Gert Lothar Schramm (*25.11.1928, Erfurt)
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- Signatur
- 01139/sdje/0035
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Eberswalde, den 7. Juli 2011
- Dauer
- 02:57:09
- Interviewter
- Gert Lothar Schramm
- Interviewer
- Ruth Preusse , Daniel Baranowski
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Redaktion
- Lennart Bohne
- Transkription
- Lennart Bohne
Ohne den Grund zu kennen, wurde Gert Schramm als 15-Jähriger im thüringischen Langensalza von der Gestapo verhaftet. Mehr als ein Jahr verbrachte er in Haft, bevor er im Juli 1944 nach Buchenwald deportiert wurde. Trotz widrigster Umstände gelang es ihm, bis zur Selbstbefreiung des Lagers am 11. April 1945 zu überleben. Am 25. November 1928 wurde Gert Schramm als Sohn eines afroamerikanischen Stahlarbeiters und einer deutschen Schneiderin in Erfurt geboren. Er verlebte eine schöne Kindheit bei seiner Großmutter im thüringischen Witterda, doch nach Ausbruch des Krieges wurde er immer häufiger Opfer rassistischer Anfeindungen. Nach seiner Verhaftung am 6. Mai 1943 verbrachte er über ein Jahr in verschiedenen Haftstätten. Erst als er gezwungen wurde, seinen eigenen Schutzhaftbefehl zu unterzeichnen, erfuhr er den Grund seiner Verhaftung: Als so genannter »Negermischling ersten Grades« kam er in das Konzentrationslager Buchenwald, wo er zunächst im Steinbruch arbeiten musste. Neun Monate schwerste Zwangsarbeit und eine Kopfverletzung durch einen Fliegerangriff überlebte Gert Schramm nur durch die Hilfe und Gemeinschaft der Häftlinge untereinander. Nach dem Krieg führte er ein ereignisreiches Berufsleben. Es gelang ihm, mit Hilfe des ehemaligen Mithäftlings Hermann Axen, einem Mitglied des Politbüros der SED, sich als Taxiunternehmer in der DDR selbstständig zu machen. Zum Zeitpunkt des Interviews war Gert Schramm 82 Jahre alt.
Vorkontakte
Kontaktaufnahme durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Vorgespräch zwei Tage vor dem Interview
Bedingungen
Das Interview fand im Wohnzimmer von Gert Schramm statt; dadurch bedingt sehr nahe Kameraposition.
Gruppensituation
zwei Interviewer; ein Kameramann (Daniel Hübner)
Unterbrechungen
eine Unterbrechung
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
[0:00] heute ist der achte Juli 2011 wir sind in Eberswalde bei Gert Schramm mit dem wir ein Interview führen wollen für das Projekt »Sprechen trotz allem« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ich heiße Ruth Oelze die der zweite Interviewer
[0:12] ist Daniel Baranowski und an der Kamera ist Daniel Hübner [Schnitt]
[0:16] mein Name ist Gert Schramm ich bin am 25ten Elften 1928 in Erfurt geboren mein Vater war äh US-Amerikaner der in Thüringen im an bei ner äh US-Firma gearbeitet hat die zu der Zeit schon in Thüringen äh en en Auftrag zu erledigen hatte und zwar der Bau
[0:49] von äh schwei- geschweißten Eisenbahn-Metallbrücken die nicht die nicht mehr genietet waren sondern geschweißt und das Patent gabs damals in Deutschland hier noch nicht deshalb der Auftrag an ne amerikanische Firma und deshalb mein Vater hier in Deutschland
[1:13] äh meine Mutter war die Tochter eines Schneidermeisters in Erfurt und hat auch dort bei dem Schneidermeister gearbeitet und der mein Vater wa- wollte sich einen Maßanzug bauen lassen äh und aus diesem Grund ist er dort in der Schneiderei erschienen und
[1:39] hat dann bei den äh Gesprächen und bei den äh einzelnen äh Sitzungen wo Maß genommen wird und anprobiert wird und wieder Maß genommen wird dort sind sie sich näher gekommen und na ja was soll ich dazu sagen ? deshalb bin ich jetzt hier äh ich hab
[2:08] äh in Erfurt bei meinen bei meinen Großeltern ziemlich and- ein Jahr anderthalb Jahre äh meines Lebens verbracht und ich hatte die äh war in der Situation zwei Großeltern zu haben weil meine Großeltern in Erfurt waren waren geschieden und äh meine andere
[2:35] Großmutter hat wieder geheiratet und mein Großvater in Erfurt auch und äh aus diesem Grund hatte ich zwei Paar Großeltern was mir eigentlich zugute kam nach anderthalb Jahren bin ich zu meiner Großmutter äh zu meiner anderen Großmutter nach Witterda
[3:01] ein kleines Dorf bei Erfurt ungefähr 18 Kilometer von Erfurt entfernt und dort bin ich aufgewachsen und auch zur Schule gekommen
[3:13] ich hatte in der Schule in diesem Dorf an und für sich mit den Kindern keine Probleme da ich ja nun ne andere Hautfarbe habe
[3:24] ich hatte mit den Kindern keine Probleme und zwar aus dem Grund das Dorf Witterda war ein erzkatholisches Dorf und die Katholiken hatten damals mit dem Faschismus und Nazismus an und für sich nicht viel am Hut und äh aus diesem Grund bin ich ziemlich
[3:51] gut umsorgt aufgewachsen die Probleme die begannen erst nachdem nach Beginn des Krieges dort wurde der Schulleiter der der die Dorfschule leitete wurde zur Armee eingezogen der war Rese- war Reserveoffizier und wurde gleich im Anfang des Krieges eingezogen
[4:19] und wir bekamen dort einen anderen an dessen Stelle einen anderen äh Sch- äh der die Schulleitung übernahm und das war ein 150prozentiger Nazi der kam sogar in die Schule zum Unterricht in seiner kackgelben Amtswalter-Uniform und dementsprechend war er
[4:43] auch und bei dem hatte ich natürlich nüscht zu erwarten äh der hat bei mir Gründe gesucht egal wie der hat mich äh vor den anderen Kindern als Bastard und was weiß ich nur zu der zu der damaligen Zeit wusste ich gar nicht was Bastard ist ich hab gedacht
[5:13] »spinn mal ruhig weiter« na ja und das ging bei dem so weit ich konnte Schularbeiten machen hab ich Prügeln gekriegt ich konnte keine Schularbeiten machen hab ich auch Prügeln gekriegt und zuletzt war ich so bockig dann hab ich gesagt »na ja wenn ich
[5:31] sowieso Prügeln kriege spare ich mir die Zeit diesen Mist diesen diese Schularbeiten zu machen« und hab eben keine Schularbeiten gemacht wenigsten das was er äh m- was er aufgegeben hat er hat ja nicht äh äh alle Fächer unterrichtet er hat Geschichte
[5:53] unterrichtet und Naturkunde
[5:57] können Sie sich noch an seinen Namen erinnern ?
[6:00] ja Kramer
[6:03] mhm
[6:05] äh ich komm da ich komm gleich noch dazu und äh so be- und denn hab ich äh natürlich wenn er unterrichtet hat ich wusste ja im Stundenplan wann wann er unterrichtet hat da hab ich versucht um die Schule rum zu gehen ich hab gedacht »ich werd nicht dahin
[6:29] gehen und mir von dem unbedingt Prügeln abholen« na ja und das hat er äh ich muss nochmal zu äh ich muss erst vorspringen äh bei der Wende neunz- äh äh jetzt hab ich ne Sendung mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen ge- gemacht »Monitor« und diese Sendung
[6:55] ist übern übers Fernsehen gelaufen und das hat der -n Archivar von von den äh von der staatlichen vom Staatsarchiv Gotha hat die Sendung gesehen und hat dann bei sich im Archiv angefangen zu suchen und hat im Archiv ne Akte über mich gefunden die die
[7:24] damalige Zeit von 1942 an so äh datiert hat so und daraus ergab sich dass der Schulleiter schon 1942 versucht hat mich in Erziehungsanstalt zu bringen er hat äh sich ans Kreisjugendamt gewandt das ging äh an alle Instanzen bis zur Bez- bis zur Bezirks-
[8:01] äh Bezirksregierung Dienststelle in der Bezirks- damaligen Bezirksregierung und äh zuletzt gings übers Landgericht Erfurt und zwar hat er äh äh die Gründe die er angeführt hat ich bin bockig ich äh schwänze die Schule und so weiter und so fort und
[8:29] hat angegeben 17 Mal in anderthalb Jahren wo ich wirklich die Schule geschwänzt habe 17 Mal in anderthalb Jahren wenn man das auf die heutige Zeit überlegt dann ist das gar nichts na ja und das hat er aber als Grund angeführt und so ging das hin und her
[8:51] das ging über Jugendheime in in Baden-Württemberg die mich aufnehmen sollten und die haben mich nicht aufgenommen und alles ist so in der Akte ich hab sie ja ich hab sie ja kopiert hier und äh zuletzt hat dann das Bezirksgericht Erfurt den ganzen Fall
[9:16] wegen Nichtigkeit abgelehnt und es ist zu keinem Urteil gekommen das ging dann über bis 19- Ende 43 äh [betont:] bis Anfang 43 und äh 43 ich bin 42 Anfang 43 aus der Schule gekommen und äh
[9:46] bin dann zu meiner Mutter die hat in Langensalza gewohnt und
[9:51] war immer noch äh nicht verheiratet und hat dort als Schneiderin gearbeitet aus diesem Grund war ich auch bei meiner Großmutter und äh bin dann zu meiner Mutter um eine Lehre anzufangen ich hatte mir ja gedacht ne Lehre anzufangen aber dem war ja nicht
[10:13] so in der Nazizeit ich hab äh das den Lehrantrag gestellt und hab dann von Naziseiten äh gekriegt weil ich nicht arisch bin darf ich nicht lernen ich darf nur als Hilfsarbeiter arbeiten na ja und in Langensalza war A- Autoreparaturwerkstatt Greiner äh
[10:38] gut waren Bekannte von meinen Großeltern aus Witterda die früher auch in Langensalza gewohnt hatten und die haben mich dann aufgenommen als Jungarbeiter nannte sich das zu die- zu dieser Zeit äh und ich hab dann in der in der Autowerkstatt Greiner in Langensalza
[11:03] gearbeitet äh bis 19- 1943 im Mai am sechsten Mai 1943 ich kann mich noch genau besinnen da hab ich in da hat der der Chef der Meister mir gesagt »Gert die anderen Lehrlinge haben deine Öl- Ölwechsel versaut das Öl liegt in der Grube mach doch mach das
[11:33] mal sauber« na und ich bin mitm Eimer und Sand und alles was dazugehört in die Grube geklettert und mit einmal hörte ich Stimmen die nicht zu uns auf zu zu unserem Betrieb gehörten und neben mir am Auto wenn wenn ich je- jetzt in der Grube bin habe ich
[11:58] ungefähr so [gestikuliert] zwanzig Zentimeter wo ich sehen kann was ist ich seh keine Personen aber ich sah zwei Paar schwarze Lederstiefel Schaftstiefel die da oben was mitm Meister sprachen und mit einmal eine Stimme »bist du Schramm ?« ich sag »ja«
[12:20] »sofort rauskommen !« so barsch na ja und äh ich ich hab mich dann aus der Grube gezwängt und da standen zwei Typen in schwarzen Ledermänteln mit Schlapphut »mitkommen !« ja mitkommen der Ton den die angeschlagen haben hat mich dazu bewogen überhaupt
[12:50] gar keine Fragen mehr zu stellen die sind mit mir durch die Stadt marschiert zum Rathaus ins Rathaus dort war die Polizei und nicht äh sind mit mir nicht unten in die Polizeiwache gegangen sondern im ersten Stock die Treppen hoch dort saß die Kriminalpolizei
[13:14] und auch die pol- die damalige politische Polizei Langensalza hatte keine Gestapo-Dienststelle selbst aber das hat die politische Polizei dort übernommen na ja und dort haben sie mich in so ne Abstellkammer wieder eingesperrt dort waren Besen und was weiß
[13:33] ich drin und wie lange ich da drin gesessen habe weiß ich nicht jedenfalls haben sie mich dann aus der äh Kammer wieder rausgeholt ins Büro und da saß so ein arroganter Typ und der hat mich dann meine Personalien aufgenommen und und nachdem dies geschehen
[13:55] war musste ich mitm Polizist wieder ausm Rathaus raus -n Stück weg vielleicht acht- nun 800 Meter dort war in so ner kleinen Gasse in die äh ne so ne Arrestanstalt von der Polizei die Langen- Langensalza hatte kein Polizeigefängnis sondern nur -n Ger-
[14:22] Justizgerichtsgefängnis und die haben sich wahrscheinlich nicht verstanden die haben in dem Justiz- oder Gerichtsgefängnis äh keine äh irgendwelche Arrestanten oder Häftlinge oder äh von der Polizei angenommen also in die kleine Arrestanstalt das waren
[14:42] drei Zellen dort wurden höchstwahrscheinlich Mal Betrunkene ihr die haben dort ihren Rausch ausgeschlafen dort war außer mir niemand der hat mich in ne Zelle reingesteckt die Tür zugemacht und ist gegangen so und das dauerte dann zwei Tage hat sich dort
[15:05] um mich überhaupt niemand gekümmert
[15:07] Sie waren immer noch in Ihrer Arbeitskluft ?
[15:09] ich war noch in meiner Ar- Schlosserkluft schmierig und dreckig
[15:14] haben Sie was zu essen und zu trinken bekommen ?
[15:16] nüscht zwei Tage lang zu trinken stand ne Kanne Wasser drin zu trinken äh äh hatte ich also aber sonst Essen und so weiter es hat sich überhaupt niemand um mich gekümmert ich saß da drin und das war dann das war alles und dann hatte ich solchen Hunger
[15:36] das waren zwei so zweistöckige Betten da bin ich auf das Bett geklettert und hab aus dem Fenster geguckt da war von außen keine Blende oder was vor sondern vergittert so aber im man konnte raus gucken und dort hat mich der Hausmeister von der Berufsschule
[15:53] gesehen im im Vorderteil von in der Mitte war war war der Hof und im Vorderteil war die Berufsschule und dort hat der Hausmeister der Berufsschule der hat gleichzeitig die Arrestanten dort versorgt mit na mit Essen und so weiter und sich eben um um er war
[16:18] dort für die Arrestanstalt zuständig und er kam guckte und kam angerannt (rupp rupp) angeschlossen rein sagt er »was machst du denn hier ?« ich sag » [lacht] das ist ne Frage was mach ich hier ?« »wer hat dich denn hierher gebracht ?« ich sag »na die
[16:36] Polizei« na »wie lange bist du denn schon hier ?« ich sag »na ja zwei Tage heute« da sagt er »mir hat niemand was gesagt« ja na ja gut na ja aber dann dann ging es dann hat der äh Hausmeister mir Malzkaffee gebracht und nen Kanten Brot und zu essen
[17:01] habe ich dann auch seine weil seine Frau hat dort für die Berufsschule gekocht und hat dann gleichzeitig auch die Arrestanstalt mit versorgt so ging es dann dann konnte ich mich nicht beschweren aber ich saß nach wie vor da drin und wusste nicht warum
[17:21] na
[17:24] ja nach ungefähr zehn Tagen kam i- wieder aufgeschlossen ich dachte es ist der Hausmeister -n Polizist »mitkommen !« na ja mit mit rüber zur wieder äh in ins Rathaus dort haben sie mir die Hände hinten aufm Rücken gefesselt mit Hand mit Handfesseln
[17:48] und dann haben sie mich zum Bahnhof gebracht zwei Polizisten mit Karabiner und die Hände aufm Rücken gefesselt in meinen dreckigen Schlosserklamotten und haben mich dort äh nachm Bahnhof Langensalza gebracht in den Zug in norm- in normales Abteil so wie
[18:14] wie damals die Dritter-Klasse-Abteile waren Sie sind wahrscheinlich wissen Sie das können Sie das wissen Sie das nicht waren so rundrum Holzbänke und dann haben wi- haben sich die zwei Poliz- ich musste mich am Fensterplatz setzen der eine Polizist neben
[18:30] mich der andere Polizist auf der anderen Seite ihre Karabiner zwischen die Beine gesteckt gestellt und haben sich unterhalten
[18:39] hatten Sie Ihre Mutter nochmal ähm gesehen ?
[18:43] [gleichzeitig:] nüscht gar nicht nichts gewusst
[18:46] und äh und ha- haben Sie nachher vielleicht gehört hat dieser Hausmeister äh vielleicht Ihre Mutter informiert wo Sie sind ?
