Pressburg zurück, wo er wieder begann, mit Briefmarken zu handeln. Doch unter den kommunistischen Machthabern sah er seine Freiheit bedroht, so dass er nach Australien auswanderte, wo er als Briefmarkenhändler Fuß fasste. Zum Zeitpunkt des Interviews war er 92 Jahre alt.
Vorkontakte
Kontakt wurde hergestellt über Uwe Neumärker und den australischen Botschafter Peter Tesch (Bekanntschaft durch vorherige Zusammenarbeit mit australischen Überlebenden); ursprünglich war eine Zeitzeugenveranstaltung mit MS geplant, hat sich im Laufe der zeit allerdings zerschlagen; Vorgespräch konnte wegen Verspätung des Fluges von MS nicht stattfinden; erstes Zusammentreffen erst unmittelbar vor dem Interview
Bedingungen
gut; Ort der Information
Gruppensituation
zwei Interviewer; ein Kameramann
Unterbrechungen
eine Unterbrechung auf Wunsch von MS; wir hatten intern zuvor vereinbart – aufgrund einer Zeitbegrenzung durch einen späteren Termin von MS – nicht die üblichen Pausen nach jeweils 90 Minuten zu machen
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin (intern)
Eindrücke
trotz der Terminnot und zeitlicher Begrenzung sehr »organisiertes« Interview, besser als ursprünglich befürchtet; dennoch merkt man, dass wir zuvor kaum Gelegenheit hatten, zu besprechen, wie das Interview ablaufen würde einige Irritation zu Beginn, da MS auf die ersten Fragen immer nur sehr kurze Antworten gibt; erst, als es zur eigentlichen Verfolgungsgeschichte kommt, beginnt er ausführlicher und zusammenhängender zu erzählen er betont mehrmals im Umfeld des Interviews, wie wichtig es ihm sei, an diesem Ort seine Geschichte zu hinterlassen; er gibt vor, gelassener zu sein, als er in Wirklichkeit ist relativ unvermittelt wird er sehr emotional, weint teilweise sehr lang, wir greifen nicht ein, er fängt sich dann wieder; es könnte ein Zusammenhang zwischen der emotionalen Aufwallung und dem nur im Taxi von ihm brüsk zurückgewiesenen Vorwurf von einer früheren Schülergruppe, dass es kurz vor der Befreiung unter den Häftlingen Kannibalismus gegeben habe, geben
[0:00] wir haben heute den 26sten Juni 2013 und führen ein Interview mit Max Stern für das Projekt »Sprechen trotz allem« wir befinden uns im Ort der Information am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin mein Name ist Lennart Bohne ich führe das
[0:17] Interview gemeinsam mit Daniel Baranowski und Daniel Hübner ist für die Kamera Ton und das Licht zuständig das Interviewprojekt wird unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes [Schnitt]
[0:28] Herr Stern vielleicht erzählen Sie uns zu Beginn etwas äh über
[0:34] Ihre Eltern und über die Stadt in der Sie geboren wurden
[0:37] also meine Geburtsstadt ist Bratislava Pressburg damals Tschechoslowakei heute Slowakei mein Vater und mein- mei- mein Vater stammt aus Wien meine Mutter aus Pressburg und die Familie kommt aus Mähren aus Lundenburg meine Mutter und Großmutter namens Rosenberger
[0:59] haben in Pressburg gelebt mein Vater war aus Wien und mein Vater hat meine Mutter kennengelernt du- in einem Spital sie waren einen Kranken besuchen der gemeinsam eine Familienangehö- -gehörigen und die haben sich dort getroffen mein Vater Mutter hat im
[1:15] äh Feber 1920 in Pressburg geheiratet
[1:19] was ha- haben Ihre Eltern gearbeitet ?
[1:24] mein Vater hat einen haberdashery-shop gehabt mein Vater war hatte also Unterwäsche und Taschentücher und Socken verkauft ein ein En-Gros-Geschäft in Preßburg
[1:35] wann sind Sie dann geboren ?
[1:38] ich bin am zweiten März 1921 geboren
[1:41] können Sie uns was von Ihrer Kindheit erzählen wie wie war es in Pressburg in den zwanziger Jahren äh wie sind Sie groß geworden
[1:51] ja wie ich groß geworden bin kann ich Ihnen nicht genau erzählen [hustet] mein earliest recollection also die früheste äh Erinnerung geht back zu meiner Bar-Mitzwa wenn ich 13 Jahre alt war und da hat mein Vater mir ein sch- äh Briefmarkenalbum gekauft
[2:13] als Geschenk Geburtstagsgeschenk das war ein Schaubek äh deutsches Briefmarkenalbum und so hab ich mich dann als Philatelist entwickelt als Kind in äh äh Kin- in der Kindheit habe ich schon Briefmarken gesammelt und mein Vater war mir dabei behilflich
[2:30] haben Sie sofort einen Ehrgeiz entwickelt äh bestimmte Marken zu sammeln oder wie ist das gekommen ?
[2:37] ja das war ganz interessant natürlich wir haben keinen Bezug gehabt auf die andere Welt unser als Kindheit kann ich mich erinnern die g- meine gro- größte Ambition war eine dreieckige Briefmarke aus Kap der Guten Hope Cape of Good Hope zu bekommen und
[2:56] so hat sich meine so hat sich mein Interesse in der Philatelie entwickelt in der early earliest Kinkhei- äh Kindheit
[3:03] haben Sie die Bar-Mitzwa war dann 1934
[3:08] [unterbricht:] 34 ja und das war damals zu Hause da hat man einfach meine Mutter hat etwas zu essen vorbereitet haben wir ein kleines Festessen gehabt und ich war 13 Jahre alt und da war das war ein Familienfest ganz anders wie das heute geht damals war das
[3:23] eine Familien- ein Familienfest
[3:26] war die Familie streng jüdisch ?
[3:28] ja eine modern modern-orthodox das heißt wir waren meine ganze Familie kommt aus dem Westen vaterseits aus Frankfurt mutterseits aus Mähren Lundenburg Eisgrub so die waren modern Orthodoxie
[3:44] Sie sagten es war ein großes Familienfest ähm hatten Sie eine große Verwandschaft oder wie muss man
[3:52] [unterbricht:] ja m- m- die meisten meiner die meisten meiner meine Großmutter Rosenberger die aus die in Lundenburg geboren ist hat dann in Pressburg gelebt sie hat sieben Kinder gehabt fünf fünf äh Bu- Jungen und zwei Töchter meine Mutter war eines
[4:07] der Töchter und alle meine Familienmitglieder haben drei oder vier Kinder gehabt so wir waren ungefähr dreißig bis vierzig Familienmitglieder also ich weiß es nicht mehr genau aber dreißig bis vierzig Familienmitglieder waren bei diesem Festessen
[4:23] sind Sie auch auf eine jüdische Schule gegangen ?
[4:28] [gleichzeitig:] ja natürlich ja da in Pressburg war eine orthodox jüdische Mittelschule also Kind äh primary school wie heißt das primary school
[4:37] [gleichzeitig:] Grundschule
[4:39] eine ja ja also dort dort bin ich in die Schule gegangen und das es war eigentlich Deutsch äh äh die Muttersprache war Deutsch war a deutsche jüdische Schule gewesen
[4:49] und auch die weiterführende Schule war eine jüdische Schule ?
[4:53] ja war jüdische Schule Bürgerschule war auch jüdisch auch deutsch
[4:56] [leise:] ja
[4:58] was haben Sie sonst darüber hinaus in diesem jungen Alter gemacht können Sie sich an Hobbies erinnern hatten Sie Freunde
[5:06] [gleichzeitig:] ja ja ich habe Fußball gespielt ich habe viel Fußball ge- wir haben viel Freunde gehabt das Leben im Pressburg war ja ganz anders wie wie es zum Beispiel im Osten vorgegangen ist dort waren wir wir haben zusammen gelebt da war kein Unterschied
[5:20] Jude oder Nicht-Jude wir haben meine Freunde neunzig Prozent meiner Freunde waren Nicht-Juden ja also Samstag- oder Sonntagnachmittag haben wir auf der Straße Fußball gespielt und so habe ich meistens so habe ich die meisten meiner Freunde kennengelernt
[5:35] durch Fußball und ich hab dann war ich Skilaufen habe ich Eis äh gespielt und Schwimmen ich bin als Neunjähriger war ich schon in Wien wie der Bar Kochba eine jüdische Schwimmverein in Bratislava nach Wien eingeladen zu schwimmen also ich hab fast jeden
[5:50] Sport mitgemacht v- von der earliest Kindheit von Anfang meiner Kindheit
[5:56] und wie war das äh mit der Verständigung mit der Kommunikation wie haben welche Sprachen haben Sie gesprochen
[6:02] [gleichzeitig:] na Deutsch Deutsch Deutsch
[6:04] Sie sind dann ja recht früh nach Wien gekommen
[6:10] [gleichzeitig:] ja also das war so nach der nach der Bürgerschule musste man mein Onkel der in Wien gelebt hat hat vorgeschlagen ich sollte äh Maschinenbau lernen Maschinenbauschule da hat mein Vater sich entschlossen mich nach Wien zu schicken ich bin
[6:28] nach Wien in die Schule gegangen Maschinenbauschule in Wien und ich habe bei meinem Onkel gewohnt und während der Woche war ich in Wien vom Sonntagna- -abends bis Samstagabend und Samstagabend bin ich dann mit der Straßenbahn nach Pressburg gefahren war
[6:41] ich Sonntag mit meiner Familie und Sonntagnacht bin ich wieder nach Wien zurück
[6:46] haben Sie in der Zeit Mitte der dreißiger Jahre etwas mitbekommen über die Situation in Deutschland wurde in der Familie darüber gesprochen ?
[6:56] ja zu welchen Jahre welchen Jahre glauben Sie welches Jahr bi- bis 38 fast fast nichts fast nichts
[7:03] also Sie ähm die Familie wusste auch nicht ähm was in im nationalsozialistischen Deutschland mit Juden passiert
[7:13] [gleichzeitig:] vielleicht vielleicht wussten wir ja aber eigentlich wir wollten darüber nichts wissen wir haben ein normales Leben gelebt wir konnten das gar nicht glauben was da los war ja und ich hab ich pers- per- personally hab keine genaue Nachricht
[7:27] erhalten von über was what what went on in in in Deutschland ja das erste Mal war das wenn wenn die Kristallnacht das war in neunund- das war schon 39
[7:41] [gleichzeitig:] 38
[7:43] 38 da war ich schon nicht mehr in Wien ich bin aus Wien am 13ten März 38 weg der Einmarsch war Freitag Samstag in der Früh bin ich in die Schule gegangen hab ich gesehen hat man Juden genommen auf die Straße mit Zahnbürsten haben sie die das äh die Geh-
[8:00] äh
[8:03] das Pflaster
[8:07] das Pflaster gecleant und ich bin normal in die Schule gegangen und da habe ich einen Freund gehabt der hat geheißen Hoffmann und der war ein Freund der ist neben mir gesessen und der hat mir dann hab ich gesagt er soll mir meine Tasche tragen sagt er »für
[8:17] einen Saujuden trage ich keine Tasche« und das war mein Freund das war mein erstes Erlebnis wo ich Antisemitismus festgestellt hab und mein eigener Freund ich war nicht mehr den ersten Namen aber Hoffmann Barill Blecher war ich weiß noch das Alphabet d-
[8:34] der Schul- meiner Schulfreunde ja und das war mein erste große Enttäuschung in Wien das ist das war Samstag Samstag in der Nacht bin ich nach Pressburg zurück und bin nie mehr zurück nach Wien
[8:44] kamen haben Sie diese Entscheidung zusammen mit Ihren Eltern äh getroffen haben Sie darüber gesprochen
[8:51] [unterbricht:] da war keine Entscheidung da war einfach bin Samstag in der Nacht zurück nach Pressburg und bin nicht mehr d- natürlich nicht mehr konnte nicht mehr zurück nach Wien jeder wollte weg nach Wien also ich hab keine wi- die Schule war ausgezeichnet
[9:03] aber überhaupt wir waren sieben jüdische Kinder sieben Juden in meiner Klasse wir haben Samstag nicht wir mussten nicht schreiben war jedes jede Möglichkeit ge- uns gegeben unsere Religion zu halten da war nie irgendwie Antisemitismus überhaupt kein Wort
[9:22] so für mich war das eine ganz große Enttäuschung
[9:25] wie ist es dann weitergegangen als Sie in Pressburg zurück waren ?
