Solly Ganor (*18.05.1928, Heydekrug)
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- Signatur
- 01147/sdje/0043
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Berlin, den 28. März 2012
- Dauer
- 03:11:37
- Interviewter
- Solly Ganor
- Interviewer
- Teresa Schäfer , Daniel Baranowski
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Teilnehmer am Gespräch
- Pola Ganor
- Redaktion
- Teresa Schäfer
- Transkription
- Teresa Schäfer
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Kaunas im Juni 1941 endete die durch Weltoffenheit und eine vielsprachige Familie geprägte Kindheit des dreizehnjährigen Solly Ganor. Von einem Tag auf den anderen befand er sich auf der Flucht und wurde mit brutaler Gewalt und der Teilnahmslosigkeit der Umwelt konfrontiert. Geprägt durch die politische Einstellung des Vaters wuchs Solly Ganor als jüngstes von drei Kindern im vorwiegend deutschsprachigen Heydekrug in Litauen auf, bevor die mittelständische Familie nach Kaunas umzog. Trotz der familiären Bemühungen, Brücken zu bauen, gab es eine deutliche Kluft zwischen den katholisch geprägten Litauern und der jüdischen Bevölkerung. Als die Flucht der Familie nach Kriegsausbruch scheiterte, lebten sie im Ghetto Kaunas. Solly Ganor leistete auf seine Art als Kind Widerstand und errichtete unter Lebensgefahr eine geheime Bibliothek. Nach der Auflösung des Ghettos Kaunas folgte die Deportation in das Konzentrationslager Stutthof und schließlich in eines der Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Solly Ganor leistete Zwangsarbeit, bis er im April 1945 auf einen Todesmarsch getrieben wurde. Nach der Befreiung durch die amerikanische Armee arbeitete er als Übersetzer für die Alliierten und wanderte 1948 nach Israel aus. Er wurde Matrose und Kapitän bei der Handelsmarine. Zum Zeitpunkt des Interviews war Solly Ganor 84 Jahre alt.
Vorkontakte
schriftliche Kontaktaufnahme und Telefonat zur Besprechung des Lebenslaufes mehrere Wochen vor dem Interview, gemeinsames Vorgespräch mit allen am Interview Beteiligten zwei Tage vor dem Interview
Bedingungen
gute Aufnahmebedingungen, Seminarraum im Ort der Information
Gruppensituation
zwei Interviewer, ein Kameramann (Daniel Hübner); die Ehefrau von Solly Ganor ist ebenfalls anwesend
Unterbrechungen
abgesprochene Pause nach ungefähr neunzig Minuten; eine kurze zusätzliche Unterbrechung
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
[0:00] heute ist der 28ste März 2012 wir sind im Ort der Information und begrüßen ganz herzlich Solly Ganor mit dem wir heute ein Interview durchführen für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas unterstützt
[0:15] wird das Projekt durch die Kulturstiftung des Bundes mein Name ist Teresa Schäfer ich führe das Interview gemeinsam mit Daniel Baranowski und Daniel Hübner ist für die Technik zuständig [Schnitt]
[0:25] äh mein Name ist Solly Ganor geboren Zali Genkind in eine kleiner Stadt in Litauen Westlitauen das ist äh vorher gewesen ein Gebiet von Ostpreußen äh das Stadt hieß äh Heydekrug und ist in der Nähe von der von Memel das ist ein ein Hafenstadt das in
[0:55] Litauisch Klaipėda hieß äh meine erste Erinnerungen sind wahrscheinlich war ich vier Jahre alt als gerade hatte ich ein Geburtstag dort und äh mein Vater hat mir gebracht ein besondere äh Geschenk das war ein Schaukelpferd aus Holz in dem ich mich gleich
[1:23] sehr verliebte und äh ich hatte einen deutschen Freund der hieß Hansi Hansi Müller und der war auch genau ungefähr in meinem Alter und wir waren zusammen in Kindergarten und 1933 ah außerdem mein Vater war hatte ein Seifenfabrik in diese Stadt gehabt
[1:50] und sein Partner war der Vater von Hansi und 1933 als Hitler zur Macht kam hat man schon gefühlt auch in diesem Teil von Litauen weil es meistens deutschsprechig war also die ganze Bevölkerung haben Deutsch gesprochen weil es ja vorher äh Ostpreußen war
[2:17] und das war auch die erste Sprache die ich gesprochen habe Deutsch obwohl mein Vater mit meiner Mutter Russisch und Jiddisch gesprochen haben das hab ich auch mitbekommen als Kind in dreiu- 33 34 glaub ich war war es hat der also der Herr Müller ha- sagte
[2:42] meinem Vater »vielleicht wäre es eine gute Idee dass ich dein Teil abkaufen werde denn sieht aus dass auch hier die Nazis durchdringen und es wird für Juden unangenehm werden« und so hats äh äh hat mein Vater Vater hat ihn sein Teil verkauft in die
[3:05] Fabrik und wir sind dann nach Kaunas gefahren das ist die war die Hauptstadt von Li- von Litauen und wo meine Mutter hatte eine ganz große Familie in äh ich glaube in die russische von zarischen Bücher steht geschrieben über meinen Groß-Großvater von
[3:30] 1755 er hieß äh Zundel Shtrom und den Name von meine Mutter war Shtrom wirklich und so dass ich kann mich erinnern als wir zurück zu zur als wir zu Kaunas kamen das war für mich ganz verwirrend es war alle ah jedenfalls haben alle was anderes gesprochen
[3:56] meistens die Juden haben Jüdisch gesprochen dann Li- die Litauer haben Litauisch gesprochen da gabs auch viele polnische Einwanderer und äh auch äh Hebräisch wir hatten hebräische Schulen wo wir äh Hebräisch gelernt haben so für mich war das ein
[4:19] ganz äh Kauderwelsch von Sprachen ich kann mich erinnern dass ab und zu meine Mutter schimpfte mich sa- und sagte »sprich eine Sprache« dass ich in ein [lacht] in einem Satz hab ich Russisch Deutsch und und Jüdisch hineingegeben und äh aber für mich
[4:40] war Kaunas am -ne riesengroße Stadt wo wir von Heydekrug kamen war das ein kleine kleine Stadt und Kaunas war dachte ich ist größer als Paris also so was und ich s- es war sehr angenehm die Stadt es ist eine Stadt das liegt zwischen zwei Flüssen d- Nie-
[5:05] das ist Memel was in deu- in äh in Litauisch Nemunas hieß und auf die andere Seite Wilia und beide Flüssen kommen zusammen äh in Platz von Kaunas gebaut wurde äh diese Zeit war für mich äh ein außergewöhnliche angenehme Zeit denn ich habe plötzlich
[5:36] äh dutzenden von Onkels und Tanten und äh Cousinen gefunden die ich vorher nicht ko- kennengelernt habe und diese waren ko- kommen zu uns in unsere neue Wohnung und äh es war für mich sehr angenehm obwohl ich musste obwohl die haben mich alles äh ausgelacht
[6:02] weil ich Deutsch gesprochen habe aber allmählich hab ich ganz schnell Jüdisch gelernt weil es so ähnlich sowieso ist Jüdisch zu Deutsch und äh diese Zeit war für mich eine sehr angenehme Zeit meine Eltern waren so Mittelstand vielleicht etwas höher
[6:26] haben gute Geschäfte gemacht und äh
[6:31] bis 1940 bis 1939 als der Krieg an- angefangen hat in Polen war doch Litauen äh unabhängig war litauischer Staat und äh für uns war das eine Warnung dass die Nazis sind in Polen einmarschiert und wir haben gehört
[6:58] über die Erschießungen von Juden und gleich danach sind auch viele Juden aus Polen über die Grenze gekommen und äh sind als Flüchtlinge in Kaunas angekommen und äh bei uns zu Hause und auch meistens von jüdische Familie haben die äh haben die Flüchtlinge
[7:24] zu sich angenommen und wir hatten auch ein Ma- es war ein Mann und die seine Tochter aus Warschau sie äh seine ganze Familie wurde durch d- Bombardierungen äh getötet nur er und seine Tochter sind geblieben und wir haben dann die zu uns ins Haus angenommen
[7:50] und äh und das war auch die Zeit als die Russen ankamen also der Ri- Ribbentrop und Molotow-Pakt da haben sie ja die Sowjeten und Deutschen Polen und und baltische Länder verteilt und Litauen Lettland und Estonien sind dann unter den Sowjetenherrschaft
[8:21] gekommen das war glaub ich im Juli 1940
[8:26] Herr Ganor ganz kurz ähm auf was für eine Schule sind Sie bis dahin gegangen ?
[8:32] ah ja das ist in Heydekrug bin ich gegangen zum deutschen Kindergarten äh als ich in Kaunas ankam äh hatt ich eine Problem denn meistens Juden sind zu hebräische Schulen ge- gekommen aber ich ha- ich konnte kein Hebräisch und äh da gabs eine Schule
[8:57] das hieß lit- äh jüdische litauische Schule wo man äh auch Hebräisch gelernt haben aber es war mehr wie lit- Litauisch und Jüdisch das war die das erste Schule wo ich gelernt habe aber einige Jahre später bin ich zur litauische Schule gekommen was
[9:23] meistens Juden nicht getan haben denn die lit- die lit- lit- äh litauische Kultur im Gegenteil was in Europa passierte mit Juden war irgendwie nicht anpassend zur zu den zu den Juden dass ihre Sprache ist außergewöhnlich wenn jemand weiß woher diese Sprache
[9:49] herkommt nicht es ist nicht Slawisch und nicht Lateinisch es ist irgendwo inder- indoeuropäische Sprache das war nicht leicht zu lernen äh ein Jahr ha- bin ich gegangen und in diese Schule ich ka- und ich war der einzige Jude in diese Schule und die Kinder
[10:11] waren meistens Litauer waren ja Katholen katholisch äh und die haben mich immer gelacht und ich kann mich erinnern am Sonntag ka- oder war das eine von d- die Tage kam ein priest der über die Bibel gelernt hat und er wusste dass ich Jude bin hat er zu mir
[10:39] nicht gesprochen sagt er nur »Genkindas« Genkind das ist mein Name »raus« [gestikuliert] ich müsste gleich wegkommen damit ich die äh Bibel nicht le- äh gelesen hab nicht le- nicht hören konnte und äh interessant ist dass Bibel ist ja vo- von uns
[11:03] geschrieben worden also a- in Israel von zweitau- vor 3000 Jahren das ist
[11:12] wie war das für Sie da rausgeschickt zu werden ?
[11:15] äh das war äh die richtig an- antisemitische Ausdrücke und die katholische Kirche war ziemlich antisemitisch in Litauen die Litauern wurden waren ja Paganen bis Kolumbus nach Amerika fuhr in 1492 haben die das erste Mal ich glaube das war das letzte äh
[11:41] sie waren die letzte die die die Christentum angenommen haben das war Litauen 1492 soweit ich mich erinnern kann ich kann mich erinnern dass wir hatten einen D- Dienstmädchen also die die war litauisch polnisch gemischt und sie hat immer sie hatte ein kleinen
[12:10] Zimmer voll mit Katzen und sie hatte ein Kruzifix aus Holz und irgendwo einen in so einen aus Holz einen anderen aussehenden äh Figure und sie sagte mir »siehst du diese Figure ? das ist Perkūnas« Perkūnas in Litauisch ist der Donner und das ist der Gott
[12:35] alter Gott von Litauen und äh und da hat sie gebeten zu diesem Perkūnas und auch zu dem Kruzifix der in 1938 oder äh 35 haben waren die noch äh p- in gewissem Sinne Paganen sie war jedenfalls und sie sagte mir einmal »weißt« als die Sache mit Hitler
[13:03] vorgeschritten ist in Polen wurde schon äh viele ziemlich Juden ermordet sagte sie mir »weißt du du musst beten an Perkūnas denn der andere hier wird dir viele Strapazen machen« da zeigt sie auf den auf den Jesus an der äh die Sache ist war so dass die
[13:29] irgendwie in Litauen weil die vielleicht etwas wie man sagt äh in gewissem Sinne paganisch waren äh aber trotzdem waren sie sehr antisemitisch in der Hinsicht von äh von der äh Kirche katholische Kirche war soweit ich später studierte äh mehr äh antisemitisch
[14:01] als irgendwo anders äh g- in Italien war nicht so antisemitisch wie in Litauen obwohl und dann Polen auch aber Litauen war es am Schlimmsten in Litauen und Lettland auch äh ein Jahr hab ich dort ausgehalten ich sagte mein Vater »hier ist es mir zu viel
[14:26] bei den Litauern zu sein warum wo- willst du dass ich b- bei Litauern lerne wo alle meine Freunde lernen in hebräische Schule« und äh da hat mein Vater beschlossen mein Vater war so ein internationaler Typ Typ er war aus Minsk in Russland und als Kind schon
[14:52] war er mit der Revolution äh er war nicht mit die Bolschewiken er war mit die äh Menschewiken das heißt die Sozialdemokraten von Kerenski der äh d- die erste die erste die die von Zar die Macht übernahm war Kerenski der prime prime minister und erst später
[15:18] wurden die Bolschewiken haben das alles übernommen mein Vater war verbunden mit die ganze Sache und er er wollte er glaubte dass das einzige was Menschheit retten kann ist das internationale Bruderschaft der Menschheit und deswegen war er sehr international
[15:42] international gestimmt deswegen hat er mich auch nach in litauische Schule geschickt aber da nachdem er sah gesehen hat dass äh ich bin ein- ziemlich viel Mal nach zu Hause gekommen mit äh schwarze Augen hat er gesagt »okay« dann bin ich zu eine hebräische
[16:04] Schule gekommen eine in in Kaunas gab vier hebräische Gymnasiums w- fast so viel wie äh in Israel zu der Zeit und äh weil alle meistens von die Einwohner Litauens die Juden hatten vor n- nach Palästina zu fahren auszuwandern sie sahen nicht ihr Zukunft
[16:34] in Litauen äh irgendwie ha- w- waren wir äh könnten wir nicht zusammen passen die litauische Kultur war für uns einfach fremd und äh es waren viele Juden die wenig Litauisch gesprochen haben dagegen sozusagen in Polen war ein Teil der Juden die assimilierten
[17:03] und die haben Polnisch gesprochen oder in Deutschland haben alle Juden Deutsch gesprochen waren ja alles hier assimilierte Juden was wir nennten assimilierte Juden äh und es gab auch unter die Zeit von Zar ja der Zar war ja die Russen waren ja viele Jahre
[17:31] in Litauen bis Litauen un- Litauen ihre Unabhängigkeit bekommen habt waren ja die Zar hunderte Jahr in Litauen und die Russen wollten dass sie Russen werden und die haben verboten Litauisch zu lernen jeder einer der ein litauische äh Buch bei sich hatte
[17:57] kam zum Gefängnis das ist von die zarische Seite die wollten ja einfach äh die baltische Länder russifizieren äh und mein Vater wurde das ist sein Teil der wegen als die Revolution kam und die Bolschewiken haben die Macht übernommen die erste die äh
[18:26] verfolgten waren die Menschewiken also die Sozialdemokraten und äh und die haben viele erschossen und mein Vater ist dann von Russland nach Litauen entkommen ein Freund hat ihm geholfen wi- äh nach nach Litauen zu kommen dort hat er m- mein Mutter kennengelernt
[18:49] und die haben geheiratet so dass sie unsere Familie war so eine gemischte Familie deswegen hab ich auch äh als Kind Russisch und Deutsch und Hebräisch und verschiedene Sprachen gelernt [räuspert sich]
[19:06] äh ich komme jetzt zurück zu die Zeit wo die Russen
[19:13] einmarschierten und äh mein Vater hat ja als alter Menschewik war hat er große Angst gehabt aber vorher möcht ich was erzählen denn wir hatten Visen nach Amerika zu fahren wir hatten Familien in Amerika mein Vater hatte eine Schwester und einen Bruder
[19:39] und äh aber er er wollte nicht ohne Geld nach Amerika zu kommen und äh wollte sein Geschäft verkaufen er hatte so ein g- verschiedene Geschäfte damit er etwas Geld hat zurück zu kommen nach Amerika zu fahren unterdessen sind in wie ich vorher gesagt habe
[20:03] sind die Sowjeten einmarschiert vorher haben wir zufällig eine einen japanischen Konsul kennengelernt Namen sein Name war Sempo Sugihara Chiune Sempo Sugihara den hab ich zufällig äh m- meine Tante hat so eine Delikatessengeschäft gehabt und der ist
[20:31] m- äh mehrmals zu ihr gekommen um Schokolade für Kinder zu kaufen und äh das waren äh Weihnachten 1939 gabs auch die Weihnachten zur selbe Zeit als äh als Chanukka und äh ich kann mich erinnern dass eine Delegation von Frauen sind zu uns zu Hause
[21:01] gekommen und äh die wollten dass wir dass meine Mutter und Vater etwas Geld für die Flüchtlinge geben soll obwohl wir zwei zu Hause hatten äh hatte ich so ein Impuls und ich hab alle was ich von alles Geld was ich von Chanukka bekommen habe von meine äh
[21:24] Tanten und Onkel äh hab ich di- diese Frauen für die Flüchtlinge gegeben und jetzt wollt ich in Kino gehen und ich hatte kein Geld da bin ich zu meine Tante hingegangen und sie war immer sehr großzügig obwohl sie mir schon einmal Geld gegeben hat aber
[21:44] trotzdem hab ich ihr erzählt dass und da war dieser japanische Konsul Chiune Sugihara hat was gekauft und da hörte er er hat gehört von meine Ta- er hat Russisch gesprochen ja ich werde später vielleicht e- etwas über ihm erzählen die haben meine Tante
[22:07] und die haben Russisch gesprochen und äh er hat gehört von diese von äh also dass wir Geld bekommen als Kinder bei Chanukka und sagte er mir wollt er mir auch was geben und ich sagte »nein ich kann das nicht annehmen das sind nur für Familien« »ja«
[22:33] sagt er »dann w- werd ich für Chanukka sein dein Onkel« sag ich »okay wenn du bist mein Onkel« hab ich genommen das Geld und sagte ihm »ja wenn du mein Onkel bist morgen am Samstag haben wir ein Chanukkafeier so- sollst zusammen mit die Kinder na-
[22:56] zu uns zu Hause kommen« ich war elf u- elf Jahre alt und meine Tante glaubte dass ich verrückt geworden bin [lacht] dass ich diesen ganz vornehmen japanischen Konsul den lade ich ein zu uns zu Hause und da und diese zufällige manchmal sagt man das Leben
[23:16] und Tod ist am Zung diese zufällige Bekanntschaft äh ist dann so ein gewisse Freundschaft geworden äh die sind wirklich zu uns gekommen nach Hause er und seine Frau Yuku- Yukiko und äh und da hat er gehört über die Verfolgungen er war interessiert
[23:41] was in Polen vorkommt und äh er war eigentlich äh intelligence person denn in Litauen wozu braucht man ein Konsul aus Japan in m- in Litauen sind ja niemals Japaner oder irgendjemand jedenfalls haben wir nach dem Krieg gehört dass er war intelligence Offizier
[24:05] und dann ist der Mann der zu uns bei uns mit seine Tochter war hat die Idee er war sicher dass die Deutschen werden auch in Litauen kommen das ist hier zu bleiben wär verrückt alle müssen weg da ist er zum japanischen Konsul gekommen und fragt ihn ob
[24:32] er eine Visa nach Japan bekommen kann und der japanische Konsul sagte nur »später« ich dachte dass er verrückt ist er d- wir wussten ja alle dass die Japaner und die Nazis waren ja Verbündete d- ja was wirst du in Japan tun unter diese Umstände aber
[24:57] diese Idee hat er von ihm bekommen später sechs Monate später hat dieser Konsul Chiune Sugihara er war der einzige Konsul in ganz L- Litauen der Juden gerettet hat die Amerikaner die Briten Franzosen niemand wollte Visen geben zu den Juden da standen Schlange
[25:23] vor die Konsulen er der ja Sugihara zu ihm war Juden d- ganz was Fremdes er war hatte keine Zugang er hatte keine Bekanntschaft durch uns hat er kennengelernt verschiedene meine Tante mein Onkel und und dann ist sind die Juden angefangen zu kommen zu ihm
[25:52] zum Konsul und ihn gefragt ob er ihn rett- äh ihn nicht retten kann und äh soweit ich gehört habe haben die japanische Regierung sich ganz fest verweigert dass er Visen nach Japan geben soll äh n- das wäre schlecht für die Beziehungen mit Deutschland
[26:18] aber jedenfalls hat er es getan gegen die Befehl von äh der japanische Regierung und äh soweit ich weiß was ich später in in Tokio gesehen habe hat er ungefähr sechstausend Visen äh gegeben und äh ihr in ihrem Buch »Visas for Life« seine Frau hat
[26:44] ein Buch geschrieben ich habs leider nicht mitgebracht in ihrem Buch hat sie mein Bild hinein gegeben und da steht geschrieben äh der Beschluss Visen den Juden zu geben um den zu retten hatte ein äh hatte ein Junge Solly Ganor Ei- Einfluss gehabt in was
[27:09] sie in mein ihr Buch hinein gegeben ist war für mich etwas erstaunlich dass sie so etwas geschrieben hat aber irgendwas hatte das schon zu tun mit mir wahrscheinlich a-
[27:23] haben Sie sich selber um ein Visum bemühen wollen ?