[18:50] [gleichzeitig:] ne- weiß ich nicht weiß ich nicht nein hat er nicht hat er nicht auch die Polizei nicht aber das äh ich komm dazu äh und da hab ich den nachher den einen Polizisten kannte ich von Sehen das da das war so -n gutmütiger Typ der hat hieß
[19:11] in Langensalza der Kinderpolizist weil er der hat niemand was getan der hat eben seinen Dienst versehen und damit wars gut der aber der hat niemand was getan und ich kannte ich kannte den Namen von ihm ich sage »Herr Schneider wo bringen Sie mich denn hin ?«
[19:28] da sagte der »wir bringen dich nach Erfurt aber mehr kann ich dir auch nicht sagen« na ja wusste ich halt Erfurt na ja in in Erfurt Zug ausgestiegen da haben sie mich wieder durch die ganze Stadt vom Bahnhof bis ja in in ungefähr wenn mans so nen- so abmessen
[19:55] will vier fünf Kilometer durch die Stadt wieder das Geglotze der Leute das Getuschel und furchtbar ich war in ich ich hab gedacht »hoffentlich hat das bald hoffentlich bringen sie mich irgendwo hin wo ich wo ich das alles nicht mehr mitmachen muss« da
[20:15] haben sie mich zum Petersberg geführt im Petersberg also Erfurt Petersberg war das Polizeihaftgefängnis und die haben gleichzeitig für die Gestapo Häftlinge dort einsitzen gehabt aber bis dahin wusste ich überhaupt nicht was was nun war warum und weswegen
[20:44] da war mit der Zeit waren schon bald zwei Monate vergangen na ja und dort wurde ich haben sie mich abgegeben und der Polizist der Kinderpolizist Schneider hat mir die Handfesseln abgenommen und hat gesagt »machs gut Gert« na ja haben sie mich eingesperrt
[21:05] der die Haftanstalt die Polizei die dort in war Polizei dort in der Haftanstalt die haben mich in die Zelle gesperrt und dann hat der eine gefragt »welche Zelle ?« der andere rief von drin ausm Büro »17 !« und haben sie mich im ersten Stock in die Zelle
[21:25] im Buch ist noch abgebildet wie die Haftanstalt von außen ausgesehen hat haben wir später einmal fotografiert na ja und dort hab ich gesessen besti- ach weiß ich nicht zwei Mo- drei Monate in d- einer Einzelzelle ohne zu wissen warum und weswegen
[21:44] na ja
[21:48] nach drei Mo- ungefähr nach ner gewissen Zeit ja ich möchte mich jetzt nicht auf die auf Monate oder Wochen festlegen nach ner gewissen Zeit wurde ich wieder geholt auf den Hof geführt in die grüne Minna ein Gefangenentransportauto mit noch mehreren
[22:10] Gefangenen und dann ging die Fahrt wieder los quer durch die Stadt und dann auf äh in ein in ein in einem Gebäude ihr wu- auf dem Hof wurden wir ausgeladen und mussten uns dort wieder aufstellen da waren noch mehr Gefangene wie viel das weiß ich nicht aber
[22:33] auf jeden Fall mehr als zehn und dann das war die Gestapo-Dienststelle Erfurt das war die Gestapo-Verwaltung für den Regierungsbezirk Erfurt na ja und dort hab ich das erste Mal Bekanntschaft mit der SS gemacht die haben uns mussten wir in in Gänse- in
[23:11] in Gänsereihen mussten wir äh in den an in den Bau rein das war das die Adresse Hindenburgstraße 7 in Erfurt in dem Bau wo früher die Gestapo saß das ist heute das Haus der Abgeordneten des Landtages na ja und dort durch mehrere Türen und ich hab mir
[23:40] gedacht ich hab schon äh ich dachte »bleib mal hinten und seh zu dass du als Letzter gehst« weil ich gesehen habe die Ersten haben schon Prügeln gekriegt und Tritte und Schläge mit der Faust und was weiß ich und Gebrüll wie wie wie die Wahnsinnigen
[23:56] haben sie sich aufgeführt na ja ich dachte »geh am Schluss« aber ich war derjenige der die ga- die meisten Tritte ins Hinterteil gekriegt hat na ja und dann mussten wir wieder mussten wir uns unten im Keller mit dem Gesicht zur Wand stellen weil bei der
[24:13] Gestapo wenn sie dort irgendwie vorgeführt wurden zur Vernehmung oder was immer nur mit dem Gesicht zur Wand na ja und jeder SS-Bonze oder oder auch Gestapo-Bonze die schlechte Laune hatten von denen kriegte man einen Tritt oder einen Stoß in den Rücken
[24:34] dann flog man mit dem Gesicht zur Wand weil die liefen ja hinter einem auf und ab man man wusste ja nicht was w- w- was da war also darauf vorbereiten konnte man sich nicht na ja und mit Nasenbluten bin ich dann wurde ich aufgerufen und rein musste in so ein
[24:55] Wachzimmer und dort drin wieder mit dem Gesicht zur Wand dort saß saßen an zwei Schreibtischen so ein paar SS-Typen und waren noch drei oder vier andere die da ihre ihre ihren Dienst mit Schlägen und so weiter versehen haben na die die haben die äh Personalien
[25:20] aufgenommen und dann in eine Zelle gesteckt die Zelle war vielleicht so groß wie der Raum dort waren wir vielleicht mit 25 Mann drin Russen Polen Deutsche alles was damals so an Nationen hier in der Nazizeit Zwangsarbeiter und so weiter die se wegen aus
[25:46] irgendwelchen Gründen nun da eingesperrt hatten dort drin hab ich vier Wochen gesessen äh Essen wir waren 25 Mann und hatten vier Schüsseln wenn es Essen gab w- warmes Essen gabs ja wenig aber wenn es wirklich mal gab dann gabs dann kamen zwei Gefangene
[26:13] gabs einen Hieb von dem von dem was da nun gerade Suppe oder was Kartoffeln und so was gabs sowieso nicht und dann mussten die vier Mann Löffel gabs nicht das austrinken den Napf sofort weitergeben und an die nächsten vier Mann bis die 25 Mann durch waren
[26:34] und wenn man den nicht schnell ausgetrunken hat dann hat der mit dem Schlüsselbund oder mit der Faust gegen den Napf gehauen und hat gesagt »sauf zu du Drecksau !« so und na ja und dort habe ich vier Wochen verbracht dort habe ich die SS das erste Mal kennengelernt
[26:52] und nach vier Wochen wurde mein Name wieder aufgerufen ich musste wieder in den Wachraum und bevor ich ich kam zur Tür rein [gestikuliert] da stand hier so ein Schreibtisch und da hab ich meine Akte auf der Ecke so auf der Ecke meine Akte liegen sehen ich
[27:11] hab den Namen oben gelesen und gleich mit dem Gesicht wieder zur Wand das musste man selbst tun sonst haben die haben die das gemacht und das ging dann wahrscheinlich nicht gut ab und dann wurde ich rief der mich dann an den Schreibtisch und dann musste
[27:31] ich auf so einem Blatt unterschreiben und dann raus auf den Hof wieder in die grüne Minna mit noch -n paar äh anderen Häftlingen zusammen und dann ging es wieder durch die Stadt und ich hab gedacht jetzt mein Gott vielleicht lassen sie dich jetzt laufen
[27:52] ja die haben mich laufen lassen ich wurde mit der grünen Minna wieder mit den anderen Gefangenen zusammen nachm Petersberg gefahren und auf dem Petersberg äh in Erfurt wieder ins Polizeigefängnis und dort habe ich wieder gesessen insgesamt mit Gestapo-Haft
[28:19] und so weiter ziemlich ein Jahr und bis dahin wusste ich nicht warum und weswegen ich überhaupt warum sie mich überhaupt eingesperrt hatten
[28:31] na ja und dann eines Tages wurde mein Name aufgerufen und dann haben sie mich auf den Hof geführt und auf dem Hof
[28:40] stand ein Personenauto ich weiß bis heute noch es war ein Mercedes weil als ich mein es war schon damals war Autos war für mich mein Hobby und es waren zwei Ziviltypen dabei der eine saß drin im Auto vorne drin war ne Glasscheibe so ne Sch- so ne Sch- die
[29:08] die Fahrerkabine abtrennte und der der der andere stand daneben und hat ne dicke Zigarre geraucht hat er mich angebrüllt »einsteigen !« na ja und ich denn in das Auto rein er hat sich neben mich gesetzt und der andere und der Typ ist mit uns losgefahren
[29:28] na ich wusste überhaupt nicht was da was das nun bedeuten sollte und auf der gesamten Fahrt bis nach Weimar in Weimar ich hab dann gesehen das Ortseingangsschild »Weimar« bis dahin ist da kein Wort zwischen den beiden nicht nun gut der hatte ja die Glasscheibe
[29:52] so halb auf und der andere saß hinten und hat seine Zigarre geraucht ich hab gedacht mein Gott wo fahren die mit dir hin ? na und in Weimar in der Stadt sind sie zum Schloss gefahren das Schloss Weimar und der Marstall vom Schloss der war der Marstall war
[30:17] dort hat die Gestapo ihren Sitz gehabt also die im Schloss saß die saßen die Vernehmer und was weiß ich und im Marstall war der Gefängnisbau dort haben sie mich hingebracht ich musste aussteigen und da hat mich äh ein Typ von dem von der vom von dem
[30:43] Gestapogefängnis übernommen der Name den Mann vergesse ich bis bis an mein Lebensende nicht der Name Unterscharführer Bachner war beim SD beim Sicherheitsdienst gab ja bei der SS noch den Sicherheitsdienst und der hat mir gleich ohne irgendwas der kam
[31:06] mit dem Schlüsselbund und hat mir mit dem Schlüsselbund ins Gesicht gehauen ich bin natürlich zu Boden und dann ist er mit den Füßen auf mich drauf wie ein Wahnsinniger das war ne Bestie ne wirkliche Bestie na ja und dann hat er mich am Kragen gepackt
[31:27] und rein geschleift ich war halb besinnungslos oder jedenfalls groß mitbekommen habe ich ni- nüscht mehr und hat mich da in ne Zelle geschmissen in der i- in der Zelle bin ich dann wie gesagt die war vielleicht so drei mal drei Meter so in da war nur Betonfußboden
[31:49] und der fiel nach der Mitte ab und in der Mitte war -n Abguss -n Gulli na ja und dort in der i- dort hat sich um mich kein- an dem Tag niemand mehr gekümmert ich hab nichts zu trinken nichts zu essen gekriegt es hat mich niemand nach Personalien gefragt
[32:10] oder was oder nicht gar nüscht na ja und da hab ich in der Zelle nun dann wurd es dunkel draußen und ich hab mich in der Zelle in so ne Ecke gelehnt war nüscht kein Möbiliar nüscht drin die war leer nur der Betonfußboden und bin wohl dann eingeschla-
[32:33] eingenickt mit einmal ging in der Zelle Licht an und da kamen für vier äh vier Typen von der SS das müssen müssten ich kannte damals die Dienstgrade noch nicht höhere Offiziere gewesen sein weil die hatten alle silberne Kordeln an der Mütze und und silberne
[32:56] Raupenschlepper und Ledermäntel an und die waren besoffen und weil ich nun nicht gleich aufge- aufgesprungen bin in der in der äh Polizeihaft wenn da ein Polizist reinkam und man hat gesessen musste man nicht unbedingt aufspringen aber da »du Dreckschwein
[33:17] du Sau warum stehst du nicht auf ?« na und ich v- irgendwie Wiederworte geben konnte man nicht oder was na ja und ich aufgesprungen und dann haben sie mich bemustert alle vier und haben sich nun so unterhalten was sie mit mir nun so alle anstellen würden
[33:39] »so was haben wir ja noch gar nicht hier gehabt na denn den Vogel den werden wir uns aber« und dann haben sie schwadroniert eben wie so Besoffene sind das hat vielleicht so 15 Minuten gedauert und dann sind sie raus Licht ging wieder aus na ja und dann
[34:01] war ich wieder in meiner Zelle allein na ja und dort am nächsten Tag hat mich Unterscharführer Bachner wieder mitm Schlüsselbund geholt und hat mich in die in den Wachraum geführt dort wurden die hatten ja die Akte alles da dort wurden die Personalien
[34:20] nochmal verglichen und dann wurde ich in ne Gemeinschaftszelle gesteckt die war wieder die Zelle war nicht na ja auch vielleicht auch so groß wie der Raum hier und die war überfüllt und das der Bau war äh äh so -n Neubau und wir lagen oben im im im zweiten
[34:41] Stock genau unterm Dach und das Dach war ein Holzdach mit so nem Pappdach weil Ziegeln und so was waren ja wahrscheinlich zu der Zeit schon Mangelware im Nazireich und wenn die Sonne da drauf gestanden hat da war ein Thermometer hatten wir ja nicht aber bestimmt
[35:04] vierzig Grad in dem Raum es war so warm war ein Wasserspülklosett in der Ecke für alle Mann das wa- da- dass einer die Wasserspülung gedrückt hat und der andere hat aus dem Wasserspülklosett Wasser getrunken weil wir nichts zu trinken hatten na ja und
[35:24] dort drin war ich weiß ich nicht wie lange ob das nun fünf oder sechs Wochen waren und nach sechs Wochen wurde ich dann wieder der Polizei übergeben und kam in ne in eine Baracke am Güterbahnhof in Weimar in der Baracke die dort wurden alles Häftlinge
[35:51] die irgendwie transportiert werden sollten in eine andere Stadt oder zu ner anderen Dienststelle und so weiter die wurden dort alle gesammelt da hab ich hab ich für -n paar Wochen gesessen
[36:04] und dann mit einmal wurden wir raus gerufen noch mehrere und aufn
[36:12] aufn Güterbahnhof nach Weimar ge- geführt das war ja nicht weit von der Baracke so über die Ladestraße da war der Güterbahnhof na ja und da stand ein Waggon und dort mussten wir einsteigen in den Waggon die Tür wurde zugemacht und da war gerade Fliegeralarm
[36:35] da haben sie die Gustloff-Werke in Weimar äh bombardiert und die Flak hat geschossen und die Splitter sind durch die Gegend gesurrt aber uns ist Gott sei Dank da drin nichts passiert die Polizeiposten sind abgehauen die sind in den Splittergraben gegangen
[36:50] na ja und dann nach ner nach ner geraumen Zeit mit einmal wurde ne Lok angehängt man man merkt ja den Stoß wenn die gegen die Puffer fährt und dann zuckelte die mit uns ab mit dem Waggon und das ging dann das hat man gemerkt bergauf und da war ein Häftling
[37:13] mit drin der war schon mal in Buchenwald und der war au- äh äh -fem Außenkommando in Kassel hat er uns erzählt und der hat gesagt »Leute macht euch auf wat auf was gefasst jetzt gehts nach Buchenwald« na ja Buchenwald ich konnte mir unter Buchenwald
[37:34] überhaupt nichts vorstellen -n ein Wald ist war für mich ein Wald Buchenwald war hab ich mir eben nun gedacht na ja eben na ja ging eben bergauf vielleicht ne Dreiviertelstunde so ist der mit uns gezuckelt und damit blieb er stehen und da hörten wir hörten
[37:55] Hundegebell und Gebrüll draußen und na ja dann haben sie die Tür Waggontür aufgeschoben und da standen neben der Waggontür links und rechts so ne Kette SS-Männer und jeder hatte eenen Knüppel in der Hand oder Gewehrkolben oder oder -n Ochsenziemer
[38:21] was sie gerade so gefunden haben »raus ihr Schweine !« na ja und raus gesprungen und dann gabs schon Hiebe jede Menge Prügeln nun ich bin h- mitten in so nen Haufen gesprungen und hab denn das Glück gehabt und hab nicht einen einzigen Hieb gekriegt und
[38:43] wir mussten wir raus und uns auf der Lagerstraße anstellen ja können Sie sich ja vorstellen wie die Menschen da standen [gestikuliert] und ich hab keinen Hieb gekriegt und ich hab da gestanden und mit einmal kam ein SS-Mann auf mich zu so ein Hirte waren
[38:58] ja alles die die aktive SS waren ja meist -n Meter achtzig über -n Meter achtzig groß der hatte so -n Gummi-Kradmantel an und ne Maschinenpistole umhängen Stahlhelm auf kam auf mich zu »du bist ja ne flinke Sau« und dann drehte er sich rum und ging
[39:22] wieder das hat ihm wahrscheinlich imponiert dass ich ich war ja der Jüngste in dem Haufen dass ich so schnell da in meiner Abteilung die wir antreten mussten gestanden habe
[39:38] na ja und dann haben sie alle zusammen aufgestellt das waren na an die fünfzig
[39:45] Mann bestimmt der Waggon war proppenvoll dort hat einer am anderen gestanden war ziemlich eng dort drin ich schätze dass es so fünfzig Mann waren wie viel es waren weiß ich nicht und dann kam das Kommando »im Laufschritt Marsch« und dann waren wir so
[40:04] in Viererreihen nebeneinander im Laufschritt Marsch und dann ging es vom Bahnhof Buchenwald übern Carachoweg das nannte sich der Carachoweg auf dem Weg wenn ein Häftling außerhalb des Lagers das war außerhalb des Lagers außerhalb des Lagers geführt wurde
[40:22] im SS-Bereich zu irgendwas der durfte dort nur im Laufschritt na nun gingen die fuffzig Mann im Laufschritt da lang da waren ältere Leute bei ich hab nur immer äh Obacht gehabt dass ich meinem Vordermann nicht auf die Hacken trete oder was und selbst da
[40:43] irgendwie zu Fall komme und äh -n paar Mann zwei oder drei Mann die lagen da auf der Lagerstraße mit dem Gesicht nach unten leblos was nun mit denen war weiß ich nicht die sind da liegen geblieben wir ins Lager und da kamen wir bis ans Lagertor am Lagertor
[41:07] wieder der SS die SS-Posten die da standen haben gezählt genau wie viel Mann das waren mussten wir rein ins Lager und auf der linken Seite wo der Bunker wo der Bunker war die Mauer vom Bunker mussten wir mitm Gesicht zur Wand uns dort an der a- alle anstellen
[41:29] und warten bis die äh äh bis bis die Herren nun sich klar waren was sie mit uns machen und hinter uns ist immer einer SS-Posten auf und ab marschiert damit ma uns nicht um- bloß nicht guckt oder macht und nach ner gewissen Zeit das kann ne Stunde gewesen
[41:51] sein das können auch zwei drei Stunden gewesen sein ich weiß es nicht kam der Befehl »antreten !« ham wir wieder uns an- in Viererreihen aufgestellt und dann kam ein SS-Offizier ich sehe das Bild noch wie heute in in Stiefeln Breecheshosen Hemd und die
[42:16] Hemdsärmeln aufgekrempelt war ja im Sommer im Hochsommer kam durchs Tor die SS-Posten haben alle die Hacken zusammen geknallt und der auf uns zu »ich möchte Ihnen nur eines mitteilen in meinem Lager gibt es nur Lebende und Tote« und dann hat er sich rum
[42:40] gedreht und ist wieder gegangen das war die Begrüßung das war der wir hatten dann hinterher lernt man sie nich kennen indem man mit ihnen zu tun gehabt aber das war der erste Schutzhaftlagerführer Schobert SS der war damals Hauptsturmführer Hauptmann im
[43:05] Rang vom Hauptmann und das war der erste Schutzhaftlagerführer und dann mussten wir im Laufschritt weil wir angetreten waren nicht brauchten uns nicht wieder an die Wand zu stellen im Laufschritt nachm nach der Desinfektion am Krematorium vorbei nach der
[43:25] Desinfektion ich muss nochmal einen Sprung zurück machen ich hab äh einen Tag bevor ich weg transportiert wurde musste ich nochmal zur Gestapo und mei- musste meinen Schutzhaftbefehl unterschreiben haben sie mich zur Gestapo Weimar gebracht zu einem so
[43:44] nem Typen der hatte so ein rotes Blatt DIN A4 liegen obendrauf obendrauf stand Schutzhaftbefehl und dann meine Personalien alle »wird aufgrund des Reichsrassengesetzes« den Paragraph weiß ich jetzt aus dem Kopf nicht nicht mehr »wird aufgrund des Reichsrassengesetzes
[44:05] in Schutzhaft genommen auf unbestimmte Zeit nicht unter 15 Jahren« und das musste ich unterschreiben und dann haben sie mich wieder in die Transportbaracke ge- gebracht und dann gings nach Buchenwald na ja
[44:17] und das jetzt waren wir dann sind wir im Laufschritt
[44:21] zum äh Desinfektion in der Desinfektion saßen Häftlinge die haben Haarschneidemaschinen gehabt die saßen auf solchen Schemeln und hatten Haarschneidemaschinen und haben uns alle Haare geschnitten die ein Mensch hat auf dem Kopf unter den Armen an den