[9:33] [unterbricht:] ja also ich wollte mein Vater hat geglaubt er wollte ich sollte weiter studieren so haben wir uns entschlossen eine Maschinenbauschule in Bratislava eine slowakische Schule ob ich dort äh mit mit darf da wurde mir mitgeteilt dass ich nachdem
[9:49] ich deutsche Schulen gehabt hab kann ich nicht mehr slowakisch studieren und die deutsche Schule wollte mich nicht nehmen weil ich Jude war so konnte ich nicht mehr weiter studieren so war ich hab ich in Pressburg gelebt da hab ich die in 39 im September 39
[10:03] ist hier in der Slowakei äh that da weiß ich nicht das genaue Datum der Slowakei ein faschistischer Staat geworden unter deutscher Protektor- unter deutschem Protektorat und da sind verschiedene Briefmarken erschienen und die waren sehr begehrt in der
[10:22] ganzen Welt ich habe gute Verbindungen i- mit den deutschen Händlern gehabt hier ich habe Verbindungen gehabt in Schweden in Finnland in Denmark und Liechtenstein also da gibt es ganz interessante Episoden das ich Ihnen dann später erzählen werde und da
[10:40] hab ich begonnen Geschäft zu machen die Leute sind nach Pressburg gekommen zur Briefmarkenbörse am Sonntag und ich habe die Briefmarken gehabt die sie wollten und ich habe so begonnen geschäftlich zu arbeiten mit diesen Leuten und dann hab ich meine Verbindungen
[10:56] in Schweden aufgenommen und da hab ich einen Freund gehabt der nach Tanger ausgewandert ist der ein Briefmarkenhändler war der Wertheimer aus Pressburg der ist Briefmarkenhändler in Tan- Tanger geworden und da hab ich begonnen Geschäfte zu machen in 39
[11:11] dann spät 39 sind dann die Judengesetze gekommen und da war das für mich zu gefährlich selbst zu arbeiten da hat mir jemand empfohlen eine Frau aus Salzburg [hustet] die ein Buchleihgeschäft gehabt Bücher- äh äh Bücherleihanstalt ein Geschäft und
[11:34] da hat man mir vorgeschlagen dass dieses Dame Frau (Kulka) wäre bereit mich als Angestellten zu nehmen und ich habe einen Schreibtisch bekommen und ich konnte mein Briefmarkengeschäft weiterführen aber der der Ertr- Ertrag des Geschäftes wurde in die Hälfte
[11:52] geteilt also die Hälfte war ihres und meines war eine ausgezeichnete relationship also sehr gut wir haben zusammen gearbeitet sie hat nicht interfered mit mir überhaupt nicht sie hat sehr große Verbindung gehabt ich musste keinen Stern tragen ich war wirtschaftlich
[12:07] wichtig für die economy of German Reich weil ich foreign currency hinein gebracht hab aus Schweden aus Liechtenstein und aus Finnland so das ist bis 42
[12:19] Ende 42 da bin ich ei- eines Tages nach Haus gegangen da wurde ich auf der Straße von einem Gestapo angehalten
[12:26] weil ich keinen Stern gehal- getragen hab und ich habe keine documentation gehabt da hat man mich einfach ins äh verhaftet ich bin auf die Polizei von dort am nächsten Tag bin ich in ein Transport nach Žilina Žilina war in der No- Slowakei in der Tatra
[12:42] äh nicht weit von der polnischen Grenze dort war ein Übergangslager von dort sind eigentlich die ersten Mädchentransporte in 42 abgegangen so hat man mich nach Žilina gebracht und Žilina war ein Lager unter der Hlinka-Garde and jeden Mittwoch ist dann
[13:01] ein Zug gekommen hat man das Lager gereinigt Leute sind direkt nach Auschwitz gegangen [hustet] und eines Tages wie mein meine Gruppe also nach an der Reihe war sind wir draußen gestanden beim vor dem Zug und ich bin rückwärts in der letzten Reihe gestanden
[13:19] war hohes Gras das war im Juli 42 und wie der Transport der abgegangen sind habe ich mich ins Gras gelegt habe mich niedergelegt alle Transporte abgegangen da waren noch keine Hunde damals haben waren die Slowake- die Slowaken haben keine Hunde gehabt die
[13:37] SS die Deutschen haben dann Hunde gehabt ja waren keine Hunde ich hab mich niedergelegt ins Gras der Zug ist abgegangen ich bin aufgestanden bin zurück ins Lager einfach ohne unbemerkt niemand wusste nichts eine Woche später sind wir dann wir sind täglich
[13:54] in die Arbeit gegangen da waren Gruppen of zehn bis zwölf junge Burschen wir sind in die Stadt gegangen in der Stadt haben wir ge- gegraben weiß ich nicht mehr genau was es war und am Abend sind wir zurück ins Lager da war ein ein Hlinka-Garde vor uns einer
[14:09] hinter uns und auf der Seite und so wir sind zurück ins Lager war schon Abend sind wir durch die Stadt da waren viele Leute ich bin einfach zurückgeblieben von der Gruppe of zwölf Jungen und wie sie weiter sind habe ich mich umgedreht zur Station gelaufen
[14:24] habe ich den nächsten Zug nach Bratislava genommen ich hab kein Geld gehabt keine documentation gar nichts ich bin in Pressburg angekommen und ich habe gar nicht bemerkt wie Glück was für ein Glück ich hatte ich bin zurück und ich hab gesagt »ich bin
[14:37] hier« der Frau (Kulka) Aigner Aigner war se (Kulka) Aigner Aigner war ihr Namen ich kann mich nicht einmal ihren Vornamen mehr erinnern und da hat sie mich hat sie mir verschafft neue Papiere und ich habe weitergearbeitet bis Oktober 44
[14:52] bis zur kritischen
[14:54] Nacht wenn dann Pressburg judenrein wurde und äh ja also wie das passiert ist im Oktober 44 Nacht nach Jom Kippur hat man alle Juden genommen ich bin in der Früh in die Arbeit gegangen bei uns wo wir gelebt haben wo wir gewohnt haben in diese Straße hat
[15:13] man die Leute nicht in der Nacht genommen man konnte ja nicht jeden nehmen so ich bin in in die Arbeit gegangen da seh ich columns of peo- äh Leute die mit machinegun SS auf die Station geführt wurden zur train Station und wie ich das gesehen hab bin ich
[15:31] auf die Polizei gelaufen hab ich meinem Freund gesagt »Arnost was helfen wie kannst du mir helfen« ich sag »ich kann dir nicht mehr helfen ich kann dir nichts mehr machen du musst dich verstecken« also so meine Familie ist zu Hause gewesen und das war
[15:45] mein ich hab keinen Kontakt mehr gehabt und also wie er mir das gesagt hat bin ich nicht mehr in die Arbeit gegangen sondern ich bin ins Kino wo wir in im Plafond ein eine Versteck gehabt haben ja einen Bunker und dort war schon vorbereitet ein stretcher wir
[16:03] haben gehabt lard also dieses lard wissen Sie was lard ist ist vom Schweine dieses dicke Fett ja der war vorbereitet das hat sich gehalten dort zum essen weil da haben wir ein Stück einen Tag gehabt dann später ja das alles was zu essen war war schon vorbereitet
[16:18] wir haben gehabt stretchers wie heißt denn stretcher auf Deutsch weiß ich nicht äh also wie man bei der Rettung hat die
[16:25] Tragen Bahren
[16:28] [gleichzeitig:] ja ja ja ja so und dort haben wir geschlafen dort sind wir dann ins Versteck im ins Kino gegangen
[16:33] ja da muss ich Ihnen dann komm ich wieder zurück was war denn das dort haben wir das vor- haben wir schon drei Monate früher vorbereitet gehabt
[16:42] vier Freunde falls etwas passieren sollte wir haben uns schon darauf vorbereitet im Falle man uns sucht dass wir eine Versteck gehabt haben und das war im Plafond eines Kinos das ist ja alles in meinem Buch äh dokumentiert und wir sind dann dorthin das ist
[16:59] ein Tscheche der der Operateur im Kino im im der die Filme gezeigt hat war ein Tschech der war ein Katholik und der wollte kein Geld von uns nehmen er hat gesagt wenn wir das überleben müssen wir katholisch werden ja das war sein Wunsch er hat uns geholfen
[17:14] nur dass ohne er wollte kei- wir haben ja kein Geld gehabt er wollte nichts nehmen der hat uns dort versteckt Drobny ich hab eine ganze history über diesen Drobny der war ein Tscheche und wir haben also in diesem Versteck in im äh Operations- wie heißt
[17:34] das wo der Film gemacht wirde ?
[17:36] Vorführraum
[17:39] ja Vorführraum da waren wir den ganzen Tag versteckt aber am Abend wenn der wenn die äh wenn der Film begonnen hat wenn die Leute wenn der Publiku- das Publikum gekommen mussten wir hinaus weil die die Be- die Jungen die dort gearbeitet haben wu- durften
[17:52] nicht wissen dass wir dort versteckt wur- waren
[17:54] [gleichzeitig:] das Kino war also noch in Betrieb ?
[17:57] das Kino war in Betrieb da war jeden Tag drei Vorstellungen fünf bis sieben sieben bis neun neun bis elf so wir sind in einer Loge gesessen da war ein Vorhang den Vorhang hat man zugemacht und wir sind dort gesessen jeden Tag sechs Stunden und after after
[18:10] einer nach einer Woche haben wir selbst den Film gespielt ja während des Tages wir wussten schon genau was los war
[18:16] können Sie sich an die Filme erinnern ?
[18:18] unmöglich das ka- hat man mich schon oft gefragt das sind gewisse Sachen an die ich mich nicht erinnern kann die mir nicht im Gedächtnis geblieben sind da waren viel mehr wichtige Sachen als der Film für uns ja der das größte Problem natürlich war außer
[18:34] dem Essen war das Wasser und das größte Problem also komm ich jetzt etwas weiter war die Toiletten ja also ohne Klosett wir waren drei Jungen und ein Mädchen so das human waste also to get rid of the human wa- war das größte Problem da haben wir festgestellt
[18:54] dass neben uns in in diesem Kino war eine Musikschule für junge Zigeuner Musikschule ja only Zigeuner haben dort gespielt und am Abend jeden Abend um sieben Uhr sind fünf bis sieben war die Musikschule und wenn diese Jungen aus der Schule gegangen sind sind
[19:11] sie mit ihrer Violine auf die Straße so haben wir einen Jungen approached dort und der hat uns seine Violin case seine Violin- äh -kassette oder wie das heißt äh geborgt und wir haben dort den human waste hinein gegeben und einer von uns ist mit ihnen
[19:26] hinunter auf die Straße hat das dort weggelegt und wieder zurück ins Versteck so haben wir gelöst unser Problem die Leute verlangen schlafen Essen Wasser Essen ohne ohne Essen können Sie drei Tage vier Tage leben aber ohne Toiletten ist unmöglich zu leben
[19:41] in einem Raum mit vier Leuten so das was eines unserer größten Probleme bis dann eines Tages eine Bombe hineinge- die Engländer sind die Engländer sind über Wiener Neustadt vom Süden von Italien hinauf nach Pressburg weil in Pressburg war eine eine äh
[19:59] Benzinfabrik bombardiert und eine Bombe ist ins in Kino next in in den nächsten Raum wo wir gesess- versteckt waren hineingefallen ne Fünfzig-Kilo-B- 500-Kilo-Bombe also Fünfzig-Kilo-Bombe und die ist im Plafond hängen geblieben nicht explodiert also das
[20:16] war das war dann wir mussten evakuieren die deutsche die die deutsche Armee hat das dann äh übernommen wir mussten wir weg und aus dem aus diesem Versteckraum da hat uns diese Drobny einen anderen Zimmer eingesperrt bis dann die Bombe gecleared war und von
[20:36] dort sind wir dann über Nacht hinaus in ein anderes Versteck
[20:39] das Versteck war in einer Fabrik wo einer von uns äh den Portier gekannt hat sind in der Nacht dorthin und haben ihn ersucht uns dort über Nacht übernachten zu lassen hat er gesagt wir können
[20:55] nicht hineinkommen weil die Gestapo ist gekommen sucht für Juden jeden Tag er wollte das nicht riskieren aber er hat uns a- vorgeschlagen dass wir in einen Kanal gehen es war Weihnachten war 24ster oder 25ster Dezember warum ich das Datum weiß weil Weihnachten
[21:12] war natürlich 24ster 25ster Dezember und hat uns vorgeschlagen wir gehen in den Kanal so in den Kanal bei Nacht waren sehr viele Ratten und die Ratten wenn sie wie wir schlafen eingeschlafen haben die Ratten unsere Nägel gegessen ja und das war furchtbar
[21:26] große Ratten so den nächsten Tag haben wir hinauf äh gerufen er soll uns helfen jetzt ist Weihnachten jetzt wird nichts passieren er soll uns in seine Wohnung lassen bis wir einen neuen Bunker finden also Bunker wissen Sie war ein Versteck ja einen neuen
[21:43] Bunker finden ich habe eine eine ungarische äh eine ungarische sch- äh äh Briefmarkenhändlerin in Pressburg die Frau S- ach Sekeres ja Frau Sekeres hat die geheißen ich kann mich noch den Namen erinnern die hat uns vorgeschlagen sie kennt einen Detektiv
[22:03] bei der slowakischen Polizei seine Frau hat eine eine Fabr- Hemdenfabrik wo Hemden für die deutsche Wehrmacht gemacht wurden und sie hat uns vorgeschlagen [hustet] dorthin äh ja durch ihren Mann ihren Mann bei der Polizei bei der Geheimpolizei slowakisch
[22:24] Polizei also der hat das für uns arrangiert dass in dieser Fabrik wo man die Hemden gemacht hat wurde eine Mauer aus Holzmauer eingesetzt ich glaube acht oder zehn Meter rückwärts ja und äh unten war ein ein kleines Öffnung dort hat man uns bei Nacht
[22:43] Essen so ja die sind alle dorthin vom diesen von dieser Fabrik wo der Kanal war sind wir dann in diese Fabrik gegangen und ich nächste Woche bin ich dort dann schau ich mir das wieder an und da dort war also das einzige Problem war dort dass wir bei Tag
[23:01] nicht reden durften mussten wir schlafen weil dort die Arbeiter gearbeitet haben mussten wir so in der Nacht konnten wir uns bewegen und in der Nacht dürfen wir nur in der Nacht die Toiletten benützen aber dort waren schon außer uns vier waren noch vier
[23:15] (sie werden) dann sind acht Leute geworden in diesem Bunker ja so in der Nacht ist das Wasser gegangen so der caretaker der der dort das verwaltet hat hat das Wasser gehört laufen hat er da glaubte er dass die etwas ist wrong mit der plumbing ja hat er den
[23:36] Installateur gerufen dort hat man uns gefunden der hat in der Nacht dann äh die Hau- Gestapo headquarters in Pressburg sind vier SS-Leute gekommen hat man uns dort verhaftet alle uns hinauf marschiert nach zum Hauptquartier der Gestapo ich hab falsche Papiere
[23:54] [gestikuliert] unterm Arm versteckt gehabt hab ich alles weggeworfen auf m Weg weil wie ich z- zur Gestapo gekommen jeder hat mich gekannt ich war sehr bekannt in Pressburg und wir haben auch Geld bekommen wir haben Geld gehabt da war einer Frank ein Pole
[24:07] ein Jüde die Juden haben erst nach dem Krieg festgestellt der hat als Arier gelebt der hat unsern Versteck gekannt der hat der underground hat das Geld dann verteilt die Leute die die im Bunker waren und hab ich auch Geld gehabt ja US-Dollars und das haben
[24:22] wir mit (cellophane) unter Arm versteckt gehabt und das hab ich alles weggeworfen auf dem Weg wenn wir zur Gestapo gekommen bin steht dort Hauptsturmführer Holderer der sagt mir »Maxi leben bist du auch schon da« sag ich »ja um Gottes Willen« hab ich
[24:37] gar nicht mehr ein Freund von mir der war der größte hat mit einer Peitsche und mit Stiefeln gestanden der hat jeden fast totgeschlagen mich hat er nicht angerührt sagt er zu mir »wo sind deine Eltern ?« sag ich »du weißt doch meine Eltern sind schon«
[24:49] ich hab per du »du weißt doch wo meine Eltern sind« sagt er »verschwinde !« hat er mich jemand genommen in eine Zelle genommen hab ich ihn nie mehr gesehen und so war so bin ich auf der Gestapo gewesen ich glaube drei vier Tage
[25:01] und von dort sind wir dann
[25:04] nach Sered in Sered das Datum weiß ich natürlich nicht mehr in das Datum war wahrscheinlich zweite Woche zehnten achten und neunten Jänner 1945 also wir haben gehört dass Auschwitz wurde schon befreit und wir die Befreiung durch keine Transporte die letzten
[25:24] Transporte sind im Oktober direkt nach Auschwitz so wir die Häftlinge die in Sered waren wurden dann alle Transporte sind dann gegangen nach Sachsenhausen weil die meisten äh Konzentrationslager im Osten waren schon ei- entweder befreit oder fast vor der
[25:43] Befreiung so dann hat man die Frauen hat man genommen nach Oranienburg wo war das Frauenlager weiß ich nicht ich glaube Oranienburg
[25:51] [gleichzeitig:] Ravensbrück
[25:53] [gleichzeitig:] O- Oranienburg ja
[25:55] wahrscheinlich Ravensbrück
[25:57] [gleichzeitig:] ah Ravensbrück stimmt ja ja genau Ravensbrück das wussten wir ja nicht wir wussten weil wir waren ja nur Männer jetzt war das folgen wir waren we- ziemlich wenig waren nicht mehr viele Juden sondern hauptsächlich slowakische Partisanen
[26:11] now da war eine Gruppe von dreißig slowakischen Partisanen und der Priester in der katholischen Kirche der sie dort versteckt hat dieser Prie- a junger Mann ich weiß nicht mehr hat mich jetzt fes- wollte feststellen ob ich mich erinnern kann ich habe keine
[26:25] Ahnung sein Alter und seinen Namen weiß ich nicht ich weiß nur ich kann ihm sehen mit einer schwarzen Kutte und mit einer schwarzen Haube und er hat immer mit der rosary gespielt ja und [hustet] wir sind dann [hustet] nach ein paar Tagen in einen Transport
[26:43] der Brunner war dort und der Brunner hat uns eingeteilt in einen Transport und wir wussten nicht wohin wir gehen mit den Partisanen zusammen also wir sind dann nach nach äh Sachsenhausen gekommen jedoch der underground in Pressburg war eine eine Bäckerei
[27:01] und diese Bäckerei waren jüdische Häftlinge die haben jede jeder Waggon mit Häftlingen hat einen Sack mit zwölf runden Brö- Brot bekommen ja auf den Transport und in manchen dieser Brote war entweder eine Feile oder ein Hammer oder ein sch- ein eine
[27:21] Zange einge- ein in in den Brötchen ja also in unseren Transport war ein einer dieser ja und so wie wir bevor der Transport noch au- abgegangen sind haben wir schon geplant wie wir da hinauskommen ja da war mit uns einer der hat gesagt er will unbedingt hinaus
[27:40] und wir konnten nicht durch die kleine Öffnung weil dort waren äh Stahlfe- äh -fenster so mussten wir den Boden auf- aufmachen irgendwie und versuchen so zu entkommen äh was war sein Name er lebt noch der Mann der dann hinaus gesprungen ist ganz interessante
[28:04] story ich werde mich an den Namen ja ich glaube der ist in meinem Buch äh das können Sie dann feststellen sowieso also dieser Mann ist zwischen Neutra und auf dem Weg nach Deutschland wenn der Zug lan- es war eine sehr gefährlich weil wenn der Zug im im
[28:24] Gange war wenn sie unten hinaus konnten wenn sich auf den diese Hölzer de- wo die Schienen war wenn sie das drauf gefallen sofort tot also der Mann hat das überlebt ich wusste das nicht das nur der eine der aus dem Tr- Transport gesprungen ist und we had
[28:45] wie wir angekommen sind da war einer f- nicht da und man hat überall gesucht weiß ich nicht mehr was dann passiert ist jedenfalls war ein Häftling schon war eine große Untersuchung aber wir haben damit wir wussten ja gar nicht was da los war
[28:58] waren Sie in Häftlingskleidung zu dem Zeitpunkt ?