[27:26] ja wir haben die eine von die ersten Visen bekommen aber als die Russen kamen wurden unsere litauische Passporte ungültig also die Visa den wir für Japan bekommen haben könnten wir nicht brauchen wir versuchten äh am Zug zu kommen mit dem neuen litauischen
[27:49] Passport aber wir haben gesehen dass die russische Geheimdienst steht und kontrolliert alle Pässe also die rauskommen konnten waren polnischen Juden die noch den polnischen Passporte hatte es waren auch äh hollandische und verschiedene andere ausländische
[28:12] Juden die in Litauen waren die sin- die hatten alle konnten rausfahren nur wir waren bei Station haben wir gesehen das waren wahrscheinlich einige die wir aus Litauen waren die wurden glei- direkt arrestiert so Vater sagt »es hat keinen Sinn« und wir sind
[28:35] dann nach Hause gekommen und wir konnten diese Visa nicht gebrauchen mehr erst äh viele Jahre später äh aber das werd ich später erzählen äh in Juni 22sten Juni in 41 haben wir gehört dass wir werden nach Sibirien rausgeschickt also vorher im
[29:10] Juni jemand der mit den Russen verbunden war hat gehört dass äh mein Va- äh wegen mein Vaters Vergangenheit dass er dass er Menschewik war mussten wir nach Sibirien kommen irgendwo in Kamtschatka und sie haben uns gesagt dass wir müssen kleinen Koffer
[29:37] mitnehmen und sonst nichts und es war und nachts sind die meistens KGB sind gekommen und haben Ju- haben Juden und auch Litauer rausgehau- -geholt und haben nach Sibirien geschickt und an die- und dieselbe Nacht das wir arrestiert werden sollen äh ist der
[30:02] Krieg angefangen
[30:05] ich ich kann mich erinnern zwei- es war 22ster Juni da schaut ich von mein Fenster raus und äh und da und war schon ziemlich hell und da sah ich über den äh Flugplatz von Lit- Kaunas da sah solche so wie silberne Schmetterlinge das war
[30:29] ziemlich weit her das waren Stukas von den Deutschland die den die den bom- die äh Flugzeug bombardierten da sah man die Spreng- das hat angefangen der Krieg hat sich angefangen dann und äh mein Vater sagte »bei den Sowjeten ist es schlecht aber bei den
[30:54] Nazis wirds noch schlimmer sein« und wir werden versuchen obwohl wir nach Sibirien kommen werden wirds jedenfalls werden wir nicht gleich ermordet werden und wir haben versucht zu entkommen aber die Züge waren haben nicht mehr gefahren und äh wir sind
[31:19] dann ein Nachbar hat ein Pferd einen Wagen und wir haben ihn ziemlich viel Geld gegeben damit er hat uns mitgenommen und wir sollte dann irgendwie durch die Grenze nach Russland kommen äh unterwegs wurden wir andauernd bombardiert wir waren zivile Vervölkerung
[31:46] Flüchtlinge Juden meistens äh und die russische Armee die ihre Tankern und ganze Armee sind abgetrotten und wurden wir wurden immer bombardiert und ich kann mich erinnern dass äh ein Mädchen die sich mit unsere Familie angeschlossen hat die wir gekennt
[32:16] haben die hat da Kugel von Flugzeug bekommen die lag dort äh sterbend und mein Vater sagte »da ist ein« da sahen wir in der Weite so eine kleine äh See »hier bring Wasser« und hat mir so ein Flasche gegeben da bin ich z- da zur See gegangen das war
[32:45] so äh überbaut von also nicht überbaut sondern verschiedene kleine Bäume und bevor ich zum Wasser kam sah ich ein Litauer also die die hießen Partisaner die haben sich Partisaner genannt die haben sich an den Nazis angeschlossen und da ist eine Gruppe
[33:11] von jüdische Juden Frauen und Männer und auch ein Kind im Wasser gestanden ganz nackend und eine von diese war meine eine Lehrerin von mir sie war historische Lehrerin und sie war sie hatte eine kleine Tochter ungefähr fünf Jahre alt äh ganz so blonde
[33:38] Locken und der Offizier oder ich weiß nicht wie er war hat äh befohlen die zu schießen und ich stand die haben mich nicht gesehen weil ich war hinter die Bäume und die haben dann die alle geschossen nur das Mädchen ist stehengeblieben da und ihr Mutter
[34:00] ist in Wasser gefallen denn die Litauer wollten das Mädchen nicht schießen wahrscheinlich und äh und da hat der der Offizier geflucht und ist zu ihr gegangen hat ihr mit den mit äh äh seinen Revolver an Kopf geschlagen und sie ist in Wasser gefallen und
[34:23] das war das erste Mal dass ich gesehen habe solche schreckliche Sachen dass man äh aus zu Hause wo wir ganz normale Menschen waren plötzlich gibts da solche äh unglaublich äh schreckliche Sachen was mit unsere Leute passiert wir waren irgendwie gejagte
[34:52] Tiere von einen Tag zum anderen waren wir normale Personen die alle Rechte hatten und plötzlich waren wir gejagte Tiere der jeder einer von uns ermordet werden kann und niemand äh und verkehrt es waren doch meistens Litauer die das getan haben denn später
[35:18] haben wir erfahren dass die äh die Juden in die kle- kleinere Städte in Litauens die wurden direkt von Litauern ermordet nicht von den Einsatztruppen später sind auch die Deutschen gekommen aber diese also die Einsatztruppen die sich damit befasst haben
[35:41] Juden zu ermorden sagten »ja die Litauer tun unser was brauchen wir sich d- nicht hineinmischen« äh und das war das erste Mal dass ich dieses Schreck gesehen habe und das bleibt mir immer im Kopf denn das war das und da bin ich rausgekommen und mein Vater
[36:08] fragte »wo bist du ?« und das Mädchen ist schon gestorben ich wollte ihm nicht sagen was sich da äh fünfzig Meter von uns tut und da ist ein sowjetischer äh Offizier auf einem Pferd gestanden und ich sagte ihm »schau was die Litauern ermorden sowjetische
[36:32] Bürger da unten« und er sagte mir »ah wie sehen die aus die w- die sowjetische Bürger ?« und er ich war auch ich sah nicht aus wie ein Litauer ich war dunkel ziemlich dunkel die Litauer sehen ja mehr skandinavisch aus und der Russe sagte »waren das
[36:55] Juden ?« und ich sagte »ich glaub ja « sagt er »na ja was könnte was könnte man erwarten von die litauische Schweine« sagt er zu mir aber er ich hab gleich gesehen von sein Ton dass er hat er was kalt als er Juden gehört dass sie Juden sind war sein
[37:18] Ton kalt geworden also so so eine mo- es sah so aus als ob er hätte gesagt »sollen die den morden« inzwischen die Sowjeten waren auch genug äh äh Antisemiten
[37:32] jedenfalls sind wir dann vorwärts zur der russische Grenze gefahren mit den Wagen viele sind
[37:45] sahen wir Tote und Verwundete waren von dieser Stukas am Weg geblieben und ein von eine von diesen Überfälle also al- mein Schwester und mein Vater wurden wir getrennt und wir konnten uns nicht finden so dass dann bin ich meine Mutter und mein Bruder und
[38:15] ich in diesen Wagen geblieben und meine Schwester und Vater waren nicht mehr da wir dachten vielleicht sind die tot oder äh und wir haben beschlossen dass im falls wir sich irgendwie trennen werden wir ein sich zusammen treffen wieder in ein Stadt das hieß
[38:40] Ukmergė also war unterwegs von Kaunas nach russische Grenze ja wir sind dann fast bis Ukmergė gekommen aber die Bombardierung war so furchtbar und so viele Menschen sind umgekommen und auch das Pferd vom Wagen war ist auch äh war auch tot so hatten wir
[39:09] kein keine Transportfähigkeit mehr und da sind wir da haben wir uns versteckt in eine Schaune litauische Schaune bei einem Bauer und äh der Bauer war hat Geld genommen bei uns er hat etwas Milch und Brot uns gegeben da war ungefähr zwanzig von uns
[39:40] alle Juden äh ungefähr vier Uhr morgens mein Bruder sagte zu meine »ich habe ein schlechtes Gefühl hier komm gehen wir raus von dieser Scheune« und gerade als wir rauskamen und uns haben zwischen die äh Bäume versteckt äh sahen wir eine Gruppe es
[40:08] waren zwei Deutschen wie diese die hatten so was angezogen von wir wussten das später dass die waren die Einsatztruppen und äh ungefähr zehn litauische Partisanen in Uniform angekommen und die haben alle Leute die drin waren alle Juden in in Schaun da hat
[40:34] er ein gute Instinkt mein Bruder gehabt denn die wurden alle rausgeholt und man hat die gezwungen die Litauer haben ihn gezwungen äh Gru- Gräber zu bau- zu graben und äh und die haben ihn alle und müssten sich alle ausziehen kann ich mich erinnern und
[40:58] äh und die Litauern wollten dass sie alle nackend seien stehen und einer von die Deutschen wir könnten es hören sagt er »lasst den Unterwäsche haben denn die das hat eine schlechte psychologische Wirkung« da hat er zu den Litauern gesagt »wenn man nackende
[41:22] Leute erschießt« bis heute kann ich mich erinnern was er da gesagt hat jedenfalls äh haben die wurden die alle erschossen und wir sind dann äh am Leben geblieben da
[41:36] waren Sie die einzigen die aus der Scheune raus gegangen sind in der Nacht
[41:43] wir wär die einigen mein Vater mein Bruder ich und meine Schwester ich habs genau in meinem in meinem Buch beschrieben wie das noch noch viel schlimmer als als ich erzähle wenn alle diese Einzelheiten den ich erzähle jetzt was sind da im Kopf geblieben
[42:04] genau das sind solch- so ein furchtbar das war eins nach den andern erst war diese Sache in beim See wo die erschossen wurden und jetzt diese Sache jedenfalls äh war das die erste s- die zweitschlimmste Dinge die mir passierte gleich nachdem ich ein normaler
[42:27] Mensch war und normaler Junge sagen wir und äh wir sind dort nicht lange geblieben und dann sind die die deutsche Truppen sind nach Russland vorwärts gegangen ganz viel zu schnell für uns mitzukommen und da sind wir bei den litauischen Bauer in der Scheune
[42:51] ge- er hat uns versteckt obwohl er selbst ziemlich antisemitisch war aber seine Frau äh war sehr war sehr fromm katholisch fromm und sie sagte man muss uns retten und äh da sind wir nach ah wir hatten keine Auswahl müssen wir zurück nach Kaunas fahren
[43:19] und er ist auch mit dem Fahrrad und Wagen wir haben ihm auch bezahlt dafür sind wir zurück nach Kaunas gefahren mein Bruder mein Sch- meine Mutter und ich und beim Eingang von Kaunas sind litauische Partisanen gestanden und haben alle Juden die zurück kamen
[43:42] äh arrestiert und haben dann die nach am das hieß siebter Fort das war ist ein Hügel über Kaunas und dort gabs ein Fort und die die Zar noch während des Zeit von den i- imperialistische zarische Zeiten gebaut wurden als äh im Falls von den das war noch
[44:13] von 1890 ein ziemlich große Konstruktionen und dorten hat man alle alle Juden von Kaunas die nicht fliehen die zu Hause ge- geblieben sind wurden konzentriert in siebten Fort und äh wir wurden dort hingebracht aber vorher als wir arrestiert wurden und mein
[44:40] Bruder sprach sehr gut Deutsch weil wir aus Heydekrug waren ist gerade eine Wagen angekommen also zwei deutsche Offiziere und er ist raus gesprungen denn die Litauer wollten uns erschießen dann und der hat mit denen gesprochen ich weiß nicht was er gesagt
[45:02] hat haben die Deutschen den Litauer gesagt dass wir sollen sich nicht erschießen sie sollen uns zum siebten Fort bringen damit der Litauer mit den Wagen dann fährt da sind wir raufgefahren und mein Bruder sah ich nicht mehr seit dann ich weiß nicht was
[45:24] er den Deutschen gesagt hat jedenfalls als wir waren in einem äh Teil von diesem siebten Fort äh das war so eine ein Vorteil mit ein Haus auf der andere sa- Seite war der Fort und da haben wir gehört diese unaufhörliche Schießerei ungefähr dr- dreitausend
[45:51] Juden von auch unsere Nachbarn und aus de- ganze Kaunas wurden dort konzentriert und die wurden dort erschossen von von den Litauer und und auch die Einsatztruppen jedoch wir aus irgendwelchem Grund vielleicht hat mein Bruder meine Mutter glaubte dass mein
[46:18] Bruder hat damals so was zu tun gehabt äh der deutsche Offizier ist rausgekommen und hat den also den Litauer befohlen uns nach Hause zu bringen und ein litauischer Partisan wurde als äh Begleiter gegeben damit uns nichts unterwegs passierte und äh und
[46:49] wir sind wirklich dann nach Hause angekommen und und zu unser großer Freude mein Vater und meine Schwester waren schon sind sind am Leben geblieben und sind äh waren zu Hause und das war eine kurze Zeit dass wir noch zu Hause sein könnten
[47:11] wie lange waren Sie da insgesamt dann unterwegs Sie sind im Juni
[47:18] das war ungefähr ungefähr sagen wir
[47:22] das war noch vor dem Ghetto
[47:24] ja ja auf der (Ghetta)
[47:26] das Ghetto gabs noch nicht
[47:29] Ghetto kam erst am August äh
[47:32] wir waren ein Monat oder sechs Wochen bevor wir ins Ghetto kamen und äh da wir hatten kein nichts zum Essen mussten wir gabs immer Schlangen wo wir Brot kaufen könnten und äh meistens bei uns Litauer aber ab und zu gabs
[47:52] auch äh Juden und ich ich hab mich auch und man konnte gleich sehen wer Jude ist und wer nicht weil die sind ja sehen ja aus ganz anders jedenfalls hatte ich kein hatten wir keine Auswahl bin ich da gestanden und ich habs Ihnen erzählt dass ich mein Freund
[48:14] Hansi den ich den das Pferd gegeben habe bevor wir von Heydekrug kamen er war zwischen einer Gruppe von Hitlerjungen die suchen Juden rausgesu- von der Reihen rausgenommen haben und haben die einfach erschlagen und der Hansi ist dann zurück ist zu mir gekommen
[48:37] und zeigte dass ich ein Jude bin also die waren ungefähr vier oder fünf Fünfzehnjährige und einer war älter einer war 17jahrig oder älter und ich sagte zu ihm »Hansi kannst du dich nicht mehr an mich erinnern ? wie gehts meinem Pferd ?« oder irgend
[49:00] so was meinem Holzpferd und da hat er mich eigentlich äh hat er sich erinnert und so mich angeschaut er sagte nichts und äh und der Ältere sagte »das ist ja wirklich ein Jud warum was ist warum lässt du ihn stehen ?« und er sagte »nein nein ich kenne
[49:25] zufällig die Familie die s- die sind Italiener« weil ich italienisch aussah und der hat mir mein Leben gerettet wirklich und äh ich weiß nicht ob ichs Ihnen erzählt habe aber er war so a a Nazi dass er hier in Berlin in 45 als man den Hitlerbunker verteidigte
[49:51] er hat sich beteiligt und und jemanden der von Litauen hat uns später erzählt dass er ist hier umgekommen bei der Verteidigung von Hitlerbunker mein Freund Hansi
[50:05] äh später das war ungefähr einige Wochen später haben wir ein Befehl bekommen dass wir
[50:19] alle Häuser also Wohnungen verlassen müssen und äh ins Ghetto kommen zu kommen hat man ein Ghetto gegründet in der Nähe von der äh von eine von der Flüsse die Wilia hieß auf die andere Seite der Wilia das war ein Teil von Kaunas das Vilijampolė
[50:43] hieß und äh das war meistens arme Arbeiter die dort wohnten und es wurde solche alte Häus- äh äh aus Holz gebäute äh gebaute Häuser äh ich hatte noch einen Freund einen Sommerfreund der wohnte in Kulautuva das ist so ein kleine Vorstadt von in
[51:13] Litauen wo man So- Sommerhäuser waren und wo wir Sommer immer meistens kamen a- am Fluss zu sein der Fluss ist der Nemunas und dort hatt ich einen Freund der Petras hieß sein Va- Va- Vater war äh also Schu- äh Schuhmacher und er war immer betrunken kann
[51:40] mich noch erinnern und als wir ins Ghetto kamen musste der Petras und seine Familie von Haus rauskommen weil das wurde für die Juden in Ghettos wer- zu werden und sie er ist dann zu uns gekommen hat mit uns sich verbunden und sagte »vielleicht können