[44:43] Leisten und überall und dann saßen war so -n war so -n länglicher Raum und in dem Raum am hinteren Ende saß auf der linken Seite -n S- -n SS-Mann in hat einen weißen Kittel an und rechts stand einer mit nem weißen Kittel und da war wie ne wie ne Tür
[45:07] ne Türöffnung konnte man gar nicht sagen man hat nur -n weißen son son grauen Vorhang gesehen und dahinter war ne war ne war ne war ne Tür war war keine Tür drin war bloß ne Öffnung na ja und wer dann die Haare geschnitten hatte musste dahin und sich
[45:26] bücken und da hat der der auf dem Schemel saß einem hinten rein geguckt ob man nicht irgendwas schmuggelt oder nehme ich an und der andere der hat dann äh einen Tritt hinten rein gegeben und dann ging es durch den Vorhang dort hält sich niemand auf den
[45:43] Beinen wenn einen so ein Hirte geg- gegen die SS-Leute sind Sie klein nicht klein aber das waren alles so ne [gestikuliert] Hirten und auf der anderen Seite war ein Becken vielleicht so drei Meter lang zwei Meter breit en Meter fuffzig tief und dort war Entlausungsmittel
[46:00] drin Kubrex nannte sich das damals ich weiß nicht obs das heute noch gibt und dort ging man kopfüber rinn dann können Sie sich vorstellen Augen Nasen alles voll von dem Zeug dort hat man schon zu tun dass man so da raus kam aus dem Becken raus und dann
[46:19] musste man draußen vor der Desinfektion nackig so wie man war wieder in Viererreihen antreten bis alle durch waren der Transport der jetzt kam mit uns dort ankam und dann gings wieder im Laufschritt zur Kammer ist nicht weit äh in Buchenwald von der Desinfektion
[46:42] zur Kammer hundert Meter noch keine hundert Meter aber im Laufschritt und dann mussten wir im Kammergebäude hoch die Treppen hoch und dort kriegt man wird man ein- so genannt eingekleidet -n Paar Holzpantoffeln eine Hose eine Jacke eine Mütze Schluss aus
[47:02] Feierabend kein Hemd keine Strümpfe kein nichts gar nüscht wurde das wurde einem an den Hals geschmissen passt und raus und unten wieder antreten dann haben wir unten wieder gestanden bis sie alle fertig waren ich hatte Paar Holzpantoffeln [gestikuliert]
[47:20] so ne so ne Elbkähne ich konnte nur und wie wir dann alle fertig waren SS-Posten links und rechts vielleicht drei vier »im Laufschritt Marsch !« auf der Lagerstraße ich weiß nicht wer schon mal in Holzpantoffeln gelaufen ist normal gelaufen wenn sie
[47:45] und dann meine noch zu groß sind dann im Laufschritt nach drei Schritt hatte ich keine Pantoffeln mehr die waren weg und man durfte sich aber nicht etwa bücken nach dem was man dort verloren hatte dort mussten die hinteren Reihen von den von den von der
[48:02] Gruppe mit der mit der wir da äh laufen mussten mussten i- ihre Jacken wieder ausziehen und die liegen gebliebenen Holzpantoffeln einsammeln in den in in in der Jacke und dann ging es eben im Laufschritt weiter im und barfuß die Lagerstraße lang und dann
[48:24] ins Kleine Lager in das so genannte Kleine Lager
[48:29] dort kam ich nach Block 59 in die Qua- ins Quarantäne-Lager na und dort im Block 59 war ich vier sechs Wochen die Blöcke die die waren waren normalerweise Pferdeställe ich weiß nicht ob von der
[49:00] Armee oder von der SS das kann ich nicht sagen das waren früher Pferdeställe v- an der Stirnseite und an der anderen Stirnseite war ein Eingang und rechts und links überhaupt waren wo früher die Pferde gestanden haben waren so ne Boxen eingebaut Holz aus
[49:21] Holz dreistöckig äh und in diesen Boxen haben dann die die die Häftlinge gelegen aber so eng war das alles das man wenn man sich in rumdrehen wollte musste und der Nachbar hat sich nicht mit gedreht ging es nicht so ähnlich na ja das war am ersten
[49:51] Tag und Ungeziefer Flöhe Wanzen unmöglich am nächsten Tag und in der Mitte wo der Gang war v- wo früher die Pferde lang geführt wurden und so weiter standen Tische und Bänke u- und dort ko- hatte jeder von den Häftlingen sollte jeder einen Platz haben
[50:20] na ja und äh in der Nacht das waren Pappdächer oben in der Nacht da ist oben da hats immer gepoltert und bum bum bum bum so oben auf dem auf dem Dach ich hab einen von den älteren Häftlingen die die schon länger da drin waren ich sage »was läuft
[50:46] da S- die SS oben auf dem Dach lang ?« sagt »was ? die SS ? nee hier hier kommt keine SS her das sind Ratten« [gestikuliert] so ne Viecher [lacht] manche Katze ist klein gewesen gegen na ja und am nächsten Tag mussten wir wieder in dem Gang antreten und
[51:12] da kriegte jeder seine Nummer und den Winkel weil bei der Häftlingsbekleidung war hatte man die Häftlingsnummer gehabt und darüber den Winkel äh Politische hatten rot die Kriminellen grün und und und und wenn ich Ihnen jetzt die ganzen Farben aufzählen
[51:37] würde dann na ja und v- ja die Stubendienste die da waren waren Häftlinge die sagen »das müsst ihr euch auf die linke Seite auf die Brust anmachen und auf die rechte Seite an Hosenbein anmachen« ja mit mit anmachen mach dat mal an mit wat denn ? na
[51:58] ja dann ging die Sucherei los und das Gemache und Gefrage und Gemache na ja und dann haben wir vom vom vom Stubendienst so ne großes wie wie ne Sacknadel so ne krumme Nadel mit mit äh Bindfaden gekriegt an dann haben wir uns die Nummer angemacht und so weiter
[52:18] und weil wenn wir am nächs- am nächsten Zählappell ohne die Nummer angetreten wären dann hätten wir den Zählappell nicht wahrscheinlich nicht überlebt na ja und dort wurde äh im kleinen Lager war ich vielleicht na ja sechs sechs Wochen
[52:40] war meist
[52:43] so die Quarantänezeit und dann wurde ich verlegt ins große Lager in Block 42 das war ein politischer Block der am mei- der meist mit Deutschen belegt war und mit Reichsdeutschen aus dem Protektorat äh Böhmen-Mähren damals wo wo die Nazis die Sudeten
[53:07] eingekreist hatten und auf dem Block kam ich und aufm A-Flügel das ist das ist ein Steinblock Block 42 war ein Steinblock unten Parterre und dann noch ein Stock drüber außen an der an der Blockwand ging die Treppe für die beiden Flügel oben nach oben
[53:33] unten links war der A-Flügel rechts war der B-Flügel oben links war der C-Flügel und rechts war der D-Flügel so wurden die damals benannt und ich kam unten aufn A-Flügel und aufm A-Flügel hat auch der Blockälteste gelegen na ja und dort den ersten
[54:00] Tag m- brauchte ich auf keine Arbeit oder was und dann hat kam der Blockälteste das war auch ein Häftling aber einer der schon damals das hat man auch an der Nummer gesehen der hatte eine dreistellige eine dreistellige Nummer also war einer von den 300
[54:24] Häftlingen 350 Häftlingen die als erste ins Lager kamen und auch das Lager aufgebaut haben und der kam dann zu mir und das war das erste Mal dass sich ein Mensch mit mir wie ein Mensch unterhalten hat hat mich gefragt und alles und und was na wie mein Werde-
[54:46] und was noch alles so ist warum und weswegen und na ja und dann haben sie mir einen Platz zugewiesen wo ich mich hinsetzen konnte und -n -n Bett in dem ich schlafen konnte zu der Zeit als ich ins Lager kam 44 waren die Blöcke schon ziemlich überbelegt wir
[55:18] haben mit drei Mann in einem Bett geschlafen das heißt wir haben natürlich die schmalen Betten kann man nicht mit drei Mann drin schlafen da kann ein Mann mal gerade drin schlafen das war so dass immer umschichtig ein Mann im Bett und die anderen auf der
[55:35] Erde ihre Decke entweder haben sie sie zusammengerollt im Sommer zusammengerollt untern Kopf und so hingelegt und im Winter geheizt wurde wurde ja nicht na ja aber wo viele Menschen zusammen sind ist es doch immer wärmer wie wenn ein Raum eben nich bele-
[55:51] überhaupt äh ohne ohne Menschen belegt ist ist kalt sind aber viele Menschen drin ist der Raum wärmer es ist natürlich keine zehn fuffzehn Grad wärmer aber überschlagen na ja und am nächsten Tag musste ich m- musste ich zur Arbeitsstatistik und da
[56:15] wurde ich eingeteilt für das Kommando Steinbruch
[56:18] äh meist also die meisten nicht immer aber die meisten Häftlinge Neuzugänge kamen erst ins Kommando Steinbruch na ja und da musste ich dann am übernächsten Tag früh nachm Zählappell jeden früh mussten
[56:40] die sämt- das gesamte Lager alle Blöcke außer denen Küche Kammer und Wäscherei und so weiter und alles die Funktionen hatten die brauchten nicht auf den Appellplatz die wurd- die waren die das das nannte sich kommandiert die wurden im Kommando gezählt
[57:01] die brauchten nicht nach aufn Appellplatz antreten aber sonst alles andere musste auf dem Appellplatz antreten na ja und dann die Blöcke die standen dann immer in zehn Mann hintereinander und dann im wenn jetzt zehn also wenn der Blockführer kam und hat
[57:23] gezählt zehn Mann der ist erst an der Seite und wenn der Block müssen Sie sich wie so -n wie das wir machen das Buch [gestikuliert] das Buch ist der Block so hier stehen jetzt zehn Mann hintereinander angetreten und dann die Reihen lang kann man braucht
[57:44] man ja bloß ausrechnen zehn Mann stehen 34 Reihen also 340 müssten 340 Mann sein oder wenn dann hinten bloß in einer Reihe zwei oder drei Mann stehen en- dementsprechend musste der das zusammenrechnen na ja und dann kam der Blockführer und ging erst an
[58:07] der Seite lang [gestikuliert] und hat gezählt »ja stimmt« dann ist er hier vorne lang marschiert und hat gezählt und dann in der letzten Reihe hat geguckt wie viel Mann da stehen na ja und dann musste der den wenn er dann gezählt hatte und oder wenn
[58:28] ihm irgendwas nicht gefallen hat hat er den ganzen Block durcheinander gebracht da hat der den ganzen Block zusammen gehauen der ist mit Händen und (Ballen) und Füßen dazwischen wie ein Berserker zwei oder dreimal hab ich es erlebt nicht immer wir hatten
[58:46] auch Blockführer äh meist die äh damals 44 gabs bei der SS welche die von der Armee von der deutschen Wehrmacht zur SS überstellt wurden die hatten aufn auf auf ihrer Jacke oben keinen Totenkopf sondern ein Hakenkreuz und daran hat man gesehen das waren
[59:11] Soldaten der Armee die früher bei der Armee waren weswegen die nun zur SS überstellt wurden weiß ich nicht wahrscheinlich hatten die zu wenig Leute oder was ich weiß es nicht und wir hatten auch Blockführer die waren ganz in O- Ordnung die haben sich
[59:32] zwar nicht mit uns verbrüdert oder was das waren ja die Herren die haben gezählt und wenn es gestimmt hat dann sind sie wieder gegangen hoch nachm äh nachm Rapportführer der saß oben wenn da wenn man auf wenn man von der Torseite von der von der Außenseite
[59:46] aus steht links ist links der Häftlingsbunker gewesen und rechts saß der Rapportführer also die nie- die niedere Verwaltung was äh der Schutzhaftlagerführer hat außerhalb des Lagers im Kommandanturbereich gesessen aber die Rapportführer waren äh Schar-
[1:00:09] O- Hauptscharführer Oberscharführer also Feldwebel und so alles so wie bei der Armee genau wie bei der Armee haben die ihren Dienst getan und die Rapportführer waren alles alle beide zwei die wir hatten zwei Rapportführer einer Werle und einer Hofschulte
[1:00:26] zu meiner Zeit mit namens Werle und namens Hofschulte und das waren beides Hauptscharführer also Haupt- im Rang vom Hauptfeldwebel na ja und jetzt hat hab ich den Faden verloren
[1:00:43]
[1:00:47] Sie sagten dass einige dazwischen gegangen sind immer beim Appell
[1:00:51] [gleichzeitig:] ach so ja ja während -n Appell und äh dann beim Frühappell ging es schnell das Zählen der kam hat gezählt hoch und da oben hat der Appell sofort gestimmt [betont:] meist gestimmt und es dauerte so ne Dreiviertelstunde und da war der
[1:01:09] Appell ge- ge- gelaufen und da mussten wir gleich von dem Block aus zu dem Kommando und das Kommando Steinbruch ha- ist angetreten [gestikuliert] quer vorm Bunker innen aber innen so wenn Sie wenn ich weiß nicht ob Sie Buchenwald kennen wenn Sie jetzt vor
[1:01:30] so vorm hier ist Tor und da ist ist der Bau vom Bunker und hier ist das Kommando Steinbruch angetreten und da gings dann von von da aus nachdem die Kommandos alle fertig waren gabs das Kommando »Abmarsch« und durchs Tor da wurde wieder gezählt damit je-
[1:01:52] jedes Kommando stimmt und dann ums Lager rum bis in nen Steinbruch
[1:01:57] na ja und im Steinbruch wurde ich eingeteilt ins Trägerkommando na ich konnte mir dadrunter nüscht vorstellen was (das war) Träger oder Nicht-Träger oder was weiß ich und der Steinbruch
[1:02:14] in Buchenwald ist ja wenn noch heute wenn Sie die wenn Sie heute sehen die Rampe die auf wenn Sie aufn Steinbruch zugehen auf der linken Seite so ne Rampe die geht so schräg runter vielleicht so sechz- fünfzig sechzig Meter so runter und die mussten das
[1:02:45] Trägerkommando wir waren so ungefähr zwanzig Mann mussten die Rampe runter laufen aber nicht nicht schlendern im Laufschritt runter unten wo dann lagen große Haufen Steine sich -n Stein nehmen dort stand wiederum ein ein meist ein Vorarbeiter von von
[1:03:07] en Häftling stand da und dann musste man -n Stein nehmen den Stein auf die Schulter im Laufschritt die Rampe hoch den Stein oben abschmeißen im Laufschritt wieder runter den nächsten Stein hoch runter hoch runter und so ging es bis mittags um zwölf um
[1:03:29] zwölf war ne halbe Stunde Pause aber die halbe Stunde Pause war nicht um den Häftli- denen den Häftlingen ne Erholung zu gönnen sondern in der halben Stunde haben die SS-Posten die dort waren ihr Mittag gekriegt und dann haben die Mittag gemacht [lacht]
[1:03:52] wir haben keins gekriegt und die SS-Posten die haben dann Mittag gegessen und das waren ne ganze Reihe Posten weil der Steinbruch war Richtung sagen wir mal wenn man so hier das verlängert Richtung Erfurt hin war der Steinbruch offen also man hätte in
[1:04:17] das freie Gelände laufen können und dort stand ne SS-Postenkette jede zwanzig Meter ein SS-Mann damit die äh Öffnung Richtung aus dem Steinbruch raus eben geschlossen war na ja und nach ner halben Stunde haben die Häft- die SS-Leute gegessen das hat
[1:04:46] manchmal auch länger gedauert weil die haben sich nicht so genau an die halbe Stunde gehalten die das konnte sich die SS ja leisten und in der Zeit durften wir uns aber nicht hinsetzen wir mussten stehen hinsetzen durften wir uns nicht wir brauchten aber
[1:05:02] in der Zeit nicht arbeiten aber stehen nicht hinsetzen na ja und dann nach der halben Stunde oder vielleicht vierzig Minuten manchmal ging es dann weiter und dann ging es weiter bis um ach- halb s- meist halb sechs abends rauf und runter rauf und runter und
[1:05:26] in dem Kommando hätte ich höchstwahrscheinlich keine 14 Tage überlebt so
[1:05:35] und in dem das war das Kommando was die meisten Toten hatte dort haben wir meist am a- am Schluss am Ende der Arbeit des Arbeitstages fünf sechs sieben zehn zwölf 13 Tote mit
[1:05:54] rein getragen die mussten dann von dem Kommando mit rein geschleppt werden wurden dann beim wenn sie durchs Tor rein kamen links dort wo der wo der äh wo das Kommando normalerweise frühs antritt dort wurden die Toten abgelegt einer neben den anderen und
[1:06:20] wurden dann von der SS die dort am Tor Wache gemacht hat gleich übernommen weil der Abendappell musste ja stimmen wenn sie die gleich ins Krematorium gebracht hätten hätte der Abendappell nicht gestimmt und des- deshalb haben die übernommen die haben
[1:06:36] dann gezählt Kommando Steinbruch zum Beispiel sechs Tote das war alles das genügte und dann von da hat sie die das Leichenträgerkommando geholt und nachm Krematorium gebracht damit wurde ja war der Fall erledigt und im Krematorium wurden ja dann den Häftlingen
[1:06:58] die die den Leichen die Nummern abgerissen und die Nummern wu- mussten dann aufgeführt werden und mussten dann dem Rapportführer wieder übergeben werden damit der wusste so so und so viel Leichen sind an dem an dem Tag ins Krematorium gekommen musste der
[1:07:19] mit zu seinem Appell zusammenrechnen na ja ist ja auch egal und dann gings rein im Block waren meist so nach sechs viertel sieben im Block dort äh stand das Essen vom Mittag was normalerweise die Suppe vom Mittag die wurde wurde dann wieder in eine Schüssel
[1:07:44] gefüllt und durften wir schnell essen meist sind wir gar nicht dazu gekommen und dann kam schon wieder das Kommando »Aufmarsch zum Abendappell« na ja und dann mussten wir alles fallen lassen raus vorn Block und in Fünferreihen nebeneinander antreten
[1:08:05] an den Block und der Blockälteste ist dann erst lang gegangen und hat gezählt und hat dann zusammen addiert ob sein Ap- Appell des Blockes stimmt damit der musste ja dann auch da die hatten so ne Kladde die musste dann immer den Rapport- den Blockführer
[1:08:27] der kam übergeben mit den äh in der Kladde lagen dann auch die äh Besonderheiten die am Tag vorgefallen war und und Meldungen und was weiß ich und jeder Blockälteste hatte so eine Kladde und die hat er dann auf dem Appellplatz dem äh Blockführer übergeben
[1:08:51] und der hat die mit hoch genommen zum Rapportführer na ja und dann sind wir aufmarschiert ich hatte ja schon erklärt den die Antretordnung auf dem Appellplatz und wenn die Blocks alle aufmarschiert waren da kam durch den Lautsprecher oben auf dem auf auf
[1:09:11] dem Wach- ü- dem Gebäude überm Tor wo wo der wo die SS-Wache oben mit stand waren ja Lautsprecher und da hat der Lautsprech- durch den Lautsprecher ge- ge- gebrüllt »Mützen ab ! Stillgestanden !« na ja mussten wir die Mütze ab stillgestanden so an der
[1:09:34] Hosennaht und so lange still stehen bis das Kommando von oben kam »Mützen auf ! Stillgestanden !« und das ist erst dann meist passiert wenn der Appell gestimmt hat wir haben dort gestanden Stunden über Stunden den Abendappell dort brauchten sie uns ja nicht
[1:09:56] zum Arbeiten das war ja unsere Zeit die da die da äh äh kaputt gegangen ist na ja und äh dort haben wir am Appellplatz ein normaler Zählappell hat meist gestanden gedauert drei Stunden dreieinhalb bis vier Stunden das war ein normaler Abendzählappell
[1:10:19] und äh bei der Intelligenz der einzelnen SS-Leute es waren ja welche darunter [lacht] die die waren saublöd waren welche darunter ich will nicht sagen dass sie dass alle blöd waren aber die waren die waren auch intelligente darunter und wenn man nun so
[1:10:42] -n Idiot als Blo- als Blo- Blockführer gehabt hat und der den Block nicht richtig gezählt hat und nicht richtig oben abgegeben hat stimmt der Appell nicht und dann bleibt dann bleiben wir so lange stehen dann wird das Lager durchsucht und was weiß ich
