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Naftali Fürst (*18.12.1932, Pressburg)

Signatur
01157/sdje/0053
Institut
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sprache
deutsch
Ort und Datum der Aufnahme
Berlin, den 23. Januar 2013
Dauer
02:38:05
Interviewter
Naftali Fürst
Interviewer
Daniel Baranowski , Lennart Bohne
Teilnehmer am Gespräch
Philipp Sukstorf
Kamera, Licht und Ton
Daniel Hübner
Redaktion
Christoph Schönborn
Transkription
Christoph Schönborn

Naftali Fürst sah in den 1960er Jahren in der israelischen Zeitschrift »Maariv« eine Fotografie von sich kurz nach der Befreiung in Buchenwald im April 1945. Dieses Foto führte ihn 2005 zum ersten Mal wieder nach Deutschland. Seitdem bemühte er sich verstärkt um die Erinnerung an den Holocaust. Die Kindheit des 1932 in der damaligen Tschechoslowakei geborenen Natfali Fürst endete bereits im März 1939. Der so genannte »Anschluss« Österreichs hatte die Vertreibung der Familie aus dem Pressburger Vorort Au zur Folge. Nach zwei Jahren trügerischer Sicherheit im Arbeitslager Sered und einer kurzen Zeit in Freiheit wurde er im November 1944 gemeinsam mit seinem Bruder und seinen Eltern nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nach der Trennung von den Eltern überlebte er gemeinsam mit seinem Bruder das Arbeitslager Budy, einen Todesmarsch, eine erneute Deportation sowie das Konzentrationslager Buchenwald. Kurz nach der Befreiung entstand eine der heute bekanntesten Holocaust-Fotografien, die ausgezehrte Häftlinge in einer Baracke in Buchenwald zeigte. Unter ihnen befand sich auch Naftali Fürst. Nach dem Februarumsturz in der Tschechoslowakei flüchtete die gesamte Familie Fürst 1949 nach Israel. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte der Achtzigjährige in Haifa.

Eindrücke

Interview: Naftali Fürst schien schon recht gut über Ausstellung und Projekt informiert zu sein. Nach einem kurzen Vorgespräch startete die Aufnahme bereits gegen 11:30 Uhr. Herr Fürst erzählte ziemlich flüssig, nur zu Beginn ließ ihn scheinbar Nervosität etwas nach Worten und Sätzen suchen. Danach schien NF ziemlich genau zu wissen, was er erzählen möchte. Auch Nachfragen brachten ihn nicht zum abweichen/abschweifen. Technik: Workshop nebenan fast nicht zu hören. Zu Beginn (1. Stunde) leichtes, elektrisches Surren, sonst Ton sehr gut. Licht: gefühlt schon ganz gut, Kantenlicht war nicht ganz einfach. Brille zeigte keinerlei Spiegelung (müssen gute Gläser gewesen sein;-) NF empfand Führungslicht zu hell, dies teilte er vor der Mittagspause dann auch mit. Licht ganz leicht weggenommen (mal sehen ob das im Video auffällt).

Daniel Baranowski

[0:00] ja heute ist der 23ste Januar 2013   Naftali Fürst aus Haifa ist zu uns gekommen nach Berlin herzlich Willkommen   nochmal wir führen mit ihm heute ein Interview für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

[0:16] das Projekt wird unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes   ich bin Daniel Baranowski führ das Interview zusammen mit Lennart Bohne Daniel Hübner ist für Kamera Licht und Ton zuständig und Philipp Sukstorf hospitiert [Schnitt]

Naftali Fürst

[0:31] mein Name ist äh Naftali Fürst ich bin geboren w- in Slowakei in Petržalka   das ist ein Vorstadt von Bratislava mein Name war dort Juraj Fürst ich bin gestern angekommen nach Berlin von Haifa Israel   und äh heute machen wir das Interview da in in dem

[1:09] Museum von Juden Judentum Ju-   ja   ich bin geboren in Jahren äh 9032   in   ein privaten Haus und meine Eltern haben gehabt ein große Holzhandlung ich war der zweite Sohn von meinen Eltern mein größerer Bruder war Peter Fürst in Israel hat er geheißen

[1:47] Shmuel Fürst   wir haben gehabt eine sehr schöne Kindheit bis Jahre 1938 wir haben gehabt eine schöne große Wohnung Hunde meine Eltern waren   sie haben gute gute   Level gelebt und äh ich habe gehabt auch eine Nass- Nassy eine

Daniel Baranowski

[2:27] Kindermädchen

Naftali Fürst

[2:29] K- Kindermädchen und äh ich kann äh sagen dass bis 38 haben wir nur Deutsch gesprochen das war meine Muttersprache  

[2:41] im Jahr 38 wann man hat Österreich angeschlu- äh -schluss zum Deutschland was heißt der Anschluss hat man mitgenehmen auch von Slowakei

[2:58] ein Stückchen und das war der Ort wo ich bin geboren wie Petržalka in Deutsch heißt das Au das hat man mit gegeben mit Österreich zum Deutschen Reich und dort in die diese diese Zeit ist angefangen meine   Shoah meine krummes Leben meine   war Ende meinem

[3:31] Kindheit und von dort haben wir angefangen ein ganz anderes Leben   mir müssen von mein von den Haus und von den Depotplatz gleich hinausgehen von Petr- Petržalka ich habe ich glaube dass wir haben bekommen sieben od- ze- oder zehn Tage für Aussiedeln und

[3:59] äh mein Vater war damals in mobilisiert und meine Mutti hat das gemusst machen allein und sie hat das gemacht mit Hilfe von Kameraden meine meine Eltern und wir sind nach sieben oder zehn Tage übergesiedelt nach Bratislava in der Stadt Bratislava   und von

[4:24] dort dort hat man gemietet eine Wohnung und wir haben   bis 1942 in verschiedene Wohnungen gewohnen und äh die   Verdrückung des Juden Verdrückung sagt man ? ist angefangen in der Slowakei die Slowakei der slowakische Staat hat sich äh   mit äh den Nazis

[5:00] äh zusammengearbeitet und das war äh ein äh Nazistaat ein die Slowakei der Präsident von Slowakei war ein Pfarrer hatte geheißen Tito und er war äh ein großer Faschist und er hat äh angefangen die Juden zu wie sagt man undrü- unterdrücken und immer

[5:29] sind wir ausgekommen neue Paragraphen was Juden darfen nicht machen   zum Beispiel man musste den Schmuck äh geben man musste die Pelze geben man darfte nicht äh   in f- im Zug nur in der zweite Klasse oder dreite Klasse fahren und äh verschiedene solche  

[5:57] Paragraphen dass das Leben von Juden war schlecht   und im Jahre zweiund- 1942 hat man auch schon angefangen sammeln die Juden in Lagers und der Transport die Transporten von Slowakei sind angefangen zu fahren nach Polen

Daniel Baranowski

[6:26] Naftali bevor wir ähm dazu kommen ich würde gern noch einmal kurz zurück gehen als Sie das erste Mal umziehen mussten äh aus diesem Vorort äh in die Stadt ähm äh konnten Sie da Ihre Möbel mitnehmen alle oder mussten Sie was zurücklassen wie ist das

[6:47] abgelaufen   können Sie sich erinnern ?

Naftali Fürst

[6:49] wir könnten mitnehmen was wir haben wollen damals noch   mein Vater hat gehabt viel Holz äh Material im Depot ich weiß nicht wie viel hat er können mitnehmen weil es war noch keine Autos so nur mit Pferde und und ich erinnere mich dass die Möbel in meinem

[7:11] Haus in meine Wohnung war alles eingebaut und äh die letzten Tage was man auch mein Vater ist zurückgekommen und helfen die   Über- äh wie sagt man wie (heißt) Übersiedlung er hat war er war so giftig dort er hat genommen eine Hacke und hat das Möbel

[7:35] äh alles äh vernichtet das äh er hat nicht wollen lassen etwas dass man kann das noch benützen weil man hat ihm von seinen Heim und von seinem von seine   Geschäft hinausgeworfen

Lennart Bohne

[7:53] nach dieser ersten Vertreibung hat und Sie sind nach Bratislava umgezogen hat Ihr Vater oder hat Ihre Familie versucht den Holzhandel dort weiter zu führen ?

Naftali Fürst

[8:07] er hat ge- er hat wollen das machen weil wir ham mein Onkel hat ge- habt ein Depot auch in Bratislava   aber in diese Zeit im Jahr 42 hat man schon auch in Bratislava das Depot weggenommen dass man hat geschickt einen Nichtjuden ein Arisator und er hat der

[8:34] hat einen Tag hat man gesagt »du gehst hinaus und jetzt ist das meins« und äh man hat hinausgeworfen auch meinen Onkel und auch meinen Vater so haben wir das Depot verloren und ohne nix bekommen für den   und das war auch nicht nur das verloren Geld oder

[8:58] so etwas weil das war eine schreckliche Fühlung dass man von alles wegnimmt und äh   ohne gar nix und äh man weiß nie wann ob es zurückkommt   und auch in Bratislava haben wir schon   die Wohnungen hat man uns nicht wollen vermieten weil wir Juden sind so

[9:22] sind wir gewandert in verschiedene Orte Örte Orte ja   und äh diese Wanderung vier Jahre hat auch viel Geld gekostet und mein Vater hat schon nicht verdient und äh in diese Zeit war so etwas   er war äh wir haben nicht nicht gesehen Ausgang von die Situation

[9:54] und damals hat man in Slowakei aufgebaut anfang- anfangen aus- aufgebaut den Lager Sered-Lager das ist ein Konzentrationslager in Sered nicht weit von Bratislava   und dort hat man ausgebaut eine große Tischlerei und sie haben gesucht Spezialitäten Tischlers

[10:24] und verschiedene Leute was können zu helfen das die Tischlerei zu aufbauen und ich weiß nicht wie aber man hat auch zu meinem Vater gekommen und hat ihm angebieten angebieten dass äh vielleicht für ihn ist besser gehen in den Lager hinein freiwillig und

[10:52] dort die Tisch- die Holzabteilung zu zu

Daniel Baranowski

[10:58] mit aufzubauen

Naftali Fürst

[11:01] aufzubauen zu die Ho- dass er er war ein Fachmann in Holz und sie haben gebraucht ein äh Fachmann zum Holz und mein Vater ich glaube dass er hat geglaubt dass vielleicht wird das für uns gut sein dass wir werden schon freiwillig wie kann denn freiwillig

[11:20] dort hingehen aber das war auf einmal wir sind im Mai Jahre Jahre 42 in den Sered-Lager hineingekommen und von ersten Tag war es kein freiwilliges aber das war eine Konzentrationslager und von dies- die dem Lager hat man immer gesammelt die Juden von der Slowakei

[11:49] und die Transporten nach Auschwitz Treblinka Sobibor sind von dort hinaus gegangen [Handyklingeln]   wir haben wir haben   ich glaube sind Sachen dass ich weiß nur wie sagt man jetzt weiß ich damals hab ich nicht gewusst wie sagt man das ist eine Sache was

[12:15] sie wissen aber ni- nicht gewusst aber nachdem [räuspert sich] das vielleicht das hat u- hat uns geholfen das wir waren die ersten in dem Lager und darum hat man uns nicht geschickt gleich mit Transport

Daniel Baranowski

[12:30] gab es in Ihrer Umgebung äh denn Leute die deportiert worden sind haben Sie das mitbekommen   zu dem Zeitpunkt ?

Naftali Fürst

[12:40] ja mein Onkel zum Beispiel mein Onkel Laci und seine ganze Familie ist im Jahre 42 deportiert geworden und wir haben ihm wollen helfen mein Vater ist gelaufen verschiedene Plätze zu sich bitt- beten dass er soll nicht das machen aber [Handklingeln] er hat

[13:02] äh er hat äh [Schnitt] so mein Onkel ist damals deportiert mit seiner Frau und meiner und äh einer Tochter sie war damals vier Jahr vier Jahre alt und sind nicht zurück gekommen und wir wissen dass er ist nach Treblinka deportiert   so jetzt werde ich erzählen

[13:29] unsere Erlebnisse in dem Lager Sered ja ist okay ?   von den Lager Sered im Jahre 42 sind gegangen jede Woche jeden fünf Tage Transport nach Polen und jede Transport hat ge- war so groß war groß immer 900 bis tausend Leute   und die Waffen   wer hat äh

[14:09] wie sagt man die Soldaten ? oder die Waffen ?

Lennart Bohne

[14:14] die Wachen

Naftali Fürst

[14:16] die Wachen waren Slowaken die Slowaken waren in schwarze Uniform und sie haben geheißen Gardisti Gar- Gardist und sie haben mitgearbeitet mit den Deutschen und äh weil in dieser Zeit die Deutschen waren nicht Slowakei war nicht übersetzt von deutscher Armee

[14:41] alle die Arbeit die die Sammlung und Transport schicken und äh in Konzentrationslager haben gemacht allein Slowaken ich glaube das ist wichtig auch zu sagen dass Leute nicht wissen das die Slowaken waren so Antisemiten dass sie haben bezahlt dem Deutschen

[15:10] Reich 500 Mark für jeden Juden das man hat deportiert von Slowakei nach Deutschland   die alle Zuge Züge und alles haben die Slowaken allein gemacht und wir waren damals in den Lager Sered wir haben gewohnt zusammen mit meinen Eltern in einen kleinen Zimmer

[15:39] drei auf drei waren vier Personen und wir wa- waren äh   immer in den An- in der Angst dass man auch uns deportiert  

[15:53] aber aber darum dass mein Vater war ein wichtiger wichtige Person in der Tischlerei ist das gegangen dass wir bleiben in den Lager

Daniel Baranowski

[16:04] könnten Sie nochmal kurz sagen ich weiß das nicht ähm dieses äh Lager Sered zu dem Zeitpunkt ähm wie wie hat man sich das vorzustellen konnte man da raus auch zwischendurch oder war das war das schon auch ein abgeschlossenes Lager

Naftali Fürst

[16:20] das war abgeschlossenes Lager zirka sind dort geleben immer tausend Leute zirka und dort hat man gemacht verschiedene F- äh nicht Fabriken aber so kleine

Daniel Baranowski

[16:36] [gleichzeitig:] Werkstätten

Naftali Fürst

[16:38] Werkstätten und dort hat man gearbeitet hat man genäht und hat man gemacht Netztaschen und äh meine Mutti hat gearbeitet sie hat gut gegezeich- -zeichnet gemalt hat sie gemalt Ornamenten und von diesen was man dort äh produziert hat in dem Lager das hat

[16:59] man verkauft in der Slowakei und der Lager hat bekommen von dem Geld so hat nicht gekostet uns zu halten weil das die Tischlerei war sehr berühmt weil die waren dort mehrere gute Tischler und die haben schöne   Arbeit gemacht und auch ich mit meinem Bruder

[17:26] wir Kinder haben wir müssen arbeiten

Daniel Baranowski

[17:28] was haben Sie machen müssen ?

Naftali Fürst

[17:30] wir haben ja auch gearbeitet in der Tischlerei ich glaube zwei drei Stunden in Tag   und äh ich habe dort gehabt eine Episode das ich kann erzählen ich hab gearbeitet dort hat man gemacht auch äh   Pferde das wie sagt man für Kinder dass man Stapfelperd ?