[29:01] [gleichzeitig:] nein nein nein nein nein nein in Sered war ganz normale Kleidung bis Sachsenhausen war alles nur normale Kleidung jetzt die ganz interessante story ach Gottes Willen den Namen kann ich mich jetzt nicht erinnern ganz interessante story eines
[29:14] Tages in Melbourne in 1952 habe ich einen Freund gehabt aus Tirnau der auch nach Australien ausgewandert ist und da komm ich zu ihm nach Hause da seh ich ein Mann wäscht ein car wascht seinen car sein sein sein Auto sag ich »um Gottes Willen das bist du«
[29:34] sagt er »ja ich bin auch hier« dieser Mann der raus gesprungen ist er war aus Neutra ganz interessante Geschichte der hat das überlebt der hat dann eine Stewardess geheiratet von einer Airline eine Schweizerin aber das j- das ist von keiner großen Bedeutung
[29:53] jedoch also wollte ich genau wissen ja wie ich mein Buch geschrieben hab sag ich »kann ich dich da nennen ?« sagt er er will nicht er will seine Kinder nicht er wollte auch darüber nicht sprechen er wollte seine Kinder sollen darüber nichts wissen sag ich
[30:09] »bitte ich muss ja das du musst mir sagen ich schreib was ich weiß« also jedenfalls der Mann hat das überlebt und das war Folgendes warum ist er denn ins Lager er war Halbjude sein Vater war jüdisch seine Mutter war nichtjüdisch und sie hat als zweite
[30:24] Ehe ihren seinen Vater geheiratet so es war eine gemischte Familie seine zwei Brüder waren Arier er war Halbjude so wie die jüdischen Gesetze gekommen sind wollte er wollte seine Mutter ihn irgendwo anders unterbringen weil wenn sie ihn gefangen hätten
[30:40] hätte man vielleicht die andere Familie genommen so dieser Mann wurde dann gefangen und als Halbjude ins Lager gebracht und äh hat das überlebt so das ist eine dieser kleinen sidestories die ich darüber erzählen kann so jetzt kommen wir zurück nach
[30:58] Sachsenhausen
[31:00] wir kommen an in Sachsenhausen das Datum weiß ich nicht da hab ich schon verloren w- wo einmal wenn man im Lager war wusste man nicht mehr die Tage und die Zeit
[31:07] aber es war kalt es war noch im Winter
[31:10] es war scho- noch kalt ja ja Winter es war noch kalt aber das daran kann ich mich nicht erinnern ob aber wir waren jung hat keine Rolle gespielt also bei Ankunft ins Lager hach
[31:21] kannten Sie irgendjemanden noch war auf dem Transport ähm ein Bekannter von Ihnen dabei die mit verhaftet wurden ?
[31:28] ja ja ja woll natürlich Donebaum der hat das mit uns zusammen überlebt ja der im Todesmarsch war natürlich ja die anderen ich kann mich wahrscheinlich zwei Leute ja aber diese Detaile kann man sich nicht mehr erinnern und ich versuche genau als möglich
[31:42] mich zu erinnern ich habe bevor ich mein Buch geschrieben habe hab ich zwei Jahre daran gearbeitet und ich habe mich daru- ich war sicher da was ich im Buch geschrieben habe stimmt genau und so weiß ich gewisse Daten genau anderes kann ich mich einfach nicht
[31:55] erinnern und ich mache gern nicht ein Versuch nützt ja nichts also kommen wir zurück nach Sachsenhausen ach [hustet] ah an die Ankunft am Appellplatz »alle Häftlinge antreten [hustet] ausziehen alles aus« also in die shower hinein und wir wussten äh
[32:17] dass in Sachsenhausen keine Gaskammern waren das wussten wir [hustet] jedoch war- nackt ausziehen eine Seite hinein shower auf der anderen Seite hinausgegangen einfach alles verloren haben einfach Häftlingskleidung bekommen haben wir einfach genommen jedes
[32:34] hat keine Rolle gespielt welche Größe das war was sie bekommen haben sie genommen und meine Nummer 125559 und so von Stern bin ich 159 Häftlingsnummer hundert- äh hundertfifty hundertfift- fünf 25925 war ich Häftling so und so und wir sind dann auf den
[32:56] Appellplatz gekommen da ist der Hauptsturmführer gekommen die neuen Häftlinge zu inspizieren und der Priester hat seine ja das weiß ich nicht wieso aber der Mann war noch in seiner Kutte ja in einer schwarzen Kutte und hat mit dem rosary gespielt und der
[33:14] Hauptsturmführer hat das gesehen hat das aus der Hand genommen auf die Erde geworfen er hat den Fuß daraufgelegt so der Priester hat sich nieder gebückt wollte das aufheben hat er seinen Revolver genommen und hat ihm ins Genick geschossen sofort tot also
[33:28] das war unsere Einführung ins Lager das war der Anfang eines dehumanizing process war einfach sprachlos ja
[33:37] so von dort sind wir dann in die Baracken einge- ich glaube meine Baracke war Nummer 46 aber das weiß ich nicht genau das spielt auch keine Rolle äh
[33:49] die Hauptsache dass ich mich erinnern kann das ich war in der Baracke mit Donebaum und noch einer ach kann ich mich auch ja der Name der hat interessanterweise auch nach Melbourne gekommen der ist auch schon gestorben und so hat das nach zwei Tagen sind wir
[34:07] Appellplatz war keine Arbeit wir sind nicht zur Arbeit gegangen in Sachsenhausen sondern alle Häftlinge antreten auf dem Appellplatz also je nach ihrer ihrer äh Beschäftigung was man hat gesucht plumbers Maschinen schreiben welche Schneider hairdresser
[34:24] und die Leute haben sich gemeldet und mein Freund der neben mir gestanden ist »melde dich nicht wir warten ab sehen was sich da tut ja« wir haben sich nicht gemeldet ich war in Sered war ich als Zeichner Beschäftigungszeichner in Sachsenhausen habe ich
[34:39] keine Beschäftigung angegeben so nachdem man alle die Leute selektiert hat manche sind in Fabriken gegangen sind wir ungefähr 300 Häftlinge geblieben und die Häftlinge sind dann nach Lichtenrade [räuspert sich] in Lichtenrade war ein Lager mit ich glaube
[34:55] 3- bis 400 Häftlingen und äh da sind wir täglich zur Arbeit gegangen wir sind Straßenbahnen da waren schon keine Fenster mehr alles bombardiert in der Früh um fünf Uhr dreißig oder sechs Uhr sind die Straßenbahnen vorgefahren sind die Häftlinge hinein
[35:10] da war ein Posten in der front und einer in in rückwärts mit einem Gewehr und so sind wir dann jeden Tag nach Berlin wo jetzt in der Jeru- Leipziger Straße Jerusalemer Straße war ein Sammelort wo die große Synagoge ist weil Leipziger Straße war das oder
[35:28] wie heißt das hier ach
[35:30] die die Synagoge in Berlin ?
[35:32] [gleichzeitig:] ja ja
[35:34] Oranienburger Straße
[35:37] [gleichzeitig:] Oranienburger Straße ja Jeru- Oranienburger Straße in der Oranienburger Straße vis-à-vis ist noch der Park ist noch da in diesem Park hat man die Häftlinge versammelt und von dort sind dann kleine Gruppen hinaus in die Stadt zur Arbeit
[35:44] und dort dort sind wir gesessen bis man uns dann eingeteilt hat so jeden Tag in der Früh sind wir dort angekommen und abends zurück ins Lager nach nach Lichtenrade und
[35:54] das war ja schon das Berlin ähm zum Ende des Krieges was haben Sie wie haben Sie das erlebt äh
[36:02] [unterbricht:] oh ja ja now das ka- ja ja da kann ich Ihnen noch viel erzählen von Berlin ich weiß genau am 15ten Februar 1945 nachdem man Dresden bombardiert hat die Flugzeuge die aus Dresden zurückgekommen sind die haben noch Bomben gehabt und die haben
[36:16] sie in Berlin abgeworfen und da war ein großer Fliegeralarm wahrscheinlich so kann ich mich erinnern 500 Flugzeuge die aus Dresden das war der größte Bombenangriff im Feber 15ten Feber 1945 da haben die die Ameri- ach Amerikaner waren das der Amerikaner
[36:34] bei Tag die Engländer bei Nacht oder verkehrt da kann ich mich auch nicht mehr erinnern jedoch haben sie das Berlin größte Bombenangriff so hat man uns vom Lager hinaus wenn da ein Bombenangriff war die Häftlinge sind zuerst in in ein Bunker gegangen zu
[36:49] protecten dass wir nicht entlaufen konnten gleich nach dem Fliegerangriff hat man alle Häftlinge in die Stadt genommen und haben wir dann Aufräumungsarbeiten gemacht da haben wir viele Tote gefunden einfach einen Lastwagen hinauf geworfen und das war das
[37:03] furchtbarste Erlebnis das ich im Lager das war noch während der Lagerzeit und das war von dort sind wir dann zurück nach Lichtenrade und in Lichten- ich bin war war sind wir dann eines Tages bei der Spree in der Spreehafen da war ein Schiff mit Zucker und
[37:25] das wurde bombardiert und das versunken hat man die Häftlinge genommen nach zum diesen Schiff das Zucker den Zucker hinaus zu bekommen ja und da waren das kann ich mich genau erinnern da haben die Leute gewohnt vis-à-vis waren große (flat) Häuser und da
[37:40] hat man uns Brot hinunter geworfen hat ein SS-Mann genommen sein Maschinengewehr hinein geschossen zu den Deutschen Fenster die uns das Brot geworfen haben das war im März 45 das war unglaublich damals ganz unglaublich so ein anderes Mal ein interessanter
[37:59] Fall da haben wir mancher unserer Gruppen haben in einem Keller gearbeitet in einem bombardierten Haus da haben sie eine Flasche Wein gefunden der Häftling hat das getrunken war betrunken ist ohnmächtig geworden ist dort geblieben so wir sind ins Lager zurück
[38:14] da Mann gefehlt da war Befehl vom Kommandanten auf dem Appellplatz mussten wir stehen und jeder bei Nummer Endung mit Nummer fünf musste austreten in drei Stunden wenn der Mann nicht gefunden wird jede Stunde wird einer erschossen [räuspert sich] wir wussten
[38:32] natürlich nicht was los war keine Ahnung gehabt was da los war so sind wir dort gestanden und ich war 125 525 und der Mann der neben mir gestanden ist sag ich nur ich musste austreten ich wüssten ja nicht was los war also zum Glück äh natürlich hat man
[38:51] den Mann dann dort gefunden er hat zurückgebracht ins Lager und da ist nei- niemand wurde erschossen wir alle zurück in die Baracke
[38:57] das war ein anderes Erlebnis natürlich damals hat das ja keine Rolle gespielt der Tod war ja keine Strafe der Tod war eine
[39:06] Erlösung ja das war im Todesmarsch die Leute sind freiwillig ausgetreten sich erschießen zu lassen das kann ich Ihnen das kann ich heute niemanden erzählen wenn sie freiwillig austreten sich erschießen zu lassen das heißt das war eine Erlösung für uns
[39:22] das können kann man heute niemand mehr verstehen ja das war zum Todesmarsch jetzt komm ich schon zum Todesmarsch ach nach zwei Tagen nach drei Tagen ohne Essen alles wurde zu schwer ja da hat man erst den Jacke weggeworfen dann die Schuhe man konnte nicht
[39:40] mehr tragen da sind viele Leute dann ausgetreten man nieder gekniet Genackschuss (__) aufgeladen und sind weiter gegangen hat keine Rolle gespielt den erste Nacht vielleicht zehn oder zwanzig von unserer Kolonne und dann so jeden Tag ein paar Leute [räuspert
[39:55] sich] so sind wir immer weniger geworden und dann a- auf dem Weg haben wir gefunden ein Feld dort waren Kartoffeln und eine Scheune und da sind manche Häftlinge gelaufen haben Kartoffeln genommen und die SS haben dann die Leute erschossen [räuspert sich]
[40:11] die ausgetreten sind um Kartoffeln zu nehmen [räuspert sich] dann sind wir in ein in eine Farm wo wir 200 Leute oder wie viel in einer Scheune zum Schlafen gegangen sind in der Nacht wir haben ungarische damals schon ungarische Posten gehabt die in kei- keine
[40:32] SS sondern ungarische SS und ich habe Ungarisch gehört sprechen sag ich einem dem Posten outside ob ich kann helfen in der Küche für die Truppen die Kartoffeln schälen da hat er mich ausgesucht und haben drei von unseren Burschen in die Küche gekommen
[40:46] so konnten wir die Kartoffeln die wir geschält haben [gestikuliert] die Schale haben wir in in den in den ins Hemd gesteckt und so haben wir zu essen gehabt dann wenn wir zurück und äh von dort von dieser Scheune sind wir dann weiter marschiert jeden Tag
[41:02] ein paar Kilometer bis wir dann nach Below gekommen Below da da war das Konzentration- die Konzentration aller Häftlinge die von verschiedenen Seiten hinauf vom Sachsenhausen von Berlin hinauf nach Below auf dem Weg nach Parchim so wir waren in dem Belower
[41:22] Wald und im Belower Wald war schon so schlimm dass die deutschen Truppen kein Essen mehr gehabt haben so wurde ein Vereinbarung getroffen mit den dänischen ach weiß nicht dänischen oder schwedischen no dem dänischen Roten Kreuz dass Pakete durften verteilt
[41:37] werden an die deutsche Armee nur wenn auch die Häftlinge bekommen die haben das das Rote Kreuz hat das so arrangiert so der Vereinbarung war ein Paket Essen an die Wehrmacht ein Paket an drei Häftlinge so drei Häftlinge ich kann mich genau erinnern wie
[41:54] wir angestellt waren in der Nacht mit Scheinwerfer im Wald im Belower Wald wie die weißen Roten Kreuz [weint] ja so war es so haben wir drei Häftlinge ein Paket bekommen in diesem Paket waren dann Fleisch Butter Käse alles was man nicht essen durfte
[42:30] die Russen haben das gegessen den nächsten Tag tot wir haben das aufgeteilt haben wir versucht mit dem Posten Brot auszutauschen da hab ich einem Posten gesagt »Posten ich hab ein eine tin mit Fleisch ich brauch ein Stück Brot« sagt er »geh austreten
[42:47] leg das unter den Stein wenn du zurückkommst hast du ein Stück Brot da« hat mir ein deutscher Soldat gesagt Posten so austreten bin zurück haben wir ein Stück Brot bekommen so haben wir das eigentlich überlebt sonst wären wir auch [bewegt] sonst wären
[43:03] wir auch tot dort gestorben so
[43:06] ach so im Belower Wald war es dann so dass äh ich weiß nicht vier Tage oder fünf Tage eines Morgens sind wir erwacht da war schon nur die Maschinengewehre im im Wald und keine Posten mehr sag ich »Oskar let's go come out
[43:25] geh out auf die Straße« wir haben die die Bauern dort haben uns gesagt die Russen sind so 15 Kilometer die Amerikaner kommen vom Lübeck von ne Lübeck ah ja ja Parchim äh war ich glaube Lübeck war das ja wo der Hafen war Lübeck ja dort waren die Schiffe
[43:43] dort hat man die Häftlinge genommen und dort wollten sie uns versinken ja wir waren auf dem Weg nach Lübeck so die die die Farmer die Bauern haben uns gesagt es dauert schon nicht mehr lange weil die Amerikaner kommen die Russen vom Süden also es kann nicht
[44:00] mehr lange dauern so w- sind wir aus dem Wald hinaus und auf die Straße gegangen mit meinem Freund Oskar kann ich mich genau erinnern habe ich eine tin eine Dose gefunden habe ich dann ausgeleckt inside the »ess das nicht kannst dich vergiften« ich kann
[44:13] mich genau erinnern nach ein paar Minuten ist ein russischer Tank gekommen im attack schnell schnell gefahren sind wir hinaus haben die Russen aufgehalten haben die denjenigen gesagt wir sind Tchechoslowaken wir sind Häftlinge und die Russen haben das nicht
[44:26] glauben wollen die Russen war die Schukows Armee Marschall Schukow der Prag befreit hat und die Russen haben dann ein großes Willkommen gehabt bei von den Tschechen wenn wir gesagt haben wir sind Tschechoslowaken haben sie und umarmt sind wir auf den Tank
[44:40] der Dach der die Deutschen folgt hat sich umgedreht hat uns genommen nach Crivitz in Crivitz sind wir angekommen ich hab gehabt also Läus lice und typhoid haben ins russische Armeespital genommen dort hat man uns [bewegt] dort hat man uns mit DDT bespritzt
[45:05] und wir haben typhoid gehabt und dort hat man uns Reis gegeben und wir waren im Spital nach äh ich war Oskar mein Freund Oskar war nicht im Spital sondern er war in Crivitz irgendwo und ich hab mich nach drei Tagen bin ich aus dem Spital weg hab mich mit
[45:22] Oskar getroffen haben wir ein sind wir ein deutsches Haus gegangen wir haben gesucht ein Haus wo wir übernachten konnten wo etwas zu essen waren die Leute dort war Amtsgerichtsrat Gehrke das kann ich mich genau erinnern wir sind in ein Haus hinein und ich