[1:10:57] was die alles für Maßnahmen ergreifen wenn mal es fehlt einer ja der muss ran bevor der nicht da ist oder nicht geklärt ist wo der ist so lange stehen sie stillgestanden aufm Appellplatz am Weihnachts-Heiligabend 1944 am Weihnachts-Heiligabend Weihnachts-
[1:11:21] äh 1944 äh 44 auf 45 dort sind wir um halb sieben aufn Appellplatz aufgerückt und waren wieder im Block früh um dreiviertel sechs am ersten Weihnachtsfeiertag so lange haben wir aufm Appelplatz gestanden und das Wetter da draußen es w- wer Buchenwald
[1:11:45] kennt die Wetterecke kennt oben es ist ne Wetterecke dort kommt der Wind von allen Seiten und wirbelt sich da oben wie wir wie wie manche das oder wie wir das überstanden haben ich weiß es nicht na ja ist ja auch egal
[1:12:04] äh vom Kommando Steinbruch haben
[1:12:09] mich dann ältere Häftlinge die schon lange im Lager waren die Funktionshäftlinge die Funktionen hatten im inneren Lager raus gelöst und haben mich raus genommen ins Kommando ins Bauk- in ins Baukommando 3 dort hat dort brauchte ich nicht so schwer
[1:12:39] zu arbeiten der Kapo vom Baukommando 3 Robert Siewert hat die Vorarbeiter angewiesen die über unsere Abteilung äh äh nun Rechenschaft ablegen mussten und unsere Abteilung geführt haben er hat den Vorarbeitern gesagt sie sollen mich nicht so scharf einteilen
[1:13:05] sie sollen mich als sozusagen als Kalfaktor einteilen die Schü- beim Ess- Essen ausgeben Schüsseln aus- wieder ein bisschen auswaschen und so so Nebentätigkeiten ich brauchte nicht mit der Hacke und nicht mit der Schippe in den Graben und dort im ich war
[1:13:26] im im ein in der Abteilung diese Abteilung lag war in der in SS äh in der SS-Truppengarage mussten wir so tiefe Schächte aus- sollten so tiefe Schächte ausgehoben werden die waren ungefähr vier Meter breit und na ich habs nicht abgemessen aber so
[1:13:54] nachm Auge vielleicht zwanzig 25 Meter lang dort sollten Benzinkessel rein die Benzinkessel lagen schon da und wir hatten da so ung- wir waren ungefähr in ein Meter fuffzig Tiefe so das war so [gestikuliert] so tief ungefähr und an einem Tag kamen der
[1:14:19] war gerade Mittag zu Ende war 1944 der 24ste August na ja 44 24ster August und mit einmal Fliegeralarm na Fliegeralarm war ja fast jeden Tag so wie die Flugzeuge meist wenn sie nach Ber- wenn sie wenn sie kamen meist nach Berlin flogen und und so weiter
[1:14:48] jetzt in die Ecke hier hoch die sind immer so ziemlich [gestikuliert] überm Ettersberg geflogen die Pulks die ziemlich hoch na ja kam Fliegeralarm hat sich keiner drum gekümmert wir haben gedacht wer weiß wat dat da is und mit einmal kamen zwei große viermotorige
[1:15:06] Flugzeuge so so ungefähr in in in in einer Höhe von tausend Metern angeflogen und haben rundum um [gestikuliert] hier war die SS-Truppengarage nachfolgend waren die Gustloff-Werke in den Gustloff-Werken haben sie äh Karabiner hergestellt Waffen eben Waffen
[1:15:29] hergestellt und dort waren z- zehn oder zwanzig große Hallen wo drinne produziert wurde und über das ganz A- -lände äh Gelände haben sie Rauchzeichen abgeschmissen an vier Ecken und ungefähr zehn Minuten später kamen die Pulks auch von Richtung Erfurt
[1:15:53] angeflogen [imitiert das Motorengeräusch] da kamen sie an rein geflogen in die Rauchzeichen und haben die Bombenschächte aufgemacht also dann was da los ging und wie die wie die ersten die ersten Bomben fielen bin ich in den Graben gesprungen nicht nur
[1:16:17] ich alleine vielleicht auch andere Häftlinge ich weiß es nicht und dann Schutz gesucht dort das hat ungefähr na ne halbe Dreiviertelstunde gedauert mhm sagt man heute manche mal vielleicht hats auch bloß zwanzig Minuten gedauert wo die drüber geflogen
[1:16:40] sind und haben ihre Bomben runter geschmissen von den Gustloff-Werken und von der Truppengarage ist nichts übrig geblieben gar nüscht das haben sie kurz und klein geschmissen und ich hab dann nur noch en Knall gehört und en dumpfen Knall und das war aus
[1:16:58] dann war ich verschüttet weg da muss irgendwie entweder hats den den Schacht zusammen gedreht oder hat äh Erde rein geschmissen weiß ich nicht war ich verschüttet und ich hab ganz großes Glück gehabt weil Buchenwald ist son Schiefer- Schiefer-Kalkgestein
[1:17:27] meist son Plattengestein und dort hat sich die bei mir hat sich dieses Gestein verfangen bisschen und ich hab noch wenig Luft gekriegt wie wie lange ich da drin gelegen habe weiß ich nicht kann ich nicht sagen weil in in in so ner in in so ner Situation kann
[1:17:52] niemand einen Zeitpunkt feststellen dann wurden die SS-Posten die unser Kommando begleitet haben die haben sie gesucht und dabei haben sie mich mit ausgebuddelt da hab ich das ist mein Glück wenn sie die nicht gesucht hätten läge ich heute noch in allerdings
[1:18:15] meine Knochen in Buchenwald da oben na ja ich hatte dann hier [zeigt an seine Schläfe] im Schläfenbein wenn Sie jetzt noch hin fassen so en großen Metallsplitter
[1:18:33] ich bin dann mehr gekrochen wie gelaufen zum Block dort gab es am Tor keine Kontrolle
[1:18:42] mehr kein SS-Mann mehr die die haben vollständig neben den Schuhen gestanden die waren fix und fertig das haben die nicht begriffen dass es eine Macht gibt die ihnen Herrenmenschen Herren der Menschheit noch was auf den Kopf schmeißen das haben die nicht
[1:19:02] begriffen na ja durchs Tor ins Lager und in den Block das hat eine eine gewisse Zeit gedauert bis sie die Ordnung soweit hergestellt hatten dass die Kommandos wieder regelmäßig ausgerückt sind und ich war im Block mein Blockältester hat nach dem
[1:19:25] Bombenangriff gabs Krankmeldungen vorher gabs auch Krankmeldungen aber man musste damit rechnen na schicken sie dich nachm Häftlingsrevier kommste nicht wieder na ja die haben dann versucht mich zu die Stubendienste haben mich (beduckt) dass ich brauchte
[1:19:45] nichts machen es aber das wurde immer schlimmer das hat geeitert geschwollen und geeitert und alles und da hat der Blockälteste gesagt »du musst du musst ins Revier weil« sagt er »so geht das nicht weiter« vorher hat er gesagt »wir wir schicken ihn
[1:20:04] nicht ins Revier wenn wir wenn wir den Gert ins Revier schicken sehen wir den nicht wieder« na ja ich ins Revier dort in der äußeren Ambulanz die für für die verantwortlich waren für äußere Verletzungen saß en auch einer aus Langensalza ein Häftling
[1:20:25] Erich Mogk ich dahin äußere Ambulanz der hat sich das »ne« sagt er »da können wir nichts machen du musst rüber zum OP« sagte der »das das übernehmen wir nicht du musst zum OP« sagt er »so leid es mir tut« aber na ja und ich nun in den OP 1 der
[1:20:50] war neu gebaut war unten und oben im ersten Stock und nachm ersten Stock oben war ein Operationssaal unten ging so eine Treppe hoch auf der Treppe saßen schon Häftlinge hab ich mich mit dazu gesetzt und geharrt der Dinge die da kommen sollen mit einmal
[1:21:15] kommt der Chef vom Häftlingskrankenbau Ober- Hauptsturmführer Schiedlausky sieht mich ich bin ja nun durch meine dunkle Hautfarbe überall aufgefallen »was los ?« aufgesprungen gemeldet »Häftling 49000 zur v- zur v- Behandlung« »mitkommen !« mitten
[1:21:45] aus dem Haufen raus mit ihm die Treppen hoch im OP und da hatten sie gerade einen Häftling der hat geschrien gebrüllt ich weiß nicht was sie mit dem gemacht haben in in son Nebenraum da waren auch Geräte und und medizinische Geräte und alles drin
[1:22:09] dann hatten sie mir Papierbinden drum gewickelt zu der Zeit aber hat- sie hatten ja nüscht mehr haben sie Binden aus Papier gehabt Papierbinden hat er abgerissen was er nun gemacht weiß ich nicht weil ich hab so halb links aufm Schemel gehockt und er hat
[1:22:33] hier gestanden hm und dann hab ich gemerkt wie er da dran rum und dann hat er die Wunde aufgemacht »Stück Eisen drin !« (_) Stück Eisen das war wohl Blech oder Metall was wei- was was en Metallsplitter auf jeden Fall dann hat er ich nehme an ne Zange versucht
[1:22:56] den raus zu ziehen und ist immer wieder abgerutscht ging nicht ich hab gedacht ich geh kaputt Schmerzen so ne Schmerzen hab ich noch nicht ich weiß es nicht na ja und dann mit einmal Moment Ruhe und dann muss er wohl wie ein Meißel und ein kleines Hämmerchen
[1:23:18] genommen haben [gestikuliert] und dann fing er an bei jedem Hieb der Kopf ging wie ein Luftballon er hat ihn aber rau- er hat ihn raus gekriegt hat dahin gel- man hat wohl gehört dass es Metall ist in so ne wie ne Petrischale rein geschmissen dann hat er
[1:23:35] gebrüllt »komm Häftling« da musste der mir wieder ne Papierbinde drum wickeln »raus !« und dann hat er mich raus geschmissen und die Sache war erledigt und da hab ich hab ich immer noch Glück gehabt ich bin die Treppen runter und auf die Lagerstraße
[1:23:53] hatte vielleicht von da bis zum Block na ja 500 5- 600 Meter und auf der Lagerstraße bin ich bin ich zusammengebrochen und bin dann auf allen Vieren zum Block gekrochen und wie ich im Block zur Tür rein kam sagt der Blockälteste »Gott sei Dank Mann
[1:24:15] Gert hast du Glück gehabt« sag ich »wieso ?« dann sagt er »so ne so ne Leute wie dich schlag- machen d- d- die die bringen sie um da mache- haben die ihren Spaß dran spritzen Benzin in die Adern oder oder erschlagen oder was weiß ich und damit haben
[1:24:35] wir gerechnet« na ja sagte »gut alles gut« na und dann hab ich und ne gewisse Zeit braucht ich nicht arbeiten nüscht der Stubendienst die haben meine Wunde versorgt die haben dann über Beziehungen irgendwie Wasserstoffsuper- äh Wasserstoff besorgt zum
[1:24:59] zum sauber machen und richtige Binden besorgt und und und und dann wurde ich versetzt nachm Kommando Gerätekammer Kommando Gerätekammer
[1:25:18] hatte ne ne kleine Außenkom- Außenkommando waren wir waren drei Mann zwei Mann waren Tischler und ich da stand
[1:25:30] so ne kleine Bude außerhalb der Gerätekammer hinter Block fuffzig nach der Gärtnerei zu und äh dort musste ich Altstoffe sammeln und Knochen sammeln und alles alles für den Endsieg alles was von der Küche kam alte Klamotten wenn Transporte kamen das
[1:25:52] wurde dann in Ballen gepresst stand so ne Presse so ne Hebelpresse und und so ne Stricke drum oder Bänder drum das wurde dann abgeholt weiß ich was sie damit gemacht haben das haben die alten Häftlinge getan um mich aus den Augen der SS weg zu kriegen
[1:26:15] weil dort kamen recht wenig SS hin und wenn mal -n SS wirklich -n SS-Mann sich verlaufen hat dahin der wollte irgendwas von den Tischlern dass die für ihn irgendwas was weiß ich was der nun braucht Kästchen für seine für seine Stoßdame oder was weiß
[1:26:39] ich alles na ja und da war ich bis zum Ende in dem Kommando so nun unterbrechen wir mal einen Moment [Schnitt] na ja und in diesem Kommando Gerätekammer war ich bis zum Schluss bis zum Tag der Selbstbefreiung Buchenwalds ich äh und der Tag war
[1:27:09] der elfte April 1945 mein der eine Häft- Tischlerhäftling der bei mit mir zusammen im Kommando war hatte für meinen Blockältesten im Block 42 irgendwas gebastelt weiß ich nicht und hat er in nen Lappen eingewickelt hat er mir in die Hand gedrückt
[1:27:43] sagt er »Gert geh da mal« war Mittag um na das muss so um dreiviertel halb dreiviertel zwei gewesen sein nachm Mittag »geh mal nach deinem Block Block 42 nach deinem Blockältesten hin und bring ihm das« ich hab nicht geguckt wat da drin war oder was
[1:28:04] ich bin los gegangen übern al- und als ich am Appellplatz vorbei die Lagerstraße gegangen bin da gingen mit einmal die Sirenen nicht auf Luftalarm auf auf Feindalarm und Feindalarm war zu der Zeit drei Minuten Dauerton da ich dachte »was ist denn
[1:28:33] nun los ? Feindalarm ?« und der Rapportführer brüllte durch die durch die durch die Lautsprecher »sämtliche SS-Leute sofort das Lager verlassen !« und hat er aber bestimmt zehn Mal hintereinander »sämtliche SS-Leute sofort das Lager verlassen ! Befehl
[1:28:56] vom Lagerkommandanten ! sämtliche SS« und so ging das ich dachte wat ist denn hier ? ist doch nicht normal na ja und da hat man gesehen dass einzelne SS-Leute die im Lager waren zum Beispiel die Kommandoführer von der Küche und so weiter die haben sich
[1:29:18] ihr am Lager im am Tag im Lager aufgehalten und haben den Häftlingen in der Küche auf die Finger geguckt damit die nicht so viel fressen wie die im Laufschritt übern Appellplatz nachm Tor hoch na ja und ich bin dann weiter mit einmal sehe ich -n Häftling
[1:29:39] übers La- so schräg übern Appellplatz rennen nicht hoch nachm Tor so schräge nach der rechten nach der Seite auf der Seite wo das Häftlingsrevier war mit nem Karabiner aufm Buckel ich hab drei ich hab vier Mal hin geguckt ich hab gedacht »Schramm jetzt
[1:30:02] hats dich auch erwischt jetzt bist du auch bekloppt« ein Häftling mit nem Karabiner aufm Buckel wo wo wo wo wie kann denn so was sein ? das gibts doch nicht es war aber so dann bin ich stehen geblieben und nach dem sind noch eine Gruppe vielleicht zehn zwölf
[1:30:21] Mann alle bewaffnet übern Appellplatz gerannt aufn Lagerzaun zu auf der rechten Seite vom wenn man so vom Lager unten aus nachm Tor sieht nach der rechten Seite wo die Häftlingskantine war dorthin gerannt [räuspert sich] und haben solange wie Baumstämme
[1:30:41] oder Telegrafenmasten aufn Hochspannungszaun geschmissen in und das war in dem Moment wenn ein Draht den anderen berührt ist ja Kurzschluss damit der Zaun stromlos war und haben die SS-Posten [gestikuliert] von den Türmen geholt die sind und vorher das
[1:31:02] das ich konnte so schräg nach nachm Tor hoch gucken vom Appellplatz wo ich gestanden habe da sind die die SS-Obersten Offiziere und so weiter die die Möglichkeit hatten alle abgehauen Autos und alles weg waren sie und die Idioten die Blödmänner die hatten
[1:31:22] den Befehl auf den Türmen stehen zu bleiben und die sind auch stehen geblieben weil es war ja ihr Befehl hm und die haben sie sich geholt das waren 324 Mann dre- ja 324 die Zahl weiß ich noch wurden eingesperrt im in ner Baracke im Lager wo früher russische
[1:31:47] Kriegsgefangene drin waren da war außen rum um den Holzblock das war Holz ne Holzbaracke um die Holzbaracke noch mal -n Stacheldrahtzaun rund drum dort wurden die eingesperrt und von russischen Kriegsgefangenen unter Waffen bewacht nämlich wenn sie die nicht
[1:32:05] bewacht hätten 21000 Mann waren zu der Zeit noch im Lager die hätten sie sich geteilt von denen wär wär wär wär nüscht mehr über geblieben und so haben die selbst die russischen Kriegsgefangenen haben die bewacht damit die von den anderen Häftlingen
[1:32:24] nicht irgendwelches Leid geschehen konnte trotzdem russische Kriegs- man muss sagen russische Kriegsgefangene man hat 1943 im Lager 8- über 8000 russische Kriegsgefangene mit Genickschuss erschossen die SS weiß ich ob nicht vielleicht noch welche mit unter
[1:32:52] denen waren aber die hatten vom internationalen Lagerkomitee den Auftrag [räuspert sich] keinen an die heran zu lassen wir vergleichen nicht das Gleiches nicht Gleiches mit Gleichem und nach zwei Tagen kamen dann die Amerikaner die amerikanischen Besatzungstruppen
[1:33:14] vorher die Kampf- als die Kampftruppen kamen am ersten Tag kam ein amerikanischer Jeep ins Lager gefahren aufn Appellplatz hat ne Runde gedreht wieder ausm Lager raus und weg und dort haben wir zwei Tage keinen Ami zu sehen gekriegt weil die Kampftruppen
[1:33:34] sind immer weiter die hatten ja den Auftrag noch nach Berlin zu kommen aber das haben sie nicht geschafft sie haben es bloß bis an die Elbe geschafft weil die Russen waren schneller na ja das ist aber ne Sache die nicht u- die uns hier wenig interessiert
[1:33:53] tja das war die Selbstbefreiung Buchenwalds
[1:33:58] ich war dann noch drei Monate äh freiwillig im Lager ich hätte nach Hause gekonnt als reichsdeutscher Häftling konnten die wurden ausm Lager einzeln entlassen die in der Umgebung gewohnt so gelebt früher gelebt
[1:34:16] haben die wurden einzeln einzeln entlassen und ich hab mich freiwillig mit zur Verfügung gestellt weil die anderen Nationen wie Polen Russen und Franzosen die wurden zusammengefasst und wurden in zusammengefassten Gruppen nach Hause geschickt und ich hab
[1:34:39] dann mit Karteikarten ausgeschrieben weil es gab ja damals noch keine Computer heute würden sie das in einer Stunde mit nem Computer machen und wir haben dort mit zwanzig dreißig Mann gesessen haben Karteikarten gepinselt Häftlingsnummern und Klarname
[1:34:58] und und und und die das Land wo sie herstammten und die Adressen wo sie wo sie hin mussten und und und alles so was und das habe ich drei Monate noch mitgemacht und bin dann im Juni im Juli u- Anfang ja im Juni Anfang Juni bin ich nach Hause na ja [räuspert
[1:35:28] sich] und ich war vielleicht vier fünf Wochen zu Hause da fährt bei mir bei mir wo ich gewohnt habe ein amerikanischer Jeep vor Militärpolizei und frugen nach dem Namen Schramm na und Leute haben gesagt »da und da sind« kamen sie »sind Sie Herr Schramm
[1:35:55] Gert sowieso geboren« Personalien gesagt »ja« »mitkommen !« die sprachen ziemlich der eine wenigstens ziemlich gut Deutsch son Kau- Kaugummi-Deutsch na ja hab ich gedacht »mein Gott geht die Scheiße schon wieder los ?« hm ich hab außerhalb der
[1:36:20] Stadt gewohnt im ungefähr drei Kilometer außerhalb der Stadt mit mir in die Stadt gefahren zur Kommandantur die Kommandantur war zu der Zeit in ner Schule war ne große Schule da war die amerikanische Kommandantur drin haben mich da in ins Zimmer geführt
[1:36:44] da saß ein amerikanischer Offizier in am Beine lag saß lag Beine aufm Tisch und wo ich rein kam »ach ja sind Sie Herr Schramm ?« »ja ja ja« »Sie waren in Buchenwald« wusste der genau »ja« »gut very good very good« und da hat der den zwei Militärpolizisten
[1:37:14] da wieder weiß ich Englisch war ja damals für mich böhmische Dörfer und hat er denen da erzählt was erzählt und die haben mich wieder mitgenommen in den Jeep gesetzt und durch die Stadt gefahren bis ans bis außerhalb der Stadt da war ein riesiges Gebäude
[1:37:34] so fünfstöckig und vielleicht so 120 130 Meter lang das war ein Heeresverpflegungsamt von der Marine dort hatte die Marine ein Heeresverpflegungsamt der Nazis mit mir aufn Hof gefahren ausgestiegen zeigt auf das Haus sagte »jetzt« der eine der da gebrochen