Daniel Baranowski

[17:58] Schaukelpferde

Naftali Fürst

[18:00] Schaukelpferde und ich habe gearbeitet mit äh zu- zu- zuletzt dass es alles so schön rund sein soll mit äh

Lennart Bohne

[18:11] Schmirgelpapier

Naftali Fürst

[18:13] Schmirgelpapier und noch en Sachen von auch Schmirgelpapier und so etwas und auf einmal ist gekommen eine Delegation in der Tischlerei zu Besuch um dort zwischen der der Haupt-   Hauptperson war der Adolf äh Eichmann er war im Besuch in dem Lager und er hat

[18:39] vor mir gestehen und hat mich angeschaut wie ich arbeite so hab ich ihn kann sagen persönlich gekennt das den Adolf Eichmann

Daniel Baranowski

[18:49] das haben Sie aber zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich nicht gewusst   wer das ist

Naftali Fürst

[18:54] [gleichzeitig:] nicht ich habe nicht gewusst dass es er ein so wichtiger und so ein verfluchter Mann ist Eichmann Sie wissen dass er war verantwortlich zu allen Deportationen von Slowakei das und darum ist er gekommen in den Lager kontrollieren und schauen

Daniel Baranowski

[19:11] wie ist das wenn Sie heute daran zurück denken dass Sie als Zehnjähriger Eichmann gegenüber gestanden haben was was empfinden Sie da

Naftali Fürst

[19:19]   das ist nur so eine Episode ich äh habe nicht gewusst dass er Eichmann ist und ich habe mir ein ganze vielleicht habe ich mehr Angst gehabt von den slowakischen Gardisten v- wie von ihm ich habe nicht gewusst wer er ist am Anfang nachdem habe ich gewusst

[19:38] dass er so eine große hohe Person ist

Lennart Bohne

[19:42] Sie beschrieben bereits dass Sie im Nachhinein davon erfahren haben was passiert ist aber gab es zu der Zeit 1942 als die ersten Deportationen von Sered aus gingen   gab es da bereits Ahnungen was passiert gab es Gerüchte gab es ein Wissen   können Sie sich

[20:00] daran erinnern ?

Naftali Fürst

[20:02] schauen Sie immer wenn ich erzähle etwas man muss immer sagen dass ich ein Kind war aber ich weiß jetzt dass die äh   meine Eltern die wie sagt man die Leute   Eltern nee nicht Kind aber die

Lennart Bohne

[20:20] Erwachsenen

Naftali Fürst

[20:22] die erwachsenen Leute nach paar Monaten hat man schon gewusst wo man fahrt und dass man Vernichtung zum fahren zum Vernichtung und darum war uns sehr wichtig wie lang wir können in der Slowakei zu bleiben auch wenn es schlechte Zeiten sind nur in Slowakei

[20:44] zu bleiben dann haben wir gesu- wir haben gewusst nicht ich aber die Älteren gewusst wer in den Transport geht der geht er geht fahrt zum Vernichtung   in Jahre 43 war sind die Transporte in Slowakei äh nicht gegangen   war so eine stille Zeit und in dieser

[21:14] Zeit hat man auch äh in den Lager   nicht so es war nicht so   schrecklich zu leben und äh damals hat man äh auch für die Kinder gemacht eine Klasse und wir haben auch gelernt und äh die   älteren Buben haben auch Fußball gespielt es war so eine normale

[21:43] ganz normale Zeit wir waren zugesperrt und wir w- können nicht hinausgehen aber das war so eine halbnormale Zeit bis

[21:52] äh Jahre   ich glaube August 44 und damals in Jahr in August 44 war die slowakische Revolution anti- ich weiß nicht slowakische

Daniel Baranowski

[22:12] der Nationalaufstand

Naftali Fürst

[22:14] National- slowakische Nationalaufstand aber noch vor dem Au- Aufstand zwei Wochen hat man schon gesehen dass etwas ist (lackert) ist schon nicht so streng in den Lager und äh mein Vater er hat uns gesagt meine Bruder und ich dass wir sollen äh   weglaufen

[22:41] von den Lager und er hat uns geschickt äh einen Tag dass wir sollen über den Zaun springen und gehen nach der St- in der Stadt Sered zum jemand einen Holzhändler was er hat ihn be- gekannt und ich erinner mich dass mein Bruder und ich sind wir   über den

[23:06] Zaun gesprungen und man hat uns gehelfen mit eine   mit eine wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[23:15] e- eine Treppe

Naftali Fürst

[23:17] eine Treppe ja jemand hat uns gehelfen und wir sind gegangen zwei kleine Kinder und wir sind gegangen nicht zusammen dass es nicht so es soll nicht sein auffällig sind gegangen jeder allein und hundert 200 Meter einer von andern und wir sind angekommen in

[23:36] der Stadt Sered und dort haben wir gewartet auf d- unsere Eltern und nach drei vier Tagen sind sie gekommen und dort haben wir uns getreffen in der in der Wohnung

Daniel Baranowski

[23:47] in welcher Wohnung war das dann ?

Naftali Fürst

[23:50] es war ein Freund von meinem Vater ein Holzhändler was sie zusammen gearbeitet haben in der Stadt und äh wann wir schon dort war ist das die Aufstand passiert und äh den Sered-Lager hat man frei gemacht so dass man die Leute könnten frei gehen aber wir

[24:12] waren schon draußen wir waren schon nicht mehr  

[24:15] aber nach eine Woche äh in den Lager in den nach dem Aufstand sind die deutsche Soldaten die SS und die Wehrmacht hat man die Slowakei besiedelt sind physisch reingekommen in Slowakei und man hat di- den Aufstand

[24:38] verdrückt   der ganze slowakische Aufstand ich glaube hat gedauert ge- war ein Monat oder waren sie slowakische F- in der Stadt Banská Bystrica und wenn die Deutschen sind gekommen nach Slowakei hat man gleich angefangen noch einmal die alle Juden zu   zu

[25:08] fangen und wir waren frei   drei Wochen so etwas und wir sind gegangen   nach de- die Stadt Pieštany wo meine Omama und mein Onkel hat äh gewohnen   und wir haben schon wie wir dort hingekommen sind hat man schon gewusst dass man noch einmal macht Razzien und

[25:41] man sucht die Juden und die Gardisten haben   wir haben sich probiert äh verstecken auf eine einem Dach unter dem Dach und ich erinner mich dass wir waren dort eine Nacht aber aber mein Vater hat so stark geschnarcht dass meine Mutter hat gesagt »das h- hör

[26:04] zu du schnarchst so so stark das kann uns nicht helfen dass wir man uns nicht äh bedeckt« das war nur eine Nacht   und äh wir sind äh gewohnen wir waren in in dem Haus von meiner Omama   und wir haben die Eltern haben gesagt dass wir sollen nicht   sein

[26:33] zusammen die ganze Familie dass man uns wenn man uns fasst dass man uns nicht alle zusammen fassen immer waren wir nur zwei zwei oder ich mit meinem Vater oder mein Bruder und äh   ein Tag wir haben schon gewusst dass man in Pieštany sammelt Juden zusammen  

[27:00] ein Tag äh mein Bruder und meine Mutti ist gegangen zum Frühstück zu einer Familie in Pieštany in der Stadt Familie (Quitner) und wir haben sich die Eltern haben sich be- besprochen   besprochen oder besprechen ?

Daniel Baranowski

[27:23] besprochen

Naftali Fürst

[27:25] besprochen dass wir uns treffen bei bei Hotel Termia nachdem zum Mittag zum so etwas und äh wir sind gegangen   ich allein bin gegangen zu die Familie (Quitner) rufen die Mutti und meinen Bruder dass wir so dass wir können uns treffen und man hat mir gesagt

[27:51] dass man hat ihn waren Gardisten für die Familie (Quitner) und hat man mitgenommen auch meine Mutti und meinen Bruder   arrestiert so sagt man ?

Daniel Baranowski

[28:02] verhaftet

Naftali Fürst

[28:04] verhaftet und äh ich bin gelaufen erzähl meinem Vater was ist passiert dass meine Mutti ist verhaftet mit meinem Bruder und ich bin gelaufen in Pieštany ist ein äh   ein Fluss heißt Waag und auf dem ist ein eine Brücke und ich bin gelaufen und ich habe

[28:30] ihm gesagt dass Mutti ist äh verhaftet und damals habe ich ihn erste Mal gehört hat er so gemacht [gestikuliert] und hat gesagt »Shma Israel« das heißt »Gott helf« das das war eine große Katastrophe und wir haben nicht gewusst was sollen wir machen

[28:50] wir   also bin ich mit meinem Vater ein m- mit meinem Vater war ich noch fr- frei und meine Mutti war schon arrestiert mit meinem Bruder in der bei der Gestapo [trinkt]   wir haben noch wollen äh etwas zu dem jail bringen etwas die Schuhe von meinem Bruder

[29:29] so etwas aber wir haben k- wir haben ihm nicht gesehen und ihm nicht getroffen so bleiben wir in dem Haus von meiner Omama meine Omama mein Vater und ich   allein  

[29:43] und äh man hat mich geschickt   dass ich soll gehen zum Schuster in der Stadt und abholen meine

[29:56] Schuhe von meinem Bruder war dort in Reparatur und ich ich erinnere mich dass die Straße heißt Šererovastraße und ich bin gegangen auf der Straße und auf einmal sehe ich dass die Gardisten die haben gehabt ein so ein [gestikuliert] kleines Auto kommen

[30:19] in der Straße hinein das war so eine enge Straße und ich hab mich unter ein Tor ge- gestellt und ich hab mich versteckt und ich hab geguckt wohin die fahren und ich hab mir gemacht ein   eine Hoffnung dass sie nicht zu meiner Omama fahren aber wo etwas andere

[30:44] andere Platz und wie ich dort stehe sehe ich dass der Auto bleibt stehen vor dem Haus meiner Omama die Adresse war Šererova 39   und ich höre (wenn ich stand) dass man angefangen hat zu schießen   man schießt man schießt man schießt ich hab nicht gewusst

[31:08] warum man schießt und ich ich bin ich halt mich zurück zu dem Wand zu dem Tor dass man mich nicht seht und äh jemand von der Straße hat den Gardisten gesagt dass der »das Kind gehört auch zu dieser Familie« und so hat man mich ge- geruft und ich bin

[31:36] gekommen zu dem zu dem Haus zu dem zu dem Auto und dann hat man ich bin nicht hergekommen zu dem Haus dann hat man mich gleich in den Auto gesetzt allein und ich sitz in dem Auto allein und auf einmal bringt man meine Omama   zu dem Auto und sie war ganz weiß  

[32:00] ich habe nicht gewusst warum   jetzt weiß ich dass sie ist hineingegangen in einen Kasten von Mühle

Daniel Baranowski

[32:11] Mehl

Naftali Fürst

[32:13] Mehl sie hat sich versteckt in den Kasten von Mehl und die Gardisten haben sie v- sie von dort hinausgenommen und sie war ganz weiß und s- so bin ich meine Omama und ich in den Auto und mein Vater ist nicht dort   mein was w- mein Vater hat gewusst er hat

[32:32] geglaubt dass ich bin nicht zu Hause und er was er soll machen und er hat auch einen großen [gestikuliert] äh   großen   ge-   wie sagt man ?   er ist weggelaufen von dem Haus aber er musste aufspringen eine große Kletter Kletter ?

Daniel Baranowski

[32:59] eine Leiter ?

Naftali Fürst

[33:02] nein nicht Leiter ein nun wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[33:04] na ich weiß auch nicht

Naftali Fürst

[33:08] daraus hat Hot- Hof wird Ende von Hof ma- eine

Lennart Bohne

[33:10] ein Zaun ?

Naftali Fürst

[33:13] ein Zaun ja

Daniel Baranowski

[33:15] [gleichzeitig:] ah okay

Naftali Fürst

[33:17] war ein Zaun er hat mussten überspringen den Zaun und es war so hoch aber ich weiß nicht wie er hat wie er hat das gemacht und ist gelaufen zu der Richtung die Station und die Gardisten haben geschossen nach ihm aber ich weiß jetzt dass haben sie ihn nicht

[33:30] getroffen und so war ich mit meiner Omama in dem Auto und dann man hat uns genommen auch zum Gestapo in Sered und darauf habe ich kennen gelernt dass meine Mutti und mein Bruder war auch dort aber sie sind nicht schon dort und nach einem Tag hat man uns genommen

[33:48] mit meine Omama in den Lager Sered

[33:51] das heißt zweites Sered dasselbe Lager aber ich sage immer zweites Sered weil erstes Sered und zweites Sered   und äh natürlich wenn wir sind angekommen in den Lager Sered bin ich gleich gegangen zu dem Zimmer wo ich hab

[34:07] gewohnt in der Baracke eins Baracke [hustet] und zum Glück dort habe ich getroffen meine Mutti und meinen Bruder   das war auch eine große   große   es war gut für mich treffen noch einmal meine Mutti   Freude das war eine Freude für mich zu treffen und so

[34:37] waren wir in dem Lager Sered das zweite Sered meine Mutti mein Bruder ich und meine Omama aber der zweite Sered war ganz anders weil waren da schon SS waren die   die W- äh die Wachen SS und zusammen mit Gardisten und die Regime war katastrophalisch und sofort

[35:04] ging auch von äh angefangen die Transporten fahren nach Polen es war ein Jahr war es nicht aber in 44 die Deportation ist angefangen noch einmal und j- jeden Tag je ne- jede Woche sind gegangen Transporte und äh man hat noch einmal gesammelt die Juden was

[35:29] noch war und das war schrecklich dass man musste immer Angst haben dass man soll nicht in in Transport kommen und immer war ein Appell und die haben ausgesucht die Leute welche man nehmt zum Transport   äh

Daniel Baranowski

[35:51] haben Sie zu dem Zeitpunkt irgendwas von Ihrem Vater gehört ?

Naftali Fürst

[35:55] nein überhaupt nichts wir haben nichts gewusst wo er ist was hat er gemacht was passiert ist nicht gar nichts   und einen Tag war so ein Appell und den Tag Alois Brunner der V- äh   war der Verst- nach Eichmann wie sagt man der ?

Lennart Bohne

[36:24] Stellvertreter

Naftali Fürst

[36:26] Versteter ?