[52:04] wir die Wohnungen tauschen w- wir kommen zu euch zu Ihre Wohnung und ihr könnt äh ko- ihr bekommt von unserer Wohnung im Ghetto« und so haben wirs gemacht und äh erst später dieser Petras hat äh ziemlich viel geholfen denn es als wir äh also es
[52:31] war -n Zaun Stacheldrahtzaun um Ghetto und ab und zu ist er gekommen und hat übern ü- übers Zaun uns äh Brot und verschiedene äh Butter und Dinge gege- äh rübergeworfen und äh in dieses in dieser Sinne war der hat auch nicht sehr viel die warn arme
[52:59] Leute äh was mit uns in Ghetto passierte äh wir haben gehört von die deutsche B- äh Macht haben die gesagt dass sie müssen nach ins Ghetto kommen weil wir wollen euch von den Litauer beschützen denn sonst werd ihr alle hier ermordet werden und sonst
[53:23] kommt ihr ins Ghetto und wir beschützen euch das war so ein zynische äh Erzählung die haben immer solche Sachen gesagt damit man sich nicht wehrt in diesem Fall sind wir alle nach Ghetto gegangen denn wir glaubten vielleicht haben die Deutschen Recht
[53:47] dass die s- weil wir gesehen haben was die Litauern an uns getan haben und w- wir sind da dieses dieses Haus so aus Holz gekommen das war von die Sowjeten gebaut für die Arbeiter es waren nur zwei Zimmer ohne Klo äh auch kein Wasser und äh wir waren vier
[54:14] und äh meine Tante die son Geschäft hat von d- wo die äh S- äh Sugihara die Schokolade verkaufte die ist auch zu uns gekommen denn die hatte nichts gefunden und noch vier von die Shtrom-Familie also wir waren alle zusammen in diese zwei kleine Zimmer neun
[54:39] Leute und äh äh das Klo war draußen so ein Bude von Holz und Wasser konnte man holen das war ein Brunnen das ist son Ding da [gestikuliert] gleich von anfangs äh die Rationen war so dass das waren Hungersrationen [räuspert sich] aber äh wir hatten
[55:12] in gewissen Sinne Glück denn in Litauen in Litauen war immer Export von von äh von wo von verschiedene Sachen was z- zum Essen Essen war und so das war das war keine die hatten keine Probleme mit Essen nur die haben immer hatten kein Textil so dass wir
[55:41] mit den Litauer äh tauschen könnten durch den Zaun oder die die zur Arbeit gingen in Stadt äh haben wir Kleider oder Hosen oder Hemder äh die zur Arbeit gingen ah ja m- erzählen es gab gab Arbeitsbrigaden gleich nachdem wir nach Ghetto kamen gabs Arbeitsbrigaden
[56:07] die die größte Brigade war am Flugplatz denn die Deutschen wollten die das Flugplatz vergrößern damit größere Flugzeuge kommen können und äh auch andere viele verschiedene Brigaden meine Schwester zum Beispiel meine große Schwester sie war 14 Jahre
[56:30] älter als ich und sie war Köchin äh in der Nähe von äh äh Zu- von Zugstation also am Bahnhofstation für die Juden die dort gearbeitet haben so dass jeder einer konnte mit den Litauern irgendwas tauschen und zurück z- ins Ghetto äh Essen zu bringen
[56:56] in dieser Hinsicht war Litauer die Ghetto in Litauen äh essenweise besser als in Polen sagen wir oder Warschau äh denn wir wir haben gehungert aber nicht verhungert sagen wir so aber glei- wir waren anfangs 30000 es waren aus L- aus Kaunas aber auch
[57:27] äh Juden die am Leben geblieben sind in die kleine Städten wo die Litauer allen ermordet haben es waren einzelne die g- am Leben geblieben sind und die äh Deutschen haben die dann nachs Ghetto gebracht so dass wir am 30000 anfangs waren wo vorher war wohnten
[57:51] ungefähr 4000 Litauer so dass wir alle zusammen gepackt waren äh d- am 15ten August wurde das Ghetto g- äh geschlossen
[58:07] und dann Oktober 28sten Oktober fing an das erste Aktion Aktion heißt das wir haben ein Befehl bekommen dass wir alle Einwohner von
[58:26] Ghetto sollen kommen zu eine so ein Platz das noch das hieß äh Freiheitsplatz so was und jeder musste sich alle aufstellen äh in die Reihen von die Arbeitsplätze sagen wir da jemand hat irgendwo gearbeitet die ganze Familie muss dort stehen mein Vater
[58:49] hat gearbeitet in äh Ghettoversorgungs wo wo wir die Provianten bekommen haben au- von den Litauer und die wir sind d- dort gestanden in diese Reihe von die äh Ghettoarbeiter und von die 30000 haben die selektiert 10000 meistens ä- ältere Leute die
[59:25] nicht arbeiten können und äh Kinder äh also sagen wir arbeitsunfähige M- Menschen und die hat man abge- sortiert von uns die wir geblieben sind und die wurden dann in das gebracht so ein kleines Ghetto das hieß a kleines Ghetto das schon leer war denn
[59:55] die Einwohner vom kleines Ghetto wurden schon vorher ermordet und die waren dort eine Nacht und dann nächsten Tag wurden die äh wie ich schon vorher gesagte gab es Forte also gabs a- in unser Nähe von Ghetto so ungefähr acht Kilometer in der Höhe gabs
[1:00:18] äh ein neunter Fort und dort hat man die 10000 gebracht und äh wir waren nicht ganz weit von wir könnten die Schießerei hören könnten die äh äh (_) und da hat man geschossen Tag und Nacht und 10000 Menschen wa- sind ziemlich viele Leute zu ermorden
[1:00:47] das dauerte und wir saßen unten im Ghetto uns hat man freigelassen und wir könnten hören was dort oben passierte dass dass sie die das in unsere Geschichten heißt es große Aktion und der Verwalter der deutsche Verwalter nach nach dieser Aktion kam
[1:01:14] und sagte »das ist das letzte Mal dass es passieren wird wir mussten es tun aber jetzt brauchen wir euch zur Arbeit und ihr werd nicht mehr erschossen werden und ihr musst nur fleißig arbeiten« und d- wir waren so wie in äh viele haben verloren Teile
[1:01:40] von ihre Familien äh Cousinen Onkels Freunde ich hatte eine F- Freundin die ich sehr gerne hatte ihr Name war Lena (Grünberg) und sie war unter diese 10000 die ermordet wurden und ein Freund von mir der hieß K- Kuki wir waren gute Freunde er war auch
[1:02:17] am neunten Fort und als die Schießerei anfing war er zusammen mit meine Freundin mit meine mit Lena und er irgendwie sind die Kugeln an ihm vorbeigekommen und er ist reingefallen zusammen mit die verschiedene also die Verwundete und Tote und er lag zwischen
[1:02:44] denen und und nachts hat ist er raus gekrochen von den waren die waren nackend und äh er erzählte mir wie äh wie ein Kugel hat der Lena in Hals getroffen und er er hat genau beschrieben wie sie gestorben ist äh wie irgendwie ist er raus gekrochen hat
[1:03:14] ein die Kleider w- von den toten Menschen lagen in den neunten Fort in eine ganze g- eine große Gruppe er hat sich ausgesucht äh äh Kleider und ist dann irgendwie von neunten Fort r- runtergekommen zu zurück zu -s Ghetto durch den Zaun reingekrochen und
[1:03:44] äh er und i- wir hatten so ein Pfeif den wir un- gepfiffen er ging ein da ein Erkenntnispfeif und ich hörte nachts das diesen Pfeif und ich glaubte das ist der ein Geist ist hier wir waren sicher dass er tot ist und äh dann hab ich so die Tür geöffnet
[1:04:09] und er stand da und und er erzählte mir die Sache wie er was da vorkam am neunten Fort er war ei- es waren noch einige die entkommen sind aber er war von eine von die die genaue äh wa- was dort passierte beschrieben hat und äh als ichs in meinem Buch beschrieben
[1:04:36] habe haben viele auch in in Washington DC gesagt das ist die er- einzige Beschreibung wirklich von diesen Mordtaten äh am neunten Fort und das ist mein in meinem Buch können Sie das lesen das ist »Das andere Leben« [hält das Buch hoch] okay ?
[1:05:13] hat Ihr Freund den Krieg überlebt ?
[1:05:17] nein er ist am Leben geblieben bis am Ende und äh als die Russen dann kamen 1944 die waren schon ganz nah haben die Nazis uns evakuiert aus dem Ghetto nach D- nach äh anfangs nach Stutthof das ist in der Nähe von Danzig da gabs einen äh Konzentrationslager
[1:05:49] und er war da zusammen mit mir und aber er war sehr dünn und unterernährt und wir waren dort ungefähr sechs Wochen in Stutthof und eines Tages kam der einer von de- Kapos war ein polnischer Kapo hat uns alle Jungens die da in meinem Alter waren da ungefähr
[1:06:17] dreißig Jungens einer von denen Aba Naor und noch d- mit dem Sie gesprochen haben und der hat uns den Befehl gegeben die Kleider abzunehmen und er hat uns angeschaut wie jeder einer gebaut ist und äh ich bin war ziemlich gut gebaut da hat er mein Nummer
[1:06:44] aufgeschrieben und Kuki sah so blass und dünn aus und er hat ihn nicht aufgeschrieben also die er allen die er aufgeschrieben hat waren Aba Naor und ich und noch einige Freunde von mir die wurden dann eines Tages äh äh gerufen und nach Dachau geschickt
[1:07:13] also Kaufering w- und die dort in äh in die in Stutthof geblieben sind sind dann von Stutthof nach Auschwitz zur Vergasung geschickt worden und Kuki war einer von denen der dort in Auschwitz umgekommen ist und wir sind unterw- unterdessen da d- ah ich hab
[1:07:40] mein Lebens mein Bau zu verdanken dass ich gut gebaut bin wahrscheinlich jedenfalls sind wir in Kaufe- in Bayern angekommen und äh meine Gruppe war nur 500 Menschen meistens aus Litauen und wir wurden dann geschickt zu eine Konzentrationslager das hieß
[1:08:09] Lager X Außenlager X in der Nähe von Utting war am Ammersee äh anfangs und das Lager war in einem Wald äh und das sah aus so äh märchenhaft äh so schön grün ich dachte was kann uns schon Schlechtes hier passieren das sieht so äh friedlich aus
[1:08:45] und in der Nähe von uns also nicht weit von Utting gabs diese Stadt Landsberg äh all- die Altstadt Landsberg und in der Nähe von Landsberg haben die äh haben die dann Luftwaffe gebaut an immens so groß und unterirdische Fabriken äh Fabrik von das sollte
[1:09:15] anfangs halbrund äh Dach aus fünf Meter Beton sein und äh aber der hatten nicht so viel Beton da war es drei Meter aber trotzdem könnten keine Bomben äh d- durchkommen und dorten sollte sollten die Flugzeuge von Messerschmitt die erste Jets ich glaube
[1:09:44] das hieß Me 62 so was was die Messerschmitt erfunden hat und das haben wir dort gebaut und äh die n- wir waren nur neun Monate dort aber in diese neun Monate wurden äh von die 30000 die wir von ganz Europa gebracht wurden auch ein Teil von Litauen äh
[1:10:14] wurden sind einfach von Hunger oder schwerer Arbeit oder Schläge gestorben also sagen wir von ein Hälfte von von die 30000 15000 wurden ermor- wurden ermordet in gewissem Sinne äh ich hatte in gewissen Sinne hatte ich Glück gehabt denn äh aber ich
[1:10:50] hatte auch ich wollte überleben ich kann mich erinnern als wir ankamen dort äh s- hat uns gebracht ins Wald und da haben die äh also das war die wie hießen hießen OT die OT-Mannschaft also die w- die alles gebaut haben gehörten zu der O- OT äh
[1:11:24] OT ja es hieß OT also diese waren in brauner Uniform kann ich mich erinnern und die haben uns verteilt auf verschiedene Kommandos also zwanzig hier und dreißig hier und äh die Firma hieß Dyckerhoff und Widmann ist noch bis heute existiert als ziemlich
[1:11:46] großes Unternehmung ich glaube die hat unlängst äh den äh Flugplatz in München gebaut oder so was und äh mein Vater stand bei mir und ich sagte ich seh w- wie die alle Leute werden verteilt für verschiedene Arbeitskommandos ich hatte diese a- Idee
[1:12:14] was passiert wenn ich mich hinterm Baum verstecke und gehöre zu keinem von diese Kommandos das ist so ein Instinkt am Leben zu bleiben und mein Vater glaubte dass ich verrückt geworden bin denn hätten mich gepackt hätten sie mich gleich erschossen aber
[1:12:33] ich habe immer Risiko genommen hab mich versteckt hinters Baum und so alle die 500 haben ihren Platz zur Arbeit bekommen nur ich nicht und ich hab mich im Wald versteckt und nachts abends als sie zurück zur Lager kamen hab ich mich angeschlossen ich hab mich
[1:12:58] umgeschaut dass der einer von den äh Wächtern nicht mich nicht gesehen haben und ich bin hinein gekommen ins Lager und am und meine Freunde ich hatte auch der Aba Naor und noch einer David Granat äh erzählt dass die ein sehr gutes Arbeit bekommen haben
[1:13:21] die sind zu der Zeit gabs ja kein Treibstoff mehr das war schon am Ende des Krie- Krieges haben die haben die die Jungens so 15- 16-Jährige genommen ungefähr drei oder vier mit einem kleinen Transportwagen und diesen in der OT-Küche wo man für die deutsche
[1:13:46] Arbeiter gekocht hat dort haben wir ge- haben die gearbeitet und mit diesen Wagen sind die dann als Pferde zu Utting gekommen und äh das war d- das beste Arbeit war ein Pferd zu sein da sind die angekommen in Utting und war ein äh Hotel bis heute ist das
[1:14:13] Hotel noch dort ich war unlängst waren wir dort zu Besuch und äh dort haben wir Provianten für die deutsche Küche geholt und wir haben zurück gebracht diesen Pro- d- also Proviant wieder zur- aber ab und zu hat uns jemand von den Deutschen was zum essen
[1:14:35] gegeben und auch der d- die Wache der Deutsche hat uns ein Brot gegeben so dass wir der Unterschied zwischen dem äh was wir im Lager bekommen haben und äh w- und was die gegeben hat war schon genug um Leben zu bleiben jedenfalls war ich nicht zwischen denen
[1:15:01] aber die mir erzählt hat sie sind drei und äh nächsten Tag bin ich rauskommen vom Lager soll ich einfach z- zu den zugehen und der der deutsche Wachmann wird sowieso wahrscheinlich nicht bemerken dass es waren drei vorher und das sind jetzt vier geworden
[1:15:24] aber er hat sie trotzdem bemerkt und fragte »wo kommst du her ?« ich sagte »ich wurde geschickt von« ich kann mich nicht erinnern jemand »ja ist schon gut« und so hab ich mich angeschlossen an diese an diese gute Arbeit das Pferd zu sein und wir sind
[1:15:45] immer in Utting gekommen und äh in meinem Buch erzähl ich das was der Fregattenkapitän Odinius erzählen will in diese in diesem Hotel wo wir die Provianten bekommen haben gabs da unten so eine ein Platz für eine Schwein es war so eine äh wie heißt
[1:16:13] das äh na war aus Holz und Stroh und Schlamm und dr- drin lag ein riesengroßes Schwein und sie haben haben ich hab schon das Schwein nicht gesehen seit Litauen und da schauen wir hin und da sieht sich sehe ich ein riesengroßes gekochte Kartoffel liegt
[1:16:36] dort beim beim Schwein und bevor ich dachte was passiert bin ich hineingesprungen und da steck ich im Schlamm [lacht] und äh und meine Freunde Aba Naor sagte »bist verrückt geworden ? was willst du das Sch- das Schwein selbst aufzuessen oder was ?« und ja
[1:17:00] das Schwein hat angefangen zu quietschen das war ich glaube das gedacht die äh der Wachmann wird rauskommen und wird mich gleich erschießen da ich ein kam eine deutsche Schwein zu berauben und ich hab trotzdem das die Kartoffel geholt und der kam hinter
[1:17:21] mir quietschend wie verrückt und äh ich bin raus irgendwie bin ich rausgekommen ich hatte Glück dass der Wachmann ist war drinnen und hat Bier getrunken irgendwo und äh diese Erzählung mit diese Schwein und Kartoffel da war etwas Humor auch ab und zu
[1:17:42] und äh die sind (verrückt) das gekochtes Kartoffel haben wir uns verteilt eine von diese Sachen die mir im Kopf geblieben sind und äh und wir waren dort neun Monate ungefähr s- später haben wir gehört dass unser Lager war ziemlich äh eine von die beste
[1:18:08] also Lager X war nur 500 Menschen meistens waren dies Menschen von Litauen und äh