[45:36] weiß wie ich in das Haus jetzt wenn ich nach Crivitz fahr und ich weiß genau wo es war haben wir oben in Ecke gehabt ein ein Zimmer da hab ich eine Vas- weiße Fahne hinaus gesteckt da haben die die Russen nicht hinein lassen wir haben die Frauen beschützt
[45:51] eigentlich ja wie ich das erfahren hab ich hab den Amtsgerichtsrat Gehrke den Namen werde ich nie vergessen der war auch ein Briefmarkensammler er war der Amtsgericht- und sein Sohn waren beide irgendwo in Russland und die Frauen waren allein so die Frauen
[46:05] haben uns da waren zwei Damen und die haben uns dort auf oder aufgenommen und wir haben aus dem Keller gegessen also eingesottenes Obst und Frucht und das also Essen bekommen
[46:18] so waren wir in Crivitz da ist ein Verordnung gekommen von der russischen Kommandantur
[46:23] dass alle Häftlinge müssen sich versammeln die Transporte aus Osten gehen mit Transporte zurück nach Europa sag ich »Oskar ich geh in keinen Transport mehr« wir haben Deutsch gesprochen »wir wir gehen nicht mit den Russen unmöglich« ich kann ich wollte
[46:39] nicht mehr in einen Transport gehen so was können wir machen da haben wir einen Wagen gefunden und wir brauchten ein Pferd die Russen haben alle Pferde genommen versammelt in einem großen Ort ja wo ein zwei russische Soldaten auf hunderte Pferde Acht gegeben
[46:54] haben sag ich »Oskar wir gehen dorthin dort sind alle Pferde und wir versuchen ein Pferd zu bekommen für den Wagen um nach Hause zu kommen« so der Oskar hat mit einem Russen gesprochen ich hab ein Pferd gesucht hab ich ein Pferd ausgesucht war ein best
[47:09] schönes Pferd gewesen da hab ich das Pferd genommen hab ich das zurückgebracht nach Crivitz also in die Stadt und haben es also vorspannen wollen in einen Wagen aber das war ein Reitpferd [lacht] das war kein Pferd für das wu- ich habe keinen Unterschied
[47:24] ich habe a schönes Pferd gesehen habe ich ein Pferd genommen sag »der ist unmöglich der kann nicht in einge- in einen Wagen goen« so haben wir das Pferd zurück ausgetauscht auf ein schweres Pferd so wir haben eine weiße Fahne hinaus gehangen wir sind
[47:36] Deutsche wir gehen nach Hause so die Russen haben uns zurückgelassen als Deutsche ja wir haben schon äh keine wir haben schon Zivilkleider gehabt wir documentation hat es nicht existiert so sind wir als deutsche Rückkehrer nach Haus nach wir sind nach
[47:54] Süden wir wollten nach Spandau wir haben gehört Spandau ist die russische das russische Hauptquartier so sind wir täglich zehn bis 15 Kilometer marschiert ich hab immer gesucht eine Farm wo eine wo wo Kühe waren dass wir Milch oder Hühner mit äh mit
[48:11] Eier so kommen wir in eine große in ein großes Bauernhof und da waren Hühner und Kälber und Kühe sag ich »Oskar da müssen wir bleiben« so sie gehen wir zu dem Bauern sag ich »wir wollen dein Zimmer wir müssen über Nacht bleiben« sag ich »können
[48:25] nicht russische Hauptkommando ist hier der russische General lebt hier Sie können da nicht rein« sag ich »mich interessiert d-« da war niemand da ja ich glaube ich habe geglaubt dass die uns das nur so erzählen ja also wir bleiben hier wir gehen in ein
[48:37] Zimmer schlafen in der Nacht kommen drei Tanks hinein in den Bauernhof wir haben gehört sag ich »Oskar wir haben ein Problem« sag ich »was ist das ?« »die Russen sind jetzt da« wir auf der Erde geschlafen ich kann mich erinnern der Offizier ist gekommen
[48:51] mit einer Batter- mit einer Lampe hat uns beleuchtet wir sind aufgesprungen haben gesagt »wir sind Häftlinge wir wollen da schlafen« hat er gesagt »was brauchen Sie ?« »wir brauchen Essen« sagt »bleiben Sie nur da« sagt »bleibt nur da ich werd euch
[49:07] Essen mitgeben wenn ihr könnt morgen weiterfahren« so haben wir das überlebt wir wussten nicht was da los war
[49:14] ja da sind wir auf dem Weg nach Hause in einem Dorf weiß ich nicht genau wo das war bei ner Bank vorbei und die Russen haben alles Silber und
[49:23] Gold alle Münzen genommen aber das Geld war alles auf einem großen Haufen Tausendmarkscheine sag ich »Oskar weißt du was Oskar« wir haben diesen Wagen gehabt wir wollten nur essen überall Brot essen »aber nimm das Geld was etwas muss es schon wert sein«
[49:37] haben wir zwei Säcke genommen haben Tausendmarkscheine in den Wagen hinein gegeben und so sind wir dann weiter gegangen auf dem Weg nach Hause kommen wir in ein Dorf da hat man gesagt es gibt schon einen Markt da verkauft man Kohlrüben so sag ich »Oskar
[49:52] nimm eine äh das Geld wir gehen auf den Markt vielleicht können wir dort was kaufen« da komm ich hin there wie hat man Kohlrüben verkauft eine Mark fünfzig hab ich dem Markt eine Tausendschein gegeben Tausendmarkschein gegeben sag ich »behalten Sie ich
[50:06] brauch kein Geld« der hat mir die Hand geküsst hat er nicht glauben wollen [lacht] wir wussten nicht dass das Geld noch etwas wert war im Süden war es noch etwas wert ja and so sind wir dann weiter bis wir dann einen Bauernhof gekommen hab ich gehört
[50:20] äh Hühner eh eh eh Hühner waren dort sag ich »Oskar lass lass mich aufsteigen« hat mir die Hand gehalten ich nehm seine Hand bin hinüber gesprungen über den fence seh ich ein Huhn läuft hinein nehm ich ein Stock lauft wollte das Huhn erschlagen kommt
[50:33] eine Frau hinein »Hilfe ! Hilfe ! Räuber« sag ich »wir sind keine Räuber wir wollen nur ein Huhn haben was kostet das« sagt sie »dreißig Mark« sagen sie »haben Sie tau- fünftausend Mark« [lacht] die wollte das nicht glauben also so haben wir zu essen
[50:44] be- das war unglaubliche ein unglaubliches Erlebnis das homecoming ja war ein ganzes könnt ich zwei Bücher schreiben was da war ja wir sind nach wir sind nach Spandau gekommen in Spandau war die russisches Hauptquartier jeden russische wo wir sind vorbei
[51:04] bei den Russen wollten wir nur essen wir wollten Brot wir haben dann so viel Brot gehabt wir konnten das gar nicht essen ja wir wollten nur essen essen so kommen wir zum Hauptquartier in Spandau und wir wollt- gehen hin zum äh zum russischen Kommandantur
[51:20] da stehen zwei Soldaten mit Maschinengewehr »halt was sollen Sie ?« sag ich »wir sind wir sind wir wollen den Kommandant« wart einen Moment da kommt eine Frau und schreit »ja wir wollen den Kommandanten man hat uns vergewaltigt« da sagt der eine äh Soldat
[51:36] da sagt er auf Jiddisch sagt er » (nu was soll ich hin tin geht daheim) « gehen Sie nach Hause sag ich »you're jewish ? Sie sind Jude Jude« sagt er »ja« sag ich »wir sind von Lager« sagt er »was brauchen Sie ?« »wir brauchen irgendwo zu schlafen und
[51:49] etwas zu essen« da nimmt er uns in ein irgendein Haus und dort haben wir dann übernachtet da kann ich mich erinnern und da war ein Garten da waren schon Erdbeeren haben wir Erdbeeren gepflückt das war schon im Mai Juni Anfang Ende Mai Anfang ah ja Anfang
[52:06] Juni Anfang Juni
[52:09] und da dort haben wir dann äh gehört dass es geht ein Zug jeden Tag eines in den morgens geht das hinunter auf die tschechische Grenze und am Abend kommt das zurück nur ein ein Bahn war da waren offene Waggone da sagt jemand Sie können
[52:26] über wie heißt das wo ach ein Hafen auf dem Weg in die Tschechoslowakei wir wollten nur nach Hause und äh da sind wir auf einen Zug so einen offenen Zug und da waren da sind Leute gestanden das war kein normaler Transport sondern offene Waggone ja und
[52:48] so sind wir dann über die Grenze nach Prag und in Prag sind wir angekommen haben nichts gehabt wir wussten nicht was zu machen da geh ich auf die Straße da finde ich einen englischen Soldat auf der Straße in Prag wir konnten wir wussten nicht wo wir schlafen
[53:04] werden was wir machen können wir hätten keine ID wir haben nichts gehabt keine identity cards der Oskar und ich und gesagt wir brauchen irgendwo zu schlafen dann treffe ich einen Mann dann sagt er zu mir sagt »Maxi« sag ich »wer bist du ?« sagt er »ich
[53:18] bin Mano« »Mano ? Mano ? Mano ?« Mano Unreich aus Pressburg der war in der achten Armee der ist aus Palästina über Tobruk nach (Sher Bruk) von (Sher Bruk) nach Prag er ist dann für die UNRRA gefahren er war ein driver er hat für die UNRRA gearbeitet als
[53:35] britischer Soldat da sag ich sag ich »du Mano wir brauchen irgendwo zu schlafen« sagt »kein Problem komm mit mir wir gehen auf den Václavské náměstí hier in Prag wir nehmen dich zu dem Hotel wir haben ein Zimmer für dich kein Problem ich bezahle
[53:50] das« so kommen wir zur zu dem Hotel da sagt der Mann »unmöglich alle Zimmer sind aus vo- vo- kein Zimmer mehr« da sagt der Mano zu ihm »also wissen Sie was Sie bleiben hier und die zwei jungen Mann gehen in Ihre Wohnung dort werden sie schlafen« sagt
[54:04] er »nein nein nein« also so haben wir ein Zimmer bekommen im Hotel dann also es sehr sehr lange story dann hab ich einen Freund gehabt in Prag mit dem ich während des Krieges gearbeitet hab der mir viel geholfen hat Prohaska was his name Ladislav Prohaska
[54:18] ein tschechischer Briefmarkenhändler den ich dann verständigt hab der hat eine Verbindung gehabt zum schwedischen Konsulat und der hat arrangiert der schwedische Konsul der von Prag nach Pressburg mit m Auto gefahren ist uns mitgenommen hat wir wollten nur
[54:32] nach P- nach Hause natürlich war sehr schwierig weil die meisten Brücken über den Flüssen auf dem Weg von Prag nach der Slowakei waren zerstört war ein großes Problem jedoch dieser Mann dieser Prohaska hat uns dann verschafft eine Verbindung mit dem
[54:47] schwedischen Konsul der uns nach Pressburg genommen hat und ich bin dann in Pressburg angekommen das sind noch verschiedene Kleinigkeiten die ich dann separat erzählen könnte
[54:57] sind wir in Pressburg angekommen ich wusste nicht wohin zu gehen da geh ich auf
[55:03] der Straße da treff ich ein Mädchen und sie sagte »Max bist du auch schon da ?« sag ich »wer bist du ?« sagt »ich bin Oli Olga deine Cousine« die hat keine Haare gehabt sie ist aus Auschwitz zurückgekommen ich ko- habe sie nicht erkannt sag ich »wo
[55:16] sind meine Schwestern wer ist hier« da hat jeder eine notice hinaus gegeben überall gesucht nach Leute gesucht ob die wissen da hat man mir gesagt meine zwei Schwestern sind au- Auschwitz zurückgekommen und die wohnen bei der Dori die Dora war unser Kinderfräulein
[55:30] die dann jüdisch geworden ist sie war katholisch die war und so lange sie ist zum Ende jüdisch ge- sie hat das überlebt und wir sind zu ihr gegangen diese Dora Neumann sie hat einen Juden geheiratet sie war katholisch die hat uns dann aufgenommen nach dem
[55:45] Krieg und so hab ich die meisten meiner Bilder und alles was ich hab heute von ihr zurückbekommen diese Dora war unsere Kinderfräulein die war zwanzig Jahre bei uns die hat besser beten können jüdisch wie wir selbst ja und die hat uns dann aufgenommen
[56:01] und äh also sie ist dann wie meine Schwestern sind dann nach Amerika sie hat sie noch meine Schwestern noch nach Amerika gebracht diese Dora ich hab sie besucht in Bratislava bis sie dann leider gestorben ist und that was the end of diese Episode mit der
[56:15] Dora ach jetzt wo sind wir dann weiter wo können wir weiter gehen vielleicht haben Sie e- irgendwelche Fragen
[56:23] wie war das als Sie Ihre Schwestern wieder getroffen haben was haben Sie erfahren von denen ?
[56:28] [gleichzeitig:] ja ja wissen Sie ich wenn ich heute rede zu school Schulchildern ja da gebe ich ihnen eine schnelle Übersicht über was ich erlebt hab aber normalerweise habe ich zwanzig bis 25 Minuten wo ich meine Erlebnisse erzählen kann so ich brauche
[56:52] nicht 25 Minuten ich brauche 25 Stunden ich habe an meinen Onkel geschrieben im Juni 1945 wollte er wissen was wir miterlebt haben habe ich geschrieben »lieber Onkel« hab Deutsch geschrieben »lieber Onkel wenn ich tausend Bücher schreib über was ich wie
[57:09] erlebt habe kann ich dir noch immer nicht alles erzählen« also meine story ist so enorm dass ich kann das nicht zusammenfassen da ist kein kurzer Weg auserwählt da kann ich Ihnen noch hunderte andere Kleinigkeiten erzählen an die ich mich genau erinnern
[57:23] kann das vielleicht eins oder zwei kleine Episoden die ich bezweifle wo ich mit dem Oskar mich also nicht verein- nicht übereingestimmt habe und zwar Erinnerungen an Kleinigkeiten aber das ist heute nicht mehr wichtig wo wir dort waren oder dort waren das
[57:42] sind Kleinig- wir sind nämlich ich bin sehr oft nach Eisenstadt gefahren und ich bin mit dem Oskar dann nach Pressburg gefahren in verschiedene Versteck (Leut-) wo wir waren und wir alles versucht übereinzustimmen und da waren eins zwei Kleinigsach- äh
[57:58] Episoden die dann die dann vielleicht nicht genau übereingestimmt haben aber das habe ich überhaupt in meinen Büchern nicht erlebt so
[58:11] Pause [Schnitt]
[58:14] ja
[58:17] also ich möchte noch einmal zurückgehen an ein früheres Erlebnis
[58:20] und zwar hab ich einen Freund gehabt der war Deutscher der war Volksdeutscher und hat eine Schwester gehabt und wir waren sehr gut befreundet wir sind öfters ausgegangen in Konditoreien
[58:33] wir haben damals war schon sehr gefährlich weil wegen Rassenschande wenn ein Jude mit einer Nichtjüdin ausgegangen war schon gefährlich aber der Karl hat mir gesagt äh ich soll mich nicht kümmern wir gehen aus und wie dann während des Krieges ist er
[58:48] dann nach in die eingerückt in die Armee ist nach Stalingrad ist von dort zurückgekommen äh ist zurückgekommen mit einem Fuß und er war auf Krücken er hat Auszeichnungen gehabt und er hat mich kontaktiert und er (sagt) Karl wir sind dann wieder zusammen
[59:05] gega- haben zusammen sind zusammen ausgegangen wenn ich ausgehen wollte irgendwo wo Juden verboten waren hab ich einfach gesagt »Karl wir gehen heute wo immer« »kein Problem kommst mit mir ja« dieser Karl (Eckert) wie ich dann deportiert wurde habe ich
[59:21] allen Kontakt mit dem Karl (Eckert) verloren und ich wusste nichts über ihn ich bin dann zurück eines Tages bekomme ich einen Telefonanruf aus einem Sammellager in der Slowakei wo die Deutschen Volksdeutschen versammelt wurde zum Abschub nach Deutschland
[59:37] der Karl (Eckert) ruft mich an sagt er »Maxi ich bin da« er hat mich Maxi hat er mich genannt nicht Max sondern Maxi gesagt »Maxi ich bin hier mit meiner Frau und einem Baby ich möchte gern etwas Butter und Eier für das Baby haben kannst du mir ein Paket
[59:50] schicken ?« sag ich »ohne weiteres gar kein Problem« ich habe ein Paket geschickt mit Butter Eier und ich habe von dem Mann nachher überhaupt nichts gehört vor ungefähr es ist schon fast zehn Jahre mehr wie zehn Jahre bekomme ich einen Telefonanruf aus
[1:00:05] Berlin eine Dame ruft mich an sagt »Herr Max Stern« sag ich »ja« »Max Stern aus Pressburg« »ja« »Max Stern das der der Briefmarkenhändler« »ja« »da ist ein Freund von Ihnen in Hannover der sucht sie schon auf der ganzen Welt« sag ich »wer ist
[1:00:18] der Freund ?« »Karl (Eckert) « ich fast ohnmächtig geworden ich hab das unglaub- das war ganz unglaublich nach 32 Jahren Karl (Eckert) so ich bin mit Karl (Eckert) in Verbindung gegangen wir haben uns dann getroffen in Bad Reichenhall er ist nach Bad Reichenhall
[1:00:32] gekommen und wir haben dann darüber gesprochen hat er mir genau alles erzählt was da vorgegangen ist was er gewusst hat er wurde dann ein interpreter ein Dolmetscher bei der Gestapo und ist dann von den Tschechen deportiert worden nach Deutschland ist er
[1:00:47] in Hannover gelebt er ist erst vor zwei drei Jahren gestorben ja und so ist dann war die Karl (Eckert) ist einer meiner interessantesten Erlebnisse während des und nach Kriegszeiten
[1:00:58] und als der Anruf kam Sie konnten sich sofort an den Namen erinnern ?
