Erika Myriam Amariglio (*26.03.1926, Thessaloniki)
Das Laden dieses Videos kann Ihr mobiles Datenvolumen beanspruchen.
- Signatur
- 01098/sdje/0009
- Institut
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
- Sprache
- deutsch
- Ort und Datum der Aufnahme
- Thessaloniki, den 7. September 2009
- Dauer
- 02:06:10
- Interviewter
- Erika Myriam Amariglio
- Interviewer
- Daniel Baranowski , Ulrich Baumann
- Teilnehmer am Gespräch
- Rudolf Amariglio
- Kamera, Licht und Ton
- Uwe Seemann
- Redaktion
- Barbara Kurowska
- Transkription
- Barbara Kurowska
Im Frühjahr 1943 wurde Erika A. aus Thessaloniki ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei ihrer Ankunft beobachtete sie, wie die Deutschen die mitgebrachten Familienfotos der Deportierten mit Stiefeln traten – als würden sie sie töten. Dieses Bild verfolgte sie ihr Leben lang. Erika A. wurde 1926 in einer säkularen deutsch-griechischen Familie in Thessaloniki geboren. Jeden Sommer besuchte sie ihre Großeltern in Karlsbad, bis zu deren Flucht nach Griechenland 1938. Mit dem deutschen Einmarsch in Griechenland 1941 begann für Erika A. die Verfolgung: Ihr Vater wurde kurzzeitig verhaftet, und allmählich wurden immer schärfere antijüdische Gesetze erlassen. Im Februar 1943 zog die Familie ins Ghetto, und schon einen Monat später wurde sie ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort verrichtete Erika A. fast zwei Jahre lang Zwangsarbeit in der Politischen Abteilung als Dolmetscherin und Bürohilfe. Bei der Auflösung des Lagers wurde sie auf einen Todesmarsch nach Ravensbrück getrieben, wo sie wenige Wochen lang in der SS-Küche arbeiten musste. Im Mai 1945 erlebte sie zusammen mit ihrer Mutter die Befreiung durch die Rote Armee in Malchow. Sie kehrten nach Thessaloniki zurück, wo sie mit Vater und Bruder wieder vereint wurden. Für Erika A. war es immer wichtig, über das Erlebte zu sprechen, doch viele Jahre lang wollte niemand in ihrer Umgebung zuhören. Erst in den 1980er Jahren schrieb sie ihre Erinnerungen nieder. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie 83 Jahre alt.
Vorkontakte
Kontakte zur Familie A. gab es von Seiten der Stiftung seit mehreren Jahren. Zudem fanden telefonische Vorgespräche und eine mehrmonatige E-Mail-Korrespondenz statt.
Bedingungen
Das Interview fand in der Wohnung von Erika A. in Panorama, in der Nähe von Thessaloniki, statt.
Gruppensituation
Anwesend sind die beiden Interviewer, ein Techniker (Uwe Seemann) und der Ehemann von Erika A., der während des Interviews mehrmals angesprochen wird.
Unterbrechungen
eine Unterbrechung
Protokoll
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
[0:00] wir haben heute den siebten September 2009 sind in Thessaloniki Griechenland und führen für das Projekt »Leben mit der Erinnerung« ein Interview mit Erika Myriam A ähm mein Name ist Daniel Baranowski von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden
[0:16] Europas ich führ das Interview zusammen mit Ulrich Baumann Uwe Seemann ist für die Kamera zuständig [Schnitt]
[0:23] gut Frau A vielleicht sagen Sie uns als Erstes wann Sie geboren sind und erzählen was von Ihren Eltern
[0:33] ich bin geboren 36sten sech- n- sech- drei- 26sten März 1926 bin 83 Jahre alt und bin geboren hier in Thessaloniki seit ich ähm ich hatte eine wunderschöne Kindheit unser Haus liegt lag direkt am Meer und wir hatten herrliche Sommer die sehr sch- schnell
[1:02] angefangen haben schon Ende April Mai und alle unsere Freunde und die Nachbarschaft kamen in unser Haus zu schwimmen und wann hatten wirklich eine sehr schöne Jugend [betont:] ohne dass wir jemals irgendwie versteh- v- äh irgendwie äh als Juden be-
[1:25] extra behandelt wurde unsere Freunden waren Christen und Juden und es war überhaupt keine Unterscheidung ich wusste dass dass wir Juden sind wir waren keine religiöse Juden wir waren äh äh säkulare
[1:45] mhm mhm
[1:48] [gleichzeitig:] ja säkularisiert
[1:49] unsere Eltern und wir feierten nur die große Feiern so wie d- das Ende des Jahres Rosch ha-Schana und dann die große Feier Jom Kippur und natürlich Pessach mit unseren E- Großeltern meine Mutter war äh kam war keine sepharadische Ju- äh Jüdin sepharadische
[2:12] Juden hießen die Juden die aus Spanien äh in tausend- äh 492 aus St- aus Spanien gejagt wurden und kamen in der Mediterrane also und in verschiedenen äh [hält die Hand hoch] machen wir eine Pause ?
[2:32] mhm
[2:34] ich [Schnitt] so wie ich gesagt hab die äh äh die sepharadischen Juden die und mein Vater war von dieser Familie sind 1492 nach äh gejagt worden und die Familie meines Vaters kam in Thessaloniki ungefähr 20000 Juden sind damals in Thessaloniki gekommen
[2:59] und äh das war eine sehr große Zahl denn Saloniki selber hatte sehr wenige äh inhab- äh Be-
[3:10] [gleichzeitig:] Einwohner
[3:12] Bewohner war war damals sehr klein und waren Griechen Christen und Türken und dann kamen die Juden die äh viel viel mehr waren als die Ch- die waren mehr als die zwei die Christen und die Türken also das ist von der Geschichte von Saloniki
[3:31] aber ich werde
[3:34] meine Geschichte erzählen mein Vater hatte ein Fotogeschäft und er ist äh damals 1923 glaube ich 24 äh ging immer in der Leipziger Messe für s- um für sein Geschäft Waren zu kaufen und dort war ein Cousin von ihm und äh hat wollte mit ihm ist mit
[3:58] ihm am Abend zusammen ausgegangen und so hat er meine Mutter kennengelernt die äh im zweiten Jahr Studentin war von Medizinstudentin war sie lebte in Karlsbad aber studierte in Leipzig so hat er meine Mutter kennengelernt und das war eine Liebe wie man sagt
[4:15] kerawnovolos Rolli wie sagt man [schaut nach links]
[4:19] auf den ersten
[4:21] äh
[4:23] Blitz
[4:26] auf den ersten Blick
[4:28] [gleichzeitig:] auf den ersten Blick
[4:30] auf den ersten Blick
[4:32] [lacht] ja
[4:35] sie hatte sie hat ihm so g- geliebt dass sie die Studien gelassen hat nicht aufgehört und das war für sie ein sehr sehr großes Opfer und ist nach Saloniki gekommen und Saloniki damals war wie ein großes Dorf aber wirklich ein großes Dorf da kam die äh
[4:43] äh meine Mutter war halb Österreicherin von ihrer Großmutter sie war meine Großmutter war aus Wien und unser äh Großvater war von der Tschechoslowakei und er war ähm äh [fragend zu Rudolf A:] lochagos ?
[5:01] äh Hauptmann
[5:03] Hauptmann in der Austro-Ungarische Armee d- die Sprache die sie sprachen obwohl sie in Karlsbad gewohnt haben in der Tschechoslowakei war Deutsch und ihre Erziehung war eine richtige deutsche Erziehung und sie kamen hier in dem großen Dorf von Saloniki
[5:21] und musste es überleben denn das war wirklich für sie ein Überleben aber sie hats geschafft sie war eine sehr starke Frau und sie hat sehr vieles geschafft und äh also ich bin habe ich gesagt an in dem Haus geboren damals gab es keine Kliniken wo man
[5:43] geht nicht ? und ein Jahr nachher ist auch mein Bruder in die Welt gekommen und
[5:47] unsere Jugend war wirklich eine wunderbare Jugend mit viel Spiel mit Lernen alles zusammen wir hatten eine wunderbare Jugend und hatten keine Ahnung was unser Leben vorhatte es
[6:04] war das Jahr 38 und damals und schon bevor wir haben gesehen dass unsere Eltern sehr unruhig waren etwas ging nicht in Ordnung wir haben uns nicht sehr interessiert als Kinder g- des die Hauptsache war Spielen nicht wir hatten einen Klub wir waren sehr sehr
[6:25] tätig aber wir haben gemerkt dass sie immer am Radio äh äh hö- dem äh also die Nachrichten am Radio hörten und nicht die griechischen nur Nachrichten sondern BBC und äh sie haben sich sehr große Sorgen gemacht um unsere Großeltern sie lebten in
[6:45] Karlsbad und ich erinner mich im Jahre 38 sagte noch die Mutter »die Großeltern kommen« wir waren sehr glücklich dass sie kommen aber unsere Eltern waren nicht glücklich und ich glaub sie selber die Großeltern waren auch nicht glücklich also 1938 kamen
[7:03] sie als äh äh refugees
[7:06] als Flüchtlinge
[7:08] [gleichzeitig:] Flüchtlinge
[7:11] als Flücht- kamen sie als Flüchtlinge hatten nichts mehr ich erinner mich dass m- jeder trug seinen Koffer nichts ander und keine Geschenke da- das das war auch etwas ganz anderes wie wie sonst und sie wohnten bei uns das Ra- das Radio hörte nicht auf
[7:28] zu sch- wenn der Vater zu Hause war das war Jahre acht- äh 38
[7:33] haben Sie verstanden warum die Großeltern zu Ihnen kamen ?
[7:37] [gleichzeitig:] wir haben halb verstanden die die Mutter hat gesagt die können nicht mehr dort leben es wird äh sie hat nicht gesagt Krieg aber sie sie sie hat auch nicht erwähnt dass sie Juden sind das das haben wir so wissen Sie durch die Kulissen sagen
[7:52] wir äh verstanden aber sie kommen z- und leben weiter bei uns s- nein ich erinner mich gar nicht dass sie gesagt haben warum und wieso und die große Freude dass wir die Großeltern zu Hause hatten das das war eine sehr große Freude
[8:12] hatten Sie die vorher besucht die kom- die kamen auch aus Karlsbad
[8:16] wir gingen jedes Jahr in Karlsbad
[8:19] ja
[8:21] jedes Jahr für einen Monat gingen wir mit meiner Mutter und blieben in Karlsbad mit den Großeltern und wir hatten ein sehr liebes und gutes Verständnis aber das war es ein Monat jedes Jahr genauso wie jetzt für meine Kinder und äh natürlich sprachen
[8:36] wir Deutsch und äh die haben alles mögliche getan dass wir uns wohl fühlen das äh das war bis im Jahre 38 dann hats natürlich aufgehört
[8:45] mhm
[8:47] weiter in der Schule ich glaube die die Eltern natürlich unser unser Großvater am meisten mit meinen Eltern hat das Radio gehört die ganze Zeit meine Großmutter war ein bisschen äh kränklich das Radio gehört dann was war der Krieg äh das haben wir
[9:10] a- mitge- äh miterlebt da ham sie uns ge- am 39 der Krieg in Polen und was wir auch gehört hatten ist dass etwas mitn Juden durch die Nachrichten äh da- das war die die Unruhe unserer Eltern die Juden werden verjagt und alles wissen Sie so in einen Nebel
[9:33] aber wir wussten dass etwas mit den Juden los ist das hat uns weiter nicht gemacht wir haben weiter gespielt weiter mit unserem Klub wir haben Vorträge gehalten und
[9:44] dann kam der Krieg 39 mit Polen und 1940 war der Krieg mit Italien Griechenland mit Italien
[9:55] da waren wir schon 13 Jahre 14 Jahre da haben wir mitgemacht wir haben wir haben das sehr (wahr-) genommen wir haben immer die Nachrichten gehört und wir woll- wir haben die äh ich erinnere mich ich bin immer gegangen und wollte die Nachrichten lesen von
[10:13] allen Zeitungen meine Eltern haben eine Zeit- Zeitungen genommen und viele fremde Zeitungen und ich bin w- wir sind mit Freunde gegangen und haben die übrigen griechischen Nachrichten und da waren wir ganz stolz dass unsere Soldaten vorwärts gehen dass sie
[10:28] die Italiener äh sieg- äh siegen
[10:32] besiegen ja ja ja
[10:34] wie besieg-
[10:36] [gleichzeitig:] besiegen genau
[10:39] dass die die Italiener besiegen und dann wollten wir auch etwas mitmachen aber wir waren nur Kinder nicht ? und dann haben sie gesagt äh die Mädchen ich war die älteste also die Mädchen haben gesagt haben wir gefunden eine Dame die gesagt hat »gut ihr
[10:51] wollt helfen hier ist äh strickt äh Handschuhe äh für den Kopf äh«
[10:57] Mützen
[10:59] [gleichzeitig:] Mützen
[11:02] »Mützen Mützen für den Kopf für die Soldaten und Strümpfe« so habe ich gelernt auch Strümpfe zu stricken und da haben wir wirklich den ganzen Tag gesessen und haben gestrickt und gesungen die Lieder die die wir hatten eine sehr große Sängerin und
[11:15] die hat Lieder gegen die Italiener gesungen da haben wir alle mitgesungen und gestrickt und gestrickt wie wie verrückt
[11:21] unter Ihren Freundinnen war eine die gesungen hat (damals)
[11:24] nicht unter die Freundinnen das haben wir vom Radio gehört
[11:27] ach so
[11:29] das war eine sehr berühmte Sängerin sie hieß Sophia Vembo und sie hat [betont:] wirklich äh s- äh schöne gute Lieder die die Leuten enthus- äh
[11:40] enthusiasmiert haben sozusagen
[11:43] enthusiasmiert haben das ist ein griechisches Wort
[11:45] begeistert
[11:47] begeistert
[11:50] und das war der der Krieg inzwischen das war der Krieg mit Italien das hat angefangen aber das macht nichts das ist Geschichte brauch ich nicht zu sagen aber der Krieg mit Italien hat äh gedauert bis 1941
[12:06] 41 hat äh Deutschland ich glaube Deutschland
[12:13] war die Schuld dass der Krieg mit Italien geendet hat und 1941 war die Invasion dass die Deutschen ins Land kamen Griechenland die haben ein Land nach dem anderen okkupiert und es war der neunte April 41 dass die hier in Saloniki hereingekommen sind natürlich
[12:35] bevor bevor sie reinkamen hat man das wird mein Mann besser erzählen hat man äh verschiedene hat man Feuer gemacht ver- äh vernichtet Sachen man hat äh ich erinner mich das war sehr sehr in in mein Kopf dass äh apothikis wie sagt man a-
[13:00] Lä- La- La- Lager
[13:02] ah Lager aufgemacht und man hat Fässer mit Öl rausgenommen und mit äh mit äh äh hat man Löcher gemacht so dass das Öl sich schüttelt damit es die Deutschen deu- die deutsche Armee nicht äh bringt und die Leute sind haben diese Fässer in der Straße
[13:20] haben sie sie äh kylousan
[13:23] gerollt
[13:25] gerollt ?