[1:18:20] äh mein Vater hatte ein Teil dort gehabt er hatte eine besondere äh ja mein Vater konnte lesen in Dunkel erzählen eine Geschichte als ob er ein Buch gelesen hat und der
[1:18:45] Lagerälteste der jüdische Lagerälteste der hieß Burgin er hat gehört mein dass mein Vater gut erzählen kann und er hat ihn eingeladen zu sich er hatte als Lagerältester hatte er so eine Bude gehabt und ich habs genannt äh äh äh tausend and one nights
[1:19:11] denn so lange er eine Geschichte erzählt hat über die Revolution er war sehr interessiert was da mit Russland passierte äh hat er immer ei- etwas äh Suppe oder Brot gegeben und da sa- hat er gesagt »weißt ist eine gute Idee du erzählst so gut vielleicht
[1:19:36] nimm also die kommen von von die Arbeit todmüde und verhungert vielleicht kannst du gehen von Baracke zu Baracke und äh Geschichten zu erzählen das wird etwas vielleicht den Leuten etwas mehr Mut geben die Sache zu überleben überleben« denn äh es war
[1:20:03] schon so dass wir wussten dass die Eng- äh Amerikaner waren schon in z- in in äh in Frankreich und die Russen waren schon in Polen wussten wir dass die dass der Krieg zu Ende geht und so hat er es getan wirklich etwas er hat etwas mehr Suppe bekommen und
[1:20:26] äh er ist dann von als äh das Licht aus war ungefähr neun Uhr abends da ist er gesessen in der Dunkel und hat erzählt als ob er alle die Leute die ihn gehört haben d- konnten nicht glauben dass er so erzählen kann ohne wirklich zu lesen das hat sich
[1:20:49] angehört als ob er ein Buch liest und das war eine von seine Talente wirklich ich kann mich erinnern es waren viele warum sind ein Teil von uns am Leben geblieben das meistens war das wirklich Glück aber auch die beschlossen haben so wie ich sich mich versteckt
[1:21:13] habe hinterm Baum das hat da hat mein Leben gerettet und es waren aber solche die nicht mehr leben wollten und äh da haben sich hingelegt dort und haben nichts gegessen und sind dann meistens sind die gestorben und oder die w- wurden gebracht zu einem Lager
[1:21:35] das hieß Lager IV das war dieser Lager IV war in der Nähe von Kaufering das war ein Platz wo die nicht mehr arbeiten könnten hat man die hine- hineingegeben also vier lagen auf einem Bett und haben fast nichts g- gegessen zu bekommen denn zu dieser Zeit
[1:21:54] schon äh hat man schon war schon Auschwitz besetzt und Dachau hatte keine Gaskammern oder irgendwie anders äh zu töten so dass die haben die einfach die hingelegt und äh Lager IV war bewusst als s- Sterbenlager für die die nicht mehr arbeiten können
[1:22:21] äh einer von denen die al- schon lagen halb tot ich glaube s- sein Name war (Jankel) und als er hörte mein Vater erzählen seine Geschichte irgendwie hat er Kraft bekommen und er sagte zu uns ich ha- ich habe immer mit meinem Vater hin gesessen es war
[1:22:57] mir auch interessant zu hören diese Geschichten und äh mein Vater sagt »komm vielleicht können wir ihm retten« da haben wir ihn raus geschleppt wos gabs Wasser und er war schon ganz verdreckt und äh stank und wir haben ihn abgewaschen und äh er war
[1:23:24] aus Schaulen das ist eine von den Städte in Litauen und der Burgin der äh Bürger- äh -meister der also der Lagerkommandant jüdische er war auch aus Schaulen und mein Vater sagte dass dieser Mann ist am Sterben vielleicht kann man was tun er will trotzdem
[1:23:47] nicht sterben und da hat er eine ihn etwas leichte a leichte Arbeit gegeben im Lager er ist wirklich am Leben geblieben er hat plötzlich Mut bekommen dass er will leben nachdem er was er hörte was mein Vater erzählte also ist alles solche Kuriosen äh
[1:24:15] und das war schon am 24sten April glaub ich haben wir gesehen 1944 da haben wir gesehen es gibt eine Ruderei zwischen den Postens und den deutsche Arbeiter irgendwas passierte äh außerdem muss ich erzählen dass die Lit- in die neun Monate das wir in Uttig
[1:24:49] waren sind fast jeden Tag hunderte von amerikanische Flugzeuge über unseren Kopf geflogen manchmal 500 sogar es war alles der Himmel war voll da von denen diese B-17s und die sind dann nach München geflogen und haben b- München bombardiert und nachts
[1:25:14] kamen die d- Engländer und das dauerte äh fast die ganze Zeit das wir im Lager waren und für uns war das eine gewisse so ein Rachegefühl was mit uns passiert jetzt haben die bekommen die das äh wie g- kurz vor der zu Ende kann ich mich erinnern hat
[1:25:45] man wir als wir in die OT-Küche gearbeitet haben ha- haben man vier SS-Leute haben uns rausgenommen so ungefähr eine Gruppe von zehn Leute waren wir und äh un- um Graben zu graben in der Nähe von eine von Chaussee wo vorbeikommt und wir dachte vielleicht
[1:26:14] werden die wir wussten schon dass man Graben grabt das ist das zu erschießen und aber st- es stellte sich raus dass sie bauten dort äh Anti-Tank-Stellen also in der Nähe von uns haben die schon gebaut Anti-Tank-Stellen das heißt dass die Amerikaner schon
[1:26:40] ganz nahe waren denn das hat uns wirklich eine äh ermuntert irgendwie dass vielleicht werden wir trotzdem überleben aber ich kann mich erinnern dass der Koch der war so un- von der OT-Küche wo wir gearbeitet haben der war ganz Böser er sagte »ja vielleicht
[1:27:02] verlieren wir das Krieg aber ihr bleibt nicht am Leben um euch zu erschießen eine Sekunde puff [gestikuliert] ihr seid alle tot und bevor die Amerikaner kommen wird keiner von euch am Leben bleiben« das hat er uns uns gesagt und es ha- es hörte sich äh
[1:27:24] logisch an denn die haben äh die haben ein Befehl bekommen dass äh niemand von uns in die Hände von die Amerikaner hineinfa- kommen soll also es war (Kaltenbohne) oder irgendjemand hat so ein Befehl gegeben im selben Tag als die wir diese Graben gegraben
[1:27:49] haben äh sind wir dann zurück gekommen und da war wirklich äh ein Befehl kam wir sind marschieren und da ist unser Marsch- a- von Utting sind wir dann durch Gauting soweit ich mich erinnern kann Kaufering irgendwie nach Dachau gekommen
[1:28:16] bevor wir zu der Geschichte kommen würde ich ganz kurz sagen dass wir -ne Pause machen
[1:28:21] okay [Schnitt]
[1:28:24] vielleicht können wir kurz nochmal auf die Zeit im Ghetto zurück kommen und wie das Ghetto wie die Ghettozeit endete und was mit Ihrer Familie passiert ist
[1:28:34] ja erstmal wollt ich erzählen was mit Kuki und ich äh mit die Bücher zu tun hatten äh ich glaube das war zweiund- 1942 äh gabs ein Befehl von der deutschen äh Behörden dass alle Bücher die in Ghetto sind so- sollen werden konfisziert werden und
[1:29:03] man soll es in einen Haus bringen das in Ghetto stand dort musste man die aussortieren und die kommen nach dann ins in Stadt äh das Problem war das Einzige was wir in Ghetto hatten noch zu vergessen war Bücher da konnte man lesen sich einfach darüber
[1:29:32] vergessen was mit uns gegenwärtig passiert und äh und jetzt da wollten die aber die Bücher da wegnehmen äh und da hab ich mit den Ku- Ku- Kuki besprochen was sollen wir tun und auch bei uns zu Hause meine Mutter hat äh nachdem mein mein Bruder verlo-
[1:29:53] äh ermordet wurde da hab ich nicht erzählt glaube äh hat sie gele- nur gelesen sie war ganz nieder- depressiert und hat wir hatten -ne ziemlich große Bu- äh Buchhalterie und sie hat viel immer gelesen jetzt müssten wir alles weggeben da hab ich Kuki
[1:30:19] und ich beschlossen dass wir die Bücher irgendwie verstecken werden äh es gab ein Teil von Ghetto das entleert wurde und die Menschen die dort wohnten wurden dann zum neunten Fort gebracht und zufällig waren wir haben wir gesucht Holz oder irgendwas im
[1:30:43] Winter mussten wir die äh Wohnungen heizen da stand ein Haus und wir sind da gabs ein Strickleiter da nachm oben sind wir raufgekrochen da waren Bücher drin unterm Dach verschiedene religiöse Bücher und solche und die Einwohner waren nicht mehr dort haben
[1:31:08] wir gesagt ja das tun was wir tun anstatt die a- Bücher abzugeben was wir zu Hause hatten sollen wir diese Bücher dort äh b- verstecken und da hatt ich die Idee weil alle Bücher von Ghetto sind ja zu dieses zu so- Zentrum gekommen wo die Deutschen waren
[1:31:34] haben wir Kuki und ich beschlossen sich als freiwillige Arbeiter dort hin zu stellen zu kommen und äh einfach Bücher stehlen von äh was ma- was [hustet] und es war jetzt Winter 1942 glaub ich es hat geschneit und überall war weiß und äh wir hatten so
[1:32:01] einen Schlitten und wir haben die Bücher aussortiert also wir haben äh wir ha- sind als Freiwillige angekommen die waren zufrieden dass jemand kommt helft die Bücher aussortieren und äh so haben wirs gemacht wir äh wir haben gesehen es waren viele interessante
[1:32:27] Bücher aus verschiedene meistens Klassikgeschichten klassische Bücher Dostojewski und Tolstoi und Lermontow und äh Gogol alle die russische und gabs auch französische Anatole France und äh aus England wirklich ein ganz riesengroße M- äh Menge von klassische
[1:32:54] Bücher äh woll- wir wollten äh andere Bücher a- das was äh das war was wir konnten finden und das haben wir auch getan und sie wü- ich sollte diese Bücher also tragen am zweiten Stock bei die unten wars zu (voll) da war ein kleines Fenster an der S-
[1:33:15] äh bei der Treppe und äh die Bücher die wir wollten hab ich ausgesucht und ich bin in zwei äh äh also getragen und ich habs durchs Fenster geschmissen in Schnee und Kuki hats aufgef- aufgehoben und äh so dass äh nach eine Woche hatten wir ziemlich vielleicht
[1:33:40] tausend Bücher ein ziemlich große Bibliothek äh und a- meistens klassische Bücher und äh äh ich möchte nur bemerken dass äh in Amerika haben die herausgegeben ein Buch das heißt »Passion for Books« das ist ein von Time Magazine und dort haben die
[1:34:03] meine Geschichte hineingegeben denn äh m- passion for books wer kann noch mehr erzählen als ich ich hab mein Leben riskiert weil ich hatte so ein passion for für für Bücher und das ist ins Buch h- hineingekommen wenn Sie w- das sehen wollen gibts in
[1:34:24] Amerika äh jedenfalls haben wir diese Bücher versteckt dort oben und äh wir haben auch unsere Freunde diese Bücher gegeben und so haben wir als Bibliothek äh ge- und es war ziemlich ziemlich gefährlich natürlich denn äh denn hätt man uns gepackt
[1:34:53] und es war Lebensgefahr denn es war gegen Straf von Tod ein Buch zu haben und das hat auch passiert mit den Lehrer von mir ich ging zur es war ein Schule für Zimmermann die brauchten Zimmermann haben und äh dort als Junge musste ich nicht zur äh musste
[1:35:22] ich nicht zum Flugplatz arbeiten gehen nur ich hab gelernt ein Beruf damit es äh gut für äh also arbeiten für die deutsche deutsche Wehrmacht und auch dort in die Schule das war draußen vom Ghetto gab es unsere Lehrer haben uns a- uns andere Sachen gelernt
[1:35:46] einer von denen war ein Lehrer mathematischer Lehrer und er hat uns Geometrie und Mathematik gelernt und er hörte das irgendwie von Freunden dass wir Bücher haben und fragte mich »vielleicht habt ihr auch a mathematisches Buch irgendwie damit ich euch
[1:36:16] aus Buch wirklich lernen kann« und zufällig hatten wir wirklich ein geom- geometrisches Buch nicht and- nicht physisch oder (Geometrie) sondern geometrisches Buch irgendwie ist es zufällig hineingekommen äh zwischen unsere Bücher und ich hab ihm j- gesagt
[1:36:39] »ja ich brings euch ich bring dir ein dieses Buch was ich habe« und es war auch vi- es wurde hier in es war in Israel rausgegeben in Hebräisch denn in Li- in Kaunas waren ja lit- hebräische Schulen wo wir alles gelernt haben so dass auch unsere Bücher
[1:36:59] sind aus Palästina gekommen und äh ich hab ihm das Buch gebracht und äh der an dem selben Tag müssten wir die Schule war nicht im Ghetto war beim Zaun vom Ghetto aber außer vom Ghetto und beim bei äh Tor stand da meistens litauischer Polizist und hat
[1:37:28] kontrolliert alles was man hineinbringt oder rausbringt und äh der sein Name war Edelstein kann mich noch erinnern der der Lehrer hieß Edelstein und äh ich habe ihm das Buch gebracht und er war so zufrieden hat mich sogar fast küssen wollen und äh der
[1:37:59] litauische Wachmann hat mit dem immer Handel gemacht er hat ihm äh Kleider gebracht oder verschiedene Sachen und er hat ihm Brot und was wir immer mit Litauer getan haben an dem selben Tag das ich ihm das Buch gegeben habe äh hat sich der Wachmann betrunken
[1:38:24] irgendwie und äh als er sch- ich bin voraus gegangen ich bin durch ich hatte nichts bei mir so bin ich durch äh durchgegangen und hinter mir war da mein Lehrer Edelstein mit äh so eine äh er hatte bei sich diese Sachen und äh und ich sah dass er mit
[1:38:51] ihm spricht über und er h- der Litauer hat angefangen zu schreien »ja du willst so viel haben für deine für deine Klamotten und ni-« und dann hat er hineingeschaut und das mein Buch lag drin das äh geometrische Buch und da sagt er »ah was hast du
[1:39:16] da ? ein Buch ? das ist verboten« und zufällig ist da a a Wagen vorbei gefahren mit zwei äh SS-Offiziere und die hörten diese Geschrei und der kam zu kam kam er raus und sagt »was ist los« und der Litauer wollte nichts mit den Deutschen zu tun haben und
[1:39:42] sagt »na gar nichts« aber die haben gesehen das Buch und da hat der einer von denen rausgenommen und da wars Hebräisch geschrieben drin der und er sagt »ah ich seh das ist in Hebräisch in Tel Aviv geschrieben du bist ein Spion wer hat dir das Buch gegeben
[1:40:05] sag mir schnell sonst werd ich dich ersch- ermorden« und ich stand da so wie erfroren wusste nicht jetzt dachte ich jeden Moment wird er zeigen dass ich ihm das Buch gegeben habe und er aber er mein Lehrer hat mir einfach gesagt ich soll verschwinden und
[1:40:26] da hat er gesagt das hat er gefunden irgendwas hat er den Deutschen erzählt jedenfalls hat er hat er den Revolver rausgenommen hat ihn erschossen und äh fürs Buch was ich ihm gegeben habe wurde er ermordet und für mich ist es immer so eine eine Trauma
[1:40:49] dass ich war der Verursacher des des Todes von von Edelstein ja ich kann mich erinnern das war als man ihn begraben hat es gab son Friedhof wo man die äh also Tote begraben hat haben wir Kuki und ich sind wir immer gegangen und haben verpflanzt solche
[1:41:24] Erbsen die Erbsen geben haben solche Blumen wenn die wachsen äh immer auf sein Grab und Kuki war ganz empört dass unser Buch konnte so was er war sehr empfindlicher Junge der ja der Kuki und das war eine von diese Sachen das wir äh rüber ge- oft gesprochen
[1:41:52] haben so lange er am Leben war [räuspert sich]
[1:41:58] und noch ein Teil von Ghetto äh das war schon März 1944 da gabs ein Kinderaktion das heißt in der von da die große Aktion gabs verschiedene Aktionen in Ghetto hat man nach Es- Estonien geführt nach Riga
[1:42:18] zur Arbeit oder zum Erschießen wir wussten nicht genau was und eines Tages hab ich äh hab ich ga- ganz beschrieben da hatte zufällig hab ich a Buch von Thomas Mann gehabt und es war äh die »Buddenbrooks« das ich gelesen habe und da hörte ich und
[1:42:47] meine Schwester ich wohnte u- bei meiner Schwester und meine Eltern waren auch sind zur Arbeit gegangen und da hörte ich diese äh also loudspeakers wie heißt das in Deutsch ?