[1:37:59] Deutsch sprach »jetzt sind sind Sie bist du Chef hier« ich sage »häh ? Chef ? wie ich Chef ? ich bin ich bin 17 Jahre alt was soll ich Chef ich weiß nicht was soll ich hier machen ?« »egal du äh Buchenwald Buchenwald gewesen und wir wissen genau du nix
[1:38:18] Faschist und wir brauchen hier einen Mensch der kein Faschist war« so nun war ich von heute auf morgen der Chef vom Heeresverpflegungsamt ich weiß überhaupt nicht was ich da so wat ich da so so na ja und dann haben sie war da noch ein amerikanischer Sergeant
[1:38:36] der hat mit mir zusammen gefaulenzt [lacht] wir mussten bloß oder ich musste wenn mal Zugänge kamen die Amis haben da hin und wieder sich was geholt oder haben auch was aus anderen kleinen Lagern gebracht auf die LKWs gucken ich hab noch nicht mal die Stückzahl
[1:38:58] oder was gewusst was die druff haben »okay okay« und so bis so lange habe ich das gemacht bis die Russen kamen tja das war so mei- der Übergang ausm Lager und äh ich hatte das hatte für mich zwar das eine gute ich hatte genug zu essen der amerikanische
[1:39:26] Kommandant hat zu mir gesagt »Sie können nehmen was Sie wollen egal was egal wie viel aber nix schwarz handeln nix schwarz handeln« wir hatten zu essen und alles zu Hause ist doch klar oder nicht ? wegen der schlechten Zeit also war nun gut dort hab ich
[1:39:50] mich auch ziemlich erholt und dort war ich bis die Russen kamen ja jetzt kamen die Russen nach zwei oder drei Tagen kam so kam eine Gruppe russischer Offiziere dahin haben sich das erst erst haben sie mich gar nicht beachtet haben sich da alles angeguckt
[1:40:12] und am nächsten Tag kam dann ein Offizier zu mir und sagte »wir brauchen Sie nicht mehr wir haben unsere Leute selbst« na ja dann war ich wieder entlassen
[1:40:25] dann hab ich wieder zu Hause gesessen und damals war ja die gesamte Verwaltung durch die Antifa-Komitees
[1:40:40] die damals die na die Stadtverwaltung und so weiter und so fort haben die erste Zeit Antifa-Komitees gemacht bis dann richtige äh richtige äh Planstellen wieder eingeführt wurden das waren weil die Nazis haben sie ja überall raus geschmissen und dann
[1:41:05] musste ich äh kriegte ich einen Tag kam einer und sagte äh zu mir »Gert du sollst morgen mal zum Antifa-Komitee kommen und dich bei Erich Mogk melden« Erich Mogk das war der Häftling der in Buchenwald in der äußeren Ambulanz gesessen hat und mich dann
[1:41:24] in den OP geschickt hat und der war der Chef der äh gesamten Komitees in der Stadt Langensalza na ja sagt er ich hin nach ihm »na ja Gert wie gehts dir« und na ja na ja hin und her und dann sagte ich » (Mensch) ich« ich sage »Erich ich bringe mich irgendwie
[1:41:52] unter dass ich arbeiten kann ich werde ich werde verrückt zu Hause« »ja« sagt er »was mach ich mit dir ich will dich nicht hier irgendwie wieder in einen Betrieb schicken wo du mit Nazis zusammen wieder schindern musst« sagt er »du das mach ich nicht«
[1:42:07] sagt er »pass auf ich meld mich wieder und« na so um nach drei vier Tagen kam wieder einer und sagt »du sollst nochmal nach Erich kommen« ich hin der sagte »du gehst zur russischen Kommandantur« ich hatte im Lager ich war auch mit russischen zus- und
[1:42:29] Gefangenen zusammen und ich hab ne sehr gute Sprachbegabung ich hatte ich sprach also die Umgangssprache die die saß bei mir sagt er »du gehst zur russischen Kommandantur und versuchst da ein bisschen unser Komitee zu vertreten und und mit zu dolmetschen
[1:42:52] bisschen oder was« ich nach der Kommandantur hin hab ich mich gemeldet da musste ich nach son Offizier ich weiß nicht weiß nicht wat der damals für ne Planstelle oder was hatte mhm »gut« sagt er und dann sagt er und »du nix Faschist gewesen ?«
[1:43:16] ich sag »nichts Hitlerjugend und alles ?« ich sag »ich war im KZ Buchenwald« »job tvoju mat ! oh davai« so ne Gläser Schnaps auf den Tisch »trinken prima prima dobshe choroscho choroscho« gut nun war ich in der Kommandantur in Langensalza als Dolmetscher
[1:43:45] angestellt ja jetzt hatten hatte- wir hatten en Wirtschaftsoffizier das war ein Kapitän der hat nun gedacht der hat mich versucht in ins kalte Wasser geschmissen verhandeln in Wirtschaftsverhandlungen was was hat ich konnte in in im menschlichen Umgang Russisch
[1:44:07] aber doch nicht in Wirtschaftsverhandlungen und da waren zwei russische Mädchen junge Mädchen die konnten neben- bei denen hats Deutsch noch nicht so richtig gesessen die waren als Dolmetscherinnen an- angestellt in der Kommandantur da haben wir dann zu
[1:44:25] dritt die ganze Kommandantur gemacht wenn die nicht mehr weiter wussten haben sie nach mir gebrüllt wenn ich nicht weiter wusste habe ich nach denen gebrüllt und das ging in heute ging so was alles nicht mehr aber in der damaligen Zeit Nachkriegszeit ging
[1:44:42] alles und dann haben sie mich noch auf Dolmetscherlehrgang geschickt und äh Dolmetscherlehrgang Russisch Deutsch und dass ich auch die Fachsprache in etwa beherrsche und dann war ich bis 1947 ja 47 kam der SR- SMAD-Befehl das heißt von der sowjeti-
[1:45:15] von der sowjetischen Militärad- -administration Befehl Nummer eins dass keine Deutschen da durften keine Deutschen mehr in der Roten Armee arbeiten das war schon nach 47 vorher war ich war ich noch als ich bei der Kommandantur war da kam immer einer in Zivil
[1:45:40] dorthin ging zum Kommandanten und so die die Russen kannten sich untereinander haben sich unterhalten und alles und einmal hatten sie auch Feier so ne Feierlichkeit ich glaube Tag der Roten Armee oder irgend so was wars und die hatten gefeiert und der war
[1:46:01] auch wieder dabei und dann hat er die haben alle dann ihre Lieder gesungen und getanzt und gemacht und die waren jedenfalls fröhlich nun ich hab dann draußen gesessen vorm vor der Tür im Hof am Hof und er kam raus und setzt sich neben mich auf die Bank
[1:46:24] na ja und dann fing er an sich mit mir zu reines Deutsch [betont:] astreines Hochdeutsch und äh na ja »und Sie waren in Buchenwald ?« ich sag »ja mhm mhm« und da das war das erste Mal dass mich irgend- irgendeiner nun »ach« bedauert hat und ja und was
[1:46:49] war da ? und alles wissen wollte und na ja und dann haben wir uns so unterhalten und nach äh ungefä- nach ner gewissen Zeit ich weiß nicht wie kommt der wieder kommt zu mir und sagt »sagen Sie mal« oder »sag mal« dann hat er mich mit du »du bist
[1:47:16] ja ein Häftling in Buchenwald gewesen wir müssen uns ja dann mit du anreden und äh möchtest du nicht für mich arbeiten ?« ich geguckt ich sag »wie für dich arbeiten ?« »nein brauchst nicht ja dann nicht nee dann ist gut« dann hab ich die beiden Mädchen
[1:47:35] gefragt die mit denen ich dann immer zusammen gearbeitet hab ich sag »sag mal« die eine hieß Tonja ich sag »sag mal Tonja was ist denn das für ein Mensch der da immer hierher hierher kommt in Zivil und so weiter und sofort ?« und die lacht sagte »sag
[1:47:54] mal der ist vom NKWD« ich sage »NKWD kenne ich nicht was ist denn das ?« und dann hat sie mir erklärt dass das die Poli- die Geheimpolizei für innere und äußere Angelegenheiten ist so na ja und dann nach ner nach ner geraumen Zeit kam er wieder und
[1:48:21] dann haben wir uns wieder unterhalten sagt er mir »hast du es dir überlegt ?« na ich sag »ich hab mich mal erkundigt was du nun überhaupt bist« »ja sagt er das muss auch sein« gut na ja und dann bin ich musst ich bin ich nach Weimar zur in in in Weimar
[1:48:41] saß die äh Zentralstelle der NKWD äh für Thüringen dort war der General Kolesnitschenko war dort äh der General der SMAD für Thüringen und auch gleichzeitig äh für die NKWD und dort habe ich gearbeitet bis der Befehl eins kam und ich nicht mehr
[1:49:09] also kein Deutscher mehr waren ja viele Deutsche die in der Sowjetarmee als Kraftfahrer und was weiß ich als Lagerverwalter und und und gearbeitet haben aber dann durfte keiner mehr beschäftigt werden
[1:49:26] na ja und dann saß ich da war ich erst wieder zu Hause
[1:49:33] ohne Arbeit und da mir das nicht gelegen hat rumzugammeln und rumzusitzen damals liefen die Aufrufe zur Wismut AG und da hab ich mich über das (_____) freiwillig zur Wismut gemeldet und bin dann bei der Wismut AG von Anfang 48 drei vier J- drei Jahre
[1:50:09] vier Jahre unter Tage eingefahren also zwei Jahre unter Tage als Bergmann ich hab als als erst angefangen wie es im Bergbau Mode war als Vordermann als Lehrhauer ich war dann Hauer vor e- als- Erzhauer bei der Wismut damals das war ja die Herren im Erzgebirge
[1:50:39] waren die Kumpels der Wismut die Polizei hatte nüscht zu sagen wenn die nicht die Ohren an den Kopf gedrückt haben haben sie den Arsch voll gekriegt also das war damals Wildwest genauso wie es früher im Wilden Westen war so war es während dieser Zeit
[1:50:57] im Erzgebirge dann bin ich zwei Jahre als Erzhauer eingefahren wir haben als Erzhauer es kam darauf an in welcher in in welchem Erzgang man gearbeitet hat ich hab im Erzgang in Oberschlema in Schacht 6 äh im Erzgang Weiße Taube gearbeitet das war ein ziemlich
[1:51:15] breiter Erzgang [gestikuliert] so breit Uran Pechblende so stand so aufwärts im Gestein und da hat man so ne Blechkisten so ne großen Blechkisten so hoch und in die Blechkiste wurde dann das was man dort an Uran raus gepickert hat in die in die in Blechkisten
[1:51:35] Gestein wo Uran da- dazwischen war wenn gesprengt wurde ist doch klar dass dann sich das vermengt hat ins Gestein das wurde alles in die Kisten und jeder Erzhauer hatte eine Blechnummer und in die Blechnummer wurde in die Kiste gelegt die Erzkiste zugemacht
[1:51:57] ein Vorhängeschloss vor es waren so ne Schlösser wie waren Originalschlösser die die hatten die Schlüssel in der Erzwäscherei genauso gepasst wie meiner oder egal und die Kisten kamen in die Erzwäscherei und damals als ich Erzwäscher war haben wir äh
[1:52:16] Erzhauer war haben wir für die Kiste Nummer Sorte eins wenn es reines Uran war wo wo wo keine keine Ei- oder keine großen Stein Gesteinaufmengungen waren haben wir bis zu 400 Mark für eine Kiste gekriegt na ja und dann nach fünf vier fünf Tagen dann
[1:52:46] lief uns das durch wenn das durch die Erzwäsche durchgelaufen war gingen wir dann ins Haus Edelweiß in die in die Verwaltung da war die Kasse und da lag die Liste und da war jeder Erzhauer mit Namen und und Nummer Einfahrtsnummer ein- äh eingetragen und
[1:53:07] dort konnten wir unser Geld abholen ich hab manchen Tag also manchen so vier fünf Tage Erzgeld abgeholt tausend Mark 1400 Mark 1300 Mark 2000 Mark außer dem was ich was ich verdient habe nur Erzgeld da könnt ihr euch könnt ihr euch ja vorstellen was da
[1:53:30] unten los war na ja ich sag war Wildwest Wildwest im Erzgebirge so und nach zwei Jahren musste ich mich einen Tag beim einen Tag beim russischen Schachtleiter melden der wollte erst als ich von Siegmar-Schönau von der Hauptverwaltung dahin geschickt wurde
[1:53:52] nachm Objekt 02 Schacht 6 wollte der erst mich über Tage bei sich behalten hab ich gesagt »nee will ich nicht ich möchte einfahren ich hab die Schnauze voll ich ich will damit nichts mehr zu tun haben« na ja und sagt er »bei mir hier oben wolltste ja
[1:54:12] nicht bleiben wie siehts denn aus ? wir w- wir haben beschlossen äh dich nach Freiberg auf die Bergakademie zu schicken als Sprengtechniker« und hab ich mir überlegt und hab gesagt »na ja klar mach ich« und dann haben sie mich nach Freiberg auf die Bergakademie
[1:54:30] geschickt ein halbes Jahr da war ich und hab dort als Sprengtechniker mein Studium aufgenommen in diesem halben Jahr ging bei mir die Erz- die Erzkrankheit los Fingernägel gingen ab die Haas- die Haare fielen aus ich wurde immer schlapper und dann hab
[1:54:57] ich mich jeden Tag in da im Erz- Quatsch im Wismutkrankenhaus in Zwickau vorgestellt die haben mich untersucht haben gesagt »na ja Junge du hast die Erzkrankheit und a darfst du jetzt erst mal nicht mehr nicht mehr einfahren und b hier im Krankenhaus liegen«
[1:55:25] und dort hab ich zwei Monate im Krankenhaus gelegen und in den zwei Monaten habe ich über 300 Spritzen gekriegt was in den Spritzen drin war der eine Pfleger sagt mir »die ist Calcium die ist Penicillin« aber ob das nun da drin war weiß ich nicht und nach
[1:55:44] nach acht Wochen ungefähr ging es wieder haben die haben die haben die Erzkrankheit zum Stehen gekriegt na ja und da hab ich dann als Sprengtechniker über Tage äh einfahren durfte ich die erste Zeit nicht mehr über Tage äh Sch- Schießsteiger gemacht
[1:56:09] oben die ganzen einzelnen Sprengtechniker und so weiter verwaltet Schießmagazin verwaltet Sprengstoffmagazin und alles was so dazugehört na ja und dann hatte ich die Schnauze voll von der Wismut habe ich gedacht »nee« und da habe ich beim normalerweise
[1:56:33] eine Entlassung bei der Wismut gabs ja nicht und da ich aber mit dem russischen Schachtleiter gut dran war hat der das befürwortet und da kam nachher nachm nach ner gewissen Zeit von Siegmar-Schönau von der Hauptverwaltung die Bestätigung dass ich entlassen
[1:56:52] werden kann und dort hab ich dann bei der Wismut aufgehört und bin wieder nach Langensalza
[1:57:00] na ja in in Langensalza war ich war ich ein paar Monate äh bei der FDJ-Kreisleitung die haben mich als VVN (Angehöriger der) VVN zur FDJ-Kreisleitung geschickt
[1:57:21] dort bei der S- F- FDJ-Kreisleitung habe ich gar nüscht gemacht wie mir den ganzen Tag im gehe- im Wege gestanden oder gesessen [lacht] aber das wars das hat mir nicht behagt nach zu der damaligen Zeit kam von einer Bekannten der Cousin aus Westdeutschland
[1:57:43] aus Essen zu Besuch und dann dadurch dass nun meine Bekannte war haben wir uns auch kennengelernt und nach ner gewissen Zeit wo der wieder nach Hause musste sagte er »Gert äh komm doch mal mit und guck dir das an wie das bei uns da drüben so ist« ich
[1:58:05] sag »Siegfried wie stellst du dir denn das vor ›komm mal mit‹ ?« ich geh an die Grenze und sag »recht schönen guten Tag ich möchte möchte mit Siegfried mal nach Essen so geht das nicht nee« na ja und dann »man- dann stell doch mal nen Antrag«
[1:58:21] ich sag »ob ich nen Antrag stell oder nicht der wird sowieso nicht genehmigt« na ja und dann haben sie mich bequatscht dann hab ich nen Antrag gestellt und siehe da der Antrag wurde genehmigt ich durfte fahren aber besuchsweise als DDR-Bürger besuchsweise
[1:58:40] nach Westdeutschland na ja und dann bin ich mit Siegfried mitgefahren hab ich mir das alles drüben angeguckt und dann hat er mich am nächsten oder übernä- der war Bergmann mit auf seine Zeche genommen auf die Zeche Hagenbeck von Stinnes in Essen-West
[1:59:00] dort hat er mich mit hingenommen ich hab mir das alles so angeguckt und das hat mir alles behagt das war ne schöne saubere Zeche äh was man so über Tage gesehen hat modern ausge- ausgestattet und und so weiter und sofort na und dann na ich sage »erst
[1:59:21] muss ich mir mal hier alles ansehen ich sag nicht gleich zu« na ja und dann nach nach vielleicht 14 Tagen hat er mich genommen »na was hast du denn nun willst du denn nun ?« und da bin ich mit ihm zur Zeche hin zum ins Betriebsbüro zum Betriebsführer
[1:59:42] na und der hat gesagt »na und was haben Sie für einen Beruf ?« ich sag »und ja Beruf ? ich bin jetzt äh gelernt- gelernter Sprengtechniker« »ja was für Sprengtechniker ?« ja sag ich »im Bergbau« »was Bergbau ?« wie und dann »wie lange haben Sie
[2:00:07] im Bergbau gearbeitet ?« ich sag »vier Jahre« »Sie können morgen früh anfangen« zu das war noch sechsund- 56 das war zu der Zeit als äh äh drüben das so genannte Wirtschaftswunder noch bestanden hat als die Zechen noch auf Hochkonjunktur ge- gefahren
[2:00:29] sind dort haben sie ja Leute gebraucht nun und vor allen Dingen Leute die im Bergbau bewandert waren bin ich im Bergbau angefangen gleich am nächsten Tag durfte ich anfangen habe ich noch an dem Tag meine Klamotten empfangen Schuhe und Gruben- -klamotten
[2:00:50] und Lampennummer und alles was so dazugehört und dann bin haben sie mich erst um zu sehen wie ich mich nun dort aufführe in Holztransport gesteckt im an son Strebholz transportieren na ja das hab ich gemacht und dann haben sie gesehen bald der hat wat vom
[2:01:20] Bergbau drauf musst ich mich keine Woche musst ich mich beim Fahr- beim Obersteiger melden und in in drüben (_) im Bergbau war ja der Betriebsführer Obersteiger Fahrsteiger und die Steiger das waren alles Größen das waren alles Herrgötter na der Obersteiger
[2:01:46] »na ja wenn Se äh haben Sie denn Lust Geld zu verdienen ?« ich sag »na ja was denken Sie denn warum ich hierher komme ? ich komm nicht hierher damit Sie sich einen schönen Tag machen können !« hat er mich groß angeguckt »Sie fahren morgen in Streb
[2:02:05] ein als Hauer vor Kohle« na ja bin ich eingefahren nächsten Tag hab ich mich beim Reviersteiger gemeldet der hat mich -n -n Steiger übergeben der für den Streb verantwortlich war und mich in den Streb da rein geschickt und da haben wir in dem Streb haben
[2:02:25] wir noch Kohle mit dem Pickhammer machen müssen und mit Holz ausbauen und alles und das äh komischerweise sonst hat man den Steiger die ganze Schicht nicht gesehen der ist einmal durch gerutscht und dann kam er zu Feierabend nochmal durch und hat aufgeschrieben
[2:02:44] und ausgemessen was man dort wie viel Meter oder was man dort gemacht hat den hat man nicht weiter gesehen der hat immer in der Nähe von mir gesessen und das sieht man weil wir hatten alle so ne Grubenlampen und der hat und die Steiger hatten -n Blitzer
[2:03:02] so so so ne so ne Lampe vor vor um die Brust hängen da hat man wenn der sich bewegt hat hat man immer gesehen wie der Blitzer erscheint im Dunkeln hin und her gegangen ist und der hat mich beobachtet wie ich da gearbeitet habe na ja nun war ich ich sag vor
[2:03:21] Kohle war ich gar nicht lange na ja und dann hat er mich vor haben sie mich nochmal vor Gestein geschickt musste ich vor beim im Streckenvortrieb arbeiten und nach dem nach dem Streckenvortrieb musste ich in so n Kurzlehr- Kurzlehrgang mitmachen weil die
[2:03:45] Bestimmungen gesetzlichen Bestimmungen in der Bundesrepublik waren ja anders als in der damaligen DDR übers Schießwesen und Sprengwesen und so weiter na ja und dann habe ich den Kurzlehrgang gemacht und dann haben sie mich wieder als Sprengtechniker eingesetzt
[2:04:04] dort
[2:04:10] Sie hatten in der Zwischenzeit auch geheiratet schon oder
[2:04:12] [gleichzeitig:] ja ja das habe ich übersprungen
[2:04:15] und aber Ihre Frau war noch nicht mit in Essen ?
