Susanna Langmann (*05.04.1939, Balta)
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- Signatur
- 01111/sdje/0015
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Frankfurt am Main, den 9. April 2010
- Dauer
- 03:17:53
- Interviewter
- Susanna Langmann
- Interviewer
- Ruth Preusse , Gabriele Zürn
- Kamera, Licht und Ton
- Daniel Hübner
- Redaktion
- Lennart Bohne
- Transkription
- Lennart Bohne
Susanna Langmann war noch ein Kleinkind, als sie 1941 in das Ghetto von Balta ziehen musste. Auf engstem Raum lebte sie mit ihrer Familie und bessarabischen Flüchtlingen im Haus der Großmutter. Nur durch den Mut des Vaters war es möglich, dass dort ungefähr fünfzig Personen den Holocaust überlebten. Mit Schwarzmarktgeschäften und Dachdeckerarbeiten gelang es dem Vater, die Familie und die Flüchtlinge aus Bessarabien zu ernähren, die sich im Keller des Hauses versteckt hielten. Nur ein organisiertes Zusammenleben ermöglichte es, dass die Flüchtlinge bis zur Befreiung des Ghettos Ende März 1944 durch Partisanen ihrer Entdeckung durch die Besatzer entgingen. Susanna Langmanns angeborene Hüftprobleme hatten sich während des Krieges stark verschlimmert. Durch das eigene Leiden geprägt, war es ihr Traum, Ärztin zu werden, um anderen Menschen helfen zu können. Aufgrund des staatlich gelenkten Antisemitismus in der Sowjetunion wurde ihr jedoch der Eintritt in die medizinische Fakultät in Kischinau verwehrt. Schließlich gab sie ihre Pläne auf und begann ein Studium für Bäckereitechnologie, das sie 1961 als Jahrgangsbeste absolvierte. Sie zog nach Odessa, wo sie heiratete und ein wirtschaftswissenschaftliches Studium antrat. Bis zu ihrer Auswanderung nach Deutschland im August 1991 arbeitete Susanna Langmann als Buchhalterin. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 71 Jahre alt.
Vorkontakte
Anlässlich der in den Medien behandelten Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, trat Elvira Jamrath, die Nichte von Rudolf Brazda, mit dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) in Verbindung und berichtete von ihrem Onkel Rudolf. Umgehend wurde Rudolf Brazda nach Berlin zur Gedenkfeier für die homosexuellen NS-Opfer eingeladen und persönlich von Klaus Wowereit im Rathaus empfangen; im Rahmen dieses Berlin-Besuches wurde auch ein Interview mit dem Projekt Sprechen trotz allem geplant
Bedingungen
Das Interview fand im Wohnzimmer der Nichte Elvira Jamrath statt; Rudolf Brazda erhielt einige Tage vor dem Interview neue Hörgeräte, die noch nicht optimal eingestellt waren; deshalb kommt es zu häufigen Nachfragen und an einigen Stellen des Interviews sind Rückkoppelungen zu hören
Gruppensituation
Anwesend ist die Interviewerin und ein Kameramann (Kai Schulze); ebenfalls anwesend sind die Nichte Elvira Jamrath und Alexander Zinn vom LSVD
Unterbrechungen
sieben Schnitte
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Eindrücke
Offensichtlich fand kein ausführliches Vorgespräch statt; Rudolf Brazda hat Probleme die Interviewerin einzuordnen und das Interesse an seiner Person zu verstehen; der Verlauf des Interviews ist streckenweise sehr chaotisch; die Nichte schaltet sich immer wieder ein; eine ungeschnittene Version kommt deshalb für die Präsentation im OdI nicht in Frage
[0:00] heute ist der neunte April 2010 wir sind in Frankfurt am Main in der Wohnung von Susanna Langmann wir wollen mit ihr ein Interview führen für das Projekt »Leben mit der Erinnerung« mein Name ist Ruth Oelze anwesend sind außerdem ähm Gaby Zürn die die
[0:18] zweite Interviewerin ist und Daniel Hübner an der Kamera wir arbeiten alle für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas [Schnitt]
[0:24] mein Name ist Langmann mein Geburtsname ist Yadushliver mein Vorname ist Susanna äh ich bin geboren in Stadt Balta Odessa Gebiet in Jahre 193- äh 39 am fünften April genau vor äh etliche Tage war ich 71 Jahre alt geworden meine Eltern mein Vater [zeigt
[0:59] Foto] Yakov Yadushliver das vor äh Kriegs- -zeiten und äh er [zeigt weiteres Foto] mein Vater ähm im Jahre 1990 91 vor unserer Auswanderung mh von vor [betont:] meiner Auswanderung nach Deutschland so meine Mutter [zeigt Foto] Shendel Lechtman ähm äh
[1:37] das ist äh Jahr äh zwei 33 mein äh meine Mutter war damals äh 23 Jahre alt auf diesem Bild und äh [zeigt weiteres Foto] da das bin ich mit meiner Mutter genau vor dem Krieg ich war anderthalb Jahre alt und meine Mutter äh sagen wir 27 Jahre oder 28
[2:09] Jahre alt äh so äh mein Vater war ein äh Techniker äh für äh Messgeräte er hat studiert äh er hat zwei Diplomen gehabt er hat äh vor ähm der Heirat hat er ähm studiert in Stadt Charkow äh meine Mutter war eine Telegraphistin äh an der Post Stadt
[2:54] Balta ähm die Arbeit war äh sehr äh verantwortlich entschuldigen Sie bitte und ähm es war äh ähm schlimme dreißigte Jahre in äh Russland in der Sowjetunion äh -union äh das weißen viele und ihre Arbeit als Telegraphistin war ähm sehr äh schwer
[3:33] für sie weil äh sie hat äh dazu noch ganz schlecht gesehen äh kurzsichtlich Entschuldigung so und ähm
[3:47] und ich war ein schwaches Kind von Geburts äh Geburt an und äh ich bin geblieben mit meiner Oma meine Oma war damals äh äh siebzig Jahre alt vielleicht
[4:08] so viel wie ich jetzt und ähm sie war äh schon ein äh auch äh älterer und äh nicht gesunder Mensch äh s- meine Oma ihr Name war Esther Lechtman äh mh hat sich gekümmert um mich und äh sie musste äh drei oder mehrmals pro Tag bringen mich zu meiner
[4:42] Mutter zu der Arbeit meiner Mutter mein Mutter soll mich stillen ähm weil meine Mutter war äh noch äh bei ihrer Arbeit und konnte nicht äh lassen die Arbeit die Arbeit war wie ich hab schon gesagt äh sehr verantwortlich weil viele Befehle äh sind über
[5:05] Telegraph von der Regierung äh nach unten und von ähm die äh (Örte) nach oben gegangen und jeder Fehler äh war äh sehr gefährlich man konnte ähm nu nicht das Leben aber die Freiheit sofort verlieren so ähm meine Mutter musste mich stillen ein Jahr
[5:44] und sieben Monaten weil ich war nicht gesund wie meine Mutter später erzählt hat vielleicht hat meine Oma äh bei diesem Tragen mich zu ihrer Arbeit es war weit es war äh ähm ziemlich weit von von der Wohnung bis die Arbeit und sogar Winter in der schwere
[6:09] Decke mit alle Klamotten was ein Kind braucht ein älterer Mensch vielleicht irgendwo hat äh die Decke sich ähm etwas nicht ordentlich war und vielleicht hat sie mich erkältet erkältet vielleicht äh war man weiß nicht äh lange wusste man nicht und
[6:40] jetzt auch was war mit mir entweder Nieren nicht gesund aber wie hat sich weiter raus gestellt es war die [fasst sich an die linke Hüfte] linke Hüfte ähm entweder war etwas von Geburt oder oder äh danach ähm meine Mutter hat ähm gemerkt dass etwas nicht
[7:03] in Ordnung mit mir wenn ich bin äh wenn ich äh bin angefangen zu gehen als kleines Kind irgendwo nach ein Jahr so ich habe wie eine Ente gegangen und sie hat äh bestellt ein eine Überweisung in Balta waren kein Röntgen man und das muss man nach Odessa
[7:29] fahren um ein Röntgen zu machen und äh feststellen was ist mit meine Beinchen und äh sie hatte schon diese Überweisung gehabt wenn äh der Krieg äh ausgebrochen ist und äh alles sofort war vorbei weil man mussen man musste sich äh retten man muss fluchten
[8:04] man muss etwas unternehmen es war sehr sehr schrecklich ähm
[8:11] mein Vater hat gearbeitet in ein kleinem Werk äh das Werk hat produziert äh Messgeräte große äh Waage kleine Waage und ähm mein Vater war von Kindheit an taub auf dem linken Ohr und war nicht
[8:39] äh äh zu ähm Militär äh gerufen wegen seiner Krankheit dazu war er noch verantwortlich äh für Evakuierung ähm Messgerätlabor dort in der Labor waren äh teure Messgeräte neue Messgeräte sie mussen nach Osten evakuiert sein und im letzten letztes
[9:16] Auto letzten Lastwagen können äh wir benutzen hat man uns erlaubt ihm hat man erlaubt äh seine Familie auch nach Osten äh mitzunehmen aber aber aber äh kein letztes Auto äh hat man nicht gefunden vielleicht nicht alle Geräte waren evakuiert aber viele
[9:45] schon und mein Vater musste äh schnell schnell suchen irgendwelche Transport irgendwelche -mittel äh wir sollen äh schnell die äh Stadt verlassen können und ähm das hat er vielleicht eine Fahre Fuhre mit zwei Pferde gefunden und ähm wir mit unserer
[10:16] Oma ähm haben verlassen probiert die Stadt zu verlassen ähm wir sind nicht ganz weit äh weggegangen ähm uns hat m- hat man erreicht mit äh ähm äh Motor- -räder die deutsche Truppen man hat uns alle ähm in ein äh [deutet mit den Armen einen Kreis
[10:50] an] äh Ring genommen und äh und mit laute Befehle »zurück zurück zurück« hat man uns zurück in der Stadt getrieben äh wir sind äh schon zu Fuß zurück gegangen äh mit mir auf die Hände mit meine alte alte Oma und äh über äh die äh u- ukrainische
[11:23] Dörfer die ukrainische Bauern äh haben ähm zugegangen und äh die äh das waren die Flüchtlinge warum heißt es viele waren nur Juden oder Kommunisten und äh sonst die Bevölkerung ist geblieben alle haben geglaubt das Deutsche sind äh ordentliche kulturelle
[11:59] äh ganz äh intelligente Menschen und das kann nicht sein [betont:] das was russische Zeitungen geschrieben haben äh weil russische sowjetische Propaganda ähm haben viele verstanden ist nicht alles ist die Wahrheit und darum viele sogar sogar Juden auch
[12:32] und meine Oma vo- meine Mutter von mein Vater sind in Ba- Balta geblieben und gewartet kann man sagen oder so auf Deutsche russische Leute haben sich äh angekleidet in ähm schöne Sachen mit weiße Tuchern mit Brot und Salz haben ähm begrüßt die Deutsche
[13:03] die Juden haben ähm wenn sie äh sind über die Dörfer gegangen äh hat haben viele jüdische Frauen ihre Kinder äh gewollt abgeben äh in die Dörfer und ähm Mädchen hat man genommen gerne kann man sagen weil noch dazu die Mutter haben alles ihr Schmuck
[13:35] und äh Sachen abge- abgegeben um die Kinder zu retten und ähm wenn die Mutter jüdische Mutter wollten ihre Jungs äh Jungen Jungs abgeben äh war das sehr sehr schwierig man hat sogar nicht genommen die kleine Kinder weil jüdische Jungen äh waren alle
[14:02] mit ähm Beschneidung Brit Mila und äh und die russische ukrainische ähm (Bauern) haben Angst gehabt äh was kann passieren mit ihre Familie viele ähm Leute haben gelesen gehört was die Deutsche machen äh in die Gebiete die sie äh okkupieren [trinkt]
[14:34] so äh mich hat man auch abgegeben ähm in einem Dorf Pasicely das Dorf in Gebiet Balta ähm dort haben gewohnt äh Eltern von ähm Kollegen von einer Kollegin meiner äh Mutter und sie haben mich gerne genommen und ich bin geblieben in diesem Dorf ähm und
[15:10] ein paar Wochen war ich dort bis meine Eltern meine Oma haben irgendwas äh in Balta unternommen um äh irgendwo eine ähm Unterkunft äh zu finden ähm
[15:29] wir haben oder meine Familie hat Glück gehabt weil äh das ähm Gebäude wo meine Oma die Mutter von meinem
[15:42] Vater gewohnt hat äh war äh in diesem äh in dieser Teil Balta wo ein jüdisches Ghetto eingerichtet worden und äh meine äh zweite Oma auch Esther beide Oma äh waren das gleiche Namen gehabt Esther Esther Yadushliver sie hat gewohnt vor Kriegszeiten
[16:10] in ihr Haus mit zwei Töchter ähm eine die ältere von die zwei Töchter Kla- Klara ist äh nach Osten mit äh dem mit dem ähm zweiten Sohn meiner Oma Josef geflo- geflohen nach Osten und sie äh kleine Tochter Anna ähm sie hat studiert in Odessa Medizin
[16:42] und sie war nicht dabei bei ihrer Mutter danach äh hat sie hat äh schon nach dem Krieg äh haben wir äh gewusst dass sie hat äh absolviert dem medizinischen Institut in Taschkent und äh sie war verpflichtet als Ärztin in den Krieg zu gehen und sie äh
[17:13] war auch Kriegs- äh -teilnehmerin sie hat ähm ich weiß nicht zwei oder mehr Jahre ähm gearbeitet in hospitals äh bei die verwundete Soldaten Verzeihung und so weiter und äh die Oma zu dieser Zeit war äh in ihr äh Häuschen allein und äh meine Familie
[17:46] ist zu ihr gezogen und sogar die Schwester von meiner Mutter mit zwei Kinder weil wir alle waren ähm ausgetrieben von ihre ähm Wohnungen weil äh jener Teil von Balta ähm war äh nicht Ghetto Ghetto war bestimmte ähm Straßen ähm Ecken so äh Stadt
[18:31] Balta legte in ähm sieben Kilometer von dem Bahnhof und äh in einem Tal und Stadt Balta war kein strategisches äh Ort oder Stadt für deutsche Truppen und darum äh ist Balta bisschen [gestikuliert] in der Seit von von die äh Wege wo deutsche Truppen ähm
[19:05] Interesse gehabt haben äh gehabt [winkt ab und lacht] Entschuldigung äh und aber aber sie waren in Stadt Balta sie waren sofort äh ange- marschiert in Balta und äh meine Mutter hat erzählt es war so so schrecklich weil die Leute haben nicht gesehen so
[19:27] welche Technik so welche Autos sie waren so groß wie die Häuschen in der Stadt Balta sogar noch größer und und so laut und so und so es war eine äh sehr es war sehr schrecklich äh und äh so und Balta ähm ist geteilt [trinkt] mit ein Fluss Kodyma
[20:11] auf zwei Teile [gestikuliert] Süd und Nord Nord äh waren dort war Zentrum von Balta dort waren äh alle offizielle Gebäude die Post zum Beispiel und (iz parkom) und so weiter und die Südseite dort haben gewohnt äh nur fast arme Menschen dort äh gerade
[20:46] dort äh war äh das Ghetto eingerichtet ähm sogar das Ghetto war geteilt äh auch mit einer ähm ziemlich breite Straße äh Namen Uwarowa auf äh zwei nicht gleiche Teile wir sind geblieben in der äh Gass in der Straße parallel zu äh Uwarowa äh Straße
[21:25] Tkatschenko äh das nur die Straße hat gehört zu Ghetto von dieser Seite das vielleicht äh Ostseit und äh Westseit war äh große Teil von Ghetto Senjanskie Ulitze Senjanskie-Straße ähm ja meist alle waren dort ähm so
[21:59] was erzähl ich noch ich erzähle
[22:02] noch von dem ähm von der Schtib sagt man auf jiddisch wo meine Oma gewohnt Oma Esther Yadushliver gewohnt hat und wo äh wir sind geblieben äh in Ghetto es war nicht der ganze äh der ganze Gebäude nur halbe Teil mein Opa Leib Yadushliver hat gekauft mit
[22:36] seine Schwester das Haus äh sie sind aus ein ganz ganz äh Städtchen Rashkov in Moldawien nach Balta gezogen vor viele Jahren mein Vater ist 1909 geboren in der Stadt Städtchen Rashkov in Moldawien und sie waren vor ähm Revolution 1917 äh nicht äh
[23:18] arme Leute und sie konnten das äh machen ein äh Gebäude ein Haus zu kaufen in Stadt Balta und dort äh hat mein Opa ein Laden Laden für Sachen äh die Leute benutzen war Renovierung Restaurierung ihre Wohnungen ähm irgendwelches Eisen äh Schlösser ähm
[23:52] nur nur so es war ein Laden bei mein äh Opa äh und das Haus war äh in einer Ecke zwischen zwei Straßen gestanden eine Straße waren war wie ich habe schon erwähnt Uwarowa und die andere Tkatschenko und neben dem Haus war ein äh kleines Platz Marktplatz
[24:26] und äh es war vor in jene Jahren war es ganz wichtig von meinen Opa weil äh dort äh waren viele Leute haben vorbei gegangen und in seinen Laden rein geguckt und etwas gekauft sehr gut war das äh Haus und äh und in Kriegszeiten bei Ghettozeiten neben
[25:00] äh diesem Haus also diesem kleinen Platz zu diesem kleinen Platz sind gekommen Bauern und ähm und sie haben dort getauscht äh Lebensmittel gegen äh irgendwelche Sachen von Juden die in Ghetto geblieben sind und äh so und äh nach zwei drei Wochen wie