[1:43:05] Lautsprecher
[1:43:09] Lautsprecher
[1:43:13] Lautsprecher äh »alle rauskommen alle rauskommen« und da schaute ich raus und da standen Wagen also mit deutsche Polizisten und hinter war Ukrainer und Litauer und wir wussten glei- ich hab gleich verstanden dass das ist äh schlecht denn wir haben gehört
[1:43:32] dass in Schaulen gabs ein Kinderaktion vorher das heißt ein Kinderaktion alle Kinder und ältere wurden zusammen wurden dann aufge- wurden gefunden oder und nach Auschwitz geschickt schon oder in den neunten Fort weiß nicht genau wo und ich dachte wenn
[1:43:54] die mich packen ich war ziemlich klein werd ich wahrscheinlich auch unter denen kommen äh und ich schaute hinter de- hinter die Tür und da ich hatte eine Lehrerin in Ghetto die mir Englisch gelernt hat es war eine Frau die aus London war und die da en-
[1:44:26] englische Sprache gelernt hat in die war verheiratet mit einen litauischen Juden der gleich anfangs des Krieges äh ermordet wurde und sie war ganz alleine äh im Ghetto und ich hab ihr immer geholfen etwas mit etwas Holz und äh Brot zu in und sie sagte
[1:44:52] »du sprichst einige Sprachen vielleicht wirds dir leichter Englisch zu lernen wenn du willst« »okay« es war interessant und die hat mir sie war meine Lehrerin so dass ich englische Sprache schon im Ghetto gelernt habe und nachm Krieg war ich einer von
[1:45:13] der äh wenige Überlebende KZ-Überlebende die überhaupt Englisch konnten deswegen haben auch die Amerikaner mich gleich als Dolmetscher in äh ins äh Armee genommen äh und da sah ich wie man sie raus schleppt diese Frau da Gotlieb hieß sie sie hat
[1:45:38] man raus geschleppt und sie war immer es waren zwei kleine Kinder die sie a- b- beaufsichtigt hat die Eltern waren zur Arbeit gegangen und die zwei kleine waren Zwillinge und äh da hat man die die äh die ist noch geschlafen wahrscheinlich ist sie mitm Nachthemd
[1:46:02] im Schnee und raus geschleppt wurde zusammen mit diese Zwillinge und das ist mir noch auch im Kopf geblieben wie meine Lehrerin er- ermordet wor- ermordet wurde es war so eine vornehme Frau und ich kann mich erinnern wie a- wie sie barfuß durch den Schlamm
[1:46:26] und ihr äh Nachthemd war ganz verdreckt und die und die die die äh Zwillinge waren auch fast nackend im Schnee das ist noch mir auch geblieben das ich nicht erzählt habe und das war schon März 44 das war drei Monate bevor die Russen ankamen und da bis
[1:46:58] am Ende haben die noch äh uns nichts gelassen im Leben zu b- zu bleiben
[1:47:09] zufällig war ich hab ich gearbeitet bei einen Deutschen er war Verwalter und der war sehr interessiert an Gärtnerei das war ein d- das war ein Haus im Ghetto das gehörte zu der
[1:47:34] deutsche Arbeitsamt und dieser äh ja ich glaube er war von der SA den braune Uniform und die hatte so einen kleinen Garten gehabt was er Gurken und Tomaten äh äh dort gezüchtet hat und äh weil ich Deutsch gesprochen habe hat er mich gebeten äh ha-
[1:48:04] habe ich gebeten ob ich kann ihn helfen arbeiten und ab und zu hat er mir was gegeben und er hat mir auch gegeben so eine so eine wie heißt das Streifen äh Band ja und da stand auf drauf geschrieben Elbote ich war in gewissen Sinne war ich a Elbote und
[1:48:28] ich hab gedacht vielleicht
[1:48:31] was stand da drauf ?
[1:48:33] äh das hieß El- Elbote es waren ja nicht sehr viele Telefonen
[1:48:37] [gleichzeitig:] Eilbote
[1:48:40] in Ghetto
[1:48:43] ah Eilbote
[1:48:46] so dass es gibt Eilbote Eilbote eben nicht El- Eilbote und die Eilbote sind äh haben immer sind wurden geschickt zwischen die verschiedene Teilen des Ghettos mit äh verschiedene Schriften was sie übergeben sollen und er hat mir auch so eine äh Band gegeben
[1:49:01] das darauf Eilbote geschrieben wurde und äh da hab ich g- gedacht vielleicht wenn ich das anziehe werden sie glauben dass ich bin äh ein Teil von der Polizei oder äh Ghettopolizei gab ja in Ghetto Polizei und so hab ich wirklich rausgekommen die Ukrainer
[1:49:30] und die Litauer schauten mich an ich ging ganz dreist vorbei in der Direktion von von der Arbeitsamt wo der der dieser Gärtner ich hab ihm Gärtner genannt ich glaube sein Name war (Baum) ich kann mich nicht erinnern sein Name jedenfalls bin ich hineingegangen
[1:49:59] ins Haus und er er war dort drin und ich hab gesehen in der Nähe von das standen schon äh Lastwagens wo die Kinder und die alte Leute wurden hineingebracht und ich ging einfach vorbei und niemand hat was gesagt weil die die gesehen haben dass ich ein
[1:50:26] Eilbote bin aber ich wusste nicht wie lange das dauern wird bis sich jemand äh denkt dass ich ein Ju- ein Junge bin und ich gehöre zu zu diese Gruppe äh als ich dort gearbeitet habe bei ihm im Garten gabs in der Nähe ein äh son eine Bude wo Spaten
[1:50:57] und verschiedene Arbeitswerke stand- waren drin wo das d- die er benutzt hat also Spaten und äh Hacken und ich dachte eines Tages werde ich vielleicht brauchen irgendwie sich zu verstecken das war schon vorher und da hab ich unter die Bude ein Loch ge- gemacht
[1:51:25] ausgegraben und äh auf jeden Fall dacht ich das das wird dort vielleicht ein Tages für mich a gut Versteck sein und das war wirklich äh war ein Glück Glück dass ich es getan habe äh denn äh ich hab mich schnell durchs Haus v- vorbei durchgegangen und
[1:51:54] zur Bude hineingekommen und unter den waren so Bretter hab ich aufgehoben und d- bin in das Loch gekommen und äh aber der (Baum) oder wie er hieß hat mich gesehen vorher und der war äh wütend dass ich entkommen bin und hat zwei äh Litauer geschickt mich
[1:52:23] zu f- äh s- zu suchen aber die sind gekommen als ich schon drin war und die haben sich rumgedreht mit a Hund um mich zu suchen und äh das ist auch eine von die glücklicherweise wie ich am Leben geblieben bin denn ich hatte sense genug was zu irgendwie
[1:52:47] was zu tun um leben zu bleiben und d- der die zwei Leute hatten diesen Hund war so ein äh Wolfhund wie heißt er Wolfhund ? German shepherd ist das ?
[1:53:04] Schäferhund
[1:53:07] und der hat er hat mich gerochen ja diese Erzähl- will ich Ihnen nicht erzählen das ist zu viel äh das können Sie dann in mein Buch lesen was da passierte mit diesen Hund äh das war März in 44
[1:53:33] im Juli also vier Monate später oder drei Monate
[1:53:45] später oder vier Monate später waren die Russen schon in Vilnius das ist ungefähr sechzig Kilometer von Kaunas und äh wir glaubten dass wir irgendwie am Leben bleiben werden denn die Russen waren schon da und die Deutschen werden äh entkommen oder
[1:54:15] wollen aber unser d- w- war schlecht äh wir hatten Pech dass die Russen am Vilnius stehen geblieben sind und sich aus irgendwelchen militärischen Gründen so die die sich versteckten und ich war mit meinem Vater zusammen zwischen die äh die hatten die
[1:54:40] Zeit genug gehabt auszugraben und meistens wurden erschossen oder äh bekam es einen Befehl nicht die zu die arbeiten können nicht zu erschießen nur zum Tor zu bringen und die wurden dann mitm Zug zum Stutthof geschickt und mein Vater und ich und meine M-
[1:55:06] Mutter und meine Schwester die v- alle vier waren sind dann nach Stutthof gekommen bei Danzig wo die Frauen äh in ein Lager waren und die Männer in ein zweiten Lager
[1:55:21] was ist mit Ihrem Bruder geschehen ?
[1:55:23] ja dieses äh das kommen wir jetzt zurück in in Juni eins- 41 äh war meine Mutter und ich und mein Bruder abgeteilt von meinem Vater und meine Schwester und äh und unterwegs zurück wie ich erzählte äh äh war mein Bruder hat mit diese zwei deutsche
[1:55:51] Offiziere gesprochen und die zwei Offiziere haben ihn in sein Wagen hinein genommen weil er Deutsch gesprochen hat und die haben befohlen den Litauer uns aufn siebten Fort zu bringen äh meistens die am siebten Fort waren die wurden ermordet äh wir aus
[1:56:20] irgendwelchen Gründe hat dieser deutsche Offizier befohlen den Litauer uns nach Hause zu bringen und mein Bruder ist verschwunden einfach wir haben nichts nichts mehr gehört und meine Mutter glaubte dass er hat irgendwas den Offizieren erzählt so weiß
[1:56:46] nicht warum uns haben die äh m- mit den Wagen weggelassen denn drinnen haben die allen erschossen also in drin in dem Fort der siebte Fort ist das
[1:56:59] [gleichzeitig:] und als Sie Entschuldigung
[1:57:01] jetzt gibts eine das hab ich von jemanden in Litauen die haben den Fort gekauft also eine Gruppe Litauer und die haben dort äh Denkmäler hingestellt wo die äh also für die ermordete Juden es waren ungefähr alle Juden die in h- zu Hause geblieben sind
[1:57:27] und sind und sind nicht ver- haben nicht versucht wegzulaufen hat man d- aus d- hau- Häuser gebracht also aus d- Wohnungen und die wurden dann zum siebten Fort gebracht und von meinem Bruder haben wir nichts mehr gehört so dass wir waren bestimmt dass d-
[1:57:47] er war ermordet wurde
[1:57:50] das heißt Sie sind zu viert nach Stutthof gebracht worden
[1:57:54] dann sind wir zu viert aus Stutthof gebracht worden und äh ich hatte meine meine Tagesbuch ich ha- während den Ghetto hab ich d- al- fast täglich geschrieben in Ghetto wars noch möglich äh zu Tagebuch zu führen ich hatte einen Bleistift und meine
[1:58:18] Schwester die draußen ar- gearbeitet hat am Bahnhof hat immer irgend Papieren mir mitgebracht und ich hatte äh ha- wir haben Tagesbuch geführt das ist ja mein Buch ist ja auch basiert wirklich auf w- was ich dann geschrieben habe
[1:58:37] in welcher Sprache haben Sie geschrieben ?
[1:58:39] zu der Zeit hab ich geschrieben in Jüdisch und Litauisch und heute sprech ich kein Wort Litauisch interessant ganz vergessen äh als wir ankamen in Stutthof mussten wir uns hatt ich das Tagebuch mit mir aber wir müssten uns ganz nackend ausziehen und
[1:59:04] äh a- wir sind abends angekommen und wir ha- hatten ich hab schon gehört dass wir nack- nackend auszi- -zogen werden hab ich das Tagebuch in die Latrine hinaus ge- hinein geschmissen denn die sagten »findest man findet bei dich a Tagebuch wirst du äh wirst
[1:59:27] du erschossen« so dass ich hatte keine Wahl nur es war noch eine eine Sache dann in g- in Stutthof als wir hineinkamen durchs Tor sahen wir ein Mann in eine gestreifte Uniform so ein Häftling und der tragte so ein Napf mit mit Suppe wahrscheinlich drin
[1:59:54] und er ist äh zu nahe zum Tor gekommen und m- nicht zum Tor zum Zaun und man durfte nicht nur eine oder zwei Meter vom Zaun zu kommen denn es gab solche Türme wo die Postens standen und was wir sahen der Posten er ist zu nah er ist gekommen mit diese Suppe
[2:00:21] und ist zu nahe zu dem zum Zaun gekommen und ich sah wie der Posten vom Turm auf ihm die Gewehr richtet und er stand w- stand wie a Eins ich glaube es war Ewigkeit und da ein Schuss und er fiel auf die Knie und trinkte die Suppe er hatte schon ein Kugel
[2:00:50] in drin und er hatte bis bis Ende den Suppe getrunken und da hat er noch ei- nochmal in den Kopf geschossen und der war tot und das war die unser erster Kennenlernen von der KZ Konzentrationslager denn in Ghetto war es furchtbar aber trotzdem Konzentrationslager
[2:01:14] war ein ganz andere Welt und das haben wir das das erste Sache was wir gelernt haben v- u- über diesen Sache mit die Suppe und noch eine Sache in Stutthof äh meine Mutter hatte noch im Ghetto haben die gehabt Goldstücke russische Rubel von Zarszeit als
[2:01:41] waren aus Gold g- da Fünfrubelstück und und die hat man immer meistens be- versteckt damit äh das kann Leben retten und äh b- bevor wir uns d- bevor die ins Frauenlager gekommen sind hat sie mir ein Fünfrubelstück gegeben sagt »das wird m- vielleicht
[2:02:07] dir etwas Suppe oder oder Brot geben« und da hab ich mich ausgezogen und wusste nicht was mit diese Rubel zu tun mit dieses Goldstück war so nicht groß d- h- hab ichs in meine Hand gehalten und äh die haben mich untersucht und schaute d- hinten und in
[2:02:33] den Mund und er sah dass ich mein Hand zuhalte und er sagte und er war ein Russe Gefangener und er sagte zu mir »ich seh dass du irgendwas im Hand hast jetzt hast du z- kannst du sich wählen entweder du gibst es mir schnell i- in meine Hand oder du lässt
[2:02:56] es fallen und es wird klingen und der SS-Mann der dort steht wird es hören und da bist du tot und du kannst beten Gott dass der wird nicht sehen dass du mir die das Geld gegeben hast« weil das war in der Hand gehalten und da hab ich ihm schnell übergeben
[2:03:17] diese Goldstück äh Goldstück und der SS-Mann hat nicht gesehen und äh da bin ich am Leben geblieben natürlich und äh aber als wir drin waren diese sechs Wochen in Stutthof hab- wir ist er einige Mal zu mir gekommen dieser Russe und hat mir äh Brot gebracht
[2:03:46] er sagt »das hast du verdient für diese hab ich für dieses Goldstück hab ich ziemlich gutes viel Brot bekommen« und äh
[2:03:57] Herr Ganor diese Gewalterfahrung die ja schon anfing auf der Flucht aus Kaunas als Sie sagten das war als Sie die Gruppe an dem Fluss gesehen haben oder an dem Teich ähm die erschossen wurde und Sie sagten dass Sie waren kurz davor noch ein normaler Junge
[2:04:15] und dann das war der Beginn der Gewalt und das geht ja weiter haben Sie das damals weggeschoben oder haben Sie in der Familie darüber gesprochen oder versucht es zu verdrängen oder wie sind Sie damit umgegangen
[2:04:29] äh die Sache war so dass die Trauma war von so einer große Umfass dass es äh ich kann mich erinnern nachm Krieg war ich hier bei dem amerikanische Militär und da g- gab ein Psychologe der war ein Major in der britische Armee und der er war zusammen mit
[2:04:57] unsere Gruppe wir sind rumgefahren hier in Deutschland in verschiedene Lagern und ich hab gesehen was er geschrieben hat über die Überlebende und d- er schrieb dass äh die Überlebende von KZ w- von meinem Verstand haben so ein Trauma gehabt dass sie niemals
[2:05:21] normale Menschen sein werden und nor werden die heiraten oder Kinder haben denn er schrieb dass in mein in mein von mein äh ich habe Menschen behandelt die w- weniger viel weniger Trauma hatten und die waren nicht normal geblieben das war seine Resultat
[2:05:47] w- wie ich hab gesehen was er geschrieben hat und äh ich wollte ihm später sagen dass es seine Diagnose war nicht g- ganz richtig aber für uns war das der d- anfangs war es furchtbar denn kön- wir könnten nicht verstehen wie so etwas passieren kann aber
[2:06:12] äh allmählich haben wir verstanden dass man um zu überleben muss man äh das die Sache weg schieben denn die ganze Sache war so dass im Ghetto hatten wir noch mehr oder weniger was zum essen weil wir Sachen getauscht haben aber im Konzentrationslager war
[2:06:39] die Umständen so dass nicht nur für Juden für allen Konzentrationslager was äh war die Hauptsache für uns besonders haben die ein ein Sprichwort gehabt »Vernichtung durch Arbeit« das war in in äh in die Außenlager von von von Dachau das hat e-
[2:07:05] ein jemand der heißt Pohl glaub ich er wurde dort begraben in der Nähe von äh Utting in und der wurde von den Amerikaner gehängt als Kriegsverbrecher in äh in Landsberg in die wo Hitler sein »Mein Kampf« geschrieben hat das ist d- äh was die hatten
[2:07:35] vor war einfach uns zu verhungern äh Schwerarbeit und demütigen Demütigung ist so dass je mehr de- gedemütigt wird sind desto weniger werden wir äh sich wehren und das war d- der das war ihre ganze was sie was sie äh gelernt haben in Dachau noch als
[2:08:04] wir in Dachau kamen wir haben dort oft gesprochen dort war ja die dort haben ja haben die Kadetten der SS seit 1933 schon studiert um später wurden sie nach Auschwitz und Birkenau und in alle andere Plätze geschickt aber als Schüler waren sie in Dachau
[2:08:27] und das hat man die dort äh gelernt man soll man muss verhungern Demütigung und äh Schläge als so dass wir äh sich äh nicht wagen zu wehren immer lügen immer sagen dass nichts wird euch passieren äh ja das war
[2:08:59] das war in Stutthof das war
[2:09:06] das erste Mal dass wir wieder eine Stufe den noch niedriger war als das Ghetto das Ghetto war schlecht genug denn so viele wurden ermordet wir waren ja 30000 anfangs und wir sind am Ende glaube 5000 geblieben meistens die andere waren äh stufenweise ermordet
[2:09:29] und äh aber Stutthof war ein noch schlimmer wenn man überhaupt darüber sprechen kann und ich kann mich erinnern als wir in Utting waren sind zu uns äh Häftlinge von Auschwitz gekommen denn die brauchten Arbeiter haben es war am Ende des Krieges und
[2:09:58] die wollten ja dieses äh äh Gebäude bauen dass äh für Flug- für die Flugzeugebau und die haben uns erzählt die sie waren von Lo- Lodzer Ghetto und die wurden nach Auschwitz geschickt um zu vergast werden und einige haben mir erzählt die standen
[2:10:23] schon nackt ohne Kleider und da der SS gekommen und sagte »zieht euch wieder an« und die wurden nach Kaufering geschickt zu uns um zu helfen zu bauen diese äh dieses die Fabrik und sie waren natürlich so sie sahen aus wie Muselmänner wie es in wir sagen
[2:10:51] Muselmänner waren die die ganz abgemagert waren und schon am Ende des Lebens die könnt- und als sie zu uns kamen glaubten sie dass sie in Paradies kamen alles war grün Utting war ja so schö- schöner Platz in der Umgebung aber einige Tage später waren
[2:11:13] die alle tot sowieso weiß nicht warum die haben geschleppt von Auschwitz haben die noch zu uns geschleppt ja die jetzt kommen wir zurück zu die Zeit vor die äh am Ende des Krieges
[2:11:34] Sie sind mit Ihrem Vater gemeinsam nach Kaufering gekommen und die Mutter und die Schwester blieben in Stutthof stimmts ?