Lennart Bohne

[36:28] Stellvertreter

Naftali Fürst

[36:30] Stellverteter von Eichmann er hat gemacht den Appell nein der Appell war aber er allein ausgesucht die Leute zu dem Transport und wir sind gestanden in dem Appell mit äh noch tausend oder 2000 Leute und man steht lange und er kommt für jede fünf Reih und

[36:52] wählt die Leute aus und wir zittern dort und wir haben Angst dass er nicht uns auswählt und äh er war mit eine Gruppe und er allein hat ausgewählt Leute und er ist so gekommen und ist vor uns gestehen und er guckte uns an   und er sagte uns »Sie sind Mischlinge«  

[37:23] ich hab keine Ahnung gehabt was er glaubt überhaupt und mein Bruder hat gesagt »ja wir sind Mischlinge« »und was machen Sie da in Lager ?« er hat gesagt »ich weiß nicht das das ist meine Mutti mein Vater ist nicht da« er hat gesagt nur [gestikuliert]

[37:48] »okay gehen Sie zu diese Ecken gehen Sie zu dieser Ecke« das hat geheißt gehen Sie zu der wo man nicht in den Transport geht   und dort ist geschehen eine große Schwierigkeit für meine Mutti sie hat müssen sich äh   wie sagt man ? äh entschieden was sie

[38:16] soll machen dass sie so sagt ja wir sind Mischlinge und gehen dorthin zu die Ecke und mei- sie lass- hat dann müssen lassen sei- ihre Mutter dort stehen in den   in der Reihe und sie sie hat man geschickt in den Transport und das ist so eine schreckliche Situation

[38:38] zu wählen was m- was will machen retten die Kinder oder bleiben mit ihrer Mutter mit meiner Omama und es passiert so dass wir sind gegangen zu dem zu die Ecke und meine Omama ist gegangen in die andere Richtung und d- diese Nacht hat man den Transport weggeschickt

[38:59] und von dieser Zeit habe ich meine Omama nicht gesehen sie ist nicht zurück gekommen wir haben geglaubt dass sie ist alt aber sie war noch nur sechzig Jahre alt oder so etwas das war eine g- schreckliche Situation und meine Mutti hat das sicher nicht vergessen

[39:18] im ganzen Leben und wir auch nicht   so sind wir geblieben jetzt in dem Lager Mutti mein Bruder und ich   nach paar Tagen hat man äh   uns gesagt dass da mein Vater ist in Sered man hat ihn gebracht er ist in Sered   und äh meine Mutti hat ihm   äh können

[39:56] lassen dass er soll nicht sagen dass er hei- er ist Artur Fürst der Namen so sagen etwas anderes weil wir haben gelügt dass wir sind Mischlinge und unser Vater ist ein Nichtjude [räuspert sich] dass er soll nicht sagen dass wir eine Familie sind und so

[40:16] hat er auch gesagt er hat anderes Namen gesagt und wir haben uns nicht getroffen   [räuspert sich]   äh   sogar man hat gesagt von de- von der   man hat gelassen meinen Bruder hinausgehen von dem Lager dass er su- soll suchen den Vater unseren Vater wann

[40:47] und wann er kommt können wir hinausgehen und mein Bruder war auch nur   14 Jahre alt er ist hinausgegangen von den Lager und er ist gegangen nach der Stadt Pieštany und er hat probiert jemanden zu bringen dass er soll sagen dass er unser Vater ist und so

[41:06] könnten wir hinauskommen vom Lager [hustet] aber das is- hat ihm nicht gelungen und er hat hat ihm gelungen bring- bringen ein falschen Papier mit verschiedenen aber das hat uns nicht geholfen so jetzt war die Situation dass wir sind drei auf ein in ein Baracke

[41:28] und mein Vater ist i- irgendwo und ich weiß dass meine Mutti hat sich mit ihm getroffen bei Nacht und wir sie haben gesprochen und zusammen äh besprecht äh wie man soll das machen   [räuspert sich] es war auch eine Situation dass er hat sich versteckt in

[41:57] der Tischlerei wo er hat gekannt die Plätze und er war dort auch zwei drei Tage besteckt unter die Treppen so ist es gegangen ich weiß nicht wie viel vielleicht ein Woche zwei Wochen   und äh   einen Tag sehen wir   dass meine Mutti und mein Vater gehen zusammen

[42:25] auf den zu die Kommandanten   wir haben gewusst dass etwas passiert Schlechtes passierte ist mit meinem Bruder haben wir das gesehen und wir haben gewusst dass etwas Schlechtes passiert und wir sind gegangen zu dem Kommandanten dort und äh dort war ich weiß

[42:50] nicht ob Brunner war dort oder nicht [räuspert sich] aber sie haben bekommen man hat sie geschimpft und äh warum haben Sie gelogen und äh man hat ihnen gesagt dass wir haben zwei Möglichkeiten oder wir erschießen sie jetzt da aufm Platz und wenn sie wollen

[43:12] etwas anderes sie können in dem nächsten Transport deportiert werden   und äh sie haben gewählt die zweite Möglichkeit   und sie sind hinausgekommen und waren schon zu uns gekommen und waren wir schon zusammen alle vier und wir haben gewusst dass nach noch

[43:39] zwei Tage drei vier Tage geht ein Transport und wir werden mit dem Transport nach Polen geschickt

[43:46] und wir haben gewusst das ist unsere letzte Station [hustet]   meine Eltern haben sich erschlossen dass wir von dem W- Wagen werden hinausspringen und haben

[44:10] uns äh meine Mutti hat uns ich weiß nicht in den Mantel hat sie größer gemacht die Mantel und höher hat sie voll ge- wie sagt man pull-

Lennart Bohne

[44:23] wattiert ?

Naftali Fürst

[44:26] wie ?

Lennart Bohne

[44:28] wattiert mit Watte ausgestopft

Naftali Fürst

[44:30] wattiert ja und hat uns ange- hineingenäht verschiedene Wer- Werkzeuge zum ausbruchen des Waggon   und äh mein Vater hat uns gesagt dass wir werden hinausspringen von dem Waggon und diese Werkzeuge wer- das ist bei mir das ist bei meinem Bruder verschiedene

[44:51] Werkzeuge was er hat gesammelt von der Tischlerei und von Freunde und äh er hat uns äh   äh   erklärt dass wann man man die Türe wird offen sein man wird man w- öffnete die Türe wie we- wie soll man springen von den Waggon hinaus in fahrenden Zug ich

[45:22] sollte sein der erste was springt und er sollte sein der der letzte und man hat uns erklärt dass wenn wir sehen die die elektrischen wie heißt das ? ein

Daniel Baranowski

[45:36] Masten

Naftali Fürst

[45:38] ja wann ich seh soll ich gleich springen und dann komme ich nicht in den zweiten hinein und gleich wenn ich hinausfall soll ich mich äh [gestikuliert]

Daniel Baranowski

[45:49] abrollen

Naftali Fürst

[45:51] nich so wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[45:57] abrollen

Naftali Fürst

[45:58] ab- ja abrollen und aufstehen und laufen laufen laufen laufen und ich wie als Kind habe ich ge- immer geglaubt das äh das ist ein wie ein Spaß oder etwas ich war kein ich war nicht traurig weil ich hab gewusst dass wir kommen nicht nach die Endstation wir

[46:18] werden frei sein und so hab ich ich war nicht so traurig ich habe geglaubt es ist eine eine   wie sagt man ? nicht ein Spiel aber so eine

Daniel Baranowski

[46:28] ein Abenteuer so etwas

Naftali Fürst

[46:31] nein das ist wie ein Detektiv so etwas äh Interessantes wird mir passieren [räuspert sich] und w- ich hab war überzeugt das wi- das wird gelungen   und so   am zweiten November 44 war der Appell und s- äh selbstverständlich dass man hat uns gleich in

[47:03] der Transport genommen und am zw- zweiten November sind wir mit äh den Transport zusammen mit meinen Eltern in den Waggon gegeben (njet) gegangen und Sie wissen ja sicher dass der Waggon das war ein Viehwaggon ohne Klosett und ohne Wasser ohne gar nix und

[47:33] wir waren sehr äh sehr   eng   der Platz war sehr eng weil ich glaube war achtzig oder neunzig Leute in einem so einem Waggon das ist un- unmöglich und man hat äh vor Abend die Türe zugemacht und der   und der äh Zug ist angefangen zu fahren und äh die

[48:06] Leute haben angefangen zu weinen und äh schreien dass keine Luft ist und kein Platz ist und jeder eine muss zur Toilette das ist eine schreckliche Situation das kann man nicht auch mit Wörte erzählen nur wer in so einer Situation war kann das fühlen vielleicht

[48:28] was es ist   und wir fahren in dem Waggon und wir haben auch noch geglaubt dass wir eine Station vielleicht ein Onkel uns vielleicht vielleicht kann retten in einer Stadt Žilina vielleicht kann er von draußen aufmachen die Waggon oder so etwas ich glaube

[48:52] das war nur eine Li- eine ein Gedenk aber wir sind dort gestehen bleiben in der Station und wir haben gehören dass jemand schreit »Fürst Fürst Fürst« aber war nix passiert er hat uns nicht geholfen und der Zug ist weiter gefahren und äh in der Nacht  

[49:17] mein Vater hat wollen gehen zu die Türe aufmachen die Türe und er hat sich   er hat gebeten für eine vor   mit den Leuten dass sie sollen geben Platz so dass er kommen kann zur Türe kommen und er ist gekommen und er hat herausgenommen die ganze alle Werkzeugen

[49:45] was er hat gehabt was wir haben gehabt wir haben das hinausgenommen von die   von den unsere Kleider   und wir haben gewartet was passiert und wie nur wie er wann er angefangt hat etwas zu machen bei der Türe ist ge- in dem Waggon ein große Grummel und die

[50:09] Leute haben ihn nicht gelassen zu arbeiten sie haben gesagt das soll er nicht machen und was er was er mit die Leute was nicht können hinausgehen sie haben Angst gehabt dass äh er macht etwas Schlechtes und ich erinnere mich dass er hat auch Hilfe bekommen

[50:30] von einem äh Installator wie sagt man Installator ? der hat gehabt alle Werkzeuge mit mit ihm zusammen in der in dem Waggon und er hat ihm wollen hol- hilfen zu aufmachen die Türe aber zum Schluss ist es nicht gelungen weil die Leute haben so so eine Angst

[50:56] gehabt und so viel geschreien dass er konnte nix machen und das war eine schreckliche Sache für mich auch weil mein Plan meine meine   Traum dass ich werde frei sein passiert nicht und der Zug fahrt weiter die Richtung Hölle und wir haben gewusst dass wir

[51:25] noch ich weiß nicht halben Tag zwei Stunden ankommen und das ist unsere Ende  

[51:32] und wir sind angekommen am dritten November 44 nach Birkenau   und dort äh   hat man uns hat man die Türe aufgemacht und hinausgesch- hinausgeschmissen und hinausgetr- von den Waggonen

[52:01] »heraus rau- heraus heraus ! schnell schnell­ !« die Hunde es war kalt und es war nass und es war viel äh wie sagt man ?

Lennart Bohne

[52:12] Schnee ?

Naftali Fürst

[52:14] Schnee aber nicht äh Schn- ein Schnee aber in gemischter Schnee so wo man hineinspringt so wie ein Schnee aber

Daniel Baranowski

[52:23] Schlamm

Naftali Fürst

[52:25] Schlamm ja und die Hunde das war eine auch eine unglaubliche Situation und ein unglaubliche Bild [Schnitt]

Daniel Baranowski

[52:37] gut Naftali dann sind Sie in Auschwitz also angekommen nachts   und ähm haben die Szenerie dort vorgefunden die Sie grad beschrieben haben es war dunkel es war kalt   ähm die Hunde die Befehle Sie mussten aus den Waggons raus konnten Sie mit Ihren Eltern zusammen

[52:59] bleiben und Ihrem Bruder dann ?

Naftali Fürst

[53:02] wir haben mussen alles was wir mitgebracht haben in den Waggonen lassen und wir sind hinaus von den Waggonen und äh dort hat man auch gemacht eine Gruppen und äh nach nicht langer Zeit hat man uns zusammen in den Lager getriebt   da muss ich erzählen   manchmal

[53:40] fragt man mich ­»wie hast du das überlebt« und ein- ich sag immer dass man muss haben ist ist nicht genug ein Glück zu haben man muss viel Glücke haben dass man so etwas überleben kann   und unsere Glück war dass im ersten November das war das letzte

[54:05] Mal dass die Gaskammern in Birkenau waren in Betrieb und wir sind der erste Transport angekommen was man nicht gleich auf der Rampe gemacht die Selektion zum Tod oder zum Leben weil wenn ich gekommen würde zwei Tage oder drei Tage vorher möchte ich nicht

[54:31] können erzählen was ich überlebt habe und das ist das ist auch eine   Überzeugung dass die Zeit was wir in Slowakei mitgemacht haben dass wir sollen nicht nach Polen kommen es war sehr wichtig weil wir haben das die Zeit gewinnnen und wir sind gekommen

[54:58] auf der Grenze von gleich zum Tod gehen oder weiter und so sind wir in den Lager gegangen zusammen und die Leute was waren in Birkenau haben sich gestaunt was ist passiert weil sie haben nie gesehen dass Leute mit Familien gehen zusammen in den Lager hinein

[55:24] immer waren gleich zum Gaskammer oder Männer und Frauen separat und da haben sie gesehen ein Masse von Leute zusammen gehen in den Lager   ich weiß nicht ich kann nicht sagen in welchen Block wir sind angekommen ob das war ein Zigeunerblock oder nicht das

[55:47] weiß ich schon nicht mehr äh pünktlich kann ich nicht sagen aber wir sind hineingekommen in ein Barack dort waren Pritschen und mi- noch mi- zusammen mit meine Eltern und das war eine ganz Neuigkeit in Birkenau   [räuspert sich] einen von meinen Er-

[56:17] Erlebnissen in den Barack war   und das ersten Tag was wir dort waren   zum Abend auf einmal hat man gebringen in den Blo- in den Barack ich glaube vier oder fünf Leute mit eine Gruppe von Männer von Häftlingen   und man hat angefangen die Leute schlagen in

[56:50] den Barack drin mit äh Holz und mit ich weiß nicht und sie haben gebrüllt und geweint die Menschen die Leute und ich hab Angst ich bin erschrockt worden was was passiert da weil so etwas habe ich noch nie niemals gesehen und man hat man hat mir gesagt »bleib

[57:12] still das ist in Ordnung­«   und man hat die vier oder fünf Leute zum Tod geschlagen vor unseren O- Augen das war ein schreckliches Erlebnis für für mich so etwas sehen   und wenn sie schon waren tot die Leute hat man sie unter die Bretter versteckt die

[57:39] toten Leute   nachdem habe ich gewusst wer waren die Leute die Leute   waren die   ich weiß nicht wie man sagt das in Deutsch sie haben Kollabo- Kollaboranten mit der SS in Slowakei noch gehabt und die Untergrund- Untergrund- äh -gruppe von Birkenau haben gewusst

[58:10] dass sie werden sein in dem Transport wie wir waren und sie haben von dem Transport sie hinausgenommen und gebringt in den Barack und dort haben sie tot geschlagen und wird das war eine äh Aktion von einer Untergrundkompanie oder wie sagt man Untergrundgruppe

[58:33] und das war eine und dann in der Nacht in später Nacht hat man die Leute von ausgezogen und weggeworfen auf den   auf die Zaun auf der elektrischen Zaune sagt elektrischen Zaune ? das war eine von der ersten   erste   Überleben ? in Birkenau   wir waren nämlich

[59:09] mit Eltern zusammen ich vielleicht zwei drei Tage noch und äh wir waren schon hungrig und äh durstig und äh meine Mutti hat uns gegeben das letzte Zucker was sie hat gehabt und von dieser Zeit waren wir schon angefangen hungern und ich hab sehr ge- für