[25:36] ich gesagt habe [trinkt] geht mein Vater äh in da- in das in das Dorf Pasicely um mich ähm wegnehmen von diese russische Leute so und dann hat man mich auch gebracht äh zu meiner Oma Esther Yadushliver äh das Haus das die Teil von meine Oma das erinnere
[26:11] ich mich sehr gut äh weil wir haben dort gewohnt noch bis äh Jahre ähm 1949 geblieben dort ich war in der Schule ich bin in der Schule gegangen wir äh waren noch dort bei unserer Oma ähm aber äh in Ghettozeiten haben bei meiner Oma über zehn Leute Unterkunft
[26:45] bekommen es war äh die Familie von meiner Mutter meine Mutter mein Vater meine Oma ich vier Menschen äh die Schwester von meiner Mutter mit zwei Kinder das ist sieben selbst äh meine Oma Esther Yadushliver das ist acht und die ähm ihre äh wie sagt man
[27:14] ähm Eltern äh von der Schwiegertochter meine Oma Esther Yadushliver von ähm das war der Vater die Mutter und die Schwester und das ist insgesamt elf Menschen außerdem hat meine Oma ähm die Flüchtlinge aus Bessarabien auch ähm aufgenommen und auch probiert
[27:53] oder gegeben ihnen eine Unterkunft äh sogar wenn die Schwester von meiner Mutter mit ihre Kinder hat äh für sie eine andere Unterkunft gefunden ähm hat äh war das es war dort ein dunkles Zimmerchen und dort haben gewohnt geblieben die Flüchtlinge aus
[28:20] Bessarabien und äh das war noch ein kleines kleines Zimmer äh das meine Oma hat genennt Schlafzimmer und dort waren ähm untergebracht wie sagt man meine Oma Esther Lechtman die Mutter von meiner Mutter meine Mutter ich und mein Vater vier Menschen das war
[28:45] so kleines Zimmerchen das ich kann nicht jetzt gar nicht vorstellen wie konnten wir dort alle
[28:53] äh bleiben äh in diesem Zimmer war noch ein ähm Herdchen Herd geblieben äh mein Vater hat das gebaut von Blech das erzähl ich bisschen weiter von mein Vater
[29:22] ähm mein Vater ist äh zurück nach Balta mit alle ähm Flüchtlinge äh die sind zurückgekehrt nach Balta auch nach Balta gekehrt und ähm er war er und der Vater von der Schwiegertochter meiner Oma es waren zwei Männer sonst neun Menschen waren Frauen
[30:02] und Kinder und der äh der äh Vater von der Schwiegertochter war auch ein älterer Mensch und mein Vater war der einzige junge 31jährige Mann [trinkt] der konnte etwas unternehmen der war mobil und aktiv und ähm und äh dank in erster erster Reihe
[30:44] ihm sind wir ähm alle am Leben geblieben nicht alle alle das ist falsch gesagt äh dass neben meiner Oma hat gewohnt noch besonders von ihr noch eine Tochter es war die Tochter von äh mein Opa meine Oma hat geheiratet ihn er hat zwei Kinder gehabt damals
[31:18] und ähm und äh der Sohn weiß ich jetzt nicht wo war er irgendwo in in Ersten Weltkrieg ähm gefallen oder ähm ich weiß nicht wo und die Tochter mit ihre drei Kinder war auch neben uns und das äh war äh die alle ähm Menschen um die mein Vater sich gekümmert
[31:52] heimlich nachts ist er aus Ghetto rausgegangen um in die Dörfer etwas tauschen ähm gegen irgendwelche Sachen etwas ähm Lebensmittel uns bringen er hat sich äh eingekleidet als äh Bauer mit zwei [gestikuliert] Säcke über die Schulter in einem äh in
[32:30] einer Mütze äh wie ähm moldawische Leute und äh und dann hat man ihm äh als Jude nicht ganz erkennen könnte und äh wie erzählt hat mein Cousin er hat selbst gesehen äh wie die Deutsche haben versammelt äh in der Stadt und in Ghetto Männer ähm Jungs
[33:02] äh ja und äh um äh sie zur Arbeit oder irgendwo in KZ zu treiben und mein Vater mit diese zwei Säcke war äh auch mit und äh Deutsche [gestikuliert] ein Deutscher hat ihm äh diese Säcke rausgeschleppt von dieser äh Kolonne und gesagt [gestikuliert]
[33:31] »weg weg« äh er hat gemeint dass das sei ein (Bauer) und das hat ja und äh wie gesagt viele glückliche kann man sagen Zufälle äh Zufälle waren ähm dabei dass äh elf Menschen von diese 14 wie ich habe gerechnet oder sogar mehr elf und vier 15 Familienmitglieder
[34:08] sind äh nach dem Krieg am Leben geblieben so das ist dankbar meinem Vater äh der hat gearbeitet der äh der hat äh alles mögliche gemacht um uns ähm am Leben zu äh halten so
[34:37] noch äh noch unser Glück war dass in dem Haus meiner äh Oma war ein großer
[34:51] tiefer Keller es äh war ein Lager für äh diese ähm Waren die sie verkaufen äh verkaufen in ihrem Lädchen vor sowjetische Zeiten danach waren dort äh irgendwelche Fässer mit ähm Kraut äh mit Säcke mit Kartoffeln zu Winter vorbereitet und ähm
[35:30] Holz zum Beheizen äh die Gebäu- Gebäude und so weiter und der Keller war groß und äh tief mit einem [gestikuliert] Leiter von dem Flur äh von dem Eingangs- neben der Eingangstür war ein Luk und äh dort äh stellt man ein Leiter und mit diesem Leiter
[35:58] kann man klettern nach unten in Keller und von Keller nach oben auf dieser Luke äh ist bei Ghettozeiten immer ein Schrank gestanden um äh man soll nicht erkennen dass unter diesem Schrank ist ein Luk und äh wir noch haben gewusst dass kann man bisschen
[36:22] schieben zur Seite der Schrank war fast leer und äh und in Keller zu kommen und äh von anderer Seite der Gebäude war war die Teil von der Schwester meinem Vater ähm war ein Eingang von dem Hof äh der Hof war auch auf zwei Teile so wie die Gebäude geteilt
[36:52] aber äh in Ghettozeiten in diesem Zaun waren Löcher äh waren irgendwelche Bretter die konnte man zur Seite schieben und von einen Hof in anderen kann man kommen und genau das habe ich erzählt ich äh weil man hat gebitten mich meine Erinnerungen schreiben
[37:18] habe [lächelt] ich angefangen etwas zu schreiben und äh zwei kleine Geschichten von dieser Zeit ähm waren von meine deutsche Bekannte auf Deutsch übersetzt worden ich habe ihnen erzählt auf Deutsch und sie haben das ähm in bessere Sprache deutsche als
[37:44] ich spreche das geschrieben ja ähm die schreckliche wie man kann sagen Geschichten aber mit glückliche Ende äh alles was meine Eltern meine Oma erzählt haben äh waren glückliche äh Ende haben gehabt sonst sonst hat es keinen Sinn zu erzählen ihre ähm
[38:15] schreckliche Zeiten das was sie überlebt haben es war sehr sehr schrecklich für diese Frauen mit diese Kinder die sind äh geblieben in Ghetto so äh das war Ghetto das war kein Konz- -lager aber trotzdem äh die Schwester von meiner Mutter hat gewollt
[38:44] unbedingt äh Selbstmord beginnen und sie hat gebitten gefordert meine Mutter und äh alle Leute wir sollen sich selbst das Leben nehmen äh wir sollen nicht bleiben weil äh sie hat verstanden dass äh uns äh erwarten sehr schlimme Zeiten in Ghetto es war
[39:12] wirklich sehr schlimm aber aber äh nicht die ganz ganze äh Zeit ähm Balta war äh mit rumänische Truppen äh okkupiert und sogar manchmal italienische und äh deutsche wie ich habe schon gesagt ähm Zeit zur Zeit äh auch einmarschiert äh sind in die
[39:45] Stadt in Ghetto und dann war sehr sehr äh schrecklich und ähm wenn äh ich weiß nicht wie hat sich verbreitet die äh Nachricht dass Deutsche kommen »Deutsche Deutsche sind da am Bahnhof« und die Leute sofort haben sich versteckt wer und wie konnte äh
[40:09] von Anfang an von Anfang an äh die Leute die von äh andere Teile der Stadt in Ghetto getrieben sind ähm und keine Unterkunft gefunden schnell ähm waren deportiert sofort in KZ es so welche Schicksal hat äh die äh Schwiegermutter von ähm meiner Tante
[40:41] die Schwester von meiner Mutter weil sie hat gewohnt nicht mit ihnen und äh und es war große Panik von Anfang an und man hat nicht gewusst wo sie ist und wie auch ein älterer nicht gesunder Mensch und äh sofort hat man verstanden dass äh vielleicht hat
[41:05] man sie auch vernommen wenn die Deutsche sind einmarschiert in die Stadt ähm ja es war wie ich hab schon gesagt sehr schrecklich für alle Leute sie sind sofort bei uns zum Beispiel in dem Keller geklettert und oben oben ist geblieben nur meine Oma Esther
[41:36] Yadushliver [trinkt] und ich äh mit meiner Mutter weil ich war von Anfang an noch ein ganz kleines Kind ich habe nicht äh alles verstanden ich habe gesehen dass mein Mutter zittert und und ich als [lacht] ja habe gesagt »Mutter ich habe keine Angst
[42:08] von diesen da sind Rotarmisten« und meine Mutter [hält sich die Hand vor den Mund] hat mir äh den Mund zugemacht ich soll nicht laut sprechen ich soll nicht äh weinen ich soll nicht lachen und die ähm andere Leute die in Keller waren das war nicht von
[42:25] unserer Familie da war das war noch eine große Familie mit Bekannte und Verwandte von der Schwester meines Opa von jene Teil der Keller war unter der ganze Gebäude er war er war auch geteilt er war auch geteilt und dort die ähm [gestikuliert] Zugang oder
[42:53] Eingang von einer Teil äh des Kellers zu andere war auch äh Schränke oder etwas zugemacht zugemacht so und ähm und die Leute haben von Anfang an nicht erlaubt äh meiner Mutter mit mir in Keller zu gehen weil das kleine Kind kann weinen schreien etwas
[43:20] und äh weil dort haben sehr still die Leute gesessen so und es war ähm es war so wie ich hab beschrieben in diesem äh in dieser Geschichte ähm zwei Deutsche sind reingegangen in äh Zimmer wo äh meine Mutter mit meiner Oma mit mir auf der Hand gesessen
[43:44] hat und äh wie beschreibt meine Mutter in ihre Erinnerungen sie haben so reingetreten dass (viellei-) dass die Tür ist umgefallen von das das Zimmer mit laut und ja und äh mit Gewehr [gestikuliert] »wirst erschossen« ein Gewehr auf meine Mutter die anderes
[44:08] auf meine Oma und meine Mutter ist äh sitzen geblieben zittert und sagte »Oma geben Sie ihnen etwas etwas etwas« sagt »ich habe gar nicht ich habe gar nicht« weil alles war schon ähm ich weiß nicht wo wenn war etwas hat noch ähm während sowjetische
[44:30] Zeiten abgenommen worden gerade mein Opa äh mein Opa ist äh in Gefängnis verstorben in ähm sowjetische Gefängnis äh wegen Gold man kann gefordert man hat gefordert von ihm Gold abzugeben weil äh man hat gewusst dass äh irgendwann waren sie nicht
[45:08] so arme Leute vielleicht haben sie versteckt irgendwo irgendwelches Gold und er hat kein Gold gehabt hat man ihm und meine Oma in Gefängnis genommen aber sie hat man äh nach einiger Zeit äh weg gelassen ähm raus gelassen weil sie hat vier Kinder gehabt
[45:33] noch äh kleine das war die zwanzigste Jahre und zur Zeit Ghetto hat man schon kein Vermögen kein Geld war gar nicht Geld war gar nicht und Gold hat man keins und meine Oma sagt »ich habe gar nicht ich habe kein« »etwas etwas« sagt meine Mutter und die
[45:55] Oma nehmt von sein äh von ihre ähm Schürze ja zwei Schachteln mit Holz äh wie sagt man
[46:08] Streichhölzer
[46:10] Streichhöl- genau und äh legt die zwei Schachtel ähm gegen diese zwei Deutsche ich habe noch nicht erwähnt dass meine Mutter schreibt sie war wusste das von Anfang an dass [hustet] meine Oma ist gesessen über einem [gestikuliert] Gebetbuch sie hat gebeten
[46:34] und gebeten was sollen sollen die Leute noch unternehmen äh nur zum lieben Gott äh den lieben Gott bitten etwas ihnen äh Rettung zu schicken und äh vielleicht das ist passiert weil die beide Deutsche hat einer genommen ein Schachtel der andere das zweite
[46:57] und sie haben rausge- äh (abgelasst) ihre Gewehr umgedreht und weg- -gegangen und nachdem hat meine Oma gesagt die Leute im Keller »da sind mein Haus das ist mein Keller und da sind meine Kinder [betont:] und die Kinder bleiben da und wer hat Angst und
[47:28] wer äh will nicht kann bitte kann gehen und lassen Sie ähm die Kinder meiner ähm Schwiegertochter und äh ihre K- ihr Kind bleiben dort wo wo sie wollen« und von dieser Zeit hat man schon Jahr im Keller ja das war eine schreckliche Sache
[47:55] danach war ähm
[48:02] war noch einige das erzähl ich von meiner Mutter ja man hat Angst gehabt man hat äh sehr viel Angst weil jede Minute jede Sekunde war ähm Tod an der Schwelle wie sagt man und aber was man muss machen was hat man Mut gehabt man hat das gemacht ähm die
[48:28] Schwester und die ähm Nichte von meiner Mutter die Tochter waren erkrankt nach Typhus und äh es war in andere Teil des Ghetto ein Krankenhaus äh wo sie waren dort in dem Krankenhaus und meine Mutter jeden Tag musste überqueren die Uwarowa-Straße ohne
[49:02] Pass ohne ähm ja um etwas zu essen etwas [zeigt Richtung an] bringen ihre äh Schwester und Nichte das war wirklich [ballt die Fäuste] dass muss man Mut haben weil äh weil dort war abgeriegelt abgesperrt äh und äh bewacht weil es war ein Weg zu Bahnhof
[49:27] und dort hat ähm manchmal oder oft äh viele ähm Waggons äh Autos mit Gewehren mit äh Ausrüstung mit deutsche weiß nicht was äh [gestikuliert] nach dem Bahnhof und von dem Bahnhof äh vorbei dem Haus meiner Oma gefahren das habe ich noch nicht erwähnt
[49:54] er war es war im Haus noch ein Zimmer großes nicht beheiztes es war ähm der Laden es war der Laden mit große Fenster auf der Uwarowa-Straße und das hat man sofort gesagt mit Bretter [gestikuliert] äh zu machen die Fenster und die Tür auch ähm mit Nagel
[50:24] äh zu und äh und das Zimmer hat man nicht benutzt in Ghettozeiten weil unter die Fenster auf dem Weg haben vorbei gefahren ähm militärische ähm Verkehr sagt man militärische Autos und so weiter
[50:50] so ähm mein Vater mein Vater meine Vater hat man oft
[51:01] äh nachts geweckt und irgendwann getrieben ähm einmal war es zum Bahnhof äh nicht einmal es war zum Bahnhof und dort muss man äh ausladen von die Waggons irgendwelche Sachen schwere äh dann hat man ähm viele junge Leute nicht nur Männer wer es ziemlich
[51:31] jung war hat man getrieben und ähm einmal ist äh sogar von dem Bahnhof oder äh auf dem Weg zum Bahnhof oder nicht einmal (probiert) von der ähm von äh die Leute zu verlassen zu fliehen und äh das muss man auch viel viel Mut haben aber er hat gewusst
[51:59] wenn er ist nicht am Leben die ganze Familie geht zu Grund weil ähm die alle waren nur auf ihm ähm auf gewiesen nur er konnte etwas äh machen die Leute sollen haben etwas zu essen und so weiter und äh einmal die Leute die waren zum Bahnhof getrieben
[52:29] worden waren dort verbrannt worden Entschuldigung ich stottere [trinkt; leise:] (noch einen) Schluck Wasser
[52:47] [gleichzeitig:] möchten Sie noch ja Sie können meine Tasse haben [reicht Frau Langmann eine neue Tasse]
[52:50] [gleichzeitig:] danke danke danke danke [putzt sich die Nase] Entschuldigung äh so äh mein Vater hat ähm bisschen sich vielleicht eingewöhnt in diese Situation und äh weil er hat in der Schule Deutsch studiert in und Jiddisch ist ähnlich wie
[53:23] Deutsch hat er äh vieles verstanden und äh dann hat er probiert Arbeit zu suchen und irgendwo sich (legalisieren) wie gesagt etwas um äh sich sicherer fühlen bei diese Zeiten und er hat gefunden so welche Arbeit weil er hat keine äh Angst vor Arbeit
[53:53] hat er keine gehabt und ähm er hat gearbeitet in der Nordteil Balta als äh Dachdecker Dachdecker noch [lächelt] etliche Jahre nach dem Krieg hat man Leute ähm von ihm gesagt »ah Yakov der Dachdecker« das hat man äh hat er schon so welche Name bekommen
[54:22] in Balta später so und äh weil er hat die ähm Dächer gedeckt mit äh Blech und Blech war äh verschiedenes ähm weiches weißes und schwarzes und so weiter hat er auch äh sein Leben auf die Karte gestellt wie in der russische Roulette er hat [betont:]