[2:11:44] ja Mutter und Schwester blieben in Stutthof ah meine Mutter ist dann von Tyhpus in Stutthof in an Weihnachten 45 gestorben meine Schwester ist am Leben geblieben und äh äh ihre Schicksal war so dass alle Frauen in Stutthof hat man hat man also der Kommandant
[2:12:11] hat den Befehl bekommen die Frauen auf Schiffe äh (Baten) zu bringen z- ins baltische Meer und die zu ertränken so solche wahnsinnige Idee am Ende des Krieges die Russen waren schon fast dort und sie ist auf a so eine Sch- Ba- d- (Bate) heißt das in Deutsch ?
[2:12:44] Boot Boote
[2:12:47] ja na sie sind nein s- sind solche Boote d- für w- was man verschiedene Sachen führt das ist für
[2:12:51] Frachter ?
[2:12:53] als- ja solche flache Frachter ich weiß nicht wies in Deutsch heißt in Jiddisch heißt es (Baten) jedenfalls sind die drauf ge- alle meistens Frauen aufgekommen auf den und die wurden dann mit den Schlepper ins Baltische Meer gebracht und die englische
[2:13:11] Flugzeuge wussten nicht dass es g- weil die dachten dass es sind Frachter der für die für die A- deutsche Armee die haben die bombardiert und meine Schwester hat eine splinter in ihr Knie bekommen aber sie war eine gute Schwimmerin sie hat gut geschwommen
[2:13:33] und alle die d- an diesem Frachter waren sind ins Meer gefallen und äh sie sind rum geschwommen und ein äh ein Schiff kein großes E-Boote hieß das glaub ich in der deu- bei der deutsche Marine so eine coaster also Marine die haben die gesehen dass die
[2:14:04] Frauen rum schwimmen und die äh Matrosen haben die rauf- ra- äh haben die aufm Schiff gebracht und sind dann nach Kiel gekommen und Kiel war schon von die britische Armee besetzt und so ist sie am Leben geblieben äh von die wenige die äh da diese auf
[2:14:30] diese Frachter waren das ist g- es gibt einige Bücher darüber was was da passierte mit die Flüch- äh die Überlebende von Stutthof Frauen die Frauen und sie ist dann war in Kiel in äh Krankenhaus weil sie hatte war ja verwundet und dann hat man sie nach
[2:14:55] Schweden geschickt zu eine Familie hat sie da ein Doktor schwedischer Doktor in Stockholm hat sie zu Hause gebracht und äh wo sie sich erholt hat und sie hat jemand auch ein Überlebenden von äh Lei- Latvien gefunden wo die und die sie haben geheiratet
[2:15:21] und sind dann nach Amerika gefahren und sie ist dann a- am Leben geblieben das ist mit mei- meiner Schwester
[2:15:30] ja am Ende [räuspert sich] jetzt ist nur noch der Teil wo wir am Todesmarsch waren von Utting nach oder gibts noch was was Sie drüber sprechen
[2:15:52] wollen ? ja das war am 24sten April hat man uns raus marschiert von Utting und alle diese Außenlagern waren elf Außenlagern von Dachau in d- alle wurden raus marschiert in der Direktion von Dachau Hauptlager und die Amerikaner waren schon ziemlich nah
[2:16:18] wir könnten sogar fast äh die hören wie die die Schlachten da sind wir in d- Dachau angekommen und eine Nacht war ich dort und da haben wir und da war es noch alles ordentlich da hat man uns neue Uniformen gegeben und Decken und äh da standen wir in
[2:16:48] die Reihe und haben auch etwas zum essen bekommen und ein Brot und ich hab noch hatte die ich war noch in weil ich in der deutsche Küche gearbeitet habe war ich noch in gut- ziemlich guten äh physischen Umstand und ich hab n- mich hingestellt und ich
[2:17:12] hab noch ein woll- noch ein Brot genommen später in mein zweites Buch »Das andere das äh Aufleben« der mit das Brot gegeben hat war ein Deutscher äh irgendwas war ich glaube er war äh homosexuell auch die H- Homosexuellen wurden ja in Dachau gebracht
[2:17:36] und äh er hat mich erkannt dass ich schon einmal da stand und ein Brot genommen habe das hab ich meinen Vater gegeben aber er hat nichts gesagt denn hätt er was gesagt natürlich hätten sie mich auch a- ermordet aber ich wusste wenn wir gehen ich hab gehört
[2:17:57] dass wir marschieren werden muss man essen zu haben und äh in mein Buch »Aufleben« waren wir zusammen zufällig in ein Platz das hieß Ebenhausen das ist so -ne war Sanatorium Ebenhausen und äh äh wu- dort wurden wir mein Vater und ich geschickt weil
[2:18:22] wir krank waren war ein ziemlich außergewöhnlich schönes für uns war das unglaublich so ein königliche Palast gekommen sind und äh äh er schaute mich an und ich hab ihm nicht ganz erkannt und äh er sagte »ja du warst der der das Brot gestohlen hast
[2:18:49] das zweite Mal Brot genommen hast« und da hab ich ihn so erkannt ah und und er wollte später sind wir befreundet worden und er dachte dass ich auch homosexuell bin und wollte mit [lacht] mit mir anfangen und das war n- ein ander Geschichte äh das war schon
[2:19:15] nach nach dem Krieg passiert
[2:19:18] jedenfalls der Todesmarsch war am Ende des Krieges haben die beschlossen noch uns zu zu quälen und dass wir nicht am Leben bleiben u- und gerade hats angefangen zu regnen und schneien wenn wir von Dachau raus marschierten es nächsten
[2:19:38] Tag die wussten nicht was mit uns zu tun sowieso Amerikaner waren auch von allen Seiten waren Amerikaner und die haben uns marschiert durch die Straßen Wolfratshausen und äh weiß nicht wo verschiedene Königsdorf ich kann mich erinnern wie es war im Königsdorf
[2:20:01] ist ein kleiner Dorf unterwegs zu Bad Tölz und äh was mir in Sinnen blieb es waren ja die wegen die wegen die Bombardierungen gabs ja al- alle wie heißt das solche Vorhänge schwarze Vorhänge damit man nicht Licht sieht äh und da hats gerade sehr stark
[2:20:28] geschneit und als ich vorbei ging ein Haus ha- gabs so ein kleiner Spalt also äh V- Vorhang war offen und da sah ich ein alten Mann sitzt auf a Liegestuhl mit Buch so mit Gläser es war bis heute genau kann ich mich erinnern wie das aussah er saß dort und
[2:20:53] war ein kleiner Feuer a- und ich dachte das gibts noch auch so was Normales zu sehen war für mich unglaublich dass er ist dieser alter Mann in in einer Welt und ich bin in einer ganz andere Welt und da hats wirklich stark geschneet und viele sind unterwegs
[2:21:16] äh einfach gestorben von äh die konnten nicht mehr und jeder einer der nicht weitermachen kann wurde erschossen von den Postens die mit uns mitgekommen und am Ende das war schon glaub ich erster Mai äh sind wir v- Bad Tölz vorbeigegangen und wir sind
[2:21:45] angekommen in der Näh- in der Nähe von ein kleinen Dorf das hieß Waakirchen aber es war schon sehr spät nachts und da hat man uns ins in den Wald hinein gebracht da war so ein Lichtung so eine open place wie sagt das ganz ein offener Platz Lich- Lichtung ?
[2:22:06] hm und da sind waren wir todmüde und hungrig und wir sind einfach aufn Boden gefallen und der Schnee hat uns verdeckt und ich hatte eine Decke mit sich ich habe mir äh die Decke übern Kopf gegeben und äh und bin eingeschlafen und ich hörte Schießerei
[2:22:34] draußen aber es war so mit die war war mir nicht ich hatte mir nichts zu denken äh und dann bin ich eingeschlafen und dann bin ich au- aufgewacht und ich wusste nicht wo ich bin und es war ein ganz Stille und das war für mich äh äh komisch denn die
[2:23:05] ganze Zeit unterwegs haben wir gehört diese Fluche von die Postens und die Gebelle von die Hunde immer war ein Geräusch und da ist absolute Stille und da hab ich äh mein Decke aufgemacht und da war äh sah ich weiß über mich und ich dachte ja vielleicht
[2:23:28] bin ich schon in Himmel oder was äh und das war Schnee hab ich g- ich hab gefühlt dass das nass ist und hab ich den Schnee aufgemacht und es und Gott sei Dank es war nicht zu zu dick denn ich hatte genug Luft untern Schnee gehabt und da bin ich raus gekrochen
[2:23:49] vom Schnee und da war absolut Stille und die Sonne hat gescheint war ganz ich kann mich erinnern dass die äh die Schnee äh also die Sonne war abgeblitzt so wie Fun- Funken hab ich gesehen es war äh ganz besondere a ganz besonderes Gefühl und das hab
[2:24:15] ich beschrieben in mein neues Buch wenn Sie wollen kann ich es vorlesen so [sucht in Unterlagen]
[2:24:25] das ist jetzt einmal kurz zur Erklärung das ist jetzt aus dem Buch was noch nicht erschienen ist
[2:24:29] ja das ist das ist erschienen
[2:24:32] das ist erschienen
[2:24:34] ach das ist aus dem zweiten Buch
[2:24:37] das ist äh auf- äh das ist äh »Aufleben«
[2:24:39] mhm
[2:24:42] ja das ist das heißt a Prolog »in Waakirchen in Bayern ist ein kleiner unbekannter Fleck auf der Landkarte selbst für die meisten Deutschen in meiner Erinnerung jedoch ist es unglaublich groß denn dort hab ich das schönste Geburtstaggeschenk bekommen
[2:25:01] das man sich nur vorstellen kann ich habe in Waakirchen mein Leben zurück bekommen ich lag im Schnee begraben in einer Waldlichtung nahe Waakirchen und mein Leben wäre einfach abgeebbt wäre nicht ein amerikanischer Soldat japanischer Herf- Herkunft gekommen
[2:25:22] um mich zu ro- retten er hat mich aus dem Jenseits zurück geholt es war der zweite Mai neu- 1945 für immer wird mir dieser Tag im Gedächtnis bleiben mit diesem Datum beginnt mein Buch ›Aufleben‹ was folgt sind drei Jahre voll unaufhörlicher Aktivitäten
[2:25:49] ich war Augenzeuge dessen was sich in Deutschland ereignet hat nicht an- nicht allein als Holocaustüberlebender sondern auch während meiner Tätigkeit als Übersetzer für die US-Armee da ich Deutsch und verschiedene andere Sprachen beherrschte war ich
[2:26:09] in der Lage mit vielen Menschen in Gespräch zu kommen mit Deutschen mit Displaced Persons in die DP-Lagern [blättert um] alle Mitarbeiter der Gedenkstätte Dachau dafür dass d- dass sie jährlich Überlebende aus aller Welt einladen damit sie ihrer
[2:26:33] ermordeten Kameraden gedenken können der Tag der Befreiung zweiter Mai 1945 der Tag als die Zeit still stand auf einmal auf unglaublicher unbeschreiblicher Weise lag alle Zeit der Welt vor mir unendlich dehnte sich aus ohne irgendein festgelegte Ende ich
[2:27:03] war 17 Jahre alt und endlich lauerte nicht« [blättert um; sucht] sorry ich hab
[2:27:23] wir machen mal aus
[2:27:27] ein Moment [Schnitt] »der Teil der Befreiung zweiter Mai 1945 der Tag als die Zeit still stand auf einmal auf unglaublicher unbeschreibliche Weise lag alle Zeit der Welt vor mir unendlich dehnte sie sich aus ohne irgendeine festgelegtes Ende ich war 17
[2:27:51] Jahre alt und endlich lauerte nicht [blättert um] mehr hinter jeden nächste Ecke der Tod über vier lange Jahre hinweg war ich an jedem Tag in jede Stunde jede Minute jede Sekunde nur ein Schritt entfernt von ihm gewesen ich kannte ihn persönlich kannte
[2:28:14] ihn sehr gut auf der erbärmliche Straße der Demütigung des Hungers der Schläge und der Sklavenarbeit war er mein ständiger Begleiter gewesen [hustet] unbarmherzig hartnäckig gnadenlos hat er mich belästigt wo auch immer ich ging er ließ mir keine Atempause
[2:28:42] nicht bei Tag und nicht bei Nacht immer war das Endstation der Tod für viele bedeutete es das Ende ihre Leiden doch nicht bevor sie zu einer erbärmlichen Kreatur erniedrigt worden waren wie sie schon lange keine Menschen mehr waren manchmal hatten wir das
[2:29:05] Gefühl es täte ihnen leid dass wir starben wir sahen die Enttäuschung in ihren Gesichter ›ach wie schade wenn du doch nur ein bisschen länger durchhalten würdest ich hätte dich noch so schön weiter quälen können ach verdammt was solls es gibt ja
[2:29:27] genügend andere Opfer ringsum‹ [blättert um] wie soll man seine Gedanken in Worte fassen seine Gefühle Sinne all das was einen zu diesem Menschen am Tag einer Befreiung macht die Befreiung aus dem fürchterlichsten Alptraum den jemals Menschen für
[2:29:50] andere Menschen ersonnen haben die Konzentrationslager der Nazis d- das schwarze Loch des Gewehrs das auf den eid- eigenen Kopf gerichtet ist sollte doch als das Letzte sein was man zu sehen bekäme kein einziger dieser Gedanken kam mir am Tag meiner Befreiung
[2:30:11] in den Sinn sie tauchten erst viel viel später auf als ich Zeit zum Nachdenken Fühlen Empfinden hatte vor allem nachdem ich den nagenden immer präsenten Hunger nicht mehr spürte der meine Gedanken beherrschte meine Gefühle Sinne mein ganzes Dasein das
[2:30:35] war nachdem ich mich selbst derart mit Essen vollgestopft habe dass ich mich fühlte als würde ich gleich explodieren in meinem Inneren brachen Wellen unkontrollierbarer Gefühle hervor Freude nein Ekskl- Ekstase nein wortlose Wunder [blättert um] ich
[2:31:02] kam mir wie ein ich kam mir vor wie ein Vulkan der kurz vor dem Ausbruch stand instinktiv spürte ich dass ich glatt in den Wahnsinn abr- -rutschen könnte wenn ich jetzt die Kontrolle verlöre Panik erfasste mich wahnsinnige Angst schwappte über mich ›mein
[2:31:22] Gott stell das ab stell das ab‹ brüllte ich laut ich merkte dass mir das Gebrüll half also fuhr ich fort mir die Lunge aus dem Leib zu brüllen und mein Gebrüll echote durch die Wälder wie der Zorn eines Wahnsinnigen doch im Schnee lagen nur die Toten
[2:31:44] verkrümmt lagen sie da als ob sie mich ba- beobachteten mit Blick voll Zweifel die Toten die an Auszehrung gestorben waren oder die von fliehenden SS-Wachen erschossen worden waren [räuspert sich] nach fünf Jahren voller Demütigung Hunger Schläge und
[2:32:06] schwerster Zwangsarbeiten starben sie nur ein paar Stunden vor der Befreiung eine Tragödie jenseits des Bereichs menschlicher Gefühle wer könnte sich Tragisches vorstellen am Tag meiner Befreiung jedoch hatte ich kein Gespür für die tro- Tragödie erst
[2:32:28] Jahre später konnte ich ihre gesamte Bandbreite erfassen begriffen die Tragödie der europäischen Juden [blättert um] meiner Generation erst vor kurzem fasste ein Mann namens Thomas Hoffmann dies in die richtige Worte niemals zuvor in der Geschichte der
[2:32:52] Menschheit gab es ein unschuldiges Volk als das der Juden welches über endlose Jahrhunderte hinweg von der christlichen geprägten Nationen Europas geschmäht verleumdet dämonisiert und ermordet wurde um schließlich in dem vom deutschen Volk im gegenwärtigen
[2:33:13] Jahrhundert instramente- instrumentalisierten Holocaust zu enden« das ist der und das ist mein Buch ah »Aufleben« ah [zeigt Buch] okay ?