[59:41] mich war sehr schwer ohne Wasser zu sein zu durstig zu sein und in der Wasserleitung wo war Wasser war aufgeschrieben dass man darf nicht trinken das Wasser das hat Typhus und ich habe nicht ich habe mich mich nicht gekönnt zuhalten und ich habe gefragt ­»was

[1:00:06] soll ich machen ? ich muss trinken« weil nicht essen is- war mir leichter wie nicht trinken und meine Eltern sa- haben gesagt »wenn du kannst nicht trink« und ich habe getrunken von dem Wasser in Birkenau und es ist nix pa- äh es war okay   äh nach paar

[1:00:31] Tagen   hat man uns getrennt von meine Mutti und wir sind geblieben mit meinem Vater   und dem Tag oder nächsten Tag sind wir äh man hat uns genommen und wir haben ge- bekommen die Nummer auf der Hand und wir sind mit meinem Vater gestehen in Reihe und wir

[1:01:04] haben wollen zusammen bekommen die Nummer dass wir sollen sich erinnern so mein Vater hat bekommen d- das erste Nummer 40- null -24 mein Bruder bekommen 14025 und meine Nummer ist 14026 B und meine Mutter hat bekommen eine Nummer ganz separat und wir haben

[1:01:33] geschreien was für eine Nummer wir haben dass wir sollen sich vielleicht erinnern   äh   man hat uns gesagt in Birkenau die Häftlinge haben gesagt wenn sie schon bekommen eine Nummer auf die Hand das ist ein gutes Zeichen weil wer ist gegangen zum Vernichtungs

[1:01:55] hat man ihnen keine Nummer gegeben aber dass das sie haben bekommen nur mal das v- ist vielleicht ein gutes Zeichen dass sie bleiben zu Arbeit zum Weiterleben   [räuspert sich] das war noch paar Tage und dann hat man uns getrennt von Vater  

[1:02:20] so sind wir geblieben

[1:02:23] mein Bruder und ich allein und dort in Birkenau haben wir schon sehr schlechte Erlebungen be- gehabt weil dort jeden Tag waren die Appells und das war etwas Schreckliches jeden Tag Nachmittag um fünf Uhr war ein Appell und di- der ganze   alle Blocken von

[1:02:51] den Lager mussten stehen draußen und man hat sie gezählt und das hat gedauert lange Zeit und das war Kälte nicht nur (-gemeine) Kälte und äh das war etwas Schreckliches und immer hat etwas nicht gestimmt und man muss noch einmal zählen und noch einmal

[1:03:11] zählen und äh das war sehr schwer   in Auschwitz haben wir nicht gearbeitet und dort haben wir schon bekommen Essen auch sehr wenig und wir haben schon angefangen hungern in Birkenau mich hat man genommen einen Tag in ein anderen Lager ich mu- man hat hat

[1:03:46] mich genommen in ein Barack und ich sollte sortieren die Sachen was die Leute in den Transporten mitgebringen haben und ich habe dort gearbeitet und ich hab gesehen da das sind dort viele Sachen was wir brauchen und ich hab genommen von dort Löffels weil

[1:04:10] wir haben keine Löffel gehabt und äh ich habe gesammelt ich weiß nicht fünf sechs Löffel ge- gestohlen ich habe genommen für mei- für uns für meine Kameraden und wenn wir von den Barack zum Ende des Tages hinausgegangen sind hat man uns untersucht

[1:04:31] und man hat m- bei mir gefunden die Löffel und ich habe geglaubt was jetzt passiert mir ich hab das man hat mich er- dass ich ste- dass ich stohle aber hat mir nur weggenommen die Löffel und ich hab bekommen eine Ohrfeige und hat mir geheißen weitergehen  

[1:04:51] äh Leute können nicht verstehen wie wie mein großer Wunsch war dass wir haben soll haben ein Löffel was jetzt kein Problem ist und äh das war meine ganze Arbeit in Birkenau   und äh weiter war ich mit meinem Bruder zusammen mein Vater ist weg wir haben

[1:05:20] ihn schon nicht getroffen   und wir haben nicht gewusst wo mein Vater ist wo meine Mutti ist   und ich war dort schon nach paar Tage sehr äh traurig und z- verzweifelt und ich habe Angst gehabt und ich war äh allein und ich hab mir und es war mir schon sehr

[1:05:53] schlecht und dort habe ich gemacht für mich für mich ein äh eine Prüfung   ich weiß nicht wie es passiert ist ich war allein in Klo in WC und ich hab mir machen eine Prüfung und ich hab angefangen schimpfen den Gott   ich hab gesagt wenn ich ihn schimpfen

[1:06:26] bekomme ich eine eine   er wird mich äh wie sagt man ?

Lennart Bohne

[1:06:36] bestrafen

Naftali Fürst

[1:06:38] bestrafen eine Strafe und ich erinnere mich dass ich bin war in dem Klo und ich hab geschimpft den Gott in alle schlechte Worte was ich könne und ich hab geschimpft und geschimpft und geschimpft und wie wann ich geendet hab schimpfen hab ich gewartet was

[1:06:58] wird mir jetzt passieren und ich hab gewartet und ich hab gewartet und gewartet und bis heut warte ich dass ich bekomme eine Strafe und ich hab nix gefühlt gar nix gefühlt und keine Strafe noch mehr Strafe ge- bekommen und äh ich erzähle immer dass auf

[1:07:27] dies- di- dem Platz und dieser Zeit habe ich meine   meine   wie sagt man ? meine zum Gott

Lennart Bohne

[1:07:37] Glaube

Naftali Fürst

[1:07:39] meine Glaube zum Gott verloren

Daniel Baranowski

[1:07:42] als Sie da in dieser Toilette ähm standen und und geschimpft haben Sie das laut gemacht ? haben Sie laut etwas gerufen und können Sie sich erinnern was das war ?

Naftali Fürst

[1:07:57] ich weiß nicht ob es laut war aber l- vielleicht ja vielleicht war es auch laut auch ohne Stimme aber ich hab ich hab ganze meine Emotio meine Angst und alles hinausgegeben von mich und ich weiß nicht wie ich war ein Kind   weil bis dieser Zeit hab ich war

[1:08:21] wenig religiös nicht religiös aber ich hab gehabt eine dass es gibt einen Gott und vielleicht hilf- ich bekomme Hilfe oder so etwas aber   damals war es für mich eine große Prüfung und ich hab gefühlt dass ich muss mich allein retten und ich muss alles

[1:08:46] allein machen dass niemand macht auf mich äh niemand schaut auf mich und niemand kann will mir nicht helfen   und äh so war es in Birkenau   äh   wir sind mit meinem Bruder zusammen in einen anderen Block genommen dort war auch ein Kinderblock in Buchenwa-

[1:09:19] in Birkenau   dort war es sehr schlimm weil dort waren verschiedene Burschen und äh man hat sich geschlagt und gestreut und äh gestohlen Sachen das war ein paar Tage sehr schlechte  

[1:09:39] und nachdem hat man uns gerufen und man hat uns geschickt zu Fuß sind wir

[1:09:50] gegangen in ein kleinen Lager er war vielleicht sechs Kilometer von Auschwitz in Budy hat das geheißen das Lager das war eine Landwirtschaft Budy wir sind gegangen äh von Birkenau neben Auschwitz wir haben gesehen das Tor den Tor »Arbeit macht frei« und

[1:10:15] wir haben gehört die Musik von den äh Chor   dort aber wir sind weitergegangen zu Fuß und wir sind angekommen nach Budy

Lennart Bohne

[1:10:30] waren Sie alles Kinder die nach Budy kamen ?

Naftali Fürst

[1:10:36] nein nein mit den erwachsene Leute und waren auch äh noch vielleicht drei vier Kinder   in Budy dort war kein V- Vernichtung schon aber dort war äh sehr kalt und sehr wenig Essen und äh   dort sollten wir schon arbeiten und wir haben immer gesagt dass wir

[1:11:11] sind Tischler weil ich in Sered in Tischlerei war und mein Vater war ja Holzhändler ich hab sehr gerne gehabt Holz mit Holz und wir haben gesagt dass wir sind Tischler dann hat man uns geschickt meinen Bruder und ich zu die Werkstatt Tischlerwerkstatt aber

[1:11:28] das war eine kleine Bude und dort war auch äh   kleine Tischlerei und auch zum Klemperei glaub ich un- und   und wir sind gekommen und da hat der Häftling war verantwortlich war für die Tischlerei hat uns gemacht eine Prüfung   und er hat mir gegeben einen

[1:11:56] Hobel und ein langes Holz dass ich soll hobeln vielleicht hat er gesehen dass ich äh kei- kein Tischler kein Tischler bin und mein Bruder hat es etwas besser gemacht und er hat mir gesagt »du siehst« dort war ein oven Ofen wo man hat die zum Klemperei muss

[1:12:16] man Ofen haben und warm machen die Stahl er hat mir gesagt »steh dort mach dich warm und wenn jemand kommt mach etwas putz etwas mach dass du arbeitest« und mein Bruder hat bekommen eine auch eine kleine Arbeit dort und er dass war ein sehr das war ein äh

[1:12:37] griechischer Mann und er hat uns wollen auch helfen   das war in der Tischlerei   nachdem ein Tag dort war ein in den Barack auf der Eingang war eine Stube wo war wo war ein Arzt   und der Arzt hat mir gesagt »komm zu mir du wirst da schlafen in den in der in

[1:13:16] dem Zimmer und du gehst nicht nach äh Arbeit« und das war für mich ein Rettung weil dort war äh war nicht kalt war Ofen und er hat bekommen auch besser- besseres Essen das war ein Franzose und ich habe auch für meinen Bruder können warmes Wasser machen

[1:13:42] und er hat sich können dort waschen so sag ich war ein Student für Medizin dort er war   er hat mich äh mir gesagt »das sind die allen Medikamenten und da ist das und da ist das« und wenn er ist gegangen zu einem anderen Block bin ich mit ihm gegangen

[1:14:04] und die Tasche habe ich mitgenommen   und das war für mich sehr gut  

Lennart Bohne

[1:14:13] können Sie sich erinnern wie Sie sich mit dem französischen Doktor verständigt haben ? auf welcher Sprache ?

Naftali Fürst

[1:14:25] ich glaube dass er hat verst- sprechen auch Deutsch   überhaupt ich kann sagen dass ich hab verstehen Deutsch damals und auch mein Bruder das is- war auch sehr wichtig für uns weil wir haben gehört und wir haben gesch- wir haben können verstehen was die

[1:14:45] SS sagen weil Leute was haben nicht verstehen was sie bekommen befehlen und was sie haben bekommen Sch- Schläge weil sie nicht verstehen haben die Griechen haben kein Wort verstehen und auch die Hungaren kein Wort in Deutsch verstehen und wir haben verstehen

[1:15:03] das war auch gut für uns dass wir haben die deutsche Muttersprache das hat auch eine kleine Hilfe für uns war mit ihm ich glaube das Deutsch habe ich gesprochen oder so etwas [räuspert sich]

Daniel Baranowski

[1:15:16] haben Sie überhaupt als Sie in ah Birkenau schon waren und jetzt in Budy viel mit anderen Häftlingen Kontakt gehabt gesprochen ? oder war das nicht möglich

Naftali Fürst

[1:15:28] immer haben wir gesprochen aber nur die mit die enge wer auf unsere Spritze war Pritsche war oder die Slowaken haben wir können wir waren nicht einzeln wir waren immer in Gruppen   geschlafen gearbeitet immer waren Leute zusammen

Daniel Baranowski

[1:15:46] wussten Sie ähm   gab es Nachrichten darüber schon die bis ins Lager vorgedrungen sind dass Ende 1944 ähm schon die Front relativ weit vorgerückt war ?

Naftali Fürst

[1:15:57] damals wenn ich ange- am ersten Zeit in Budy überhaupt nicht   in noch eine Erlebnis kann ich kann ich Ihnen erzählen in Budy das war Weihnachten dort in Budy und in der Nacht hat man uns hinausgew- hinausgetrieben von den Baracken und die SS-Mann haben uns

[1:16:19] lassen äh laufen rundherum von den äh St- Baum Weihnachtsbaum und wir haben müssen laufen und sie haben ge- uns geschlagen und wir haben gelaufen und gelaufen ich glaube lange Zeit lange Zeit und am am Schluss hat man auch ein paar Leute erschießen dort

[1:16:47] sie waren ganz v- versoffen [hustet] und das war in Schnee und kalt und die Leute waren ohne ohne Schuhe es war sehr kalt und das war eine darum mein Weihnachten ist für mich die Weihnachten immer eine schlechte Erinnerung ist   am   zu Mitte Januar haben

[1:17:22] wir schon in Budy gehört äh   schießen dass man schießt wie sagt man nicht nicht bombadiert von wie sagt man ? die

Lennart Bohne

[1:17:34] Flak

Naftali Fürst

[1:17:35] Flak bum bum bum und äh   [räuspert sich] man hat uns gesagt dass dass die Rote Armee ist schon nähe zum Kraków und wir haben gehört die Front kommt ist zu zu nähe am   18ten Januar hat man uns gesagt dass morgen in der Früh alle Häftlinge [hustet; trinkt]

[1:18:11]   müssen hinauskommen um wie viel ich weiß nicht um zehn oder um neun Uhr und äh zu bereit zum Marsch weg- weggehen von Marsch   plötzlich mein Arzt der Französe habe ich ihm nicht gefunden er ist weggelaufen und mein Bruder und ich haben wir   besp-

[1:18:43] gesprochen sollen wir gehen mit die ganze Gruppe auf den Marsch oder vielleicht machen wir ein Kunst und wir ver- verstecken uns dort in Budy und wir warten bis die der Front kommt und wir werden sich befreien früher [räuspert sich]   aber die Deutschen die

[1:19:04] SS-Mann haben gesagt dass man wird verbrennen den ganzen Lager und niemand soll sich probieren verstecken und wir haben gehabt äh Angst und wir haben nicht gewusst was wollen wir was ich was wollen was sollen wir machen [räuspert sich]   und da haben wir

[1:19:32] mich wir sagen wir beschlossen dass wir gehen mit allen mit alle Leute zusammen [hustet; Schnitt]

Daniel Baranowski

[1:19:45] so wir sind jetzt ähm am Ende der Zeit in Budy und es ging für Sie darum zu entscheiden ob Sie bleiben oder gehen

Naftali Fürst

[1:19:56] wir haben viel viele Gedenken gehabt mit dem Bruder aber aber wir haben sich entschieden dass wir gehen mit die Gruppe mit alle Menschen und wir bleiben nicht in Budy weil wir haben Angst gehabt von die Kon- Konvek- Konvektien Konvektionen und so sind wir

[1:20:24] am 19ten April in der Früh haben wir bekommen eine größere Portion von Brot und ich glaube ein Stückchen Wurscht und äh   das war alles was wir haben bekommen vordem wenn ich haben wenn ich habe schon gewusst dass wir weggehen zu dem Marsch und mein Arzt

[1:20:49] ist äh verschwunden habe ich schnell von den in den Revier in den Krankenzimmer gefunden eine v- zerrissene Hosen und ich habe genommen die Schlauchen von den äh Irrigator und verschiedene Gummis und ich habe alles so zusammen ge-   gemacht dass ich hab gehabt