[54:56] musste stohlen äh ein Stückchen Blech und unter äh seinem Hemd unter äh seinem Kleider bringen und danach nachts in Keller hat er von diesem Stück ähm Blech Sachen gemacht die er konnte weiter bei russische Leute auf dem kleinen Markt zu tauschen
[55:30] gegen Lebensmittel ähm er hat äh so die Arbeit ähm gut gemacht äh dass bei ihm hat man viel gekauft Formen für ähm Ostern- ähm -kuchens Paska und von Brot äh dass äh die Bauern haben gebraucht äh so welche Sachen noch hat er so [deutet Form an]
[56:11] Blech- äh -formen gemacht die man konnte um russischen Ofen äh stellen und dort ähm Strudel sagen sagen Sie oder so backen äh so ähm hat unserer Vater ähm überstanden die Zeiten er hat ein Pass bekommen um äh die Uwarowa-Straße überqueren und
[56:53] in die Stadt zu gehen so so und das hat er benutzt und irgendwo weiter zu gehen und etwas etwas etwas äh für die ganze Familie für die Nachbarin für die Flüchtlinge aus Bessarabien ähm bekommen
[57:14] so [putzt die Nase] jetzt [trinkt] jetzt will ich ein
[57:26] bisschen erzählen von diese Flüchtlinge aus Bessarabien ich erinnere mich um drei von diese Frauen ein junges Mädchen Name Taube (Tube) (Tabe) ich weiß nicht so ihre Name sie hat mir äh Vieles beigebracht sie hat äh mir Puppen genäht äh sie hat mich
[58:02] äh mir äh gezeigt wie man ein Nadel nimmt man in die Hände wie man näht wie man äh mit Schere kann man ausschneiden Servietten ähm sie hat mich äh stricken [gestikuliert] gelernt und (sticken) äh so und äh Buchstaben und Zeichnen auch das erste was
[58:38] ich habe äh gemalt gezeichnet was sie hat mir beigebracht war der schreckliche oder weiß nicht Mogen David von zwei drei eckige äh Sachen ja äh und äh und deutsche Wörter wie »Jude kaputt« »schnell« »halt« »zurück« und so weiter habe ich weiß
[59:12] ich von jene Zeit sogar man hat gelacht äh ein Witz hat man gesagt äh danach schon danach nach dem Krieg hat man bei mir gefragt »wo bist Du Sana« haben wir gesagt »ya (kaputtka) « von kaputt ich bin gehöre zu diese Leute die kaputt weil das Wort war
[59:46] in äh sehr sehr oft ja alle haben sich vorbereitet äh zum Tod was (zu) sagen ja meine Mutter hat noch eine Cousine noch äh noch Verwandte in Balta gehabt eine Cousine ein junges Mädchen ähm blonde Haare äh blaue Augen sie war nicht äh ähnlich als
[1:00:26] Jüdin und sie und ihre Bekannte ihre Freundin haben sich verkleidet in zwei drei Kleider haben sie äh auf sich äh angezogen und etliche Röcke und etwas noch das beste das sie gehabt haben und sie haben äh von Ghetto ähm geflohen weg gegangen sie haben
[1:01:00] gesagt »wir sind äh sehen nicht aus als Jüdinnen uns gelingt« aber aber man hat sie mehr nie gesehen man hat erzählt etwas vielleicht von diesem Mädchen oder von andere die ermordet waren unterwegs irgendwo es war Winter und so weiter und ja viele was
[1:01:25] passiert mit diese Mädchen weiß genau keiner weiß nicht aber aber sie waren ermordet nicht anders nicht anders (wohin denn)
[1:01:37] nur meine Oma Esther Lechtman die Oma von meiner die Mutter von meiner Mutter äh sie ist äh in Jahre 42 verstorben in Ghetto nachdem
[1:01:59] das äh der Polizei es war ein schrecklicher Polizei in Balta jeder wer überlebt hat äh Ghetto in Balta ähm weiß seine Name Parapan Parapan der Parapan ich weiß nicht ob er äh ein moldawischer Mann oder ukrainischer er hat meine Oma äh auf dem Markt
[1:02:27] weiß nicht was ist passiert ist keiner kann das sagen mit dem Stock etliche Mal über die Rücken ähm geprügelt geschlagen und äh sie war ein wie ich hab schon erwähnt ein ähm schwacher kranker Mensch siebzig oder über siebzig Jahre alt und äh nachdem
[1:02:55] ist sie liegen geblieben und sehr schwer geatmet und ähm jeden Morgen bin ich zu ihr zu gekommen und ich jeden Morgen sage »guten Morgen Oma« auf russisch »dobroe utra baba« und sie hat mir geantwortet »dobroe utra ljuba« und jeden Morgen und äh und
[1:03:21] ich habe sogar nach dem Krieg lange gemeint dass ihr Name war Ljuba aber sie hat mir gesagt »Liebling Liebling guten Morgen Liebling« und eines einmal habe ich zu ihr zugegangen und sage »dobroe utra baba« aber sie hat nicht geantwortet weil sie war schon
[1:03:44] tot [kämpft mit den Tränen] und das war der achte März äh 1942 und ähm in Russland immer noch bis jetzt [trinkt] achter März ist ein Fest ein Frauentag und ich oft wenn (nicht immer jetzt) weil das ist schon wieviel Jahre von 42 erinnere mich an
[1:04:19] diesem Tag und um meine diese Oma Oma Esther Lechtman ich habe ausgefüllt ein eine Liste von Yad Vashem von äh ihr und geschickt nach Israel [trocknet die Tränen] so meine Oma meine Oma Esther Yadushliver hat überstanden diese schlimme Zeiten sie war auch
[1:04:50] so alt wie jene Oma aber nu etwas anderes Schicksal meine Oma diese Oma Esther Yadushliver war sehr hilfsbereit
[1:05:04] jetzt will ich wieder erzählen für die Flüchtlinge von Bessarabien äh es war zwei Frauen Eva und Etja äh Namen äh ich weiß nicht wie viel
[1:05:24] Jahre waren sie alt äh sie haben ausgesehen alt und das erinnere ich mich sehr sehr gut weil vielleicht habe ich das gehört selbst dass eine hat erzählt wie man hat die alle Juden von ein von einem Dorf moldawischen bessarabischen raus getrieben und äh
[1:05:55] bei diesem Dorf hat man äh gefordert sie sollen graben äh transhej und das haben sie alle gemacht und danach hat man die Frauen [gestikuliert] weg getrieben und die Männer die Jungs die Kinder männliche Geschlecht hat man bei diesen transhej getötet
[1:06:36] und und sie sind umgefallen lebendig oder tot und die Frauen mussten danach unter diese Gewehre zu diese transhej zu kommen und diese Kinder eigene Kinder zu begraben und die [ringt mit den Tränen] Frau hat erzählt dass noch einige Zeit sie hat gehört
[1:07:05] die Kinder haben sie gerufen und gesagt »Mama ich lebe noch ich bin noch am Leben Mama« und das haben diese armen Leute überstanden und wenn ich habe das gewollt erzählen in Russland nach Kriegszeiten vielleicht in diesem achtzigste Jahre wenn dann war
[1:07:35] schon erlaubt haben meine russische Mitarbeiter gesagt weil ich habe nicht getippt sie schreibt Maschinen bei uns in unserem Werk war streng verboten zu benutzen sogar in Festtagen muss man sie äh schließen die Schreibmaschinen man konnte sie nicht benutzen
[1:08:07] man konnte nicht kaufen eine Schreibmaschine nein weil vielleicht kann man etwas schreiben Verbotenes und dann habe ich mich gewendet an die Sekretärin von meinem Direktor [putzt sich die Nase] die haben Zugang zu diese zu diesen Schreibmaschinen gehabt
[1:08:46] und wenn ich habe äh erzählt diese Geschichte von diese Flüchtlinge haben sie waren sie wütend haben gesagt »so sie« [im Hintergrund Geräusche] oh mein Mann ist gekommen [imitiert:] »sie Juden sie haben immer nur Angst wie kann eine Mutter ihre Kinder
[1:09:06] begraben wie kann sie stehen und zuhören wenn die Kinder rufen sie« ja nicht alle haben gestanden und zugehört einige haben sich geworfen in diese transhej zu ihre Kinder und sofort waren sie tot sofort hat man sie getötet es äh niemand soll erleben
[1:09:29] so welche Zeit ! und so welchen äh ich weiß nicht was wie sagt man am Leben bleiben und zu erzählen oder in diesem Grab bleiben so so machen wir bisschen Pause [trinkt; Schnitt]
[1:10:03] bisschen weiter [nickt]
[1:10:08] Frau Langmann ich äh würd gern nochmal über dies Kellerversteck sprechen oder was fragen was mich einfach beschäftigt Sie waren ja viele Menschen die sich in diesem Versteck versteckt haben
[1:10:22] [gleichzeitig:] ja ja
[1:10:24] und ähm das war ja dann hab ich so verstanden meistens wenn die Deutschen kamen und Leute v- versucht haben mitzunehmen wer wusste denn außer Ihnen und Ihrer Familie von diesem Versteck ? gab es da Menschen die sie vielleicht hätten verraten können ?
[1:10:39] [gleichzeitig:] ja die Nachbarn wussten die Polizei äh ukrainische das waren Leute von dieser Stadt Balta sie haben äh sie äh wussten dass dort gibt es ein Keller ähm meine Mutter erwähnt da in ihre in ihre Erinnerungen dass äh einmal ähm hat man die
[1:11:09] alle Leute die oben waren raus getrieben aber aber in Keller waren noch Leute äh waren noch Leute sie beschreibt genau wer war dort ich kann mich nicht erinnern jetzt und äh die Deutsche und die Polizei sind eingetreten und sie haben gehört Schüsse dort
[1:11:35] dort hat geknallt und sie waren äh tot erschrocken weil sie haben Angst gehabt in Keller äh wieder reingehen und gucken nein Gott sei Dank hat man noch von oben äh auf die [gestikuliert] Kellerluke ähm die Klappe von diese Luke hat man beschädigt und
[1:12:01] noch bei meine Oma war ein oben war äh auch ein Versteck hat man äh nach oben auch geschossen so und äh ja weil die äh Menschen haben gewusst äh die Nachbarn haben gewusst dass äh das Haus hat ein Keller aber und manchmal äh sind sie mit Hunde äh
[1:12:29] gekommen und die Hunde haben nur ich weiß nicht die Männer haben etwas unter ähm Männer Leute unternommen ich weiß nicht mit äh etwas ähm die Hunde haben nichts gefunden und von Omas Seite wie ich habe gesagt das war ein tiefer Keller man musste ähm
[1:12:56] mit ein Leiter nach unten kommen und von jener Seit weiß ich nicht das war äh dort war ich nicht so oft dort habe ich wissen Sie die Leute man hat nicht erzählt alles ich weiß dass die Leute haben gesessen in Keller äh wochenlang nicht äh nach oben gegangen
[1:13:21] aber wo und wieso waren die Toiletten ? das habe ich mich gefragt jetzt erst jetzt nur die Kinder ja ich und mein Schwesterchen haben das ist verständlich die Toilette für Kinder aber die Erwachsene wie und wieso so Wasser und so das erzähle ich weiter bisschen
[1:13:50] ja wenn Sie ja ja ja weil äh noch will ich sagen dass äh meine Oma hat ausgerechnet nach dem Krieg schon dass circa fünfzig Leute haben sich in diesem Keller insgesamt gerettet fünfzig Leute jetzt erzähle ich ja wie meine kleine Schwester ist zur Welt
[1:14:23] gekommen ähm fast nach einem Jahr nach dem Tod meiner Oma ähm ist meine Schwester zur Welt gekommen man irgendwann ist eine fremde Frau gekommen zu uns mit ein Köfferchen und man hat mir gesagt ich soll gehen zu den Nachbarn ich soll dort sitzen und wenn
[1:14:57] ich bin wiedergekommen sagt man mir »du hast ein Schwesterchen !« »was ! wohin ! wie äh wie haben Sie die genommen ?« »du hast gesehen die Frau mit dem Köfferchen sie hat mir gebracht in diesem Köfferchen dir ein Schwesterchen« [lächelt] und so habe
[1:15:19] ich ein kleines Schwesterchen bekommen ja und äh ja ja weil äh wie ich habe danach schon gehört erfahren meine Mutter hat äh einmal in diesem Ghetto oder vor dem Krieg genau hat eine Abtreibung gemacht und und sie hat das ganze Leben gesagt »es war ein
[1:15:48] Junge es war ein Junge ich habe ihn nicht bekommen« [lacht] sie hat gewollt ein (___) Sohn haben und das hat war keine Möglichkeit abtreiben so und das hat sie bekommen äh das Kind und das war noch gefährlicher gefährlicher geworden für das ganze
[1:16:19] ähm Leute für die ganze für die alle Leute die dort Unterkunft bekommen weil das Kind weinte das Kind äh schrie das Kind fast sofort erkältet worden und meine Mutter hat geweint mit meinem Vater beide über dem Kind »es ist schon da soll es bleiben«
[1:16:46] weil vor dem hat man gar nicht gewollt sie haben so und äh und äh sogar wieder Problemen in Keller zu gehen so weil die Leute waren äh unverstanden das Kind kann weinen schreien und so weiter und äh in die Keller sind geblieben die die haben keine
[1:17:24] andere ähm Unterkunft andere Möglichkeit gehabt so
[1:17:33] nur jetzt äh will ich erzählen letzte Tage letzte Tage von der Be- vor der Befreiung äh wie gesagt mein Vater von diesem Blech mein Vater hat gebaut eine kleine ähm Heizung ein kleines Herd
[1:18:08] Herd und das ist gestanden in der Mitte das klei- wo das kleine Schlafzimmer wie meine Opa Oma gesagt hat be- -heizt uns ich entschuldige mich sehr äh und äh mein und immer war Rauch in diesem Zimmer weil es war eine Rohr in Fenster raus gegangen und
[1:18:51] äh ja und äh die kleine Schwester mit ihre äh Windel will mit alles war hat man da getrocknet gewaschen und da das Zimmerchen war war ich weiß nicht sechs Quadratmeter vier ganz ganz klein und auf diesem Herd hat meine Mutter ja oh jetzt habe ich
[1:19:22] mich erinnert sogar Matze gebacken wenn jüdische Festtage waren in diesem Ghetto hat sie und die Oma haben auf diesem kleinem Herd äh probiert etwas ein Zeichen für das Fest zu machen Matze gebacken und in diese letzte Tage es war äh Anfang März äh 44
[1:19:58] hat sie auf diesem Herd [reibt die Hände] äh geba- äh getrocknet äh Zwieback Brot Brot geschnitten und Scheibe und getrocknet und in ähm Tüten von äh Stoff gelegt und [hustet] Flasche gefüllt mit Wasser das erinnere ich mich schon sehr gut [hustet]
[1:20:34] es haben sie sich vorbereitet lange sitzen in Keller weil die Rote Armee äh war schon äh ziemlich näh äh man hat gehört ich habe zugehört sogar ich als kleines Kind hab ganz gut gewusst welche Flugzeuge über uns fliegen die Deutsche waren mit ein Klingeln
[1:21:06] [gestikuliert] so (dumpf) irgendwo und russische haben so [senkt Stimme:] kräftig äh Geräusch ja war und äh ja und das hatte getrocknet Brot und vorbereitet Wasser und danach äh wir sind alle gegang- gegangen in Keller meine kleine Schwester ist äh am
[1:21:35] neunten Januar 44 ein Jahr alt geworden und meine Mutter hat ähm sie schon nicht ge- äh Stillen äh gelassen äh um ein Jahr und jetzt sind sie in Keller und jetzt die alle Leute haben Angst das kleine Kind weint das kleine Kind will essen und sie hat schon
[1:22:04] kein Milch in die Brüste aber trotzdem hat sie die leere Brust ge- äh -schieben in äh Maul und das Kind hat schon Zähne gehabt und sie hat das gebissen und danach hat sie erzählt wie das Kind buchstäblich Blut äh hat von ihr ja und ja und das Wasser
[1:22:31] und das Wasser die sie hat mit genommen und gegeben war sehr sehr kalt sehr sehr kalt und sogar mir und sogar ihr kann sie nicht geben das Wasser hat sie das genommen in ihren Mund [zeigt] dort bisschen gewärmt und von ihrem Mund in unseren Mund übergossen
[1:22:54] das Wasser und das Brot trockene Brot in das Wasser gelegt und und das mich hat sie so gegeben und für die kleine Schwester in ein Stückchen Stoff und dass sie auch sie soll das [imitiert Geräusch] ziehen so und so war das nicht weniger als drei Wochen
[1:23:19] drei Wochen nur im Keller dort
[1:23:22] so und äh einmal kommt die glückliche Zeit [trinkt und räuspert sich] dass man klopft an in die Fenster ja ich habe nicht gesagt dass bei meine Oma von dieser Seit zu dieser zu diesem Platz war kleine zwei kleine Fensterchen
[1:23:53] von dem Keller auch über der Erde und so in diese in diese Fensterchen klopft man an und man schreit uns »gehen Sie raus Unsere sind schon in der Stadt ! gehen Sie raus« und die Leute sitzen so still ! so still hatten sie Angst [lächelt] etwas zu sagen
[1:24:16] dass sie sind da äh und äh ein und dann hören sie eine Stimme von einem jungen Mann [putzt sich die Nase] er hat gewusst dass [putzt sich die Nase] dort mit uns seine Mutter war sagt er »Mutti ich bins« ich weiß nicht wie er heißt (aber) »kommen Sie
[1:24:37] alle raus keine Deutschen in der Stadt« es waren Partisanen es waren die Männer ähm die Jungs die waren bisschen in der äh Lage äh waren in Wälder dort waren äh neben Balta viele viele Wälder Partisanen es waren auch jüdische es gibt es ich habe