[2:33:42] vielleicht können Sie ähm hatten wir glaub ich vorhin schon mal nach gefragt aber vielleicht äh als die Kamera aus war ähm an der Stelle mal was dazu sagen wie Sie dazu gekommen sind das erste Buch zu schreiben und wie es dann zum zweiten Buch gekommen
[2:34:01] ist und
[2:34:04] mhm
[2:34:08] warum Sie jetzt ein drittes ähm schreiben
[2:34:11] ja äh v- eigentlich als ich äh nach Israel kam äh in 1948 nachdem ich ich war beim amerikanischen Militär da hab ich viel intelligence gelesen und ich sah dass die äh einzige Lösung für die Juden wäre ihr eigenes Land zu haben denn äh wir die
[2:34:38] Überlebende hatten mehr keinen Zutraue zu nicht nur die Deutschen aber auch zu die ganze europäische Bevölkerung weil äh was sich da tat an während des Krieges die Franzosen die alle äh europäische Länder viele haben teilgenommen mit äh bei den Ermordung
[2:35:04] d- der Juden und äh sogar die Engländer haben auch viel dabei denn die haben ja das weiße Buch geschaffen damit die Juden nicht nach Palästina kommen können obwohl die es äh be- versprochen haben und äh so dass wir dachten es wäre Zeit dass wir uns
[2:35:32] selbst eine eigenes Land haben und wo wir uns äh verteidigen können denn wir bis in die letzte 2000 Jahre und wir sprechen jetzt aus von Holocaust hatten wir keine Verteidigung je- jemand der uns ermorden wollte war es kein Problem für denen und äh um
[2:35:57] zu am Leben zu bleiben muss haben wir verstanden dass unsere Generationen müssen dann ihr eigenes Land zu haben und es ist uraltes Land dass noch einmal Israel war bevor die Römer uns rausbrachten und äh nachdem die Vereinigte Nationen die äh Israel und
[2:36:24] Palästina erklärten als zwei Länder äh haben wir beschlossen i- meine Freunde und ich die noch in Deutschland waren äh nach P- nach Israel zu fahren äh anfangs glaubten wir dass die kein Krieg kommen wird denn die es waren ja von den Vereinigten Nationen
[2:36:49] die zwei Länder verteilt Palästina und Israel und damit sind wir zu Ende gekommen und werden in Frieden leben aber leider sind die Araber nicht damit verständig gewesen und die haben äh in 48 von alle fünf Länder also Ägypten Transjordanien Syrien
[2:37:16] sind äh auf Israel über- zusammen mit den Palästineser überfallen und u- und da waren nur 600000 von uns da und es war ziemlich viele von uns Überlebende sind dann im Krieg gefallen sind gestorben äh aber trotzdem ich bin am Leben geblieben auch viele
[2:37:46] von meine Freunde Aba Naor und Uri Chanoch und äh wir sind trotzdem alle gefahren beschlossen trotzdem in Israel zu bleiben und äh jetzt sind wir wieder in Bedrohung aber wenigstens können wir uns verteidigen wie man wie man sagt die Bedrohung kommt
[2:38:12] von Iranien weiß ich was
[2:38:15] sagen Sie nochmal wa- wann Sie ähm sich entschlossen haben Ihre Erlebnisse aufzuschreiben und wie es zu diesen unterschiedlichen Büchern kam
[2:38:24] [gleichzeitig:] ja ja als ich nach Israel kam war ich in eine Gruppe Kanadier die waren Freiwillige und äh als ich in Israel ankam war war ich als Kanadier aufgeschrieben dass ich in Kanada geboren bin mir war es äh ich wollte nichts mit den Holocaust
[2:38:46] zu tun haben sowieso denn was uns passierte war so so fürchterlich denn ich äh ich hasste die ganze Gedanken über den Holocaust und ich hasste die über die gan- ich hasste die ganze Welt dass sie es uns angetan haben nicht nur Deutschland äh und es dauerte
[2:39:12] ziemlich lange war ich Kanadier auch meine Frau glaubte ich war Kanadier nachm Krieg war bin ich Kanadier geblieben
[2:39:21] so haben Sie auch Ihren Namen bekommen
[2:39:24] ja hab ich auch meinen Namen nein mein Name hab ich bekommen von den amerikanischen Offizier äh in 19- wann war das 1994 oder dre- 92 ist eine Gruppe von äh äh japanische amerikanische Soldaten nach Israel gekommen und äh die wurden die waren diese
[2:39:52] die uns befreit haben bei Waakirchen und die suchten ob jemanden von uns am Leben geblieben ist und die haben auch eine Annonce in Zeitung gegeben und äh hab ich beschlossen vielleicht denn je- eine von der der mich vom Schnee rausgeholt hat war Clarence
[2:40:14] Matsumura konnte mich erinnern sein Name Clarence war so im Kopf geblieben und die waren in Jerusalem in ein Hotel und ich hab beschlossen mit denen sich zu begegnen und äh das hab ich getan und es war wirklich eine gewisse äh Überbruch sagen wir
[2:40:43] für mich ich hab bis dann geschwiegen und dann s- ich hab mich getroffen der Clarence Matsumura war auch dort zwischen diese andere japanische Amerikaner und das war für uns ein Zusammenkommen das äh aus wirklich traumatischer Sache und da haben wir gesprochen
[2:41:08] über mein Tagesbuch und was ich geschrieben habe und äh ich hab beschlossen nach so viel Jahre überhaupt hab ich auch ein äh als wir noch in Ghetto waren als Kinder haben wir uns gegen- äh gegenander äh beschlossen zu falls jemand von uns überlebt
[2:41:41] den Krieg zu erzählen was mit uns passierte was den anderen passierte und das war so ein gewisser Verspruch äh und da hab ich mir gedacht es ist höchste Zeit dass ich mein Versprechen halte und ich hab was ich geschrieben habe hab ich angefangen wieder
[2:42:06] zu schreiben und äh ha- hatte schon a Manuskript gehabt
[2:42:15] auf Hebräisch oder wie haben Sie das geschrieben
[2:42:18] [gleichzeitig:] nee auf Englisch
[2:42:20] auf Englisch
[2:42:23] äh nachdem ich war ja nach dem Krieg war ich in Handelsmarine nach 48 nachdem wir nach dem Krieg hab ich beschlossen äh in der als Matrose rum zu die Welt zu sehen ich wollte einfach wissen wie die Welt zu sehen warum das uns getan wurde was haben wir
[2:42:44] der Welt getan dass dass man hat uns so furchtbar behandelt und ich hatte kein Geld dachte als Matrose wer- werde ich die Welt sehen und so bin ich zur Handelsmarine gekommen und es wur- das hat da wurd ich allmählich Matrose dann Offizier bin zu Kapitän
[2:43:08] geworden äh und ich hab alle ich war überall rum gefahrt viele Plätze der Welt und ich ha- ich hatte viel Zeit zu schreiben z- zu der Zeit also am Schiff unterwegs und der Clarence hat mit mir gesprochen über die Zeiten und er hat auch geschrieben d-
[2:43:33] ein Tagesbuch in mein englisches Buch in »Light One Candle« hab ich ein Teil von Tagesbuch von Clarence Matsumura hineingegeben wie er es gesehen als er Amerikaner von Lager in Amerika äh nach äh Deutschland kam und wie er die erste KZ-ler und getroffen
[2:43:57] hat und das hab ich hineingegeben und äh diesen äh also ich hatte in der ich hatte es in Amerika den äh Manuskript und da wurden wir eingeladen von die Frau Sugihara die Frau von dem Konsul in Litauen in den ich Ihnen erzählt habe denn sie hatte ein
[2:44:24] Freund von ihr Mann war war sehr reich geworden und hat beschlossen ihn als eine es heißt äh place of of dreams ma- ein ganz große Stück Land und das ist dort äh ein Tempel für Sugihara in Japan denn die Japaner wollten ja ihn nicht anerkennen als
[2:44:52] als äh später haben die ihn anerkannt dass er äh dass er ein guter Mann war und und als sie uns eingeladen hat zu diesen zu dieser Eröffnung hatte ich äh hat jemand gehört Kōdansha ist einer von den größte äh eine von den größte äh Vorsteller
[2:45:17] von der Welt so wie so wie äh der Fischer-Verlag Kōdansha ist der glaub ich dritte oder vierte größte Verlag und jemand dort hat gehört dass ich hab ein manuscript ich weiß nicht wie ah ja ich weiß wie [lacht] das ist so was anders
[2:45:36] [unverständlich im Hintergrund]
[2:45:39] ja und äh da hab ich gesagt »ja ich habs aber ich habs in New York« und da sagte mir der der auf d- da in Tokio »ja wir haben ein ziemlich großes äh äh office in New York und da können Sie das bringen und die werden es nach zu uns schicken« und
[2:46:02] da bin ich gekommen New York das war in Fifth Avenue ganz große Büro und der Japaner hat gehört über diese Sache und ich hab ihm mein Manuskript gegeben der d- der äh Generaldi- -direktor und abends beko- nächsten Tag bekomme ich ein Telefonanruf von
[2:46:25] ihm und sagt »ich weiß meistens tu ich nicht so was ich lese nicht Bücher die hineinkommen das ist nicht meine Arbeit aber ich war äh neugierig über was du geschrieben hast und man hat mir in Japan gesagt das ist ja ziemlich g- was Interessantes und ich
[2:46:46] habs gelesen und ich glaube dass ich werde wir werden es in Englisch herausgeben bevor ich nach zurück nach d- Japan schicke das wird dann in Japanisch nächstes Jahr rauskommen werden wir hier in Amerika das rausgeben« und so ist es ganz zufällig die Sache
[2:47:08] gekommen dass die haben äh er glaubte dass das Buch sehr gut ist ich hab wirklich sehr in Amerika bekommen ganz große Resultaten davon war sogar ein äh Ausstellung ich glaube Ihnen erzählt auch basiert auf mein Buch »Light One Candle« das war in New
[2:47:36] York und in Vancouver Toronto Mexiko die haben mein Buch Name meines Buches genommen und sie haben Studienguide für die Schüler Kanadas und Amerika herausgegeben so dass mein Buch w- ist ziemlich in Amerika berühmt geworden und jetzt auch in Deutschland
[2:48:00] hier nachdem da der Präsident hat das Schirmherr geworden und viele von die deutsche B- Bürgermeister haben sich als Paten mein Buch angenommen und es kommt morgen wenn Sie Zeit haben können Sie Herr Odinius sehen ein ziemlich interessanter Mann der Fregattenkapitän
[2:48:26] wir haben ja zusammen ich war ja äh Kapitän in Handelsmarine und er war in Kriegsmarine so dass wir haben wir uns gut befreundet
[2:48:35] wenn Sie so lange geschwiegen haben und dann plötzlich angefangen haben Ihre Geschichte aufzuschreiben und dadurch ja auch wieder sich mehr damit zu beschäftigen ähm hat das zum einen irgendetwas für Sie verändert in in Ihrem Erinnern an die Geschichte
[2:48:54] und in Ihrem Leben und zum andern hat es eine Rolle gespielt dass Sie auf Englisch geschrieben haben ?
[2:49:00] ich hab beschlo- ich äh nachdem ich in Handelsmarine war hab ich beschlossen zu studieren in London war äh jemand ein Professor hat gelesen was ich geschrieben habe und ich hab dann an die London Universität studiert Sprachen also Russisch äh es war
[2:49:25] äh Slavonic Studies hab ich eigentlich ge- Litauisch und Russisch und auch Deutsch und und Englisch und äh dadurch hab ich von alle Sprachen die ich gesprochen habe war mir Englisch irgendwie leichter meine äh zu erzählen als in Deutsch oder in Litauisch
[2:49:50] oder Ivr- oder Hebräisch sogar und äh so bin ich beim Schreiben in in Englisch geblieben also die anfangs hab ich ja in Jüdisch ge- was ich dort was ich in Stutthof weggeschmissen habe das war Jüdisch und Litauisch aber seit ich den das g- war alles in
[2:50:13] Englisch und das zweite hab ich auch äh äh »Aufleben« ist ja das zweite Teil des Buches das ist über die Zeit nach meiner Befreiung was ich da beschrei- beschrieben habe als ich gleich zum amerikanische Armee kam und äh haben mich äh sehr gut angenommen
[2:50:38] denn ich hab denn die hatten wenig die Amerikaner sprechen auch wenig Sprachen äh so dass ich hatte Russisch und Litauisch und die brauchten diese Sprachen ha- haben mir Uniform angezogen war ich äh amerikanische äh Armee und die Zeit äh der vom Fischer-Verlag
[2:51:06] hat mir gesagt äh »die Zeit das du da warst in Deutschland fünfu- vierund- 45 48 das war für dich ein ganz ein interessante Zeit äh vielleicht wärs« äh und er wusste auch äh dass ich Doktor Pehle er war mein und er wusste auch dass ich ein Tagebuch
[2:51:31] geführt habe als ich da war in Deutschland und sagt er »schr- beschreibe was da passierte für die Deutschen wird es bestimmt ein interessantes Buch sein denn es ist wirkliche Zeitgeschichte das ist äh äh eine es wird wirklich interessant auch für
[2:51:53] dich sein« und dann hab ich beschlossen zu schreiben »Aufleben« und es ist äh ziemlich gut angekommen hier viele die es gelesen haben glauben dass es äh äh das hat das ist ein Dokument äh geschichtliche Dokument für diese Zeit denn zufällig hat man
[2:52:14] zu diese Zeit auch Deutschen wenig geschrieben es gab nicht viele deutsche Schriftsteller die über 45 48 Zeit war ja die Trümmerzeit hier das was ich hier beschreibe wie das hier alles aussah und jeder einer war beschäftigt s- etwas Essen zu zu finden dann
[2:52:37] in in Deutschland kann mich erinnern wie die wohnten war viele sind ich kannte eine Familie die waren am dritten Stock in ein zerstörtes Haus und äh d- waren nicht wo anderswo zu leben und dieses Haus ist äh einfach eingestürzt und die Menschen sind alle
[2:53:00] tot gewesen ich glaub nicht dass Sie was darüber waren zi- ziemlich viele solche Sachen was passierten denn ich kann mich erinnern als letz- erste Mal kam alles sah aus wie Hiroshima diese 500 Flugzeuge die ich sah jeden Tag die war in Utting über unsern
[2:53:21] Kopf fliegen ich sah was was die g- getan haben äh wie das München und dann auch Berlin aussah
[2:53:29] vielleicht können Sie noch etwas genauer erzählen wie das Leben für Sie und Ihren Vater in Nachkriegsdeutschland aussah
[2:53:39] hm ?