[13:27] ja
[13:29] gerollt und natürlich so viel sie Öl nehmen konnten von den Löchern haben sie nehmen aber das ist ein Bild das ich nicht vergessen kann auf jeden Fall das wird ja mein Mann viel besser erzählen und äh dann Feuer waren sehr viele Feuer und äh ich erinner
[13:46] mich wir sa- wir saßen an der Terrasse am Meer und sahen wie die Feuer alle waren es es war ich kann das gar nicht beschreiben äh unsere Eltern waren sehr sehr sehr sehr besorgt aber wir waren sehr sehr neugierig wir wir wussten nicht und äh wissen Sie
[14:06] es ist ein großer Unterschied die Kinder heute und die Kinder wie wir waren damals war es ganz anders die Kinder müssten nicht mit den Eltern zusammensitzen wenn Besuch war müssten wir vom Raum weggehen das das kennt ihr gar nicht [lacht] und unsere Kinder
[14:25] kennen das auch nicht aber wir die waren sehr sehr streng wir dürften keine Gespräche mit ihnen äh machen keine Fragen stellen das war g- ganz ganz anders und noch sehr sehr deutsch denn meine Mutter hatte eine richtige deutsche Erziehung und das hat sie
[14:42] weiter zu uns gebracht ah und das war überhaupt g- auch für die andere Kinder die christliche Kinder die Christen und die jüdischen Kinder die nicht so wie wir waren Mischlinge sagen wir unsere Mutter war keine Griechin nicht ? aber wir waren noch sehr
[15:01] sehr äh wir waren richtige Kinder noch und wussten sehr wenig so so haben wir aber angefangen
[15:08] und ich erinner mich am neunten April 1941 ist äh ein groß- ein ein großes Auto von der deutschen Armee gekommen und äh die ich weiß nicht ob es die SS waren
[15:28] oder Wehrmacht und die hatten hier große eiserne Plakate hängen und so ein K- äh Auto kam und stand in vor unserem Haus
[15:37] Feldgendarmerie
[15:40] hm ?
[15:42] die Feldgendarmerie
[15:44] Feldgendarmerie genau äh stand vor unser Haus und äh sie suchten meinen Vater einer der äh Griechen die mit äh also die Kollaborateu- ein Kollabo- collaborator äh Grieche hat äh ein Deutschen gesagt dass mein Vater ein großes go- Fotogeschäft hat
[16:05] und die sind gekommen aber sie sind nicht gekommen weil er Jude war obwohl wir das gedacht haben und meine überhaupt meine Eltern aber sie sind gekommen um mitzunehmen u- uns Geschäft und um Filme zu geben und Apparate aber das haben wir erst nachher erfahren
[16:23] man hat ihn auf jeden Fall weggenommen ohne was zu er- »komm mit« und einfach weggekommen und ich erinner mich das war meine Resistenz ich wir hatten kleine Fahnen griechisch so ganz kleine für hier [zeigt auf die Brust] griechische und englische und ich
[16:40] hatte ich hatte alle meinen Freunden gegeben und hatte vier fünf noch in mein Zimmer da bin ich o- noch schnell am zweiten Stock gerannt und unten war meine äh äh meine Freundin und ich hatte ihr gesagt »ich werde dir das werfen du wirst das im Meer werfen«
[16:55] aber wo unten war da- das das Auto das deutsche Auto können Sie sich vorstellen wie blöd wir waren wir wir hatten keine Ahnung auf jeden Fall ich dachte ich habe eine große Sache gemacht diese d- Fahnen loszuwerden gut das das war und bis d- der Vater
[17:17] dann zurückkam und wir wussten dass es nicht weil er Jude war dass er dass er äh dass man ihm ge- genommen hat und wieder zurückgebracht hat war es dass er eine Leica hat man ihm genommen und Filme und weiß ich was es war
[17:32] haben Sie an dem Tag dann mit Ihrer Mutter darüber gesprochen äh was mit dem Vater passiert
[17:37] nein der Vater ist mit den Deutschen gegangen die Mutter ist nicht mit ihm und wir warteten alle meine Großeltern wir die ganze Familie wir wussten nicht sie haben nichts gesagt sie haben nur den Kounio genommen aber nach paar Stunden hat man ihn wieder zurückgebracht
[17:52] können Sie vielleicht kurz nochmal eben sagen wie Ihre Eltern hießen ? ich glaub Sie haben noch gar nicht die Namen Ihrer Eltern gesagt
[17:58] bitte bitte ?
[18:00] können Sie kurz nochmal sagen wie Ihre Eltern hießen weil Sie glaube ich noch gar nicht die Namen
[18:02] [gleichzeitig:] ah meine Mutter der Name meiner Mutter war Helene aber man rufte sie Hella Hella Löwy mein Großvater war so wie er sich immer vorgestellt hat Doktor Herr Ingenieur Ernst Löwy und meine Großmutter hieß Therese und äh ja mein Va-
[18:23] [unterbricht:] (_) Babas
[18:25] hm ?
[18:27] ke o Babas sou
[18:30] mei- ich hab gesagt meine Mama
[18:32] und Vater
[18:34] ah der Va mein Vater Salvator
[18:36] Salvator mhm okay
[18:38] und äh
[18:40] [gleichzeitig:] und mein Bruder der hieß er sa- er Heinz Erich und wir ruften ihn (Bubi) und noch jetzt ruf ich ihn (Bubi)
[18:43] und äh beide Familien waren jüdischer Religion also die
[18:47] [unterbricht:] ja beide Familien waren rü- jüdischer Religion aber die Großeltern waren Aschkenasi und meine Großeltern vom Vater waren die sepharadische Juden nicht ?
[18:56] mhm mhm
[18:58] und das war ein großer Unterschied es war die die haben damals auch meine Großeltern haben nur Spanisch gesprochen
[19:04] die griechischen Großeltern oder die Saloniki
[19:07] die gre- die griechische Großeltern
[19:09] mhm
[19:11] aber sie sprachen sehr schlecht Griechisch sehr schle- und sehr gut Spanisch ich hatte leider keinen großen Kontakt mit meiner Großmutter und Großvater weil ich äh nicht mit ihnen richtig sprechen konnte ich erinner mich noch meinen Großvater als wir
[19:24] spazieren gingen und er hat ein bisschen mehr Griechisch gewusst da haben wir ein bisschen gesprochen aber nicht viel und meine Großmutter hat sie hat mich auf ihren Schoß gegeben ge- und ich hab nicht mit ihr sprechen können ich hatte keinen Kontakt
[19:38] und ähm die die anderen Kinder die anderen jüdischen Kinder die Sie auch erwähnt haben ähm sprachen die auch Griechisch oder
[19:48] und Spaniolisch
[19:51] und Spaniolisch
[19:53] und Spaniolisch ich sage Ihnen wir hätten auch wenn unsere Mutter eine sepharadische Jüdin wäre hätten wir auch Spaniolisch gesprochen denn wir mein Vater hatte eine sehr große Familie es waren sieben Kinder und äh von den sieben Kinder waren drei äh
[20:07] Männ- Jungens und äh die anderen waren Mädchen und die waren alle verheiratet und äh hatten viele Kinder es waren die ganze Familie von meinem Vater war waren 22 Personen
[20:19] ah ja ja
[20:24] und die wurden alle vernichtet im Lager von den 22 Personen äh 22 Personen wurden vernichten sind nur wir vier zurückgekommen und das war wieder ein Zufall auf jeden Fall ich werde jetzt langsam kommen wo wir waren äh
[20:42] man hat al- ich hab gesagt äh die
[20:47] Großeltern äh die Deutschen kamen und äh da fing wir meine Eltern waren sehr nicht nur meine Eltern die ganze Gemeinde waren sehr sehr ängstlich aber langsam langsam als die äh Tage vergingen hatten wir überhaupt nichts gehört gegen die Juden und
[21:07] das Leben ging weiter so gut für alle Leute es war Okkupation man sah die äh die Autos die Tanks nicht es war nicht genug zu essen aber da- wir gingen in der Schule wieder normal es war und äh ich hörte noch wie meine Mutter sagte zu meinem Vater »Gott
[21:30] sei Dank mach- b- bringen sie machen sie führen sie nicht hier die Nürnberger Gesetze« und das war das Gescheite und so sind wir wie die äh wie man sagt wie die Schafe ins ins Lager gekommen sie haben die Leute beruhigt und die haben gesagt und obwohl
[21:51] s- man wusste von den Nürnberger Gesetzen aber man wusste hatte keine Ahnung keine Ahnung das habe ich erst nachn Krieg richtig festgestellt was los äh was los war was war Auschwitz was war Treblinka das haben die gar nicht gewusst die wussten nur dass man
[22:10] die Juden äh jagte aber es war alles ganz normal und mein Vater ging weiter ins Geschäft und ein guter Freund von ihm aber sehr guter Freund äh hat mein Vater hat an diesen Freund äh sein Geschäft übergeben äh verkauft aber das war äh [gestikuliert]
[22:34] zwischen Freunde aber er hats verkauft
[22:39] auch in der Schule ähm
[22:43] hm ?
[22:45] ist alles normal geblieben in der Schule ist alles normal (geblieben)
[22:47] in der Schule war alles normal geblieben u- ich sage Ihnen wir waren auch sehr sehr tätig wir hatten einen Klub und hatten äh manches gemacht und wir wir wir [betont:] machten weiter
[22:58] was haben Sie in dem Klub gemacht eigentlich
[23:00] der wir wa- es war ein Klub äh wir wir haben das sogar die äh »Saloniker« genannt und äh wir haben verschiedene Gerede wie sagt man V- äh Vorträge gehalten und äh d- wir haben äh im Meer agones ach die (Wort) Rolli ?
[23:20] äh Sportkämpfe
[23:22] mhm mhm
[23:25] ja wir haben wer schnell schwimmen wird schneller schwimmen wird und wir haben äh vom Meer sind wir wer am b- am besser springen kann nicht ? wir haben Medaillen gegeben und da sind auch andere Kinder gekommen die nicht im Klub waren und Volley haben wir damals
[23:43] gespielt viele Sachen haben wir gemacht aber das war für uns sehr ernst und natürlich für die Soldaten haben wir wie- wieder für den Klub und manche von den Kindern habe ich später also in der Befreiung gehört die haben in die haben mit der in der Resistenz
[24:01] haben sie gearbeitet für Kinder
[24:04] das waren christliche und jüdische Kinder in Ihrem Klub
[24:07] [gleichzeitig:] ja ja christliche und jüdische Kinder christliche und jüdi- und äh das waren äh d- ich erinner mich wir waren zwei jüdische Kinder die äh die Gründer waren mit den christlichen Kindern wir waren sieben Kinder die zwei waren Juden
[24:23] nicht ? ich und noch eine Freundin von mir und alle andere war Christen aber das das hatte wir haben das gar nicht daran gedacht was was das heißt Christen und Juden das sag ich erst nachn Krieg damals haben wirs gar nicht verstanden
[24:37] dann äh das war bis
[24:43] zum Jahre 42 also die waren im April gekommen gerade nach einem Jahr da da ist etwas geschehen was was wirklich unnormal war man hat alle jüdische Männer von 18 oder
[25:00] alle aber man hat die ausgesucht
[25:02] von 18 bis 45 ?
[25:05] ja aber die mussten alle hin
[25:08] müss- muss ja alle ohne Aus- und müssen sich vorstellen am Frei- äh an dem Platz am Freiheitsplatz was Sie gestern noch gefragt haben nicht ? alle und da haben mein Vater der war noch nicht 45 und meine Mutter haben ich erinner mich dass sie so gesprochen
[25:26] haben die waren sehr aufgeregt und hat gesagt mein Vater »ich werde mich nicht äh vorstellen« meine Mutter hat gesagt »nein nein nein du wirst dich nicht vorstellen« auf jeden Fall da haben wir gehört aber das kam zu uns Kindern nicht so furchtbar wie
[25:45] es in Wirklichkeit war wie ich es nachher gelesen hab äh man hat sie dort sehr schlecht äh behandelt die die wurden zwei oder drei Tage in der Sonne stehen geblieben und äh äh die müssen Übungen machen und wenn jemand seinen Schweiß oder einen Hut anziehte
[26:04] hat man ihm ge- geschlagen die Hunde geschickt äh also gejagt gegen ihn es es war es war eine eine richtige Hölle eine richtige Hölle und äh immer wieder erinnere ich mich wie mein Vater und meine Mutter darüber gesprochen haben und da haben wir auch
[26:24] mehr aufgepasst was geschehen was äh war das was ich nicht alles mitgemacht hab ist die Behandlungen und wie wie sie wie das aufgehört hat aber wir haben gehört dass sie viele sehr viele geschickt haben zur Zwangsarbeit ich glaube es waren sieben- sechs-
[26:45] bis 7000 junge Männer nicht ? die gegangen sind
[26:48] ich weiß nicht
[26:50] ja ich glaube auf jeden Fall ich kann nicht jetzt nicht äh richtige Nummer sagen aber es waren viele sehr viele kra- sehr viele sind gestorben von äh schlechte Behandlung von Malaria von Hunger und dann mit Merten hat die Gemeinde irgendwas gemacht das
[27:10] können Sie speziell lesen ich werde nur meine Geschichte erzählen auf jeden Fall hat es a- aufgehört das hat drei vier Monate fünf Monate gedauert nicht Rolli ?