[1:25:10] gelesen von ihnen ja sie haben nu etwas unternommen etwas ge- -kämpft auch gegen ähm gegen Hitler so so und dann sind wir nach oben gegangen und meine Mutter hat äh seit ich weiß nicht wie viel Monaten hat zuerst meine kleine Schwester auf die Erde
[1:25:46] gestellt und das Kind sofort beginnt zu gehen das war [lacht] ja das war dreißigste März 1994 so von dieser Zeit waren wir frei und wenn äh nach einem Jahr neunten oder achten Mai 45 das war äh 1944 und äh nach einem Jahr am neunten Mai 45 klopft [gestikuliert]
[1:26:25] man wieder uns in die Fenster und man sagt »alles Hitler ist besiegt !« äh habe gar nicht verstanden wir waren schon ein ganzes Jahr ohne ohne Deutsche ohne Rumänen und so weiter
[1:26:41] [gleichzeitig:] mh
[1:26:43] ja und erst danach habe ich alles das schon verstanden [hustet] so
[1:26:49] wann ist denn die Ro- Rote
[1:26:52] [gleichzeitig:] bitte
[1:26:54] Armee nach Balta gekommen das waren also erst die Partisanen die Sie aus dem Keller geholt haben
[1:26:56] ja ja und das sie waren schon sie waren von Norden von Os- von Osten und von Norden äh der Stadt
[1:27:07] mhm
[1:27:09] rein marschiert ja
[1:27:11] mhm
[1:27:14] ja ja solange war neben dem Teich lange hat ein Panzer äh auf dem Ufer kann man sagen rein gestanden deutsche
[1:27:26] mhm
[1:27:28] deutsche Panzer mit Kreuze [gestikuliert] weiße Kreuze das erinnere ich mich sehr gut danach hat man weggenommen äh noch ein paar Jahre mein ich war dort und äh ja so war es etwas hab ich noch gewollt aber ich schon
[1:27:49] ich wollte noch äh eine Frage stellen bevor wir weitergehen zur Nachkriegszeit ähm haben Sie eigentlich in dieser ganzen Zeit auch mal die Möglichkeit gehabt mit anderen Kindern zu spielen irgendwas zu tun was was Kinder in dem Alter
[1:28:02] [gleichzeitig:] äh ja genau genau
[1:28:05] [gleichzeitig:] es gab Nachbarskinder
[1:28:07] waren waren die Kinder alle Kinder waren älter als ich es war ähm es war nur zwei Jungs einer zehn Jahre der andere noch älter es waren noch zwei Jungs von ähm der Tochter meines Opas äh die äh Stieftochter von meiner Oma dort aber das war andere aber
[1:28:35] ich war klein ich war war fünf vier Jahre wer hat mit mir gespielt nein ich kann mich noch erinnern dass ist ähm weiß nicht das erinnere ich mich unter dem Tisch war eine Decke auf dem Tisch mit eine ähm wie sagt man äh Decke ja und dort habe ich gespielt
[1:29:04] mich unter dem Tisch äh nach dieser Decke ich habe sogar von dieser Decke abgeschert die (Fronsen)
[1:29:14] [gleichzeitig:] Fransen Fransen
[1:29:16] [lacht] Fransen ja ich hab das Wort auf Deutsch weiß ich nicht ja ja und ich habe äh die (Tuba) hat mich gelernt Puppen nähen habe ich von diese gemacht Haare [fasst sich an die Haare] für meine Puppen ja das das kann ich mich erinnern ja das war schon
[1:29:35] nach Kriegszeiten ja ähm nur danach ähm allgemein allgemein wie sagt man allmählich oder wie sagt man sind äh zurückgekehrt Leute von der äh Evakuation sie haben nach äh sie äh sie die nach Osten gefahren geflohen ja äh viele in der Stadt waren
[1:30:09] verwundete Soldaten ohne Arme ohne Beine sogar ohne beide Beine haben sie gebaut so kleine ähm wie sagt man fahren oder mit kleine Räder und mit zwei holzene ähm Stocke [gestikuliert] wie sagt man wenn Sie haben gesehen manchmal man macht glatt die
[1:30:43] Wände wissen Sie so welche Sachen haben sie auf diese kleine äh gefahren die Leute ohne Beine ohne Augen äh viele viele äh ja verwundete Leute es war sehr schrecklich war das und ähm meine Tante das war auch meine Tante die Tochter von meinem ähm Opa
[1:31:16] sie hat bekommen einen Befehl dass ihr Mann gefallen in dem Krieg das war schon nach äh nach der Befreiung das erinnere ich mich auch ich selbst erinnere mich wie sie und ihre Kinder bei sich zu Hause haben gesessen auf dem Boden und geweint und geschrien
[1:31:43] wenn sie haben bekommen diese Befehl dass der Mann ist tot äh so noch kann ich sagen dazu nu so äh meine Mutter hat vermeidet wie sagt man vermeiden ja das Wort mit meinem ähm Vater zusammen raus zu gehen weil Frauen viele sind ohne Männer geblieben
[1:32:23] und sie hat viel gewollt man soll sehen dass sie hat ein Mann so nu was erzähl ich noch das kann ich über mich selbst erzählen Sie haben schon gehört dass ich bis jetzt leider stottere manchmal schwer manchmal besser geht mir weil ich bin schon alt und
[1:32:51] ich kann mich schon ja durchsetzen [lächelt] äh und nicht immer stottern aber nach dem Krieg ähm nicht genau nach dem Krieg bisschen später äh haben wir beide ich und meine Schwester haben wir schwer gestottert wir waren beide nicht gesund äh beide
[1:33:20] und meine Mutter konnte nicht arbeiten gehen das eine Sache die zweite Sache dass keine Arbeit für für sie in der Stadt ist sie geblieben mit uns und äh und weil bei mir war schlecht mit dem Bein linken Bein äh musste sie äh mich nach Odessa in äh Kinderkrankenhaus
[1:33:54] bringen und dort äh war ich nicht operiert aber aber in Gips gelegen man hat ähm meine [gestikuliert] Hüfte ähm linke ist wie hat man gesehen war sehr flach und der Bein war äh aus und das muss man muss man etwas anders machen wenn das äh werden gemacht
[1:34:29] rechtzeitig vielleicht kann man das besser weil ein kleines Kind das alles wächst und [gestikuliert stark] alles äh findet seinen Platz aber drei Jahre oder mehr waren verloren ich war schon fünf sechs Jahre alt und äh aber man hat probiert das zu machen
[1:34:53] und man hat richtig ähm [gestikuliert] das Bein in die Hüfte äh gelegt und das hat man fest mit Gips muss man halten und das war ich neun Monaten in Gips und äh und äh ja danach kann ich konnte ich besser laufen immer noch ähm (ich) gingen wie sagt man
[1:35:19] der Bein ist kürzer geblieben als der andere Bein ähm so und die Kinder waren nicht einfach verstanden in der Schule in der Straße man hat beleidigt mich man hat sogar Steine gewerfen gewerfen so mein Vater hat in Hof ähm gebracht eine Fuhre mit Sand
[1:36:00] und Sommer das Sand warm geworden und ich bin gesessen in diesem warmen Sand das ist nachdem dass man den Gips weg genommen
[1:36:15] aber aber meine Mutter recht- -zeitig hat mich in der Schule geschickt ich habe schon gut gelesen gerechnen konnte und so weiter
[1:36:34] und ähm sie hat sogar gewollt ich soll von Anfang an in die zweite Klasse gehen aber ähm man hat ihr gesagt »nein soll sie bleiben in die erste weil schreiben muss man gut und so weiter« ja und [hustet] und dann erzähle ich trotz mein Stottern habe ich
[1:37:04] ganz gut studiert [trinkt] und von erste Klasse bis sechste Klasse habe ich immer kann ich zeigen ja [lacht; sucht nach Zeugnissen] habe ich [betont:] immer gute Noten gehabt und ausgezeichnet bin als beste Schülerin [zeigt das Zeugnis] das sind die Noten
[1:37:31] Klasse vier alle alle fünf äh das ist die höchste Note ja und ähm ja und das ist die [zeigt weitere Zeugnisse] äh gramota pochwalnaja eine zweite fünfte Klasse sechste Klass ja und sogar mein Bild auf dem Tafel von der Schule da sind andere meine gute
[1:38:07] Noten so kann ich zeigen wer ich [seufzt] will nur sagen dass ich habe verstanden das was ich kann für mich selbst machen das gut gut Studieren das ist meine Zukunft mein Studium dann kann ich eine gute gutes Beruf bekommen und so weiter und ja
[1:38:45] aber aber
[1:38:49] [lacht] ach noch eine Sache habe ich nicht vorbereitet mein Reif-Attestat aber mh mir war schwer schwer so schwer äh zu höher Ausbildung zu kommen weil in diese Zeiten das waren fünfzigste Jahre vor Stalins Tod äh in Russland in Sowjetunion hat sich ausgebreitet
[1:39:27] wieder äh Antisemitismus ach leider die russische Nachbarn waren nicht sehr gut zu uns nach dem Krieg vor dem Krieg haben sie verstanden dass wir sind [betont:] ein Volk aber nach dem Krieg nachdem dass Hitler und seine Politik hat äh ganz deutlich gezeigt
[1:40:04] ihnen da sind Juden und da sind andere Menschen äh haben sie nach dem Krieg selber beleidigt äh Juden und ich als kleines Kind in der Schule habe gar nicht verstanden bis die Schule zu Ende gekommen ist äh nachdem wenn ich habe kein Medaillen zu Ende
[1:40:42] der Schule bekommen äh wenn äh wenn danach musste ich fünfmal die Eintrittsprüfungen machen ich wollte eine Ärztin sein weil ich habe selbst vier viel gelitten und ich hab wollte andere Leute helfen ähm erstes Mal ähm habe ich Prüfung in Kischinau
[1:41:16] gemacht in äh medizinischen Institut ich habe sehr gut den Prüfung gemacht von äh vier äh Examens war das muss man Physik Chemie äh Russisch und äh Französisch abgeben habe ich sechzehn Noten sechzehn die Zahl von meine vier Noten war vier äh zweimal
[1:41:49] vier zweimal fünf aber äh Eintrittszahl war 19 ein [hebt den Zeigefinger] Punkt hat mir gefehlt und ich habe nicht ich war nicht traurig weil ich habe verstanden ich komme nächstes Jahr und äh nächstes Jahr geht bei mir (weiß ich) ich habe noch ein
[1:42:17] Jahr ich studiere studiere ich arbeite ich habe gegangen arbeiten in eine Apotheke auch näher zu Medizin zu sein äh so nächstes Jahr habe ich auf dem zweiten oder dritten Prüfung für Physik bekommen die drei Note drei ich habe verstanden dass mit so
[1:42:47] welche Note wenn äh das hat mir ein Ball wie sagt man gefehlt jetzt kann ich habe ich meine Papieren weg genommen und noch ein Jahr gearbeitet und wieder hart studiert Physik und Chemie und ähm Russisch Russisch und so weiter und so weiter und äh es war
[1:43:13] schon eine Regel von Nikita Chruschtschow dass die ähm Abiturienten die äh gearbeitet haben haben ein einige ähm Vorteile von von die andere die gleich nach der Schule studieren kommen und das und ich habe schon zwei Jahre in der Apotheke gearbeitet und
[1:43:53] äh wie ich verstanden habe ich noch nicht alles vergessen äh nach zwei Jahre und das war äh sehr gut ich habe ähm ich habe Russisch habe ich äh schriftlich schriftliche ähm Prüfung war unter einem (___) man dort war nicht die Name auf die Blätter sondern
[1:44:24] ein Nummer oder ein Wort ich weiß nicht man hat nicht gewusst wer hat geschrieben das und das hab ich bekommen eine Note fünf danach zwei ähm Prüfungen habe bekommen die Note äh vier Physik das schwerste war für mich Physik abzugeben es war große große
[1:44:53] Bücher äh die man äh mussten wissen alles und noch dazu ähm muss man (sadatschi ___ pa fizikje) [lacht] es war sehr schwer äh ja und äh und aber ich habe vier bekommen die vier die der letzte Prüfung war Chemie Chemie habe ich sehr gut gewusst in der
[1:45:28] Schule das war mein Lieblings- predmet und dazu habe ich noch in einer Apotheke gearbeitet ich habe das alles äh (geprüft) gewusst ge- -sehen vieles und noch etwas weil ich habe stark stark gestottert habe ich alles geschrieben alle alle Antworten auf alle
[1:46:00] Fragen und wenn der Examen Chemie fast zu Ende gegangen ich habe und die ähm (Examinate) haben ich schon vielleicht vier vielleicht nicht vier vielleicht drei äh aber die Prüfungen gemacht sind das bedeutet kommt zu der Leiter von der prijomne komissija
[1:46:35] ein Herr [seufzt] vergessen sein Name [lacht] ich habe äh ich habe gewusst seine Name gut erinnere ich mich später und er [gestikuliert] hat mir die Hände auf die Schulter gelegt und die und so Leute die haben mich schon fast die Note in dem (Examinationliste)
[1:47:04] geschrieben hat er ihnen gesagt »äh wissen Sie das Mädchen braucht nur eine drei« meine ich nur »warum ist der so freundlich zu mir plötzlich« er hat mich so oft hat er mir gesagt dass meine Dokumenten sind nicht in Ordnung das äh das ist nicht gut
[1:47:31] das ist nicht ich musste zwei dreimal nach Balta zurückfahren um beglaubigen etwas und jetzt kommt er so gut ich lächele zu i- zu ihm Zäberne seine Name das habe ich mich erinnert Zäberne ich weiß nicht vielleicht ist er noch am Leben [seufzt] und die
[1:47:59] Leute haben alles verstanden und sie haben mir gestellt die zwei u- und [seufzt] meine Mutter war enttäuscht alle waren enttäuscht weil noch eine Lehrerin in Kischinau hat mit mir ähm studiert nicht studiert ich hab weil ich bin aus Balta sie hat ähm
[1:48:25] geprüft was heißt und sie hat gesagt fünf vier so ich bin vorbereitet auf diese Prüfung und das war eine russische Lehrerin es war eine äh Bezeichnung wie gesagt zasluzhnaja utschitelnitza Moldawi und sie ist und sie mit meiner Mutter sind zum ähm
[1:48:55] Rektor gegangen um streiten weil all- der ganze meine Prüfung war aufgeschrieben und die Leute haben gesagt »wir haben sie später noch um etwas gefragt und sie hat nicht geantwortet das steht nicht da was wir haben bei ihr gefragt und sie konnte nicht
[1:49:20] antworten« so so hat meine Mutter gesagt »das ist eine äh taube Wand [gestikuliert] gluchaja stena über uns« ich kann da nicht durch ich kann kann lass das (Kind) das ab und ich habe das abgelassen
[1:49:42] und noch in diesem Jahr mit meinem (Examinationlist)
[1:49:46] mit meine gute äh drei Noten fünf vier und vier äh gefunden ein neue ähm äh Berufhochschule so äh wegen Bäckerei Konditorei und so weiter [sucht das Zeugnis] und ich habe in diese Schule muss man nur Mathematik Examen dazu das ist mein Diplom von diese
[1:50:17] Schule [zeigt das Diplombuch] von dieser Technikum ein rote Diplom mit alle mit alle Noten fünf nur eine ist vier so aber aber ich habe alle ich habe die Mathematik trotz ich habe sie nicht vorbereitet zum Prüfung ich habe auch das war zwei äh Prüfungen
[1:50:51] schriftliche und mündliche und ich habe die beide Noten fünf bekommen weil Mathematik war auch mein Lieblings- predmet es waren sehr gute Lehrer (unter) uns von Chemie von Mathematik von Literatur russische so und äh ich habe zwei Noten fünf und und ich
[1:51:25] habe noch ein fünf von äh medizinischen Institut und zwei Noten vier und das war sogar wenig Leute weil das war der erste Jahr wenn man hat ähm äh diesem äh diesem äh ähm Lehrgang geöffnet so und äh und ich war noch eine äh ich habe noch gearbeitet
[1:51:54] bei der Apotheke [trinkt] und wir ich war ich und meine Mutter sie war noch dabei waren alle ähm sicher dass ich bin angetreten ich bin aufgenommen und ich fahre nach Balta ich ähm kündige meine Apo- Apotheke ich vorbereite mich nach Kischinau fahren
[1:52:25] ich komme nach Kischinau ich gehe zu diesem Technikum und man sagt mir »a wy nie postopili« »ja wie kann das sein« »my wam otprawili waschi dokumenty obratni« »wir haben Ihre Papieren geschickt Ihnen zurück nach Balta« »warum denn« ich habe ja ich
[1:52:50] komme zu diesem Direktor zum Beispiel ich erzähle alles die ganze Wahrheit er war ein Mann Name Perelmuter er war ein Jude der Direktor er sagt mir »ja Sie sind aus Ukraine und das ist Moldawien wir müssen nur moldawische Kinder nehmen« »warum haben
[1:53:18] Sie mich zu die Prüfung Prüfungen zugelassen wenn Sie müssen nur moldawische Kinder Sie haben sofort gesehen dass ich bin ich bin aus Ukraine Balta gehört zu Ukraine Odessa« »nein nein das ist das ist nicht meine« und so ich weiß nicht was er hat gesagt
[1:53:37] noch äh und äh nächsten Tag kommt aus Balta meine meine verzweifelte Mutter mit meinen Papieren sie hat sie bekommen ich war schon schon (ab) und ich habe noch dort in Kischinau eine Tante gehabt äh die Frau von dem Bruder meiner Mutter so »nun nein«