[2:04:18] [gleichzeitig:] nein nein die ist erst nach en Jahr später nach Essen gekommen dann war ich von 1956 bis 64 in Essen und hab dort in der Zeche Hagenbeck gearbeitet
[2:04:34] ja und 1964 meine sta- meine Frau stammte aus Thale äh ihre Eltern haben in Thale
[2:04:49] gewohnt und ihre Schwiegermutter da kamen in der Woche drei vier Briefe ihre Schwiegermutter war so schwer krank wir sollen doch nach Hause kommen sie sie stirbt sie lebt nicht mehr lange und so so in dem Tenor je- in der Woche drei vier Briefe und meine
[2:05:09] Frau die wurde immer na nun hat sie sich nicht getraut darüber zu sprechen mit mir und dann sagte sie »Gert wollen wir denn nicht nach Hause ich möchte meine Mutter nochmal sehen« ich sage »Mann ich ich will« und die hat mich bearbeitet und bearbeitet
[2:05:28] bis ich gesagt habe »gut fahren wir nach Hause« und 64 sind wir hierher zurückgekommen nicht ich sie nicht sie ist erst später nachgekommen ja 1964 kam bin ich mit nochm Kollegen der sich eingebildet hat sich hier in der D- in der DDR stel- selbstständig
[2:05:52] zu machen das war ja damals ein Ding fast ein Ding der Unmöglichkeit mit dem haben wir der ist auch mit hierher in die DDR und der hatte dann so einen kleinen DKW-Lieferwagen und mit dem sind wir hierher gefahren bis an die Grenze an der Bundesgrenze haben
[2:06:14] sie uns durchfahren lassen aufn Ausweis geguckt durchfahren lassen kommen an der DDR-Seite an die Grenze »und Sie möchten ?« haben sie uns angehalten Papiere »und Sie möchten« wir w- sie haben ja ge- gesehen dass wir keine Transitreisenden sind »was
[2:06:36] wollen Sie ? in die DDR wollen Sie ?« »ja« der Posten hat gelacht und mitm Kopf geschüttelt und ist los gelaufen nachher kam er nach ner Weile mussten wir rechts ran fahren nach ner Weile kam er wieder kam er mit einem Offizier und der Offizier sagt »ja
[2:06:56] wie Sie möchten in die DDR übersiedeln ?« na ja das Wort übersiedeln haben wir nicht gebraucht wussten wir nicht dass das selbst son Standard war damals na ja ja na ja da haben sie uns nach Aschersleben zum wo das Volkspolizeiamt -amt gebracht die haben
[2:07:17] uns in ne Pension eingewiesen und dort haben wir drei Tage gesessen wir konnten uns bewegen nicht etwa das die uns bewacht haben oder was und denn nach drei Tagen mussten wir wieder zum Volkspolizeikreisamt und dann haben sie uns eingeladen in in Polizei-
[2:07:38] B 1000 in son Kleinbus und nach Fürstenwalde gebracht in in Fürstenwalde war das Aufnahmelager also für für Deu- für äh Deutsche normalerweise Übersiedler war das Auf- Aufnahmelager in Barby bei Magdeburg da und uns haben sie mich egal warum nach
[2:08:10] Fürstenwalde gebracht und in Fürstenwalde war das Aufnahmelager meist für Ausländer da war noch eine deutsche Familie außer außer ich na ja haben sie uns dahin gebracht [räuspert sich]
[2:08:28] und da war ich na drei Wochen in Fürstenwalde weil nachdem
[2:08:37] ich ne Woche in Fürstenwalde war haben sie mich musste ich mich dann beim das nannte sich Heimleiter der Mensch war in Zivil aber er war von der Staatssicherheit der war kein Heimlei- er nannte war er eben der Heim- der Heimleiter bei dem musste ich melden
[2:08:57] der sagte »sagen Sie mal Herr Schramm ich hab Ihre Akten durchgelesen Sie haben doch mit Kraftfahrzeugen irgendwas am Hut« ich sage »wieso ?« »na wir haben vier so ne elenden Klamotten die laufen oder manchmal laufen sie manch- -mal laufen sie nicht hätten
[2:09:17] Sie nicht Lust sich um äh bei uns hier um die Fahrzeuge zu kümmern ?« und da dachte ich ja machst du statt den ganzen Tag im im Kulturraum sitzen und schwarzen Kanal gucken oder was weiß ich was da damals aufn im Fernseher gelaufen ist oder aufn aufn Zimmer
[2:09:33] sitzen und na ja hab ich gedacht mach ich hab ich mich den nächsten Tag gemeldet da bin ich frühs hin da war die Werks- die die Halle die Werkstatt abgeschlossen kein Mensch da und dann hab ich mich da hingesetzt und da kam einer angefahren mitn mitn Auto
[2:09:53] »und was was ist denn los« ich sage »ich soll mich in in der Heimleiter schickt mich ich soll mich hier um die Fahrzeuge kümmern« »Mann das wird auch Zeit« und das war so der Kraftfahrer der äh na alle Fahrten gemacht hat für die für die für das
[2:10:16] Durch- Durchgangslager na ja und dann hab ich dort im Durchgangslager Schlosser gemacht er hat sich vorgestellt »ich heiße Heino« na ja gut Heino »und ich heiß Gert« gut warn wa er sagte »aber äh wenn du willst befass dich mal da mit dem Framo der
[2:10:41] läuft nicht« äh ich sage »wieso läuft nicht ?« »na der läuft nicht aber ich muss nochmal weg ich muss auf de Bank« und da ist er los gefahren und dann hab ich ihn bis Mittag nicht mehr gesehen und da kam er und seit der Zeit lief der Framo der hatte
[2:11:01] weiter nüscht da war der das Sieb vom Vergaser runter äh äh vom vom Tank der hatte noch -n Volltank vorne unter unter der Haube -n Volltank nicht wie jetzt hinten mit Pumpe und der war das Sieb verstopft und der hat keinen Sprit mehr gekriegt und normalerweise
[2:11:24] fängt man wenn we- wenn ein Auto nicht mehr anspringt und nicht und nicht läuft oder nicht anspringen will fängt man von an kriegt er Sprit Zündung und so weiter schrittweise na ja und ich hab so wie ich das gelernt damals ges- gelernt habe trotzdem keinen
[2:11:43] Lehrabschluss gekriegt habe äh hab ich Sieb sauber gemacht und schon lief er er kam wieder »na was ist denn los ?« ich sage »dein Framo läuft« »was ? das gibts nicht ! der läuft nicht !« na ich sage »geh doch hin und lass ihn an« ist er hin hat
[2:12:07] ihn angelassen »Junge ? wie hast du das gemacht ?« ich sage »na ja jeder hat so seine Me-« na ja und dort hab ich als Schlosser ein bisschen da rumgeschlossert hab meine Zeit tot geschlagen und ein eines Tages kam einer Sie möchten sich sofort beim
[2:12:30] Heimleiter melden ich hin da sagt er »Herr Schramm Ihre Familie ist unterwegs die kommen heute noch an« na und dann die waren in Barby im Aufnahmelager Barby und da kamen sie und war ka- sin- äh nach Fürstenwalde überstellt wurden und kamen an im so
[2:12:58] wie er sagte an dem Tag noch die haben sie gebracht von Barby
[2:13:02] na ja und dann war es so nach ungefähr ner Woche wurden wir nach hierher nach Eberswalde gebracht ich hab den den- -jenigen da waren noch kam immer zwei oder drei andere die dort Sachbearbeiter
[2:13:27] gemacht haben ich sage »wieso nach Eberswalde i- ich bin von Langensalza« sagt er »na ja Sie waren in Langensalza Sie waren DDR-Bürger jetzt kommen Sie als Bundesbürger hierher und müssen dahin gehen wo wir Sie brauchen und wo wir hin Sie Sie schicken
[2:13:45] entweder schickt man Sie nach Eberswalde oder schicken Sie wieder zurück nach dahin dahin« und den der mit mir her hierher ist den haben sie auch zurück geschickt na ja und dann kam ich hierher nach Eberswalde da waren wir nicht ich mit der Familie da
[2:14:05] waren wir erst hier in der Jüdenstraße in Eberswalde im Aufnahmeheim ne kurze Zeit bis wir ne Wohnung kriegten und nachdem wir zwei Tage da waren mussten wir uns hier beim Rat des Kreises was heutzutage die Kreisverwaltung ist mu- mussten wir uns beim Rat
[2:14:29] des Kreises Abteilung Inneres melden ich »na ja Sie für Sie haben wir Arbeit Sie fangen morgen früh bei der Energieversor- -versorgung als Schlosser an als Autoschlosser« ich sag »eh eh ich fang nicht an haben Sie gedacht aber ich fang da nicht an« »wieso ?«
[2:14:50] ich sage »als ich von Fürstenwalde weg bin mit der Familie wurde uns gesagt wir kommen nach Eberswalde und bekommen gleich ne Wohnung« ich sag »jetzt sind wir über ne Woche hier ich gehe nicht eher arbeiten bevor ich ne Wohnung habe« »ja wenn wir bestimmen
[2:15:08] Sie gehen arbeiten gehen Sie arbeiten« ich sage »das haben Sie gedacht aber i- das mache ich nicht kommt gar nicht in Frage« und da hatte ich mich gleich mit denen am Kopf da aber innerhalb innerhalb ner Woche hatte ich ne Wohnung was heißt ne Wohnung
[2:15:26] mit Außentoilette und so erstmal aber äh wir waren als Familie in drei Zimmern untergebracht ne Wohnung mit Ofenheizung und so so was [gestikuliert] hier am Finowkanal und da bin ich da in die Energieversorgung hin als Schlosser und die hatten Wi- auch v-
[2:15:46] v- vier oder fünf so ne Klamotten alte Klamotten einen Wartburg hatten sie den hat der Betriebsleiter sich als als Leiterauto war der war der bestimmt da durfte kein anderer mit fahren oder durfte nicht genommen werden und dort hab ich als Schlosser gearbeitet
[2:16:07] da war noch ein ein Schlosser und einer der da so den Chef gemimt hat so n älterer (Knauser) der war beim deu- bei der deutschen Wehrmacht der hat den ganzen Tag in seinem Käfterchen war son kleiner aggetre- abgeteilter Raum da hat er gesessen und hat vor
[2:16:25] sich hingebrütet oder wenn er Langeweile hatte hat er uns die grimmigsten Märchen erzählt was er als alles so als Soldat erlebt hat und so weiter und der andere der als Schlosser war der hat weiter nichts zu tun gehabt wie seine Schnapspullen zu verstecken
[2:16:42] [lacht] da überall hat der seine Schnapspulle versteckt weil [gestikuliert] der hat gerne eben gesoffen
[2:16:48] und das hat mir nicht behagt dabei mit mit so nen mit so nen Menschen zusammen zu arbeiten und da hab ich mir selber Arbeit gesucht nicht übers Amt oder
[2:17:02] übers Abteilung Inneres oder was und der Kraftverkehr Kraftverkehr hat damals Busfahrer gesucht Fahr- Fahrerlaubnis hatte ich ja und äh Busschein muss das war zu DDR-Zeiten nicht so wie heute heute machen sie ja Brimbaborium um nen Busschein bei der DDR
[2:17:26] haste bei der Polizei mitm Bus vorgefahren und dann biste hin und hast -n Busschein gekriegt wenns geklappt hat wenns natürlich nicht geklappt hat nicht und da hab ich hab ich Bus gefahren hier erst beim Kraftverkehr vielleicht ein halbes Jahr und denn musste
[2:17:49] ich mich beim Betriebsdirektor melden der sagte »wir haben in Ihren Kaderpapieren ge- gelesen Sie Sie sind Sie haben auch Autoschlosser gelernt« ich sage »eh eh ich durfte nicht lernen ich hab in einer Autoschlosserei gearbeitet genau wie ein Lehrling und
[2:18:09] nur die Nazis haben mich haben mir damals kein hätten mir damals keine Berufsbestätigung gegeben« »na ja« sagt er »das interessiert was die Nazis gemacht haben interessiert mich nicht bei mir sind Sie Autoschlosser fertig und fangen bei uns in der Werkstatt
[2:18:27] an« dann hab ich in der Werkstatt angefangen als Schlosser nicht lange dann durfte ich die Werkstatt übernehmen sagte »das muss aber klappen und Sie sind jetzt verantwortlich für die Werkstatt« da hab ich die Werkstatt die Busse LKWs die alles die Reparatur
[2:18:50] gemacht Lohnabrechnungen und was weiß ich musst ich mich mich wieder bei ihm melden dem muss ich gefallen haben ich weiß nicht sagt er »nun haben Sie keine Lust als Revisionsmeister zu gehen ?« ich sage »Revisionsmeister was ist denn das ?« ich wusste
[2:19:08] wohl was Revision ist aber äh »ne technische Überprüfung unserer Fahrzeuge und Sie sind der Verantwortliche dafür« jo da hab ich wohl zwanzig oder dreißig Mark mehr Gehalt gekriegt dann wurde ich Revisionsmeister hab die technische Überprüfung zwei
[2:19:32] Jahre gemacht der damalige Meister der Bus-KOM-Abteilung der hatte bei uns im Betrieb Narrenfreiheit der ist wegen jedem Scheißdreck ist der wenn ich jetzt ich hab jetzt zum Beispiel -n Bus überprüft dort haben die Bremsen nicht oder irgendwas hat nicht
[2:19:51] gestimmt was äh so zu in dazu führte dass ich ich hab den Bus stillgelegt weil ich nicht mit nicht nicht betriebs- und verkehrssicher war die Zulassung weg genommen still gelegt damit durfte er nicht mehr fahren der musste erst in die Werkstatt und musste
[2:20:10] gemacht werden und der ist jedes Mal wenn ich ihn still gelegt habe kam er zu mir »Mann kannste den nicht noch zwei drei Tage laufen lassen ich hab so viel zu tun« ich sage »pass mal auf wenn das Ding technische Mängel hat und ich den still gelegt habe
[2:20:25] dann bleibt der still gelegt« ich sage »wir sind doch nicht (irgend __) und wünsch dir was« und der jedes Mal nachm Betriebsdirektor nachm Betriebsdirektor »Gert den Bus müssen wir noch laufen lassen wir haben viel zu tun« ich sage »nein lass ich
[2:20:47] nicht« ich sag »ich lass ihn laufen aber ich möchte« wir haben uns dort mit Betriebsdirektor allen nicht mit Sie nur mit du angesprochen »aber ich verlange dann von dir schriftlich dass du mir das schriftlich gibst dass du anweist dass der Bus wieder
[2:21:04] läuft ne gewisse Zeit« »das kann ich nicht« ich sage »siehste und ich kann die Stilllegung nicht aufheben« na ja und so bin ich immer in der Woche zwei drei Mal musste ich nachm Alten hoch und mit einmal musste ich mich bei ihm melden sagt er »du
[2:21:28] pass auf wir haben hier in in im Betrieb eine Umstrukturierung ich äh möchte dass du in Meisterbereich 4 gehst als Verkehrsmeister« ich sage »warum denn das ?« sagt er »na meinste etwa ich will mich ewig mit dir rumzanken da wegen still legen und nicht
[2:21:49] still legen ich mach das nicht mehr mit geh du hin als Verkehrsmeister als Revisionsmeister äh setz ich einen anderen ein und du gehst als Verkehrsmeister« na was wollt ich denn machen er war Betriebsdirektor na ich hin nach dem nach der Raum Baracke
[2:22:11] das waren ja alles rund rum ziemlich Baracken außer der der Verwaltung wo der Direktor gesessen hat und die Werkstatt alles andere waren Baracken na ja hab mich da gemeldet ich sag »Tag« da waren ein Meisterbüro das war halb so groß na ein bisschen größer
[2:22:31] wie das dort hatten dort standen vier Schreibtische drin und dort saßen vier Verkehrsmeister Meisterbereich 1 2 3 und 4 und ich war der Verkehrsmeister von Meisterbereich 4 das war der Fernverkehr waren die LKWs die LKWs sind alle im Fernverkehr gefa- gelaufen
[2:22:53] hier für die einzelnen Großbetriebe wir hatten ja hier -n Kranbau mit über 5000 Beschäftigten Walzwerk mit über 4000 Beschäftigte das ist ja jetzt alles kaputt und ähm diese Großbetriebe für die Betriebe und auch noch für andere Betriebe haben meine
[2:23:20] LKWs gefahren die vom Meisterbereich 4 waren dreißig LKWs na ja und dort hat der eine von den von den Verkehrsmeistern hat mir gesagt »hier das ist dein Schreibtisch« auf dem Schreibtisch hats so ausgesehen wie so [gestikuliert] gestern bei mir da waren
[2:23:33] so ne Berge [lächelt] ich sage »was ist das hier ? das ist mein Schreibtisch ?« ich sage »na ja dann werden wir mal anfangen zu arbeiten« hab mich auf die eine Seite hingestellt und hab den ganzen Mist vom Tisch runter gewischt patsch lag unten auf dem
[2:23:50] Boden ich sage »seht ihr nun habe ich angefangen« »das kannst du doch nicht machen« ich sage »änder was dran wenns dich stört nehm den ganzen Mist und bring ihn hin nach dem der hier vorher hier gesessen hat oder was weiß ich oder wen mir das geht
[2:24:09] mich -n Scheißdreck an« und wir hatten dann noch -n Zweigsbetriebs- mit außer den Betriebsdirektoren Betriebsleitern wir hatten drei Betriebe Betrieb Eberswalde Betrieb Anger- äh Freienwalde und Betrieb Bernau also hatte jeder Betriebsteil n Betriebsleiter
[2:24:31] da kam der Betriebsleiter »heb das auf !« ich sag »na wenn dir das nicht gefällt dass das da liegt dann hebs doch auf« ich sag »so ne Sauerei mach ich nicht mit« »du kriegst von mir -n Verweis wenn du das nicht aufhebst« ich sage »du den Verweis den
[2:24:49] kannst du dir auf die Kniescheibe nageln ich hebe das Zeug nicht auf« »na ja« sagt er »na dann muss ich dir eben äh weil du meine Weisung nicht befolgst -n Verweis geben« ich sage »du pass mal auf mein Freund den Verweis kannst du mir ja geben und ich
[2:25:07] schmeiß dir den Dreck hin und dann hat sich das für mich erledigt« ich sage »dein Affe bin ich noch lange nicht« na er so wutentbrannt weg na ja und weiß ich als ich am nächsten Tag kam war das Zeug alles weg war aufgehoben mein Schreibtisch war leer
[2:25:29] auf auf meinem Schreibtisch auf der Ecke stand ein Telefon ein Telefon hatten wir bloß für vier Verkehrsmeister na ja und dort habe ich dann im Meisterbereich 4 angefangen nachdem ich dort vielleicht ein paar Monate war musste ich mich beim Betriebsleiter
[2:25:50] melden und ich nachm Betriebsleiter sagt er »du pass mal auf wir haben jetzt noch ein Kommando Containerbahnhof dort sind ungefähr 25 Fahrzeuge das ist wir haben jetzt hier in Eberswalde einen neuen Containerbahnhof gekriegt und die Reichsbahn fährt die
[2:26:11] Container bis hierher und wir müssen sie dann von hier vom Containerbahnhof nach den Kunden in den in hier im Bereich abfahren und du sollst den Bereich übernehmen der Betriebsdirektor hat hat mir das angewiesen« ich sag »na Moment mal« ich sage »und
[2:26:32] bin ich denn mit dem Meisterbereich 4 nicht ausgelastet ?« sagt »das musst du doch alleine wissen ob du ausgelastet bist oder nicht aber mich hat der Betriebsdirektor angewiesen« um des liebes Gottes Willen ich sage »na gut mach ich« dann bin ich nachm
[2:26:49] Containerbahnhof gefahren und hab dann den Meisterbereich 4 Meis- und den Containerbahnhof gemacht und dann haben sie mir noch den Meisterbereich 212 dazu gegeben das war Schwerlastumschlag hier haben sie doch die ganzen Neubaubr- das Neubau- die Plattenbauten
[2:27:11] gebaut und hier war ein großes Betonwerk und das Betonwerk hat die Platten ge- äh die Platten äh produziert und die wurden auf Tiefladern mit Schwerlastzugmaschinen auf die einzelnen Baustellen gefahren und der Bereich das waren drei Tatra-Zugmaschinen
[2:27:30] ein Bagger zur Waggonentladung und ein W50-Kipper waren insgesamt nochmal fünf äh fünf Beschäftigte hatte ich dann drei Bereiche hier am Hals nach Hause bin ich fast nicht mehr gekommen irgendwas in irgend nem Bereich war immer na ja das hab ich über
[2:27:58] ein Jahr gemacht ach anderthalb Jahre aber ich hab dann gemerkt wenn du das auf die Dauer noch weiter machst schaffen sie dich in die Irrenanstalt na ja und dann hab ich den die drei Meisterbereiche wie schon gesagt anderthalb Jahre gemacht und dann hab ich
[2:28:14] gesa- hab ich gesagt »nee«
[2:28:16] und da hat ein einer der früher in der Verwaltung im Kraftverkehr gearbeitet hat der hatte in Zwickau studiert und der war dann Betriebsdirektor vom Tiefbaukombinat und der hat den habe ich getroffen »Mann Gert was machst du
[2:28:39] denn ?« ich sage »na ja ich bin im Kraftverkehr« »Mann ich hab gehört du bist ja da der größte Meister von allen« ich sag »du pass mal auf verscheißern kann ich mich ganz alleine da brauch ich dich nicht zu« sagt er »willst du nicht zu mir kommen ?