[27:23] ja die haben die äh Gemeinde hat sie freigekauft
[27:26] auf jeden Fall die Gemeinde hat bezahlt sehr sehr viel Geld und äh aber sehr viel Geld sehr sehr viel Geld und äh d- das hat aufgehört was äh die Leute die zurückkamen kamen zurück die Leute die zurückkamen sehr viele waren schon tot und dann ging
[27:48] eine Zeit etwas wieder ruhiger nichts gegen die Juden wa- was ich mich sehr erinnere und was mich sehr sehr großen Eindruck gemacht hat ist als ich mein Buch geschrieben habe ich dachte dass die Sammlung der Juden ich dachte Monate gedauert hat aber als
[28:16] ich anfing mein Buch zu schreiben wollte ich ganz sicher sein dass ich was ich schreibe hundert Prozent so ist wie es die Geschichte war und ich erinner mich ich hab das Buch erst von äh Molho gelesen und dann andere Bücher das war Ende Dezember 1943
[28:39] Ende Dezember am zwanzigsten äh am ich hab vergessen zu sagen dass meine Großmutter gestorben ist im Dezember 42 sie war krank und Gott sei Dank sie ist in ihrem Bett gestorben aber das war ein großer Verlust wieder für uns
[28:59] und äh dann am äh im Dezember
[29:07] 43
[29:09] nein
[29:11] ja Dezember 43 Rolli hat mein Vater gesagt eine Komission
[29:15] [unterbricht:] 42
[29:17] 43
[29:19] 43 ichate fygi
[29:22] ah 42 du hast Recht ja ja ja ist gut dass er da ist [lacht] ja 42 er hat Recht 42 kam mein Vater ganz aufgeregt es war kurz vor Weihnachten und er ging jeden Tag in der Gemeinde und sagt äh »die Kommission Wisliceny« das erinner ich mich noch von damals
[29:45] äh »wird kommen oder ist gekommen« und er war sehr sehr aufgeregt die Kommission Wisliceny ist gekommen das war Ende Dezember Anfang äh Januar plötzlich fing es an die Juden müssen alle einen gelben Stern tragen plötzlich waren da gelbe Sterne
[30:12] für nicht nur für den Mantel aber auch fürs Kleid im Haus von der Gemeinde schon vorbereitet ich werde nichts von der Gemeinde erzählen das ist alles Geschichte aber wie es zu uns äh äh direkt kam da müssen wir die Sterne tragen und ich erinnere mich
[30:30] noch meine Mutter sie war eine sehr große Optimistin »na gut werden wir die Sterne tragen wir sind stolz dass wir Juden sind« sagte meine Mutter dann hats angefangen die Juden dürfen nicht äh äh die äh also die Straßenbahn die dürfen nichts äh
[30:50] von äh von der
[30:52] die Straßenbahn benutzen
[30:54] ja nichts äh nicht benützen aber das ging alles schnell nicht ? äh nach längerer Zeit dann hieß es alle Juden sollen äh in Ghettos kommen und die die die und man hat angezeigt welche Ghettos (fin) es waren drei oder vier Ghettos ungefähr ich weiß nicht
[31:15] auf jeden Fall wir waren ich weiß a- ich musste es wieder sehen damals m- m- wir waren außerhalb der Ghetto
[31:23] Sie wohnten immer noch in dem Haus am Meer
[31:25] immer Haus am Meer wir gingen immer noch in der Schule ich erinner mich noch als wir mitn gelben Stern in der Schule kamen wie lieb unsere äh äh Lehrer waren nicht aber das für (kurze)
[31:42] [unterbricht:] und die Schüler die anderen Schü- die anderen Schüler
[31:44] [gleichzeitig:] die anderen Schüler nichts nichts wir waren wir waren äh nein unsere Schüler die christlichen Schüler nicht überhaupt ni- wir waren die uns- also jeder der mit seinen Freunden zusammen wir hatten kleine äh so äh so wir haben gesprochen
[32:01] wir d- a- die eine hat gesagt »mein Vater ist zurückgekommen vom Militär« nicht ? d- aber weiter nichts wir sind nicht lange Zeit dort gegangen ungefähr zwei Wochen dann sind die ha- haben wir sind wir ins Ghetto reingegangen mein Vater hat versucht ein
[32:21] Haus zu finden für die Familie und hat nichts finden können außer ein kleines Haus Haus kein Apartment äh das äh gerade uns vier hatte nur zwei Zimmer und den Großvater inzwischen war meine Großmutter gestorben und der Großvater äh wurde in einer
[32:41] christlichen Familie im Ghetto denn das Ghetto da waren auch Christen drinnen äh aber sehr viele jüdische Familien äh eine aus Bulgarien das waren Christen aus Bulgarien die dort die haben meinen Großvater genommen der hat gemietet ein Zimmer und hat mit
[33:00] ihnen gelebt und wir waren in diesem kleinen Haus das dauerte auch nicht mehr lange wir waren da zwei Wochen am Anfang sind wir noch in der Schule gegangen dann ist es äh äh war Sperre wir dürften nicht ausn Ghetto raus natürlich mein Vater konnte nicht
[33:18] mehr ins Geschäft aber er hatte inzwischen das gemacht mit seinem Freund und dann sind wir im Ghetto haben wir gelebt sagen wir dass Ende Dezember Anfang Januar sind wir im Ghetto gegangen und plötzlich am zehnten März da war schon ja am achten Februar
[33:46] das ist was mich so imponiert hat am achten Februar müssten wir ins Ghetto das war nicht im Januar achten Februar aber das ging alles so schnell ich dachte es waren Monate vorbei vom Dezember bis dem achten Februar und das war so eine kurze Zeit mu- dürften
[34:05] wir nicht mehr aus dem Ghetto und haben da im Ghetto gelebt
[34:08] und am zehnten März sin- haben wir einen Monat gelebt inzwischen sind wir noch in der Schule gegangen unsere Freunde haben uns besucht Rolli der der war ein Kindfreund seine Mutter war eine Deutsche
[34:23] und die waren mit meiner Mutter sehr befreundet und äh da kam er auch zu Hause als äh als Freund nicht [an Rudolf A gewandt:] und du hast uns auch mal im Ghetto besucht nicht ? so so viel ich mich erinnere es was alles sehr confusing wissen Sie sehr äh
[34:41] das heißt Ihren um das nochmal kurz zu fragen Ihren Mann kannten Sie damals schon das ist ein Jugendfreund sozusagen
[34:47] [gleichzeitig:] ja ja ja das habe ich vergessen zu sagen das das hab ich vergessen zu sagen und das war auch [an Rudolf A gewandt:] vielleicht wirst du es sagen auf jeden Fall äh des weil meine Mutter äh sie gehörte äh sie hat sich so äh f- fremd gefühlt
[35:00] nicht ? und da ist sie in den deutschen Klub gegangen und da war so ein Klub ein internationaler Klub und da waren Engländer Franzosen Italiener und äh im deutschen Klub natürlich war auch seine Mutter und sie haben sich kennengelernt und äh da sind sie
[35:16] haben sie dann Besuche gemacht auch nicht so so haben wir uns so kennen wir uns schon von Kinder an auf jeden Fall man hat uns noch besucht im Ghetto
[35:26] wo wo war das Ghetto in äh in Thessaloniki
[35:31] das war in äh Misrachi-Straße aber wie kann ich Ihnen sagen wo es war dort wo in der Nähe von der deutschen Schule damals
[35:38] also im Stadtzentrum oder etwas außerhalb ?
[35:40] [gleichzeitig:] nein nein nein außerhalb
[35:43] außerhalb
[35:45] außerhalb dort war die deutsche Schule in der Nähe [an Rudolf A gewandt:] nicht ?
[35:47] (es gab) die verschiedenen
[35:49] hm ?
[35:52] es gab in (__)
[35:55] [gleichzeitig:] in dem Ghetto in dem wir gegangen sind das wirst du besser erzählen Rolli dieses Ganze ich werde nur meine ei- f- äh Sa- Sachen sagen Rolli ist ein sehr guter Historiker Erzähler und äh
[36:01] ist das das Baron Hirsch Ghetto gewesen ?
[36:04] Baron Hirsch war das letzte Ghetto und das war mit Stacheldraht das war am sp- Bahnhof
[36:10] ah ja
[36:13] dort war das Ende wer in Baron Hirsch Hirsch kam der war um mit den Zügen weg zu gehen
[36:17] das heißt das war jetzt noch davor das war ein anderer ein anderer Ghettobereich und
[36:22] ja dort wohnten auch Leute nicht
[36:24] ja
[36:27] und das ist ein Ghetto geworden aber mit Unterschied von den anderen Ghettos das wurde mit Stacheldraht äh äh
[36:31] das Baron Hirsch
[36:34] das Baron Hirsch der andere Ghettos das haben gesagt von dieser Straße zu dieser Straße und das ist für die Juden nicht und das war da waren an verschiedenen Plätzen Rolli kanns Ihnen dann an der Karte zeigen aber wir in unseren Ghetto wo wir waren nicht
[36:52] und ich sagte noch von meinem Großvater und das war dann der fünfze- am achten also sind wir durften wir nicht mehr von dem Ghett- sind wir im Ghetto und langsam langsam nicht mehr raus
[37:06] und am fünfzehn- am zehnten März zehnten März sind äh ist eine
[37:13] also eine Gruppe von Deutschen gekommen nicht ? und die haben gesagt »sammelt alle eure Sachen« nicht eure Sachen »ihr dürft jeder ein ein Sack« oder ich erinner mich nicht wir hatten nicht Koffer in einen großen Sack »was was ihr schleppen könnt«
[37:34] und uns vier nur uns vier und ich erinnere mich noch wie meine Mutter sagte »sprich nicht vom Großvater ! vom Vater« der war in anderm Haus
[37:45] das heißt Sie vier waren Sie Ihr Bruder und Ihre Eltern
[37:51] mein Vater und meine Mutter nicht ? und da sind wir mit äh zwei äh ich weiß nicht ob das Wehrmacht war oder SS also zwei Soldaten haben uns gebracht zum Baron Hirsch das war eine Strecke eine wir sind eine Stunde ungefähr gegangen und schleppten unsere
[38:11] Sachen durch die Stadt bis wir dorthin angekommen sind und das war voll voll sie hatten keinen Platz für uns und ich erinnere mich meine Mutter war so verzweifelt man hat uns in ein Café gestellt ein altes Kaffeehaus das äh keine Stühle hatte keine äh
[38:31] Tische nichts war drinnen es war leer und es war es hat geregnet und der Regen kam drei- äh äh rein vom Dach es war ein Zustand ein furchtbarer Zustand und wir sind in einer Ecke gegangen und unsere Sachen gelegt wo es trocken war meine Mutter war ganz
[38:51] verzweifelt das war das erste Mal was ich gesehen hab unsere Mutter die immer sehr sehr viel Mut hatte sehr viel Mut hatte dass sie so verzweifelt war und äh mein Vater ist gleich gegangen dort jemanden zu finden von der Gemeinde und ist noch verzweifelter
[39:07] zurückgekommen und hat gesagt »es ist nichts äh ich kann keinen kein Zimmer finden es ist alles so voll wir müssen uns hier äh zurechtmachen« und ich jemand hat Decken gebracht und haben wir uns da eine Ecke gemacht zum Schlafen und das hat gedauert
[39:27] für vier Tage
[39:29] darf ich noch eine Sache fragen erinnern Sie sich an den Weg von dem ersten Ghetto in das zweite Ghetto sind Sie da alleine gegangen oder mit anderen zusammen
[39:38] nein allein sind sie gegangen
[39:42] und Sie sind eine Stunde praktisch durch die Stadt gelaufen
[39:44] ja no ganz alleine
[39:47] [gleichzeitig:] mhm und das Leben drumherum
[39:49] [gleichzeitig:] ganz alleine ich werde Ihnen gleich sagen warum das geschehen ist
[39:51] mhm
[39:53] das natürlich haben wir das nachn Krieg erfahren denn als wir da weggingen hatten wir keinen Kontakt mehr gehabt einer der äh Kollaborateure der Deu- der SS hat gesagt dass Kounio sein Geschäft verkauft hat und da haben sie gesagt »verhaften Sie die
[40:13] Familie« sie wussten genau was wir nicht ? aber sie haben uns vorher genommen ich weiß nicht ob sie noch mit meinem Vater gesprochen haben aber ich erinnere mich dass nichts davon war wir sind einfach ins Ghetto reingekommen aber einer der Kollaborateure
[40:30] hat uns v- äh äh verraten hat meinen Vater verraten so hat er gesagt d- ha- »nehmen Sie die Familie« deswegen sind wir dorthin gegangen für also für die nächsten vier Tage da hat man noch etwas geholfen äh mit Decken und das so dass wir a- ein bisschen
[40:51] leben konnten dort in diese Tage mein Vater ging jeden Tag in der also es war ein kleines Büro von von der Gemeinde dort in den und hat mit den Leuten gesprochen und kam zu meiner Mutter es war der dritte oder vierte Tag und sagt »man wird uns abtransportieren
[41:14] und wir werden nach Polen in Krakau gehen aber man hat mir gesagt dass sie dass wir nicht mit den ersten gehen können vielleicht äh wir können hier bleiben bis wir etwas äh dass wir e- dass etwas geschieht wegzukommen oder irgendwas«
[41:37] aber ich muss jetzt
[41:39] eine Parenthese machen damit ihr seht wie naiv wir waren und wie nicht gewusst hatten was geschieht als sie das erste Mal uns den Stern gegeben haben ist unserer Briefträger ein Christe zu meinem Vater gekommen zu Hause und sagt zu ihm »du Salvator keine
[42:06] guten Zeiten kommen gib mir deine zwei Kinder ich bring sie in Veria« Veria ist eine Stadt außerhalb »wo meine Mutter wohnt und sie werden mit meiner Mutter wohnen in den wir haben ein Haus oben im Berg und wenn du zurückkommst findest du deine Kinder
[42:26] von mir äh trust me« hab
[42:31] Vertrauen
[42:33] [gleichzeitig:] Vertrauen
[42:35] hab Vertrauen und da hat mein Vater und meine Mutter gesagt »wo wir sind es werden unsere Kinder sein« und das ist was die ganzen die [betont:] meisten die meisten Juden so gedacht haben da wird wieder mein Mann davon erzählen wie er versucht hatte äh
[42:57] ich gehe nicht mehr d- dran aber man man wollte die jung- viele junge Leute jüdische junge Leute sind in der in den Bergen gegangen zu den äh wie sagt man
[43:12] Partisanen
[43:15] anta- bitte ?
[43:17] zu den Partisanen ?
[43:19] [nickend:] zu den Partisanen und sind wieder zurückgekommen um ihren Eltern zu helfen und sie nicht allein zu lassen wegzugehen können Sie sich das vorstellen ? das war das alle alle we- so weggegangen sind die die sind die es ist unglaublich wir hatten
[43:34] einen Freund der war mit den Partisanen für ein schon ein ganzes Jahr und als er gehört hat dass man die Juden äh äh nimmt also sammelt ist er wieder zurückgekommen zu seiner Familie
[43:49] erwähnen Sie auch in dem Buch genau ja ja
[43:54] ja äh und dann ist er ins Lager gekommen und wo hat er gearbeitet in Sonderkommando aber so ist es mit sehr sehr sehr vielen geworden
[44:04] haben Sie diese ähm Geschichte mit dem Briefträger nach dem Krieg erfahren oder ist das was was Sie selber ähm mitbekommen haben ?
[44:14] welchen Brief ?
[44:16] mit dem Briefträger der ähm Ihrem Vater gesagt hat er könnte Sie in die Berge bringen
[44:20] [gleichzeitig:] tachydromo
[44:22] ah oh was war die Frage vorhin
[44:25] haben Sie das selber mitbekommen oder haben Ihre Eltern Ihnen das nachher erzählt
[44:27] [gleichzeitig:] nein nein nein das hat unser Vater dann erzählt unser Vater noch äh im Lager erzählt
[44:32] aha
[44:34] äh nicht im Lager im äh im Ghetto al- im Baron Hirsch aber nachher nachher
[44:42] mhm
[44:44] ich lassen Sie mich nicht vergessen die Geschichte von meinem Großvater auch zu erzählen aber ist noch nicht daran und äh also als mein Vater kam und sagte meiner Mutter ich wiederhole »wir können länger hier bleiben und brauchen nicht morgen mit- äh
[45:05] wegfahren« sagte meine Mutter »was geschehen wird soll geschehen ich kann [betont:] nicht mehr so weiterleben« und das war unser Glück oder Unglück auf jeden Fall unser Glück dass wir überlebt haben denn den nächsten Tag haben sie uns gesammelt ohne
[45:26] tu- wir wussten gar nicht wo wir gehen äh die äh die haben die SS haben gesprochen und haben gesagt »ihr werdet« also sie haben das den Rabbinern gesagt und der Gemeinde gesagt die Leute können auch ihr Geld bringen und »wir werden ihnen Zlotys geben«
[45:43] und die sollen warme Sachen nehmen denn in Krakau ist es kalt dieses äh wissen Sie dies- Zlotys also die haben keine Ahnung gehabt später nachher als ich die Geschichte gelesen hab die Polen haben gewusst die Russen und in Lit- Lett- die die drei Länder
[46:11] Lithuania die die haben gewusst d- dass die dass sie werden ermordet aber hier in Griechenland die haben [betont:] keine Ahnung gehabt und noch das was sie gesagt haben die Zlotys und unser Rabbiner scheinbar hat geglaubt auch dass es so sein wird hat er er
[46:34] hat nicht gesagt »verschwindet« sagen wir sondern hat gesagt »macht euch keine Sorgen« und »wir werden in Krakau gehen und wir ihr werdet dort arbeiten und dort gibt es auch andere Juden« hat er gewusst hat er nicht gewusst das weiß ich nicht ich persönlich
[46:49] glaube er hat nicht gewusst Übereifer aber das ist eine das ist ein ein dunkler Punkt in der Geschichte
[47:01] und deswegen sind Sie auch in den äh in den ersten Zug mitgegangen
[47:05] bitte ?
[47:07] und deswegen sind Sie auch in den ersten Zug mitgegangen ?