[1:54:07] sagt sie »das geht nicht so bei uns« und sie mit meiner Mutter das war Moldawien dort war die alle Regierungen von der moldawische Republik und sie sind genau zu ZK komparti Moldawi gegangen und zu gazeta sowjetska Moldawia das ist die
[1:54:31] sagen Sie das auf Deutsch
[1:54:33] auf Deutsch sage ich die sind gegangen zu Komitee äh zu Zentralkomitee kommunistische Partei in Moldawien
[1:54:45] mhm
[1:54:48] und zur Zeitung äh die sowjetische in Moldawien
[1:54:52] danke
[1:54:55] und sie haben gezeigt alle meine Papiere mit alle meine Noten mit meine Reifenattestat und alle und und die das ist schon alles begonnen die ähm Leute haben schon äh studiert und ja und man hat angerufen in diesem Technikum und man hat gesagt [schlägt
[1:55:19] mit der Faust auf den Tisch] »das Mädchen muss rein« und ich bin gekommen von dieser Klasse auf der letzte Reihe habe ich ein Plätzchen bekommen und so habe ich angefangen studieren äh als Technologie von ähm Bäckerei Konditorei äh ja und äh Technologie
[1:55:47] dort war noch eine ähm Abteilungen von Buchhaltung von ähm towara wedenje das war ähm towara wed- (___) towarow knigi und so weiter und sie haben gesagt dort f- dort waren noch äh leere Plätze und man hat in Technikum sofort gesagt meiner Mutter meiner
[1:56:24] Tante »vielleicht geht sie dort« sagt sagt meine Tante [schlägt auf den Tisch] »nein sie hat ge- Prüfung gemacht wegen Technologie und sie geht nur dort« und dann [lacht] war besetzt alles aber ein Plätzchen für für mich hat man schon gefunden so
[1:56:41] und dann äh zu Ende wie Sie sehen war ich eine von beste von besten ähm Studentinnen so aber es war nicht die (hohe) Ausbildung und ähm und es war noch ein (Regel) ich erzähle lang ? das ist interessant ? oder das gehört schon nicht zusammen zu mein Ghetto
[1:57:12] das alles wissen Sie wann ich war oh [seufzt] meine in Gips legen neun Monaten mein Stottern bis jetzt alles das ist Folgen das ist Folgen und mein Schicksal weil ich war nicht nur ein Mädchen eine Frau ich war nicht nur äh Jüdin ich war noch schwer behindert
[1:57:46] auch und und mich äh rein zu nehmen zu studieren zu zu irgendwelche bestimmt zu irgendwelchen bestimmten Beruf war für mich nicht alles möglich (erstens) habe ich verstanden ich kann (__) sogar sogar gehen in diese ähm große äh Gebäude Brotfabrik mit
[1:58:19] der Boden war immer äh nass und mit und Fett auch [Stimme im Hintergund: »rutschig«] Fett auch ähm rutschen und die große Fässer man ähm ich habe gearbeitet halbes Jahr nach äh Ende habe ich gearbeitet und man muss manchmal schieben irgendwo man
[1:58:50] muss etwas man muss [gestikuliert] kneten man muss äh arbeiten physisch und stehend so und es war für mich nicht die das richtige Beruf so und äh dann äh habe ich gewollt weiter studieren und es war ein Regel das wer hat alle gute Noten äh Noten Diplom
[1:59:22] der kann fast ohne Prüfungen weiter in der Hochschule eintreten
[1:59:33] darf ich ganz kurz unterbrechen
[1:59:36] [gleichzeitig:] ja
[1:59:38] eine Frage hab ich noch ähm war das also diese wie alt waren Sie als Sie mit dem Studium dieser bäckereitechnologischen Ausbildung fertig waren
[1:59:45] ähm ja na ich war äh 22 Jahre alt
[1:59:49] ja und ähm war das dann schon ähm nach Stalins Tod hat
[1:59:53] ja ja ja ja das war lange Stalins Tod ich habe ich habe die Schule in Jahre 56 absolviert danach habe ich zwei Jahre in der Apotheke gearbeitet das ist sechsund- äh 58 danach habe ich drei Jahre studiert das ist 61 Jahre 61 war ich ähm 61 ähm war ich zwei
[2:00:24] äh 22 Jahre alt ja
[2:00:27] ist in Ihrer Wahrnehmung oder haben Sie das so wahrgenommen dass sich der Antisemitismus in der Zeit nach Stalins Tod verändert hat dass es weniger geworden ist
[2:00:38] [gleichzeitig:] nein
[2:00:42] ist es nicht
[2:00:44] nein nein für mich weil ich habe bis jetzt ich war noch ein kleines Kind ich habe äh nicht ganz verstanden dass das ist Antisemitismus bei uns zu Hause hat man über diese Sachen nicht gesprochen meine Mutter hat äh meine Mutter der Mann von von der Schwester
[2:01:01] meiner Mutter die mit mit uns im Ghetto war (repressiert) er war äh verhaftet als Kommunist als als als als als Verbrecher in die in die Jahre 37 38 und er ist verstorben in Stadt (Voltovka) äh so und äh und äh meine Mutter und und noch noch noch kann
[2:01:31] ich erzählen das ist lange und wir haben gewohnt in einem Hof wo hat gewohnt der Leiter [Telefon klingelt] von geben Sie mir Entschuldigung machen Sie eine Pause ja [Schnitt] ich erzähle weiter wir haben gewohnt in einem Hof mit dem Leiter von KGB Balta
[2:01:57] (von) der ganze Balta natschalnik KGB Balski und ich habe gespielt in Hof mit seiner Tochter Galja Nesudimowa sein Name ist Nesudimow Vladimir ja Vatername habe ich schon vergessen und meine Mutter hat zu Hause gar nicht gesagt gar nicht gesprochen keine politische
[2:02:22] Gespräche weil sie hat Angst gehabt dass wir Kinder können das etwas in Hof sagen und sofort und sofort kann man ähm verhaftet sein sie hat schon das alles gesehen in die dreißigste Jahre Stalin so erzähle ich bisschen bisschen bisschen weiter äh ja
[2:02:51] ich habe ähm ich in diesem genau in diesem Jahr ich war 22 Jahre alt am fünften April geworden und am neunzehnten April habe ich meinen Mann geheiratet und äh und in dieser Zeit habe ich in einer Brotfabrik gearbeitet in Odessa das ist noch eine lange
[2:03:17] Geschichte weil keine Arbeit habe konnte ich nicht finden ich musste in Moldawien bleiben um dort zu arbeiten aber ich habe einen Mann gefunden und ich habe [lacht] (mir) nach Odessa gefahren und (das) habe ich Arbeit in Odessa gesucht und ja das war so schwer
[2:03:41] und äh genau in diesem in diesem nein nächstes Jahr war schon drei äh 23 Jahre alt [seufzt] komme ich zu Institut äh um ähm weiter Prüfung machen und weiter zu studieren mit meinem roten Diplom [gestikuliert] und ich weiß dass ich muss noch ein Prüfung
[2:04:12] Chemie abgeben oder zwei äh sonst als ähm Ausgezeichnete äh kann ich äh weitere Prüfungen nicht machen [betont:] ja man guckt rein in mein Diplom neue kommissija nowaja prijome kommissija und man sagt »und wo ist ähm der Dokument dass man schickt Sie
[2:04:48] studieren da sieht man gar nicht dass Sie studieren dürfen das (ein) Diplom nun gut ein Diplom mit einer Auszeichnung aber wo sieht man Sie müssen in Ministerium dem (gehört) vor Studium ein Zettel ein Dokument bringen dass man schickt Sie studieren« ich
[2:05:20] habe keine und wo ist in Moldawien jetzt ich wohne schon äh anderthalb Jahre in Odessa
[2:05:27] so und äh meine Cousine gerade die die hat eine die war in mit uns in Ghetto auch ähm Familie ist auch interessant mit (ihr) Studium ähm sie darf nicht weil sie war
[2:05:49] sie äh nach dem Ghetto Entschuldigung ich unterbreche mich selbst um erzählen das ganz interessant nach Ghetto war sie 17 18 Jahre alt und will in Odessa Uni studieren aber in ihr awtobiografija konnte sie nicht schreiben dass sie in Ghetto war in diese
[2:06:14] Jahre es war äh drei Jahre wo ist diese drei Jahre äh aber schreiben dass sie war in Ghetto das kann sie nicht machen und mein äh äh Onkel der Bruder von meiner Mutter bei ihnen habe ich gewohnt in Kischinau sie waren in Fernost äh geflohen sie waren
[2:06:42] nicht in Ghetto sie waren dort in Evakuation überlebt in Stadt Frunse und meine Cousine schreibt in ihre Biografie dass sie war dort mit ihnen mit äh in Frunse nicht in Ghetto Balta und nach zwei drei Jahre hat man ich weiß nicht wer oder man hat angezeigt
[2:07:10] irgendwer oder ich weiß nicht was hat man das rausgefunden und man ruft sie raus und sagt »was ! Sie haben Sie sind eine Betrügerin Sie haben gelogen !« aber sie hat auch sehr gute Noten gehabt [lacht] und sie ist geblieben weil sie war [betont:] eine gute
[2:07:32] Studentin so
[2:07:35] wie ich war auch eine gute Studentin von Anfang an und danach bin ich zu diese meiner Cousine ihre Name Sarra Schwarzmann sie ist schon zwei Jahre nicht am Leben in USA ist sie verstorben leider sagt sie mir »ha du hast noch ein Reifenattestat
[2:08:04] du hast zehn Klassen auch gut äh gemacht geh rein komm zu anderen Tisch man soll dich nicht erkennen verkleide sich anders äh wie gestern und gib deine Papieren an und na was kannst du tun du musst alle Prüfungen abgeben nicht nur äh Chemie« und das
[2:08:40] habe ich gemacht und das hat man meine Papieren genommen und ich habe schon zwei Jahre in Apotheke und ähm fast ein Jahr in Brotfabrik gearbeitet und Nikita Sergejewitsch Chruschtschow hat gesagt wer hat zwei Jahre gearbeitet geht besonders nicht wie alle
[2:09:11] nach der Schule das erst jetzt hat das gewirkt dass [betont:] ich bin als äh noch habe die Vorteile und äh wenig Menschen wenig Abiturienten nach zwei drei äh Jahre arbeiten haben so gut noch ähm alles alle alles gewusst um Prüfungen in Institut zu machen
[2:09:48] so und äh und ja beginne ich äh Prüf- äh die Prüfungen abzugeben ich habe gar nicht verstanden von Anfang an dass die alle Abiturienten mit denen ich habe die Prüfungen gemacht da sind Schüler von gestern und [lacht] und sie die haben mich examiniert
[2:10:28] die Leute denen ich habe die Prüfung abgegeben haben nicht ähm stark mit mir gekämpft sie haben mich stellen mich vier vier ist gut ich habe gewusst dass nicht so viele haben haben diesen stasch dwa goda stascha um äh die Vorteile zu benutzen so und äh
[2:11:02] und ich und ich war nach der Schule sechs Jahre zu dieser Zeit war ich schon sechs Jahre nach der Schule und das muss man ja in meine awtobiografija bisschen vertuschen die drei Jahre dass ich habe studiert in Bäckerei so und äh Chemie habe ich auf fünf
[2:11:30] abgegeben äh sehr lang ich weiß nicht vielleicht auch eine Stunde hat man mich so gefragt und so gefragt und so gefragt [betont:] aber in diesem einen Technikum war viel viel Chemie sie haben das nicht gewusst sie haben gewusst dass ich bin noch eine Schülerin
[2:11:52] von gestern aber und sie haben mich gefragt was sie wollen was sie wollten und ich habe alles gewusst weil ich habe da war Chemie äh fisitscheska chimija (____) chimija analititscheskaja chimija ich weiß nicht welche Chemie war nicht weil für Bäckerei
[2:12:14] viel viel viel Chemie [lacht] mehr als andere ja und das habe ich [gestikuliert] fünf bekommen andere alle Noten waren vier es war ähm mehr ähm ich sag mal es war äh Mathematik Physik Chemie ähm Französisch Russisch zwei Mathematik zwei Mathematik sechs
[2:12:45] Prüfungen ja
[2:12:47] darf ich nochmal eine äh Zwischenfrage eben stellen
[2:12:49] [gleichzeitig:] ja
[2:12:51] ich weiß nicht ob Sie es schon gesagt haben aber was war das zweite was Sie dann noch studiert haben
[2:12:55] das war nicht höher Ausbildung das war noch ähm Mittel- äh wie sagt man Technikum ähm das war und und das wollte ich Uni sagt man hier ich war ja und weil ich habe [lacht] noch ein Sache was das können Sie [gestikuliert] wegmachen dass ich erzähle vielleicht
[2:13:19] das ist nicht so interessant aber wenn Sie haben mir gesagt dass vielleicht Schüler Studenten hören zu und äh für sie erzähl ich äh für für diese Leute so was habe ich selbst mich untergebrochen und und selbst habe ich etwas interessantes verge- ah
[2:13:44] ja nein ja wenn ich habe gearbeitet in diese äh Brotfabrik in in Odessa haben mit mir gearbeitet ähm russische Frauen äh (__) ich ich war nicht als ähm Technologin nein ich war als Arbeiterin als Arbeiterin und sie haben mir gesagt »ho du arbeitest
[2:14:15] mit uns nicht so wie andere Juden sie suchen aus nur ein Office eine ein Büro und du arbeitest mit uns da du bist nicht so wie andere Juden du bist unsere du bist mit uns« so und dann hab ich mir [lacht] überlegt vielleicht muss ich im Büro arbeiten [lacht]
[2:14:38] das ist nicht für mich eine Arbeit ich hab mir das ganz interessant gesagt und danach habe ich auf ökonomischen Fakultät meine Papieren abgegeben als Ökonomin zu sein
[2:14:53] und die war dann in Odessa
[2:14:55] auch in Odessa das war in Odessa
[2:14:57] [gleichzeitig:] mhm mhm genau
[2:14:59] (zu der) ich habe gewohnt in Odessa ja mit meinem Mann und noch keine Kinder weil ich habe noch von Studium gedacht nicht von ja und äh ja und wenn ich habe die Prüfungen gemacht habe und wenn die Papieren kommen auf dem Tisch zum äh Rektor Dekan von dieser
[2:15:22] Fakultät und zwischen diese Papieren ist noch mein Arbeitsbuch [sucht nach dem Arbeitsbuch] weiß nicht ob ich habe ihn vorbereitet nein nein nun macht nichts macht nichts mein Arbeits- mein Arbeitsbuch ja mein Arbeitsbuch Kopie von meinem Arbeitsbuch so
[2:15:44] verboten war diesem Arbeitsbuch mitzunehmen von Russland wenn ich hab ausgewandert verboten das habe ich versteckt das hat mir mein Leiter heimlich abgegeben und ich habe mein Arbeitsbuch versteckt und rausgeführt weil irgendwann nicht bei mir irgend andere
[2:16:11] Leute haben gearbeitet vielleicht in ähm militärische Werke oder irgendwas was muss äh sein äh ein Geheimnis Staatgeheimnis Landgeheimnis bei mir nein aber man hat für alle verboten äh was für ein Brotfabrik so [trinkt] wenn mein Arbeitsbuch ist
[2:16:46] gekommen auf den Tisch zu diese Leiter von dem Institut und sie haben erfahren was sie gemacht haben dass alle Prüfungen sind da und gute Noten sehr gute Noten äh im Vergleich mit andere die haben gearbeitet auch haben sie keine andere Auswahl mich
[2:17:20] rein zu nehmen weil die Leute die haben meine Papieren genommen [gestikuliert] haben mich eingeschrieben in der Liste wo Schule war weil dort war vielleicht auf ein Platz ich weiß sechs Menschen zehn Menschen und dort äh wo die die gearbeitet haben war sagen
[2:17:45] wir zwei Menschen auf ein auf ein Platz und dort von äh sechzig Menschen bleiben zehn nur zum Beispiel muss man sie sehr gut prüfen man soll ihnen nicht stellen die besseren Noten sogar die kleineren und so hat man mit mit mir gemacht aber aber [lacht] es
[2:18:11] war nicht der Fall weil weil mein Kopf war gut zubereitet [lacht] für die Prüfungen ich habe schon viele gemacht vor dem aber sie die wussten das gar nicht sie haben gewollt mir machen schwerer dem Antritt und das ja haben sie sich enttäuscht ja und da
[2:18:36] habe ich in Institut rein und und dort war schon alles in Ordnung danach nach äh einem Jahr habe ich meine erste Tochter bekommen und dann habe ich ein Jahr äh geblieben zu Hause mit ihr und äh trotz ich habe nur ein Jahr studiert in diesem Institut habe
[2:19:04] ich äh nach dem Jahr das ich zu Hause war noch äh einige Prüfungen selbst vorbereitet und nächstes Jahr auf den dritten Kurs gegangen so habe ich kein Jahr verloren so fleißige Schülerin war ich [lacht] so nun
[2:19:30] darf ich Sie
[2:19:33] fragen Sie jetzt was Sie wollen ich bin bereit ja
[2:19:35] [gleichzeitig:] gut [lacht]
[2:19:38] ja ich habe schon ich habe schon sagen wir zu Ende mein Erzählung
[2:19:40] ich würde gerne mal äh nochmal nach Ihren Eltern fragen wie war das für die ähm als der Krieg dann vorbei war gab es bei ja wie wie sind die wie haben die wieder ins Leben gefunden wie war das mit den Nachbarn hatten die irgenwelche Folgen von dieser
[2:19:56] [gleichzeitig:] Ghettozeit
[2:19:58] Zeit ja