[1:01:02] Karl (Eckert) natürlich er war für mich war er ein Freund ja also ich war befreundet wir waren fast jeden Tag zusammen und er hat mir sehr viel Sicherheit gegeben wenn ich wo ausgehen wollte irgendwo ins Kino hab ich »Karl komm gehen wir heute Abend ja«
[1:01:14] und er war wir waren really gut befreundet ich hab voll Vertrauen gehabt volles Vertrauen in ihn gehabt also ja
[1:01:21] ich hab ja noch eine viel interessantere Geschichte das kommt jetzt Nachkriegs- das vor zehn Jahren ich weiß nicht ob ich das nicht vermische aber
[1:01:29] was in Australien passiert ist das ist jetzt schon drei vier Jahre da bekomme ich einen Anruf aus Melbourne and sagt er »Max Stern« sagt er »Max Stern« »ja« da sagt er »ich war jetzt in Pressburg ich habe Ihr Buch gekauft dort das slowakische Buch
[1:01:47] in dem Buch schreiben Sie da war so eine Fünfzig-Kilo-Bombe ist hineingefallen in Redout-Kino« sagt er zu mir »da waren keine Fünfzig-Kilo-Bomben das waren mindestens 500 Kilo« sag ich »wieso wissen Sie das« sagt er zu mir »ich hab die Bombe entfused
[1:02:03] defused« ich hab geglaubt er macht mir einen Spaß das konnte ich nicht gla- das war das unglaublichste Erlebnis so ich hab mir gedacht er macht eine er macht ein Spaß mit mir so hab ich ihm verschiedene Fragen gemacht »wieso bist du dazu gekommen ?« Kenneth
[1:02:19] Rich Reich er war Kurt Reich der lebt jetzt als Kenneth Rich in in Melbourne sag ich »wie wie bist du darauf gekommen ?« sagt er »ich war in Pressburg hab dein Buch gekauft im Museum das slowakische Buch da sehe ich du beschreibst da was im Redout-Kino«
[1:02:33] sagt »ich war in dem Bomber-Kommando« das war Bomber-Kommando das war 15 oder zwanzig jüdische Burschen aus dem Lager die im deutschen äh kas- in der deutschen Kaserne war als defuse also Bomben zu defusen zu de-
[1:02:49] entschärfen
[1:02:51] entschärfen ja sagt er »ich habe die Bombe entschärft aus dem Kino Redout« ich konnte das nicht glauben hab ich sofort in Verbindung gehabt sind wir zusammen gekommen der Mann ich wollte ihm er soll sprechen er will überhaupt nicht der Mann ist ganz er
[1:03:09] war 16 oder 17 Jahre alt und der Mann will darüber überhaupt nicht sprechen er kann sich an alles genau erinnern aber er wollte nicht ich wollte ihm also mitnehmen zu einem meiner Vorträge er will überhaupt nichts wissen er ist ganz komplett out er glaubt
[1:03:18] an nicht an Gott an gar nichts er ist der einzige Überlebende einer großen Familie und der sagt sein Leben ist endet er hat mit dem nichts mehr zu tun aber das war ein ganz und nach sechzig Jahren ruft mich der Mann an da hab ich geglaubt der macht einen
[1:03:33] Spaß mit mir das war es unglaublichste Er- und das kommt noch immer jetzt vor nach siebzig Jahren kommen diese Sachen hinaus unglaublich
[1:03:41] ja also dann komm ich wieder zurück zu meiner Familie mein Vater und meine Mutter wir waren sieben Geschwister fünf
[1:03:53] Jungen zwei Mädchen wir haben also in Pressburg gelebt in Pressburg natürlich hat jeder waren Juden und Nicht-Juden zusammengelebt es war ein sehr gutes Verhältnis die meisten meiner Freunde waren Nicht-Juden meiner Eltern waren Nicht-Juden und trotzdem
[1:04:13] war eine streng jüdische Familie jeder hat seinen Glauben behalten und so hat sich das dann entwickelt in 19- von 1939 langsamweise sind dann die antijüdischen Gesetze gekommen und mein Vater mein Vater hat für eine deu- war Reisender bevor er also das
[1:04:31] Geschäft gehabt hat ja nein nachdem er das Geschäft gehabt hat ist er hat er vertreten eine deutsche Firma in Asch das war Sudo- Sudetendeutschland und mein Vater hat dann seinen Job verloren wie dann die antijüdischen Gesetze gekommen hat kein Einkommen
[1:04:45] mehr gehabt und ich habe dann mit Briefmarken begonnen zu handeln ich habe eigentlich die Familie erhalten alle diese Jahre drei vier Jahre war das einzige Einkommen was ich hatte die war die Briefmarken und so haben wir dann gelebt bis bis äh mit äh Oktober
[1:05:03] 44 es war schwer aber wir haben doch irgendwie überlebt meine zwei Schwestern waren geschützt den Mädch- vom Mädchen Mädchentransport der erste Mädchentransport ist schon 1942 gegangen und von diesen Mädchen hat keines überlebt im 42 alle nicht verheirateten
[1:05:20] Mädchen wurden deportiert aus Žilina der erste Transport ist 42 aus Žilina gegangen und von diesem Transport ist keiner hat keiner überlebt meine zwei Schwestern waren exempt das heißt befreit weil mein Vater hat gearbeitet für Ustredna Židow war die
[1:05:36] zentral jüdische Zentrale dort war er beschäftigt ja wie er hat seinen Job verloren hat und dadurch war seine Familie geschützt und ich war geschützt natürlich durch meine Arierin die mir geholfen hat während des K- während mit dem Briefmarkengeschäft
[1:05:52] und so haben wir bis 44 äh Oktober und dann wie dann das habe ich Ihnen schon darüber erzählt da wurde eines Tages sch- das war nach Jom Kippur die Deutschen haben genau gewusst when wir a lot äh äh viele Leute waren schon im Versteck ja aber zum Jom
[1:06:10] Kippur sind sie hinaus zum Bettage Fasttage und die Deutschen haben das gewusst und damals in der Nacht wie die meisten Leute aus dem Versteck hinaus sind hat man die große Razzia gemacht hat man Pressburg judenrein gemacht und so ist das dann begonnen meine
[1:06:24] Eltern da war ein ein ein äh Gesch- ein bulgarischer Student äh ein bul- nicht ein Student ein bulgarischer ein der hat äh fr- fruit verkauft und vegetables verkauft der hat sie meinen Vater Mutter und das hab ich erst nach dem Krieg erfahren der hat sie
[1:06:43] in seinem Lager versteckt aber dann musste er aufgeben weil es war zu gefährlich inzwischen haben wir argentinische Pässe verschafft ja das ist eine ganz interessante story die ich noch Ihnen erzählen muss da war ein deutscher Drucker Buchdrucker der hat
[1:06:59] uns argentinische Pass äh Pass Pässe gemacht die wir dann die ich dann durch meine Verbindungen mit der Polizei eine Stempel hinein Einreisestempel in der argentinischen passport und ein Bild hineingegeben hab und so sind meine Eltern argentinische Staatsbürger
[1:07:18] geworden now jetzt hat der Wisliceny ja da hat man die Leute gefangen wie meine Eltern gefangen hat hat man gesagt argentinische Staatsbürger die sind alle nach da waren viele viele viele vielleicht 300 hat man sie nach Mariatal in Mariatal war ein Lager
[1:07:34] für Ausländer nur hat man festgestellt der der Wisliceny hat festgestellt waren acht argentinische Staatsbürger in der Slowakei bei Ende 42 in 44 waren 800 da hat festgestellt das alles falsch war da hat man eines Tages das ganze Lager von Mariatal nach
[1:07:52] Auschwitz deportiert darunter waren meine Eltern meine zwei Schwestern und zwei Brüder zwei kleine Brüder und so sind dann meine Eltern nach Auschwitz mit meiner ganzen Familie auch meine Großmutter mein Onkel alle die das argentinische Staatsbürger gehabt
[1:08:07] haben und alle wurden am selben Tag vergast und dort ermordet meine zwei Schwestern die eine war ich weiß nicht sieb- 18 neun- zwanzig ich weiß nicht genau de- kann ich Ihnen ausrech- aber das ist ja nicht wichtig meine zwei Schwestern sind dann nach rechts
[1:08:26] der Mengele hat das damals sortiert bei der Ankunft mein Vater hätte überleben können aber wenn mein Vater gesehen hat meine Mutter mit den zwei kleinen Kindern auf der linken Seite ist er selbst hinüber gegangen ist selbst in einer [bewegt] mit meiner
[1:08:47] Mutter und meine zwei kleine Brüder ins Gas gegangen und so sind 14 members von meiner Familie am selben Tag ermordet worden und meine zwei Schwestern das also ha- sind dann zurückgekommen meine Schwester hat das erzählt und so habe ich dann erfahren was
[1:09:05] passiert ist ja
[1:09:07] Sie haben das erfahren als Sie nach Pressburg zurückgekommen sind
[1:09:09] [gleichzeitig:] ja ja als ich meine Schwestern getroffen hab sie haben das erzählt und ich habe immer gefragt warum ich wusste nicht warum habe ich das überlebt meine Eltern waren ja viel besser wie ich ich sage immer ich war vielleicht vom Religionsstandpunkt
[1:09:23] war ich vielleicht der Ärgste und mein Vater war so streng religiös gläubig warum ist das meinem Vater aber warum nicht mir warum bin ich geblieben ich frage mich selbst warum ? äh sagen meine Kinder sagen »du hast eine Mission du hast eine Familie und
[1:09:40] hast Familie« also so ist das im Leben ja
[1:09:43] Sie sagten Sie äh hatten noch zwei weitere Geschwister zwei Brüder was ist mit denen passiert ?
[1:09:53] ja die sind alle zusammen ins Gas gegangen alle zusammen mit meiner Mutter mein Vater und zwei kleine Brüder sind vergast worden am selben Tag 14 14 Mitglieder meiner engsten Familie zwei Onkel meine Großmutter war schon neunzig [seufzt] und die sind alle
[1:10:09] am selben Tag ermordet worden
[1:10:18] was ich eigentlich ähm fragen wollte ich hatte ähm ich hatte gedacht dass Sie sechs Geschwister hätten also zwei weitere Brüder
[1:10:25] ja ach ja ja ganz wichtig ja kommen wir zurück 1938 ja ganz interessant dass Sie das fragen also zwei Brüder in 1938 war der Kindertransport da war aus England gekommen ein äh ich weiß nicht wer das organisiert hat dass man Kinder durch das Rote Kreuz
[1:10:46] nach England genommen hat das Jahresalter war bis in zehn und elf zwölf Maximum zwölf Junges zehn so irgend ich weiß ja nicht durch eine Verbindung hat man uns vorgeschlagen meine zwei Brüder können nach England gehen so war ein Kindertransport arrangiert
[1:11:04] von Pressburg nach London mit zirka zwanzig oder 28 zwanzig oder 25 Kindern und meine Brüder sind dann nach England gekommen und in England wurden sie zugeteilt zu englischen Familien die sie aufge- die Kinder aufgenommen haben aus den besetzten Gebieten
[1:11:23] damals war schon besetztes Gebiet und so haben meine zwei Brüder in dif- in verschiedenen Familien mit englischen Familien das überlebt und meine beiden Brüder sind dann sehr religiös geworden weil mein Onkel aus London auch geflüchtet ist über wenn
[1:11:41] wenn die aus (Sher Bruk) wenn die die brit- wenn sich die englische Armee zurückgezogen hat sind auch einige hundert äh Zivilleute mit evakuiert einer davon war mein Onkel aus Wien und der hat in London gelebt der hat dann meine Brüder aufgenommen und meine
[1:11:58] Brüder sind dann sehr religiös geworden mein einer meiner Brüder hat 16 Kinder und 98 Enkel und der andere Bruder war jetzt gestern war eine große Feierlichkeit im Buckingham Palace war Prince Charl- war mein Bruder eingeladen von dem Kindertransport zu
[1:12:14] sprechen das ist ein ganz intere- hab ich erst heute erfahren das war Montag Montag war mein Bruder im Buckingham Palace eingeladen zur Feierlichkeit siebzig äh anniversary von der von dem Kindertransport also das ist das Schicksal meiner ganzen Familie
[1:12:29] wie ist es dann mit Ihnen weitergegangen ?