[47:09] ja im ersten und er äh d- das waren äh das also diese Zahlen die sage ich nachträglich damals wusste ich nicht auf jeden Fall wusste ich dass es dreißig oder 35 Viehwaggons waren das habe ich noch gehört als wir reingingen aber ich wollte was sagen
[47:32] und gut ich erzähle so weiter und das wird wiederkommen auf jeden Fall ich erinner mich wir hatten äh in nicht mehr Koffer sondern so in Decken Kleinigkeiten mitgenommen und mussten alle rausgehen rausgehen von dem Ghetto nicht ? zu den Zügen und
[48:03] das war ein f- furchtbarer furchtbarer Blick das hat nicht lange gedauert bis zu den aber die Leute die Kinder die alten Leute die nicht gehen konnten und »schneller und schneller und schneller« bis wir vor den äh äh b- bis wir am Bahnhof waren vor den
[48:25] Waggons nicht und da müssten wir noch rein gehen ich weiß nicht das das war das ging alles so schnell und die (___) the guard ? äh
[48:39] der Wächter
[48:42] das waren keine SS wie wie hießen die damals das waren keine SS und es war keine Wehrmacht
[48:49] Polizei einfach
[48:52] [gleichzeitig:] Polizei (_)
[48:55] Schutzpolizei
[48:57] [gleichzeitig:] Schutzpolizei Schupo
[48:59] Poliz- ach Schupo genau Schupo
[49:02] Deutsche
[49:04] und ja und da und da war einer Offizier und ich erinner mich noch äh sagte »kann jemand Deutsch« er konnte keine Befehle geben nicht ? und da hat sich mein Vater gemeldet und hat gesagt äh hat ja aber das ist schon vorbei und hat mein Vater gesagt
[49:21] äh »ich kann Deutsch« und meine Mutt- und äh »meine Frau spricht Deutsch und meine Kinder sprechen Deutsch«
[49:30] aber da muss ich wieder zurück gehen das ist wirklich ein sehr das zeigt wie mein Vater gedacht hat und ich hab ihn mal gefragt äh wie
[49:43] hat er so gedacht als die Polizei gekommen ist in neunten April 41 zu Hause und meinen Vater nahmen haben sie gefragt »ach wie alt sind die Kinder« und er hat zwei Jahre weniger gesagt als das was wir waren und da hat er gesagt »gut kommen Sie« warum
[50:07] ich das sage als äh ich komm dann wieder zu das das kommt erst später also der Schupomann hat er der Offizier hat gefragt wer deutsch spricht keiner ha- konnte Deutsch die d- sie sprachen Spaniolisch Französisch sehr viel und wa- Griechisch aber Deutsch
[50:28] zu diesen Transport hat keiner gesprochen so hat d- dieser Schupooffizier meinen Vater immer an der Seite bei ihm gehabt dass er ihm die Befehle sagt äh d- als Dolmetscher und da ist sagen wir ein Verhältnis geworden nicht ? äh sch- äh sechs Tage oder
[50:53] fünf Tage ich bin nie sicher ob es fünf oder sechs Tage die wir unterwegs waren es können auch sieben Tage gewesen sein auf jeden Fall diese Tage äh der dieser Schupooffizier hat immer meinen Vater äh mit ihm gehabt und immer sehr äh höflich mit ihm
[51:11] gesprochen
[51:13] der Schupooffizier ist mit in den Transport mitgekommen
[51:15] ja er war der Leiter
[51:18] aha
[51:20] des Transportes und seine Leute die aufgepasst haben und so sind wir in dem Waggon reingekommen alles ohne zu wissen was was was geschieht wir (wir) denken jetzt wir gehen nach Krakau als die Türen geschlossen haben war kein Raum zu sitzen es war unmöglich
[51:44] die Füße so zu geben wir wir waren so der eine neben den anderen und Kindern die haben geweint und Kranke in unserem Waggon waren ungefähr hundert 98 hundert Personen und so waren in alle Waggons die 35 Waggons die äh ge- und es waren kleine äh Fenstern
[52:09] also wie sagt man leu- äh
[52:11] Schlitze
[52:13] Schl- ja
[52:16] ja so
[52:18] und die waren auch mit Stacheldraht und so fingen wir an f- äh zum Essen ich erinner mich da war äh in der vor der Tür also die Tür war geschlossen da war ein Sack mit äh Zwieback galeta das war nicht äh ja eine Art Zwieback und äh Feigen oder Rosinen
[52:41] irgendetwas das war unser Essen und zwei Eimer für d- als Toilette es war m- wir durften nicht runtergehen es wir der Zug blieb stehen aber wir dürften nicht runtergehen nur einmal hat man uns gelassen und das war für sie scheinbar bis die Leute alle
[53:03] wieder zurückkamen zu viel und da haben sie nicht nicht wieder die Türen aufgemacht aber es war eine Fahrt im Dunkeln die ganze Zeit ohne zu wissen wo wir gehen was wir t- werden und äh [gestikuliert] furchtbar ich ich kanns Ihnen nicht beschreiben wenn
[53:23] Sie nur in unsere Stelle kommen können die Kinder zu sehen wie sie immer ge- geweint haben und geschrien haben und die Frauen die kranken Frauen es waren zwei in anderen Umständen ich weiß nicht genau was äh unglaublich bei mir ist das nur ein Geschrei
[53:43] ein Dunkel und wann wird der Zug halten wann wird der Zug halten das war es
[53:51] können Sie sich erinnern wann dieser eine Halt war in diesen Tagen ob war der erst dieser eine Halt wo Sie raus durften war der am Anfang der Fahrt nach einem Tag nach zwei Tagen oder
[54:05] das war nach zwei drei zwei oder drei Tage in einer Station wo wir stehen geblieben sind ich erinnere mich einer hat sein Kind genommen und sagte hat ihn auf die Schulter gegeben und ist direkt so dass er rauf sehen kann und sagte »kannst du was sehen was
[54:22] siehst du« und das Kind konnte nicht sagen es war irgendeine Station aber außerhalb der Station und er hat nichts sehen können ich erinnere mich noch wie er ihn so hochgehalten hat und wie furchtbar es war auf die Toilette zu gehen es war alles ach ganz
[54:41] ganz ganz entschuldigen Sie aber ich glaube ich da- ich denke jedes Mal ich hab das vorbei und dabei ist nicht vorbei das das macht mich immer sehr
[54:52] und dann sind wir [seufzt] angekommen es war drei Uhr nachts in Birkenau in Birkenau ja da w- haben sie
[55:07] wieder meinen Vater gerufen der Schupo erst müssten wir runtergehen die Wa- die Waggontüren wurden aufgemacht alles runtergeworfen äh es waren Häftlinge damals haben wir nicht gewusst was das sind Häftlinge die waren ge- mit geschorenen Haaren und
[55:30] gestreifte -formen die sie trugen und die haben gesagt »lasst alles liegen und geht da vorwärts schnell« (liegen) ich erinnere mich da wa- ist ein Koffer gefallen und da sind lauter Bilder Familienbilder und das war so furchtbar Sie können sich gar nicht
[55:47] vorstellen dieses Gefühl zu sehen die wie die Deutschen mit den äh Schuhen nicht Schuhen mit den hm ?
[55:57] Stiefeln
[55:59] [gleichzeitig:] Stiefeln
[56:01] mit den Stiefeln drauf- also als ob sie die Menschen töteten das für mich war das als ob sie so so hab ich (diesen Moment)
[56:06] [gleichzeitig:] auf die Bilder
[56:09] auf die Bilder
[56:11] ah
[56:13] das war als ob sie die Menschen selber töteten nicht ? und äh da haben sie gesagt äh haben sie angefangen zu sagen äh die äh die Frauen v- rechts die Männer links und äh die äh Frauen die Alten und die Kinder die brauchen äh die gehen dort wo die äh
[56:28] Wagen stehen also wie sagt man die Lastwagen nicht ? Lastwagen stehen und ich erinnere mich mein Vater hatte äh zweimal sein Bein gebrochen und es war kürzer zehn Zentimeter und er hinkte und er war hatte immer sehr viel Angst von der vom Frost wenn es äh
[56:47] Frost war in Griechenland und es war Frost damals ging er immer mit meiner Mutter und mit ein Taxi ins Geschäft sehr sehr vorsichtig und da sagt er noch zu meiner Mutter »guck da sind diese Lastwagen wir werden mit den Lastwagen gehen«
[57:06] aber der Offizier
[57:11] Schupo hat gleich meinem Vater er hat ist zum Kommandanten gega- damals war der Kommandant Aumeier ist er zum Kommandant gegangen und scheinbar gesprochen dass er Deutsch spricht und das und kommt wieder zurück und sagt »kommt her steht hier äh geht nicht
[57:33] recht geht nicht links bleibt hier« äh »ich hab gesagt dass ihr Deutsch könnt und dass ihr als Dolmetscher äh behilflich sein könnt« ich denke dass er so was gesagt hat auf jeden Fall wir sitzen jetzt wir vier und sehen die ganze Szene wie die die
[57:56] Lastwagen die werden alle beladen und wie eine Gruppe von Männer in Fünferreihen stehen und eine Gruppe von Frauen in Fünferreihe stehen und wir immer da
[58:08] Sie waren ganz allein nur Sie vier
[58:10] nur wir vier ich hatte ein Theaterstück gesehen und das hat mich daran erinnert aber das ist was anderes und äh wir sehen jetzt die äh die Lastwagen fortgehen mit allen Leuten die waren so voll dass man Hände und Füße auch gesehen hat v- von draußen
[58:31] und dann sind die Männer weggegangen und die Frauen in Kolonnen wie wie man in deu- wie man ins Lager gesagt hat die sind in die Lager ins Lager rein und wir saßen jetzt alleine wir vier und der der Schupo- äh -offizier neben uns und da kommt jemand ich
[58:54] glaub nicht dass es der äh Kommandant war das kann ich nicht mehr sagen aber ein großer SS und fragt noch meinen Vater wieder »sprechen Sie Deutsch ?« »ja« »sprechen Sie Deutsch ?« »das ist meine Muttersprache« hat meine Mutter gesagt sie war auch
[59:13] frech sie ist inzwischen hat sie Mut genommen und ist frech geworden und äh sagt er zu meinem Vater »wie alt sind Ihre Kinder ?« und da sagt er zwei Jahre mehr ich war 16 hat gesagt 18 und 16 und das war unser Glück da hat er gesagt da hat er da
[59:39] hat man uns gegeben ist ein äh ein Auto gekommen mit einem roten Kreuz drauf und s- hat man uns dort reingegeben wir sind dann von Birkenau ins Lager Auschwitz gegangen im Männerlager haben sie den meinen Vater und meine Mu- äh meinen Bruder und meinen
[1:00:01] Vater gelassen und meine Mutter und uns haben sie uns im Stabsgebäude das Stabsgebäude als ich dann wieder in Auschwitz war äh habe ich gesehen dass nur ein Stacheldraht von dem Männerlager war und sogar äh ein nur der Stacheldraht getrennt war wo der
[1:00:21] Block und äh wo meine äh wo mein Vater und Bruder war genau in der Nähe und dann sind sie wieder dort angekommen
[1:00:30] hat man Ihnen also Sie sind getrennt worden ähm von Ihrem Vater und Ihrem Bruder
[1:00:36] ja
[1:00:38] und hat man Ihnen gesagt ob Sie sich wiedersehen würden
[1:00:40] nein nichts nichts nichts nicht nichts nicht einmal auf Wiedersehen haben sie haben wir sagen können
[1:00:43] [gleichzeitig:] mhm
[1:00:46] und wir kommen an jetzt in Stabsgebäude wird geklopft und kommt eine ein Häftling die Blockälteste sie war eine Deutsche und sie hieß Maria ich er- ich erinner mich nicht mehr an ihren Namen ich habs in meinem Buch geschrieben eine sehr liebe Frau eine
[1:01:03] Deutsche mitn roten Winkel S- Sie Sie Sie wissen wie die Winkel wie die waren nicht ? rot war für Politische G- und schwarz asozial grün für Verbrecher die auch getötet haben lila für äh Bibelforscher ja und für die Juden war rot und gelb also sie hatte
[1:01:25] einen gelben ich hab nichts gewusst das hab ich erst nachher erfahren nicht ? auf jeden Fall sie war sehr nett und sie hat gesagt äh »ja ihr könnt äh gleich schlafen gehen« es ist noch Nacht es war drei Uhr vier Uhr weiß ich und wir sind in einen Raum
[1:01:41] gegangen wo dreistöckige Betten war und dort lagen Männer für mich ich sag meiner Mutter »man hat uns gebracht zu Männern« und es waren geschorene Köpfe von Frauen und ich dachte wir sind Männer auf jeden Fall sie haben uns da in ein Koje haben sie
[1:02:03] das genannt gegeben wo meine Mutter und ich und in paar Stunden ich hab gedacht in paar Minuten müssten wir alle wieder auf es war Appell und meine Mutter hat gleich nach halbe Stunde mit den Mädchen hat sie gesprochen alle sie müssten sich alle schnell
[1:02:22] anziehen wir wir dü- äh mussten nicht zum Appell denn wir waren noch nicht eingetragen aber so lang sie sich vorbereitet haben anzuziehen hat sie alles gewusst sie fragte »wo sind die die Lastwagen gegangen« und da hat sie gesagt »im Kamin die wurden
[1:02:40] alle vergast und« und meine Mutter hats geglaubt sie hat nicht einmal gesagt »ist das möglich ?« ich weiß nicht ich weiß nicht wirklich das ist alles so ein Durcheinander auf jeden Fall gleich hat hat man gewusst und dann hat man uns n- äh die Haare
[1:02:59] geschnitten nachher und die die Nummern gegeben die andere Griechinnen die waren schon tätowiert die waren schon eingetragen als RSHA-Transport ich weiß nicht ob das ein Begriff ist für Sie ich weil ich in der Politischen Abteilung arbeitete wei- wusste
[1:03:18] ich die alle die kamen mit Transporte so wie wir kamen nicht durch Polizei von irgendeiner Polizei äh v- vom Land
[1:03:30] mhm
[1:03:32] vom Land wo sie kamen die die äh die äh hießen nicht die RSHA Reichssicherheitshauptamt
[1:03:40] [gleichzeitig:] Hauptamt mhm
[1:03:42] wir hatten äh wir waren nur die g- diese die Masse nicht Reichssicherhei- -transporte RSHA-Transporte waren die Masse die wir ankamen und die bekamen nur eine Nummer und zufällig hat mein Bruder seine Akte gefunden sein Papier wo er eingeschrieben ist in
[1:03:59] äh Auschwitz-Museum und wir haben eine Kopie wo nur geschrieben ist der Name für jede Frau dazu Sara und für jeden äh Mann Israel das war d- das jüdische nicht ? also wie hoch was für ein äh Arbeit ganz ganz äh oberflächlich nicht ? und äh also die
[1:04:26] Grie- der griechische Transport war schon eingetragen und nach drei Tagen hat man uns die Haare geschnitten man hat uns noch die die Mädchen die die Haare geschnitten haben haben meiner Mutter und mir die Haare so gelassen [zeigt die Länge] das war schon
[1:04:42] sehr viel dass wir nicht ganz ganz geschoren waren und haben uns die Nummer gegeben und die Nummer hier meine hat sich mit der Zeit äh ges- gesammelt nicht ? aber wenn Sie die Nummer sehen von meiner Cousine die ist so immer noch so [zeigt die Größe am Unterarm]
[1:04:59]
[1:05:01] ah ja
[1:05:03] wo passierte das in der Baracke wurden Ihnen in der Baracke die Haare geschnitten und die Nummer
[1:05:05] [gleichzeitig:] in der Baracke haben sie das gemacht ja in der Baracke
[1:05:08] mhm
[1:05:10] also im Stabsgebäude die sind speziell für uns gekommen sonst ist es immer geschehen im äh als sie kamen ich erinnere mich nicht wie das war ja direkt vom Transport die die gewählt wurden als gesund als äh äh arbeitsfähig die kamen direkt in der SS-Baracke
[1:05:33] wo die Politische Abteilung wo die Mädchen von der Politische Abteilung ihnen die Nummer gegeben haben und den A- und geschrieben haben den Bogen
[1:05:42] hat man Ihnen dazu irgendwas gesagt warum Sie eine Nummer bekommen
[1:05:45] nein nichts nichts nicht das haben (zu) alle d- die Häftlinge die frühere Häftlinge gesagt die äh SS hat nichts gesagt
[1:05:55] keine Erklärung
[1:05:57] nein gar keine Erklärung nichts nichts nichts und dadurch dass wir Deutsch sprachen und sie brauchten sehr äh Dolmetscher sind wir in der Politischen Abteilung in Birkenau geblieben man hat uns wieder zurück nach Birkenau jetzt wo Sie sagen in Birkenau
[1:06:13] wurden wir tätowiert nicht in äh Stabsgebäude da haben sie nicht tätowiert als wir nach Birkenau gingen dort war unsere Arbeit und für alle griechische Transporte waren wir da dem d- die Fragen stellten und die Schreiberinnen könnten schreiben
[1:06:30] mhm
[1:06:33] ich hab nicht geschrieben weil ich nicht äh äh D- Deutsch schreiben konnte meine Mutter hat geschrieben aber ich hab die anderen Mädchen also die Häftlinge nicht ? geholfen die Fragen zu stellen
[1:06:47] und den Weg vom Stammlager nach Birkenau sind Sie den zu Fuß gegangen
[1:06:52] nein da hat man uns wieder mitn Auto gebracht wieder mitn Auto und dort sind wir in Birkenau waren wir ungefähr drei vier Monate und ich hab in Birkenau Flecktyphus bekommen und äh ich hab nicht lange arbeiten [Hintergrundgeräusche] ich hab nicht lange
[1:07:11] arbeiten können [schaut nach links]
[1:07:13] ja
[1:07:15] er hat kein Gleichgewicht
[1:07:18] ja ist wenn er aufsteht mhm
[1:07:20] ja gestern ist er gefallen die Zeit vergeht und ich wollte schnell fertig werden
[1:07:27] wir können auch unterbrechen wie Sie m- wie Sie möchten eine Pause machen
[1:07:33] nein vorläuf- ich werde fertig werden und dann
[1:07:35] Sie wollten etwas von Ihrem ähm Großvater noch erzählen vorhin
[1:07:40] ja das haben wir nachher erklärt ich ich ist noch nicht erzählt aber lassens mir nicht vergessen Sie
[1:07:47] [gleichzeitig:] mhm machen wir später mhm
[1:07:50] [gleichzeitig:] mhm wir haben auch immer Fragen dazwischen (also)
[1:07:52] wo bin ich geblieben ? wo bin ich geblieben ?