[2:20:00] so wie ich habe schon Ihnen erzählt wir beide Kinder waren nicht gesund nach diesem Krieg meine Mutter war von Anfang an äh kurzsichtlich und sie hat bei dieser Telegraph zehn Jahre hat sie gearbeitet mit Morse asbuka Morse ja und sie hat sehr schlecht
[2:20:27] gesehen sie brauchte Brille minus 17 [gestikuliert] so dicke ja und sie hat und sie hat sie nicht gewollt tragen sie hat ganz schöne Augen gehabt sie hat nicht gewollt die Augen verstecken unter dieser Brille erstes und zweitens sie hat wenig genutzt nur
[2:20:51] Lesen zum Beispiel sie hat viel viel gelesen und sie hat äh mehr nicht gearbeitet sie hat probiert etwas in ein Bücherei zu arbeiten aber aber ähm sehr schnell hat sie das gelassen weil ihr war schwer und die Kinder es war sehr schwer mit Kindergarten
[2:21:20] meine Oma äh Vaters Mutter äh war wieder heimlich beschäftigt mit dem Lädchen mit dem Laden weil sie hat keine Rente gehabt kein kein ähm Möglichkeit zu Lebensunterhalt andere und zu Kinder wenden sich hat sie nicht gewollt war äh ihre Tochter die
[2:21:56] kleine Tochter ist zurück von dem Krieg gekommen ähm sie hat auch äh zwei kleine Kinder bekommen und das war die Tochter und und sie mit ihr geblieben wohnen in diesem Haus hat sie sich gekümmert um diese Kinder und meine Mutter von meiner Mama war
[2:22:31] schon nicht am Leben und meine Mutter ist zu Hause geblieben mit uns sie hat uns äh viel geholfen unsere Aufgaben machen alles alles alles und Vater hat zurückgekehrt zu diesem Werk wo er gearbeitet hat und und jetzt war er mehr kein Leiter von Labor oder
[2:22:58] oder Ingenieur er war ein Arbeiter war weil in sowjetische Zeiten war äh besser bezahlt Arbeiter haben mehr bekommen als Ingenieure und das war weit weit weit weiter auch sogar ich habe das mein Mann haben das auch äh erlebt ja äh Arbeit Arbeiter waren
[2:23:32] ja das war ein Land für Eib- Arbeiter so und äh darum war ihm normal kann man sagen er hat keine Arbeit äh er war bereit äh jede Arbeit zu machen und er hat gemacht als Arbeiter hat er weiter gearbeitet äh auf diesem Werk wo vor dem Krieg
[2:24:02] und wie ist das gewesen die Leute die in dem Ghetto gewohnt haben die sind ja dann auch wieder äh in andere Stadtteile von Balta gezogen
[2:24:12] nu sie wir haben ja wir haben gewollt ziehen weiter in das Haus unserer Oma ja und das Haus war total zerstört äh es war auch nicht das ganze Haus meiner Oma sondern ein halbes Haus und genau eine [gestikuliert] Bombe hat getroffen nicht in unsere Teil
[2:24:38] äh Nachbarteil dort war ganz und das ist geblieben stehen so Schicksal ja und meine Oma vor ihrem Tod meine Mutters Mama äh meine Mutters Mutter äh sie hat gerufen beide Töchter sie waren bei ihr und sie hat gesagt »vielleicht bleibt mein Haus dort stehen
[2:25:11] und vielleicht bleiben Sie ohne Wohnungen beide aber ich bitte Sie Sie sollen zusammen in diesem Haus nicht ziehen verkaufen Sie das nehmen Sie da alles was Sie wollen nur jede von Ihnen soll soll selbst suchen ein Haus eine Wohnung und so weiter« und so
[2:25:40] haben sie gemacht sie haben verkauft und danach ist der Bruder gekommen und dann haben sie geteilt äh das Geld auf drei Teile aber weil die Schwester ähm war (schon) oder geworden das hat sie von Anfang an nicht gewusst eine Witwe geworden mit zwei Kindern
[2:26:08] hat meine Mutter und der Bruder von ihre Teile ihr gegeben sie soll etwas ihr Leben ja so
[2:26:20] und dieses Haus hatte in den Ja- das waren ja Jahre die ähm die das leer hat das leer gestanden in der Zeit ?
[2:26:27] [gleichzeitig:] ja ja
[2:26:29] ja
[2:26:31] leer und man hat die Nachbarn haben alles mögliche von äh innen von außen von alles abgerissen abgenommen trotzdem war das noch eine Gebäude nach dem Krieg war viele zerstörte Häuser und das ist stehen geblieben und man konnte das ich weiß nicht wann
[2:26:52] vielleicht nach Jahr vielleicht hat man mein Vater etwas repariert dort man konnte das verkaufen und äh und das war ein bisschen Geld für meine Tante und mit diesem Geld hat sie nach Odessa gezogen und dort hat ihre Tochter in Uni ja das Sohn nein der Sohn
[2:27:18] ein bisschen anders ja aber äh ja
[2:27:22] wissen Sie wie die Nachbarn da reagiert haben als als auf einmal da ähm Besitzer wieder von diesem Haus auftauchten
[2:27:30] äh in diesem Fall normal mein ich weil weil äh niemand war in diesem Haus wenn wenn jemand ähm nehmen das für sich aber es hat leer gestanden weil die Teil war zerstörter Teil und das war äh auch äh nicht äh zu wohnen dort es schwerer Winter in Balta
[2:28:06] das ist äh 2- 200 Kilometer nördlich von Odessa so Gegenteil von meinem Mann wenn sie sind aus Ost äh zurückgekehrt waren dort Leute in ihr in ihrem eigen Eigentum Haus so und und die Nachbarin die waren in Balta war eine [gestikuliert; betont:] ganz
[2:28:28] aktive Nachbarin sie ist mit ihnen rein gegangen alle ihre ihre Klamotten in die Wohnung geworfen drin und hat gesagt »weg das ist ihre Wohnung« aber weg die Leute haben nicht wohin weg ! so haben sie noch einige Zeit zusammen gewohnt die die äh Eigentümer
[2:28:50] in der Küche und die Nachbarn in die Zimmer [lacht] und sie sind geblieben noch (unter) danach ja etwas ja
[2:29:00] man fragt sich ja immer ob die Nachbarn dann irgendwie ähm nicht sagen »oh ihr habt überlebt wie schön« oder »wir freuen uns dass ihr wieder da seid« oder ob die gerade das Gegenteil denken aber das wissen Sie nicht
[2:29:12] nein nein ich äh ich weiß ich weiß sie waren nicht sehr zufrieden äh ja ich habe erzählt Ihnen gestern wie meine Mutter hat erkennt ihre Sache und äh weggenommen meine Tante hat sogar ein Klavier gehabt von dem vor dem Krieg und die Wohnung war von der
[2:29:44] Stadt ganz gute Wohnung weil ihr Mann vor der Verhaftung war ein Leiter von einem wie sagt man das auf Deutsch äh Ausgabe- ähm -werk wo man hat Zeitungen gedruckt Bücher
[2:30:10] Verlag
[2:30:12] Verlag [lächelt] danke danke Verlag ja und dann war er v- war er verhaftet in die dreißigte Jahre aber sie mit ihre Kinder ist in diese Wohnung geblieben aber die Wohnung war in der Nordteil äh der Stadt und äh Ghetto war in Südteil und dann und dann
[2:30:42] und dann war die Wohnung vielleicht haben dort Leute gewohnt sie konnte nicht ihr Klavier zurück haben und einige Sachen vielleicht das weiß ich nicht aber mit diesem bisschen Geld und mit äh weiß nicht äh was schwer war aber sie ist nach Odessa gezogen
[2:31:07] dort hat sie bekommen ein Zimmer ein Zimmer und dort hat sie gewohnt bis in Tod in Odessa in diesem Zimmer ja Zimmer waren dort Nachbarn waren in dem Flur in der Küche das war in Ordnung in Odessa
[2:31:23] haben Sie später nochmal ähm sind Sie nochmal in dem Dorf gewesen wo Sie äh als Kleinkind abgegeben wurden ?
[2:31:31] (__) ich nein ich nein ich nein ich war ich weiß nur dass meine Mutter hat mit diese Leute äh hat Kontakt
[2:31:39] [gleichzeitig:] Kontakt
[2:31:44] gehabt ja das waren gute Leute und sie sind geblieben so gut wie sie waren ja waren verschieden die Leute vor dem Krieg und nach dem Krieg waren noch Nachbarn russische ähm gegenüber dem Haus von meiner Oma äh waren russische nicht ukrainische russische
[2:32:05] Leute und äh ja war alles ja ja so bitte bitte noch etwas was interessiert Sie
[2:32:16] was mich ja immer interessiert ist Sie haben erzählt Ihre ähm Sie haben während der Ghettozeit auf dem kleinen Öfchen Matze gebacken
[2:32:24] [nickt; gleichzeitig:] ja Matze (__)
[2:32:26] welche welche Rolle hat dann später das Judentum in Ihrem Leben gespielt also wenn Sie erzählen es gab Antisemitismus einerseits Sie haben in einer jüdischen Familie gelebt
[2:32:35] ja nu meine Oma meine Oma ist geblieben religiös wie sie erzogen war von ihre Kindheit mit ihre Bücher Gebetsbücher [gestikuliert] mit ihre Tuch ich habe ein Tuch von ihr ich habe ja als geerbt ich habe gar nicht geerbt [lacht] außer dem diesen Tuch aber
[2:32:58] ein weiße Tuch Seide habe ja sie hat sie hat ähm Schabbat gehalten ja sie hat äh angezünden äh Kerze freitags Abend und von meiner Oma weiß ich ein Gebet fun Schabbes »Got fun Avrum und fun Izhak und fun Jakov der libe heilige Schobbes geit awek di
[2:33:31] neie Woch sollt itzt kumen mit Gesunt mit Parnusse mit alle gute (gwet) soll etwas sein« ein Gebet wenn Schabbes ist aus meine Mutter und mein Vater waren keine religiöse Menschen trotz in ihren Kindheit mein Vater in Stadt Rashkov hat besucht eine jüdische
[2:34:01] Jeschiwa oder wie heißt das äh Studium äh er ähm sogar in der kleine St- von der kleine Stadt Rashkov stammt ein ich kann seinen Name nicht leider ein berühmter Rabbiner eine berühmte Rabbiner der Bücher geschrieben hat und so weiter und die Stadt Rashkov
[2:34:26] war Schtetl war äh vielleicht ganz jüdisch und und darum er hat alles gewusst
[2:34:34] aber er war äh [schüttelt Kopf] ja er war ausgewachsen in sowjetische Zeit er war 1909 geboren 1919 war er zehn Jahre 19- äh -28 -27 war Vater [deutet auf die Wand] sein verhaftet
[2:35:00] und sie waren ähm außer Gesetz (lischency) waren sie ohne ohne wählen konnten sie nicht und so weiter und sie beide Jungen er und sein Bruder sind nach Donbass gegangen und dort haben sie in die Schachten in die Minen gearbeitet beide und äh gearbeitet
[2:35:31] nachts weil weil äh tagsüber muss man äh sie haben studiert sie haben beide studiert als ähm als Maschinenbautechniker nicht Ingenieure Techniker so und Studium war nur tagsüber und darum müssen sie arbeiten nachts und sie haben so wenig für ihre Arbeit
[2:36:02] bekommen dass wir waren schon [seufzt] wir waren schon groß wenn wir haben aufmerksam äh gesehen dass unser Vater isst sehr sehr langsam sogar Brot sogar Brot haben wir ihn gefragt »warum isst du so langsam schneller schneller« »ach« sagt er »wenn
[2:36:32] ich habe bekommen zweihundert Gramm Brot für die ganze tagsüber musste ich ein Bröckchen Brot in Mund [gestikuliert] und so lange lassen in Mund wie das ist aus und danach nehmen das andere und dann bin ich angewohnt so langsam zu essen« und er war schon
[2:36:58] ja und wissen [weint] Sie jetzt kann ich von seinem Tod erzählen er war 27 97 Jahre alt und er war schon fast zwei Jahre ganz ganz nicht gesund trotz sein Gehirn war noch ziemlich in Ordnung und letzte Tage hat man ihm in Hospiz oder wie sagt man in Krankenhaus
[2:37:33] genommen er konnte nicht [gestikuliert] äh schlingen durchschlingen das Essen das Essen äh hat in andere Teil von wo man atmet dyshat (__) bekommen und er konnte nicht essen und ähm sogar Wasser sehr schlecht und man hat ich war genau [schlägt auf den
[2:38:03] Tisch] war ich in dieser Zeit in Amerika und man hat äh uns mir und meiner Schwester gesagt man kann ihn ihm eine Operation machen und äh nach außen raus führen und füttern ihm von außen äh gerade in Magen das Essen und er war schon 97 Jahre und vier
[2:38:34] Monaten alt und und noch eine Operation (nur) jetzt kann bisschen studieren um um äh so welchen Mensch soll operieren und für ihm bedeutet das neue Torturen wie sagt man neue Schwierigkeiten neue was was dann wir haben gesagt »nein« und dann hat man ihm
[2:39:02] [seufzt] nur das Atmen gelassen und man hat ihm schon nichts gefüttert mehr und er war verhungert er hat sogar diese Gerät von denen er atmet atmen muss hat er das [gestikuliert] probiert zu kauen [weint] (furchtbar) das zu sehen so und meine Mutter ja
[2:39:35] [trinkt] und meine Mutter ist verstorben nach fünf fünf Monate nach ihm [putzt sich die Nase] es war gerade er ist verstorben ganz interessant er ist verstorben 21ste Juni äh 2006 nach 65 Jahre von Beginn dem Krieg am 22sten Juni sind äh deutsche Truppen
[2:40:14] einmarschiert und wir haben nur gefragt einen anderen damals hat er geahnt dass er bleibt am Leben noch 65 Jahre jeder hat jeden Tag gewartet (auf Tod) aber ihm hat das ja nun dank meiner Schwester ich habe von ihr sehr wenig erzählt wenn meine Mutter ist
[2:40:41] nach ähm Odessa mit mir ähm gefahren um mich äh mein Bein äh zu heilen äh hat sie sie gelassen mit äh meiner Oma Esther Yadushliver und das Kind hat gespielt in Hof und äh wie ich habe Ihnen schon gesagt das war eine Ecke und das war ein Zaun von äh
[2:41:14] Bretter ich weiß nicht wie altes Zaun vielleicht die Bretter waren schon ähm nu sehr alt und so sie hat gespielt genau an diesem Zaun und ein Auto kehrt rum und [gestikuliert] fahrt auf dem Zaun und der Zaun [gestikuliert] fallt auf dem Kind und wenn
[2:41:43] meine Ma- Mutter ist gekommen aus Odessa und gesehen [lacht] das Gesicht und das die (___) von diesem Kind das ist nur ein Zufall dass sie ist am Leben geblieben [hustet] unter diesem Auto und unter diesem Zaun so aber anders
[2:42:04] so was haben wir erzählt von
[2:42:07] meiner Mutter ja meine Mutter war nicht sehr religiös ähm aber aber die große jüdische Feste hat sie probiert zu halten sogar im Ghetto hat sie Matze gebacken äh und danach auch danach es war kein jetzt gibt es Matze von äh Werke die backen in Israel
[2:42:38] in Holland ich [lacht] mag Matze von Holland das ist die beste für mich so aber aber das war kein Möglichkeit andere nur zu Hause Matze es war ganz gut bei ihr Matze nicht richtige vielleicht weil sie hat ähm Eier und bisschen ich weiß nicht Butter oder
[2:43:03] ich weiß nicht was hat sie in die Matze gelegt (____) Matze waren wie ein wie Kuchen und ja von jene Zeit Zeiten habe ich dem ganzen Jahr Matze und mit Tee oder mit äh Brei oder mit äh ich weiß nicht was essen oder sogar mit Fernsehen [lacht] so (beim
[2:43:27] Fernsehen) so nein nicht keine Bücher waren bei uns äh nach dem Tod meiner Oma ja die Oma ist verstorben wenn ich habe in Institut eingetreten in diesem Jahr es war auch äh nu wenn das ist interessant wenn ich bin schon war schon eine Studentin geworden
[2:43:54] hat man uns geschickt äh nach eine medizinische Untersuchung von ein Zimmer in anderen von ein Zimmer in den anderen dort hat man Blutdruck gemessen dort hat man Fieber gemessen dort hat man ich weiß nicht äh auf den Waage gestellt jeden Student und in
[2:44:20] letzten Zimmer hat man uns auf den Tisch gelegt und man hat bei uns Blut genommen [gestikuliert] 200 Blut 200 Gramm Blut ja und ein Mädchen ist leider leider äh blind geworden nicht auf die ganze Zeit weil ihr war das ganz äh nach gesundheitliche Gründen
[2:44:45] äh unmöglich Blut zu abzugeben aber ich habe das überstanden und danach und danach nachdem hat man uns in Kolchosen geschickt auf dem Feld zu arbeiten es war es war Zeit wo man hat äh die Getreide genommen äh wir haben ich selbst war Tomaten haben
[2:45:24] wir gepflückt ja aber mir war auch so schwer in äh Feld zu arbeiten wegen dem Bein und ich [schließt die Augen; fasst sich an die Stirn] halte nicht aus die Sonne mir sehr schwer und ich habe gebitten mich in der Küche zu schicken ich habe schon ein Diplom
[2:45:45] gehabt [lacht] als Bäckerin und so weiter und dort haben sie gearbeitet bis Winter und dort und äh ich habe angefangen zu studieren irgendwo in November meine Stadt September so
[2:46:04] vielleicht können Sie uns nochmal erzählen wie die Entscheidung ähm dann gefallen ist nach Deutschland zu gehen
[2:46:11] [gleichzeitig:] ja
[2:46:13] und Ihre Eltern und die Schwester sind ja
[2:46:15] [gleichzeitig:] nach USA
[2:46:17] nach USA
[2:46:19] ja das ist interessant [hustet] Entschuldigung Entschuldigung [trinkt]
[2:46:26] haben Sie noch Wasser ?