[1:21:17] ein so ein wie ein Rucksack so etwas und die Medikamenten was waren in den Schrank habe ich mitgenommen und äh wir haben mit in den Rucksack auch können geben das Brot hineingelegt dass wir haben gehabt freie Hände weil Leute was kein   kein Rucksack oder

[1:21:45] kein   keine Tasche gehaben   das war schwer äh das Brot nämli- weil das war ein ganzes Brot und wir waren glücklich dass ich hab das Rucksack gemacht der Marsch ist angefangen am 19ten wir waren dort hunderten Leute und wir sind angefangen äh marschieren

[1:22:11] Richtung Auschwitz und von dort auf die Straßen Richtung äh Deutschland   das Wetter war sehr schlecht war kalt und äh auch regnet gehabt   die Straßen war schmutzig und mit Schleim Schlamm

Daniel Baranowski

[1:22:41] Schlamm

Naftali Fürst

[1:22:42] mit Schlamm und w- wie wir sind gekommen ge- be- gekommen auf die Hauptstraße haben wir gesehen vor uns sind schon gegangen viele viele Leute und wir haben gleich gesehen dass Leute legen auf der Seite von die Straße erschossen und äh verletzt und äh viele

[1:23:10] tote Leute und äh wir sind gegangen   wir haben nicht gewusst wohin wir gehen und wie lang wir werden gehen und das war etwas Schreckliches ein das Leu- ich kann klar sagen dass der Todesmarsch wo wir waren das ist die schlechteste meiner Erinnerungen von

[1:23:34] meine E- Erlebnungen in den Lagers   wir waren schon todmüde und wir haben ganzen Tag gegangen und wir haben nicht gewusst wohin wir gehen und bis wann wir gehen   die erste Nacht waren wir in   in ein Dorf ich weiß nicht wo und dort waren wir in eine   Hof

[1:24:07] drin   zweiten Tag sind wir gegangen auch den ganzen Tag und wir sind geschlafen geschlafen hineingekommen in eine Schule und ich erinnere mich dass war ein g- ein gutes Erlebnis für mich weil der der Ofen war noch warm und wir waren in Nähe zu dem Ofen  

[1:24:32] [räuspert sich]

Daniel Baranowski

[1:24:38] gab es etwas zu essen ?

Naftali Fürst

[1:24:40] nein wir haben gehabt nur das Brot und die Stückchen Wurscht und wir haben das gleich auf dem ersten Tag gegessen und dann waren wir schon ohne Essen   und ich sage immer dass bei dem Totenmarsch mussten wir   zeigen machen dass wir wollen leben dass wir wollen

[1:25:05] leben weil die Leute was waren schon waren so müde und so hungrig und sie könn- könnten nicht ge- gehen sind zurückgebleibt und wer ist zurückgebleibt die letzte Reihe hat man gleich erschossen   und wir haben mit meinem Bruder gesagt wir müssen immer

[1:25:30] vorne bleiben in die zweite dritte Reihe denn wenn wir langsam zurückkommen ist ein gefährliche Sache für uns   und da sage ich immer dass dort haben wir   gezeigt dass wir wollen das überleben weil jede Schritt war ein ein ein schwere sehr schwere Sache

[1:25:58] jede Schritt war ein man musste mit viel Hoffnung das machen weil ich könnte jeder könnte frei- freiwillig kommen zu der Erlösung er hatte können stehenbleiben und dann hat er   ist er befreit ist er tot und er spürt nicht aber weitergehen das war eine

[1:26:21] riesige Sache und dass mit Wörtern kann man das nicht erzählen was für ein schreckliche Täge und Nächte das waren

Daniel Baranowski

[1:26:32] ich würde gern noch mal fragen weil man so viel über die Todesmärsche immer hört aber eigentlich so wenig Konkretes weiß ähm konnten Sie da sprechen untereinander oder musste man still sein die ganze Zeit   während Sie gelaufen sind

Naftali Fürst

[1:26:50] man könnte sprechen aber aber wir haben keine Kraft gehabt zu sprechen und die Leute starke Leute sind auch zurück geblieben und und äh   ich mit meinem Bruder sind wir gegangen in einem bei den anderen und wir haben gesprochen aber auch sehr wenig weil

[1:27:13] es war kalt und wir waren nass und   und hungrig und äh wir haben wir waren äh z- verzweifelt wie lange wir noch müssen gehen weil man man hat uns nicht gesagt dass drei Tage zwei Tage jeden Tag zehn Stunden und so etwas und wenn man weiß nicht wohin und

[1:27:38] wann   dass ich habe geglaubt ich habe gesehen ein äh Licht und wir haben geglaubt das ist ein Dorf dort werden wir stehen bleiben und wir sind gekommen in zu dem Dorf und noch weiter und noch weiter und noch ein Dorf   dort äh den zweiten Tag in der Frühe

[1:27:58] hat man uns in die Gruppen organisiert und äh dort habe ich gehabt einen guten Erlebnis eine Frau ist zu mir gelaufen und sie hat mir in die Hände gedrückt ein Sandwich und für mich war das etwas Großartiges und sie ist weggelaufen hat sie mir das gegeben

[1:28:30] und sie ist weggelaufen und wir haben das mit meinem Bruder äh   wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[1:28:37] geteilt

Naftali Fürst

[1:28:38] geteilt und das war ein Sandwich mit äh mit Leber Gansleber das ein Traum das und das hat uns ein kleines Bestrahlung ein kleines Hoffnung gegeben das gibt auch Leute was sehen dass wir so leiden und äh hat uns gegeben diese Hilfe

Lennart Bohne

[1:29:01] sind Sie sonst Menschen begegnet ? haben Sie andere Flüchtlinge gesehen ? haben Sie Menschen getroffen in den Dörfern ?

Naftali Fürst

[1:29:11] wir haben gesehen Menschen wir haben gesehen äh äh aber nicht viele weil war sehr sehr kalt und die Leute sind nicht waren nicht draußen und wir sind gegehen wie in die Hölle ich glaube man geht man seht nicht man sind hungrig und kalt und kalt und sch-

[1:29:34] ich war schon so müde und äh neben uns ist gefahren ein äh ein Wagen mit äh Pferde auf d- auf dem Wagen waren die Rucksacken von den SS-Leute was sind ge- mit uns gegangen und ich hab wollen nur die dass ich soll das halten können die den Wagen dass mir

[1:29:59] soll erleichtern und sie haben mir das nicht gelassen   ich habe nur probiert und sie hat mir schon geschlagen das darf ich nicht und so sind wir gegangen drei Tage und wir sind angekommen in äh   wie heißt die ?

Daniel Baranowski

[1:30:18] Breslau ?

Naftali Fürst

[1:30:21] in Breslau in eine Station Bahnhofstation und wir haben gehofft dass vielleicht so viele Leute sind gegangen in den Todesmarsch dass vielleicht wir wer- wir werden treffen unseren Vater und wir haben ihn gesucht w- wo dort waren   viele Leute Männer Män-  

[1:30:45] viele Männer und wir haben gesucht meinen Vater aber wir haben ihn nicht getroffen   und von dort äh hat man uns nach

Daniel Baranowski

[1:30:56] ei- eine Sekunde könnten Sie weil wir das gerade in der Pause ja besprochen haben einmal äh das das Bild zeigen was Sie angefertigt haben vom Todesmarsch

Naftali Fürst

[1:31:04] ich habe ich habe probiert in meine letzen Jahr etwas äh auszeichnen von den Todesmarsch wie wie ich das jetzt sehe und das war das Bild was ich mich erinnere und ich habe gemacht eine Skizze vor drei Jahren und das ist die Skizze [zeigt die Zeichnung]  

Daniel Baranowski

[1:31:40] könnten Sie noch mal

Naftali Fürst

[1:31:40] [gleichzeitig:] wenn Sie wenn Sie sch- wenn Sie sehen da auf der linken Seite sind zwei kleinere Men- kleinere Menschen zwei Kinder das w- das ist wie mein Bruder und ich

[1:31:51]   und nach paar Stunden in den äh in der äh   Station in der äh

Daniel Baranowski

[1:32:10] Bahnhof

Naftali Fürst

[1:32:13] in dem Bahnhof hat man uns hinausgejagt von den äh vor de- von der Halle und man hat uns getrieben zum Waggonen und in den Waggonen war vielleicht ein Meter hoch Schnee und man hat uns hineingejagt in den Waggonen und das war etwas auch kann nicht vorstellen

[1:32:41] wie unglaublich das war dass wir müssen hineinsitzen in den Schnee und viele Leute und die Häftlinge haben gekamm- gekämpft dass man kann Platz nehmen bei die Türen bei den bei den   wie sagt man ?

Lennart Bohne

[1:33:03] Wänden

Naftali Fürst

[1:33:06] bei den Pänden

Lennart Bohne

[1:33:08] Wänden

Naftali Fürst

[1:33:10] bei den bei den Wänden und jeder hat wollen sitzen bei dem Wand bei der Wand weil wir haben geglaubt dass wenn der Zug fa- fahrt das wird uns schützen   und ich ich habe be- ich habe ein Platz bekommen jemand hat mich zu ihm genommen und hat mir gegeben einen

[1:33:29] Platz bei der Wand aber mein Bruder ist geblieben in der Mitte gegen mir und wir waren schon nach dem To- Marsch und ohne Essen und äh und nass waren wir ganz nass und noch hat man uns hineingesessen in Schnee in Januar   das war ich kann das nicht mit Worte

[1:33:55] sagen [hustet]   und zum zum Abend   ist der   ist der Zug angefangen zu fahren   ich habe keine Worte wie es sagen das das Wind das uns äh erfangt hat und das ist etwas Unglaubliches wir haben gesessen und gefrort und äh   schrecklich nicht nur wir aber ich

[1:34:42] habe der SS-Mann was   ist oben gesessen der hat gehabt ein (Schinell) und Mutze und alles und war ihm auch k- sehr kalt und so sind wir gefahren zwei Tage ich glaube

Daniel Baranowski

[1:34:57] Sie hatten nur die Häftlingskleidung an

Naftali Fürst

[1:34:59] ja nur die Häftlingskleidung   und nasse Häftlingskleidung nicht nur das ist schlechter wie ohne Kleider und damals haben wir schon kein Essen gehabt und auf einmal habe ich mich erinnert dass ich habe die Medikamenten von Budy mitgebracht und ich habe sie

[1:35:22] hab- gehabt in dem Rucksack und ich habe hinausgenommen eine   eine Tüte und äh aufgemacht und ich hab probiert was für einen Schmack die Tabletten haben [räuspert sich] und für Glück mein Glück sie waren süß und äh ich habe sie gelutscht bis die

[1:35:52] Süßigkeit war und dann kommt es die andere wie sagt man nicht süß ist

Daniel Baranowski

[1:35:59] das Ge-

Naftali Fürst

[1:36:02] wie ?

Daniel Baranowski

[1:36:04] das Gegenteil ?

Naftali Fürst

[1:36:06] Gegenteil von süß

Daniel Baranowski

[1:36:08] sauer

Naftali Fürst

[1:36:10] nicht sauer es

Lennart Bohne

[1:36:12] bitter

Naftali Fürst

[1:36:14] bitter

Lennart Bohne

[1:36:16] die bittere Medizin

Naftali Fürst

[1:36:18] auf einmal ist es bitter so ich habe gelutscht bis es bitter war und wir haben mit meinem Bruder alle die Tabletten was wir haben gehabt gesch- gelutscht und ausgespuckt und das war unser ganzen Essen in diese den Tag und äh   auch von dem habe ich in letzter

[1:36:32] Jahren eine ein paar Worte geschrieben und ich hab ich hab ge- der Titel war »Die süße Medizine«  

[1:36:40] und äh am 23ten Januar sind wir angekommen in ein Lager und ich habe nicht gewusst aber das war Lager Buchenwald und äh von dort hat man uns äh von den

[1:37:03] Waggonen hinausge- hinausgenommen viele Leichen sind geblieben in den Waggonen aber wir wer hat können gehen und stehen ist hinausgegangen und äh meinem Bruder ist dort der Fuß gefroren und wir waren sehr schwach und ha- angekommen sind wir nach Buchenwald

[1:37:37] und dort ist angefangen noch einmal Registrierung und äh   Auskleidung und wir dort haben wir bekommen andere Kleider und trockene Kleider   in Buchenwald haben wir bekommen eine bessere Fühlung wir haben es es war nicht so streng wie in Birkenau sie waren

[1:38:13] nicht so o- arrogant zu uns und die Häftlinge waren auch sym- welche haben uns gegeben gegeben die Kleider haben uns wie unterstützt sie haben gesehen dass wir so krank sind und so schwach sind haben uns gegeben eine bessere Laune und äh nach der Umkleidung

[1:38:39] sind wir ge- hineingekommen in Baracken wir mein Bruder und ich waren in Barack 45 in Buchenwald   dort war auch   dasselbe Regime wie in Birkenau und auch von Buchenwald sind Transporten weitergegangen v- in anderen kleineres Lager zur Arbeit   einen Tag

[1:39:22] wir waren dort paar Tage schon einen Tag hat man eine Liste gebrangen und geruft Leute zum Transport anderen und man hat in der Liste meinen Bru- Namen meinen Bruder auch ausgewählt und dort waren noch zwei Brüder von Slowakei und auch von ihm einen einer

[1:39:53] von dem Bruder war auf der Liste und wir haben sich wollen nicht trennen die Brüders auch wir nicht auch die andere wir möchten gerne zusammenbleiben   so haben wir gesagt den Brüdern vielleicht machen wir ein eine Kombination wechseln wir die Namen   der

[1:40:19] Brüders und äh so können sie zusammen bleiben und auch wi- ich auch wir und äh wir haben gesagt den Brüdern sie können auswählen was sie wollen sie können bleiben in dem Lager da in Buchenwald oder gehen mit dem Transport weiter was sie wollen das

[1:40:38] wird sein und sie haben gewählt dass sie wollen gehen so bin ich mit meinem Bruder zusammengeblei- -geblieben aber er hat schon anderen Namen gehabt er hat schon Namen von Bruder von dem Bruder anderen Bruder   die das Schicksal hat uns geholfen dam- dann

[1:41:06] weil die zwei Brüder waren in den   in den Bahnhof in Weimar und dann hat man bombadiert und die zwei Brüder sind in den Tag ertötet das ist auch ein Schicksal gehen oder nicht gehen oder was machen und wir waren auf der guten Seite für sie haben gewo-

[1:41:34] sie haben gewählt dass sie wollen gehen so war es weiter

[1:41:39] und auf einmal nach paar Tage kommt ma- kommt man und man holt mich meinen Namen hat man ge- gesagt gewählt   und ich sage ich will nicht gehen mit euch weil ich hab wollte bleiben mit meinem Bruder

[1:42:04] aber man hat mir gesagt »komm mit uns« das war ein ein Mann und äh ein slowakischer Bursch »komm mit uns wir gehen zu einem Kinderblock das ist gut für dich wenn du kommst« aber ich wollte nicht gehen ich will mit da bleiben und der Mann jetzt weiß