[1:07:54] Sie waren jetzt gerade zurück in Birkenau bei der Über- Übersetzung und äh Sie haben gerade gesagt dass Sie Flecktyphus bekommen hatten und ähm ja
[1:08:04] [gleichzeitig:] ah ja
[1:08:07] da bin ich da hat man mich weil wir in der Politischen Abteilung arbeiteten sind wir nicht bin ich nicht direkt in die Gaskammer geschickt worden so wie es für alle andere waren man hat nie im Revier nicht ? das hat man nicht Spital
[1:08:24] genannt nie- niemand keinen Juden ins Revier geschickt sondern direkt in den Gaskammern wie sie krank war of- was für eine Krankheit aber Flecktyphus das war das schnellste dort zu bringen und man hat mich gebracht in Revier und da war eine polnische Ärztin
[1:08:42] eine politische äh äh Häf- ein politischer Häftling und eine jüdische äh Ärztin und die haben mich im dritten äh Bett oben im selben Bett mit einer polnischen Gräfin die auch politisch war äh ins Bett gegeben also ich bin von der also sagen wir
[1:09:09] an der Wand und die Gräfin war da sie hat mich irgendwie versteckt mit ihrem Körper irgendwie nicht ? und äh natürlich hab ich nichts bekommen ich erinner mich immer dass ich äh äh dass die Mama kam und mir kalte Kompressen gab die ich ich glaube irgendeine
[1:09:29] Tablette hat mir die jüdische Ärztin gegeben das hat mir meine Mutter gesagt aber das hat drei Wo- Wochen gedauert mit sehr hohem Fieber Fieber und sehr sehr sehr äh Kopfschmerzen aber furchtbare Kopfschmerzen na gut da waren schon drei Wochen vorbei und
[1:09:48] da kommt der Obersturmführer Rohde das war ein äh S- SS-Arzt der auch mit seinen Aufseherinnen immer es alles so eine Geschichte lange Geschichte er war immer an der Tü- am Tor wenn die Leute zur Arbeit gingen und hat die Leute ausgewählt wenn sie rausgingen
[1:10:11] wenn sie zurückkamen und jede die ein bisschen nicht ein bisschen die blass war die nicht äh gut gehen konnte hat er mit den Fingern nur so gemacht rechts und sie ging direkt in die Gaskammern direkt in die Gaskammern und mit äh mitn oder hat er so gemacht
[1:10:31] und da ging die ging sie weiter ich selber hab das nicht mitgemacht aber meine Freundin haben mir erzählt sie haben sich die Wangen gedrückt wenn sie schon in der Nähe war und ging- versuchten stramm zu gehen damit sie überleben so haben sie auch überlebt
[1:10:49] und das mir dann später gesagt hat aber ich ich ich hab das nicht mitgemacht dadurch dass wir deutsch waren das es ist unglaublich was für ein Glück das war dass wir Deutsch sprachen und dass wir im ersten Transport waren dann hä- dann wären wir später
[1:11:07] gekommen ich ich weiß nicht ob wir es überleben würden
[1:11:09] mhm mhm
[1:11:12] nicht ?
[1:11:14] Sie wurden dann wieder gesund
[1:11:16] ah [lächelt] nach drei Wochen danke [lacht] so bringen Sie mich zurück denn es nach drei Wochen ich erinner mich ich das muss ich erzählen äh in drei Wochen äh war Kontrolle und der Oberstu- -sturmführer Rohde mit seinen Aufseherinnen kam um Untersuchung
[1:11:35] in im Krankenhaus wo wir waren und wir mussten alle äh runter von den Betten und in äh stramm stehen vor vor den Betten nicht ? drei Monate war es dass ich im Lager war ich war noch sagen wir ich hab nicht richtig gewusst meine Mutter hat viel mehr gewusst
[1:12:00] hat mir nicht alles erzählt sagen wir ich war halb unschuldig hab noch etwas von der Freiheit gehabt ich bi- war nicht ganz ich bin kein Muselmann geworden und äh der der Rohde ist direkt vor mir gestanden und guckt mich und sagt er »und was haben Sie
[1:12:25] (ge) « und ohne weiter zu denken sag ich »Flecktyphus« und guck ihm direkt in die Augen aber ich glaube aus Unschuld ich ich hab das nicht ge- äh dass ich ihm so geguckt hab aber dass ich gesagt hab Flecktyphus dass wusste ich dass ich hatte und ich sehe
[1:12:45] noch wie die äh die die Ärzte die Au- die polnische Ärztin ihre Augen so aufmacht und die jüdische die Doktor (Erna) die Ärztin die macht [erschrockener Gesichtsausdruck; verdeckt den Mund mit der Hand] hat sie so gemacht und er dreht sich um und sieht
[1:13:00] noch die (Erna) mit dem bleibt sein Blick auf sie stehen dreht sich wieder zu mir guckt mich an und geht weiter und das ist es was ich sehr ge- daran gekommen bin als ich war noch ein Kind und ich glaube dass jeder Mensch das Gute und das Schlechte in sich
[1:13:22] hat er hat eine Spalt- wie sagt man eine wie sagt man vom Feuer ein äh spitha wenn das Holz brennt macht die klein
[1:13:34] [gleichzeitig:] äh ein Funken
[1:13:37] ja genau ein Funke ein Funkel der Liebe also des Gutes war in Rohde und es war er hätte und die Ärztinnen die mich behandelt haben und mich direkt in der Gaskammer schicken
[1:13:51] mhm mhm
[1:13:54] und das hat er nicht gemacht das war ein Funke- d- ich habe noch andere
[1:14:02] mhm
[1:14:04] solche Funken von den SS-Männern auf jeden Fall das war
[1:14:08] und nach einer ein nach paar Tagen bin ich wieder zurück ins Block gegangen und der andere Funkel al- nicht nur ins Block aber in der Arbeit müsst ich wieder gehen und dieser Funkel war wieder von
[1:14:24] unsern Chef der war ein der nannte sich Unterscharführer Clauss damit Sie einen Blick haben was Unterscharführer Clauss war zu Weihnachten einer der SS war ein sehr guter Zeichner und hat Karten gemacht gezeichnet von allen SS-Männern wie er sie sah wie
[1:14:51] [betont:] er sie sah w- ich sage Ihnen ich war wir waren im Büro drinnen und das war im Teufels- äh äh
[1:15:03] wie sagt man da
[1:15:05] wie kann man das sagen ich hab alles wir haben alles gesehen nicht ? und die größeren Mädchen die dort gearbeitet haben ich da da hab ich immer gefragt und gefragt nicht ? und die haben mir gesagt und äh die Sekretärin von Oberscharführer Kirschner der
[1:15:21] Chef der Politische Abteilung sie hat diese Bilder gesehen und sie hat sie uns mal gezeigt wo Kirschner nicht da war also ich war sehr neugierig wie der Clauss gezeichnet war und werd es nie vergessen Clauss steht vor dem Krematorium mit großen F- äh Feuer
[1:15:42] Fla- Flammen Flammen die so rausgezeichnet sind er steht äh natürlich mit seinen SS-Uniform und eine große Schau- hält eine große Schaufel wo lauter äh corpse wie sagt man ptomata
[1:16:01] Leichen
[1:16:03] Leichen drinnen sind die er im Krematorium reinwirft das war Unterscharführer Clauss aber dieser Unterscharführer Clauss als ich zurückkam von dem Revier hat mir fast jeden Tag ich weiß nicht ob es jeder Tag war hat mir von seinem SS-Essen v- äh zum
[1:16:30] Essen gegeben ein Stück Wurst manchmal oder von der Suppe hat er mir äh v- hat er immer gelassen und hat gesagt »iss das« und hat mir wieder ins Leben geholfen
[1:16:41] mhm
[1:16:44] und einmal dieser selbe Clauss hatte gefragt warum ich traurig bin einmal ich weiß nicht ich war ich traurig sag ich »wir hab- kei- wir haben keine Nachricht von meinem Vater und von meinem Bruder« und da hat er meine Mutter gefragt wie wir gekommen sind
[1:17:03] und und und und kommt nach einer Woche zehn Tage und sagt »die sind im Block eins und die arbeiten in der Schneiderei und ich hab sie gesagt dass ihr hier seid und die schicken euch eure Liebe« wer ? Unterscharführer Clauss das ist das zweite Mal
[1:17:29] was ich diesen Funken gef- gesehen hab der der Gütigkeit und da war noch einer von den SS das war Unterscharführer Setnik und der hat mit meiner Mutter gesprochen und er war auch als (gas-) von Karlsbad und da hat er immer ah- s- sagen wir hat aufgepasst
[1:17:53] auf meine Mutter und sie hat auch Flecktyphus gehabt und sehr furchtbare Schmerzen aber sehr furchtbare Schmerzen und äh sie kam äh äh s- sie war im Revier sehr kurze Zeit und ist wieder zurück und die Schmerzen gingen ihr nicht weg und äh sie hatte eine
[1:18:13] Ohren- äh Ohrenentzündung bekommen und dieser Setnik hat gesagt »ich bring Sie ins Männerlager zu es gibt einen sehr guten Chirurgen dort einen polnischen Wider- vom Widerstand« und ist mit ihr jeden Tag gegangen und die äh um dieses äh zu äh zu heilen
[1:18:40] und er hat sie geheilt das war der dritte Funke und u- und und unser Glück nicht ?
[1:18:47] auf jeden Fall in der Politischen Abteilung was ich gesehen habe ist nicht nur gesehen [betont:] erlebt habe ist unglaublich erstens wussten wir immer wie viele äh Versammlungen
[1:19:04] waren wie äh sie haben äh äh sie haben Leute gesammelt die krank waren vom Lager ich erinner mich es war in 43 an Jom Kippur haben sie tausend Juden gesammelt und direkt in (ihren) Gaskammern geschickt die haben immer versucht mit äh heilige Tage der
[1:19:27] Juden äh noch mehr zu vergasen sie haben jeden Tag wenn sie zur Arbeit gingen Männer und Frauen war dasselbe Schicksal haben sie gewählt und in die Gaskammern äh geschickt mit sogar mit Orchester mit Musikorchester das haben Sie bestimmt gelesen nicht ?
[1:19:46] und äh d- das ging die ganze Zeit aber u- und wenn sie wieder zurück kamen zurück kamen sie was war die Außenarbeit ? das Furchtbarste was sie denken können keine richtige Arbeit entweder müssen sie einen großen Zylinder die Frauen das war das weiß
[1:20:11] ich von den Frauen die mir das erzählt haben zwölf Frauen oder 14 Frauen ich weiß nicht mal da müssen sie damit der Weg äh
[1:20:20] ach
[1:20:22] als Walze
[1:20:24] als Walze mhm mhm
[1:20:27] ja ja ja und das müssten sie ziehen und wenn sie das nicht genug schnell machten haben sie die Hunde auf die Frauen geschickt und haben sie mit der Peitsche ge- äh ge- gehaut und natürlich können Sie sich vorstellen wie viele nicht mehr aufstehen könnten
[1:20:41] oder wenn sie zurück kamen nicht stramm gehen können und die wurden direkt in den Gaskammern gesend- geschickt das sind keine Märchen das sind wahre Geschichten man hör- man will den äh man will die Holocaust verja- äh verneinen aber das sind wirklich
[1:21:03] wahre wahre Geschichten und die Transporte es kamen jeden Tag Transporte jeden Tag ich sage nur so ich erinner mich als die ungarischen Juden kamen das war Anfang 44 es begann April glaube ich vom April für drei vier Monate denn die Ju- die ungarischen
[1:21:31] Juden kamen plötzlich bis 44 dürften sie noch in Ungarn leben es kamen 12000 täglich 12000 täglich in Birkenau und äh die Mädchen die in die in verschiedene äh zum Beispiel in Kanada arbeiten Kanada war äh ein Arbeit wo sie gesammelt haben alle
[1:22:02] Kleider alles was die Leute brachten und das wurde aussortiert man hat nach Deutschland geschickt die guten Sachen für die für ins Land für die Deutschen was sie konnten ins Lager benützen haben sie im Lager benützt da haben sie ich erinner mich äh ich
[1:22:22] hatte eine Freundin die äh dort gearbeitet hatte und sie sagte mir man macht die äh den Wagen von den Kindern Wagen ?
[1:22:33] ja der Kinderwagen mhm
[1:22:35] den Kinderwagen zu fünf und alles nach Deutschland geschickt Hunderte Hunderte und Hunderte Tausend von Kinderwägen sind nach Deutschland gegangen unglaublich und dann damals mit den großen Transporten von den Ungarn und da die weil Kanada sehr nahe am
[1:22:55] Krematorium war es war sehr sehr nahe hat man die äh haben die Mädchen wieder vom Kanada uns erzählt da standen sie da ohne zu wissen was geschieht man hat gesagt sie werden sie zu zu Bä- äh baden also sie müssen äh wie sagt man äh
[1:23:20] duschen oder
[1:23:23] [zu Rudolf A:] pos lene Rolli ? gia katharismo ? alla ochi katharismo avto
[1:23:26] Entlausung
[1:23:28] ja nicht Entlausung sie waren noch sie hatten noch keine Läuse aber äh
[1:23:33] Desinfektion Desinfektion
[1:23:36] [gleichzeitig:] zum Badezimmer
[1:23:38] (ge-) bitte ? [lehnt nach vorne]
[1:23:40] Desinfektion oder Quaran-
[1:23:43] Desinfektion ja also haben sie gewartet und sie sagte »du sollst sehen Frauen Kinder Männer Alte warten geduldig mit schönen Kleidern manche haben sogar« das das war für mich eine äh ein Bild das ich nie vergessen kann hatten die Schirme offen weil
[1:24:00] es zu äh so äh die Sonne es war sehr sehr heiß von der Sonne sich zu schützen und warteten auf ihre Reihe es wurden [betont:] täglich täglich 12000 vergast und verbrannt als die ungarischen Juden kamen und weil sie die Krematorium nicht genügten es
[1:24:28] gab vier Krematorien hatten sie ein großes Grab gemacht und hatten dort Holz und Benzin geworfen und haben Leute dort auch geworfen und Kinder wurden gar nicht vergast bis zu fünf Jahren machen Sie sich ein Begriff ich weiß nicht haben Sie Kinder
[1:24:54] haben Sie Familie können Sie sich vorstellen Babys Kinder die sie lebendig in den Gräbern äh warfen dann mach ich jetzt eine Parenthese 2000 im Jahre 2000 waren wir in Marburg und äh ich sollte eine äh [an Rudolf A gewandt:] pos lene dimarchio ?