[2:46:31] können Sie mir ein bisschen (schenken) ja danke danke danke so das mache ich gerne das erzähle ich Ihnen gerne ähm zufällig ist jetzt eine Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt »Ausgerechnet Deutschland« äh wie ich war auf diese Ausstellung
[2:47:03] ich weiß nicht wie andere Leute aber ich habe keine Antwort warum ausgerechnet Deutschland dort bekommen ähm weil äh die Ausstellung ähm haben junge Leute gemacht für junge Leute und die Leute die sind nach Deutschland vor zwanzig Jahren gekommen
[2:47:40] sind das sind schon ältere Leute und die Leute in die Menschen vielleicht interessieren nicht sie junge Leute die haben die Ausstellung gemacht wenn man fragt mich warum ausgerechnet Deutschland habe ich mh Antworten meine Antworten individuelle meine Antworten
[2:48:03] auf diese Frage [seufzt] erstes es war schon zu spät für uns nach USA für für mich und nach Israel zu fahren es war schon Anfang neunzigste Jahre äh im zwanzigsten Jahrhundert USA hat äh nur ähm enge oder nur ähm Verwandte ähm gleicher äh Linie
[2:48:41] aufgenommen Kinder Eltern Schwester Bruder wir haben keine gehabt in USA in Israel war noch schlimmer das was man hat diese Leute gegeben dort zum Anfangen das Leben war äh weniger viel weniger als äh für diese Leute die in siebzigste Jahre ausgewandert
[2:49:16] nach Israel und äh und äh die Klima in Israel für uns ich habe jetzt erwähnt dass Sonne kann ich nicht aushalten meine Mutter auch Vater ja Vater bisschen anders war so und äh plötzlich Deutschland es war unmöglich nach Deutschland das hat man
[2:49:47] gar nicht äh kann man sich nicht vorstellen wie kann man nach Deutschland auswandern so [räuspert sich] und äh sogar äh auswandern meine Mutter hat gesagt »warum denn alle meine ähm Neffe Nichte sind alle sind da« Bruder war schon tot Schwester auch
[2:50:19] lange tot aber die äh meine Cousinen Cousin und so weiter äh sie waren noch in Odessa sie fahren gar nicht ich sage »alle fahren alle vorbereiten sich schon« nein meine Mutter hat gar nicht gewollt fahren »oh wir sind schon alt wir sind schon krank wohin
[2:50:44] denn wir sind für sie nur eine Belastung« und äh und so und so und plötzlich Deutschland ähm über Deutschland habe ich gelesen in russische Zeitungen in eine russische Zeitung »Iswestija« war ein Artikel äh wo äh hat man beschrieben dass in Deutschland
[2:51:14] wohnen jetzt Juden Juden aus Osteuropa aus Polen Rumänien und so weiter und sogar die ehemalige Kriegsopfer sind ganz gut behandelt in Deutschland sie bekommen Rente äh in diese Zeit in Russland war äh schon sehr schlimm Anfang neunzigste Jahre die
[2:51:49] Laden waren leer die ähm Arbeit hat man verloren ähm mein Mann war schon über fünfzig Jahre alt 54 Jahre alt und ähm er hat noch gearbeitet aber er war schon Rentner weil er in fünfzig Jahre war er schon Rentner er hat als Schmied [gestikuliert]
[2:52:18] gearbeitet zwölf Jahre und dann ist er in fünfzig Jahre und äh und man hat gewusst dass er kann jeden Tag seine Arbeit verlieren ich war ein bisschen besser als Ökonomin habe ich als Buchhalterin gearbeitet und äh nicht schlecht nur äh nur es war schon
[2:52:49] eine große Inflation und das Geld ist immer billiger und billiger und billiger äh geworden so ökonomische Seite ist äh eine wichtige Seite erste erste oder nicht erste oder ein ja aber äh mein Mann äh wie er hat schon gesagt er hat sofort gesagt »deutsche
[2:53:16] Sprache ist mir ganz leicht zu verstehen« und äh sogar meine Mutter hat zugestimmt dass vielleicht alle unsere Verwandte und wir die ganze Umgebung wir stammen aus Deutschland ähm das sagen unsere deutsche Namen unsere wunderbare deutsche Name wie hat mir
[2:53:44] erste Tage hat man mir gesagt »Sie Sie sind äh wo haben Sie die wunderbare deutsche Name genommen« man hat ich war bei meinem Arzt hat man so gewundert sich ich habe kein Wort oder sehr schlecht Deutsch gesprochen aber die Name ist Langmann wissen Sie ja
[2:54:07] ja sie man kennt meine Name als Deutsche so ja wir stammen richtig aus Deutschland und Deutschland ist unsere zweite vielleicht Deutschland oder Österreich Heimat äh nach Israel Deutschland äh so und ausgerechnet Deutschland weil ich habe gelesen in diesem
[2:54:40] Artikel dass Juden sind äh nicht schlecht aufgenommen in Deutschland weil die jüdischen Gemeinden in Deutschland sind sehr klein und werden immer kleiner kleiner und man braucht sie äh unterstützen ähm so noch etwas habe gewollt sagen ich kann mich nicht
[2:55:01] erinner- sofort verliere ich leider ja äh was ich erzähle ja ökonomische Gründe in Russland war äh unmöglich schon zu sein äh so und ähm wir stammen aus Deutschland und wir haben gewu- ach so ich habe mich erinnert es war in Odessa ein russischer
[2:55:30] ein russisch- äh jüdischer Schriftsteller Efraim Sevela er hat einige ähm äh einigermaßen mit äh Juden gesprochen in eine große ähm Theater oder andere Saale er hat zu jener Zeit ich weiß nicht wo er lebt jetzt wo er wohnt er hat in München gewohnt
[2:56:04] und er hat und er hat uns erzählt wie ähm Juden in Deutschland fühlen sich »Deutsche sind sehr vorsichtig mit Juden sie sind äh sehr äh nu Respekt haben« oder ich weiß nicht was wenn sogar hat er erzählt das habe ich (__) ein Schriftsteller die ganze
[2:56:33] Menge Leute wenn sogar äh ein Mensch etwas macht ein Fehler etwas nu sag ich weiß nicht was stohlt etwas in ein Laden zum Beispiel end wann end wann end und wenn man ähm erfahrt dass das dass das ist ein Jude bekommt er äh weniger Bestrafung als als
[2:57:11] Deutsche so hat er der Efraim Sevela sogar das sogar das das habe ich selbst geglaubt ich war ich habe ich habe schon alles erlebt in Deutschland äh Verschiedenes 18 mit halb Jahre das ist äh genug ich habe noch eine Geschichte sogar zwei Geschichten kleine
[2:57:32] geschrieben gegen Antisemitismus in Deutschland ja so und äh ja und der äh Schriftsteller hat uns ganz gut erklärt dass es nicht so schlecht in Deutschland und die Klima und die Klima das ist nicht äh Israel das ist nicht USA zwischen zwei Ozeanen wissen
[2:57:59] Sie wir haben schon gewusst wo das ist weil dort sind Bekannte Verwandte und so weiter
[2:58:07] warum sind Ihre Eltern und die Schwester dann nicht mit gegangen
[2:58:10] ja genau das genau das will ich erzählen äh meine Schwester ähm war geschieden mit ihrem Mann sie in 22 hat sie geheiratet ich entschuldige mich sehr bin schon müde äh und in 24 hat sie mit ihre elf- äh -monatliche Tochter zurück zu zu die
[2:58:56] Eltern gezogen von diesem Mann fast Nacht weggelaufen und sie waren neben meinen Eltern sie war mit ihnen äh das ganze Leben bis in Tod so und äh und wenn wir haben angefangen von Deutschland zu sprechen sagt meine Mutter »nein mit Deutschland zu Deutsche
[2:59:24] fahre ich nicht ich höre unter meine Fenster die deutsche Sprache bekomme ich sofort ein Hirnanschlag Herzanschlag« der Vater hat gesagt »nu ja vielleicht ich habe sie verstanden damals ich kann sie verstehen vielleicht jetzt« aber die Mutter hat
[2:59:59] gesagt »nein« und äh die Schwester war so wie die Mutter und danach hat meine Schwester ein Mann in Odessa geheiratet sie war 46 Jahre alt er war 62 Jahre älter als sie und äh der Mann ihr Mann neue neue Mann nach 24 Jahre gerade irgendwo circa hat sie
[3:00:29] wieder geheiratet und der Mann hat gehabt einen Bruder in USA und es war äh die Möglichkeit weite Möglichkeit aber nach USA zu ziehen zu die enge Verwandte so äh und äh ich habe gesagt äh meiner Schwester »vielleicht wandern wir alle nach USA aus«
[3:01:01] weil weil wir waren schon in Computer in USA muss ich sagen das ist noch ein Geschichte hat mein Schwester (gesagt) »was mein Mann äh er soll meinen dass ich habe ihm« er ist älter als sie »als äh dass wir haben ich habe ihn geheiratet nur um äh mit
[3:01:26] ihm auszuwandern und die ganze Familie nach zu schleppen« nu und und dann äh und dann haben wir äh unsere Papieren nach Deutschland angegeben ganz schnell schnell das war die zweite Woche wenn in Kiew äh die Botschaft deutsche hat Papieren hat Formulare
[3:01:51] von jüdische Auswanderer mh genommen und noch etwas dort in der äh Schlange stehend neben dem neben dem Botschaft äh habe ich gehört dass äh ehemalige äh KZ- Ghettogefangene gehen ohne Schlange gehen sie gehen schneller die alle warten die Leute gehen
[3:02:23] vorbei wir waren gerade in dieser Schlange irgendwo in der Ecke hopp ich habe ich habe wunderbare Dokumenten dabei können Sie auch können Sie auch zeigen dass ich bin äh von Russland ja dass ich bin ehemalige ja KZ-Gefangene oder Ghettogefangene so [zeigt
[3:02:54] die Dokumente] und dann hat man bei mir meine Papieren schnell genommen so und es war März äh 91 und wenn Sie wissen in August 91 war in Russland ein Putsch ja och es war wieder schrecklich weil statt nach West zu fahren [lacht] haben wir Angst gehabt nach
[3:03:35] Ost verschickt man uns alle in Sibirien oder noch weiter ja ja [zur Kamera:] haben Sie ja ? so und äh aber das ist nicht passiert leider in äh letzte Tage August haben wir bekommen haben wir bekommen ähm eine Zustimmung nach Deutschland zu fahren und das
[3:04:05] haben wir gemacht
[3:04:07] ich will noch etwas von meiner Mutter sagen meine Mutter war eine äh gute eine ausgebildete Mensch trotz sie hat ähm nicht viel studiert nicht viel hat sie studiert [legt ein Buch auf den Tisch] weil äh weil ihre Mutter ihre Mutter in
[3:04:29] dreißigte Jahre allein in Balta geblieben die älteren Kinder haben schon gebaut Familien und weg und die Mutter auch ohne Rente ohne Groschen wie gesagt zum Lebenunterhalt und meine Mutter hat äh in dieser Zeit in Odessa studiert hat sie gelassen ihr Studium
[3:04:55] und gekehrt zurück nach Balta Entschuldigung und äh und äh angefangen äh als Telegraphistin zu arbeiten aber sie hat viel viel viel gelesen viele Bücher viel und selbst war sie ein ja sie hat bis letzte Klasse hat sie unsere ähm schriftliche ähm
[3:05:31] Aufgaben äh verbessert und äh ganz war mit uns zusammen mit unserem Studium und äh letzte Jahre ihres Leben noch nicht ganz letzte auch irgendwo sechzig siebzig Jahre alt war sie wenn sie ist fast blind geworden fangt sie an Gedichte zu schreiben ! wir haben
[3:06:03] gelacht weil sie Gedichte wir waren schon größer Ausbildung meine meine Schwester hat äh an der odessisches Uni ähm Biologie studiert absolviert ja sie hat Universitätausbildung ich auch ein bisschen so und wir haben gelacht weil äh die Gedichte sind
[3:06:29] so naiv so kindisch und so weiter und wir haben ihr gesagt das muss man (___) muss sein irgendwo frische interessante was äh das ist nur die Ergänzungen von äh was sagt man auf Deutsch vergessen Verbe Verbe ja [lacht] Ergänzungen gut macht nichts so
[3:06:59] und das hat sie zugehört und und weiter weiter sind die Gedichte bisschen besser geworden aber trotzdem wir haben sie fast nicht gelesen so wie meine Kinder interessieren sich nicht [lacht] was ich fange an zu schreiben gar fast gar nicht jetzt jetzt ist
[3:07:20] noch in eine site in Internet site ist Holocaust Online Holocaust Online von dieser Assoziation äh in diesem site ist diese zwei Geschichten veröffentlicht waren und es ist ein paar Wochen bis meine kleine Tochter hat rein geguckt und die ältere Tochter
[3:07:56] hat noch nie gelesen ja [lacht] und so genau so wie wir mit unsere Mutter erst wenn sie ist schon war nicht am Leben äh sie war noch am Leben wenn sie hat gelassen ihre Gedichte tippen in Russland noch in Russland noch nu es war getippt ähm nicht so gut
[3:08:21] und nu so weiter und wenn sie war schon nicht am Leben habe ich das alles genommen das alles wieder gelesen und äh und jetzt in Israel wird veröffentlicht ihr Buch »Weter Wospominanij« »Wind von Erinnerungen« »Wind von Erinnerungen« und in Stadt Balta
[3:08:50] letzte Jahre von unsere Auswanderung war bei uns genau Flieder unter dem Fenster unseres Hauses und das habe ich in Internet nach ich weiß nicht nach zwanzig Jahre vielleicht gefunden eine Nichte von äh na meine Nichte eine Enkelin von äh eine Enkelin
[3:09:18] von einer Cousine meiner Mutter genau diese Cousine die am Leben geblieben sind und ihre Schwester ist verschwunden in Ghetto ihre Schwester von diese Jelena ist die die am Leben geblieben sie heißt Jele ich weiß ich nicht jetzt ja und das ihre Enkelin ihre
[3:09:43] Enkelin sie arbeitet bei einem äh Reklam reklamiert Reklam (Agenstur) und äh sie veröffentlicht ah [zeigt ein Foto] das bin ich wenn Sie wollen als Ökonomin in Russland ja und äh sie hat geholfen mich geholfen die ich habe sie gefunden in Computer (_____)
[3:10:13] das habe ich gefunden meine meine äh Verwandte so so was haben Sie gefragt
[3:10:25] ich wollte ich dachte vielleicht wollen Sie nochmal ähm Ihre Familie heute zeigen auf dem Foto oder Sie haben ja auch zwei Enkel
[3:10:34] [gleichzeitig:] ja ja ich hab ja ja ja ja
[3:10:38] ich meine ach hier
[3:10:40] wo das mit mir das hab ich fotografiert
[3:10:43] [gleichzeitig:] vielleicht ein Bild wo Sie auch drauf sind
[3:10:45] ach so da sind Sie nich drauf