[2:28:52] du kannst bei mir hundert k- hundert Mark mehr verdienen und bei mir übernimmst du die Abteilung Großgeräte« das heißt die Abteilung Technik Bagger äh LKWs Kipper und Werkstatt und alles was zum Schwarzpersonal gehört sollte ich den Abteilungsleiter
[2:29:19] machen Mann ich hab mir das drei Wochen überlegt und dann hab ich gesagt »bevor ich hier mitn Milch- mitn Milchbauer Milch holen gehe gehe ich dahin« und da habe ich aber die Rechnung ohne den Schneider gemacht dort hatten wir hatte ich ungefähr ich
[2:29:50] weiß jetzt gar nicht mehr aber so 220 Beschäftigte die auf Kippern Raupen und was weiß ich alles gesessen haben und dort ging dann immer die Jagd los in und dann in der DDR kam ja die Bewirtschaftung von Diesel die hatten ja keinen Diesel mehr dort hat
[2:30:06] man Dieselmarken gekriegt da hab ich am Monatsanfang wie Briefmarken waren die Dinger jede o- zwanzig Liter so ne so ne Hefte da gekriegt Monatsmitte hatte ich schon keinen Diesel mehr und die Bauleiter die natürlich sind zum Betriebs- oder Kombinatsdirektor
[2:30:36] gerannt wir hatten ja für den einzelnen Betrieb Betriebsdirektor das war auch wieder in Betriebe unterteilt und hatten -n Kombinatsdirektor »ja wir können den Plan nicht erfüllen« und der Kombinatsdirektor und das war ein ganz Böser das war ein Böser
[2:30:51] der hat die Betriebsdirektoren zusammengeschissen »ihr Drecksäcke ihr Mistschweine ihr Saboteure wieso erfüllt ihr den Plan nicht ?« war ein großer Genosse und der konnte sich das erlauben na ja da hab ich dann gesagt »wenn ich keinen Diesel habe kann
[2:31:10] ich denen keinen Diesel geben gib mir mehr Dieselmarken dann kriegen die auch mehr Diesel mit Spucke laufen die Kipper nicht und die wei- und die Geräte« na ja und jedes Mal kriegte ich ihn und der hatte dann der Kombinatsdirektor hatte dann immer gebrüllt
[2:31:30] wie ein Wahnsinniger na ja und wie gesagt das ging im Tiefbau zwei Jahre habe ich das mitgemacht und ich war ja dann schon über 55 und mit 55 hätte ich in Rente gehen können weil als VdN durfte ich in der DDR mit 55 in Rente gehen ich bin aber nicht in
[2:31:59] Rente gegangen ich hab weiter gearbeitet aber dann hab ich mir gedacht wirst du dir von dem Idiot dann in in in einer Rapportsitzung hat er es dann übertrieben dann hat er mich der Sabotage bezichtigt und dann hab ich gesagt »bis hierher und nicht weiter
[2:32:19] bevor ich mich von dir in nen Knast bringen lasse überleg mal das Wort Sabotage« »ja ja ganz so meine ich es ja nicht ich meine ja äh« ich sage »Schluss aus Feierabend ab morgen komme ich nicht mehr« da hat er gelacht ich sage »ob du lachst oder ob
[2:32:38] du nicht lachst mich siehst du nicht mehr« na ja und bin von Stund ab am nächsten Tag nur noch im Kombinat in die Kaderabteilung hab meine Kündigung abgegeben Papiere haben sie mir dann per Post zugeschickt en paar mal die Aufforderung ob ich noch arbeiten
[2:32:59] komme und ich bin nicht mehr gegangen und dann haben sie mir die Papiere per Post zugeschickt
[2:33:04] und dann ich wollte mich selbstständig machen im Taxiverkehr war ja im Taxiverkehr musst du ja ne Genehmigung vom Rat des Kreises haben also von der Kreisverwaltung
[2:33:23] das wird Ihnen nicht ganz so konform sein was der Rat des Kreises war und ich nachm Rat des Kreises hin und dort war der es war wieder in einzelne Abteilungen unterteilt die Abteilung Verkehr war ne Wahlabteilung der CDU ich dahin saß einer hinter seinem
[2:33:45] Schreibtisch so ein Vollgefressener ich sage »Guten Tag« »und Sie wünschen ?« ich sage »ich möchte mich selbstständig machen ich habe ein Kraftfahrzeug« ich hatte damals Wolga einen Wolga und äh »möchte Taxi fahren« »nochmal was wollen Sie ?«
[2:34:09] guckte er mich an ich sage »ich möchte eine Taxigenehmigung« »Sie kriegen von mir keine Taxigenehmigung Taxigenehmigungen kriegt der volkseigene Kraftverkehr der macht das« und ich wusste ja ich war im Kraftverkehr ich wusste genau bei denen durch hingen
[2:34:26] die hingen durch weil die Klamotten all überall dort waren und äh keine Ersatzteile die Ersatzteilfrage war ja ne ganz schwierige in der DDR ich sage »dann geben Sie mir wenigstens ein Antragsformular« »Sie kriegen auch von mir kein Antragsformular«
[2:34:47] nun da da hat mich aber d- der Senf gepackt ich sage »wissen Sie was Sie bringen mir das Antragsformular und die Taxigenehmigung noch nach Hause« »höhö« hat er gelacht »höhö was bilden Sie sich denn ein wer Sie sind ?« ich raus bis nach Hause ich
[2:35:09] hab gekocht wie so ein Dampfkessel und dann bin ich zwei Tage später nach Berlin gefahren und ein ein Häftling der mit mi- in unserem Block meinem Block bei uns im Block lag der saß im Politbüro Hermann Axen ich hin nachm ZK ihr wisst ja wo das ZK war
[2:35:38] in Berlin am Ufer da am Spreeufer ich hin da standen Posten doppelweise Doppelposten vor an jeder Seite ein Posten der eine Posten »und Bürger und Sie wünschen ?« ich sag »ich möchte zum Genossen Axen« »was wollen Sie ?« ich sag »ich möchte zum
[2:36:04] Genossen Axen« »höhö« lacht er ich sag »lach nicht so dämlich !« der hat mich angeguckt ich sag »ich möchte zum Genossen Axen« »Sie kommen nicht zum Genossen Axen wer sind Sie denn ?« ich sage »und Sie sind Posten und haben Ihren Dienst an der
[2:36:24] Tür zu ver- -sorgen alles andere überlassen Sie den anderen die dafür verantwortlich sind« und ich war natürlich hartnäckig und ich bin nicht gegangen da gi- hat er angerufen da hatten sie son Telefon außen extra noch »ja Genosse Oberst« und da hat
[2:36:41] er dem erzählt wie ich mich aufgeführt hätte da mit einmal kommt einer angerauscht mit nem silbernen Raupenschlepper in Uniform »was was erlauben Sie sich« ich sage »schön ruhig bleiben schön ruhig bleiben« und da habe ich schon gemerkt wie er
[2:37:02] sich aufgepumpt hat ich sage »ich möchte zum Genossen Axen« sagt er »Sie Sie sind nur Sie sind nur frech nicht nur frech Sie sind auch dumm wissen Sie was wollen Sie wie wie wie wer soll Genosse Axen Sie können doch nicht nachm Politbüro- äh -Mitglied
[2:37:21] kommen wann Sie wollen und wie Sie wollen was denken Sie sich denn eigentlich ?« ich sage »gehen Sie zu oder melden Sie dem Genossen Axen Gert von Buchenwald möchte ihn sprechen alles andere wird sich dann schon klären« das hat keine zehn Minuten gedauert
[2:37:43] dann kam er wieder an »kommen Sie bitte mit« [gestikuliert] so groß mit Stock und Hut [grinst] durch ein paar Etagen hoch durch Gän- durch ein paar Gänge und vor einer son mit so ner großen Mahagoni-Doppeltüre blieb er stehen sagt er zu mir »aber
[2:38:04] äh ich möchte äh möchte Sie bitten dass unsere Diskussion die wir vor der Tür hatten dass w- Sie nicht unbedingt dem Genossen Axen erzählen« ich sage »was habe ich davon ich habe ganz andere Sorgen wie son Quatsch« na durch die Tür rein zwei Vorbüros
[2:38:22] da saßen Tippsen ich da durch gerannt die hinter mir her »wo wollen Sie hin ?« ach ich hab mich überhaupt gar nicht um die gekümmert die Tür nach seinem Büro das Büro war so groß wie meine ganze Wohnung und der hockte hinterm Schreibtisch und Axen
[2:38:40] war ja son kleiner war ja nicht groß hockte hinterm Schreibtisch guckte »Gert was willst du denn hier ?« ich sag »Hermann so und so ich ich hab ein Anliegen« sagt zu dem Oberst »geht klar« [gestikuliert] ab weg war er äh ich sag »Hermann so und so«
[2:39:04] dann hab ich ihm das so erklärt sagt er »das gibts doch nicht« ich sage »Hermann wenn ihr hier oben wüsstet wat da unten alles so passiert ihr würdet ihr würdet Purzelbäume schlagen« sagt er »Gert trinken wir doch schon mal eenen« Schreibtisch
[2:39:24] Cognacschwenker aufm Tisch ne Pulle Cognac eingeschenkt ich sag »ich will keenen ich bin mitm Auto hier« »du trinkst einen und wenn du mitm Flugzeug hier bist interessiert mich -n Dreck wenn irgendwas ist sollen die sich bei mir melden Mann so ewig haben
[2:39:45] wir uns nicht gesehen jetzt trinkst du hier« Cognac eingeschenkt getrunken haben wir uns noch ne Weile unterhalten über früher und was mein mein Lebenslauf so bis dahin war und hin und her war ich vielleicht na ne knappe Stunde bei ihm drin und die Be-
[2:39:58] die Tippsen die werden gedacht haben »mein Gott beim Politbüromitglied ist einer ne Stunde -n Fremder zu das darf doch nicht wahr sein« nämlich ein Politbüromitglied war ja der kam ja kurz vorm lieben Gott na ja sagt er »weißt du was fahr nach Hause
[2:40:20] die Sache hat sich erledigt« bin nach Hause gefahren zwei Tage später klingel- ich hab damals am Ko- Kopernikusring gewohnt in ner Plattenbauwohnung klingelts bei mir an der Tür ich mach die Tür auf steht der Typ vom Referat Verkehr bei mir vor der
[2:40:48] Tür er sagt »Herr Schramm ich bring Ihnen Ihre Taxigenehmigung« ich sage »na sehen Sie ich habs Ihnen doch gesagt dass Sie es mir nach Hause bringen« der hat nur nach unten geguckt der hat kein Wort gesagt was wollt der mir auch antworten der hat son
[2:41:11] Rüffel von von oben runter über die Hierarchieleiter gekriegt ich den Rüffel hätte ich nicht haben mögen nun dann hatte ich die Taxigenehmigung und dann hab ich noch bis 19- -92 93 Taxi gefahren einen Taxibetrieb gehabt mit zwei Autos in der DDR durfte
[2:41:43] ich ja nur mit einem Auto fahren durfte ich nur weil wenn ich jetzt -n Angestellten gehabt hätte wäre ich ja ein Kapitalist und deshalb gabs das nicht der Kraftverkehr durfte Angestellte haben das war ein sozialistischer Betrieb aber ich als Privatunt- -betrieb
[2:42:00] durfte keinen Angestellten haben aber mir war das egal wenn ich mit einem Auto mal (Ärger hatte) was nicht so ging bin ich mitm anderen gefahren ich hatte ja zwei
[2:42:11] na ja und das hat den Herren auch nach der Wende nicht so recht gepasst ich bin dann hier weil
[2:42:24] ich ich hab auch nach der Wende mich vor niemand geduckt wenn ich mein Re- wenn ich der Meinung war ich war im Recht hab ich das Recht vertreten egal auch gegenüber der Verwaltung und da haben mich die Kollegen der Taxiinnung hier als Vorsitzenden der Taxiinnung
[2:42:50] Eberswalde gewählt na und dann hab ich neben meinem na neben meinem Betrieb auch noch den Vors- den Vorsitzenden der Taxiinnung mitgemacht und nach ner gewissen Zeit haben die in Berlin von mir Wind gekriegt und dann war ich in Berlin bei der Taxiin- bei
[2:43:13] der Taxiinnung Berlin b- beim Taxiverband in Berlin war ich erst als Sachbearbeiter mit ehrenamtlicher Sachbearbeiter wurd die Taxen alle die Taxigenehmigung wurden eingeführt die Taxen mussten die Taxen mussten geschult werden nach den neuen Gesetzen da
[2:43:37] habe ich mit Horst Alex altbekannter Berliner Type der damals im Taxiverband mit dem zusammen habe ich hier die Einführung des Taxiverkehrs nachm bundesdeutschen Gesetz gemacht nach ner gewissen Zeit wurde ich in bei der beim Taxiverband Berlin als Vizepräsident
[2:43:59] der Tax- des Taxiverbands Berlin-Brandenburg gewählt und nachdem dort alles soweit ziemlich in in Sack und Tüten war die einzelnen Orte nun wussten wie der wie das die gesetzlichen Bestimmungen waren wie der Verkehr nun so weiter lang gehen muss hab ich
[2:44:27] gedacht und nun gehst du in Rente und dann bin ich in Rente gegangen und das wars ich war nicht lang genug ?
[2:44:44] doch alles alles gut wenn ich mal ähm eben nachfragen darf ähm Ihr sehr selbstbewusstes Verhalten auch gegenüber äh ja Vorgesetzten oder Leute die Ihnen höher gestellt waren denken Sie selber das ist eine Temperamentsfrage das Sie wären auf jeden Fall
[2:45:09] so geworden oder hat das was damit zu tun dass Sie nach der Zeit in Buchenwald gedacht haben ich lass mir von keinem
[2:45:16] [unterbricht:] weiß ich weiß ich nicht als ich verhaftet wurde mit 14einhalb Jahren da wusste ich nicht was ich mal was ich mal für ein Mensch werde was ich für ein Temperament habe ob ich mal ein cholerisches habe oder nicht das wusste ich damals nicht
[2:45:24] und nachdem habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht ich hab mich nur durchgesetzt mehr nicht ich bin auch nicht wenn ich der Meinung bin ich habe kein Recht dann habe ich kein Recht dann sehe ich das ein aber wenn ich der wenn ich der Meinung habe ich
[2:45:40] bin im Recht gehe ich mitm Kopf durch eine fünf Meter dicke Betonwand dann geht es nicht anders
[2:45:52] ich habe noch eine Frage Sie haben das ganz am Anfang ja erwähnt dass Sie erst nach der Wende diese Akten eingesehen haben
[2:46:02] [gleichzeitig:] ja
[2:46:07] ähm einsehen konnten ähm wo darüber entschieden werden sollte was mit Ihnen passiert als Sie in der Schule waren ähm also fünfzig fast fünfzig Jahre später wie wie ist es Ihnen damit gegangen zu sehen über Sie ist verhandelt worden
[2:46:22] [gleichzeitig:] ja na ich war ich war erstmal äh bis dahin war ich der Meinung außer dass sie mich nun nach Buchenwald gebracht hatten aber dass sie mich als Kind schon in der Mangel hatten und wegbringen wollten in Erziehungsanstalten und was weiß ich
[2:46:38] wohin ich war so erschüttert und das mag dazu auch noch mit beitragen die Heimtücke der Menschen das Heimtückische und wenn ich merke dass einer äh mir gegenüber nicht ehrlich ist dann fällt bei mir ein Scharnier und dann ist Schluss der kann sich auf
[2:46:56] den Kopf stellen oder mit den Beinen wackeln ob das ein Polizist oder ein Staatsanwalt ist das interessiert mich einen feuchten Kericht wenn ich im Recht bin bin ich im Recht so und das mag damit vielleicht auch noch zusammenhängen weiß ich nicht
[2:47:15]
[2:47:18] vielleicht können Sie noch äh eben ergänzen weil uns das sonst sozusagen in der Geschichte fehlt ähm wie das mit Ihrer Mutter und Ihrem Vater weitergegangen ist ?