[1:25:18] äh
[1:25:20] hm ?
[1:25:23] Bürgermeister
[1:25:25] in in Bürgermeisterhaus äh eine Schu- ich hab in den Schulen in der Universität und im Bürgermeisterhaus ha- hab ich äh gesprochen und da hab ich auch davon erzählt aber ich ich hab das es waren noch Kinder da e- es ging mir nicht zu sagen »bis fünf
[1:25:40] Jahre« und hab gesagt »bis drei Jahre hat man Kinder lebendig reingeworfen« und als es zu Ende war und die Leute gingen weg ein Mann kam zu mir musste fünfzig sein weiß ich sagt er »warum haben Sie gesagt bis drei Jahre die Kinder mein Vater hat dort
[1:26:05] gearbeitet und sagte mir bis fünf Jahre« das war für mich wieder eine dass ich wirklich richtig geschrieben habe aber s- ich sagte ihm ich konnte nicht sagen fünf Jahre ist zu unglaublich ich hatte mein Baby als ich äh als wir frei waren unser erster
[1:26:26] Sohn unser erstes Kind und der war drei vier Mona- äh Wochen alt da hab ich mit ihm gespielt nachm Bad und geküsst und plötzlich kommt mir dieser Gedanke und ich hab mir gedacht dieses Kind hat man lebendig ins Feuer geworfen können Sie sich das vorstellen
[1:26:44] was das ist lebendig unglaublich
[1:26:55] und das war mit den ungarischen Juden und das ging fortwährend so lang Auschwitz war jeden Tag jeden Tag hat man vergast und nicht nur von Auschwitz man hat auch von den Zweitlagern gebracht viele
[1:27:10] mhm ich habe noch eine Frage als Sie ähm übersetzt haben in der Polit-
[1:27:13] [unterbricht:] bitte ?
[1:27:20] als Sie in der Politischen Abteilung übersetzt haben oder geholfen haben bei der Übersetzung
[1:27:23] ja
[1:27:26] am Anfang als die griechischen Transporte noch kamen hatten Sie da Namen gesehen oder Personen die Sie kannten aus Thessaloniki
[1:27:34] ja ja ja ja manche ja wenige aber manche ja äh ich erinner mich als ein griechischen Transport das war das musste im Juni gewesen sein Juni da kam der meine Mutter hat gesprochen der eine der die kamen hat gesagt »Frau Kounio Frau Kounio Ihr Vater war
[1:27:59] mit uns im Waggon« und meine Mutter natürlich hat sie angefragt und wieso und wie wie war sie wusste nichts sie wusste nur dass äh Herr Löwy mit war nicht ? und direkt in der Gaskammer ging denn d- meine Mutter hat gefragt ja ich erinner mich »ja und
[1:28:19] was ist mit ihm geschehen ist er mit dem Auto gegangen oder ist er zu Fuß ins Lager reingekommen« »ach wir haben gesehen in einen Lastwagen zu gehen« und da hat meine Mutter gewusst dass er direkt in die Gaskammern gegangen ist
[1:28:31] [gleichzeitig:] wie war das da
[1:28:34] [gleichzeitig:] da werde ich euch sagen was geschehen ist
[1:28:36] genau das wollten Sie auch erzählen
[1:28:38] ja das soll ich jetzt erzählen ? ja
[1:28:40] wenn wenn Sie möchten
[1:28:42] ja das hab ich das haben wir natürlich nach der Befreiung
[1:28:45] ja
[1:28:47] erfahren und sehr zufällig von einen von einen Bekannten
[1:28:54] Dolmetscher
[1:28:56] von einen Dolmetscher der in der Gestapo war und ist dann ist zu meinem Vater gegangen und hat es erzählt unser Großvater hat Sehnsucht nach seiner Familie gehabt er war sehr traurig alleine zu sein und hat sich vorgenommen in der Gestapo sich zu melden
[1:29:14] hat alle seine Paraphernalien genommen s- er war äh Ingenieur Hoch- und Tiefbau hat er immer gesagt Ingenieur und schön angezogen ein sehr imposanter Herr ein [betont:] sehr imposanter Herr sehr elegant immer ist in der Gestapo gegangen und hat gesagt »ich
[1:29:38] will mit Ihrem mit den Chef sprechen« und da hat er gesagt »wer sind Sie ?« das der Dolmetscher hat uns das gesagt »ich bin Doktor Herr Ingenieur Ernst Löwy« und da hat äh einer von den äh SS die dort gearbeitet haben haben gesagt »und was wollen Sie ?«
[1:30:03] »ich will Ihren Chef sehen und mit ihm sprechen« und hat geklopft an die Tür des Offiziers ich weiß nicht was er war und ist wieder reingegangen hat wieder gegrüßt stramm »ich bin Doktor Herr Ingenieur Ernst Löwy« »und was wollen Sie ?« »bitte helfen
[1:30:20] Sie mir mei- die Familie von meiner Tochter zu finden« »und wie kann ich das machen ?« das hat er uns so erzählt und ich hab mir das alles so in meinem in meinem K- Gehirn gemacht »sie sind mitn Transport weggegangen am so und so« »ah ! sehr einfach !«
[1:30:39] klappt die Händen und sagt »bitte !« zu den anderen der da war »führen Sie Herrn Doktor Ingenieur Ernst Löwy zu seiner Tochter« natürlich ist er mitn nächsten Transport ins Lager gekommen so naiv blöd war er nicht ein sehr gescheiter Mensch aber
[1:30:59] er hat nicht glauben können er hat auch gesagt die ganze Zeit als wir Kinder waren hat er gesagt »glaubt nicht was sie von den SS erzählen die werden sehr schnell nicht mehr da sein die Deutschen die einen Beethoven einen Goethe« und der hat der hat sie
[1:31:16] die Deutschen so hoch (gebracht) immer hat er davon erzählt und konnte auch nicht glauben dass so etwas geschehen kann so ist er ins Lager auch gekommen er war so gut aufgehoben er brauchte nicht ins Lager zu gehen
[1:31:33] könnten Sie ähm vielleicht nochmal den Raum beschreiben in dem Sie gearbeitet haben als Dolmetscherin ist das auch ne Baracke gewesen haben Sie mit anderen gearbeitet
[1:31:46] [gleichzeitig:] ja es war genau in Birkenau war das Baracken und als wir dann als die griechische Transporten im August kam der letzte Transport aus Griechenland und als die griechische Trans- aus Griechenland äh aus Saloniki und dann dann kam es im Jahre
[1:32:01] 44 wieder ein Transport aus Rhodos
[1:32:05] mhm
[1:32:07] und äh das aber wir waren da hat man uns zurückgeschickt und wir haben in der Politischen Abteilung gearbeitet die Politische Abteilung das waren in Auschwitz I und das waren Gebäude das waren Kasernen und meine Mutter hat in der Todesabteilung gearbeitet
[1:32:25] sie Leute die gestorben sind da haben sie geschickt äh Briefe an der Familie dass sie an Typhus gestorben sind oder an Herzanfall oder irgend Krankheiten ohne zu sagen den richtigen Grund und wenn sie wollen sollen sie 25 Mark schicken da können sie ihre
[1:32:46] Urnen äh also ihre Aschen schicken das war meine Mutter Arbeit und ich war Mädchen für alles und am meisten was ich gemacht hab war mich v- zu verstecken in den großen Schränken wo die Akten hangen so wie Kleider und da hab ich gelesen von den verschiedenen
[1:33:07] die gekommen sind durchs Gefängnis noch nicht mit den äh RSHA-Transport und natürlich hatten sie alle ihre Akten und das waren Geschichten wie Romane für mich und da hab ich mir immer hab ich mich geschämt ich bin wie ein Schaf ins Lager gekommen aber
[1:33:25] sie haben was gemacht und sind ins Lager gekommen
[1:33:28] haben da noch andere Leute gearbeitet andere Häftlinge
[1:33:32] ja es waren nur Häftlinge wir waren ungefähr an die ich glaube 19 ich bin nicht ganz sicher die die die Zahl die war äh die Frauen gearbeitet haben und äh mit uns haben noch drei polnische äh aber äh Partisanen nicht Juden auch gearbeitet und das war
[1:33:56] das war die Gestapo die Arbeit da kamen Listen Sonderbehandlung SB stand was war SB Sonderbehandlung direkt in der Gaskammer von Razzien die sie gemacht haben Razzien aber drinnen im Lager nicht ? das war das und die mü- müssen die Mädchen die mit der Schreibmaschine
[1:34:16] schreiben die Nummern denn die sind nicht mit den RSHA die waren schon im Lager drinnen nicht ? oder Flüchtlinge und äh sehr viel Arbeit sehr viel Arbeit sie die haben den ganzen den ganzen Tag gearbeitet
[1:34:30] und ähm Sie haben ja an einer Stelle gearbeitet wo Sie ähm sehr viel wussten über das was im Lager passiert ist wussten Sie
[1:34:41] hundert Prozent
[1:34:43] wussten Sie was das für Sie eigentlich bedeutete
[1:34:45] f- für wen für die Schreiberinnen ?
[1:34:48] ja für Sie selber weil Sie von dem was dort im Lager geschehen ist so viel wussten
[1:34:52] ja aber was das bedeutete wir waren g- immun
[1:34:56] mhm
[1:34:59] we were immun anymore wie soll ich sagen es etwas was man gar nicht erklären kann auch vom ersten Moment dass man meiner Mutter erzählt hat sie hat nicht einen Moment gesagt »ihr seid verrückt so was zu sagen« sie hat alles geglaubt ! und es war so
[1:35:18] es ist unglaublich es ist unglaublich was die w- w- was was jeden Tag wie viele Toten und wie viele ermordet wurden und wie viele geschlagen bis zu Tode unglaublich eines Tages jetzt werde ich etwas anderes erzählen nicht von Juden kam kam eine Kommission
[1:35:47] wieder bei uns in der Politischen Abteilung wir waren ja das wir waren im Herz der Kommandantur wie s- wie kann ich das sagen äh eine Kommission ein Arzt kam der äh äh äh wie sagt man [zu Rudolf A gewandt:] pes voithise me Rolli pou ekane ta agalmata
[1:36:09] apo ta prosopa mas
[1:36:11] äh die äh Abdrücke des der Gesichter
[1:36:15] mhm
[1:36:17] aha
[1:36:20] ja von der verschiedenen Rassen Rassen hatte natürlich von Ukrainern von Russen und hat man vom Franzosen da hat man gesagt »ah es sind zwei Griechinnen hier bringen Sie die zwei Griechinnen !« hat man meine Mutter ausgefragt sie war keine Griechin »gehen
[1:36:36] Sie zurück« dann haben sie gesagt bevor sie »gehen Sie zurück« haben sie mich gesehen haben sie gesagt »das ist die Tochter des jüdischen Mannes oder Ihres Freundes«
[1:36:51] hm
[1:36:53] ich hatte nicht genug jüdisches Gesicht gehabt und natürlich hat meine Mutter gesagt »nein sie ist« aber ich war auch nur keine echte Griechin dass man mir das Gesicht macht und hat man uns zurückgeschickt
[1:37:14] dann ruft man mich ein anderes Mal dass
[1:37:18] ich dolmetsche ich gehe in einen Raum da ist ein SS-Mann und ist ein Mann mit seinem gestreiften [gestikuliert] hat hier den die Nummer mit den Stern [zeigt auf die Brust] also rot rot und gelb und ist ganz aufgeregt und der SS-Mann sagt er »verstehen Sie
[1:37:41] Griechisch ?« sag ich »ja ich bin Griechin« der Mann war außer sich hat Griechisch gesprochen und hat gesagt er hatte ein G für die Griechen hat es die Männer hatten ein G in der Mitte vom Stern gehabt und erzählt mir ganz aufgeregt »ich bin kein Jude
[1:38:01] erklären Sie diesem Menschen dass ich kein Jude bin ich hatte Semmeln äh verkauft« das äh d- das ist eine Sitte hier in Griechenland das sind runde Semmeln und »d- ich hab verkauft für die Juden die weggingen und die haben mich so mit reingenommen und
[1:38:23] reingesteckt in den Waggon« [reibt die Hände] und dann ist er mit dem RSHA gekommen hat man ihm gleich tätowiert und die Nummer gegeben »Jude« und hat hier seine Nummer gehabt und einen Winkel was die Juden hatten und die Christen hatten keinen Winkel
[1:38:39] nicht ? und äh »wenigstens sollte sollen sie mich anerkennen dass ich kein Jude bin ich will Ihnen zeigen« der wollte immer seine Hosen runterbringen und zeigen dass er nicht beschnitten war nicht ? und der SS-Mann wo- wollte das nicht äh wahrhaben und
[1:38:57] ich hab und ich erinner mich noch ich denke »der arme Mann du bist ein Jude jetzt« nichts kann werden aber nichts und ist auch nichts geworden und hab nichts gehört von ihm ich konnte ihm nicht helfen ich hab ihm gesagt er ist sicher ein Christ er ist
[1:39:12] kein Jude aber ich wusste dass ich das so in der Luft sage zurück werden sie nicht gehen der arme Mann
[1:39:19] mhm
[1:39:21] er hat zu viel gesehen
[1:39:24] mh
[1:39:26] was hat er ?
[1:39:28] er hatte zu viel gesehen
[1:39:30] mhm nicht nur gesehen die wären nicht in den Prozess gegangen ihm die die Nummer zu wechseln nie nie
[1:39:34] und dann haben wir angefangen das hatte schon 44 angefangen äh im August 44 haben wir gesehen dass sehr viele Überstellungen äh von äh nicht von Juden
[1:39:53] von äh Christen polnische Christen die den Widerstand waren sehr viele äh von die im Widerstand waren überstellt wurden in in Lagern in Deutschland in Ravensbrück in Buchenwald sehr viele im Buchenwald die Männer Ravensbrück war ein Frauenlager und da
[1:40:14] haben sie sich angefangen zu fragen die älteren Frauen die mehr verstanden was geschieht und was geschieht [Telefonklingeln im Hintergrund] und das war das große [Rudolf A spricht im Hintergrund] die das war ein großes Problem
[1:40:29] mhm
[1:40:31] äh a- äh Prob- Problem mein ich zu lösen was geschieht nicht ? und d- da haben sie angefangen und sehr viele ähm äh wie sagt man Akten wurden auch gesammelt ich weiß nicht da a- erst nachher habe ich erfahren dass sie vernichtet äh wurden so viel
[1:40:53] sie können sehr viele Akten hat man und die SS selber waren sehr sehr nervös das war das ging immer mehr schwerer und schwerer ah
[1:41:03] [unterbricht:] wann fing das ungefähr an die Nervosität oder das das diese Vorbereitung oder diese wann war das ungefähr
[1:41:08] [gleichzeitig:] ja ja ja ja zu vernichten äh das war äh August September 44
[1:41:15] mhm mhm
[1:41:17] es war auch an dieser Zeit genau weiß ich nicht wann es war hat man uns genommen für eine Extraarbeit nicht Büroarbeit im Auschwitz sind wir ins Lager I in Auschwitz gegangen und sind in d- einen großen Raum gegangen wo lauter Urnen waren und die Urnen
[1:41:40] müssten rauskommen und in Lastwagen kommen und so hatten wir hatten sie hatten die SS von uns eine Kette gemacht nicht ? eine bring sie unten der andere der andere der andere der andere bis draußen damit sie diese das waren alles Zeichen dass etwas natürlich
[1:41:59] haben wir auch etwas gehört von den polnischen Häftlingen äh die Sekretärin des Kirschners hatte es in der Zeitung gelesen in in der deutschen Zeitung nicht ? aber was sie gelesen hat w- wir verstanden dass etwas äh wird nicht ? und mit diesen Urnen haben
[1:42:20] wir gearbeitet einen ganzen Tag bis wir geleert haben den Raum von den Urnen aber es war furchtbar manchmal äh äh ist eine Urne zusammen die waren sehr alt die Urnen das war von 39 noch kaputt gegangen und die Asche fiel unten und daher hörten wir mir
[1:42:39] ist es Gott sei Dank nicht geschehen aber ich hörte die Mädchen eines der Mädchen schreien [imitiert] und die Asche als ob es ein Mensch wäre nicht ?