[2:53:41] was Sie und Ihr Vater gemacht haben nach der Befreiung
[2:53:45] ah ja na ich war mich hat man gleich in die amerikanische Armee genommen mein Vater war äh mit eine Gruppe litauische Juden die haben beschlossen ein Zentralkomitee zu gründen was passierte hier über die Überlebende die hatten nicht wo zu leben die hatten
[2:54:11] nicht wo zu wohnen äh die hatten nicht was zum essen die amerikanische Armee war nicht gebaut für äh solch- äh so so viele Menschen zu zu zu ernähren und wo sollen sie leben und äh auch die Städte waren alles zerstört so äh mei- mein Vater und noch
[2:54:29] einige haben beschlossen zum amerikanische Militär zu gehen und äh mit den General ich weiß nicht wie er hieß dann äh darüber zu sprechen was von diesen was mit diese Leute passieren soll und da hat man einige Lagers gefunden wo like äh wie hieß das
[2:54:54] dann Feldafing Föhrenwald und verschiedene Militär- die vorher Militärlagern waren und dort hat man gebaut verschiedene es war ziemlich schlimm äh dort zu zu wohnen denn es waren hundert Menschen in ein eine Gebäude wie ich beschrieben habe in mein Buch
[2:55:19] und zum essen war auch äh nicht viel was die Amerika- den Deutschen war ja über auch für deutsche Bevölkerung war kein Essen und für uns haben die g- überhaupt nichts zu ha- und die Amerikaner haben dann äh schon irgendwie aus rese- reserviert und
[2:55:44] dann ist aus Amerika auch b- Juden haben geschickt es gibt ein Komitee das hieß Joint Committee und da haben wir Paketen aus Amerika bekommen aber es war schlecht für aber die für die Überlebenden obwohl das war in schlechter Lage als die Deutschen sogar
[2:56:10] die wohnten ja in den furchtbaren Umständen aber trotzdem sind wir am Leben geblieben und für uns war es eine Stufe nach oben aber für die deutsche Bevölkerung war es eine zehn Stufen nach unten wie was vorher war äh i- jemand hat mich gefragt von der
[2:56:30] »Süddeutsche Zeitung« äh »wie war es als KZ-ler nach wie als amerikanischer Soldat zu werden ?« sagt ich »ja das ist von Hölle zum Olympus« und das haben die a- g- darüber geschrieben der der Unterschied war so dass ich kann mich erinnern für die
[2:56:54] Deutsche war es a fu- furchtbare Umstände ich hab mit denen gesprochen wie die wie sie fühlen was sie denken die ältere Leuten Leute die zur Hitlerzeit den sagen wir im Militär war die hatten verschiedene die haben mir erzählt wie das war in bevor 33
[2:57:16] wie wie diese äh während der Zeit von äh äh Weimar wie furchtbar das war war alles die haben alles das ganze Geld verloren was die ganze Leben das war viel z- viel zu zu hören was da von dieser Seite ge- erzählt wurde die die Zeit von die Geschichte
[2:57:44] d- von von der Deutschen nachm Ersten Weltkrieg noch was ?
[2:57:55] äh Sie wollten noch Fotos zeigen oder ?
[2:57:59] ah okay [sucht] ah vielleicht wollen Sie das »Light One Candle« die japanische [zeigt Buch] okay ? mal sehen was wir da haben ah das ist gleich nachm Krieg [zeigt Fotos] hier in München das ist mein Retter Clarence Matsumura
[2:59:17] er als er nach Jerusalem kam um mich aufzusuchen das ist in 48 in Israel Unabhängigkeitskrieg und ich bin in der Mitte d- das ist mein Vater nachm Krieg
[3:00:00] wo ist Ihr Vater hingegangen nach dem Krieg ?
[3:00:06] er er hat eine Kanadierin geheiratet die waren die war in äh von UNRRA
[3:00:15] ist nach Kanada gezogen ? er hat dann in Kanada gelebt ?
[3:00:25] er hat in Kanada gelebt dann ist er nach Israel gekommen das ist [zeigt Fotos] meine Freunde Uri Chanoch und Aba Naor in Israel den werden Sie ja sprechen okay ? ah da sind wir sieben Überlebende litauische Juden das ist im Oktoberwiese München
[3:01:02] neu- in Oktober 1945 ja das sind noch das ist in Israel auch eine Gruppe Überlebende äh litauische Juden also meine Freunde eigentlich Schulfreunde
[3:01:30] in welcher Sprache unterhalten Sie sich heute ?
[3:01:36] heu- in Hebräisch ah das ist [zeigt Fotos] in Japan bei dem Miss äh Frau Sugihara die Konsulin ah ich halte ihr den Schirm über den Kopf weils so heiß war ah und da bin ich mit alten Sextant [lacht] da bin ich da Offizier bei der Handelsmarine
[3:02:26] heute ist das so heißt das Co- Columbus-Sextanten äh niemand benutzt mehr diese Dinger nicht ja das ist eine Gruppe von äh amerikanischen Japaner die uns gerettet haben die waren dann bei Bad Tölz u- die sind mitgekommen nach Japan als die Frau
[3:03:09] Sugihara uns eingeladen hat haben die beschlossen sich m- äh mitzukommen und das ist in Japan ge- fotografiert ah und das ist in Parlament in b- in Knesset und das ist äh einer ist heißt Shilansky der war der Vorsteher von Parlament er wurde von
[3:03:40] äh Sugihara äh auch gere- äh von Clarence Matsumura auch gerettet wir beide zusammen und das ist gleich nach na das ist schwer zu sehen das ist gleich nachm Krieg eine Gruppe von uns Überlebende von mein Vater das ist meine Freundin aus Litauen die
[3:04:10] war eine auf auf das Schiff wo mein Schwester war von Stutthof und die hatte dann Tuberkulose bekommen ist am Leben geblieben und die heißt Miriam Rogol und sie ist äh war in Gauting in äh im Lager also Tuberkulosenlager ja und das ist ah das
[3:04:48] ist das ist Herr Spielberg hab ich fotografiert er hat uns eingeladen zu sich bei in in Los Angeles hat ein äh Abend für Fr- Mrs Sugihara gehalten und das ist das ist in äh Barnes and Nobles ist ein Geschäft in Amerika also Buchha- Buchhandel dort
[3:05:21] wurd- äh der Sohn von Sugihara und ich haben zusammen äh Lesungen gemacht über die Bücher und hier ist noch ein Bild von mir ich war zwei Mal Soldat und zwei Mal Mariner einmal Amerika dann in Israel war ich Soldat und dann war ich in der eng-
[3:05:59] äh israelische äh in in bei Kriegsmarine und dann war ich in Handelsmarine und außerdem war ich auch in in Konzentrationslager [lacht] ah das ist ein interessantes Bild wo Sugihara erzählt äh nicht Sugihara der Clarence erzählt den äh Shilansky wieso
[3:06:26] er uns gefunden hat in Schnee das ist in Parlament okay ich glaube das ist ich weiß nicht ob Sie kennen d- Ed Asner äh das ist a berühmter Hollywood ist aus Litauen eigentlich und der ist der Vorsteher von die äh Ac- Actors of Hollywood wir waren
[3:06:57] zusammen in San Francisco und das letzte ist auch ein Teil von die Japaner in äh Tokio okay das ist es
[3:07:17] was mich noch interessieren würde Sie sagten vorhin dass Sie nach dem Krieg so eine Wut hatten äh nicht nur auf Deutschland sondern auf die ganze Welt aber natürlich insbesondere auf Deutschland und mich würde interessieren was mit der Wut geworden ist
[3:07:33] ist die abgeebbt ist die geblieben
[3:07:37] ja äh j- das ist schauen Sie bei mir ist das so in gewissem Sinne bin ich so ein Astronaut äh wenn ein Astronaut in seine Rakete entfernt sich allmählich von die Erde sieht er nur ein sieht er ein großen Teil von die Erde äh je weiter er kommt desto
[3:08:03] größer wird die Erde und je kleiner wird die Erde sehen Sie die grö- d- besser hat er ein ein Bild wie das die Erde aussieht bei mir ist es auch so genau so anfangs war es alles äh nach der nach der Befreiung war es schwer zu sehen was da passierte denn
[3:08:26] je weiter ich von diese Zeit wegkomme bin ich so wie der Astronaut seh ich seh ich äh mehr was wirklich passierte und äh äh d- die Sache über die Wut ist äh heute ist die Wut weniger aber äh ich sehe dass die Welt ist äh kein außergewöhnlich liebes
[3:08:51] Platz ich sehe unsere Nachbarn in Syrien was sie gegeneinander einen tun wenn die Schlachten nehmen die Weltmacht nix halten da raus dieser Assad der ermordet na 10000 ich weiß nicht wie viel er schon das ist gleich in in der Nähe von uns ist ungefähr
[3:09:13] wo ich wohne wie gesagt 150 Kilometer wo und w- wie reagi- reagiert die Welt darauf gar nichts und dasselbe was sie gehört haben mit d- Gaddafi dort ich äh d- Welt ist kein schönes Platz sagen wir es so von meiner Seite ich seh wenn man muss äh wenn
[3:09:40] wir müssen auf jemanden sich stützen die die Syrier sagten »warum kommt keiner uns helfen ? schaut was man uns tut« w- was tun wir ? wir gehen zum essen Abendbrot wir gehen zum trinken eine Flasche Wein wen wen interessiert das das ist das Schlimme was
[3:10:03] was ich sehe heute und wie wie das aussieht und wie dann das a- aussah denn niemand wollte uns helfen d- außer von der weil w- warum spreche ich von den Sugihara er war der einzige der Visen gegeben hat um jeden zu retten und er hatte nichts mit Juden
[3:10:28] zu tun überhaupt er hatte wusste gar kannte keine und d- deswegen war er ein besonderer Mensch denn zu dieser Zeit ich kann mich erinnern da standen tausende von Leute vor der amerikanische und vor die französische und das keine nur wenn du viel Geld hast
[3:10:48] und das ist mir im Kopf geblieben
[3:10:52] möchten Sie zum Abschluss des Interviews noch etwas sagen ?
[3:11:03] ja es war sehr angenehm euch kennenzulernen und ich bin hoffe das was ich erzählt habe wird äh wird he- helfen anderen zu verstehen was wir alles äh überlebten und äh hoffe »nie wieder« wie es in Dachau steht »nie wieder«
[3:11:31] ich möchte Ihnen ganz herzlich danken für Ihre sehr beeindruckende Geschichte
[3:11:36] danke schön
[3:11:37] vielen Dank
[3:11:38] vielen Dank
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1928 | Heydekrug | Geburt als jüngstes von drei Kindern einer mittelständischen jüdischen Familie |
| 1934 - 1941 | Kaunas | Unterricht in litauischen und jüdisch-litauischen Schulen |
| ab 1934 | Kaunas | Umzug der Familie nach Kaunas |
| ab 1941 | Kaunas | versuchte Flucht nach Russland; Verhaftung und Ermordung des Bruders |
| 1941 - 1944 | Kaunas (Ghetto) | Leben im Ghetto |
| 1944 - 1945 | Kaufering (Konzentrationslager) | Zwangsarbeit bei der Proviantbeschaffung und beim Ausheben von Gräben |
| ab 1944 | Kaufering (Konzentrationslager) | Deportation mit dem Vater in das KZ-Außenlager Kaufering X |
| ab 1944 | Stutthof (Konzentrationslager) | Deportation der Familie in das KZ Stutthof |
| ab 1945 | Geretsried | Sanatoriumsaufenthalt in der Erholungsklinik Geretsried und Sprachunterricht |
| ab 1945 | Bad Tölz | Wiedersehen mit dem Vater im DP-Lager Bad Tölz |
| 1945 - 1945 | Waakirchen | Todesmarsch von Utting über Dachau bis Waakirchen |
| ab 1945 | Waakirchen | Befreiung durch die amerikanische Armee |
| ab 1948 | Israel | Auswanderung nach Palästina/Israel und Teilnahme am Israelischen Unabhängigkeitskrieg |
| ab 1949 | Israel | Matrose, Offizier und Kapitän bei der israelischen Handelsmarine |
| ab 1953 | USA | Geburt des Sohns |
| 1960 - 1963 | London | Studium der Slawistik |
| ab 1964 | Israel | Geburt der Tochter |
| 1977 - 1984 | San Diego | Leben und Arbeiten in den USA |
| ab 1984 | Israel | Rückkehr nach Israel |
| ab 1995 | USA | Veröffentlichung der ersten Autobiographie »Light One Candle: A Survivors Tale from Lithuania to Jerusalem« |
| ab 2010 | Deutschland | Veröffentlichung der zweiten Autobiographie »Aufleben 1945« |
| ab 2012 | Berlin | Zeitpunkt des Interviews |
| Israel | Leitung einer Textilfabrik | |
| bis 1948 | München | Arbeit als Übersetzer und Dolmetscher für die US-Armee |
Nach der Besetzung von Kaunas durch die Rote Armee 1940 schmiedete die Familie Auswanderungspläne. Durch die politische Vergangenheit des Vaters und seine Beteiligung an der Russischen Revolution 1905 befürchteten sie die Verbannung nach Sibirien. Zeitgleich kamen immer mehr jüdische Flüchtlinge nach Kaunas, die vor allem aus dem bereits von Deutschland angegriffenen Polen nach Litauen strömten. Durch einen Zufall lernte der elfjährige Solly Ganor den japanischen Konsul Chiune Sempo Sugihara kennen, der infolge des Kontakts mit der Familie und jüdischen Flüchtlingen unautorisiert Visa vergab, um polnischen Juden zur Flucht zu verhelfen.
Die geplante Flucht vor den Russen scheiterte. Während sich die Familie Ganor auf ihre Verhaftung vorbereitete, brach am 22. Juni 1941 der Krieg aus, und Kaunas wurde durch die Wehrmacht besetzt. Da die Einstellung der Deutschen gegenüber der jüdischen Bevölkerung bereits bekannt war, erschien Russland nun als das geringere Übel, und die gesamte Familie begab sich auf die Flucht gen Osten. Unterwegs musste Solly Ganor mit ansehen, wie eine Gruppe Juden brutal hingerichtet wurde. Die rohe Gewalt der Deutschen und Litauer und die Teilnahmslosigkeit der russischen Soldaten erschütterten ihn zutiefst. Durch die starken Bombardierungen und das nachfolgende Chaos wurde die Familie getrennt. Solly Ganor, sein Bruder und seine Mutter versteckten sich in der Scheune eines litauischen Bauern. In der Nacht musste er ein zweites Mal miterleben, wie deutsche Soldaten und litauische Helfer eine Gruppe Juden aus dem Versteck aufspürten und hinrichteten. Auf dem Rückweg nach Kaunas wurde der sieben Jahre ältere Bruder verhaftet und später erschossen. Solly Ganor und seine Mutter durften nach Hause zurückkehren, wo sie den Vater und die Schwester wiedertrafen.
Im August 1941 musste die gesamte jüdische Bevölkerung von Kaunas in das kurz zuvor errichtete Ghetto der Stadt umziehen. Es wurden Arbeitsbrigaden organisiert, und die Familie ernährte sich vor allem über illegalen Tauschhandel mit Litauern außerhalb des Ghettos. Ende Oktober erfolgte die erste große Selektion im Ghetto, die als »Große Aktion« bekannt wurde. Von den etwa 30.000 Einwohnern wurden 10.000 selektiert, zum nahe liegenden Neunten Fort gebracht und dort in Massenerschießungen ermordet. Einer der besten Freunde Solly Ganors, Kuki, überlebte und schlich sich nachts in das Ghetto zurück.
Als 1942 alle Bücher des Ghettos konfisziert werden sollten, beschlossen Solly Ganor und Kuki, eine geheime Bibliothek zur errichten. Sie schafften es, tausende von Büchern einzusammeln und vor den Deutschen zu verstecken.
Im März 1944 kam es im Ghetto Kaunas zu der so genannten »Kinderaktion«. Fast alle Kinder des Ghettos, etwa 2.500, wurden aufgespürt und deportiert. Solly Ganor versteckte sich in einem eigens vorbereiteten Unterschlupf und entging nur knapp der Deportation.
Als im weiteren Kriegsverlauf die Rote Armee immer weiter vorrückte, lösten die Deutschen im Juli 1944 das Ghetto Kaunas auf. Gemeinsam mit seiner Familie wurde Solly Ganor in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Während die Mutter und die Schwester in Stutthof blieben, wurden er und sein Vater nach etwa sechs Wochen weiter nach Utting am Ammersee in eines der Außenlager des Konzentrationslagers Dachau verschleppt. Dort leistete Solly Ganor gemeinsam mit mehreren Schulfreunden aus Kaunas Zwangsarbeit für die Organisation Todt.
Im April 1945 wurden auch diese Konzentrationslager aufgelöst, und die Häftlinge wurden von Utting aus über Dachau auf einen Todesmarsch durch Bayern getrieben. Am 2. Mai 1945 wurde Solly Ganor bei Waakirchen durch eine Einheit der US-Armee befreit.
Während sich der Vater in der Nachkriegszeit in der Organisation und Verwaltung der jüdischen DP-Lager engagierte, arbeitete Solly Ganor als Übersetzer für die amerikanische Armee. 1948 wanderte er nach Palästina aus und nahm am Israelischen Unabhängigkeitskrieg teil. Er wurde Matrose bei der israelischen Handelsmarine, reiste durch die Welt und stieg im Laufe der Jahre zum Offizier und später zum Kapitän auf. In den 1960ern absolvierte er ein Studium in London. Nach mehreren langjährigen Aufenthalten in den USA kehrte er 1984 nach Israel zurück. Ein erstes Zusammentreffen mit seinem Befreier 1992 führte dazu, dass Solly Ganor sich intensiver mit seiner eigenen Lebens- und Verfolgungsgeschichte auseinandersetzte und sie schließlich in zwei Büchern verarbeitete.