[1:12:32] ja also mit mir war das ganz interessant ich weiß nicht [lacht] ob Sie das so interessant finden aber ich habe sobald ich aus dem Lager zurückgekommen bin habe ich erfahren es gibt in Ungarn da ist eine das muss ich Ihnen vom Anfang erzählen ich bin aus
[1:12:50] dem Lager zurück und habe zwei alte Koffer gehabt mit den Tausendmarkscheinen und ich wusste nicht was damit anzu- ich bin zurück nach Pressburg angekommen mit zwei Koffer mit Tausendmarkscheinen hat man gesagt hat gar keinen Wert da hat mir jemand gesagt
[1:13:02] ich soll da ist ein open air eine offene air Börse wo die russischen Offiziere die aus Ungarn zurück nach Deutschland und vice versa und von Deutsch- nach Ungarn die alle Russen das war das Zentrum russische Offiziere dort kann ich das vielleicht umtauschen
[1:13:16] so bin ich auf diesen offenen Markt gegangen Devisenmarkt war das ja hab ich erstens später erfahren dort waren russische Offiziere da war ein Offizier der sagt der hat Pengő ungarisches Geld sag ich »was soll ich denn« sag ich zu meinem weiß nicht mehr
[1:13:31] mit wem ich da war »was fang ich mit ungarischem Geld an« aber jedenfalls wir können das austauschen sag ich »wie wollen wir das austauschen« sagt mir der Russe »machnjom po-tjomnomy« wir exchange blind das heißt ich gebe Ihnen zwei Koffer mit tausend
[1:13:45] Mark Sie geben mir zwei Koffer mit Pengő so haben wir das ausgetauscht habe ich für den deutschen Mark Pengő gehabt da komm ich nach Hause zu meinen Schwestern sag ich »was mach ich mit dem Pengő was soll ich da« ungarische das alles dieses Geld war
[1:13:57] Inflation sagt mir hab ich irgend erfahren es gibt in Ungarn eine Briefmarkenausgabe zur Befreiung mit Aufdruck auf alten ungarischen Marken es steht »felszabadulás« es ist in meinem Buch beschrieben äh Befreiung ich soll das nach Ungarn gehen ich soll
[1:14:15] dort das kaufen weil in der Slowakei ist großer Bedarf weltweit Bedarf für ungarische Aufdruckmarken ich war noch nie in Budapest in meinem Leben so wie komme ich nach Budapest sagt mir einer »da ist ein russischer Militärtransport aber es ist sehr gefährlich
[1:14:30] weil die Russen nehmen die Uhren weg und das Geld weg« so sagt mir meine Schwester meine die Dori die das Kinderfräulein sagt »weißt du was wir werden das Geld da einarbeiten in deine Arm und werden das Geld so und du fahrst mit dem Zug mit dem russischen
[1:14:45] Zug nach Budapest« so bin ich mit einer Schlinge gefahren [gestikuliert] mit dem Geld hier und die Russen haben uns überhaupt nicht angeschaut überhaupt nicht bin ich in Budapest angekommen das werde ich nie vergessen ich war noch nie in Ungarn komme ich
[1:14:58] nach Buda- alles zerstört so wo geh ich da hin da habe ich gehört da gibt es eine Briefmarkenbörse wo die Händler sind irgendwo in der Hauptstraße ich muss hinaufgehen hab diese Gasse so wie ich geh auf der Straße ich glaube ich soweit ich mich erinnern
[1:15:13] kann war ich selbst daran ich hab das Geld gehabt in eine Rucksack und hier verbunden das Geld das Geld hab ich ich hab Pyjama gehabt hab Geld drüber und das das andere Geld habe ich hier so im Arm so gehe ich auf der Straße da sehe ich alle Häuser zerstört
[1:15:26] da sehe ich eine blackboard wie heißt eine schwarze Tafel mit Kreide aufgeschrieben »bélyegkereskedő« Briefmarkenhändler »Hussar und Ringwald Hussar und Ringwald« das werde ich nie vergessen ich werde Ihnen sagen warum also sehe ich dort eine eine
[1:15:42] Pfeil ich ah einen Pfeil ich soll dort noch rückwärts in den in den Hof gehen dort alles vorne alles zer- ein kleines office da komm ich hin dies eine Petroleumlampe dort sitzen zwei Hussar und Ringwald sitzen zwei Leute dort die sind Briefmarkenhändler
[1:15:59] das war ich glaube es war im Oktober November 45 End- Ende 45 sag ich »bin so und so« er hat der eine hat Deutsch gesprochen der Ringwald hat Deutsch gesprochen Hungar Hussar war ein Ungar der bei- beide jüdische Händler äh Briefmarkenhändler sag ich
[1:16:19] »weißt du was ich suche felszabadulás« das heißt Befreiungsmarken Aufdruck sagt ein »oh das ist sehr selten ich hab zwei Sätze in meinem Safe« da macht er auf einen alten Safe ein altes äh eine Kasten oder Safe einen Kassenschein oder wie das heißt
[1:16:37] auf Deutsch weiß ich nicht so genau und da sagt er (__) »wie willst du das bezahlen ?« da nehm ich meinen Rucksack hin und da sag ich »now open up da ist alles Geld drin alles kann ich kaufen« haben wollte man mir nicht glauben so habe ich dort diese
[1:16:52] felszabadulás gekauft aber das Wichtigste in dieser in dieser Episode ist wirklich dass ich mit dem Hussar best Freund geworden bin und viele Jahre zusammengearbei- und der Ringwald zusammen das ist eine ganz interessante Geschichte und zwar der Pali Hussar
[1:17:09] seine Frau wurde in Auschwitz befreit sie war hat man nach Schweden sie waren auf einem Schiff aus Schweden zurück nach Europa die hat das schwedische Rote Kreuz nach Schweden genommen und sie war in Schweden und er konnte keine Beziehung aufnehmen weil russisch
[1:17:26] besetzte Ungarn konnte ja nicht mit äh Schweden weiß ich nicht genau warum war keine Verbindung also ich habe aufgenommen den Kontakt mit seiner damaligen Frau ja mit der Roszi Hussar durch Bra- Pressburg und so sind wir dann sehr befreundet worden und der
[1:17:46] Hussar ist dann Direktor bei der Post geworden der Hussar war Direktor bei der Post und ich habe große Geschäfte mit den Ungarn gemacht da un- schon unter den Kommunisten und der Hussar ist dann in sech- 65 ich weiß nicht wann die Revolution war 62 63
[1:18:03] aus Ungarn geflüchtet ist nach Australien gekommen und ich habe ihn etabliert als Briefmarkenhändler der Hussar ist dann Briefmarkenhändler in Sy- Sydney geworden und bis vor seinem Tod zehn Jahre seine Frau hat das übernommen haben wir großes Geschäft
[1:18:18] zusammen gemacht der Ringwald hat dann in Österreich in Wien weitergearbeitet den ich je- jedes Jahr besucht hab und so hab ich den Kontakt aufrechterhalten zu diesen zwei Leuten ist eine ganz interessante history Ungarn war unglaublich ich kann mich erinnern
[1:18:34] ja das kann ich dann noch erzählen ich bin dann hat mich einer ein Detektiv der während des Krieges im Unterground gearbeitet Detektivinspektor Hochlo war sein Namen kann ich mich genau erinnern der Hochlo war hat für n underground gearbeitet unter Slowakei
[1:18:48] da war eine Regierung in Kairo tschechoslowakische Milikär in Kairo und äh der Hauptmann in der Regierung in Kairo war Doktor Zibrin Doktor Zibrin war ein welt- welt- sehr bekannter Politiker und ein solicitor in Pressburg der ist nach Ägypten geflüchtet
[1:19:07] und der ist geworden irgendein hoher Beamter in der tschechoslowakischen Regierung in Kairo und dieser Hochlo hat for ihn gearbeitet während des Krieges ich wusste das nicht ja ich kannte Hochlo als Detektiv bei der Polizei so nach dem Krieg ist der Hochlo
[1:19:23] zu mir gekommen sagt er »Maxi ich brauch von dir eine Gefälligkeit« sagt er was das sind zwei Abteilungen des äh in äh in äh centre intelligence der slowakischen tschechoslowakischen Armee eine Gruppe ist die aus England gekommen ist die andere Gruppe
[1:19:41] die aus Russland gekommen ist und die beiden arbeiten gegeneinander das wusste ich alles nicht das habe ich erst später erfahren da waren zwei zwei Gruppen und zwar die Offiziere und die Armee die aus England gekommen sind und die Russen die aus Osten gekommen
[1:20:01] sind das waren verschiedene äh wie sagt man Abteilungen also er braucht eine Gefälligkeit von mir und zwar folgen- er weiß ich fahr viel nach Ungarn sie brauchen sie müssen möchten gerne feststellen ob ich ihnen helfen kann wenn ich in Budapest bin ob
[1:20:12] ich feststellen kann wie viel Tanks irgendwo in der in der Reparaturwerkstätte sind verschiedene nicht wichtig es war überhaupt nicht wichtig für mir war es ich konnte nicht wissen warum sagt er mir »hör zu wir wollen von dir nichts wir geben dir einen
[1:20:27] Pass you can fahren wo du willst ohne kein Problem« sie ich fahr nach Prag ich möch- ich melde mich bei einem Offizier und er sagt » (____) « auf Slowakisch »der junge Mann hat mich geschickt« das war das Stichwort und ich habe einen Pass bekommen und
[1:20:43] damit konnt ich reisen frei ohne wenn ich nach Budapest gefahren bin habe ich nur angerufen die die Zollstelle hab ich sagen »Bratislava Nummer drei 18« das war mein codename war Bratislava [slowakisch:] 318 [deutsch:] 318 war ich war Bratisla- Bratisla-
[1:20:59] ich ach- -18 das war eine low level sehr ne low level intelligence nichts war wie ich ich kann das überhaupt heute nicht mehr war überhaupt nicht wichtig sie wollten nur verschiedene ja das natürlich habe ich eine Verbindung gehabt mit dem russischen äh
[1:21:19] Konsul in Pressburg der ist viel nach Wien gefahren und der Konsul hat äh mein mein bro- broth- mein brother der der der the husband von meine Schwester ja die haben die haben Ledermäntel gemacht und die Russen waren wahnsinnig nach Ledermänteln so ist
[1:21:36] die Verbindung gegangen zwischen den russischen Konsul in Pressburg und meinem mein Bruder mein mein der Mann meiner To- meiner Schwester und der hab ich erfahren der fährt öfter nach Wien und ich wollte fahren nach Wien weil ich ja Briefmarken gekauft in
[1:21:55] Wien ich hab Geld genommen nach Wien und wenn der russische der russische Konsul gefahren ist nach Wien hat er mich mitgenommen sein Wagen habe ich keine Kontrolle gehabt jetzt wollten Sie wissen was der russische Konsul macht in Wien ja hab ich ausfindig
[1:22:10] gemacht der hat große Verbindungen gehabt irgendwie mit Geldschmuggel ich weiß nicht mehr genau wie das war und ich hab das alles reported aber das war nichts Wichtiges und niemand hat gewusst was ich gemacht ich hab das niemandem gesagt nicht einmal meiner
[1:22:25] Frau wenn ich geheiratet hab ich habe jedoch meinen Onkel verständigt in Zürich dass falls mir etwas passiert der soll wissen
[1:22:32] ja und ich habe sehr große Angst gehabt wie dann die Kommunisten übernommen haben mein bester Freund mit dem ich im Lager das
[1:22:39] kann ich das haben Sie genug Zeit um Ihnen um ich das alles erzählen muss da war ich mit einem Freund mit dem ich zusammen im Lager ge- war und der der Michael Gero der Gero war ein solicitor ein ein ein Advokat der ist nach dem Krieg Staatsanwalt geworden
[1:22:58] der war mit mir im Lager in Lichtenrade und der Michael Gero ist geworden Staatsanwalt der hat die Kriegsverbrecher dann den den Wisliceny war in seiner in seiner unter seiner Haft der Wisliceny hat den Bericht geschrieben über den Großmufti von Jerusalem
[1:23:14] was passiert ist in 1939 wenn die SS nach Palästina gefahren ist mit dem Großmufti zu verhandeln und der Wisliceny war dabei und der Wisliceny hat das genau beschrieben da hat der beschrieben aus seiner Zelle schreibt an den Gero »Herr Staatsanwalt beiliegend
[1:23:30] ist mein Bericht über was damals in Pal- in Palästina vorgegangen ist mit dem SS-Sicherheitsdienst darf ich bei dieser Gelegenheit die Bitte um ein paar Zigaretten aussprechen« so beendet er seinen Brief »hochachtungsvoll Dieter von Wisliceny« so das
[1:23:47] ist der Wis- mit dem hab ich nichts zu tun gehabt das weiß ich nur ich hab den Brief gelesen also hab mit den hab ich nichts zu t- [betont:] jedoch Folgende wie bin ich dann zu dem zu dem Michael Gero gekommen während des Krieges war ein slowakischer Offizier
[1:24:01] der war bei dem bei der Armee er war ein Major der hat der hat eine Zugriff gehabt zu Briefmarken der war ein au- eine Briefmarkenserie We- Wohltätigkeitsserie for die slowakische Armee und für die slowakische Armee und diese Ausgabe war beschränkt und
[1:24:19] dieser dieser Offizier der Major hat mir geholfen während des Krieges und der hat mir Briefmarken verschafft darum ich hab viel Geld verdient während des Krieges hab ich Geld verdient so nach dem Krieg bekomm ich einen Anruf von seiner Frau ich wa- weiß
[1:24:37] nicht 47 46 de- de- weiß ich nicht genau »Maxi mein Mann ist in Haft der ist auch nach Italien geflüchtet mit der slowakischen Armee der ist in Haft hier in Melbourne schon seit drei Monaten ich möchte ihm gerne sehen« ich sage »gar kein Problem ich
[1:24:55] gehe sehen den Staatsanwalt« ich rufe an »Michael du ich komme sehe ich« Zu- Zu- Zugang gehabt jederzeit komm ich zu ihm sag ich »Misho ich brauch eine Gefälligkeit« Misho Michael Michael Gero »ich brauch eine Gefälligkeit von dir du hast in Haft Major
[1:25:06] Soundso« sagt er »was wenn du noch einmal den sa- Namen nennst kommst du sofort ins Gefängnis« sagt er zu mir das sagt er mir »wenn du noch mal den Namen nennst kommst du sofort ins Gefängnis« sag ich um Gottes Willen mein bester Freund sagt mir das
[1:25:21] ich bin nach Hause gegangen hab meiner Frau gesagt »wir müssen hinaus wir müssen wegfahren« und das hat mich entschlossen aus der Slowakei weg mein bester Freund war ein Kommunist geworden und der war so fanatisch der hätte mich auch eingesperrt und mein
[1:25:33] bester wir waren zusammen im Lager in einer Baracke in Lichtenrade also das sind alle diese kleinen Episoden die mir jetzt ins Gedächtnis kommen wenn ich darüber sprech ich kann hier noch stundenlange sitzen mit Ihnen und immer wieder finde ich was Interessantes
[1:25:47] aber ich weiß nicht wo ich beginnen soll und wo ich anf- aufhören soll
[1:25:51] erzählen Sie doch uns noch mal wie es dann dazu kam dass Sie ausgerechnet nach Australien gegangen sind
[1:25:57] ja das ist auch eine interessantes interessantes Ereignis und zwar wie wir uns entschlossen haben wir wollen weg hab ich eine Verbindung gehabt zum uruguayischen Konsulat und äh die die ha- ich hab gehört dass man kann Visum bekommen nach Uruguay zu gehen
[1:26:13] nach A- Amerika konnte ich nicht gehen weil die tschechische Quote war zwanzig Jahre waiting die britische wo- don't want us ich wollte nicht in Europa bleiben also wir haben versucht Uruguay Paraguay und Argentinien niemand wollte uns aufnehmen es war unmöglich
[1:26:24] so it's soweit gekommen dass ich schon Angst gehabt hab ich wollte weg dringend weg sag ich meiner Frau »wir müssen einmal weg von hier vielleicht in die Schweiz« eines Tages komm ich nach Hause sag ich meiner Frau »ich hab das Geschäft zugesperrt mein
[1:26:40] Auto vor dem Geschäft gelassen wir gehen heute Abend auf die äh äh Stra- nicht Straßenbahn auf das de äh Eisenbahnstation wir fahren nach Budapest« warum nach Budapest weil ich wollte nach Osten nicht nach Wie- ich wollte nach Wien kommen aber ich bin
[1:26:58] nicht nach Wien sondern nach Budapest ich war kurz verheiratet wir haben eine kleine Tasche geha- wir haben zwanzig Schweizer Franken gehabt und eine Aktentasche mit meinem Pyjama die zwanzig Schweizer Franken habe ich im Zug versteckt wir kommen auf die Grenze
[1:27:09] sag ich »wohin fahren Sie ?« »ich wir fahren auf honeymoon Hochzeitsreise ich hab jetzt geheiratet nach nach Budapest nach Ungarn« kein Problem über die Grenze gekommen angekommen in Budapest bin über s Geleise nächsten Zug genommen selben Nacht noch
[1:27:25] in Wien angekommen so hab ich bin ich aus der Slowa- Tschechoslowakei weg
[1:27:28] jetzt in Wien bin ich angekommen wusste ich noch immer nicht wohin hab ich ein Schweizer Transitvisum bekommen ich habe große Verbindungen gehabt in Vaduz Liechtenstein wo mir ein
[1:27:44] deutscher Soldat während des Krieges der Kliemand viel geholfen hat und dann hab ich dem Kliemand gesagt »du ich bin in Zürich hier und äh komm mich besuchen ich warte auf ein Visum ich hab meinen Cousin in in Melbourne ich werde versuchen nach Australien
[1:27:52] zu kommen« damals hab ich mich entschlossen ich wusste das noch nicht wohin ich gehen werd so eines Tages kommt die Staats- die Polizei um fünf Uhr morgens Polizei »Sie haben ein Durchreisevisum zwei Tage Sie sind schon vier Tage hier bis morgen müssen
[1:28:05] Sie weg oder wir werden Sie deportieren nach Italien« sag ich »um Gottes Willen ich kann ja nicht weg ich warte auf ein Visum« da hab ich erfahren dass dieser Doktor Zibrin der früher in Kairo war jetzt für die amerikanische Geheimdienst gearbeitet hat
[1:28:20] in Bern und zwar damals war sehr interessant man hat jeden Emigranten versu- sie haben geglaubt dass die Russen senden schicken Leute hinaus um festzustellen ob sie verlässlich sind nicht verlässlich so dieser Doktor Zibrin hat war in charge von der Abteilung
[1:28:37] von den tschechoslowakischen Emigranten die sie die alle überprüft überproofed wie heißt das überproof
[1:28:45] [gleichzeitig; leise:] ja überprüft
[1:28:47] [gleichzeitig:] also investigated ja und ich hab erfahren dass der Doktor Zibrin da war durch ihn weiß ich nicht mehr wie da hab ich den Doktor Zibrin in Bern verständigt Doktor Zibrin sagt »gar kein Problem du kannst bleiben wie lange ich hab das erledigt
[1:28:58] mit der Polizei in der Schweiz du kannst bleiben bis du dein Visum nach Australien bekommst« und der Doktor Zibrin hat mir dann geholfen dann bin ich war ich in der Schweiz bis äh another ich glaube vier fünf Wochen habe ich mein permit bekommen dann war
[1:29:14] das große Problem wie kommt man nach Australien ich habe genug Geld gehabt durch in Vaduz von meinem Freund Kliemand habe ich zwei Tickets gekauft British air British overseas airways corporation 305 nach Australien zu fliegen damals war schon der Krieg zwischen
[1:29:33] Israel und äh on the arab St- äh Ägypten da komm ich nach Kairo in Kairo war es also Ende Mai no no Ende Juni da weiß ich nicht genau welches Monat das war komm ich nach Kairo kommt die Polizei sagt mein Pass angeschaut sagt er mir »Stern-Gang« sag
[1:29:54] ich »was ist Stern-Gang« »das sind Terroristen in in Israel« sag ich »ich habe mit denen nichts zu tun mein Name ist Stern ich bin römisch-katholisch« schaut er mich an sagt er mir »also Sie können da bleiben über Nacht« weil wenn damals konnte
[1:30:08] man nur bei Tag fliegen bei Nacht sind sie nicht geflogen alle anderen Passagiere wurden nach in die Stadt in ein Hotel ich musste mit meiner Frau bleiben am Flughafen da haben sie einen Soldaten die ganze Nacht mich bewacht den nächsten Tag sind wir weitergeflogen
[1:30:20] nach Ne- New Delhi von New Delhi nach nach äh Singapore von Singapore nach Darwin von D- vier Tage hat gedauert bis ich in Australien angekommen bin in Australien bin ich äh in Sydney gelandet mein Cousin hat in Melbourne gelebt so sind wir nach Melbourne
[1:30:36] haben wir ein Zimmer gemietet so hab ich sofort angefangen erste Mal bin ich an die Schule gegangen um Englisch zu lernen weil ich konnte kein Wort Englisch da nach paar Monaten hab ich bin dann habe ich begonnen Briefmarken zu handeln so bin ich Briefmarkenhändler
[1:30:50] geworden in 1952 habe ich mein erstes Geschäft geöffnet und so bin ich dann weiter Briefmarkenhändler geblieben
[1:30:57] ich würd gern noch mal äh zurückgehen nach Pressburg Sie haben jetzt so oft schon äh von Ihrer Frau gesprochen wann haben Sie sie kennengelernt ?