[1:42:27] ich das war Antonin Kalina   er hat gesagt »was ist das Problem warum willst du nicht kommen ?« und ich habe ihm gesagt dass mein Bruder ist da weil er hat schon er heißt nicht Peter Fürst aber er hat anderen Namen und er hat uns versprochen dass ich soll

[1:42:46] kommen mit ihm und er wird sich kümmern dass auch mein Bruder wird kommen zu dem selben Block   und so war es auch ich bin gegangen in den Block das in den Block 66 Kinderblock 66 und nach paar Tage ist man hat man abgeholt meinen Bruder und man hat geschreien

[1:43:10] in den Barack »Peter Fürst Peter Fürst« und er hat sich nicht gemeldet weil er hat anderes Namen und hat Angst gehabt sich melden das war zwei drei Mal bis man hat ihm er- ich weiß nicht wie gesagt dass »du kannst sagen dass du Peter Fürst bin- bist«

[1:43:32] und er ist auch gekommen in den Block wo ich war in den Block 66 [trinkt]   der Kinderblock 66 in Buchenwald ist im Jahr 44 aufgebaut aufgeöffnet weil die   Untergr- Untergrund- äh -organization von Buchenwald von Häftlinge dort war ein sehr st- starke

[1:44:14] wie sagt man ? Untergrund äh

Lennart Bohne

[1:44:17] Zusammenhalt

Naftali Fürst

[1:44:19] Organisation und sie haben sich sie haben wollen retten die Kinder weil das war schon zu Ende des Krieges und sie haben gesehen dass jeden Tag kommen Transporten von Polen nach Deutschland und auch Kinder sind paar Kinder und sie haben sich sie haben genommen

[1:44:43] die die Idee dass man soll retten die Kinder und so hat man aufgebaut den Block 66   f- die Initiative war von den Untergrund und den Block 66 hat man aufgebaut au- bekommen am Ende des Buchenwalds-Lager ganz unten unten und äh   man hat das war ein schmutziges

[1:45:16] Lager und man hat aufgeschrieben dass die d- als kleines Lager das heißt kleiner Lager ist mit Typhus äh Typhus

Lennart Bohne

[1:45:29] verseucht

Naftali Fürst

[1:45:31] verseucht und verschiedene Krankheiten warum haben sie das gemacht dass die SS soll nicht hineinkommen und das war auch weit von die Kom- Kommandanten oben und bis zur zu unten zur zu letzten Barack kommen das war nicht so angenehm und auch vielleicht bekommen

[1:45:54] die Krankheit so sie sind nicht gekommen und dort sind äh die   die Untergrund- äh -leute man- meiste waren Kommunisten Häftlinge und äh dort haben wir bekommen schon ein bessere besseres Niveau besseres   wie sagt man besseres Leben und der Blockälteste

[1:46:30] war ein tschechischer Kommunist Antonin Kalina und der hat sich gesorgt dass wir bekommen vielleicht besseres Essen dass wir kommen bekommen mehr wie eine Decke und eine große Sache war dass den Appell haben wir gemacht in dem Block und nicht draußen in

[1:46:55] dem Winter und das waren auch bessere Bezüg- Bezügnisse ? wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[1:47:01] Bedingungen

Naftali Fürst

[1:47:03] Bedingungen für uns und überhaupt auch auch dort hat man äh   uns erzählt dass der Krieg kommt schon zu Ende und dass wir sollen haben Hoffnung dass vielleicht wir werden das überleben man hat auch probiert uns lernen Hebräisch und äh auch zu singen

[1:47:27] aber der hat einer hat gesagt wie kann man lernen Kinder zu si- zu singen wenn sie weißen dass die Eltern sind tot aber das man hat probiert  

[1:47:40] ich allein war schon sehr krank in dem Kinderblock   ich hab gehustet ich hab halluziniert und ich kann sagen ich

[1:47:57] war schon auf der anderen Seite ich war schon tot in dem Kinderblock und hoffnungslos das weitermachen und dort äh mein Bruder hat nicht gewusst was soll er mit mir machen und er hat sich beratet mit den Antonin Kalina und er hat ihm gesagt meinem Bruder

[1:48:18] »du hast nur eine Möglichkeit oder oder zwei« ihm da lassen und da wird er sterben in dem Block oder vielleicht kann man ihm retten wenn du ihn nimmst in Revier und mein Bruder hat gesagt ich nehme ihn nicht nach Revier weil wir haben schon gewusst damals

[1:48:37] dass von dem Revier von dem Krankenhaus man kann nicht zurückkommen ist nur ein Weg   aber er hat mich genommen das war die einzige Ausweg zum mich retten und ich bin gekommen in den Revier ich weiß nicht wie er ich glaube man hat mich genommen oder zu Fuß

[1:49:02] und ich war äh ohne Bewusstheit und   ich kann sagen dass es hat mir dort geholfen und ich habe mich nach paar Tage äh (Moment) beholt wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[1:49:21] erholt

Naftali Fürst

[1:49:22] erholt erholt und ich war ganz normale Konvek- Kondition ich habe mich erholt ich kann sagen ich weiß nicht wer hat mir dort geholfen und was für Medikamenten habe ich bekommen aber ich habe mich erholt [räuspert sich] in dem Revier und mein Bruder war

[1:49:43] in dem Kinderblock   nach den nach paar Tagen in dem Revier ich weiß nicht eine Woche vielleicht zwei vielleicht mehr auf einmal kommt man zu paar Leute und auch zu mir dass morgen gehnst gehen Sie und auch du zu dem Bordell   ich habe nicht gewusst was

[1:50:13] Bordell ist ich habe meine Kopf geglaubt dass ist ein un- wie sagt man wo verschiedene Möbel ist äh [gestikuliert] verschmissen so etwas   aber das war äh Bordell war Bordell und nächsten Tag sind wir in der Früh ich weiß nicht ob zwanzig oder dreißig

[1:50:38] Leute gege- gegangen in einen anderen Block   und das war der Bordell und wir sind hineingekommen in dem Bordell in den Block und dort habe ich au- auf einmal gesehen zwei schöne blonde Frauen und wir gehen hinein in den   Tor und ich hab gehört dass eine

[1:51:07] sagt der andere in Deutsch »schade dass er so klein ist« ich habe nicht gewusst nur jetzt weiß ich vielleicht warum sie hat das gesagt und äh wir sind hineingekommen in den Block und dort war wie ein Traum Teppichen und Fauteuils und Vorhange und Lusters

[1:51:32] wie eine normale Haus und Frauen mit äh Haaren normal angezogen und äh ich war ganz äh erstaunt ja ? sagt man erstaunt   und mein Glück war dass die Frauen haben mich sehr äh lieb gehabt und sie hat mir dann von ersten Tag habe ich schon bekommen mehr essen

[1:52:03] ich habe bekommen Schokolade und wir haben Pyjamahosen habe ich bekommen dort man hat mich verwöhnt und auch ich habe bekommen auch äh   ich habe gelernt die Frauen haben mir gesagt was sie dort machen Erziehung habe ich bekommen Erziehung [lacht] und sie

[1:52:27] haben mir erzählt dass »das ist mein Arbeitszimmer das ist unsere Schlafzimmer und wir arbeiten von sieben bis neun und so« und das alles war auch aufgeschrieben auf eine Tabel das Bordellbetrieb ist von dieser Zeit bis dieser Zeit   das war für mich eine

[1:52:49] Neuigkeit und dort war auch ein Arzt er hat mir wollen helfen er hat mir wollen Wasser von der Lunge hinausziehen mit so einer große   eine Injektion eine Pumpe und äh ich habe kein Wasser gehabt aber ich war ich habe gehabt Probleme mit meiner Lunge und

[1:53:15] äh   nach ich habe mich so dort äh sehr gut gefühlt schon und ich habe gesammelt auch die Schokolade was ich habe bekommen für meinen Bruder dass wenn ich hinauskomme von dem Bordell dass kann ich ihm mitbringen und so war bis einen Tag

[1:53:40] auf einmal sind

[1:53:43] die   in der Früh sind wir aufgeweckt und war keine Frau dort niemand war dort in den Bordell nur wir die Häftlinge und nach paar Stunden war ein großer Trummel in Buchenwald und Schießerei und Schreierei und und äh das war den elften April und ich ich

[1:54:14] wurde befreit in Bordell in Buchenwald   so erzähle ich dass nicht viele Leute können erzählen dass die Befreiung in einem Bordell war für mich

Lennart Bohne

[1:54:28] können Sie erinnern am elften April es war die es war ja so ne es war die Selbstbefreiung Buchenwalds haben Sie da schon Amerikaner gesehen ?

Naftali Fürst

[1:54:39] das sind die Sachen was man nicht was ich jetzt wisse damals habe ich nicht gewusst was was passiert aber das war eine Selbstbefreiung weil schon um elf Uhr elf zwölf Uhr morgen war der äh waren die SS weg und die Häftlinge waren schon mit guter Laune und

[1:55:05] waren lustig und äh wir waren schon befreit die amerikanischen sind gekommen nur um drei Uhr und 15 Minuten dass war der erste Jeep was in Buchenwald angekommen ist so darum habe ich auch gesagt dass die Untergrundorganisation war so stark dass sie haben

[1:55:26] auch gehabt Waffen und die die SS haben A- Angst gehabt von die Häftlinge darum haben sie gekönnen auch machen den Kinderblockbarack   was traurig war für mich das gesagt gleich wenn ich befreit worden im Bordell bin ich gelaufen zu dem Kinderblock treffen

[1:55:50] meinen Bruder weil ich habe ihn schon paar Tage nicht gesehen und ich habe und ich komme zu dem Block und man hat mir gesagt dass er ist nicht dort und äh wo er wo ist er er ist am zehnten April Abend von Buchenwald hinausge- -getrieben zu einem neuen   Todesmarsch

[1:56:19] und er war mein Bruder war noch ein Monat in Wägen in einem offenen Waggonen einen Monat ohne Essen nur weil er nicht könnte bleiben in Buchenwald er hat sich nicht versteckt etwo das war ein Unterschied für zwölf Stunden ich war befreit und er hat noch

[1:56:44] das Schlechteste überlebt noch einen Monat nach mir und er ist nur befreit worden im neunten Mai Ende des Krieges u- v- in Theresienstadt sie haben auf verschiedene nur fahren hin und her mit den offenen Waggonen ohne Essen und man hat ihm von ich glaube

[1:57:08] er hat erzählt von die ganze Waggon wo er war waren alle tot drei vier Menschen hat von man hinausgeholt von den Leute und man hat ihn gerettet im Spital   ja [trinkt]

Lennart Bohne

[1:57:30] vielleicht kommen wir jetzt noch mal zurück zu Ihrer Befreiung   ich ähm   was mich sehr interessiert ist wie ist es dann weitergegangen Sie waren befreit was ist passiert was war das für ein Gefühl wie gingen die nächsten Tage weiter

Naftali Fürst

[1:57:47] schauen Sie Befreiung war eine große Sache aber vor dem woll- möchte ich noch sagen dass ich habe nicht gewusst die Frauen was in Bordell gearbeitet haben ob sie waren jüdische Frauen oder nichtjüdische Frauen und äh man fragt mich immer was für eine

[1:58:09] Frauen waren das ich kann nur sagen dass sie waren schöne Frauen und äh für mich waren sie sehr lieb und ich weiß auch dass der Bordell war nicht für SS-Manns weil das darf nicht (_) das ist nicht moralisch dass ein SS   macht äh   mit einer Jüdin oder

[1:58:35] so etwas dass der Bordell der Bordell war für Vorarbeiter und für Kapos gemacht und die Vorarbeiters und die Kapos haben bekommen einen Bonus wenn sie können kommen in den Bordell   schauen Sie jetzt nach der Befreiung waren wir glücklich aber auch traurig

[1:59:01] weil ich ich bin allein geblieben ohne Bruder ohne Eltern ich habe nicht gewusst was ich soll machen das erste war was ich habe getroffen die meine Kinder und die slowakischen Burschen und wir sind gegangen äh gucken was ist in Buchenwald wie es war was wo

[1:59:25] ist die Krematorium und wo ist die Kommandature und die Zellen verschiedene wir waren n- neugierig was ist passiert wir haben schon bekommen Essen besseres   und äh damals habe ich auch gesehen die Ilse Koch hat gemacht von von äh von äh wie sagt man

Daniel Baranowski

[1:59:52] von der Haut

Naftali Fürst

[1:59:55] von der von Me- von Haut von Menschenhaut hat sie gemacht äh Lampen und das hab ich alles dort gesehen das war ausgestellt die Lampenschirmen von äh Haut von Ju- von Häftlingen und ich war in dem Krematorium

[2:00:13] und ich so wir sind gegangen ohne ohne   ohne

[2:00:19] Ziel wir nur nur Neu- Neugierigkeit und so bin ich gegangen und einmal war schon Abend und in ich äh ich äh ich suche wo ich werde schlafen den Tag und ich bin hineingekommen in ein den Block 56 und ich habe ich habe mich äh ich habe gefunden einen Platz

[2:00:47] auf der Pritsche und ich hab mich dort hingelegt und äh ich habe niemanden gekennt dort in dem Block aber es war schon Abend und war kalt und auf einmal kommen offnen sich die Türe und äh kommen hinein am- amerikanische Soldaten zwei Soldatin Soldatenfrau ?

[2:01:17] und man fangt an schauen und fotografieren und ich habe gesehen dass man stellt auf ein Stativ mit Fotoapparat und man regissiert einen Mann wie er soll aussehen   man hat ihm die Kleider klar gesagt halt halt das oben oder unter und äh hat man gemacht ich

[2:01:51] glaube paar Fotos aber die die eine erinnere ich mich wo ich habe gesehen dass jetzt war prak- das Hauptfoto denn er war schon regissiert und gestanden und ich habe ge-   gedenkt wohin soll ich schauen in den Fotoapparat oder wegschauen oder ich weiß nicht

[2:02:17] was ich soll machen ich habe mich überlegt dass ich werde gerade gerade schauen und man hat gemacht ein Foto und äh das Foto ist   ge- ge- publiziert gleich nach dem Krieg in Amerika und das ist eines von den berühmtesten Foto was von Holocaust ist und ich

[2:02:48] liege auf der dritte Pritsche   da in den [zeigt das Foto]   und ich habe auch gefunden noch ein Foto von Buchenwald wo ich neben die Kinder stehe auch das weiß ich nicht wer hat fotografiert [zeigt das Foto] aber ich glaube das ist ein belgischer Fotograf

[2:03:26] und ich bin da   da  

Daniel Baranowski

[2:03:34] erzählen Sie nochmal

Naftali Fürst

[2:03:37] [gleichzeitig:] diese alle Kinder sind von dem Kinderblock

Lennart Bohne

[2:03:41] auch das ist einige Tage nach der Befreiung ?