[2:47:25] ja meine Mutter und mein Vater mein Vater ist dann 19- dreiund- äh äh -43 der war dann auf ist auf ne andere Baustelle versetzt worden außerhalb da Deutschlands und ist dann illegal eingereist und wollte meine Mutter heiraten und das war ein ganz großer
[2:47:45] Fehler dass er bei den Nazis illegal einreist hier noch hingeht aufs Amt um die um die Heiratsgenehmigung zu kriegen und dort wurde er verhaftet und ist dann aufm nach aufm Weg nach Auschwitz verschollen ob er bis Aus- Auschwitz gekommen ist oder nicht ist
[2:48:09] uns unbekannt das bis jetzt wissen wir davon nüscht meine Mutter war dienstverpflichtet in den Junkers-Werken in Bad Langensalza in Langensalza heute heißt es ja Bad Langensalza in Langensalza war ein Zweitbetrieb der Junkers-Werke dort war sie dienstverpflichtet
[2:48:27] und stand unter Gestapo-Aufsicht und musste sich jede Woche dort bei der Polizei melden dass sie noch da war und das zu meinen Eltern und meine Mutter ist 1973 74 verstorben
[2:48:45] hatten die Kontakt äh Ihre Eltern also der äh Ihr Vater hat Deutschland ja schon schon früh dann wieder verlassen Sie waren gerade geboren oder hat hat er Ihre Geburt mitge-
[2:48:57] [unterbricht:] das weiß ich nicht wann er sie hier verlassen hat das äh ich über meinen Vater weiß ich relativ wenig wie
[2:49:01] und Sie wissen auch nicht dass es da einen Kontakt gab in den Jahren dazwischen
[2:49:07] [gleichzeitig:] das weiß ich weiß ich nicht
[2:49:11] ähm ich hab noch eine Frage weil Sie engagieren sich ja heute sehr gegen Rechtsextremismus Sie gehen an die Schulen und sprechen mit den Schülern darüber wie haben Sie den den Überfall der hier in Eberswalde sehr früh nach der Wende stattgefunden hat
[2:49:25] wahrgenommen ?
[2:49:27] na ja das war ja der erste Überfall der überhaupt in der Bundesrepublik geschehen ist und das der ist noch geschehen an meinem Geburtstag am 25sten November 1991 ja wie hab ich das gesehen ? auch das hat mich in hat mich noch dazu bewogen mich gegen dieses
[2:49:54] gegen diesen Sumpf gegen diese Idioten aufzulehnen gegen gegen diese Idioten zu arbeiten damit die nicht wieder aufs Trapez kommen
[2:50:07] also so wie ich Sie jetzt einschätze hatten Sie wahrscheinlich keine Angst in dem Moment
[2:50:12] na Angst wie Angst ? Angst hab ich auch überhaupt nicht wenn es auf mich zukommt muss ich mit fertig werden Angst als solches ? ich hab selbst in Buchenwald wenig Angst gehabt wenig vielleicht war ich dort noch zu jung und zu leichtsinnig hab das zu zu zu
[2:50:37] mehr auf die leichte Schulter genommen aber Angst an und für sich hab ich wenig und mit den äh mit den Kaschuben mit denen werde ich schon fertig werde ich schon ich hab in der Zeit als Taxifahrer öfters so Zusammenstöße mit gehabt ein Beispiel ich hab
[2:50:59] am am Bahnho- am Taxistand gestanden an erster Stelle der Taxistand war am Bahnhof und ist noch am Bahnhof an erster Stelle vorn gestanden und da kamen vier so ne besoffenen äh Na- Nazi- so ne so ne so ne so ne Nazi-Strolche besoffen auf die Taxe und rinn
[2:51:21] »Bernau !« na ja dann haben sie bei mir drin gesessen bin ich mit ihnen losgefahren nach Bernau und unterwegs der eine vorne der neben mir saß klar kahl geschorene Glatze also richtige Nazi-Strolche also sagt er zu mir »na was sagst du denn wenn wir dir
[2:51:43] das Au- das Auto wegnehmen und fahren damit alleene weiter ?« ich sag »du pass mal auf Kollege guck mal auf den Tacho« guckt er und ich hatte -n Wolga son da war halt so das sch- Armaturenbrett genau wie der bal- bald wie der Mercedes guckt er auf den Tacho
[2:52:02] bin ich so ungefähr hundert 110 gefahren auf der Landstraße links und rechts von hier nach Bernau Bäume ich sage »guck mal auf den Tacho« ich sage »so versiert als Kraftfahrer bin ich« ich sa- ich sage »ich setz mit dem Tempo das Auto rechts gegen
[2:52:23] den Baum und dann sollst du mal sehen wie du dann aussiehst« Junge der hat mir so [gestikuliert] bis nach Bernau so gesessen hat nur immer auf den Tacho gekiekt in Bernau ausgestiegen sind sie ausgestiegen und die Zweie die hinter hinten drin saßen die
[2:52:42] haben kein Wort gesagt unterwegs und in Bernau sagt der eine von hinten zu dem vorne »gib dem gib dem Mann Trinkgeld« [lacht] an die Hintertasche gefasst und hat mir auf den Fahrpreis noch zehn Pro- äh äh zehn äh Mark gegeben das waren ja damals noch
[2:52:59] Mark das war ein es waren schon mehr solche Übergriffe aber man (durfte) [winkt ab] hab ich mir das gar nicht gemerkt
[2:53:05] Ihnen ist auch nichts mehr passiert ?
[2:53:08] nee
[2:53:12] mhm
[2:53:15] man hat das Gefühl dass äh dass Ihre Hautfarbe wenig eine Rolle gespielt hat in Ihrem Leben eigentlich
[2:53:17] lauter lauter bitte
[2:53:20] ach so Entschuldigung äh da das hat das hat wenig für Sie eine Rolle gespielt die Hautfarbe wenn Sie sagen ähm als Kinder ähm es ging Ihnen eigentlich gut bis der Lehrer kam
[2:53:30] [unterbricht:] war- warten Sie mal für mich persönlich st- spielt die Hautfarbe als solches gar keine Rolle Menschen sind Menschen ob sie nun weiß auf die Welt kommen ob sie grün auf die Welt kommen gelb auf die Welt kommen rot auf die Welt kommen das
[2:53:42] haben sie sich nicht selber ausgesucht also sehe ich in jedem einen Menschen kein ir- kein irgendwelchen äh äh Menschen der nach zu ner gewissen Rasse gehört so wat gibts bei mir nicht und wenn andere Leute anders denken sollen sie dann ich werde denen
[2:54:03] dann schon meine Meinung zu sagen und werde das auch nur zu tun und ich bin wenns jetzt hier in mal in ich hab ich hab ich hab bis vor vier Jahren in einem Haus gewohnt an der Oder aufm Land mitten aufm Land dort hätten sie mir ja wenn sie das rausgeforscht
[2:54:27] hätten ich bin äh in der in der Schützengemeinschaft ich hab einen Waffenschein ich hab die Waffenschränke draußen stehen ich hab Pistolen ich hab die Munition dazu wenn sie zu mir in die Wohnung kommen Fakt ist eins Fakt ist eins lebend kommen sie nicht
[2:54:46] mehr raus hier nicht das ist alles das ist meine Überzeugung meine Einstellung ich tue niemand was ich tue keinem Menschen was und wer mir unbedingt was tun will na ja hat der der hat eben mit Zitronen gehandelt so einfach ist das weil in diesem Staat kümmert
[2:55:10] sich ja kein anderer darum die Politik nicht die versuchen alles gerecht in so ne so ne alles alle Übergriffe in der Westdeutschen so n Quatsch da der Nazis versuchen die untern Teppich zu kehren »na ja es war ja kein es war ja kein Übergriff von von Neonazis«
[2:55:31] weil sie ihre ihre äh Statistik schön halten wollen und genau das werde ich Platzeck sagen wenn der hierher kommt genau das werde ich ihm sagen
[2:55:44] mhm
[2:55:46] und ich bin davon überzeugt dass in in unserer Polizei ein gewisser Prozentsatz ich kann keinen Prozentsatz sagen weil ich kenne ja die gesamte Polizei nicht gewisser Prozentsatz sogar Neonazis sind [betont:] in unserer Polizei die aus Gründen ihr Machtbefugnis
[2:56:09] was sie so im normalen Zivilleben nicht ausleben können versuchen sie da auszuleben also mir brauchen sie mit solchen Diskussionen gar nicht kommen und genau das werde ich Platzeck sagen mal sehen ob er äh
[2:56:26] was darauf zu sagen hat
[2:56:32] mhm nu der wird war wahrscheinlich nicht wenn ich an seiner Stelle wäre ich würde auch nicht viel da- nicht viel dazu sagen aber was er dann in seiner Tätigkeit als Chef des Landes Brandenburg macht ist die andere Frage ob er was macht oder das interessiert
[2:56:51] mich nicht ich habs aber von der Seele bei mir ist es weg
[2:56:57] gut wir danken Ihnen sehr für das Interview ähm ja
[2:57:03] vielen Dank
[2:57:06] herzlichen Dank
[2:57:09] so mehr und besser gings nicht
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1928 | Erfurt | Geburt |
| ab 1930 | Witterda | Umzug zur Großmutter |
| 1936 - 1943 | Witterda | Besuch der Schule |
| ab 1943 | Erfurt | Haft im Polizeigefängnis Petersberg |
| ab 1943 | Bad Langensalza | Verhaftung im Ausbildungsbetrieb |
| 1943 - 1944 | Weimar | Haft im Gestapogefängnis, Verlegung in eine Deportationsbaracke |
| ab 1944 | Weimar | Zwang zur Unterschrift des eigenen Deportationsbefehls |
| 1944 - 1945 | Buchenwald (Konzentrationslager) | Deportation und Zwangsarbeit |
| 1945 - 1947 | Weimar | Dolmetscher für die sowjetische Militäradministration (SMAD) |
| ab 1945 | Buchenwald (Konzentrationslager) | Selbstbefreiung des Lagers durch die interne Widerstandsbewegung |
| 1945 - 1945 | Buchenwald (Konzentrationslager) | freiwillige Schreibdienste für die Entlassung ehemaliger Häftlinge im befreiten Lager |
| 1945 - 1945 | Bad Langensalza | Leitung des Lebensmitteldepots für die amerikanische Militärregierung |
| ab 1945 | Bad Langensalza | Rückkehr zur Mutter und den Geschwistern |
| 1948 - 1954 | Frankreich | Arbeit als Bergmann und Sprengmeister in Frankreich und Deutschland |
| 1955 - 1964 | Essen | Arbeit als Sprengmeister für die Zeche Hagenbeck |
| 1964 - 1990 | Eberswalde | Rückkehr in die DDR, Arbeit als Autoschlosser, Busfahrer, Revisionsmeister, Verkehrsmeister und selbstständiger Taxiunternehmer |
| ab 2011 | Berlin | Veröffentlichung der Lebensgeschichte »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann« |
Am 6. Mai 1943 tauchten zwei Polizisten in der Autowerkstatt auf, die ihn verhafteten und in das Gerichtsgefängnis Langensalza brachten. Nach einer Woche Haft wurde er in Handschellen in das Polizeigefängnis Petersberg nach Erfurt überstellt, was er als eine große Demütigung empfand. Gert Schramm verbrachte einige Monate im Polizeigefängnis Erfurt, ohne den Grund für seine Verhaftung zu erfahren. Zwischenzeitlich wurden auf der Gestapo-Dienststelle in Erfurt unter Prügel und Misshandlungen seine Personalien aufgenommen, bevor er im Oktober von zwei Gestapo-Beamten in das Gestapo-Gefängnis Weimar überführt wurde. Der dortige Unterscharführer Willi Bachner misshandelte ihn brutal und schlug ihn mit einem schweren Schlüsselbund.
Nach weiteren sechs Wochen Haft wurde er in eine Gefangenenbaracke am Güterbahnhof Weimar gebracht, wo er als Zwangsarbeiter zur Aushebung von Luftschutzgräben eingesetzt wurde. Kurz darauf zwangen ihn Beamte der Gestapo, seinen eigenen Schutzhaftbefehl zu unterschreiben, bevor er am 20. Juli 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert wurde.
Unter Prügeln wurde Gert Schramm von SS-Männern gezwungen, aus dem Güterwaggon auszusteigen und im Laufschritt über den so genannten Carachoweg in das Konzentrationslager Buchenwald zu marschieren. Dort wurden er und ungefähr fünfzig weitere Häftlinge vom Schutzhaftlagerführer Max Schobert mit einer Drohrede in Empfang genommen. Anschließend wurde er am ganzen Körper rasiert, und die Aufseher zwangen ihn, kopfüber in ein Becken mit dem Entlausungsmittel Kubrex zu steigen, bevor er seine Häftlingskleidung erhielt. Zunächst kam er für ungefähr sechs Wochen zur Quarantäne in das Kleine Lager in Block 59, wo es von Ratten und Ungeziefer wimmelte. Nach Erhalt der Häftlingsnummer und des Winkels wurde Gert Schramm in das Hauptlager verlegt, wo er in den A-Flügel des Blocks 42 kam. Dort waren überwiegend politische Gefangene aus dem Reichsgebiet inhaftiert. Von dem Blockältesten, der ihm einen Sitz- und Schlafplatz zuteilte, fühlte er sich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder wie ein Mensch behandelt.
Bevor er zur täglichen Zwangsarbeit in den Steinbruch ausrücken musste, musste der gesamte Block zum Morgenappell antreten. Bei der Zählung der Häftlinge kam es oftmals zu willkürlichen Übergriffen von Seiten der Wachmannschaften. Erst wenn alle sauber aufgereiht standen und die Zahl der Häftlinge stimmte, wurde der Abmarschbefehl erteilt. Bei der schweren Arbeit im Steinbruch starben täglich Häftlinge, die das Kommando von Gert Schramm am Ende des Arbeitstages wieder zurück ins Lager schleppen musste, damit beim Abendappell erneut die Anzahl der Häftlinge stimmte. Der Abendappell, bei dem die Blockältesten alle Toten aus den Häftlingslisten austragen und an die Rapportführer weitergeben mussten, wurde häufig in die Länge gezogen, um die Gefangenen zu demütigen. In der Weihnachtsnacht 1944 mussten alle Häftlinge bis 5.45 Uhr morgens Appell stehen.
Durch die Hilfe anderer Häftlinge wurde Gert Schramm nach einiger Zeit in das Baukommando versetzt, wo er Hilfsarbeiter-Tätigkeiten ausführte. Bei der Fertigstellung einer Truppengarage für die SS wurde er am 24. August 1944 durch einen alliierten Bombenangriff verschüttet und durch einen Metallsplitter im Schläfenbein schwer verletzt. Nachdem er von SS-Posten ausgegraben wurde, schleppte er sich in seinen Block zurück. Seine Mithäftlinge versuchten, ihn gesund zu pflegen, doch die Wunde fing an zu eitern, so dass sie ihn in den Krankenbau schickten, wo er von dem SS-Arzt Gerhard Schiedlausky operiert wurde. Ohne Betäubung und unter Zufügung großer Schmerzen zog ihm Gerhard Schiedlausky den Metallsplitter aus der Schläfe, doch seinen Mithäftlingen gelang es, ihn langsam wieder gesund zu pflegen.
Am 11. April 1945 wurde in Buchenwald Feindalarm ausgelöst und die SS aufgefordert, das Lager zu verlassen. Gert Schramm erlebte, wie sich die Häftlinge organisierten und die Kontrolle über das Lager errangen. Der Lagerwiderstand zerstörte die Stromzäune und nahm die übrigen SS-Wachleute gefangen, die anschließend von russischen Kriegsgefangenen bewacht wurden, bis amerikanische Truppen das Lager erreichten.
Nach der Selbstbefreiung Buchenwalds blieb Gert Schramm drei weitere Monate im Lager, um bei der Entlassung und Rückführung der vielen Häftlinge als Schreibangestellter zu helfen. Nach seiner Rückkehr nach Langensalza stellte ihn die amerikanische Militärkommandantur als Leiter des Verpflegungsamtes ein, da sie von seiner Vergangenheit als Häftling wussten und seine Person somit als vertrauenswürdig einstuften. Nach einigen Monaten rückten die amerikanischen Truppen ab – bei der Aufteilung der Besatzungszonen erhielten die Amerikaner West-Berlin und mussten die östlichen Gebiete Deutschlands räumen – und die russische Kommandantur übernahm die Verwaltung. Gert Schramm arbeitete daraufhin für die russische Kommandantur und später für den NKWD als Dolmetscher. Anfang 1948 begann er als Bergmann bei der Wismut AG, wo er es bis zum Posten des Sprengtechnikers schaffte. Nach einigen Jahren bekam er die Erzkrankheit, woraufhin er nach Langensalza zurückkehrte. 1956 lernte er den Cousin einer Bekannten kennen, der aus Westdeutschland zu Besuch war. Er stellte einen Besuchsantrag und gelangte auf diesem Wege nach Essen, wo er als Bergbauer und Sprengmeister blieb. Seine Frau folgte ihm, doch sie kehrten 1964 gemeinsam in die DDR zurück. Nach einigen Wochen im Auffanglager Fürstenwalde wurde die Familie nach Eberswalde geschickt, wo Gert Schramm von den DDR-Behörden Arbeit als Autoschlosser zugewiesen bekam. In den folgenden Jahren folgten viele Berufe, unter anderem als Busfahrer, Verkehrsmeister und Revisionsmeister, doch Gert Schramm begehrte immer wieder gegen Ungerechtigkeiten seiner Vorgesetzten auf. So beschloss er, sich als Taxiunternehmer selbstständig zu machen, was in der DDR kein leichtes Unterfangen war. Doch durch Hilfe des ehemaligen Mithäftlings und Politbüromitglieds im Zentralkomitee, Hermann Axen, erhielt Gert Schramm eine Taxikonzession. Nach der Wende 1989/90 wurde er Vorsitzender der Taxiinnung Eberswalde und half bei der Einführung des Taxiverkehrs nach bundesdeutschem Gesetz in den neuen Bundesländern. Darüber hinaus half ihm sein großes Gerechtigkeitsempfinden bei seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter, die er bis 1995 ausübte. Das ungewisse Schicksal seines Vaters ließ ihm keine Ruhe. Das einzige, was Gert Schramm bis zum Zeitpunkt des Interviews wusste, war, dass sein Vater 1943 illegal ins Deutsche Reich einreiste, um seine Mutter zu heiraten. Er wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo sich seine Spur verlor.
In der Nacht auf den 25. November 1990 kam es in Eberswalde zu einem der ersten Übergriffe rassistisch motivierter Gewalt im wiedervereinigten Deutschland. Das Opfer, ein aus Angola stammender Arbeiter, starb kurz darauf an den Folgen der Gewalt. Dies war für Gert Schramm der Auslöser, sich aktiv gegen Rechtsextremismus zu positionieren und in Schulen über sein Leben zu sprechen. Auch in seiner Tätigkeit als Taxifahrer erlebte Gert Schramm immer wieder extreme Situationen mit Rechtsradikalen, von denen er sich jedoch keine Angst einjagen ließ, sondern denen gegenüber er sich stets behauptete. Seine Überzeugung, dass jeder Mensch gleich ist, war dabei sein Antrieb.