[1:31:06] [gleichzeitig:] ja das ist [lacht] ja meine Frau habe ich kennengelernt nach dem Krieg war das so da war Fünfuhrtee ist man gegangen tanzen fünf fünf five o'clock tea in in ein Tanz in ein einem Kaffeehaus ist man tanzen gegangen da bin ich mit zwei meiner
[1:31:25] Freunde äh in eine ah diesen Kaffeehaus gewesen da seh ich ein hübsches Mädchen sitzen vis-à-vis von uns mit zwei jungen Männern und sag ich zu ihm »Sano« das war mit meinem Freund sag ich »du schau dir dieses Mädchen an« da kommt eine Frau verkaufen
[1:31:40] Blumen die man aus aus Holland hat man im- importiert Rosen mit langen großen Rosen da kommt eine Frau mit einem bunch von Rosen sag ich »was kostet der bunch ?« sagt sie »so viel« »nehmen Sie diese Blumen taken Sie diesen zu diese Dame drüben« so die
[1:31:55] F- [lacht] so habe ich ah so habe ich die Blumen an meine Frau geschickt und es war erst hat sie mich sch- schlecht angeschaut wie wir dann aus dem Tanzsaal aus- nach Haus gegangen sind habe ich ihr geholfen den Mantel anzuziehen ja und so sind wir irgendwie
[1:32:12] bekannt geworden und äh ich weiß ja nicht genau die details mehr jedoch meine Frau hat alle ihre Familie verloren das ist eine ganze story wie meine Frau am Leben geblieben ist alle sie hat niemanden gehabt da war ein Onkel der überlebt hat sie hat bei
[1:32:30] dem Onkel gewohnt und so sind wir dann befreundet worden und im 47 das war schon Ende 46 47 bin ich nach nach Amerika gefahren zu eine Briefmarkenausstellung ich war der erste erste tschechoslowakische Staatsbürger der ein Visum Geschäftsvisum nach Amerika
[1:32:50] bekommen hat weil die Amerikaner haben niemanden geglaubt dass sie geschäftlich reisen jeder wollte emigrieren so war ich dann nach Prag nach ins Konsulat gerufen da hat man mich gefragt verschiedene Fragen über Briefmarken nachdem ich alles genau gewusst
[1:33:05] hab hab ich ohne weiteres mein Visum bekommen und bin nach New York gefahren in New York war ich dann zwei Wochen und dort hab ich ich hab viel Briefmarken aus den besetzten Gebieten gehabt Ostland Ukraine alle deutschen Ausgaben Luxemburg die Hindenburgaufdrucke
[1:33:20] mit verschiedenen Marken deutsche Besetzungsausgaben Generalgouvernement die Amerikaner haben das wie wahnsinnig gekauft ich hab viel Geld gemacht dort und bin aus Amerika zurück und nach ich glaube drei vier Wochen weiß nicht genau und dann hab ich bin
[1:33:36] ich hab ich mit meiner Frau sind wir ausgegangen so haben wir uns entschlossen wir werden uns verloben da hab ich mich verlobt und sie hat niemanden gehabt und ich hab niemanden gehabt also f- vielleicht außer meiner beiden Schwestern und so haben wir dann
[1:33:51] geheiratet am zweiten März das war mein Geburtstag ja dann folgen wenn wir uns entschlossen haben zu heiraten wir wussten nicht wo wir wohnen werden nach dem Krieg war fast unmöglich eine Wohnung zu erhalten so äh es wurde mir mitgeteilt sie können nur
[1:34:08] eine Wohnung haben wenn sie verheiratet wir waren noch nicht verheiratet »also Sie müssen erst heiraten dann können Sie eine Wohnung haben« jetzt habe ich ein Problem gehabt wenn da war zweimal ich musste mich jüdisch verheiraten und zivil verheiraten
[1:34:20] so haben wir uns schon zivil verheiraten kein Problem (___) unterschreiben und das haben wir auch getan am zweiten März 1947 48 hab ich zivil geheiratet hab ich eine Bewilligung bekommen eine Wohnung zu äh zu nehmen und dann haben wir also jüdisch geheiratet
[1:34:45] zwei Monate später das ist schon history jedoch war Folgendes ich hab ein bombed ein Geschäft das bombardiert war ein beschädigtes Geschäft umgebaut auf ein bedroom flat und so haben wir sind kaum eingezogen bevor wir dann gleich weg sind hab ich ein neues
[1:35:03] Wohnung gehabt alles stehen gelassen und so sind wir nach Ausl- Australien gekommen in Australien war es ganz interessant es war ohne Sprache war sehr schwierig and äh ich habe mich dann entschlossen ich muss erst Englisch lernen meine knowledge also mein
[1:35:18] Wissen in Briefmarken war above ich hab mehr gewusst wie alle die australischen Händler ich hab große Verbindungen gehabt ich habe ich war schon damals ein expert an Österreich-Ungarn an am Abstempelungen mit verschiedenen Ländern und äh so hab ich mich
[1:35:35] bekannt wie bin ich bekannt geworden mit verschiedenen Händlern und die waren in impressed mit meiner knowledge das ich gewusst hab Philatelie und so habe ich begonnen zu Briefmarken zu handeln und da- dann in 52 das erste Geschäft geöffnet und meine Frau
[1:35:53] wir haben Tage und meine Frau hat das den Boden aufgewaschen in der Nacht ich hab das Fenster geputzt wir waren glücklich verheiratet wir haben kein Problem gehabt wir waren frei und wir haben gearbeitet Tag und Nacht und so haben wir uns langsam etabliert
[1:36:08] ja
[1:36:10] wann haben Sie das erste Mal über Ihre Erfahrungen während des Krieges gesprochen ?
[1:36:15] ja schauen Sie vor vielen Jahren for viele Jahre lang habe ich nur mit Überlebenden gesprochen wenn wir zusammengekommen sind das einzige Thema war im Lager »wo warst du ? was ist dort passiert ?« wie waren immer zusammen immer zusammengehalten keine outsider
[1:36:32] äh dann ist es soweit gekommen ich habe viele schlaflose Nächte gehabt ich immer gelaufen geschossen ich habe meinen Vater gesehen aufgewacht in Schweiß Schweiß und es war sehr sehr schwierig so und meine Frau hat mir immer gesagt »du rede überhaupt
[1:36:50] nicht über das Lager nichts« eines Tages bekomme ich eine Einladung von einer Schule Yom Hashoah ist gekommen ja die wollen jemand ein Überlebender soll in der Schule in der Schule den Kindern sprechen da ist die größte jüdische jüdische Schule in Melbourne
[1:37:06] 1200 Kinder die ganze Schule war versammelt und ich habe eine Anspra- also über meine Erlebnisse gesprochen und ich habe Folgendes gesagt ich kann mich genau erinnern wie das war äh da hat man mir gesagt ich da war ein ganzes Fest an an nicht ein commemoration
[1:37:24] in in in connection mit dieser Shoah ceremony ich habe zwanzig Minuten zu sprechen so hab ich den Kindern gesagt »schau in zwanzig Minuten wenn ich zwanzig Stunden sprech kann ich noch immer euch nicht alles erklären aber ich habe mich entschlossen ich werde
[1:37:41] meine Erfahrungen in verschiedene Episoden zusammensetzen« ich kann mich genau erinnern und ich habe fünf Episoden und zwar habe ich das Folgendes eingeteilt das ist die underground wie ich geworden ein Mitglied des underground dann der Bunker das Versteck
[1:37:59] dann die concentration camp the death march die Befreiung and homecoming das six verschiedene Episoden und das habe ich so zusammengefasst so dass das sehr beeindrucksvoll war und ich war sehr beeindruckt von den die die das die die Lehrer haben ges- sie haben
[1:38:19] noch nie gesehen dass die ganze Schule so ruhig war wie ich wie ich gesprochen hab und das hat mich sehr beeindruckt und das hat mich irgendwie äh also dazu gebracht dass ich mehr sprechen soll weil ich weiß dass die Kinder waren interessiert er- erstens
[1:38:33] hab ich immer gedacht die sind nicht interessiert und wenn sie interessiert sind werden sie so- sowieso nicht verstehen was ich mitgemacht hab aber zum Schluss haben mich die Kinder dazu gebracht dass ich wieder gesprochen hab und heute ich ich bin froh wenn
[1:38:48] ich neue Schulen dazu hab ich kann mit den Kindern sehr gut zusammenarbeiten und ich connect sehr genau mit den Augen genau schaue ich ich kann dann feststellen welche der Kinder interessiert sind von meiner story und so bin ich dazu gekommen dass ich heute
[1:39:02] ganz frei sprechen kann normalerweise nach diesem Interview hö- könnte ich heute Nacht nicht schlafen aber i- zwar bin ich jetzt irgendwie emotional darüber aber ich glaube ich es affected mich nicht mehr sondern im Gegenteil ich versuche zu geben was ich
[1:39:17] noch weiß
[1:39:20] aber Sie haben uns im Taxi auf der Hinfahrt erzählt dass das ne ganze Zeit gedauert hat bis Sie äh so ruhig danach gewesen sind
[1:39:25] [unterbricht:] ja das hat zwanzig Jahre gedauert zwanzig Jahre meine Schwester in Los Angeles hat vierzig Jahre nicht gesprochen die will noch immer darüber nicht reden
[1:39:32] ne ich meinte jetzt auch als Sie am Anfang darüber gesprochen haben konnten Sie nicht gut schlafen oder
[1:39:37] nein nein ich konnte nie wenn wir zusammen waren vom Lager gesprochen haben habe ich in der Nacht nicht schlafen können bin ich immer gelaufen habe ich meinen Vater gesehen meine Mutter das war schrecklich schrecklich schrecklich heute bin ich irgendwie zurück
[1:39:51] zur Normalität zwar bin ich noch immer sehr emotional manches Mal ja aber ich bin diese Reise besonders heute dass ich hier bin bei Ihnen ist für mich sehr wichtig ich habe meine zwei Urenkel mit mir heute hier die sehr interessiert sind die Projekte geschrieben
[1:40:09] haben über die Holocaust in der Schule die Film gemacht haben und ich will das irgendwie übergeben zwar ich frage sie immer können sie das verstehen niemand kann das verstehen wie können Sie das verstehen ? ich ich kann das selbst nicht verstehen wie kann
[1:40:24] ich erwarten dass Sie das verstehen ich wir haben immer gesagt Deutsche höchste Kulturland der Welt wie kann das vorkommen ? wie ist das möglich ? ja wie ist das möglich ? und ich kann das heute auch nicht verstehen obzwar heute fragen mich viele die Leute
[1:40:39] »wie fühlst du dich in Deutschland ?« sag »ich hab das alles vergessen« wissen Sie nach dem Krieg meine Frau hat ein ein ein äh Leinentuch gekauft bei ein einem department store in Ber- in Melbourne und da »made in Germany« hab ich ihr gesagt sie muss
[1:40:56] das zurücknehmen ich will das nicht und das war im 52er heute vertrete ich deutsche Firmen arbeite in Deutschland ich fühle mich hier gut ich fühle mich hier gut besser wie ich nach Ungarn und nach Russland gekommen wär ich fühle keinen Antisemitismus
[1:41:10] hier ich habe zwar keine connection aber nachdem ich mit den Schulkindern in Crivitz die Verbindung aufgenommen wie ich gesehen hab wie die Kinder interessiert waren hat mir das viel geholfen das war für mich sehr wichtig
[1:41:22] Sie hatten vorhin in der Pause gesagt dass Sie noch gerne über einige Leute etwas erzählen würden die Ihnen geholfen haben
[1:41:29] ja also natürlich die Frau Aigner die ihr Mann war ein SS-Offizier in Salzburg sie w-
[1:41:38] [gleichzeitig:] Frau Aigner ist die die mit den Briefmarken
[1:41:42] Aigner die meine arisiert waren die mich arisiert hat meine Arisatorin war die Frau Aigner die äh aus Salzburg war und die ich hab ihr geholfen sie hat uns äh mir geholfen und es war meistly ein finanzielles arrangement und die hat mich die hat mir ver-
[1:41:58] besorgt alle meine Dokumentationen meine Reglimentationen dass ich keinen Stern tragen musste und ich habe gewisse Vorteile also sie hat mir ersten Ranges geholfen dann waren natürlich einer der Po- Polizeileute die mir Nachrichten gebracht haben einmal die
[1:42:14] Woche von der Sicherheitspo- slowakische Sicherheitspolizei der war der einzige Mann der gewusst hat wo ich versteckt war in im Kino der ist einmal in der Woche gekommen mit dem sind wir dann ausgehen am Abend zum hairdresser der wir haben einen ungarischen
[1:42:31] äh Friseur gehabt der unsere Haare geschnitten hat der auch von uns gewusst hat und dann war natürlich der der Arnost der mir geholfen hat der der Detektiv aber der hat andere Leute verhaftet mir hat er geholfen und dann eine Prostituierte wenn wir auf den
[1:42:49] Ra- wenn wir noch bevor wir ins Bunker gekommen sind wenn wir gebraucht haben irgendwo zu schlafen ist sie auf die Straße gegangen arbeiten wir haben dort geschlafen die hat uns geholfen ich hab keine Idee kein Geld wir haben kein Geld gehabt ohne Geld wir
[1:43:02] haben wir wir brauchten Nachrichten von London die hat ein Radio gehabt und die hat uns verschiedene Informationen gehabt alle diese Leute haben uns geholfen ohne diesen Leuten hätte niemand überlebt jeder der der Mann der uns versteckt hat also im Kino
[1:43:19] der Mann der uns das Geld gebracht hat Frank der der ach da gibt es so viele Leute die sind nicht einmal in meinem Buch erwähnt aber ich habe Glück gehabt weil ich alle diese Verbindungen gehabt hab warum weiß ich nicht und das fast fast alles ohne Geld
[1:43:35] fast alles ohne Geld ja da waren natürlich der Lichy der Lichy war der ist auch in meinem Buch beschrieben der Lichy war head of the (dochotka) der äh beim Finanzamt der ein Haupt- wie heißt das ein Direktor oder was immer sein Titel war beim Finanzamt
[1:43:54] und der hat Folgendes der hat Folgendes getan der Mann hat Leute eingesperrt um sie vor den Deportationen to beschützen und zwar hat er es bei den Deutschen so arrangiert dass das Finanzamt braucht die Leute zu untersuchen wo sie das Geld versteckt haben
[1:44:10] der hat sie im Gefängnis gehalten und zwei meiner Freunde haben so überlebt ja der sie ein ein im Gefängnis gehalten hat und der sie dann Deportation am vorüber war dann freigelassen hat und dieser Lichy ist dann nach dem Krieg ich bin noch heute mit seiner