Naftali Fürst

[2:03:46] ja ja

Daniel Baranowski

[2:03:48] erzählen Sie uns doch nochmal kurz ähm wie Sie das ist ein Sprung nach vorne jetzt aber wann Sie diese Fotos das erste Mal gesehen haben oder vor allen Dingen das dieses sehr berühmte

Naftali Fürst

[2:04:02] das Foto habe ich das erste Mal gesehen in Israel in   vor fünfzig Jahre glaube ich in der in der Zeitung »Maariw« und ich war sehr überrascht dass ich das sehe aber ich war sehr ge- überzeugt dass das ist das Foto was man in Buchenwald gemacht hat weil

[2:04:31] ich habe noch gedankt erinner ich erinnere mich pünktlich auf meine Meinungen was ich damals gehabt habe und ich habe wollen bekommen das Foto und ich habe ich war in der Redaktion von der »Maariw«-Zeitung und sie haben gesagt dass sie können mir das nicht

[2:04:54] geben aber wenn ich will ich kann von dem Batallion in Amerika das beten das ich kann das dort vielleicht bekommen und ich habe geschrieben und sie haben mir gegeben eine Antwort dass sie werden mir das Foto schicken aber das kostet fünf Dollar dass ich soll

[2:05:19] schicken das Geld und sie werden mir das schicken und so war es auch ich hab gefunden einen Freund der hat mir geborgen einen Cheque mit fünf Dollar in habe ihnen das geschickt und ich habe bekommen das Bild

Daniel Baranowski

[2:05:35] also das war dann in den sechziger Jahren

Naftali Fürst

[2:05:40] sechziger Jahre ja

Daniel Baranowski

[2:05:42] und ähm Sie haben auch noch ein Bild mitgebracht ähm und uns auch schon davon erzählt wo Sie darauf zu sehen sind mit zwei anderen derjenigen die auf dem Foto sind

Naftali Fürst

[2:05:56] ja   [sucht die Fotos] in Jahr 2004 war eine Journalistin von Köln diese Frau [zeigt ein Foto] Ursula Jung leider lebt sie schon jetzt nicht und sie hat gemacht eine Aus- wie sagt man äh eine Arbeit

Daniel Baranowski

[2:06:33] eine Ausstellung

Naftali Fürst

[2:06:36] nein Ausstellung ein Aussuchung nee wie sagt man wenn man lernt etwas wie sagt man ein eine Arbeit ein   ein   sie hat wollen wissen von diesen Menschen was auf dem Foto sind wo sie leben was sie geglaubt haben wann man das fotografiert hat wohin sie wie bitte ?

[2:06:59] Forschungs ?

Daniel Baranowski

[2:07:02] [gleichzeitig:] eine Forschungsarbeit eine Forschungsarbeit

Naftali Fürst

[2:07:04] ja eine Forschungsarbeit von dem Bild und da sind 25 Leute auf dem Bild und sie hat ge- geschrieben wohin sie schauen was sie glaubt was sie haben von die von die Schalen das sind da wie viel sie sind nicht jeder hat gehabt sie hat eine Arbeit gemacht und

[2:07:23] so ist sie auch zu mir gekommen nach Haifa in Israel wir haben sie ich habe sie getroffen sie ist sie war sehr nette Frau und sie hat mir viele Sachen von Buchenwald erzählt weil sie überhaupt Buchenwald gelernt hat von die von den äh Lager und äh in Jahr

[2:07:47] 2005 hat sie mich eingeladet dass ich kom- soll kommen nach Buchenwald zu sechzig Jahre Befreiung des Lagers und ich war damals in Buchenwald und ich bin gekommen das war mein erste Mal nach sechzig Jahre in Deutschland und dort habe ich mich getroffen mit

[2:08:15] zwei Kollegen von dem Bild   da auf der Ecke ist Nikolaus Gruner und da unten   ist Max Hamburger und ich habe nicht können glauben dass der Mann wie er da ausschaut dass er das übergelebt aber er hat das gemacht und wir haben sich getroffen damals in Buchenwald

[2:08:47] und wir haben gemacht dieses Foto   das ist die Ursula Jung Nikolaus Grunner Max Hamburger und ich

Lennart Bohne

[2:09:01] können Sie sich erinnern was das für ein Gefühl war das erste Mal nach so langer Zeit an den Ort zurückzukehren und auch andere Überlebende zu treffen ?

Naftali Fürst

[2:09:11] ja das war eine für mich war das eine große Überraschung dass ich treffe Leute von dem Bild und überhaupt war ich sehr aufgeregt weil ich habe erste Mal war ich in Buchenwald nach der Befreiung sechzig Jahre das ist eine große Zeit eine große und wir

[2:09:38] sind angekommen in Buchenwald damals war sehr windy und man weiß dass der Ettelberg Etterberg das ist so auf ein gebaut auf eine [gestikuliert]

Daniel Baranowski

[2:09:51] Hang

Naftali Fürst

[2:09:55] auf eine so eine krumme wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[2:09:59] ein Hang

Naftali Fürst

[2:10:01] ein Hang dort war immer immer war dort ein Wind immer war windig und war einmal einen Tag war windig wann wir dort waren einen Tag war Regen und einen Tag war Schnee und ich habe meine Fr- Partnerin gesagt »Tova schau alle drei was da Katastrophen war von

[2:10:21] uns jetzt hast du überlebt« auch Regen auch Schnee und auch das Wind war immer und äh für mich war das überhaupt das sehen so viele Häftlinge und äh war dort war auch äh das war etwas komisch dass wir lustig waren weil aber die Überlebenden was wenn

[2:10:46] sie sich treffen noch einmal das war eine große Freude

Daniel Baranowski

[2:10:50] waren Sie da das erste Mal auch in Deutschland wieder überhaupt ?

Naftali Fürst

[2:10:53] ja nach dem Krieg habe ich mich äh habe ich mich wie sagt man über-   ich habe mich   nicht überlegt ich habe mich hm   ich habe gesagt dass ich nie mehr nach Deutschland komme und ich werde nie mehr die deutsche Sprache benützen und so hab es habe ich

[2:11:24] sechzig Jahre nicht äh gesprochen Deutsch und sechzig Jahre war ich nicht mehr in Deutschland oder in Österreich und das war das erste Mal nach sechzig Jahren dass ich habe angefangen auch Deutsch sprechen und äh auch besuchen den Lager und überhaupt in

[2:11:49] Weimar   und von dieser Zeit   von 2005 habe ich auch angefangen äh von die meine Überlebniskeit von der Shoah erzählen weil ich kann sagen dass sechzig Jahre habe ich von dem nicht erzählt in publik und von dieser Zeit habe ich auch schon mehrmal erzählt

[2:12:26] und ich äh   war in äh Deutschland schon paar Mal in Österreich ich war in Schulen ich war in Parlaments ich gehe vielmal ich bin eingeladen nach Yad Vashem und komme in Gruppen von Lehrern und verschiedenen Gruppen zu lernen die Shoah so gehe ich nach Jerusalem

[2:12:55] und ich erzähle meine meine Erlebnisse und ich glaube dass meine deutsche Sprache ist nicht gut aber vielleicht können Sie mich trotzdem verstehen

Daniel Baranowski

[2:13:07] können wir nochmal zurückgehen einen Schritt zu den Tagen nach der Befreiung wie ist es dann weitergegangen wie sind Sie zurückgekommen und wie haben Sie vor allen Dingen ihre Familie wiedergetroffen

Naftali Fürst

[2:13:20] ja wir können weitergehen aber ich muss jetzt zurückgehen und sagen dass wann wir waren schon sicher dass wir von Sered von Slowakei gehen mit dem Transport nach Polen und wir haben gewusst das ist unsere Ende wir haben geglaubt unsere Eltern haben uns gegeben

[2:13:49] eine Motivation eine auch ein Befehl kann ich sagen [räuspert sich] unser Vater hat uns gesagt dass er weiß dass er ist nicht sicher o- ob wir das was wird passieren aber wir sollen alles machen und wir müssen alles machen das wir müssen das überleben  

[2:14:16] was soll sein alles müssen sie durchmachen und sie müssen das überleben und nach dem Krieg er hat uns so gesagt wir treffen uns in Bratislava in Šulekovástraße Nummer elf bei einer Familie von einer Freunde was wir kennen gelernt haben vor dem Krieg

[2:14:44] so und unsere Kopf und meine Gedenken war immer der Befehl von unserem Vater dass wir müssen das überleben das ist auch sehr wichtig dass wir haben auch auf das geglauben immer dass wir müssen alles mitmachen un- aber weitergehen weiterleben so nach dem

[2:15:09] Befreiung ich bin zurückgekommen nach Slowakei ich war der Erste ich habe nicht gewusst ob meine Eltern leben oder mein Bruder und ich bin nach Bratislava angekommen und man hat mich dort dort war eine Zentrale wo die alle Befreiten kommen und man hat mir

[2:15:33] gesagt äh man weiß nicht von deinen Eltern gar nix »aber du hast eine einen Onkel in in der Stadt Nové Město ?«   sie haben gegeben mit paar Kronen dass so können fahren dorthin und ich bin gegangen zu dem Zug und ich fahre zu hin zu dem Onkel in dem

[2:16:00] Waggon in dem Zug jemand hat mich erkennt und er hat mir gesagt äh »du hast auch eine Tante und die ist in Pieštany« und Pieštany war vor Nové Město so bin ich hinuntergegangen zu den Pieštany und ich beg- ich bin gegangen zu meiner Tante sie war in

[2:16:22] der Wohnung wo man hat mich er-   die Wohnung wo meine Omama hat gewohnt in den Haus in der Straße Šererova und ich bin ich war schon war schon zehn Uhr Abend und ich bin zu ihnen gekommen und ich habe geklopft auf der Türe und sie haben mir aufgemacht und

[2:16:45] sie waren äh   ganz äh   gestaunt dass ich zurückgekommen bin und sie haben mich sehr ge- sehr wie sagt man überarmt und sagen sehr froh dass ich bin zurückgekommen und nachdem waren bei der Tante und meinem Onkel und äh   wir haben bekommen äh ein in

[2:17:15] Telegramm dass mein Bruder ist in Prag im Spital er lebt er ist sehr sehr krank man darf ihn nicht rühren er kann nicht fahren und gar nichts aber ich war froh dass er lebt dann habe ich gehört in Radio man hat ge- immer aufgelesen die befreite Leute war

[2:17:39] eine Liste um drei Uhr Nachmittag hat man die Listen immer ge- wie sagt man gemen- gemeldet und so habe ich gehört dass meine Mutti Margit Fürst ist befreit worden in Lippstadt und das war das kann man auch nicht vorstellen die Freude und äh ich weiß nicht

[2:18:05] pünktlich wie aber ich wüsste wann mein Vater kommt nach Bratislava ich weiß nicht wie wie es was erinnere ich nicht aber wenn ich habe gehört dass mein Vater kommt nach Bratislava bin ich gleich auch nach Bratislava gekommen auf die Adresse und mein Vater

[2:18:29] war schon dort ich bin angekommen und den Tag ist auch meine Mutter angekommen von Deutschland nach Bratislava   das war eine große Aufregung und sie können sich ver- wenn sie Eltern sind können sich vorste- was war das für die Eltern mich zu treffen im

[2:18:53] Bewusstsein dass auch mein Bruder das überlebt

Lennart Bohne

[2:18:56] wann ist Ihr Bruder dann zurückgekommen sie sagten er sei im Krankenhaus

Naftali Fürst

[2:19:04] meinen Bruder hat man jemand ich weiß nicht schon gebracht von Prag auch auch fahren mit Zug das war nicht so einfach damals aber er ist gekommen nach Pieštany zu meinem Onkel und wenn meine Tante weg und er war auch man hat geglaubt dass er kann das nicht

[2:19:33] überleben sie haben einen Arzt an- bestellt und der Arzt hat auch gesagt schon wann in Pieštany in der Stadt dass er glaube er glaube dass er kann das nicht überleben schon nach zwei Monaten war er in Spital er war so krank aber der hat das gemacht und

[2:19:55] äh er war schon mit mir Pieštany bei den Onkel und Tante aber er hat gekönnt nicht fahren nach Bratislava aber das ist schon Kleinigkeit Hauptsache war dass er sich nachdem ero- erholt hatte und alle vier waren wir zusammen alle vier waren wir jeder war

[2:20:17] separat zum Schluss meine Mutti war in äh Lippstadt mein Vater war in Dachau und mein Bruder in Theresienstadt und zuletzt und alle vier sind wir zurückgekommen ich glaube das ist nur die einzige Familie in Slowakei das so etwas passiert hat vier Leute viert

[2:20:41] vier Lagers und alle vier sind zurückgekommen   und äh   ich glaube dass für mich die Hauptsache dass ich vielleicht normal bin dass äh auch die Eltern sind zurückgekommen weil ich war auch damals nur ich war noch nicht 13 und dass dass die Eltern sind

[2:21:11] zurückgekommen und wir haben eine neue neue Familie aufgebaut und weitergelebt das war sehr wichtig und sehr dominante Sache für uns

Daniel Baranowski

[2:21:24] wie lange sind Sie in Bratislava dann geblieben ? oder in der Slowakei

Naftali Fürst

[2:21:30] im Ganzen waren wir in Slowakei von Jahre 45 [räuspert sich] bis 49   in diesen Zeit hat mein Vater angefangen noch einmal mit Holzhandeln und ist ihm sehr gelungen weil er war ein Fachmann und er hat gehabt gute Kontakten und wir haben angefangen etwas zu

[2:21:55] lernen weil bis damals habe ich gar nichts gelernt wir haben so gelernt äh   man hat uns sehr geholfen zu lernen und ich bin ich habe angefangen zu lernen ich in Schule von Kunstschule Kunst ich habe gelernt Fotografie   und mein Bruder war in anderer Schule

[2:22:26] in Realschule

Daniel Baranowski

[2:22:28] darf ich noch einmal eben dazwischen fragen waren Sie vor dem Krieg eigentlich in der Schule ?

Naftali Fürst

[2:22:32] nein ich nicht ich wir waren in der Schule wann wann der Krieg aufge- plötz- ich war sechs Jahre alt und äh das erste Mai ist der Krieg angefangen

Daniel Baranowski

[2:22:44] [gleichzeitig] : ja   ja

Naftali Fürst

[2:22:46] war ich nicht in der Schule wann wir waren in Bratislava wir sind gegeht Monat paar Monate in diese Schule andere Monate in den andere Stadt pa- wir haben so wir waren ein Besucher in der Schule [lacht] wir haben besucht die Schule aber immer in andere Stadt

[2:23:07] und und ich kann sagen dass wir haben nichts nichts gelernt   und das Schlechteste ist das wir haben nicht gelernt wie man soll lernen   und äh nach äh drei vier Jahren in der Slowakei wir haben si- wir haben uns schon äh erholt und mein Vater hat schon gehabt

[2:23:33] eine Existenz   ist gekommen der Kommunismus   Gottwald und äh   und äh   wir zwei mein Bruder und ich wir sind [räuspert sich] gleich nach den Befreiung sind wir angefangen gehen in eine Jungorganisation von zionistische Organisation Hashomer Hatzair und dort

[2:24:04] hat man uns äh erzi- erzogen zu Zionismus und dass wir sollen äh nach Israel kommen das ist unser Ziel wir haben bekommen   Ausbildung von Jüdisch- Jüdischkeit Jiddischkeit und Juden und wir haben geglaubt dass für uns Juden ist das Beste in Israel sein

[2:24:31] und äh wir haben nicht wollen in Slowakei bleiben weil auch der Regime der demokratische Regime was war vor dem Krieg ist schon nicht dor- so und man hat angefangen spüren den kommunistischen Regime so bin haben wir uns äh überzeugt die ganze Familie dass

[2:25:01] wir gehen nach Israel und ich war der erste von der Familie dass ich allein mit sechzig Kinder zusammen in einer Gruppe nach Israel ausge- wie sagt man ?