[3:10:47] Freund von meine kleine Tochter und das hat er fotografiert ich nehme das raus weil sonst ist das kein Glanz glänz bisschen Moment Moment Moment Moment [zeigt das Foto] so das ist meine Familie [zeigt auf die Personen auf dem Foto] das ist mein großer Enkel
[3:11:08] Sascha Alexander dort ist der kleine Enkel Jan Markus er ist in Deutschland in Frankfurt geboren in ähm Jahre 99 das ist meine kleine Tochter Milena Langmann sie ist geblieben Langmann das ist meine ältere Tochter Emma Langmann man hat bewundert sich sehr
[3:11:36] wo haben sie die deutsche Vornamen Emma Susanna Milena sogar in Deutschland gibt es so (Nikolaja) auch weißt du so ja und das ist meine Schwester dazu sie war zu Besuch bei mir und das äh haben wir uns fotografiert das ist der Schwiegersohn ja der äh zweite
[3:12:03] Schwiegersohn hat uns gerade fotografiert so das ist meine Familie uns geht in Deutschland gut wir haben keine Klagen nein wir äh sind gut äh besorgt meine Tochter meine kleine Tochter ist äh war Musikerin und in Odessa hat sie in Theater (Operiette)
[3:12:36] gearbeitet als Geigerin und in Deutschland hat sie Musik nicht verlassen sie spielt jetzt in einem kleinen Ensemble in einem Quintett oder Sextett oder ich weiß nicht äh sechs sieben Leute und sie arbeitet als Leiterin in einem Kindergarten sie arbeitet
[3:13:08] schon vier fünf Jahre als (___) feste Leiterin nur die ältere Tochter hat zwei Kinder sie konnte nicht so viel studieren in Russland war sie eine Ingenieurin und jetzt ist sie eine Erzieherin auch in Kindergarten alle erziehen Kinder äh der Schwiegersohn
[3:13:28] arbeitet in äh jüdische Gymnasium als äh Verwalter als Hausmeister sagen wir er macht alles was man braucht er äh kann alles machen er äh kann Boden äh legen er kann tapezieren er kann äh nu viele Arbeiten machen äh ja in Russland war er auch Ingenieur
[3:14:00] und
[3:14:02] [gleichzeitig:] Familie von Ingenieuren
[3:14:04] von Ingenieure ja das war wissen Sie das war erreichbar weil ich habe gewollt eine Ärztin werden ich habe ich habe noch vor dem dass eine Ärztin ich habe gewollt eine Journalistin sogar werden aber das ist war oder eine äh Rechtsanwältin da aber das war
[3:14:24] gar ausgeschlossen konnte man gar nicht und Ärzte ach das ist eine verbreitetes Beruf äh Ärzte braucht man viele und das habe ich gemeint und meine Mutter »was was ist Ärz- Arzt« ja aber sehen Sie das auch äh nur nur nur nur wegen Antisemitismus bin
[3:14:53] ich nicht geworden nicht Journalistin nicht Ärztin ja aber ich bin geworden ein auch Ingenieur Ökonomist ich bin nicht nur Ökonomistin ich habe viel studiert von ähm Maschinenbau ähm wot äh [lacht] wot was ähm Technologie Metall (_____________) [lacht]
[3:15:22] Entschuldigung (___) das ist äh Fach sie in meine Diplom was ich studiert habe als Ingenieur ich ähm Fach ja und äh ja aber das ist nicht meine aber das ist nicht meins sehe Sie das vier in diesem Diplom das ist die (technologija metalla) die Technologie
[3:15:55] von Metall das war nur ich konnte das verstehen äh und das bleibt in Kopf aber aber aber aber das ist nicht mein meins ist etwas anderes nun gut das Leben ist schon fast vorbei und was ist (gewen) ist (gewen) ich bin äh dankbar kann ich zu Ende oder Sie
[3:16:20] fragen noch etwas
[3:16:22] [gleichzeitig:] nein das äh bitte
[3:16:24] oh ich bin dankbar Deutschland derzeitige Deutschland für meine unsere gute Altersjahre ich bin dankbar äh der äh Stiftung der äh Denkmal für ermordete europäischen Juden die haben die Möglichkeit äh ausgesucht mit mir zu sprechen kommen zu mir und
[3:16:58] das alles was ich habe erzählt äh aufnehmen ich entschuldige mich sehr sehr sehr dass meine Sprache nicht so gut war mein Deutsch nicht so gut und dazu stottere ich noch aber ich meine dass Sie äh verzeihen mir das vielen Dank Susanna Langmann Yadushliver
[3:17:24]
[3:17:27] ja also das äh wir möchten uns vor allem bei Ihnen bedanken Sie haben uns ein ganz wunderbares Interview gegeben und vielen herzlichen Dank
[3:17:32] wirklich wirklich
[3:17:34] ja vielen Dank
[3:17:36] danke danke Ihnen danke Ihnen dass Sie hat Zeit und alles genommen und ich sehe dass Sie haben Mitleid äh ja manchmal ja so alles was ich schreibe dazu kann ich schicken Ihnen
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1939 | Balta | Geburt als Tochter eines Ingenieurs und einer Telegrafistin |
| ab 1941 | Balta (Ghetto) | Erzwungener Umzug ins Haus der Großmutter |
| ab 1941 | Balta | Versteck bei christlichen Arbeitskollegen der Mutter in einem Dorf bei Balta |
| ab 1941 | Ukraine | Fluchtversuch vor der Wehrmacht |
| ab 1944 | Odessa | Richten der Hüfte |
| ab 1944 | Balta (Ghetto) | Befreiung durch Partisanen |
| 1946 - 1956 | Balta | Schulzeit |
| 1956 - 1958 | Kischinau | Nicht bestandene Aufnahmeprüfungen an der medizinischen Fakultät |
| 1956 - 1958 | Balta | Arbeit in einer Apotheke |
| 1958 - 1961 | Kischinau | Studium für Bäckereitechnologie |
| ab 1961 | Odessa | Arbeit in einer Brotfabrik |
| ab 1961 | Odessa | Heirat mit Nikolai Langmann |
| 1962 - 1968 | Odessa | Aufnahme eines zweiten Studiums an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät |
| ab 1963 | Odessa | Geburt der ersten Tochter Emma |
| ab 1991 | Frankfurt am Main | Auswanderung nach Deutschland |
| Odessa | Geburt der zweiten Tochter Milena | |
| Odessa | Arbeit als Ökonomin |
Von klein auf war Susanna Langmann kränklich und litt unter einer Fehlstellung der Hüfte. Die nötige Behandlung im Krankenhaus von Odessa wurde durch den Kriegsausbruch im Spätsommer 1941 verhindert.
Bevor die deutsche Wehrmacht Balta erreichte, unternahm die Familie einen Fluchtversuch, doch sie wurde von motorisierten Truppen eingeholt und zurück in die Stadt getrieben. Die Eltern versteckten ihre Tochter für einige Wochen bei christlichen Bekannten in dem Dorf Sjennaja.
Unmittelbar nach dem Einmarsch richteten die Besatzer in einem ärmeren Stadtteil von Balta ein Ghetto ein. Dort befand sich das Haus der Großmutter, Esther Yadushliver. Sie nahm die gesamte Familie und Flüchtlinge aus Bessarabien bei sich auf. Allein durch den Mut des Vaters überlebten die Familie und die Flüchtlinge die folgenden Jahre: Als Bauer verkleidet verließ er nachts das Ghetto und besorgte aus den umliegenden Dörfern Lebensmittel.
Die Stadt Balta war zu Beginn der Kriegshandlungen zeitweise von rumänischen und italienischen Truppen besetzt. Als es hieß, dass Deutsche kämen, brach in der jüdischen Bevölkerung Panik aus. Für Susanna Langmanns Familie wurde der Keller, dessen Einstiegsluke mit einem Schrank getarnt wurde, zum rettenden Versteck. Am Tag des Einmarsches blieben nur sie, ihre Mutter und ihre Großmutter oben im Haus, alle anderen gingen in den Keller. Zwei Soldaten kamen und bedrohten die Frauen mit Gewehren. Da sie nichts anderes hatten, boten sie ihnen Streichhölzer an. Wie durch ein Wunder gaben sich die Soldaten damit zufrieden.
Das Haus der Großmutter lag an der Straße, die das Ghetto in zwei Teile zerschnitt. Obwohl es verboten war, überquerte Susanna Langmanns Mutter diese Straße, um ihre an Typhus erkrankte Verwandtschaft zu besuchen. Der Vater, der über Deutschkenntnisse verfügte, fand Arbeit als Dachdecker. Aus dem von Baustellen entwendeten Blech fertigte er Brotbackformen, die er auf dem Schwarzmarkt verkaufte.
Während dieser Zeit, die Susanna Langmann vor allem im Haus oder im Kellerversteck verbrachte, entwickelte sie eine besondere Beziehung zu einem der bessarabischen Flüchtlinge. Das Mädchen namens Taube brachte ihr Stricken und Nähen bei und bastelte Spielzeug für sie.
Am 8. März 1942 starb Susanna Langmanns Großmutter mütterlicherseits, Esther Lechtman, nachdem sie von einem Polizisten auf dem Marktplatz schwer misshandelt worden war.
Die Flüchtlinge berichteten von grausamen Massakern an bessarabischen Juden: Die Deutschen nahmen Massenerschießungen an Jungen und männlichen Erwachsenen vor und zwangen die Frauen hinterher, die Massengräber zuzuschaufeln. In den achtziger Jahren in der Sowjetunion wurden diese Berichte von den Arbeitskolleginnen Susanna Langmanns nicht geglaubt.
Insgesamt überlebten in dem Haus der Großmutter ungefähr fünfzig Personen die Kriegszeit. Das Zusammenleben war durch die Enge und die Angst nicht leicht, besonders, nachdem Susanna Langmanns Schwester im Frühjahr 1943 geboren worden war: Die Versteckten befürchteten, dass das schreiende Baby sie verraten könnte.
Die letzten Wochen vor der Befreiung am 30. März 1944 durch Partisanen, die noch vor der Roten Armee in Balta eintrafen, harrte die ganze Familie mit nur wenigen Vorräten im Keller aus. Sowohl Susanna Langmann als auch ihre jüngere Schwester, die auf festem Boden und in Freiheit sofort das Laufen lernte, trugen schwere Folgen von der Zeit im Ghetto davon. Beide stotterten und Susanna Langmanns Hüftprobleme hatten sich verschlimmert. Nach Kriegsende wurde sie in Odessa behandelt und für neun Monate in Gips gelegt.
1946 kam Susanna Langmann in die Schule. Bis zur sechsten Klasse hatte sie immer ausgezeichnete Noten und wurde als beste Schülerin geehrt. Sie verstand, dass sie durch gute Leistungen in der Schule ihre Zukunft selbst beeinflussen und einen guten Beruf erlangen konnte. Geprägt durch das eigene Leiden war es ihr Traum, Ärztin zu werden, um anderen Menschen zu helfen. Nach der Schulzeit im Jahr 1956 bewarb sie sich zweimal an der medizinischen Fakultät in Kischinau, wurde jedoch beide Male abgelehnt. Um sich auf das angestrebte Medizinstudium vorzubereiten, arbeitete Susanna Langmann zwei Jahre in einer Apotheke in Balta und bewarb sich 1958 zum dritten Mal an der medizinischen Fakultät. Obwohl sie die Prüfungen faktisch bestand, ließ sie der Leiter der Prüfungskommission durchfallen. Auch die Proteste ihrer Mutter und einer befreundeten Lehrerin beim Rektor der Universität konnten dieses Ergebnis nicht ändern. Susanna Langmann gab ihren Traumberuf auf und bewarb sich an einem Technikum für Bäckereitechnologie in Kischinau. Bei den Aufnahmeprüfungen hieß es zunächst, dass es für Ukrainer nicht möglich sei, in Moldawien zu studieren. Susanna Langmanns Mutter und ihre Tante, die in Kischinau lebte, legten daraufhin beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in Moldawien Widerspruch ein. Nach erneuter Prüfung der Bewerbungsunterlagen insistierte das Zentralkomitee darauf, dass Susanna Langmann doch noch angenommen wurde.
Nach Ende des Studiums, das sie als Jahrgangsbeste absolvierte, fand sie 1961 Arbeit in einer Brotfabrik in Odessa und lernte Nikolai Langmann kennen, den sie am 19. April 1961 heiratete. Susanna Langmann entschied, ein weiteres Studium zu beginnen und wollte sich an der ökonomischen Fakultät einschreiben, doch bei der Immatrikulation wurden ihre Zeugnisse aus Kischinau nicht anerkannt, da diese nicht staatlich beglaubigt waren. Die Cousine, der es nur möglich war, ein Studium aufzunehmen, indem sie ihre jüdische Identität verheimlichte, riet ihr zu einem Trick: Einen Tag später kam sie verkleidet wieder, ohne ihre Studienjahre in Moldawien zu erwähnen. Mit ihrem ukrainischen Schulabschluss war es ihr möglich, an den regulären Aufnahmeprüfungen teilzunehmen, die sie schließlich bestand.
1963 kam die erste Tochter Miliena zur Welt. Susanna Langmann setzte ihr Studium ohne Pause fort.
Nach dem Krieg konnte ihre Mutter ihre Tätigkeit als Telegrafistin wegen starker Kurzsichtigkeit nicht wieder aufnehmen. Der Vater musste allein die Familie ernähren. Statt als Ingenieur war er als einfacher Arbeiter angestellt, da diese in der Sowjetunion besser verdienten.
Das Haus der Großmutter mütterlicherseits, das außerhalb des Ghettogebiets lag, war nur teilweise zerstört und wurde verkauft. Die Mutter und der Onkel überschrieben ihre Anteile an Susanna Langmanns Tante, da diese im Krieg Witwe geworden war. Als die Familie ihres späteren Ehemanns nach Odessa zurückkehrte, hatten sich fremde Leute in ihrem alten Haus eingerichtet, mit denen sie noch einige Zeit lang unter einem Dach wohnen mussten.
Susanna Langmanns Familie war nicht religiös. Trotzdem wurden auch nach dem Krieg einige Traditionen bewahrt. Vor allem die Großmutter, die auch im Ghetto Matze buk, hielt die jüdischen Feiertage ein.
Besonders hart traf sie der Tod ihres Vaters am 21. Juni 2006 in den USA. Fünf Monate später starb auch ihre Mutter.
Anfang der neunziger Jahre traf die gesamte Familie die Entscheidung auszuwandern. Durch Freunde, Verwandte und Zeitungsartikel erfuhren sie, dass die Möglichkeit bestand, nach Deutschland zu emigrieren. Für Susanna Langmanns Eltern kam Deutschland nicht in Frage, so dass diese gemeinsam mit der Schwester und ihrem Mann, der in den USA Verwandtschaft hatte, in die Vereinigten Staaten gingen. Im August 1991 wurden Langmanns als Kontingentflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt und zogen mit ihren Kindern nach Frankfurt am Main.
In Deutschland begann Susanna Langmann sich auch schriftlich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Sie veröffentlichte zwei Kurzgeschichten über ihre Zeit im Ghetto und initiierte die Edition der Gedichtsammlung »Wind von Erinnerungen« ihrer Mutter.