[1:44:29] Tochter in Verbindung ich sehe sie jetzt in Bratislava der Lichy ist dann noch höher Beamter geworden unter den Kommunisten eines Tages ja ja das muss ich Ihnen noch sagen mir hat man einmal wenn ich über die Grenze gefahren bin mit jemanden nach Ungarn
[1:44:44] wollte ich nicht den die Grenzkontrolle benachrichtigen dass ich durchfahr hab ich nichts gesagt bin ich als normaler Tourist nach Ungarn gefahren und man hat mich bei der Grenze äh ge- gefangen mit einem Revolver und mit Geld nach Buda- ich hatte das legi-
[1:45:02] legal haben können wenn ich benachrichtigt hätte dass Bratislava Nummer 318 über die Grenze kommt hätte ich normal können gehen aber man hat mich da gefangen und man hat mir weggenommen meinen Revolver mein Geld und ich ban bin dann aus Budapest zurück
[1:45:19] und ich habe meinen Offizier in Prag angerufen »Bratislava 318 ich habe ein Problem bei der Grenze gehabt« sagt er »gar kein Problem ich werde veranlassen in Bratislava dass sich dass dir das Geld und dein Revolver zurückkommen zurückgebracht werden«
[1:45:34] dieser Lichy wurde beauftragt mir das zurück der war in in in charge of den Beam- den Amt und der hat mir meinen Revolver und mein Geld zurückgebracht und der wusste nicht wieso wer wer ich bin ja ich bin er wollte er mi- ich hab ihm nichts gesagt aber er
[1:45:52] hat den Auftrag aus Prag erhalten das zurückzube- mir zurückzubek- und bringen und so bin ich dann irgendwie in Verbindung mit ihm geblieben der hat mir dann geholfen mein Freund eingesperrt war später es gibt s noch viele solche Kleinigkeiten jedoch what
[1:46:07] zum Schluss dann war eines Tages ruft mich der Lichy an sagt er »Maxi ich muss mit dir sprechen komm heute Nacht zu mir« sag ich »was ist passiert ?« »ich habe heute im Amt bekommen eine eine eine Schein zu unterschreiben dass ich äh bekomm ein member
[1:46:24] von der communist party was soll ich machen« hat er mich gefragt sag ich »Pista bácsi« ich hab ihn genannt »Pista bácsi« Stefan Lichy auf Ungarisch heißt das »Pista bácsi« ich hab ihn »Pista bácsi wenn Sie bleiben wollen müssen Sie das unterschreiben
[1:46:40] wenn Sie dass nicht unterschri- Sie können mehr den Leuten helfen wenn Sie das unterschreiben und da mitmachen ja sonst verlieren Sie Ihren Job« hat er meine meinen advice angenommen das werde ich nie im Leben vergessen er ist hier in meinem Buch auch beschrieben
[1:46:55] genau und seine Tochter lebt in Bratislava die ich jedes Jahr besuche und ich ihr jedes Jahr ein großes Geschenk zu Weihnachten schicke ihrer Tochter ich bin noch immer in Verbindung der Mann war unglaublich der war einer der unglaublichsten personalities
[1:47:09] in mei- der in meinem Leben war ich hab ja viele solche Leute (___) und Lichy und ist ist ist sehr schwer für mich genau zu beschreiben wie viel Leute mir da geholfen haben ich bin der ganzen Welt dankbar also ich weiß nicht wem ich erstens nennen soll
[1:47:27] ich weiß dass Sie bereits in den Neunzigern das erste Mal nach Bratislava zurückgekehrt sind und Sie sagten gerad dass Sie es jährlich machen oder regelmäßig dort sind was ist das für ein Gefühl wenn Sie zurückkommen in die Stadt ähm Ihrer Geburt ?
[1:47:43] ja also erstens einmal wenn ich erste Mal zurückgekommen hab ich die kleinen Gassen ich hab geglaubt es wäre eine große Stadt da komm ich so durch die schmalen Gassen ich kann mich gar nicht mehr erinnern wo ich in die Schule gegangen bin das war eine erste
[1:47:57] Enttäuschung ich habe jedoch in Bratislava viele noch Bekannte aus der Jugendzeit ja nicht-jüdische ja und mit den Leuten mit denen ich zusammengekommen bin und da hab ich einen Verwandten hab ich noch in Bratislava gehabt der war ein Professor auf der Uni-
[1:48:13] ein in einem Spital und den ich während des der hat den Krieg als Arier überlebt und der dann in in Bratislava gelebt hat für mich war das das erste Mal war das ziemlich schwierig ja mich damit zu abzufinden was da passiert ist wo ich gewohnt hab ich bin
[1:48:32] an meine alte Wohnung gegangen und also das erste wenn ich heute nach Pressburg komm ich gehe zum Friedhof alle meine Verwandten und Bekannten besuchen das ist mein Einziges was ich heute übri- was übrig bleibt dann geh ich auf den Friedhof dann sag ich
[1:48:48] »da liegt hier da liegt meine Großmutter da liegt mein Großvater da ist ein anderer Freund« und meine Eltern sind meine Eltern [bewegt] meine Eltern sind auf einem Grabstein meiner Großmutter rückwärts aufgeschrieben wo mein Vater meine Mutter und meine
[1:49:07] zwei Brüder Namen aufgeschrieben sind wo sie schreiben dass sie das ermordet wurden während des Krieges das is alles was ich das einzige Denkmal was ich habe
[1:49:16] Herr Stern möchten Sie zum Abschluss des Interviews noch etwas sagen ?
[1:49:27] ja dieses Interview was für mich ganz special weil ich glaube ich habe damit einen Beitrag gemacht irgendwas zurückzulassen was die Leute interessiert und dass die Leute das vielleicht besser verstehen können mein einziger mein einziges Kommen wenn immer
[1:49:49] ich ein darüber spreche so schließe ich ab vergeben ja vergessen nie Sie müssen gedenken ich kann nicht vergessen Sie müssen gedenken und nie vergessen das ist meine message to an Sie persönlich Sie müssen das remember never forget nie vergessen ja
[1:50:14] Herr Stern wir danken Ihnen für dieses Interview
[1:50:19] vielen Dank
[0:00] danke
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1921 | Pressburg | Geburt in eine bürgerlich-jüdische Familie |
| ab 1927 | Pressburg | Besuch der jüdisch-orthodoxen Grundschule |
| ab 1934 | Pressburg | Bar-Mitzwa, Geschenk des ersten Briefmarkenalbums |
| ab 1936 | Wien | Umzug zum Onkel, Besuch einer Maschinenbauschule |
| ab 1938 | Pressburg | Rückkehr zur Familie nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich |
| 1939 - 1944 | Pressburg | Verantwortung für den Lebensunterhalt der Familie durch den illegalen Handel von Briefmarken |
| ab 1941 | Sillein | Inhaftierung, Entgehen einer Deportation und anschließende Flucht von der Zwangsarbeit |
| ab 1944 | Pressburg | Flucht ins vorbereitete Versteck, Deportation der Familie nach Auschwitz |
| ab 1944 | Sered (Zwangsarbeitslager) | Entdeckung im Versteck, Gefangennahme und Überstellung ins Konzentrationslager |
| ab 1945 | Sachsenhausen (Konzentrationslager) | Deportation nach Sachsenhausen, Überstellung nach Lichtenrade, Zwangsarbeit zu Aufräumarbeiten in Berlin |
| 1945 - 1945 | Wittstock/Dosse | Todesmarsch über den Belower Wald |
| 1945 - 1945 | Pressburg | Rückkehr und Wiedersehen mit den Schwestern, Wiederaufnahme des Briefmarkenhandels |
| ab 1948 | Pressburg | Heirat mit Eva Rosenthal |
| ab 1948 | Melbourne | Ausreise nach Australien und erneuter Aufbau eines Briefmarkenhandels |
| ab 1988 | Melbourne | erstmalige Teilnahme an Zeitzeugenveranstaltungen in Schulen |
| ab 2010 | Crivitz | Rückkehr nach Crivitz anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung der Autobiographie »Lebenswertzeichen« |
Die Slowakei wurde ab März 1939 unter Jozef Tiso ein Satellitenstaat des Großdeutschen Reiches, so dass sich auch dort die Bedingungen für die Juden drastisch verschlechterten. In der Öffentlichkeit mussten sie Judensterne tragen und fortan war es dem Vater nicht mehr möglich, seinem Beruf als Handelsreisender nachzugehen. Im Mai 1939 gelang es den Eltern, zwei jüngeren Brüder von Max Stern Plätze für einen Kindertransport nach England zu organisieren.
Max Stern wurde künftig durch die Erlöse aus dem für ihn nun illegalen Handel mit Briefmarken zum Ernährer seiner Eltern und seiner vier weiteren Geschwister. Durch seine Geschäfte etablierte er viele Kontakte, von denen er immer wieder profitieren konnte. 1943 lernte er Maria Aigner, eine Österreicherin, die eine Buchtauschbörse in Pressburg betrieb, kennen. Es gelang ihm, in den Räumlichkeiten der Buchtauschbörse ein Briefmarkengeschäft unter dem Namen von Frau Aigner zu eröffnen. Einige Monate später wurde er bei einer Razzia ohne Judenstern verhaftet und in das Durchgangslager Sillein verbracht, wo er in Vororten Zwangsarbeit verrichten musste. Nach einer kurzen Zeit der Zwangsarbeit wurde Max Stern mit seinen Mithäftlingen zu einem Bahnhof getrieben, wo sie gezwungen wurden, einen Güterzug zu besteigen. In einem günstigen Moment konnte er sich ins hohe Gras fallen lassen und es gelang ihm, zunächst unentdeckt ins Lager zurückzukehren und sich einige Wochen später auf dem Rückweg von der Zwangsarbeit unter die Zivilbevölkerung zu mischen, da er zu diesem Zeitpunkt noch keine Häftlingskleidung tragen musste.
Zurück in Pressburg gelang es ihm vorerst mit Hilfe einer falschen Identität, die Maria Aigner ihm verschaffte, weiter zu handeln. Doch kurz nach dem von deutschen Truppenverbänden und der slowakischen Hlinka-Garde niedergeschlagenen Volksaufstand in der Slowakei im Oktober 1944 begannen umfassende Deportationen von Juden. An dem Morgen nach Jom Kippur wurde die gesamte Familie von Max Stern verhaftet und über Sered nach Auschwitz deportiert. Zur Zeit der Verhaftung war Max Stern nicht zu Hause, so dass er der Deportation entging. Gemeinsam mit einigen Freunden floh er in ein bereits vorbereitetes Versteck, welches sich in dem Vorführraum eines Kinos befand. Alfons Drobny, der katholische Besitzer des Kinos, arbeitete mit der Untergrundbewegung zusammen und half den Versteckten. Nach einem Bombeneinschlag im Kino wurde die Gefahr, aufgespürt zu werden, zu groß, so dass sie in ein neues Versteck umzogen, in dem sie jedoch kurz nach Weihnachten vom Hausmeister entdeckt wurden. Anfang Januar 1945 wurde Max Stern über Sered nach Sachsenhausen deportiert. Von Sachsenhausen wurde er in das Nebenlager Lichtenrade überstellt und musste Aufräumarbeiten nach alliierten Bombenangriffen auf Berlin und Zwangsarbeit beim Bau von Verteidigungsstellungen leisten. Mit dem Vorrücken der russischen Front wurde Max Stern Ende April 1945 von der SS auf einen Todesmarsch in Richtung Norden getrieben. Die Versorgungssituation war bereits in den Wochen und Monaten zuvor katastrophal, so dass viele Häftlinge an Entkräftung starben oder sich aus Verzweiflung erschießen ließen. Im Belower Wald bei Wittstock trieb die SS eine große Zahl von Häftlingen zusammen. Bewacht von Kettenposten wurden sie gezwungen, im Wald zu campieren. Nach Verhandlungen der SS mit dem Internationalen Roten Kreuz kam es schließlich zu einer Essensausgabe für Gefangene und die SS. Kurz darauf wurde der Todesmarsch in Richtung Norden fortgesetzt, bis eines Morgens Anfang Mai 1945 die SS-Posten verschwunden waren. Max Stern und sein alter Pressburger Freund Oskar Schiller, dem er während des Todesmarsches wiederbegegnet war, trafen sogleich auf die ersten Einheiten der Roten Armee. Völlig entkräftet und an Typhus erkrankt, kam Max Stern zunächst in ein russisches Militärlazarett.
Im Juni 1945, nachdem er sich ausreichend von Krankheit und Hunger erholt hatte, machte er sich gemeinsam mit seinem Freund auf den Heimweg. Da er nie wieder das Gefühl erleben wollte, in einem Transport zu sein, versuchten sie, auf eigene Faust den Rückweg nach Pressburg anzutreten, anstatt mit einem Sammeltransport ehemaliger Häftlinge heimzukehren. Bei der Durchquerung der russischen Besatzungszone gaben sie sich je nach Situation als deutsche Kriegsheimkehrer oder ehemalige Lagerhäftlinge aus. Mit Hilfe eines alten Freundes in Prag, den er aus Zeiten des Briefmarkenhandels kannte, erreichte er schließlich Pressburg. Max Stern traf seine beiden Schwestern und ihre ehemalige Haushälterin wieder, die ihm mitteilten, dass seine Eltern und Brüder sowie zehn weitere Familienmitglieder in Auschwitz ermordet wurden.
Sofort stürzte er sich in Arbeit und nahm erneut den Handel mit Briefmarken auf. Es gelang ihm, seltene Sondereditionen in Ungarn anzukaufen und diese in den Vereinigten Staaten von Amerika gewinnbringend weiterzuverkaufen. Beim Tanztee lernte er Eva Rosenthal kennen, die er an seinem Geburtstag, dem 2. März 1948, heiratete. Schnell spürten sie, dass sie ihre gemeinsame Zukunft nicht in der Slowakei verbringen wollten, nachdem Max Stern von einem ehemaligen Mithäftling und überzeugten Kommunisten eine Haftstrafe angedroht worden war. Über Budapest und Wien verließen sie im Juli 1948, von einem Tag auf den anderen, die Slowakei. Zunächst erhielten sie in Zürich von einem ehemaligen Geschäftspartner und Freund Hilfe, der für sie erwirkte, dass sie bis zur Bewilligung des australischen Visums in der Schweiz bleiben konnten. Über Ägypten erreichten sie schließlich Australien, wo Max Stern augenblicklich begann, die englische Sprache zu erlernen, um sich erneut als Briefmarkenhändler selbstständig zu machen. Über die Jahre wurde er zu einem der erfolgreichsten Briefmarkenhändler Australiens. Die Vergangenheit thematisierte er nie, da sie Alpträume in ihm auslöste. Erst als seine Enkelkinder in die Schule kamen und er darum gebeten wurde, in der Schule von seiner Verfolgungszeit zu sprechen, brach er sein Schweigen. Die Erfahrungen, die er hierbei machte, führten dazu, dass er sich seitdem als Zeitzeuge an Schulen – in der Hoffnung etwas zu hinterlassen, was nicht vergessen würde – betätigte.