[1:42:48] und aber das waren alles Zeichen bis äh das war dann am März am 27sten März nicht März Januar
[1:43:00] Januar
[1:43:02] 45 Januar 45
[1:43:04] mhm
[1:43:06] Januar 45 hat man uns gesammelt und äh wir wurden d- hatten uns eine Decke gegeben jedem ein Brot und wurden wegtransportiert und das war dann der di- der große Marsch wir gingen von Auschwitz für drei Tage haben wir im Schnee marschiert und hat man uns
[1:43:24] in äh wie sagt man [an Rudolf A gewandt:] achyrones ?
[1:43:29] Scheun- äh Scheunen
[1:43:32] mhm Scheunen mhm dort haben Sie dann zwischendurch übernachtet in den Scheunen haben Sie zwischendurch übernachtet
[1:43:42] ja
[1:43:44] mhm
[1:43:47] übernachtet und ich erinner mich noch meine Mutter ich und drei griechischen Mädchen waren wir in Fünferreihen und meine Mutter die war sehr sehr äh strong
[1:43:56] stark
[1:43:58] stark sehr sehr stark und immer sagte äh wir marschierten und da waren Leichen unterwegs von hier und von hier und ich guckte ich hab immer immer gedacht vielleicht mein Vater mein Bruder überhaupt mein Vater w- wie kann er diesen Marsch machen denn die
[1:44:16] Männern sind auch äh weggegangen und sie hat immer ge- gesagt »vorwärts ! vorwärts ! guck nicht rechts ! guck nicht !« äh nicht nur mich in Griechisch für die Mädchen für alle die wie wir Fünfer »guckt nicht ! rechts guckt nicht links vorwärts ! vorwärts !
[1:44:32] nicht zurückbleiben !« und immer die zurückblieben die wurden geschossen die nicht äh schnell gehen könnten und hat die mau- die Mutter noch die Mädchen gesagt »zieht eure Schuhe nicht aus ! zieht eure Schuhe nicht aus !« und diejenigen die ihre Schuhe
[1:44:48] ausgezogen haben konnten wieder ihre Schuhe nicht in in ihren Schuhen rein da sind sehr sehr viele wieder gestorben sehr sehr viele und
[1:44:58] da sind wir in Buchenwald in Ravensbrück angekommen und da war es wieder furchtbar für zehn Tage wir waren in einen
[1:45:07] Raum in einen sehr sehr großen Raum alle dort ohne Bett ohne nicht und äh ohne Essen und ich weiß nicht wie ich hatte ein Konservenbüchse hatte ich in der Hand und wollte äh Schnee bringen für meine Mutter und bin über die Menschen gegangen bis ich
[1:45:29] rauskommen könnte und hab Schnee gebracht für meine Mutter aber inzwischen haben sie mir das weggenommen die die Mädchen die dort waren nicht ? es war furchtbar eine Zeit sehr sehr schlechte und dann hat man uns in Zweitlager gebracht und uns hat man in
[1:45:47] ein Zweitlager die da war eine Fabrik eine Kartonfabrik wo man Schachteln macht da haben wir gearbeitet für zehn Tage und dann hat man mich in die SS-Küche überstellt und da haben wir etwas gegessen aber nicht nur gegessen unsere Arbeit in der SS-Küche
[1:46:10] war Gemüse zu sauber zu machen Karotten äh Kohlrabi verschiedene und äh da haben wir gedacht vielleicht können wir auch im Lager etwas Karotten mitbringen und wir trugen alle eine Schürze und dann fingen wir an in die Toilette zu gehen wir hatten saubere
[1:46:31] Karotten und da haben wir wir trugen äh solche Ho- ähm Unterhosen mit Gummi hier da haben wir im Lager gebracht und meine Mutter verteilte auch für die griechischen Mädchen die fünf mit die wir zusammen waren und eine der Damen im Lager ich weiß nicht
[1:46:55] wie meine Mutter hat ein Lastex organisiert ihr wisst was ein Lastex ist ja ? was die Frauen tragen
[1:47:01] mmm
[1:47:04] corset
[1:47:07] Korsett aha ein Korsett aha okay mhm
[1:47:10] [gleichzeitig:] das war nur mit Gummi nicht ? ich weiß nicht wie das wie äh wie meine Mutter das gefunden hat von eine Häftlingsdame und sie hat gesagt »gib mir ich werde dir auch Essen geben ich gebs meiner Tochter« und dann bin ich frecher geworden und
[1:47:24] da hab ich die Karotten alle hier so reingegeben und die Kohlrabi so und jeder hat gestohlen was wir konnten um ins Lager reinzubringen und wir ha- müssten für drei Kilometer hin und drei zurück al- aber das Zurück ging nicht schnell denn wir konnten schlecht
[1:47:43] gehen mit allen diesen Dingen die wir hatten nicht ? und es fing an manchmal wegzugehen also ist zu viel und die S- wir hatten eine SS-Frau die auf uns ge- äh a- arbeit- also achtete und einen von der Wehrmacht einen er hat die Augen geschlossen aber die
[1:48:06] SS-Frau wie sie das gesehen hat einmal hat gesagt »Kontrolle« und wie wir angekommen sind [lacht] ich muss immer lachen das ist und wie d- wie wir angekommen sind sagt sie »bleibt stehen geht nicht weiter es wird Kontrolle« und da haben wir alle angefangen
[1:48:23] raus zu nehmen was wir konnten und äh die SS-Frau ging so rings um uns und plötzlich ist sie hinter gegangen und ich höre wie sie macht »mein Gott !« [schlägt die Hände zusammen] und wir ich gucke jede hat einen Haufen wie haben wir das geschleppt weiß
[1:48:39] ich nicht
[1:48:41] [lacht] die äh die fünf griechischen Mädchen waren die aus Saloniki eigentlich ? die ähm
[1:48:48] ja die waren aus Saloniki diese fünf Mädchen ja sie waren aus Saloniki
[1:48:53] [gleichzeitig:] okay
[1:48:55] und ist das jetzt in Ravensbrück gewesen oder weil Sie grad mal sagten das war ein Außenlager
[1:48:58] [unterbricht:] nein nein von Auschwitz noch von Auschwitz zusammen
[1:49:01] mhm
[1:49:03] von Auschwitz
[1:49:05] nee das was Sie äh gerade erzählt hatten Sie sind nach Ravensbrück gekommen und da waren Sie aber nur kurz
[1:49:09] in Ravensbrück waren wir kurz dann haben sie uns in ein Zweitlager gegeben
[1:49:13] und wa- wo ist das gewesen ?
[1:49:15] Malchow hieß es
[1:49:18] mhm
[1:49:20] ah
[1:49:22] wo wir waren und es waren noch andere
[1:49:24] ja das ist das ist die Geschichte von Auschwitz aber bleibt nicht (auch) das was ich jetzt erzählt habe das war die gute Zeit wo wir das Gemüse gestohlen haben aber denkt was Auschwitz war eine Million Juden ungefähr
[1:49:40] 960000 Juden wurden dort ermordet unser Transport hab ich nach als ich mein Buch geschrieben hab (in) das Buch von Danuta Czech ich hab Ihnen erzählt von dem Buch ?
[1:49:52] ich kenn das wir kennen das ja ja
[1:49:56] das kennen Sie ja ?
[1:49:58] mhm das Kalendarium mhm mhm
[1:50:00] das Kalendarium als ich es bekommen habe ich erinner mich das war im Jahre 92 als es rausgekommen ist hab ich gleich bestellt und d- und natürlich in deutscher Sprache ich sag es tut mir Leid ich wollte dass es in eine andere Sprache ist dass meine Kinder
[1:50:12] es lesen können hab ich gleich den äh zwanzigsten März also fünf Tage war unser unsere Reise den zwanzigsten März habe ich äh aufgemacht zu sehen was da steht und da steht »heute kam ein Transport aus Saloniki von 2800 ungefähr 2800 ungefähr Juden
[1:50:39] von denen sind 417 Männer ins Lager gekommen und haben die Nummer so und so bekommen und 2- äh -90 Frauen mit den und haben die Nummer so und so bekommen« und endet genau mit meiner Nummer 38 912 weil wir zuletzt äh die Nummer bekommen haben und ich war
[1:51:03] die nach meiner Mutter nicht ? (neunun-) die übrigen 2100 und etwas 2160 oder so was wurden direkt in den Gaskammern gegangen und das stand für jeden Transport vom Reichssicherheitshauptamt vom RSHA Sie können sie sehen bei Danuta Czech es ist unglaublich
[1:51:28] unglaublich
[1:51:30] mhm
[1:51:33] und da hat man auch viele Griechinnen äh Mädchen genommen äh für den äh für die für Mengele die hat man in Block zehn gebracht damit sie Experimente damit die für die Experimente von Doktor Mengele sein und so sind 96 Prozent der griechischen Juden
[1:51:55] umgebracht sech- der Saloniker Juden
[1:51:59] ja ja mhm
[1:52:02] der Saloniker Juden ich glaube ist genug was ich erzählt habe nicht ?
[1:52:07] kann ich noch eine Frage stellen ?
[1:52:09] ja ja
[1:52:11] und zwar ähm hatten Sie gesagt dass Sie dann einmal äh erfahren hatten dass Ihr Bruder und Ihr Vater noch ähm am Leben waren hatten Sie sonst in der Zeit irgendeinen Kontakt zu dem Bruder und dem Vater
[1:52:23] wir hatten einen Kontakt durch Clauss hatten wir einen kleinen Zettel geschrieben und der der mein Vater konnte eine bestimmte Zeit rausgehen vom Block eins und von der Toilette wo wir in äh in der Politischen Abteilung wenn ich auf der Toilette stand
[1:52:46] konnte ich vom Fenster meinen Vater sehen und er ging immer eine bestimmte Zeit ich erinnere mich nicht mehr an die Stunde und ich kletterte auf die Toilette und er stand für einen Augenblick v- vor die Stufen bevor er runterging und so haben wir ihn paar
[1:53:07] Mal vier oder fünf Mal gesehen mal meine Mutter mal ich ich hatte einen Chef der hieß Pery Broad der hat ein Buch geschrieben das hab ich jetzt erst entdeckt und ich will es unbedingt haben ich hab es bestellt äh über die Deu- über die Deutschen äh
[1:53:29] im Lager das muss sehr interessant sein hat die Tür geöffnet hat mich gesehen und gleich wieder zugemacht und nichts gesagt
[1:53:38] wann haben Sie dann erfahren von Ihrem Bruder und Ihrem Vater
[1:53:48] a- als äh wir haben uns auch nochmal gesehen in Auschwitz als Auschwitz bombardiert wurde da sind wir ins Männerlager gegangen und mein Vater war ha- äh war äh d- also d- die Männer und die Frauen sind zusammengekommen weil die SS selber Angst hatten
[1:54:09] mein Vater hatte von Splittern äh war ganz mit Blut und ist äh plötzlich waren wir mein Vater und mein Bruder und die Mutter und ich so [unterstützende Geste] für einen Augenblick zusammen und haben den Vater gesehen so im Blut und Gott sei Dank haben
[1:54:27] wir auch wieder schnell erfahren durch einen SS wieder dass es ihm gut geht er war im Revier und ist und hat nichts und dann nichts mehr als wir äh marschiert waren und äh wo ich gefra- nach der Befreiung haben wir gefragt wir wurden natürlich in Malchow
[1:54:46] das war in Malchow wir waren nicht lange nicht ? äh wir wurden befreit am t- am vierten Mai aber bevor dem vierten Mai sind wir in den Wäldern gegangen dort waren die SS die haben nichts anderes gemacht als Akten verbrannt sie verbrannten Akten und da haben
[1:55:06] uns äh zwei äh wie sagt man äh Kriegsgefangene französische Kriegsgefangene gesehen und haben gesagt »kommt mit uns steht nicht da denn die Russen kommen« und sie waren in ein äh wieder [an Rudolf A gewandt:] Rolli pos (ipame) achyrona ?
[1:55:26] Scheune
[1:55:28] nein nicht Sch- Scheune haben sie uns genommen und da waren äh französische Ge- Kriegsgefangene und jugoslawische Kriegsgefangene und da waren wir zusammen und die haben mit den Mädchen auch die fünf Mädchen die griechischen und da waren wir paar Tage
[1:55:44] und so haben wir ähm die Russen waren wir von den Russen verschont und dann sind wir wir sind mit den Jugoslawen nach Jugoslawien gegangen aber alle die ich gesprochen hab ob sie Kounio den Kounio kannten viele haben gesagt »ja« und als ich fragte »was
[1:56:01] ist mit ihm geschehen ?« »ah die sind tot ah die sind tot« die habens nicht überlebt aber das war so dass sie das gesagt haben und deswegen sind wir denn wir hatten gesagt wir werden uns treffen in äh in Saloniki und äh unser Kontakt wird sein der Cousin
[1:56:21] von meiner Mutter der im Roten Kreuz in äh in G- in Geneve
[1:56:27] [gleichzeitig:] Genf
[1:56:29] [gleichzeitig:] Genf
[1:56:31] in Genf gearbeitet hat und dann sind wir ha- der also die jugoslawische Offiziere einer hat gesagt »kommt mit uns wir werden euch in unser Haus äh meine Mutter und mich äh äh äh besorgen und äh meine Mutter wird für euch besorgen kommt mit uns und von
[1:56:50] dort Griechenland Saloniki ist sehr nahe« und so sind wir zu ihnen gegangen und äh haben meine Mutter hat von dort an den Cousin geschrieben und unsere Adresse gegeben und dann kam ein Telegraf nach ein einen Monat »Salvator und äh (Bubi) sind in in in
[1:57:06] Saloniki zu Hause« und so sind wir so haben wir uns wieder getroffen
[1:57:12] und hat dann hat Ihr Vater und äh der der Heinz haben die dann schon wieder in dem alten Haus gewoh- in dem alten Haus gewohnt
[1:57:22] [gleichzeitig:] ja ja die waren schon wieder sie hatten das Haus bekommen
[1:57:24] mhm
[1:57:26] es war natürlich alles leer
[1:57:28] mhm
[1:57:30] aber sie sie hatten nur Betten und das und mein Vater hatte vorsorglich einen Fotografen alle die Möbel gegeben die hatten solche Möbel wie wir
[1:57:38] mhm
[1:57:40] äh und die hat damit die s- mit allen seinen Bücher das waren an die Tausenden Tausend und so was Bücher hatte er gehabt hat er alle wieder zurückbekommen aber bis sie zurückkamen müsste das Haus wieder renoviert also und er hat das Geschäft natürlich
[1:57:56] wieder zurück- äh bekommen
[1:57:58] ah ganz zurück oder musste er was zahlen oder
[1:58:00] sehr wenig sehr sehr wenig aber seine Klienten sind alle wieder gekommen und er hat gearbeitet und hat wieder hochgebracht
[1:58:08] mhm
[1:58:10] wie war das für Sie dann nachher wieder durch Saloniki zu laufen
[1:58:14] bitte ?