Daniel Baranowski

[2:25:17] ausgewandert

Naftali Fürst

[2:25:19] ausgefahren ?

Daniel Baranowski

[2:25:21] ausgewandert

Naftali Fürst

[2:25:23] ausgewandert in Israel bin ich hineingekommen in ein Kibbuz dort war ich von Jahre 49 bis   55 ich war drei Jahren in Israel in der Armee   bin ein Soldat nachdem war ich im Kibbuz bis 55 im Kibbuz habe ich geheiratet   ich hab verlassen den Kibbuz weil ich hab

[2:26:01] gehabt verschiedene andere Gedenken und ich bin in [hustet] fangt an   [trinkt] von Kibbuz das Kibbuz hat geheißen Maanit bin ich nach Haifa überzogen und von in Haifa lebe ich bis heute von Jahr fünfzig 55 ich habe eine Tochter Ronit und vier Enkel   Tom  

[2:26:45] Mika   Yoel und Michael und jetzt bin ich schon äh ein sehr junger Mann ich habe schon gehabt achtzig und äh ich bin kann sagen dass ich meistens hab eine gute Laune und ich bin ein Optimist und äh die letzte Jahre habe ich schon zeitweilig bin ein Pensionär

[2:27:20] und ich finde sehr wichtig dass ich meine Überlebnisse weiter erzählt für die Generation dass man soll nicht vergessen was war und das soll nicht noch einmal passieren und äh ich hoffe dass die paar Wörter was ich erzählte werden zu dem helfen

Daniel Baranowski

[2:27:50] ich habe noch zwei Fragen wenn ich darf

Naftali Fürst

[2:27:56] du darfst

Daniel Baranowski

[2:27:58] zum einen ähm wann sind Ihre Eltern und Ihr Bruder die sind nachgekommen beide wann sind die gekommen ?

Naftali Fürst

[2:28:05] mein Bruder hat sich befasst in der Slowakei mit helfen die Kinder von von Slowakei nach Israel schicken die Alija er hat gearbeitet in der Konsulat und darum ist er geblieben weiter aber ich ich bin angekommen in Israel im Februar 49 und ich glaube nach drei

[2:28:31] Monaten sind meine Eltern mit meinem Bruder nach Israel gekommen und mein Bruder hat er war in ein in einer anderen Gruppe Kindergruppe die hat geheißt Lehavot Chaviva nach die Partisanerin von Kibbuz Maanit von meinem Kibbuz haben sie aufgebaut einen neuen

[2:28:54] Kibbuz bis jetzt ist das ein schöner Kibbuz Lehavot Chaviva und er hat dort gelebt er hat auch aufgebaut eine schöne Familie er hat auch gehabt drei Kinder und neun Enkel und äh   er ist jetzt von vor zehn Jahren gestorben und meine Eltern sind auch gestorben

[2:29:18] in da in Israel mein Vater von mehr wie er war sechzig Jahre alt und meine Mutti hat erlebt neunzig Jahre und sie sind alle begrabt in Kibbuz Lehavot Chaviva   und ich kann sagen dass auch ich habe mir doch dort geschaffen ein neben die Familie ein Grab und

[2:29:46] dass wir wieder zusammenkommen  

[2:29:48] was ist die zweite Frage ?

Daniel Baranowski

[2:29:53] ähm muss ich mal eben ach so die zweite Frage war als was haben Sie gearbeitet was für einen Beruf hatten Sie in Israel

Naftali Fürst

[2:30:03] schauen Sie ich habe viele Beruf- viele Sachen gemacht ich habe war ich ich sage das schnell ja in Kibbuz war ich ein Tischler wann ich gekommen bin nach Haifa habe ich gemacht ein Fotostudio weil das habe ich gelernt   nachdem war ich   ich war ein guter Volleyballspieler

[2:30:30] und darum hat man mich gerufen in verschiedene Plätze dass ich soll kommen so habe ich in der war eine Zeit ich war in der Armee aber wie ein Zivil und ich habe Volleyball gespielt [lacht] nachdem   aber zwei ich kann sagen dass zwei Sachen was ich habe gemacht

[2:30:52] so viele Jahren 23 Jahre habe ich gehabt eine Fahrschule und ich hab war Fahrlehrer ich habe gehabt eine Fahrschule in Haifa und eine Fahrschule in Akko nachdem habe ich das aufgelassen und ich äh war ein äh ich bin ein Partner in eine Großgeschäft für

[2:31:20] Medikamenten wir haben   wie sagt man En Gros En Gros-Depot für Verkauf Medikamenten das habe ich gemacht letzte 21 Jahre bis ich das verkauft habe und äh jetzt bin ich ein Pensionär

Daniel Baranowski

[2:31:39] Sie haben dann Ende der neunziger Jahre mit Ihrem Bruder gemeinsam Ihre Familiengeschichte aufgeschrieben

Naftali Fürst

[2:31:47] ja wir haben angefangen wir haben immer gesagt dass man muss das erzählen weil das ist nicht so eine einfache Sache das Überleben und so im 99 haben wir angefangen das zusammen erzählen und äh aufschreib- auf Papier gebracht unsere Geschichte   wir haben

[2:32:12] Glück gehabt dass die wir haben viele Fotos gefunden von unserer Kindheit was waren bei meinem Onkel und mein Onkel hat das bei einen Nichtjuden versteckt und nach dem Krieg haben wir die Fotos bekommen darum habe ich paar Fotos von meiner Kind- von meiner

[2:32:34] Kindheit

Daniel Baranowski

[2:32:36] Sie haben auch noch ähm Fotos mitgebracht von Ihrer Familie heute ich weiß nicht ob Sie da auch noch eins oder zwei davon vielleicht zeigen möchten   es hängt ja auch mit einer Reise nochmal zusammen die Sie nach Buchenwald und Auschwitz gemacht haben

Naftali Fürst

[2:32:55] [zeigt Fotos]   das ist ein Foto von meiner Familie in Jerusalem vor einem Jahr wir haben gemacht einen Besuch im Tiergarten in Jerusalem   das ist ein Plakat von dem Film »Kinderblock 66 Return to Buchenwald« wenn man   das ist eine eine Geschichte von

[2:33:48] vier Kindern was waren im Kinderblock und nach sechzig Jahren sind wir zurück gegangen nach Buchenwald und die Geschichten von alle vier und das bin ich   und im April   2012 haben wir gemacht eine Rundreise mit meiner Familie Enkel und und wir waren in

[2:34:23] äh drei   Plätze   und wir haben angefangen das Besuch in Auschwitz   von Auschwitz sind wir nach Buchenwald   man sieht das Bild von die Pritschen   das ist auch ein Bild vor dem Eingang i- in den Lager wo ist aufgeschrieben »Jedem das Seine«  

[2:35:26] und äh zu bekommen eine bessere Laune sind wir gekommen nach Berlin haben eine T- Tour machen und wir waren da drei Tage in Berlin und das war toll  

Daniel Baranowski

[2:35:51] Lennart ich weiß nicht ob du noch eine Frage hast ? sonst Naftali   möchten Sie am Ende noch etwas sagen noch etwas hinzufügen ?

Naftali Fürst

[2:36:10] [räuspert sich]   schauen Sie ich kann sagen ku- ich will mich erst bedanken dass Sie mich eingeladen hat- haben auch zu dem Video auch zu die Treffnung die die Familie was ich werde treffen mit Herrn Joachim Gauck und die Familie von ihm die und dass ich

[2:36:40] kann teilnehmen an einem s- Abend und auch publizieren meine   Erlebnisse und äh   ich glaube das ist wichtig zu machen weil ich fühle mich in die wie die jüngste Leute was noch können sich erinnern und auch erzählen ich glaube dass schon nach mir die Leute

[2:37:14] was waren vielleicht in Lagers sie können das nicht nichts erinnern und sie haben schon nicht die Kraft zum kommen zum Beispiel nach Berlin und erzählen   und ich fl- ich fühle mich wie ein dass ich dass ich mach dass ich mach auch eine Pflicht dass ich

[2:37:41] erzähle im Namen schon von äh so viel tausende Kinder das können nicht sprechen dass ich bin die Stimme von diese   gemordeten Kinder

Daniel Baranowski

[2:37:59] vielen Dank

Lennart Bohne

[2:38:01] vielen Dank

Daniel Hübner

[2:38:03] vielen Dank

Datum Ort Text
ab 1932 Pressburg Geburt als Juraj Naftali Fürst in Au, einem Vorort von Pressburg
ab 1938 Pressburg Zwangsumsiedlung von Au nach Pressburg
ab 1941 Pressburg Arisierung des Familienbetriebs
1942 - 1944 Sered (Zwangsarbeitslager) freiwilliger Gang der Familie in das Lager und Arbeit in der Tischlerwerkstatt
ab 1944 Piešťany gemeinsame Flucht mit dem Bruder aus dem Lager nach dem Slowakischen Nationalaufstand
1944 - 1944 Sered (Zwangsarbeitslager) Inhaftierung
1944 - 1945 Auschwitz II-Birkenau (Vernichtungslager) Deportation nach Auschwitz-Birkenau und Inhaftierung
1944 - 1945 Budy (Konzentrationslager) Zwangsarbeit
ab 1945 Breslau Todesmarsch von Budy nach Breslau
ab 1945 Buchenwald (Konzentrationslager) Deportation von Breslau nach Buchenwald
1945 - 1945 Buchenwald (Konzentrationslager) Aufenthalt im Kinderblock 66 und in der Krankenbaracke
ab 1945 Piešťany Rückkehr in die Slowakei
ab 1945 Buchenwald (Konzentrationslager) Befreiung
ab 1949 Ma`anit Auswanderung nach Israel
Buchenwald (Konzentrationslager) Rückkehr nach Buchenwald zum sechzigsten Jahrestag der Befreiung
Israel Kenntnis von der Fotografie aus Buchenwald in den 1960er Jahren
Veröffentlichung der deutschen Ausgabe der Autobiographie
Naftali Fürst wurde am 18. Dezember 1932 im Pressburger Vorort Au geboren, die ersten Jahre seines Lebens verlebte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Shmuel eine behütete Kindheit. Das Ende dieser Kindheit markierte der so genannte »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Der Vorort Au, auf der westlichen Seite der Donau gelegen, wurde von Pressburg getrennt und dem Deutschen Reich angegliedert. Für die jüdische Familie Fürst bedeutete dies die Zwangsumsiedlung nach Pressburg.

Die Ausgrenzung und Unterdrückung der Juden in der Slowakei begann nach der Gründung der Ersten Slowakischen Republik am 14. März 1939, dies spürte auch die Familie Fürst, unter anderem durch die Besitzverbote bestimmter Gegenstände oder die eingeschränkte Nutzung öffentlicher Transportmittel. Ab dem Jahr 1942 begann der slowakische Staat, Juden in Arbeitslagern zu internieren, welche den Gefangenen zeitweise einen Schutz vor den ebenfalls im Jahre 1942 beginnenden Deportationen nach Polen bot. Während der Jahre 1942 bis 1944 mussten alle Mitglieder der Familie Fürst in Sered Zwangsarbeit in der Tischlerwerkstatt verrichten. Die Arbeit des Vaters, einem ausgewiesenen Holzexperten, brachte der Familie zunächst Schutz vor den Deportationen.
Nach dem Slowakischen Nationalaufstand im August 1944 floh die Familie aus Sered nach Pieštany. Sie wurde jedoch kurze Zeit später, nach der Niederschlagung des Aufstandes durch deutsche Truppen, wieder verhaftet und erneut im Lager Sered interniert. Da der Vater sich der Verhaftung durch Flucht entziehen konnte, war Naftali Fürst zunächst mit dem Bruder, der Mutter sowie der Großmutter alleine. Um der drohenden Deportation entgehen zu können entschloss sich die Mutter zu einer Notlüge in Bezug auf den jüdischen Vater, die Großmutter wurde jedoch deportiert und ermordet.

Nachdem der Vater ebenfalls verhaftet und in Sered interniert worden war, flog der Schwindel jedoch auf und die gesamte Familie wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden Naftali Fürst und sein Bruder von den Eltern getrennt und nach kurzer Zeit in das landwirtschaftliche Arbeitslager Budy verschleppt und mussten dort erneut Zwangsarbeit leisten. Aufgrund des Vormarsches der Roten Armee wurde das Lager Budy im Januar 1945 geräumt und die Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Breslau geschickt.

Von Breslau gelangten die beiden Brüder im offenen Viehwaggon nach Buchenwald, wo sie nur durch den Tausch der Identitäten mit einem anderen Brüderpaar gemeinsam bleiben konnten. Von der Untergrundorganisation im Lager wurden sie in den Kinderblock 66 gebracht und waren dort geschützt. Nachdem Naftali Fürst schwer erkrankte, brachte ihn der Bruder in die Krankenbaracke, wohlwissend, dass die wenigsten Häftlinge von dort zurückkehrten. Entgegen dieser schlechten Aussichten erholte sich Naftali Fürst jedoch und wurde schließlich im Lagerbordell gesund gepflegt. Dort erlebte er die Befreiung am 11. April 1945. Da sein Bruder wenige Tage zuvor deportiert wurde, war er vollkommen auf sich alleine gestellt. Kurze Zeit später wurde er, nachdem er sich in einer Baracke einen Schlafplatz gesucht hatte, von amerikanischen Armeefotografen fotografiert.

Nach der Befreiung fuhr er nach Pressburg und von dort zu Verwandten nach Pieštany und hörte kurz darauf von dem Überleben seines Bruders sowie beider Elternteile. Diese traf er in einer vor der Deportation vereinbarten Straße in Pressburg wieder. Nach dem Krieg gründete der Vater ein neues Unternehmen, die Familie flüchtete jedoch aufgrund des Februarumsturzes in der Tschechoslowakei nach Israel. Nach einem kurzen Aufenthalt im Kibbuz zog Naftali Fürst nach Haifa, wo er bis zum Zeitpunkt des Interviews lebte.
Zu Beginn der 1960er Jahre erkannte er sich auf einem Foto aus Buchenwald in der Zeitschrift »Maariv« wieder. Dieses Bild wurde später Gegenstand der Forschungen einer deutschen Journalistin und führt diese zu Naftali Fürst. Hierdurch und durch den Besuch der Gedenkstätte Buchenwald anlässlich des sechzigsten Jahrestags der Befreiung 2005 begann Naftali Fürst auch auf Deutsch von seinen Erlebnissen während des Holocaust zu berichten. Diese Arbeit als Zeitzeuge führte unter anderem dazu, dass er 2007 anlässlich des Holocaust-Gedenktages den Bundestag besuchte und einen Tag nach dem Interview, gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck, eine Berliner Schulklasse traf.