[1:58:16] wie war das für Sie dann nach dem Krieg wieder durch Saloniki zu laufen oder wie ist das heute kommen da an bestimmten Stellen wieder Erinnerungen hoch ?
[1:58:24] nein keine Erinnerungen Saloniki hat sich so sehr geändert aber so sehr geändert nachn Krieg Sie werden sehen morgen wenn Sie zu meinem Bruder gehen er wird soll euch das zeigen wie es war nicht ? is a- alles anders geworden
[1:58:40] mhm
[1:58:42] die Erinnerungen sind nur im Kopf und das Lager geht nie nie nie vom Kopf weg alles alles vergleicht sich immer wieder zurück das das ist für immer geblieben
[1:58:52] haben Sie danach nochmal Auschwitz besucht die Gedenkstätte
[1:58:57] zweimal
[1:58:59] mhm
[1:59:01] zweimal war ich in Auschwitz mein Bruder war schon mehrere Male aber ich will nicht mehr wieder gehen ich war sehr neugierig zu sehen wie das alles war wie es mit meinem Bruder war w- einmal s- bin ich mit meiner Mutter gegangen als representative von der
[1:59:17] jüdischen Gemeinde und dann haben wir [an Rudolf A gewandt:] dreimal war ich dann in Auschwitz dreimal das dritte Mal haben wir die ganze Familie mit unseren Kindern und Enkelkindern um zu zeigen haben wollten wir denen zeigen Auschwitz und Karlsbad
[1:59:34] ah ja ja
[1:59:37] wo ihre Großeltern Groß-Großeltern waren Fragen
[1:59:42] ich habe nur eine Frage zu Saloniki ähm als Sie ein ein Kind waren ähm gab es da eine bestimme Synagoge wo Sie äh an den hohen Feiertagen mit den Eltern hingegangen sind also waren Sie in der Synagoge an den hohen Feiertagen auch ?
[1:59:57] [lehnt sich nach vorne] ich hab nicht verstanden die Frage
[1:59:59] also war war die Familie Kounio ähm an den hohen Feiertagen auch in der Synagoge ?
[2:00:03] Synagoge nur mein Vater
[2:00:06] nur ah das heißt als Kind haben Sie eigentlich keine Synagoge besucht
[2:00:10] nein nein nein ich sage Ihnen ich ha- ich hatte sehr liberal sehr ich weiß nicht ob es gut ist aber auf jeden Fall ich wusste nur dass ich Jüdin bin und so hab ich es weiter gemacht
[2:00:21] mhm ah ja okay das das ähm denn wir waren auch gestern bei der einen Synagoge die noch steht die haben wir gestern auch gesehen die in der Syngrou-Straße ähm
[2:00:34] waren Sie ?
[2:00:37] waren wir weil unser Hotel da ja ist haben wir diese eine Synagoge ja auch äh gesehen
[2:00:39] die war wohl geschlossen ja
[2:00:42] [gleichzeitig:] ja ? in der in derselben Straße ist es ja ?
[2:00:44] genau
[2:00:47] [an Rudolf A:] ne Syngrou den ine ?
[2:00:49] ja ja
[2:00:51] und nach dem Krieg haben Sie dann Sie haben sich wieder getroffen in Saloniki und
[2:00:54] der hat mich ge- verfolgt [alle lachen]
[2:00:56] soll er das nachher erzählen oder wollen Sie davon erzählen ?
[2:00:59] er hat mich verfolgt [lacht] ja er hat gesehen dass wir kommen der durch seine Arbeit aber das k- wird er euch selber erzählen
[2:01:09] und Sie haben Kinder zwei ?
[2:01:11] mhm ?
[2:01:13] zwei
[2:01:16] zwei mhm
[2:01:18] wir haben was ?
[2:01:20] zwei Kinder
[2:01:22] wir haben zwei Kinder sieben Enkelkinder und fünf Großenkel
[2:01:25] mhm und ich hätte noch eine Frage zu Ihrem Buch ähm als ich das gelesen hab ähm hatte ich sehr stark den Eindruck dass es Ihnen wirklich darum geht ähm zu sagen obwohl das alles sich so anhört als hätte es nicht geschehen können ist es aber geschehen
[2:01:39] als wenn Sie denen auch entgegentreten wollen ähm die das nicht glauben wollen in dem Sie es sehr genau beschreiben in dem Sie ja viel zitieren auch aus der Literatur Zahlen ähm und Daten ähm ist Ihnen das mal passiert dass Leute Ihnen nicht geglaubt haben ?
[2:01:56] dass ich es ?
[2:01:59] (e- ech- äh) echis wri anthropous pou tous to diigithikes ke den to pistevan ?
[2:02:05] ich konnte ich wollte als ich zurückkam wollte ich nur davon sprechen
[2:02:10] mhm
[2:02:12] aber die Leute wollten nicht hören
[2:02:14] mhm
[2:02:16] mhm
[2:02:18] ich hab gemerkt wie ich zu äh wie ich gesprochen hab die Verneinung »das ist nicht möglich« oder »es ist nicht normal« und dann langsam langsam hab ich aufgehört zu sprechen aber die die Menschheit war nicht bereit zu hören wenn ich jetzt zurück
[2:02:36] lese ich lese ich sehr ich lese sehr viel äh Bücher über über das Lager und alles andere wollen überhaupt nichts davon aber ich will ich lese sehr viel das war überall in der ganzen Welt das waren vierzig Jahre ja vierzig erst 1980 fing es an dass
[2:03:00] man mehr sprach Primo Levi sein wunderbares Buch im Jahre 46 hat man es nicht lesen d- d- äh nicht drucken wollen und da äh seine Druckerei hat es nicht gedruckt sie hat es erst im Jahre 63 glaub ich gedruckt und dann ist es so bekannt geworden in der ganzen
[2:03:20] Welt das war eines der ersten Bücher auch Elie Wiesels Bücher die wurden erst viel später und die meisten Bücher sind nach 1980 äh geschrieben die äh von von früheren Häftlingen weil w- weil entweder müssten wir nur davon äh denken und nicht weiter
[2:03:46] im Leben machen oder ein st- eine Tür in unser Gehirn in Ruhe lassen und weiterleben und so haben wirs gemacht und aber es ich musste das Buch schreiben i- i- ich hatte die ich hatte angefangen zu schreiben im Jahre 55 58 ungefähr es kam ein Freund von
[2:04:15] uns ein Schriftsteller aus äh aus der Schweiz und der sagte mir »du musst das schreiben du musst es schreiben und ich werde es im Verlag Ullstein werde ich das äh das Buch (rausgeben) « ich hab mich hingesetzt und hab natürlich Deutsch geschrieben aber
[2:04:32] es ging nicht es ging nicht und es ging so ich hatte kleine Kinder ich musste mit mein mit den Kindern anders sein ich wollte nicht das Lager im Haus bringen und dann im Jahre äh 96 nicht ? also im Jahre 94 als es fünfzig Jahre war hab ich mir gedacht jetzt
[2:04:52] entweder jetzt oder niemals und da hab ich mir vorgenommen es zu schreiben und habs in drei Monaten geschrieben hab jeden Tag zwei bis drei Stunden in der Früh gearbeitet und mein armer Mann hat mich so ertragen wie ich war in ein andere Welt wieder zurück
[2:05:10] wissen Sie sehr sehr schlechte Laune und äh alles aber es ist so rausgekommen so richtig rausgekommen
[2:05:18] mhm haben Sie das dann auf Griechisch geschrieben ?
[2:05:22] auf Griechisch hab ichs geschrieben auf Griechisch Griechisch ist meine Muttersprache
[2:05:27] nein
[2:05:30] Deutsch hats der Bruder von meinem Mann übersetzt und der hat es übersetzt für seine Frau die Deutsche ist und seine Kinder damit sies lesen und ein Zufall wollte dass ich den Doktor Wiehn kennengelernt habe und hats gleich genommen und hats in seine und
[2:05:48] hats gedruckt
[2:05:50] ja mhm
[2:05:52] ich glaube das ist alles ist nicht genug ?
[2:05:56] doch doch also
[2:05:58] [gleichzeitig:] wir bedanken uns sehr dass Sie das Interview gegeben haben
[2:06:01] ja
[2:06:03] vielen Dank und werden wir gleich mit Ihrem Mann (__)
[2:06:05] [gleichzeitig:] (__) Pause machen
[2:06:07] [lacht] na klar machen wir ne Pause okay
[2:06:08] ja ja
[2:06:08] vielleicht etwas essen
[2:06:08] mhm mhm
| Datum | Ort | Text |
|---|---|---|
| ab 1926 | Thessaloniki | Geburt in einer deutsch-griechischen Familie |
| ab 1943 | Thessaloniki (Ghetto) | Umzug ins Ghetto |
| ab 1943 | Auschwitz II-Birkenau (Vernichtungslager) | Deportation aus dem Baron Hirsch-Ghetto nach Auschwitz |
| ab 1944 | Auschwitz I (Konzentrationslager) | Zwangsarbeit bei der Beseitigung von Urnen und Dokumenten |
| ab 1945 | Thessaloniki | Rückkehr nach Thessaloniki über Jugoslawien, Wiedersehen mit dem Vater und dem Bruder |
| ab 1945 | Ravensbrück (Konzentrationslager) | Zwangsarbeit in einer Kartonfabrik und in der SS-Küche |
| ab 1945 | Ravensbrück (Konzentrationslager) | Todesmarsch von Auschwitz nach Ravensbrück |
| ab 1945 | Malchow | Befreiung durch die Rote Armee |
| ab 2010 | Thessaloniki | verstorben |
| bis 1938 | – | Besuche bei den Großeltern in Karlsbad |
| Thessaloniki | Veröffentlichung der Autobiografie »Damit es die ganze Welt erfährt« | |
| Thessaloniki | Heirat mit Rudolf A. und Geburt zweier Kinder | |
| Auschwitz I (Konzentrationslager) | Flecktyphuserkrankung und Aufenthalt im Krankenbau | |
| Auschwitz I (Konzentrationslager) | Einweisung in die Politische Abteilung und Zwangsarbeit als Dolmetscherin an der Rampe in Birkenau | |
| Thessaloniki | Besuch einer griechischen Schule |
1938 sahen sich die Großeltern aus Karlsbad gezwungen, aus ihrer Heimatstadt nach Thessaloniki zu fliehen. Mit Besorgnis verfolgte die Familie die politischen Entwicklungen in Europa im Radio. 1940 wurde Griechenland durch den Angriff Italiens in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Erika A. und ihre Freundinnen unterstützten die griechischen Truppen, indem sie Mützen und Handschuhe für sie strickten.
Im April 1941 marschierten die Deutschen in Thessaloniki ein. Kurz darauf wurde der Vater von Erika A. für kurze Zeit verhaftet. Für Erika A. ging das Leben unter deutscher Besatzung in vielerlei Hinsicht weiter wie zuvor: Ihr Jugendklub »Die Saloniker« organisierte Vorträge und Sportkämpfe, und sie besuchte die Schule. Die Ausgrenzung der Juden verschärfte sich jedoch: Bald musste der Vater von Erika A. sein Fotogeschäft verkaufen. 1942 verhafteten die Deutschen alle jüdischen Männer zwischen 18 und 45 Jahren und hielten sie bis zu ihrem Freikauf durch die jüdische Gemeinde mehrere Wochen lang gefangen. Im Winter 1942/43 wurden die antijüdischen Maßnahmen in Thessaloniki noch einmal deutlich verschärft. In der Stadt richteten die Deutschen mehrere Ghettobereiche ein, und auch die Familie von Erika A. musste ihr Haus verlassen und ins Ghetto ziehen. Bald darauf wurden die Ghettos abgeriegelt, so dass Erika A. ihre Schule, die außerhalb des Ghettos lag, nicht mehr besuchen konnte. Trotz mehrerer Hilfsangebote entschieden sich die Eltern dagegen, ihre Kinder bei Bekannten zu verstecken. Sie wollten von ihrem Sohn und ihrer Tochter nicht getrennt werden.
Im März kündigten die deutschen Besatzer an, die Juden würden zur Zwangsarbeit nach Krakau gebracht werden. Die Eltern von Erika A. trafen die entsprechenden Vorbereitungen, tauschten Geld um und besorgten warme Kleidung. Über das Baron Hirsch-Ghetto wurden sie schließlich zum Bahnhof gebracht, von wo sie in überfüllten Viehwaggons nicht nach Krakau, sondern ins KZ Auschwitz deportiert wurden. Die Zugfahrt dauerte mehrere Tage.
Nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau wurden die Deportierten mit höchster Brutalität zur Selektion getrieben, dabei wurde die Familie aufgrund ihrer Deutschkenntnisse beim Dolmetschen eingesetzt. Erika A. wurde daraufhin mit ihrer Mutter in die Politische Abteilung des Stammlagers eingewiesen. Von nun an mussten sie bei der Aufnahme von griechischen Häftlingen ins Lager zwangsweise Übersetzerdienste für die Deutschen leisten.
Nachdem Erika A. an Flecktyphus erkrankte, wurde sie ins Krankenrevier des Stammlagers eingewiesen. Da die Häftlingsärzte kaum über Medikamente und Essen verfügten, versuchte die Mutter von Erika A., sie gesund zu pflegen. Nach drei Wochen wurde sie vom Lagerarzt Werner Rohde aus dem Krankenrevier entlassen.
In der Politischen Abteilung führte Erika A. Hilfsarbeiten für die dort tätigen Schreiberinnen – wie ihre Mutter – aus, wurde selber aber nur für mündliche Übersetzungen eingesetzt, da sie Deutsch sprechen, jedoch nicht schreiben konnte. Die Arbeit gewährte Erika A. besondere Einblicke in die Abläufe im Lager und ein Wissen um das Ausmaß der dort durchgeführten Vernichtung. Nach der Befreiung konnte sie oft nicht glauben, dass das, was sie erlebt hatte, wirklich geschehen war.
Mit dem Vorrücken der Roten Armee begannen die Deutschen im Herbst 1944, Dokumente zu beseitigen. Erika A. musste Akten vernichten und Urnen mit der Asche Verstorbener auf Lastwagen laden, die anschließend weggeschafft wurden.
Im Januar 1945 lösten die Deutschen das Lager auf und trieben die Häftlinge der Politischen Abteilung auf einen Todesmarsch nach Ravensbrück. Nur durch die Willensstärke der Mutter, die sie antrieb und nicht verzweifeln ließ, überstand Erika A. den Marsch. Im KZ Ravensbrück verrichtete sie zunächst Zwangsarbeit in einer Kartonfabrik, dann arbeitete sie in der SS-Küche, wo sie die Möglichkeit hatte, zusätzliche Nahrungsmittel für ihre Mutter und eine Gruppe von griechischen Häftlingen zu organisieren. Von dort wurde Erika A. mit ihrer Mutter in das Außenlager Malchow verlegt, welches Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen befreit wurde. Mit jugoslawischen Offizieren reisten sie nach Süden, von dort erfolgte die Rückkehr in die Heimatstadt Thessaloniki.
In Thessaloniki traf Erika A. ihren Vater und ihren Bruder wieder. Die Familie konnte an das Vorkriegsleben anknüpfen, denn sie erhielt ihr Haus und das elterliche Fotogeschäft zurück. Doch Erika A. fand mit ihrem Wunsch, über die Verfolgung zu sprechen, über viele Jahre kein Gehör. Erst vier Jahrzehnte später entschied sie sich dazu, über ihre Erfahrungen ein Buch zu schreiben. Dies war keine einfache Aufgabe, denn sie musste sich monatelang gedanklich in diese Zeit zurückversetzen.